Tabori - Erinnerungen - Kultur-Punkt.ch

George Tabori : Autodafé und Exodus

wir gedenken
Tabori - Erinnerungen
Online-Publikation: März 2014  im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< George Tabori : Autodafé und Exodus . Zum Teil aus dem Amerikanischen von Ursula Grützmacher-Tabori >>
Quartbuch. 160 Seiten. Gebunden mit Schildchen und Prägung; ISBN 978-3-8031-3257-4; 19,90 €
Verlag Klaus Wagenbach, Berlin; http://www.wagenbach.de

Inhalt
Nach Autodafé, dem ersten Teil der Lebenserinnerungen (2002), erscheint aus dem Nachlass der zweite Teil mit Taboris abenteuerlichen Kriegsirrfahrten durch Europa und den Nahen Osten.
Der große alte Tragik-Komiker George Tabori erzählt die Geschichte des jungen Györgi Tabori alias George Turner:
Der erste Teil, Autodafé,
beginnt wie jede ordentliche Familiengeschichte mit der Geburt des Erzählers an einem Sonntag im Mai. Nach und nach tritt die gesamte jüdische Familie auf, die freundliche, stille Mutter, der skeptische, als Journalist arbeitende Vater, der ältere Bruder Paul, der das neue Baby erst mal in die Donau schmeißen will und sich später als Genie im Umgang mit Dichtung und Unwahrheit herausstellt, die in Osteuropa verstreuten Tanten und Onkel, die nicht auf die Warnungen des Vaters hören wollen. Györgi wird zu einer Hotellehre nach Berlin geschickt. Dort lernt er nicht nur mit Tellern zu jonglieren, sondern macht auch Bekanntschaft mit reizenden Damen – und den immer unverschämter platzgreifenden Nazis.
Im zweiten Teil, Exodus,
der erstmals aus dem Nachlass veröffentlicht wird und auf Deutsch geschrieben ist, begleiten wir George auf seinem endgültigen Auszug aus der Heimat: Nach einer meist sonnigen Zeit in London und einer kurzen, umso gefährlicheren Rückkehr nach Budapest mitsamt Duells verschlägt es den Journalisten auf abenteuerlichen Wegen nach Sofia, Istanbul und schließlich nach Jerusalem.

Autor
George Tabori, ursprünglich: György Tábori[1] (* 24. Mai 1914 in Budapest; † 23. Juli 2007 in Berlin) war ein Schriftsteller, Drehbuchautor, Übersetzer, Dramatiker und Theaterregisseur ungarischer Herkunft. Tabori wurde aufgrund seiner angenehmen Arbeitsweise vom Großteil seiner Schauspieler sehr geschätzt. Den Begriff „Regisseur“ lehnte er für sich als zu autoritär ab und bezeichnete sich stattdessen als „Spielmacher“. In seinen Theaterstücken setzte er dem Grauen von Rassismus und Massenmord schwarzen Humor und absurde Komik entgegen. In den USA arbeitete er als Drehbuchautor unter anderem für Alfred Hitchcock und mit Bertolt Brecht zusammen, 1971 kehrte er nach Mitteleuropa zurück. Dort erreichte er ab 1986 in Wien (Der Kreis, Burgtheater) und seit 1999 in Berlin beim Berliner Ensemble den Höhepunkt seiner Theaterkunst. Viele Theaterfreunde schätzten den in seinen letzten Jahren „dienstältesten Theatermacher der Welt“ als den inoffiziellen „Theaterkönig“.http://de.wikipedia.org/wiki/George_Tabori


Fazit
Die »Familienromanze der besonderer Art« wie es der Verlag treffend bezeichnet zeigt nicht nur die Geschichte der jüdischen Familie Tabori. Diese enthält auch George Tabori's selbst so genannten 'Bruchstücke einer grossen Konfession' zugleich Metaphorisches in seinen Essays, Artikeln, gedruckten Gesprächen und Reden.
"Memoiren schreibt, wer am Ende ist" sagte er dazu. Die Ausdruckkraft der Sprache von Tabori ist lapidar, bringt die Fakten auf den Punkt, und ist angreifend - gleich einer rabenschwarz schillernd glänzenden Viper, einfach unvergesslich. m+w.p14-3