Wolfram von Eschenbach: Parzival - Kultur-Punkt.ch

Wolfram von Eschenbach : Parzival . Roman . 1215 . Monograph

Belletristik  > Erzählung
Wolfram von Eschenbach: Parzival
-be-wieser16-30.8parzival

Online-Publikation: März 201 im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
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Online-Ansicht: Cod. Pal. germ. 848; Universitätsbibliothek Heidelberg ; Große Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)  — Zürich, ca. 1300 bis ca. 1340 ; http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848/0294/
818 Seiten, 3-Fach-Band, gebunden, Lesebändchen, Prägedruck;  ISBN: 978-3-99029-082-8;  EUR 44,85
Wieser Verlag, A-9020 Klagenfurt/Celovec; http://www.wieser-verlag.com 

Charakteristik
- Komplexe Sinnstruktur mit aufwendiger erzählerischer Komposition
- Keine 'leichte Lektüre‘, aber über-/lebensbegleitend unvergessen

Fazit vorangestellt
Paradigmatisch gesagt:
Parsival. Ein Halbwaise im Irgendwo, der es bis zu einer global-visionären Glücksempfindung gelangt:  In seinem ganzen Tun unbeirrt das Unrecht in der Welt zu bekämpfen - bestätigt wird.
Verlust des Vaters im Krieg, daraus resultiert folgende Überbehütung durch die liebende Mutter. Grossjährig zieht er unbeirrt aus das Unrecht in der Welt zu bekämpfen ...schliesslich erlebt Parzival  unerhofft seine Vision : Er wird Gralsritter und König zu Monsalvat:
'Parzival starrte in den tobenden Saal hinab und begriff nicht, was geschehen war. Da fühlte er wie eine Hand die seine fasste: Neben ihm stand Amfortas. "Du hast mir schon geholfen", sagte er. "Schau dort hin!" drunten am Saale hatte sich abermals die Tür geöffnet. Königin Rempanse schritt herein und trug den Gral in den Händen. Und während sie durch den Saal heraufkam, flammte am Rande der leuchtenden Schale eine Schrift auf: "Amfortas ist genesen, Parzival ist König zu Monsalvat!" '.

Quintessenz:
Es geht um das stets wirkende Unrecht in der Welt, das es zu bekämpfen gibt. Daher hochaktuell - weil die gegnerischen Situationen komplexe ver- und zerstörende Sinnstruktur ausweisen wie es die verwirrenden Bilderfluten und zerhackten Textstränge - im Hier und Heute - in den A/sozialen Medien sowie den klassischen Massenmedien vermitteln. m+w.p16-8
Dazu die vom Leseband bevorzugte, zugleich ausdrucksstark-aktuelle Kostprobe (366): Aus Liebe wächst recht oft der Zorn / ...und er (oder sie) ihn in dem Land empfing / und er (oder sie) mit ihm redete'...Euer Kommen kann uns zum Glücke dienen /.. In dieser schlimmen Lage /soll euer .. Kommen uns trösten..'. ? Oder doch, wenn wir uns unseren Zuwandernden und unserer Zukunft zuwenden wollen !
m+w.p16-8

Inhalt
Mit seiner komplexen Sinnstruktur und der aufwendigen erzählerischen Komposition ist der Parzival keine ‚leichte Lektüre‘, dennoch kann dem Werk mit über 80 überlieferten Textzeugnissen eine einzigartige Wirkungsgeschichte im Mittelalter nachgesagt werden. Wolfram von Eschenbach verarbeitet alle geläufigen Problemstellungen seiner literarischen Epoche – teilweise kritisch ironisierend, teilweise für seine Zeit neuartig zuspitzend; dem Roman kommt damit exemplarische Bedeutung für die Themenkomplexe der höfischen Literatur insgesamt zu.

