Speichel I-II - Kultur-Punkt.ch

Speichel / Spucke im Blickpunkt von Wissenschaft und Praxis

Zahngesundheit-2008-Speichel

<< Weltzahngesundheitstag - 12. September '08 Berlin (Weltzahnärzteverband FDI )


Aktionskreis Tag der Zahngesundheit 2008:
Birgit Dohlus, Pressestelle; info@zahndienst.dewww.zahndienst.de;
Dr. Prümel-Philippsen:Moderation der Pressekonferenz
Statements, dem Überblick und Inhalt nachfolgend:
- 1 Dr. Sebastian Ziller, Bundeszahnärztekammer; s.ziller@bzaek.dewww.bzaek.de;
- 2 Prof. Dr.Dr.h.c. Georg Meyer, Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der
     
Ernst-Moritz-Arndt-Universität  Greifswald; www.dental.uni-greifswald.de;
- 3 Statement der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Krankenkassen
AOK-Bundesverband Bonn,www.aok-bv.de;  BKK Bundesverband, Essen, www.bkk.de;  IKK-Bundesverband, Bergisch Gladbach, www.ikk.de;  Bundesverband der landwirtschaftlichen Krankenkassen, Kassel www.lsv.de/verbaende;  Knappschaft, Bochum, www.bundesknappschaft.de;  Verband der Angestellten-Krankenkassen e.V., Siegburg,www.vdak.de;  AEV-Arbeiter-Ersatzkassen-Verband e.V., Siegburg, www.vdak.de;

ÜBERBLICK UND INHALT
Tag der Zahngesundheit 2008:
Speichel/Spucke im Blickpunkt von Wissenschaft und Praxis

Unter dem Motto „Gesund beginnt im Mund – aber bitte mit Spucke!“
stellt der Aktionskreis zum Tag der Zahngesundheit in diesem Jahr den
Speichel in den Blickpunkt sowohl der Öffentlichkeit als auch der
Zahnärzteschaft: „Spucke wird unterschätzt: Die Flüssigkeit aus der
Mundhöhle verrät bspw. viel darüber, wie es uns geht“, sagte Dr.
Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer bei der
zentralen Pressekonferenz zum Tag der Zahngesundheit 2008 am 12.
September in Berlin: „Spätestens, wenn einem buchstäblich die ‚Spucke
weg bleibt’, denkt man über die Bedeutung des Speichels nach.“ Mit dem
Thema wolle der Aktionskreis „ein Schlaglicht werfen auf die
wichtigsten Aufgaben, den Nutzen und die Wichtigkeit des Speichels für
unsere Gesundheit aus zahnmedizinischer und medizinischer Sicht.“ Das
üblicherweise in einer Menge von 1 Liter pro Tag von den Speicheldrüsen
produzierte Sekret sei immens wichtig für so alltägliche Dinge wie
Sprechen, Schlucken und die Nahrungsaufnahme. Speichel durchfeuchte
sowohl den Mund als auch die Nahrung, wirke als Gleitmittel beim
Schlucken, reinige Mundraum und Zähne, enthalte eine Vielzahl von
Inhaltsstoffen zur Abpufferung von Säuren sowie zur Remineralisation
des Zahnschmelzes und könne zudem Speichel Bakterien, Viren und Pilze
abwehren. „Der Mund ist für so vieles eine Eintrittspforte in den
menschlichen Körper“, sagte Dr. Oesterreich, „einem wirksamen
Abwehrsystem an dieser Stelle kommt eine bedeutende Wächterfunktion
zu.“

Mundtrockenheit mehr als nur unangenehm

Mundtrockenheit hat belastende Folgen: Das Essen werde zur Qual, sagte
Dr. Oesterreich, die Lippen klebten aufeinander und könnten aufreißen,
zudem bereite das Sprechen Schwierigkeiten. Mindestens vier Prozent der
Bevölkerung litten unter der „Xerostomie“ genannten Mundtrockenheit,
Ursache könne auch die Nebenwirkung eines Medikamentes sein. Auch bei
Patienten nach Tumorbestrahlung tritt sie häufig auf. Diese Patienten
sind besonders gefährdet, schnell Karies und andere Erkrankungen der
Mundhöhle zu entwickeln. Die Bedeutung des Speichels in der
Zahnheilkunde und in der Allgemeinmedizin nehme derzeit erheblich zu,
bereits heute sei Speichel für die Diagnostik allgemeinmedizinischer
Erkrankungen sowie für die Früherkennung eines Karies- oder
Parodontitisrisikos ein wichtiger Indikator. Dr. Oesterreich:
„Wissenschaftler arbeiten derzeit weltweit intensiv an Möglichkeiten,
chronische oder akute Erkrankungen von Herz, Leber und Niere frühzeitig
mit Hilfe des Speichels aufzudecken, denn wenn es einem Menschen nicht
gut geht, verändert sich das typische Eiweißprofil des Speichels.“

Die zwei Seiten des Speichels

Neben den vielen hilfreichen Seiten hat der Speichel auch durchaus
ungünstige, darauf wies Prof. Dr. Dr. h.c. Georg Meyer (Universität
Greifswald) als wissenschaftlicher Experte bei der Pressekonferenz in
Berlin hin: „Der Speichel ist eine äußerst hilfreiche, interessante,
komplexe und noch lange nicht in allen Konsequenzen erforschte
Körperflüssigkeit, die außerdem viele Schnittstellen zu anderen
medizinischen Disziplinen bietet, wie z. B. Genetik, Immunologie,
Mikrobiologie, Ernährungswissenschaft, Onkologie u. a. – aber er macht
uns auch Sorgen.“
Speichel als „Transporter-Medium“ bringe beispielsweise pathogene Keime
auch zu Stellen im Mund mit Verletzungen. Von hier aus gelangten die
Mundbakterien über die Blutbahn in den Organismus. Kardiologen sähen
inzwischen orale Keime als Hauptbeteiligte an der Entwicklung einer
Herzinfektion (Endokarditis). „Das Interessante daran ist die Frage:
Wie kommt es, dass der ‚gute Speichel’, obwohl sich an seiner
Zusammensetzung nichts ändert, einmal positive Wirkungen hat und ein
andermal negative?“ Da Speichel im Mundraum spüle und der Bereich auch
gut belüftet sei, halte sich die Keimmischung in einem relativen
Gleichgewicht. In einer Zahnfleischtasche aber fielen Spülung und
Belüftung weg – die pathogenen Keime vermehrten sich massiv, es komme
zu einer Keimverschiebung.
Das Wissen über den Speichel sei um so wichtiger, je mehr man über die
Folgen eines ‚gekippten biologischen Systems’ wie in einer
Zahnfleischtasche wisse: „Bei voller Bezahnung ergeben 9 mm tiefe
entzündete Zahnfleischtaschen in der Summe eine Fläche von 25 cm²
infiziertes Zahnbettgewebe - eine wirklich beachtliche Größe für eine
offene Wunde und Eintrittspforte in die Blutbahn.“ Bei Tierversuchen
habe die Injektion oraler Keime in die Blutbahn zu Gerinnungsstörungen,
Thrombenbildung und Gefäßveränderungen geführt. “Für uns in den
Zahnarztpraxen – und in der Wissenschaft – wird die Aufgabe,
Mundgesundheitsschäden zu vermeiden, dadurch auch zu einer
Präventionsaufgabe von relevanten Risikofaktoren für
allgemeingesundheitliche Erkrankungen“, sagte Professor Meyer.

