Die Süddeutsche Zeitung - seit 1945 - Kultur-Punkt.ch

Knud von Harbou: Als Deutschland seine Seele retten wollte

Wie würdigen
Die Süddeutsche Zeitung - seit 1945
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Online-Publikation: Juli 2015 im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
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dtv : 448 Seiten, mit s/w-Abbildungen; Hardvcover mit Schutzumschlag; ISBN 978-3-423-28055-6;  26.90 [D] 27.70 [A]
Deutscher Taschenbuch Verlag, München; http://www.dtv.de

Charakteristika
Worüber man schwieg und schrieb.

Inhalt
Im Oktober 1945 wurde die ›Süddeutsche Zeitung‹ gegründet. Die Ausgaben der frühen Jahre sind der Öffentlichkeit kaum mehr zugänglich. Sie erweisen sich als Fundgrube, denn sie spiegeln die Nachkriegszeit mit all ihren Facetten wider: von den Kriegsverbrecherprozessen über die Entnazifizierung und die Entstehung der zwei neuen deutschen Staaten bis hin zu den Nöten des Alltags, die sich sehr eindringlich aus den Inhalten der Inserate ablesen lassen. Aufschlussreich ist auch, was ausgeblendet und worüber wie berichtet wurde.
Die damaligen Protagonisten - Redakteure, Politiker, Künstler, Literaten - erhalten durch eine Ausleuchtung ihrer Biografien ein Gesicht. Die Artikel der ›Süddeutschen Zeitung‹ sind eine einzigartige Quelle zur Zeitgeschichte und eröffnen zugleich einen Zugang zum Verständnis der jungen Bundesrepublik.

Protagonist SDZ
Editorial - Anrede
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde des Hauses,
mit Dankbarkeit und Freude kann dtv auf über fünf Jahrzehnte zurückblicken: mit besonderer Dankbarkeit auf die elf Gründerverlage sowie seinen ersten Verleger Heinz Friedrich und den genialen Schweizer Graphiker Celestino Piatti, mit Freude, weil es dtv gelungen ist, seit mehr als 50 Jahren mit seinen Büchern ein großes und anspruchsvolles Publikum zu erreichen.
In den vergangenen Jahrzehnten veränderten sich die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse, und auch im Buchmarkt fand ein vehementer Transformationsprozess statt, der unsere Rahmenbedingungen tangierte. Der Großteil der lizenzgebenden Gründerverlage wurde von Konzernen gekauft oder aufgegeben, und dtv musste sich im Laufe der Zeit neu definieren und orientieren. Daneben galt es, sich den Herausforderungen des digitalen Zeitalters in Produktion und Marketing zu stellen.
dtv behauptet sich seit Jahrzehnten zwischen den großen Publikumsverlagen der Bundesrepublik als konzernunabhängiger Verlag, und es gelingt ihm, seine Taschenbuchtradition mit den Marktbedingungen der Gegenwart kreativ und zukunftsorientiert in Einklang zu bringen. Sein Programm mit weit über 5000 Titeln im Hardcover, als Paperbacks, Taschenbücher und E-Books dokumentiert den Stellenwert des Verlags.
Herausragende Klassiker-Editionen stehen neben einem erfolgreichen Unterhaltungsprogramm, aufregende Kinder- und Jugendbücher neben anregenden Sachbüchern. Große deutschsprachige und internationale Autoren der Moderne und Gegenwart wie auch Debütanten erfahren Beachtung in den Feuilletons und finden sich auf den Bestsellerlisten wieder.
Unsere Verlagschronik schaut naturgemäß zurück, wir aber blicken nach vorne und freuen uns, wenn Sie uns und unsere Bücher weiter mit Interesse begleiten. Herzlich,
Ihr Wolfgang Balk
http://www.dtv.de/editorial_1003.html

Autor
Knud von Harbou, Historiker und Germanist, Verlagslektor, Sachbuchredakteur und im Feuilleton der ›Süddeutschen Zeitung‹ tätig, hat 2013 Aufsehen erregt mit einer Biografie über den Mitbegründer der SZ, den katholischen Publizisten Franz Josef Schöningh.

Fazit als Würdigung
"Als Deutschland seine Seele retten wollte" - und konnte - hatte sie eine wahrhaftig-demokratische, standhafte Begleiterin vom ersten Jahr an, nach dem Grauen des Krieges,  und bis in unsere Tage, die  ›Süddeutsche Zeitung‹  ! Das hat  Knud von Harbou auf wunderbare Weise in 15 Kapiteln profund dargestellt. Und war, wie es H. ProebstSZ Chef der Innenpolitik bereits zehn Jahre danach  festhielt:'Gegenüber der jeweiligen Regierung loyal, aberwach und kritisch, bewegt sie sich im Allgemeinen etwas links von der Mitte; sie ist aufgeschlossen und tolerant, jedoch nie indifferent.'
Das gilt bis zu Heribert Prantl, der kundig und klar für Aktuelle Nachrichten und Themen schreibt.
Hochaktuell z,B.der erste themenkreis in der SZ :1945 :Fremde, unheimliche Heimat, danach berichtet präzise von Harbou zurecht, von Teufelspack (noch immer hochaktuell -NSU, Begida, NPD..), Real-Posaunisten, von Deutschland als unliebsames Kind, militärischen Kofschmerzen, auch Stalins  Versuch (wie in Österreich 1951 Generalstreikversuch), bis zur Rückkehr in die Zukunft im Jetzt  - in die Normalität. Ein geradezu fazinierendes Doppelportrait mit Staat & Printmedium blickt uns mitten in unser deutschsprachige/s  Inneres / Seele. m+w.p15-8