M. Ferraris: Seele - ein iPad ? - Kultur-Punkt.ch

Maurizio Ferraris: Die Seele - ein iPad ?

Diskurs aktuell
M. Ferraris: Seele - ein iPad?
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Online-Publikation: Januar 2015  im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Maurizio Ferraris: Die Seele - ein iPad? Mit einem Vorwort von Tatiana Crivelli . Aus dem Italienischen von Malte Osterloh >>
Schwabe reflexe 38: 204 Seiten. Broschiert. ISBN 978-3-7965-3333-4 ; sFr. 19.50 / € (D) 16.50 / € (A) 17.- ; auch im Format E-Book: PDF erhältlich 
Schwabe  Verlag, Basel; http://www.schwabe.ch

Inhalt
Seele und Tablet – ein unzertrennliches Paar?
Was hat die Seele mit dem iPad zu tun? Auf den ersten Blick: nichts. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das schwer fassbare menschliche Innere, das unser Lebendigsein bescheinigt und unser Gewissen konstituiert, überraschend affin zum technischen Must-have der gegenwärtigen Zeit, dem Tablet.
Wird die heutige Technik nicht – wie so oft – als Entfremdung des Menschen von sich selbst betrachtet, enthüllt sie überraschende Überreinstimmungen mit der menschlichen Seele und den jahrhundertealten, mannigfaltigen Versuchen, sie zu beschreiben und zu fassen. – Ein gewagter Vergleich?
Sowohl die Seele als auch das iPad haben ein Erinnerungsvermögen, beides sind Tafeln, auf denen gelesen, geschrieben, archiviert wird. Auf den ‹Block› verweist nicht nur das englische ‹pad›, auch die antiken Vorstellungen der Seele greifen auf das Bild der Wachstafel zurück – die Wachstafel als tabula, auf der geschrieben und gelöscht wird, so etwa bereits bei Platon, aber auch viel später bei Sigmund Freud oder Jacques Derrida.
Die Schrift, in- oder ausserhalb des menschlichen Geistes, ist zugleich Ursprung unseres Gewissens wie Grundelement jeder sozialen Realität. Unmöglich, sich eine Gesellschaft ohne Formen der Erinnerung vorzustellen, denn seit jeher stützt sie sich darauf: sei es über den Ritus, über das Archiv und Urkunden aller Art bis hin zum Computer. Auf die Erinnerungsfähigkeit der Schrift bezieht sich nicht nur unser gesamtes Leben, auch unser Überleben wird erst dadurch ermöglicht.
So hat denn auch die grosse technologische Wende der letzten Jahre genau jenes Element in den Blick genommen: die Schrift, wofür das iPad heute emblematisch steht. Das iPad – in ausgeschaltetem Zustand nützlich als Spiegel unseres äusseren Erscheinungsbildes – wird, sobald eingeschaltet, zum Spiegel der Seele.    

Autor / Urheber
Maurizio Ferraris ist Professor für Theoretische Philosophie an der Universität Turin. Er ist Kolumnist für die italienische Tageszeitung La Repubblica und (Mit-)Herausgeber mehrerer Zeitschriften, u.a. der Rivista di Estetica. Maurizio Ferraris war Research Fellow und Visiting Professor an zahlreichen europäischen und amerikanischen Universitäten, zuletzt 2013/2014 am Käte Hamburger Kolleg ‹Recht als Kultur› in Bonn. Als Verfasser des Manifesto del nuovo realismo (2011) gilt er als Gründer der neorealistisch geprägten Philosophie ‹nach› der Postmoderne.
Maurizio Ferraris ist Autor von über vierzig Monographien, zuletzt erschienen sind Lasciar tracce. Documentalità e architettura (Mimesis 2012) und Filosofia globalizzata (Mimesis 2013) -  Zur Geschichte der Ästhetik und Poetik .
http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/literatur/die-postmoderne-und-die-populisten-1.18301728
http://en.wikipedia.org/wiki/Maurizio_Ferraris

Fazit
Die transdisziplinäre Schrift "Die Seele - ein iPad?" des theoretischen Philosophen Maurizio Ferraris entbirgt den tief vernetzten Zusammenhang zwischen der hoch entfalteten Maschinenkunst ( iPad  ...) und dem vegetativen Strukturverhalten des Menschen. Bereits Platon* hat mit seinem fragendes Denkmodell  auf die innige Verknüpfung zwischen dem Apollinischen (Das Wahre? / Denken) und Dionysischen (Das Schöne? / Erleben) in seiner Erkenntnistheorie hingewiesen. Mit diesem Dualismus  in 'Psyche, archäologisch' beginnt Ferraris seiner Schrift , und setzt fort mit 'Tabula, physiologisch', erweitert  mit 'Iter, technologisch' und '.doc, soziologisch', globalisiert mit ' Roboter, psycologisch', und schliesst verführerrisch-essayistisch mit 'Corpus, eschatologisch' : " .. unser Geist sammelt sich in der Erinnerung.. (iPad).. der Tag ist nicht weit, an dem das iPad nicht mehr lesbar sein wird - nun wieder geheimnisvoll geworden (iStone) - und der tatsächlich unsere Seele ist - " oder zu sein scheint, wie wir be- und uns -wundernd hizufügen. m+w.p15-1
*) http://www.kultur-punkt.ch/diskurs-platon-akademie-4-pa4.html