466 Millionen für die Prophylaxe

Für die Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Krankenkassen
bedankte sich Jürgen Helfenritter (Bundesverband der
landwirtschaftlichen Krankenkassen) im Rahmen der Pressekonferenz in
Berlin „bei allen, die in den letzten Jahren und auch in diesem Jahr
wieder mit viel Arbeit und vielen Ideen zum Erfolg die­ses Tages
beitragen.“ Die Zusammen­arbeit unterschiedlicher Or­ganisationen
sowohl auf Bundesebene als auch auf regio­naler Ebene funktioniere
reibungslos.
Die gesetzlichen Krankenkassen unterstützten den Tag der Zahngesundheit
auf vielfältige Weise – aber auch die Zahngesundheitsvorsorge generell:
„Im Jahr 2007 haben die gesetzlichen Krankenkassen insgesamt 466 Mio.
Euro für die zahnmedizinische Individual- und Gruppenprophylaxe sowie
die zahnärztlichen Kinder-Früherkennungsunter­su­chungen ausgegeben.“
Die Krankenkassen appellierten an die Eltern, den Kindern nicht zur
„Ruhigstellung“ dauerhaft Süßes aus einer Sau­ger­flasche zu geben. Die
frühzeitige Umstellung auf das Trinken aus einer Tasse diene der
Vermeidung der sog. „Nuckelflaschenkaries“.
In der Zahnarztpraxis könnten sich Versicherte aller Altersklassen
kostenfrei und ohne die Zahlung der Praxisgebühr zahnärztlich
untersuchen und beraten lassen.
Es sei auch den Vorsorgemaßnahmen der gesetzlichen Krankenkassen zu
verdanken, dass sich die Mundgesundheit in Deutschland weiter
verbessert habe, gleichwohl gebe es noch „Handlungsbedarf bei dem
Ausbau der Maß­nahmen für Kinder vor dem Kindergartenalter“ sowie
flächendeckend bei der Gruppenprophylaxe und bei der Lösung der
Schieflage in der Kariesvertei­lung – Studien zufolge seien „Kinder mit
Migrati­onshintergrund oder niedrigem Sozialstatus stärker von
gesund­heitlichen Risiken be­troffen.“ Allerdings, so das Resümee von
Jürgen Helfenritter, „kann das „Problem der Ungleichheit von
Gesundheitschan­cen nicht alleine von der GKV gelöst werden - hier ist
vor allem die Politik gefordert, konse­quent in die Be­reiche der
Gesundheitser­ziehung ein­zugreifen.“

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Anhang:

Ratgeber für Patienten: So halten Sie Ihren Speichel gesund

* Rauchen Sie nicht – das Rauchen macht Speichel zähflüssig und weniger
aktiv.

* Sorgen Sie durch sorgfältige und regelmäßige Mundhygiene für eine
Reduktion an Keimen im Mund und an besonders gefährdeten Stellen des
Zahnsystems, besonders wenn Sie unter Mundtrockenheit leiden.

* Entfernen Sie Zahnbeläge (Plaque) sorgfältig: Nur wo Speichel auch
den Zahn umfließen kann, kann er seine Remineralisationsaufgabe
ausüben. Dicke Beläge fördern die Kariesentwicklung.

* Nehmen Sie Zahnfleischbluten nicht auf die leichte Schulter: Es kann
der Anfang einer Zahnbettentzündung (Parodontitis) sein, die Pforten
eröffnet für das Eindringen pathogener Keime in die Blutbahn. Wenn
Zahnfleischbluten längere Zeit bei der Mundhygiene oder sogar beim
Essen auftritt, sollte ein Zahnarzt aufgesucht werden.

* Bei einem trockenen Mund, wie er bei Krankheiten und
Medikamenteneinnahme entstehen kann, sollte durch z.B. Kaugummikauen
die Speichelproduktion angeregt werden. Bei Stress sollte stets
ausreichend getrunken werden. Wasser verdünnt die hilfreichen
Schutzfunktionen des Speichels nicht.

* Gesundheitsschutz bietet nur ein ungestörtes Speichelsystem: Gestört
wird es durch zucker- oder säurehaltige Getränke bzw. durch zucker- und
kohlenhydratreiche Ernährung, die ein saures Milieu in der Mundhöhle
schafft und die Vermehrung von Bakterien fördert.

* Trinken Sie ausreichend am Tag – mindestens 1,5 Liter und möglichst
zucker- und säurefreie Getränke.

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STATEMENT 1

Zentrale Auftaktpressekonferenz
12. September 2008 in Berlin
zum
Tag der Zahngesundheit (TdZ)
am 25. September 2008
Motto:
„Gesund beginnt im Mund – aber bitte mit Spucke“
Dr. Dietmar Oesterreich
Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer,
Präsident der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern
Sperrfrist bis 12. September 10:00 Uhr