Der Autor verfolgt parallel zum Hauptgeschehen um Parzival eine Vielzahl von weiteren Handlungssträngen. In immer neuen ‚Würfelwürfen‘ (schanzen – Metapher Wolframs im Prolog des Parzival in Bezug auf sein eigenes narratives Verfahren) spielt er die politischen, gesellschaftlichen und religiösen Probleme, vor die sich Parzival gestellt sieht, mit anderen Protagonisten durch und entfaltet die Romanhandlung so zu einer umfassenden Anthropologie.

Wolfram selbst war sich dessen bewusst, dass seine oft sprunghafte, bildreich assoziierende Erzählweise neu und ungewöhnlich war; er vergleicht sie mit dem ‚Hakenschlagen eines Hasen auf der Flucht vor Ignoranten‘.
Der Parzival folgt einer Doppelromanstruktur mit einem langen Prolog. Nach den ersten beiden Büchern, die sich der Vorgeschichte der Haupthandlung widmen, also den Abenteuern Gahmurets, Parzivals Vater, beginnt Wolfram von der Kindheit seines Protagonisten zu erzählen. Es folgt später der Wechsel zur Gawan-Handlung, die durch den Besuch Parzivals beim Einsiedler Trevrizent unterbrochen und anschließend wieder aufgenommen wird. Der Inhalt der beiden letzten Bücher ist Parzival gewidmet.
Hauptquelle des Parzival ist der unvollendete Versroman Perceval le Gallois ou le conte du Graal/Li contes del Graal von Chrétien de Troyes, entstanden zwischen 1180 und 1190. Wolfram selbst distanziert sich im Epilog überraschend von Chrétien, nennt dagegen mehrfach das Werk eines gewissen ‚Kyot‘ als Vorlage und versieht diese auch noch mit einer abenteuerlichen Entstehungsgeschichte. Da aber ein solcher ‚Kyot‘ außerhalb von Wolframs Dichtung nicht identifiziert werden konnte, sind diese Angaben eher als literarische Koketterie des Autors und Kyot als Quellenfiktion einzuordnen.

Autor
Wolfram von Eschenbach . Geboren um 1170 in Eschenbach. Wolfram, neben Walter von der Vogelweide der größte deutsche Dichter des Mittelalters, war ritterlichen Standes; der Ort Eschebach, nach dem sich sein Geschlecht benannte, liegt in Bayern bei Ansbach. Er hat längere Zeit gastliche Aufnahme beim Landgrafen Hermann von Thüringen gefunden; auch auf Burg Heitstein im Bayrischen Wald bei der Markgräfin von Vohburg, Schwester Ludwigs des Bayern, genoß er Gastfreundschaft. Auf der Burg Wildenberg (wahrscheinlich Wehlenburg bei Ansbach), die vielleicht ein gräflich Wertheimisches Lehen war, hatte er später mit Weib und Kind seinen dauernden Wohnsitz; in allzu günstigen äußeren Verhältnissen hat er nicht gelebt. Er muß gegen 1220 gestorben sein und wurde in der Liebfrauenkirche seines Heimatortes Eschenbach beigesetzt, wo sein Grabmal noch zu Anfang des 17. Jahrhunderts vorhanden war.
http://gutenberg.spiegel.de/autor/wolfram-von-eschenbach-151

Verfasser & Monograph
Franz Viktor Spechtler ist Professor für Ältere Deutsche Sprache und Literatur an der Universität Salzburg und Spezialist für mittelhochdeutsche Dichtung Österreichs. Er habilitierte mit einer Arbeit zu Ulrich von Liechtenstein und transkribierte dessen Dichtungen »Frauendienst« und »Frauenbuch«. Spechtler ist Verfasser zahlreicher Monographien und Aufsätze zu verschiedenen mediävistischen Themen. Bei Wieser erschienen: Ulrich von Liechtenstein (2000), Walther von der Vogelweide (2003), Mönch von Salzburg (2004); ferner gemeinsam mit Barbara Maier: Ich – Ulrich von Liechtenstein. Literatur und Politik im Mittelalter (1999), Oswald von Wolkenstein (2007), Neidhard, der freche Dichter aus Österreich (2013).
http://www.wieser-verlag.com/buch/walther-von-der-vogelweide/
http://www.wieser-verlag.com/buch/der-moench-von-salzburg/
http://www.wieser-verlag.com/buch/saemtliche-gedichte/
http://www.wieser-verlag.com/buch/neidhart-der-freche-dichter-aus-osterreich/

