K. Reitter: Marx - Philosoph.Theoretiker? - Kultur-Punkt.ch

Philosoph der Befreiung oder Theoretiker des Kapitals?

Diskurs aktuell
K. Reitter: Marx . Philosoph.Theoretiker?
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Online-Publikation: April 2015 im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<<  REITTER, Karl: Karl Marx .  Philosoph der Befreiung oder Theoretiker des Kapitals? Zur Kritik der »neuen Marx-Lektüre« >>
kritik & utopie: 104 Seiten;316 Seiten, 12x17cm; englische Broschur; ISBN: 978385476-639-1; 19.90 €
Mandelbaum Verlag, Wien;  http://www.mandelbaum.at; http://www.mandelbaum.de

Inhalt
Der Ausdruck »neue Marx-Lektüre« wird von ihren ProtagonistInnen als positive Selbstbezeichnung verwendet. Vorgeblich soll es sich dabei um jene Marx-Rezeption handeln, die vorhergehende Irrtümer und Unzulänglichkeiten überwindet und den heutigen Standard einer niveauvollen Beschäftigung mit Marx darstellt. Im vorliegenden Band wird dieser Anspruch methodisch und inhaltlich in Frage gestellt.
Der Klassengegensatz wird in der »neuen Marx-Lektüre« zugunsten eines klassenübergreifenden Strukturzusammenhangs des automatischen Subjekts Kapital relativiert. Dass im Marxschen Kapital eine »Theorie des Drängens gegen die Herrschaft« vorliegt, so John Holloway in seinem Beitrag, wird zugunsten einer bloßen Beschreibung der Verhältnisse, die sich zumeist an den Phänomenen der Oberfläche der Zirkulation orientiert, aufgegeben. Kritik ist aber nur ein Aspekt der hier publizierten Texte, sie wird um positive Bestimmungen des Kapitalverhältnisses, nicht zuletzt hinsichtlich der Möglichkeit seiner Überwindung, erweitert und ergänzt.
Mit Beiträgen von: Jürgen Albohn, Johann-Friedrich Anders, Roland Atzmüller, Tobias Brugger, Andreas Exner, Christoph Henning, John Holloway, Georg Klauda, Christoph Lieber, Fritz Reheis, Karl Reitter

Der Protagonist
Karl Marx (* 5. Mai 1818 in Trier; † 14. März 1883 in London) war ein deutscher Philosoph, Ökonom, Gesellschaftstheoretiker, politischer Journalist, Protagonist der Arbeiterbewegung sowie Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft und der Religion. Zusammen mit Friedrich Engels wurde er zum einflussreichsten Theoretiker des Sozialismus und Kommunismus.
Friedrich Engels* hat die wissenschaftlichen Leistungen von Karl Marx in seiner Grabrede in zwei wesentliche Entdeckungen zusammengefasst:
„Wie Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur, so entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte: [...]; daß also die Produktion der unmittelbaren materiellen Lebensmittel und damit die jedesmalige ökonomische Entwicklungsstufe eines Volkes oder eines Zeitabschnitts die Grundlage bildet, aus der sich die Staatseinrichtungen, die Rechtsanschauungen, die Kunst und selbst die religiösen Vorstellungen der betreffenden Menschen entwickelt haben, und aus der sie daher auch erklärt werden müssen – nicht, wie bisher geschehen, umgekehrt.
Damit nicht genug. Marx entdeckte auch das spezielle Bewegungsgesetz der heutigen kapitalistischen Produktionsweise und der von ihr erzeugten bürgerlichen Gesellschaft. Mit der Entdeckung des Mehrwerts war hier plötzlich Licht geschaffen [...].“
*) Friedrich Engels, Das Begräbnis von Karl Marx, MEW, Band 19, 335-339.http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Marx

Autor
Karl Reitter (* 1953 in Wien) ist ein österreichischer Sozialwissenschaftler und marxistischer Autor. Reitter ist Lektor für Sozialphilosophie an der Universität Wien und wurde 2011 an der Alpen-Adria Universität Klagenfurt auf Grundlage einer Arbeit zu Marx und Spinoza für das Fach Philosophie habilitiert. Er war Mitglied der Redaktion der Zeitschrift grundrisse
http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Reitter