Es gilt das gesprochene Wort
Sehr geehrte Damen und Herren,
Spucke – igitt – , mögen viel denken. Die erste Assoziation, welche die meisten Menschen
mit Speichel verbinden, ist ein Ekelgefühl. Wer mag sich schon mit Speichel
beschäftigen? Zahnärzte durch ihren Beruf notwendigerweise. Aber es gibt noch eine
ganze Reihe weiterer Spezialisten, die sich mit dem Speicheldrüsensekret auseinandersetzen.
Spucke wird unterschätzt: Die Flüssigkeit aus der Mundhöhle verrät bspw.
viel darüber, wie es uns geht. Spätestens, wenn einem buchstäblich die „Spucke weg
bleibt“, denkt man über die Bedeutung des Speichels nach.
Deshalb möchte das diesjährige Motto des Tages der Zahngesundheit „Gesund beginnt
im Mund – aber bitte mit Spucke“, das gesellschaftliche Tabu, welches Körpersekreten
allgemein und dem Speichel insbesondere anhaftet, helfen aufzubrechen.
Wir wollen ein Schlaglicht auf die wichtigsten Aufgaben, den Nutzen und die
Wichtigkeit des Speichels für unsere Gesundheit aus zahnmedizinischer und medizinischer
Sicht werfen.
Ein normaler Speichelfluss, ca. einen Liter produzieren unsere Speicheldrüsen täglich,
ist immens wichtig für solch gewöhnlichen Dinge wie Sprechen, Schlucken und
die tägliche Nahrungsaufnahme. Durch Gerüche, Geschmacksreize und Kaubewegungen
über Nervensignale angekurbelt, durchfeuchtet die Spucke die Nahrung,
wirkt als Gleitmittel beim Schlucken, reinigt den Mundraum und die Zähne, enthält
eine Vielzahl von Inhaltsstoffen zur Abpufferung von Säuren sowie zur Reminalisierung
des Zahnschmelzes und kann Bakterien, Viren und Pilze abwehren. Der Speichel
besteht zu 99 Prozent aus Wasser. Doch richtig interessant sind die Bestandteile
des einen Prozents: Die wichtige schützende Wirkung des Speichels auf
Mundhöhle und Zähne, beruht zum einen auf einem dünnen Eiweißfilm, der sogenannten
Pellikelschicht, der die oralen Hart- und Weichgewebsoberflächen überzieht.
Dieser schleimige Eiweißfilm (Muzine), der die Gleitwirkung des Speichels bewirkt,
hält auch die Schleimhäute feucht und schützt sie vor Verletzungen. Für die Zahnerhaltung
ist aber auf der anderen Seite ebenso wichtig, dass durch den Speichel ein
hoher Gehalt an Kalzium und Phosphaten zur Verfügung steht, die zur Remineralisierung
der Oberflächen des Zahnschmelzes von entscheidender Bedeutung ist. Bekanntermaßen
produzieren Kariesbakterien nach dem Essen zahnschädigende Säuren,
wodurch der pH-Wert in der Mundhöhle sinkt. Diese Säuren entziehen dem
Zahnschmelz Mineralien. Speichel neutralisiert die Säuren und ermöglicht somit einen
raschen Wiedereinbau der Mineralstoffe. Gleichzeitig verdünnt Speichel auch
hohe Zuckerkonzentrationen, die dem Zahnschmelz nach Genuss eines Schokoriegels
gefährlich werden könnten. Und dass die geballte Säure, die etwa durch einen
knackigen Apfel in den Mund gerät, keine bleibenden Schäden hinterlässt, ist Puffersubstanzen
geschuldet, die säurehaltige Lebensmittel neutralisieren. Darüber hinaus
trägt die Amylase, ein Enzym, das bereits im Mund die Verdauung von Speisestärke
einleitet, zur Selbstreinigung der Mundhöhle, vor allem der Zahnzwischenräume,
als eine Art „biologische Zahnbürste“ bei.
3
Der Mund ist für so vieles eine Eintrittspforte in den menschlichen Körper, dass einem
wirksamen Abwehrsystem an dieser Eintrittsstelle eine bedeutende Wächterfunktion
zukommt. Krankheitserreger sollen sich nicht ansiedeln, sondern möglichst
frühzeitig erkannt und ausgeschaltet werden. Deshalb besitzt der Speichel eine Reihe
unterschiedlicher Abwehrmittel: Antikörper, Eiweißstoffe oder Lactoferrin. Viele
der Schleimschichtproteine im Mundraum (Muzine), deren Struktur von Mensch zu
Mensch unterschiedlich ist, dienen der Abwehrfunktion gegen mikrobielle Noxen oder
sind wichtig für die schnelle Wundheilung in der Mundhöhle. Sie bieten erwünschten
Bakterien Anheftungsstellen, um sich in der Mundhöhle anzusiedeln. Anderen Bakterien,
Viren oder Pilzen, die nicht mit den Schleimstoffen reagieren, wird die Aufnahme
in die „Wohngemeinschaft des Mundes“ verwehrt, sie werden mit dem Speichel
weggespült. Etwa 500 verschiedene Bakterienarten besiedeln die Mundhöhle und
verdrängen allein durch ihre Anwesenheit oder Stoffwechselaktivität unerwünschte
Besucher.
Doch bei einem - erkrankungs- oder medikamentenbedingten - verminderten Speichelfluss,
bei unzureichender Mundhygiene oder bei einer unausgewogenen Ernährung
kann das Gleichgewicht des schützenden Mundmilieus langfristig so gestört
werden, so dass sich Karies- und Parodontitisbakterien oder auch Hefepilze vermehrt
entwickeln.
Wenn die Spucke uns auf Dauer wegbleibt, fällt erst auf, wie wichtig sie ist. Ein trockener
Mund, den viele sonst nur von Stresssituationen her kennen, wird dann zur
Belastung. Das Essen wird zur Qual, die Lippen kleben aufeinander, reißen auf und
das Sprechen bereitet Schwierigkeiten. Mindestens vier Prozent der Bevölkerung
leiden unter Mundtrockenheit (Xerostomie).Als Ursachen für Mundtrockenheit
kommen z. B. Rauchen und Stress aber auch Nebenwirkungen von Medikamenten,
nach Bestrahlung bei einer Tumorerkrankung im Kopf-Halsbereich oder als Begleiterscheinung
von Krankheiten wie Diabetes mellitus, multipler Sklerose oder rheumatischen
Erkrankungen in Frage. Betroffen sind auch Menschen, die am sogenannten
Sjögren-Syndrom, einer Autoimmunerkrankung, leiden, weil ihr körpereigenes Abwehrsystem
die Zellen der Speicheldrüsen zerstört. Bei Nebenwirkungen von Medikamenten
