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Containern : Schreiben an Edeka: Lebensmittelrettung statt „besonders schwerer Diebstahl“

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Sehr geehrte Damen und Herren,
viele von euch sind nun schon mit unserem Fall vertraut. Wir, Caro und Franzi, sind wegen Lebensmittelrettung des „besonders schweren Diebstahls“ angeklagt. Wir haben die Entscheidung getroffen, uns mit diesem Fall an die Öffentlichkeit zu wenden. Damit möchten wir auf die Lebensmittelverschwendung aufmerksam  machen, eine Gesetzesänderung in die Wege leiten und uns für die Entkriminalisierung von Lebensmittelrettung einsetzen. In diesem Sinne haben wir uns dazu entschieden, trotz der Zugeständnisse vonseiten der Staatsanwaltschaft, was das Strafmaß anbelangt, mit unserem Fall vor Gericht zu treten, um dort einen Freispruch anzustreben, in der Hoffnung, die letzten zu sein, die sich vor Gericht wegen Containerns verantworten müssen.
Seit unserer ersten Pressemitteilung, welche sich im Anhang befindet, hat sich viel getan. Unser Termin wurde vonseiten des Gerichts bereits zweimal verschoben und findet nun voraussichtlich am 10. Dezember um 8.30 Uhr vor dem Amtsgericht Fürstenfeldbruck statt. Der EDEKA Supermarkt hat seinen Strafantrag zurückgenommen. Zudem hat sich das Strafmaß zu unseren Gunsten verändert. Die Staatsanwaltschaft München II hat eingesehen, dass es sich bei Lebensmitteln im Müll nur noch um eine geringwertige Sache handeln kann und hat uns das Angebot unterbreitet, den Prozess gegen eine geringe Auflage von jeweils 8 Sozialstunden bei der Tafel einzustellen. Der Vorwurf des schweren Falls des Diebstahls ist damit vom Tisch. Angeklagt sind wir jedoch weiterhin.
Man könnte denken, dass diese geringe Auflage doch nicht so schlimm sei. Ist sie auch nicht. Ganz im Gegenteil, wir würden dies sogar im Sinne einer Anreicherung von Erfahrungen und Erweiterung unseres Horizonts zu schätzen wissen. Eine gemeinnützige Organisation, wie die Tafel, unterstützen wir gerne. Nichtdestotrotz empfinden wir dies als es eine ungerechte Strafe. Denn es soll etwas bestraft werden, das keinen Schaden verursacht hat, noch dazu aus moralischen Beweggründen geschah. Mit einem geringen Maß an sozialem Engagement könnte die ganze Sache aus der Welt geschafft werden. Damit wäre aber auch die Kriminalisierung unseres Falles vergessen. Nicht zuletzt durch unsere öffentliche Kampagne wird deutlich, dass wir uns nicht allein für unsere Straffreiheit einsetzen, sondern für alle anderen Menschen, die Lebensmittel retten und in die Gefahr laufen, dafür strafrechtlich verfolgt zu werden. Der nächste Fall ist ein Fall zu viel.
Natürlich begrüßen wir es, dass er Edeka seinen Strafantrag zurückgenommen hat. Die Begründung dafür ist jedoch auf zweierlei Art bedauerlich. Zum einen ist es bedauerlich, dass der Geschäftsleiter "Anfeindungen und Beleidigungen" ausgesetzt war, wie es die Pressestelle Edeka-Südbayern mitteilte. Hiervon wollen wir uns deutlich distanzieren. Zum anderen bedauern wir, dass die Rücknahme nicht aus einer Einsicht bzw. Kooperationsbereitschaft zwischen Lebensmittelrettern und Unternehmern heraus geschah. Es werden Lebensmittel weggeworfen, die noch genießbar sind. Es gibt Menschen, die diese noch zu schätzen wüssten oder noch vielmehr ihrer sogar bedürfen. Wenn wir in die Mülltonnen schauen, dann sehen wir genau die darin liegende Ungerechtigkeit. Es kann nicht sein, dass etwas bestraft wird, was diese Tatsache offenlegt. Doch genau einen solchen Einblick zu gewähren scheint nicht im Interesse der Supermärkte zu liegen. An uns wurde herangetragen, dass der EDEKA Supermarkt in Olching nun ebenfalls seine Tonnen mit einem Vorhängeschloss  verschlossen hat, was vor diesem Strafverfahren nicht der Fall war. In einem Schreiben, welches wir auch auf unserm Blog veröffentlichen, wenden wir uns erneut an EDEKA um eine Kooperation der Nachhaltigkeit zwischen Lebensmittelhändler und Verbraucher anzuregen. Lebensmittelverschwendung geht jeden etwas an. Wir fordern mehr Transparenz und Verantwortlichkeit.
So heißt es weiterhin: Containern ist kein Verbrechen! Das Containern selbst - also das Bewahren von genießbaren Lebensmitteln vor der sinnlosen Vernichtung - verweist auf einen Missstand, dem unwiderruflich Einhalt geboten werden muss. Ein Freispruch in unserem Fall würde zeigen, dass das gesellschaftliche Umdenken auch vom Staat aufgegriffen wird, vollzogen durch eine Angleichung von Recht im Sinne der allgemein empfundenen Gerechtigkeit.
Dank der großen medialen Aufmerksamkeit, die unserem Fall geschenkt wurde, haben wir bereits viel Unterstützung erfahren. So sind wir mittlerweile umgeben von einem Unterstützerkreis, der uns tatkräftig zur Seite steht. Somit ist am neuen Gerichtstermin am 10. Dezember erneut eine Kundgebung ab 7:45Uhr geplant. Der Prozess selbst beginnt um 8:30Uhr. Wir laden herzlich dazu ein, während der Verhandlung anwesend zu sein. Danach wird es im Rahmen der Kundgebung spannende Vorträge geben, sowie Musik und einen Essensstand mit leckerem gerettetem Essen.
Außerdem möchten wir auf unsere Online-Petition aufmerksam machen, mit der wir uns an die Bundesjustizministerin Katarina Barley, sowie an den Vorstandsvorsitzenden der EDEKA AG Markus Mosa wenden. Hierin fordern wir eine Gesetzesänderung. Supermärkte müssen dazu verpflichtet werden, noch genießbare Lebensmittel weiter zu verteilen.
Mit freundlichen Grüßen,
Caro und Franzi  hat diese Petition auf WeAct gestartet.
Kontakt
telefonisch: 015204009041 oder 017697858071
mailto:olchis-containern_1@riseup.net
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