Zur Reihe : kritik & utopie
ist die politische Edition im mandelbaum verlag. Sie bietet Raum für emanzipative theoretische Entwürfe, Reflexionen aktueller sozialer Bewegungen, Originalausgaben wie auch Übersetzungen fremdsprachiger Texte, für populäre Sachbücher ebenso wie für akademische und außeruniversitäre Arbeiten aus dem Bereich der kritischen Kultur- und Sozialwissenschaften.

Fazit
Karl Reitter, ein österreichischer Sozialwissenschaftler und marxistischer Autor hat   im Diskursrunden-Buch "Karl Marx .  Philosoph der Befreiung oder Theoretiker des Kapitals?" eine Reihe von Autoren um sich versammelt um zur Kritik der »neuen Marx-Lektüre« eine Übersicht zu gewinnen >

> Zur Diskursrunde mit Kernaussagen:
- Das Kapitel beginnt mit dem Reichtum, nicht mit der Ware - daraus folgert (J. Holloway) dass die zukünftige Revolution tot, das Brechen des Kapitals.. ist eine verzweifelte Notwendigkeit - und geschieht bereits, wenn es gelesen wird...
- Wider die Verrätselung der Marxschen Geldtheorie sagt (C. Henning)) geben die 'Verrätseler' den Anspruch, andere Theorien kritisieren zu können, unnötigerweise preis...
- Urgeschichtlich gesehen titelt (G. Klauda) ist der Marxismus ohne Klassen und schlägt den Bogen von der 'Arbeiterbewegtheit' zur Kritischen Theorie und zum Heute - in dem sich die sozialen Unterschiede auftürmen und sieht die Ironie durch die Täuschung / Ablenkung im lebensphilosophischen Kritik-Gleichklang der Linken mit dem konservativen Bürgertum in der Entfokussierung der Klassenverhältnisse ...
- Nicht von ungefähr regt der Herausgeber diesen offenen Diskurs an, da Marx in der anhaltenden aktuellen Krise dazu einlädt, dank auch (K. Reitter) der sich mit dem Vorwurf des 'Naturalismus (1)' beschäftigt, der von den Wegbereitern der Neuen Marx-Lektüre an Marx adressiert wird. So folgert er daraus, dass sie die Kapitalanalyse von Marx in den Käfig der gegebenen Verhältnisse einsperren, ist Reitter's 'aller'letzter Vorwurf an sie. Und anstatt die Marxsche Pilosophie als Befreiung und Emanzipation vom Kapitalismus zu betrachten...
- (J. Albohn) widmet sich der Wertkritik und stellt fest: Neben der Tatsache de Raumkonstitution durch den Wert wird dadurch Wertraub bzw. Ausbeutung sichtbar und begreifbar.. durch die so bedingte Akkumulation des Kapitals Herrschaft konstituiert wird - sie muss 'nicht nur' theoretisch sichtbar bleiben..
- (T. Bruggger) widmet sich der ideologischen Lesart der Neuen Marx-Lektüre als Totengräber radikaler Kritik. Daraus folgert er, dass der Zusammenschluss der Klassenkampfkritik mit einer bestimmten Krisentheorie kann nicht überzeugen, auch wenn man die Richtigkeit der von 'Krisis, Streifzüge und Exit' entwickelten Krisentheorie unterstellen würde...
- (A. Exner) reflektiert über die Relevanz der klassentheoretischen Analysen heute, begutachtet den Klassenkampf-Fetisch, auch jenseits der Klasse, nimmt den Klassenbergriff unter die Lupe, kritisiert den Kamp selbst  - und - kommt zum Schluss dass die Fetischismen nicht allumfassend, in Krisensituationen sich auflösen, verlieren ihre Evidenz, wenn die Finanzblasen platzen, 'Verschleierung bleibt in allen kapitalistischen Produktionsweisen immanent...(W.Prankl)...
- Was spricht eigentlich gegen eine Popularisierung de Marxschen Werttheorie ? Frägt  (J-F. Anders)und hält ein Plädoyer für die Wiederaufnahme dieser Debatte. Ist also die prinzipielle Ablehnung von Popularisierungen ein theoriepolitischer Irrweg? Frägt er sich schlussfolgernd und der Zusammenschluss der Klassenkampfkritik mit einer bestimmten Krisentheorie ist nicht überzeugt .... Nein es ist eine Finte zur Ablenkung vom Wertdiskurs (W. Prankl) ...
- Didaktisch vorgehen, um Marx 'kennen' und verstehen zu lernen, titelt (F. Reheis) und die Lesenden abholen wo sie stehen, denn es geht ihm um das Freilegen der Tiefenstruktur de kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsform als echten Lernprozess 'zur Befreiung und Wirkkraft für morgen (W. Prankl)'
- (C. Lieber) stellt die Dialektik der Eigentumsfrage in aktuelle Rampenlicht der 'eigentumslosen Produzierenden'  plädiert mit Recht für Belegschaftseigentum, kooperative und genossenschaftliche Unternehmens- und Eigentumsformen, wirtschaftsdemokratisch nicht ausgeschöpfte Arbeitnehmerfonds (AGs) und Kooperativfabriken mit Synergieeffekten...als global-sozialistische Perspektive...
- Mit qualifizierter Arbeit und der Transformation der kapitalistischen Produktionsweise beschäftigt sich (R. Atzmüller) und schliesst seine Analyse von den politischen und ideologischen Produktionsverhältnissen, in denen die Herrschaft des Kapitals über die Produktionsprozesse gegen den Widerstand der lebendigen Arbeit sich konstituieren muss.
Das ist ein hervorragendes visionär-utopisches Schlusswort - zum Weiter so. m+w.p15-4