sind insbesondere solche gegen Bluthochdruck sowie Schmerzmittel, Antibiotika
oder Psychopharmaka zu nennen. Bei etwa 30% der über 65-jährigen liegt
eine dauerhafte Verminderung des Speichelflusses vor.
Risse in Lippen sowie Mundschleimhaut und ein trockner Mund stellen eine große
Herausforderung für die Zahnmedizin dar. Betroffene müssen beispielsweise ihr Essverhalten
ändern: Nahrungsmittel, etwa bestimmte Früchte, dürfen nicht gegessen
werden, weil die Säure zu sehr an der wunden Schleimhaut im Mund brennt. Die
Mundschleimhaut muss regelmäßig künstlich befeuchtet werden. Am schlimmsten
betroffen sind die Menschen, deren Speicheldrüsen geschädigt wurden, weil sie wegen
eines Tumors im Kopf- oder Halsbereich bestrahlt werden mussten. Sie sind zu
ganz intensiver Mundhygiene angehalten, damit es nicht zur sogenannten "Strahlenkaries"
kommt, einer raschen Zerstörung der Zahnsubstanz. Diese Patienten müssen
wir trotz ihrer schwerwiegenden Erkrankung dazu motivieren, die Zähne regelmäßig
sehr gut zu putzen und zusätzlich ein Fluoridgel sowie ein Speichelersatzmittel zu
verwenden. Diese Flüssigkeit kann mehrmals am Tag in den Mund gesprüht oder als
Gel ähnlich einer Feuchtigkeitscreme auf die trockene Mundschleimhaut aufgetragen
werden. Produkte dieser Art gibt es seit 35 Jahren, aber auch heute noch sind sie
nur Hilfsstoffe und kein Ersatz für echte Spucke.
Bei älteren Patienten ist eine regelmäßige und ausreichende Flüssigkeitszufuhr von
hoher Bedeutung.
4
Die Zukunft liegt für Zahnärzte und Ärzte vor allem in der Nutzung des Speichels für
die Diagnostik allgemeinmedizinischer Erkrankungen aber natürlich auch in der
für den Zahnarzt so wichtigen Früherkennung eines Karies- oder Parodontitisrisikos.
Die Spucke hat einen ganz entscheidenden Vorteil – sie kann im Gegensatz
zu Blut sehr einfach und vor allem nicht-invasiv gewonnen werden. Zwar steht diese
Art von Speicheldiagnostik noch am Anfang und in der Zahnmedizin ist es bislang
noch nicht gelungen, den häufig postulierten Zusammenhang zwischen der Speichelzusammensetzung
eines Menschen und seiner Karies- oder Parodontitisanfälligkeit
nachzuweisen.
Derzeit wird in der Allgemeinmedizin Speichel bereits zur Diagnostik von Stoffwechselerkrankungen
oder zur Messung von Hormon und Medikamentenspiegeln genutzt.
Aber bei der Verbrecherjagd mittels Speichelprobe und Genanalyse ist man schon
viel weiter. Denn in der Kriminalistik wird der Speichel bei der Spurensuche und der
Identifizierung von Tätern seit Jahren erfolgreich eingesetzt. Auch in der Sportmedizin
hat die Speichelanalyse einen festen Platz und führt für Sportfans zu teilweise
ernüchternden Resultaten. Besonders spannend wird es beim Einsatz von Speichelanalytik
in der Anthropologie, wo es darum geht, unsere Verwandtschaftsbeziehungen
zu unseren Vorfahren zu erforschen.
Wissenschaftler arbeiten derzeit weltweit intensiv daran, dass es zukünftig möglich
sein könnte, chronische oder akute Erkrankungen von Herz, Leber und Niere frühzeitig
mit Hilfe des Speichels aufzudecken, denn wenn es einem Menschen nicht gut
geht, verändert sich dementsprechend das typische Eiweißprofil des Speichels. Auch
konnten Forscher bereits beim frühzeitigen Aufspüren von Krebserkrankungen erste
interessante Fortschritte erreichen, so z. B. bei der Früherkennung von Brustkrebs
mit Hilfe des Speichels. Besonders für die Zahnmedizin von Bedeutung ist, dass sich
in der Speichelflüssigkeit bei Mundhöhlenkrebspatienten drei verschiedene Tumorantigene
nachweisen ließen, außerdem waren die Mengen einiger Proteine und Mineralstoffe
deutlich verändert im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen. Es könnte
sein, dass die Krebsdiagnostik beim Zahnarztbesuch zukünftig Alltag werden und der
Patient zur Vorsorge eine Speichelprobe abgeben könnte.
Wir sehen also, dass ein ausreichender Speichelfluss von großer Bedeutung für die
Mund und Allgemeingesundheit ist. Präventiv darf man feststellen, dass es wichtig ist
genügend Flüssigkeit dem Körper zu zuführen. Kräftiges Kauen und damit kauaktive
Nahrung fördert den Speichelfluss. Eine gute Versorgung mit Zahnersatz ist somit
ebenso eine wichtige Voraussetzung für die notwendige Speichelstimulation bei der
Nahrungsaufnahme. Darüber hinaus ist der Einsatz von zuckerfreien Kaugummis
sinnvoll und insbesondere nach der Nahrungsaufnahme zu empfehlen.
Dieser kurze Ausflug in die facettenreiche Bedeutung des Speichels möchte ich mit
einem Zitat eines Wissenschaftlers Professor Stefan Ruhl von der Universität Regensburg
abschließen, der vor zwei Jahren zutreffend bemerkte: „An Prophylaxe interessierte
Zahnärzte sollten Speichel als eine zu ihrem Fachgebiet gehörende Flüssigkeit
adoptieren. Speichel ist vermutlich der wichtigste Zahnerhalter!“
Der heutige Tag ist auch eine willkommene Gelegenheit im Namen der Bundeszahnärztekammer
dem engagierten Praxispersonal, den niedergelassenen Zahnärzten,
den Landes- und regionalen Arbeitsgemeinschaften für Jugendzahnpflege, den
5
Krankenkassen, den Zahnärzten des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, den Lehrern
und Erziehern sowie allen weiteren Partnern, die seit Jahren "vor Ort" an der Umsetzung
einer präventionsorientierten Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde arbeiten, ein
herzliches Dankeschön für die geleistete Arbeit zu sagen. Ohne die großartige Unterstützung
dieser vielen Partner im Bereich Mundgesundheit wären die bisher erreichten
Erfolge insbesondere in der Kariesprävention nicht möglich!

