Marx - Philosophie (K. Bayertz) - Kultur-Punkt.ch

Kurt Bayertz : Karl Marx und seine Philosophie . Interpretieren, um zu verändern

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Marx - Philosophie (K. Bayertz)
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März 2018 im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Kurt Bayertz : Karl Marx und seine Philosophie . Interpretieren, um zu verändern   >>
272 Seiten, gebunden , mit Schutzumsfchlag und Leseband; ISBN: 978-3-406-72130-4;  24.95 €
Verlag C. H. Beck; 80703 München ; http://www.chbeck.de

Charakteristika
> Interpretieren, um zu verändern

Inhalt
Ist zu Karl Marx nicht längst alles gesagt? Der Eindruck täuscht, vor allem wo es um die philosophischen Grundlagen seines Werkes geht. Kurt Bayertz zeigt, dass auf Marx hereinfällt, wer dessen Abkehr von der Philosophie für bare Münze nimmt. Denn Marx hat sich programmatisch auf den Boden einer genuin philosophischen Tradition des Denkens gestellt: des Materialismus. Bayertz legt in seinem scharfsinnigen Buch zentrale Aspekte der Theorie von Marx frei, die grundlegend für ihr Verständnis sind. Marx hat den Philosophen vorgeworfen, die Welt nur verschieden interpretiert zu haben, während es doch darauf ankomme, sie zu verändern. Dies ist meist als eine Abkehr vom philosophischen Denken gedeutet worden. Marx selbst hat ein Übriges getan, die philosophischen Voraussetzungen seiner Theorie vor sich selbst und seinen Lesern zu verbergen. Wirklich frei gemacht hat er sich von diesen Voraussetzungen aber nicht. Sie prägen sein gesamtes Werk und lassen sich bis in seine ökonomischen Schriften hinein verfolgen. Auch seine Konzeption politischen Handelns bleibt ohne sie unverständlich. Jenseits aller vorschnellen Aktualisierungen schafft dieses Buch die Grundlagen für ein vertieftes Verständnis der Marxschen Theorie und bestimmt ihren Platz in der Geschichte des Denkens neu.

Leseprobehttp://www.beck-shop.de/fachbuch/leseprobe/22723873_Leseprobe_Vorlage_Mittlere%20Formate.pdf

Protagonist
Karl Marx[1] (* 5. Mai 1818 in Trier; † 14. März 1883 in London) war ein deutscher Philosoph, Ökonom, Gesellschaftstheoretiker, politischer Journalist, Protagonist der Arbeiterbewegung sowie Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft und der Religion. Zusammen mit Friedrich Engels wurde er zum einflussreichsten Theoretiker des Sozialismus und Kommunismus. Bis heute werden seine Theorien kontrovers diskutiert.
> https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Marx;
> https://www.dhm.de/lemo/biografie/karl-marx;
http://gutenberg.spiegel.de/autor/karl-marx-400 ; Auszug:
'Mit Engels gründete er 1847 in Brüssel den »Deutschen Arbeiter-Bildungsverein« und die »Association démocratique«, die ihrerseits mit dem von Weitling gegründeten kommunistischen Londoner »Bund der Gerechten« in Verbindung trat. Von diesem Bund erhielt er 1847 den Auftrag, zwecks Umgründung in den »Bund der Kommunisten« eine Programmschrift zu schreiben, die er gemeinsam mit Engels ausarbeitete. Diese wurde das »Kommunistische Manifest« (1848), das eine radikale Kritik der bürgerlichen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung und einen Aufruf zum Klassenkampf an das internationale Proletariat enthält.
Im Revolutionsjahr 1848 aus Brüssel ausgewiesen, begab sich Marx nach Köln und redigierte die »Neue Rheinische Zeitung« in linksdemokratischem Sinne. Nach Unterdrückung der Zeitung ging er nach London. Dort lebte er, meist dürftig und von Engels unterstützt, von wissenschaftlicher Arbeit. In der 1864 in London gegründeten »Ersten Internationale« war er führend tätig. In London entstanden seine Hauptwerke »Der 18. Brumaire des Louis Bonaparte« (1852), »Zur Kritik der politischen Ökonomie« (1859), vor allem »Das Kapital« (1867, Bände 2 und 3, herausgegeben von Friedrich Engels, 1885-94)...'
> http://gutenberg.spiegel.de/autor/karl-marx-400

Autor
Kurt Bayertz ist Seniorprofessor am Exzellenzcluster Religion und Politik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. 2013 wurde er mit dem Tractatus-Preis für philosophische Essayistik ausgezeichnet.