(1)
Der Naturalismus ist die Auffassung, dass die Welt als rein naturhaftes Geschehen zu begreifen ist. Diese Annahme, die oft auch durch den Spruch Alles ist Natur pointiert wird, lässt für sich genommen offen, wie der Begriff der Natur zu umgrenzen ist. Versteht man unter „Natur“ allein die physische Natur, so ergibt sich aus dem Spruch Alles ist Natur eine materialistische oder physikalistische Position. Derartige Theorien vertreten, dass auch der Geist oder das Bewusstsein Teil der physischen Natur sei oder, alternativ, gar nicht oder höchstens als Illusion existiere...
Für einen Naturalisten in diesem Sinn sind die Naturwissenschaften für die Beschreibung und Erklärung der Welt „das Maß aller Dinge“.[1]
http://de.wikipedia.org/wiki/Naturalismus_(Philosophie)
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Eine wichtige Bewegung des marxistischen Humanismus stellt die Praxis-Gruppe dar.
http://de.wikipedia.org/wiki/Marxistischer_Humanismus
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Marxistische Philosophie bezeichnet die philosophischen Annahmen der Werke von Karl Marx und Friedrich Engels. Dazu werden auch alle späteren philosophischen Konzeptionen gerechnet, die sich auf Marx und Engels berufen.
Die Frage, ob eine marxistische Philosophie überhaupt existiert, wird kontrovers diskutiert. Während z. B. Benedetto Croce erklärt, Marx sei es letztlich um die Ersetzung des Philosophierens durch die praktische Tätigkeit gegangen, und man könne daher nicht von einem Philosophen Marx und folglich nicht von einer marxistischen Philosophie sprechen, verteidigt Antonio Gramsci die Legitimität der Bezeichnung „Marxistische Philosophie“, da selbst die Negation der Philosophie nicht anders als philosophierend möglich sei.[1] Leszek Kołakowski hingegen vertritt die These, dass der Marxismus primär als ein „philosophisches Projekt“ zu betrachten sei, „das in den ökonomischen Analysen und der politischen Lehre seine Präzisierung erfuhr“.[2]
http://de.wikipedia.org/wiki/Marxistische_Philosophie
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