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STATEMENT 2
Zentrale Auftaktpressekonferenz am 12. September 2008 in Berlin
zum Tag der Zahngesundheit am 25. September 2008
Motto: „Gesund beginnt im Mund - aber bitte mit Spucke“
Prof. Dr. Dr. h. c. Georg Meyer, Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Der Speichel, volkstümlich die Spucke, ist ein eher negativ belegtes Medium, denn man
denkt spontan daran, wie unhygienisch und unästhetisch es ist, etwas auszuspucken oder
gar jemanden anzuspucken: letzteres gibt garantiert die rote Karte oder mehr …
Aus Sicht der Zahnmedizin ist der Speichel aber eine äußerst hilfreiche, interessante,
komplexe und noch lange nicht in allen Konsequenzen erforschte Körperflüssigkeit, die
außerdem viele Schnittstellen zu anderen medizinischen Disziplinen bietet, wie z. B. Genetik,
Immunologie, Mikrobiologie, Ernährungswissenschaft, Onkologie u. a. .
„An Prophylaxe interessierte Zahnärzte sollten Speichel als eine zu ihrem Fachgebiet
gehörende Flüssigkeit adoptieren. Speichel ist vermutlich der wichtigste Zahnerhalter.“
Dieses Zitat meines früheren Studenten und inzwischen renommierten Professors im Gebiet
der Speichelforschung, Dr. Stefan Ruhl, der – das am Rande - Deutschland kürzlich wegen
schlechter Forschungsbedingungen verlassen hat und nun erfolgreich in den USA arbeitet,
- 2 –
charakterisiert sehr deutlich den für Laien unvermutet hohen Stellenwert des Speichels bei
der Prävention von Karies und Parodontalerkrankungen.
Wie bereits von Herrn Dr. Oesterreich – übrigens zur vollen Zufriedenheit der Wissenschaft –
dargelegt, haben sowohl Vorhandensein als auch Zusammensetzung, aber auch das Fehlen
des Speichels eine von der Bevölkerung weit unterschätzte Bedeutung. Da waren die
Menschen früher allerdings schon erheblich weiter: Vor rund 23.000 Jahren, war kürzlich bei
einem Anthropologen-Kongress zu hören, haben die Menschen sogar spezielle
Speichelsteinchen gelutscht, um die Speichelproduktion zu erhöhen. Ob sie schon dasselbe
Wissen hatten wie wir – dass ausreichend Speichel erste Zahnschmelz-Auswaschungen,
also Vorstufen von Karies remineralisiert, also repariert - wissen wir derzeit noch nicht, aber
sie taten gut daran, den Speichel wert zu schätzen. Heute nutzt man – am besten
zahnschonendes – Kaugummi, ein wichtiger Tipp auch für all diejenigen Menschen, denen
es beispielsweise aufgrund von Krankheiten oder Medikamenten an ausreichend Speichel
mangelt. Xerostomie, wie Mundtrockenheit in der Fachsprache heißt, kann temporär
auftreten oder auch lang andauernd sein.
Temporär ist Xerostomie ein häufiger Begleiter bei Stress: Prüfungskandidaten leiden oft
unter trockenem Mund, und auch Redner haben keineswegs nur aufgrund des langen
Redens das Bedürfnis, etwas trinken zu wollen, auch hier ist der Stress ein wesentlicher
Faktor für Mundtrockenheit. Reichlich Wasser trinken ist in solchen Fällen das beste Mittel
gegen das trockene Mundgefühl.
Lang andauernd ist Xerostomie beispielsweise bei Patienten, die aus medizinischen
Gründen bestrahlt werden oder die eine Speicheldrüsen-Operation hinter sich haben. Solche
Patienten erhalten künstlichen Speichel. Für uns Zahnärzte ist wichtig, dass wir schon im
Vorfeld die Zähne der Patienten durch Fluoridierung gegen die zu erwartenden
Schmelzschäden schützen: Wo der Speichel fehlt, fehlt es auch an der Reparaturfähigkeit
erster Schmelzschäden, und da brauchen die Zähne unsere besondere Unterstützung.
- 3 -
Übriges sollte man auch bei lang anhaltendem Stress, wenn er zu Mundtrockenheit führt,
besonders auf die Mundgesundheit achten, denn ob der Speichel aufgrund von Krankheit
oder lediglich temporärer Überlastung fehlt, ist für das Ökosystem Mund nicht relevant.
Das Spannende am Speichel aus Sicht der Zahnmedizin: Er hat zwei Seiten. Eine gute –
und eine weniger gute. Warum es auch die „weniger gute“ gibt, erkläre ich gleich.
Die guten Seite kennen wir in der Regel bereits und haben das heute auch schon gehört:
Speichel remineralisiert die Zähne und ist ein wichtiger Teil des Immunsystems.
Fast wöchentlich erfahren wir aktuelle neue Zusammenhänge, die zeigen, wie massiv
unterschätzt die Rolle der Mundflüssigkeit bisher war – und lernen dabei auch immer mehr,
wo er seine weniger guten Seiten zeigt.
Speichel als „Transporter-Medium“ bringt beispielsweise – und das ist eine der weniger
guten Seiten - pathogene Keime, die Krankheitsrisiken bergen, auch zu Stellen im Mund mit
Verletzungen. Durch diese Stellen gelangen die Mundbakterien in den Organismus – mit
erheblichen Folgen, deren Ursache oder Trigger-(Verstärker-)Funktion man nicht im Mund
erwartet hätte, Dr. Oesterreich hat bereits einiges angedeutet. Zu den noch sehr frischen
Forschungsergebnissen, hier aus Japan, gehört, dass - anders als wir bisher dachten -
keineswegs nur typische Parodontitis-Keime in das Geschehen bei Herzinfektionen
(Endokarditis) involviert sind: Auch einer der Leitkeime der Karies, Streptococcus mutans,
geht offensichtlich einher mit kardiovasculären Erkrankungen. M. Streptococcen-DNA wurde
bei Endokarditis sogar häufiger gefunden, als die von den Leitkeimen parodontaler
Entzündungen.
Das Spannende und für uns in der wissenschaftlichen Forschung Interessante daran ist die
Frage des WARUM: Wie kommt es, dass der „gute Speichel“, obwohl sich an seiner
Zusammensetzung und auch den mitschwimmenden Keimen nichts ändert, auf der einen
Seite positive Wirkungen hat und auf der anderen negative? Die Antwort ist nur auf den
- 4 –
ersten Blick überraschend: Weil Speichel im Mundraum spült und der Bereich auch gut
belüftet ist, hält sich die Keimmischung in einem relativen Gleichgewicht. In einer
Zahnfleischtasche aber fallen Spülung und Belüftung weg – die pathogenen Keime
vermehren sich massiv, es kommt zu einer Keimverschiebung, das biologische System kippt
in die ungünstige Richtung. Ähnliches findet übrigens bei Zahnfüllungen statt: Wir haben
getestet, was passiert, wenn eine schadhafte Stelle präpariert, also „saubergebohrt“ wird,
aber nicht gleich gefüllt. Es hat sich hier auch nach längeren Wochen keinerlei Karies
gezeigt. Der Grund: Speichelfluss und Belüftung haben für ein ausgeglichenes biologisches
System gesorgt. Unter einer Füllung, die einen kleinen Spalt hatte, durch den Keime
eindringen konnten, entwickelte sich dagegen nach kurzer Zeit Karies – weil dieser Bereich
wie eine abgeschlossene Höhle wirkte.
An sich ist das nichts anderes als das, was wir auch von der Haut kennen: Obwohl die Haut
von Millionen von Keimen besiedelt ist, ist sie – wenn belüftet und gelegentlich gespült –
selten entzündet.