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Kleines klärendes Glossar zum Denkfeld des Buches (Auswahl)

iPad
Das iPad ist ein Tablet-Computer des amerikanischen Herstellers Apple, der sich durch einen berührungsempfindlichen kapazitiven Bildschirm mit Multi-Touch-Gesten bedienen lässt und der mittlerweile in der sechsten Generation vorliegt. http://de.wikipedia.org/wiki/IPad

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Ka
In einem Ka(sten )? Lebendig begraben sein, es gibt ein Handy, Feuerzeug und ein Stift

Homunculus
des niederländischen Wissenschaftlers Nicolas Hartsoeker . Der Homunkulus, oftmals auch Homunculus, (lat. ‚Menschlein‘) bezeichnet einen künstlich geschaffenen Menschen. Die Idee des Homunkulus wurde im Spätmittelalter im Kontext alchemistischer Theorien entwickelt – oft unter Verwendung des Begriffes 'Arcanum'; häufig erscheint der Homunkulus als dämonischer Helfer magischer Praktiken. Das Motiv des Homunkulus wurde in der Literatur oft aufgegriffen, insbesondere, um die Ambivalenz der modernen Technik zu illustrieren. Die vielleicht bekannteste Verwendung der Homunkulusidee findet sich in Goethes Faust II.
Der Begriff des Homunculus hat zudem in der Philosophie und Neurowissenschaft weitere Bedeutungen erhalten. http://de.wikipedia.org/wiki/Homunkulus

Logozentrismus
Der Begriff Logozentrismus wurde erstmals von Ludwig Klages gebildet[1], der damit die neuzeitliche Betonung der Rationalität als losgelöst von der Wirklichkeit des Lebens kritisierte und dieser Weltsicht ein „biozentrisches“ Konzept entgegenstellte, in dem das eigentliche Leben als Einheit von Körper und Seele betrachtet wird. Als Logozentrismus bezeichnen in der Folge vor allem poststrukturalistische Theorien die vernunftzentrierte Metaphysik und die abendländische Rationalität. Logozentrisches Denken wird hier als herrschender Diskurs bzw. als herrschende „Denkform“ betrachtet.http://de.wikipedia.org/wiki/Logozentrismus

tabula (rasa):
reflexionen über Willensfreiheit
Sind die Handlungen des Menschen vollkommen determiniert oder gibt es eine Freiheit des Willens?http://www.tabularasa-jena.de/artikel/artikel_303/

Amnemosina : Gedächtnisstörung, -verlust
Amnesie‚ Gedächtnis‘, ‚Erinnerung‘ mit Alpha privativum) bezeichnet eine Form der Störung des Gedächtnisses für zeitliche oder inhaltliche Erinnerungen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Amnesie

Mnemosina : Erinnerungskultur
Erinnerungskultur bezeichnet, vereinfacht ausgedrückt, den Umgang des Einzelnen und der Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit und ihrer Geschichte.
Im strengen Sinne bezeichnet Erinnerungskultur die Gesamtheit der Verhaltenskonfigurationen und sozial zugelassener oder erworbener Umgangsformen einer Gesellschaft oder Gruppe damit, Teile der Vergangenheit im Bewusstsein zu halten und gezielt zu vergegenwärtigen. Im Zentrum stehen dabei in erster Linie die kollektiven wie subjektiven Wahrnehmungen historischer Zusammenhänge aus einer aktuellen Perspektive, weniger die Darstellung historisch-objektiven Wissens. Es kann zwischen einer privaten und einer öffentlichen Erinnerungskultur sowie deren jeweiligen regelmäßigen und ereignisbasierten Elementen unterschieden werden. Markant für eine Kultur des Erinnerns ist, dass kollektive Wahrnehmungen die subjektiven Wahrnehmungen prägen. Einfluss auf die Erinnerungskultur haben gesellschaftliche Auseinandersetzungen, Verhältnisse und Probleme.
Beispiele für eine private bzw. subjektive Ausformungen der Erinnerungskultur sind Familienalben, Ahnenforschung oder verschiedene Jubiläen mit persönlichem bzw. auch familiärem Bezug. Bei bestehendem öffentlichem Interesse können Werke der Erinnerungskultur amtlich zu Kulturgut oder auch zum Kulturdenkmal ernannt werden
http://de.wikipedia.org/wiki/Erinnerungskultur