Fazit
Der philosophische Essayist und Seniorprofessor Kurt Bayertz entbirgt den Kern der Sozialphilosophie von Marx, basierend auf dem historischen Materialismus (1).
In fünf Kapiteln widmet sich der Autor den vielfältigen Formen des Materialismus und der Rehabilitation der Materie, der gesellschafts-immanenten Natur und Arbeit (Sozialontologie,2). Staat, Recht und Bewusstsein als Überbau und 'architektonische Metapher' sowie Fortschritt und Revolution, sowie Möglichkeiten und Notwendigkeiten für die Menschen, die Subjekte der Geschichte sind, sie machen sie , sind aber ihr gleichzeitig ‚unterworfen'. so Marx vom Autor präzise interpretiert..
Bayertz folgert abschliessend, nach seiner hervorragenden Untersuchung: 'Die Grundintuition, auf der ein Marxismus à la Marx beruht, besteht in der Einsicht, dass es im sozialen Leben weniger auf das ankommt was die Individuen denken oder sagen, als auf das, was sie tun.... abhängig ist vom Denken... zum zweiten können sie sich durch Denken allein nicht über objektive Gegebenheiten hinwegsetzen', so Bayertz - und weiter - der historischer Materialismus von Marx besteht darin, ein nicht-naturalistischer Materialismus zu sein'. Die Schrift "Karl Marx und seine Philosophie" ist erhellend wie erkenntnisbereichernd. m+w-p18-3


1) Materialismus ist eine erkenntnistheoretische und ontologische Position, die alle Vorgänge und Phänomene der Welt auf Materie und deren Gesetzmäßigkeiten und Verhältnisse zurückführt.
In der Grundfrage der Philosophie grenzt sich der Materialismus von allen anderen Philosophien ab. Die idealistische Lösung der Grundfrage der Philosophie geht in allen Varianten vom Primat des Bewusstseins gegenüber der Materie aus. Der Materialismus geht davon aus, dass selbst Gedanken, Gefühle oder das Bewusstsein auf Materie zurückgeführt werden können. Er erklärt die den Menschen umgebende Welt und die in ihr ablaufenden Prozesse ohne Gott....
Die Ursprünge des Materialismus liegen in der griechischen Naturphilosophie. Wichtige Vordenker sind u. a. Thales, Anaximander, Epikur, vor allem aber Leukipp und Demokrit, die Begründer der materiellen Atomistik. Die Naturphilosophen suchten natürliche Erklärungen der Wirklichkeit anstelle der mythologischen. Die Naturphilosophie gilt somit auch als Vorläuferin der modernen Wissenschaft.
Als Vertreter des Materialismus im Zeitalter der Aufklärung sind ab 1750 La Mettrie, gefolgt von d’Holbach, Helvétius und Diderot zu nennen. Für großes Aufsehen, sowohl bei den Aufklärern als auch bei deren Gegnern, sorgte 1770 die pseudonyme Veröffentlichung von Holbachs Système de la nature....https://de.wikipedia.org/wiki/Materialismus#Materialismus_und_die_Wahrnehmung_von_Raum_und_Zeit

2) Sozialontologie ist eine vornehmlich philosophische Teildisziplin, die sich mit der Ontologie, also dem Studium des Wesens sozialer Tatsachen befasst, mit anderen Worten denjenigen Merkmalen der Realität, die auf menschlicher Interaktion beruhen

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