Das Wissen auch um die negativen Seiten des Speichels ist um so wichtiger, je mehr wir
lernen, welche Folgen ein „gekipptes biologisches System“ wie in einer Zahnfleischtasche
haben kann. Ein verletzungsfreier Mund bekommt daher - über die Mundgesundheit hinaus -
eine große Bedeutung. Am Beispiel Endokarditis (Herzinnenhautentzündung) lässt sich das
gut nachvollziehen, und hier sind auch die Kardiologen den Mundbakterien auf der Spur:
Diese oralen Keime werden inzwischen als wichtigste begünstigende Voraussetzung für die
Entstehung einer Endokarditis erachtet.
Dem Zusammenhang kam man auf die Spur, als man feststellte, dass in der Mehrheit aller
untersuchten Fälle die entzündlichen Herzerkrankungen nicht, wie gedacht, durch invasive
chirurgische Eingriffe verursacht werden, die Keime also erst im Rahmen der Operation
eindringen. Die Keimverschleppung musste also auf anderen Wegen erfolgen, und hier
sprach vieles für die Mundbakterien. Wir von der zahnärztlichen Seite können diese
- 5 –
Vermutung durchaus bestätigen: Wenn man bedenkt, dass 9 mm tiefe entzündete
Zahnfleischtaschen bei voller Bezahnung in der Summe einer Fläche von 25 cm² infiziertes
Zahnbettgewebe entsprechen, ist das doch eine wirklich beachtliche Größe für eine offene
Wunde - und damit auch ein idealer Zugang für entzündliche Risikokeime der Mundhöhle in
die Blutbahn. Was dann passieren könnte, haben Versuche am Tier ergeben: Hier führten
die Leitkeime oraler Entzündungen nach Injektion in die Blutbahn zu Gerinnungsstörungen,
Thrombenbildung und Gefäßveränderungen. Das könnte die wissenschaftlich belegten
Zusammenhänge zwischen Parodontalerkrankungen und Herz- Kreislauferkrankungen bis
hin zum Herzinfarkt sowie Schlaganfällen erklären. Der Speichel, der je nach bakteriellem
Ungleichgewicht zu einer „infektiösen Lösung“ werden kann, transportiert die pathogenen
Keime überall hin, auch dahin, wo sie weiter in die Blutbahn gelangen.
Einige andere Studien zeigten zudem, dass eine profunde Parodontitis das Risiko für
Frühgeburten und auch niedriges Geburtsgewicht erhöht – Grund ist vermutlich, dass eine
chronische systemische Entzündung wie die Parodontitis die individuelle Anzahl an
Leukozyten verändert und damit die Widerstandskräfte, das Immunsystem des Körpers.
Je mehr wir über die Zusammenhänge von Mund, Keimen, Speichel und nicht allein lokale
Munderkrankungen, sondern auch allgemeinmedizinische Infektionserkrankungen bzw.
immunsystemrelevanten Folgen wissen, umso wichtiger wird es, dass wir dem Speichel
mehr Beachtung schenken. Das ungestörte – und hier liegt der entscheidende Punkt –
Speichelsystem hat offenbar eine enorme Schutzfunktion. Speichel kann „harte Werkstoffe“
wie den Zahnschmelz kitten, wo Säureauslösungen zu einer Karies führen könnten. Und er
hat letztlich in Zusammenarbeit mit einem Millionenheer an im Gleichgewicht lebenden
Keimen eine bemerkenswert wichtige Schutzfunktion vor Infektionen.
- 6 –
Für uns in den Zahnarztpraxen – und in der Wissenschaft – wird die Aufgabe,
Mundgesundheitsschäden zu vermeiden, dadurch auch zu einer Präventionsaufgabe von
relevanten Risikofaktoren für allgemeingesundheitliche Erkrankungen. Für die Patienten
bedeutet das, das sie leider nicht nachlassen dürfen bei der Mundhygiene, sondern jetzt
noch mehr gute Gründe haben, mit dieser vergleichsweise leichten Art des
Gesundheitsschutzes auch über en Mund hinausgehende Erkrankungen zu vermeiden. Der
Mund, das wird bei diesem Thema zum Tag der Zahngesundheit 2008 deutlich wie selten, ist
kein „Einzelteil“ des Körpers, sondern Teil eines gesamten Systems. Wird seine Pflege
vernachlässigt, kann das im schlimmsten Fall zu bedrohlichen Folgen für die
Gesamtgesundheit führen.
Ratgeber für Patienten: So halten Sie Ihren Speichel gesund
* Rauchen Sie nicht – das macht ihn zähflüssig und weniger aktiv
* Sorgen Sie durch sorgfältige und regelmäßige Mundhygiene für ein ausgewogenes
Gleichgewicht an Keimen im Mund, besonders wenn Sie unter Mundtrockenheit leiden
* Entfernen Sie Zahnbeläge (Plaque) sorgfältig: Nur wo Speichel auch den Zahn umfließen
kann, kann er seine Remineralisationsaufgabe ausüben. Dicke Beläge fördern die
Kariesentwicklung.
* Nehmen Sie Zahnfleischbluten nicht auf die leichte Schulter: Es kann der Anfang einer
Zahnbettentzündung (Parodontitis) sein, die Pforten eröffnet für das Eindringen pathogener
Keime in die Blutbahn. Wenn Zahnfleischbluten nach zwei Tagen sorgfältigen Putzens nicht
gestillt ist, sollte sicherheitshalber ein Zahnarzt befragt werden.
* Bei einem trockenen Mund, wie er bei Krankheiten und Medikamenteneinnahme entstehen
kann, sollte durch Kaugummikauen die vermehrte Speichelproduktion angeregt werden. Bei
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Stress tut ausreichend Wasser gut. Wasser verdünnt die hilfreichen Schutzfunktionen des
Speichels nicht.
* Gesundheitsschutz bietet nur ein ungestörtes Speichelsystem: Gestört wird es durch
zucker- oder säurehaltigen Getränken bzw. durch zucker- und kohlenhydratreiche
Ernährung, die ihn versäuern, und vor allem durch ein Ungleichgewicht an Keimen, das
durch zuviel Zahn-Belag entsteht. Zahnbelag ist nichts anderes als eine Melange aus
Keimen der verschiedensten Art und „Klebstoffen“ aus Zellresten und „Spucke“.
Gesund beginnt im Mund – der traditionelle Slogan zum Tag der Zahngesundheit seit 1991
hat damals noch gar nicht geahnt, wie recht er hat.
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STATEMENT 3
Pressekonferenz zum „Tag der Zahngesundheit“
am 12.09.2008 in Berlin
Statement der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Krankenkassen
AOK-Bundesverband, Bonn
BKK Bundesverband, Essen
IKK-Bundesverband, Bergisch Gladbach
Bundesverband der landwirtschaftlichen Krankenkassen, Kassel Knappschaft, Bochum
Verband der Angestellten-Krankenkassen e.V., Siegburg
AEV-Arbeiter-Ersatzkassen-Verband e.V., Siegburg
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ES GILT DAS GESPROCHENE WORT
(Anrede)
In diesem Jahr findet nun bereits zum 18. Mal der „Tag der Zahngesundheit“ statt.
Das bedeutet, dass in diesen Tagen bundesweit Aktionen durchgeführt werden, die
die Bevölkerung auf die Bedeutung der Zahngesundheit hinweisen.
Die Spitzenverbände der Krankenkassen bedanken sich bei allen, die in den letzten
Jahren und auch in diesem Jahr wiederum mit viel Mühe und Arbeit zum Erfolg dieses
Tages beitragen. Hervorzuheben ist, mit welchen ideenreichen Aktionen und
Kampagnen insbesondere in Kindergärten und Schulen, in den Zahnarztpraxen sowie
in den Kinder- und Jugendarztpraxen und von den Arbeitsgemeinschaften für
