P. P. Pasolini : Rom, Rom - Kultur-Punkt.ch

Pier Paolo Pasolini : Rom, Rom . Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki u. a.

Wir würdigen / Belletristik
P. P. Pasolini : Rom, Rom.
-c-wagenbach14-10Pasolini-Rom

Online-Publikation: Oktober 2014  im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Pier Paolo Pasolini : Rom, Rom . Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki u. a. >>
SALTO: 120 Seiten. Fadengeheftet. Rotes Leinen. Gebunden mit Schildchen . ISBN 978-3-8031-1306-1 . 14,90 €
50 Jahre Verlag Klaus Wagenbach, Berlin; http://www.wagenbach.de

Inhalt
Erzählungen aus und über Rom, von ebenso durchtriebenen wie liebenswerten halbwüchsigen Römern. Der Dichter und Filmemacher Pasolini ist ihnen ganz nah – selbst sehr jung und eben in der Stadt am Tiber angekommen, die wir mit seinen Augen neu entdecken.
Jede dieser Geschichten ist eine zärtliche Liebeserklärung an die Stadt Rom und ihre Bewohner, besonders an die benachteiligten unter ihnen, die in den Vorstädten leben und ins Zentrum kommen, um – unter Anwendung aller möglichen faulen Tricks – etwas Geld zu verdienen: als Röstkastanienverkäufer, als Fischhändler, als Kofferträger. Und um sich zu vergnügen, einen Kopfsprung vom Ponte Sisto in den Tiber zu wagen, für 150 Lire Boot zu fahren oder auch nur mit dem Oberleitungsbus auf der Via del Mare, während die Zeit verglüht im kalten Funken des Leitungsdrahts oder zu Staub zerrinnt in der kargen Landschaft am Stadtrand. Pier Paolo Pasolini schreibt einen anderen Baedeker Roms, denjenigen seiner Bewohner, der grausam und gefährlich sein kann – und dann wieder mild, im weichen Licht des Abends auf der Tiberinsel und am Ufer von Trastevere. Der junge Dichter bemächtigt sich der Stadt,ihrer Armut und ihrer Schönheit. Er erzählt uns, wie alles zusammenkommt – Lebensängste und Zukunftsträume, Überlebenstaktiken und Dolce Vita. Mit einer Biographie Pasolinis und zahlreichen Rom-Fotos der 1950er Jahre.

Autor
Pier Paolo Pasolini, 1922 in Bologna geboren, war Schriftsteller, Filmregisseur, Journalist und Kritiker. Er lebte in Casarsa (Friaul), verlor wegen »obszöner Handlungen in der Öffentlichkeit« seine Stelle als Lehrer und zog 1950 nach Rom. Mit dem Roman »Ragazzi di Vita« (1955) erlangte er große Bekanntheit in Italien, wo er zu den wichtigsten und streitbarsten Intellektuellen seiner Zeit gehört. Pasolini wurde 1975 in Ostia ermordet.
Eine umfangreiche, reich bebilderte Chronologie zum Leben und Werk Pasolinis, geschrieben vom besten Kenner seiner Biographie. Das Portrait eines ungewöhnlichen, sanften und doch streitbaren Künstlers, der Italien bewegt hat und von ihm bewegt war.
Chronologie
Nico Naldini, ebenso wie sein acht Jahre älterer Cousin Pier Paolo Pasolini in Casarsa im Friaul aufgewachsen, beschreibt in dieser Chronologie das Leben und das gesamte Werk Pasolinis. Sie beginnt mit den idyllischen gemeinsamen Jugendjahren in Casarsa, den ersten poetischen Versuchen Pasolinis im friaulischen Dialekt, den verwirrenden Erfahrungen der frühen Liebe – bis zu jenem ersten Konflikt mit der bürgerlichen Welt, der Anklage wegen » obszöner Handlungen «, dem damit verbundenen Verlust seiner Stelle als Lehrer und dem Ausschluss aus der Kommunistischen Partei. Naldini zitiert eine Fülle von Zeugnissen von und über Pasolini: Tagebücher, private Korrespondenz und Erinnerungen seiner Freunde, außergewöhnliche Fotos, aufgezeichnete Gespräche, journalistische Polemiken und ästhetische Auseinandersetzungen mit seinen Kollegen – Bausteine aus Leben und Werk eines Poeten, der dreißig Jahre lang beinahe täglich angegriffen und beleidigt wurde, während man ihn gleichzeitig fast wie ein Orakel las und befragte.

Fazit
Die Erzählungen von Pier Paolo Pasolini im literarischen Reisetaschenbuch "Rom, Rom" erweisen sich als eine Hochkultur einer Sprache, die einseits durch ihre bildhafte Kürze aus dem lateinischen DNS-Erinnerungsraum hervorleuchtet und andererseits der unmittelbaren Präsenz neoveristisch wie voyeuristisch scharfzüngig gewidmet ist.
Das Buch ist ein literarisches Schatzkästchen aus der Mitte des zwanzigsten Jahrhundert aus dem römischen Da-Sein. m+w.p14-10