Kindheit unter Mao - Kultur-Punkt.ch

Jie Zhao : Kleiner Phönix . Eine Kindheit unter Mao

lebenswelt
Kindheit unter Mao
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Online-Publikation: April 2013  im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
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Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 720 Seiten, 13,5 x 21,5 cm, mit Abbildungen, ISBN: 978-3-89667-498-2; € 24,99 [D] | € 25,70 [A] | CHF 35,50
eBook Format: epub : Mit Abbildungen; ISBN: 978-3-641-10197-8; € 19,99 [D] | CHF 25,00
Randomhouse-Blessing Verlag München; http://www.randomhouse.de/blessing;

Inhalt
Bewegende Erinnerungen gewähren einmalige Einblicke in chinesisches Denken und chinesische Kultur.
Ihre Eltern waren Schauspieler im Dienste der Armee und nie zu Hause. So wuchs die kleine Zhao Jie, genannt Cui, in den frühen 60er-Jahren mit ihrer Großmutter und den Nachbarn in einem engen Hof in unmittelbarer Nachbarschaft zum Platz des Himmlischen Friedens auf. Das Zentrum des Riesenreiches ist ihr Spielplatz, hier lernt sie Fahrrad fahren und schwenkt Papierblumen für die Revolution. Mao wird für das Mädchen zur unerreichbaren Vaterfigur, der sie wie Millionen andere Kinder ihrer Generation gläubig folgt. Ihre Großmutter schenkt ihr die Liebe, Mao ein Lebensideal. Mit neun Jahren trägt sie die ordensgeschmückte Uniform der Rotgardisten. Mit dreizehn marschiert sie bis zum Zusammenbruch. Erst als sie fern von daheim als Erntehelferin in einem armen Bauerdorf lebt, wird ihr klar, dass sie ihre Kindheit einer Lüge geopfert hat.
Zhao Jies erstaunliche Erinnerungen eröffnen einen großartigen und nie gesehenen persönlichen Blick in ein bis heute rätselhaftes Land. Zhao Jies Lebensgeschichte ist ein Dokument des Optimismus und Lebensmutes. Sie erzählt von der Befreiung aus der Unmündigkeit und von kindlicher Liebe, Freundschaft und Kraft, die kein Staat brechen kann.

Tags / Stichworte
(Ein Tag [tæg] (engl. Etikett, Mal, Auszeichner, Anhänger) ist eine Auszeichnung eines Datenbestandes mit zusätzlichen Informationen. wikipedia):
Politik   Erinnerungen   Emigration   Platz des Himmlischen Friedens   Peking   Mao   Kulturrevolution   China   Wilde Schwäne  

Autorin
Zhao Jie wurde 1958 in Peking geboren, als 9-jährige erlebte sie den Beginn der von Mao Tse-tung ausgerufenen Kulturrevolution, wurde Rotgardistin und glühende Revolutionärin. Mit 18 meldete sie sich freiwillig für den Arbeitseinsatz in einem zentralchinesischen Bergdorf. Seit 1984 lebt sie in Berlin, wo sie als Übersetzerin und Dolmetscherin arbeitet.

Fazit
Von der Rotgardistin, weitab vom Platz des Himmlischen Friedens, bis zur Übersetzerin und Dolmetscherin in Berlin hat Jie Zhao ihren grossen Erinnerungs-Roman " Kleiner Phönix " geschaffen und dabei in einer ungewöhnlichen Sprachduktus ihre Kindheit unter Mao lebendig dargestellt. Ein Beispiel: "Plus sechs Stunden Zeitdifferenz in der Sommerzeit. In Peking war es 5 Uhr 40 des 4. Juni gewesen, als meine Uhr stehen geblieben war. Eine giftige Ohnmacht würgte und betäubte mich augenblicklich. Ich verlor meinen Verstand..." . Charakteristisch wie symptomatisch für diesen Erzählstil von Jie Zhao ist der Zusammenprall von präziser Raum-Zeit (apollinisch-rational) und dem Erinnerungsschock vom Platz des Himmlischen Friedens, der sich beinahe epileptisch in der Sprache wie den Körper niederschlägt (dionysisch-vegetativ) . Es ist ein grosser Roman im zweifachen Sinn: Sprach - kalt und - vulkanisch zugleich, an einen Zen-Schlag (mit viel chi) erinnernd. m+w.p13-4