Jugendzahnpflege für die Zahngesundheit geworben wird. Diese gemeinsame Gestaltung
des „Tages der Zahngesundheit“ zielt darauf ab, die Mundgesundheit weiter
zu verbessern und zeigt vor allem, dass die Zusammenarbeit unterschiedlicher Organisationen
sowohl auf Bundesebene als auch auf regionaler Ebene reibungslos
funktioniert. Die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich jedes Jahr an den Aktionen
zum „Tag der Zahngesundheit“ und unterstützen Aktivitäten zur Verbesserung
der Zahngesundheit.
Hierbei ist auch das finanzielle Engagement der gesetzlichen Krankenkassen beachtlich.
So haben diese im Jahr 2007 insgesamt 466 Mio. Euro für die zahnmedizinische
Individual- und Gruppenprophylaxe sowie die zahnärztlichen Kinder-
Früherkennungsuntersuchungen ausgegeben. Dabei entfielen auf Maßnahmen der
Gruppenprophylaxe 40 Mio. Euro, beispielsweise für die Versiegelung der Fissuren
der bleibenden Backenzähne wurden 60 Mio. Euro ausgegeben. Daneben hat die
gesetzliche Krankenversicherung (GKV) erhebliche finanzielle Mittel für zahnerhaltende
Maßnahmen aufgewandt.
Kommen wir jetzt zu dem eigentlichen Thema des heutigen Tages. Mit dem diesjährigen
Motto des Tages der Zahngesundheit „Gesund beginnt im Mund – aber bitte
mit Spucke!“ soll deutlich gemacht werden, dass der Speichel wichtige Aufgaben für
die Erhaltung der Mundgesundheit übernimmt. Der Speichel ist für jeden Menschen
notwendig, ob jung oder alt. Er hält z. B. den Mundraum feucht und hilft dabei, dass
sich Krankheitserreger nicht so leicht ansiedeln können. Auch werden Säureangriffe
durch aggressive Nahrungsbestandteile vom Speichel weitgehend neutralisiert und
somit die Zähne geschützt. Er versorgt die Zähne mit Mineralstoffen und schützt
durch seine regelmäßige Befeuchtung sogar vor Verletzungen der Mundschleimhaut.
Ohne Speichel bleibt der Mund trocken und das Schlucken, das Sprechen und die
tägliche Nahrungsaufnahme würden zum Problem. Fazit: „Ohne Spucke läuft also
nichts“.
Damit der Mund und die Zähne gesund bleiben, sind eine regelmäßige Pflege, Vorsorge
und Kontrolle unerlässlich. Es ist wichtig, dass von „Kindesbeinen“ an und
durch alle Altersstufen hindurch, eine richtige Pflege erfolgt. Insbesondere an die Eltern
von Kleinkindern appellieren die Spitzenverbände der Krankenkassen, darauf zu
achten, den Kindern nicht zur „Ruhigstellung“ dauerhaft Süßes aus einer Saugerflasche
zu geben. Vielmehr sollte frühzeitig das Trinken aus einer Tasse gelehrt werden.
Dies dient der Vermeidung der sog. „Nuckelflaschenkaries“ bei den Kleinsten.
Für die Erhaltung der Mund- und Zahngesundheit werden ab dem Kleinkindalter verschiedene
Maßnahmen durchgeführt, die dafür sorgen, dass im fortgeschrittenen
Lebensalter weniger Beschwerden an den Zähnen auftreten und dadurch die Lebensqualität
verbessert wird. Hierzu werden Informationen zur zahnschonenden Ernährung
und zur Zahnpflege von vielen Mitarbeitern im Gesundheitswesen - neben
Zahnärzten in der Praxis und dem Öffentlichen Gesundheitsdienst auch von Zahnarzthelferinnen,
Hebammen, Gynäkologen, Kinder- und Jugendärzten und anderen -
vermittelt. Zusätzlich zur Munduntersuchung und Mundgesundheitserziehung wird im
Rahmen der Gruppenprophylaxe an vielen Orten auch eine Zahnschmelzhärtung mit
Fluorid durchgeführt. In Schulen und Behinderteneinrichtungen, in denen das Kariesrisiko
besonders hoch ist, werden spezielle Programme organisiert.
In der Zahnarztpraxis können sich Versicherte aller Altersklassen kostenfrei und ohne
Praxisgebühr zahlen zu müssen zahnärztlich untersuchen lassen. Bei Kindern
und Jugendlichen umfasst dieses Angebot auch Aufklärungen zur Prophylaxe und
das Anfärben von Zahnplaque. Daneben sind auch die Vorsorgeuntersuchungen (UUntersuchungen)
beim Kinderarzt ein unerlässlicher Vorsorgebaustein. Auf eine interdisziplinäre
Zusammenarbeit zwischen Kinderärzten und Zahnärzten ist im Rahmen
dieser U-Untersuchungen besonders hinzuwirken. Die gesetzlichen Krankenkassen
informieren über die Vorsorgemaßnahmen auch im Internet.
Nicht zuletzt ist es diesen Vorsorgemaßnahmen (der gesetzlichen Krankenkassen)
zu verdanken, dass sich die Mundgesundheit in Deutschland weiter verbessert hat.
Dies wurde auch durch die Epidemiologischen Begleituntersuchungen zur Gruppenprophylaxe
der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (Pieper/DAJ
2005) aus dem Jahr 2005 oder der Vierten Deutschen Mundgesundheitsstudie (IDZ,
2006, DMS IV) aus dem Jahr 2006 belegt. Auch die Zahlen der aktuellen Dokumentation
der Maßnahmen der Gruppenprophylaxe (Jahresauswertung des Schuljahres
2006/2007 der DAJ) zeigen einen positiven Trend der Prophylaxeimpulse bei Kindern
und Jugendlichen in den Einrichtungen. Während bei der Jahresauswertung
des Schuljahres 2004/2005 die Summe der Prophylaxeimpulse noch bei 6,8 Millionen
lag, konnten diese Impulse im Schuljahr 2006/2007 auf 7,8 Millionen erhöht werden.
Auch die Zahl der erreichten Kinder in den Kindergärten und Grundschulen
konnte entsprechend gesteigert werden. Gleichwohl sehen die Spitzenverbände der
Krankenkassen noch Handlungsbedarf bei dem Ausbau der Maßnahmen für Kinder
vor dem Kindergartenalter sowie insgesamt Potential bei der weiteren flächendeckenden
Umsetzung der gruppenprophylaktischen Maßnahmen.
Ein weiteres Problem ist die Schieflage in der Kariesverteilung. Diese zeigt sich darin,
dass sich - trotz Rückgang der Karies in vielen Altersgruppen - die verbleibende
Karies auf wenige Gruppierungen konzentriert. An folgendem Beispiel wird diese
Schieflage besonders deutlich: Etwa 27% der 15-Jährigen vereinen ca. 80% aller
geschädigten Zähne ihrer Altersgruppe auf sich (DMS IV). In diesem Zusammenhang
sind Erkenntnisse des Robert-Koch-Instituts zur Gesundheit von Kindern
und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS-Studie) anzuführen. Diese Studie hat festgestellt,
dass Kinder mit Migrationshintergrund oder niedrigem Sozialstatus stärker
von gesundheitlichen Risiken betroffen sind. Es muss deshalb weiter daran gearbeitet
werden, diese Ungleichheit von Gesundheitschancen abzubauen. Diese Aufgabe
kann allerdings nicht alleine von der GKV gelöst werden. Sondern hier ist vor allem
die Politik gefordert, konsequent in die Bereiche der Gesundheitserziehung einzugreifen.
Hierzu gehört aber auch, dass ausreichend steuerfinanzierte Mittel hierfür
zur Verfügung gestellt werden.
Abschließend möchten wir an alle Beteiligten appellieren – und dies nicht nur am
„Tag der Zahngesundheit“ – alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Zahngesundheit
weiter zu fördern.
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Karies im Anfangsstadium rückgängig machen.

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Neue Diagnose-Methoden und -Geräte wie z.B. digitales Röntgen, der Einsatz von Lichtsonden oder weiterentwickelten Lupenbrillen ermöglichen den Zahnärzten und Patienten eine sehr gute Karies-Früherkennung, meist bevor Karies für das menschliche Auge sichtbar wird. Das macht die halbjährliche Vorsorgeuntersuchung beim Zahnarzt unverzichtbar, denn bei rechtzeitiger Erkennung, können Sie mit DENTTABS® Karies wieder umkehren. Selbst wenn man Karies bereits als weißen Fleck mit bloßem Auge auf der Zahnoberfläche sehen kann, kann man durch regelmäßige Anwendung mit DENTTABS® den Zahn wieder vollständig remineralisieren und die angehende Karies verschwindet.

Warum funktioniert das mit DENTTABS®
-Zahnputztabletten besser als mit jeder herkömmlichen Zahnpasta?
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-Zahnputztabletten sind trocken. Sie werden trocken hergestellt. Der erste Kontakt mit Feuchtigkeit entsteht genau in dem Augenblick, in dem sie vom Anwender im Mund zerbissen und mit Speichel vermischt werden. Und das hat gleich mehrere Vorteile:
 

  • Das Natriumfluorid zerfällt erst im Mund. Dadurch steht die Menge an Fluorid-Ionen, die ursprünglich in der Tablette enthalten war, ohne Verlust zu 100 % zur Verfügung. Und die Fluorid-Ionen liegen nun im Speichel vor, also genau dort, wo sie hin sollen. (Bei Zahnpasta beginnt der Zerfallsprozess schon bei der Herstellung, sobald das Fluorid mit Wasser in Verbindung kommt. Da Zahnpasta zu über 50% aus Wasser besteht, beginnt der Zerfallsprozess bereits in der Tube. Dadurch steht beim eigentlichen Zähneputzen nicht mehr die volle Fluoridmenge zur Verfügung.)
  • Mit der Zahnbürste verteilen Sie das DENTTABS®-Gemisch und bringen damit die Fluorid-Ionen genau dorthin, wo sie wirken können: direkt auf Ihre Zähne. Das Fluorid beschleunigt den Remineralisierungsprozess, d.h. die durch Säure entstandenen kleinen Lücken im Zahnschmelz werden durch die im Speichel vorhandenen Kalzium- und Phosphat-Ionen wieder aufgefüllt. Der Zahnschmelz wird wieder hart und widerstandsfähig für den nächsten Säureangriff durch z.B. zucker- oder stärkehaltige Nahrung.
  • Dank des Tensids wird der Speichel mit den Fluorid-Ionen zusätzlich in den Zahnfleischtaschen verteilt. Dadurch können die Fluorid-Ionen auch an den Zahnhälsen ihre Wirkung voll entfalten.
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