Weitere, vertiefende Hinweise
Parzival von Wolfram von Eschenbach
ist ein Versroman der mittelhochdeutschen höfischen Literatur, der zwischen 1200 und 1210 entstand[1]. Das Werk umfasst etwa 25.000 paarweise gereimte Verse und wird in den modernen Ausgaben in 16 Bücher gegliedert.
In kunstvoll verzahnten Handlungssträngen einer Doppelromanstruktur werden die Aventiuren erzählt, die abenteuerlichen Geschicke zweier ritterlicher Hauptfiguren – einerseits die Entwicklung des Titelhelden vom Unwissenden im Narrenkleid zum Gralskönig, andererseits die gefahrvollen Bewährungsproben für den Artusritter Gawan. Thematisch gehört der Roman zur sogenannten Artusepik, obwohl die Aufnahme Parzivals in die Tafelrunde des mythischen britannischen Königs nur eine Durchgangsstation seiner Gralssuche ist.
Der Stoff wurde literarisch, aber auch in der Bildenden Kunst und in der Musik vielfach bearbeitet; die nachhaltigste Wirkung erreichte Richard Wagners Adaption für das Musiktheater mit seinem Bühnenweihfestspiel Parsifal (Uraufführung 1882).https://de.wikipedia.org/wiki/Parzival

Stimmen
Peter Handke meinte einmal in einem Gespräch, dass Parzival wohl der wichtigste Roman der Weltliteratur sei und er sich freuen würde, wenn er für den heutigen Gebrauch neu übersetzt vorliegen würde.

-"Der Parzival des Wolfram von Eschenbach" ist eines der ganz großen Stücke der mittelalterlichen Literatur. Die Geschichte handelt von dem Artusritter Parzival, der auszieht, um den Heiligen Graal zu finden. Lesen Sie hier über die literaturhistorische Einordnung und eine kurze Zusammenfassung des Stoffes.
Autor: Maria Ponkhoff

-.".. Parzival gelangte zum Schloß und das erste, was er fragte, war: "Wie geht es dir, König Amfortas? Kann ich dir irgendwie helfen?" Und alle begann zu jubeln. Parzival hatte ehrliches Mitleid und ehrliche Nächstenliebe empfunden, er hatte endlich gelernt, daß der einzige wahre Grundsatz eines Ritters Liebe sein sollte. Endlich hatte er gelernt, was einen wahren Ritter ausmachte.
König Amfortas wurde wieder gesund. Die Nebentür öffnete sich und ein sehr alter Mann, Titurel der Ahnherr, kam heraus, er trug den Gral bei sich, der wiederum glänzte und leuchtete, aber diesmal war eine rote Schrift auf dem Gral zu sehen. "König Amfortas ist genesen, Parzival König zu Monsalvat," sagte die Schrift. Das Glück hörte für Parzival aber noch nicht auf, denn die Tür flog auf und seine Frau und ihr Sohn Lohengrin standen vor ihm. Nun war Parzival, der tumbe Tor, zum Gralskönig, der höchsten Auszeichnung im Mittelalter, geworden".

http://bibliothek.bhak-bludenz.ac.at/parzival.asp; Schlussteil

Inhaltsverzeichnis
1 Übersicht der wichtigsten Personen 1.1 Verwandtschaftstafel
1.2 Parzival
1.3 Gawan
1.4 Artus
1.5 Anfortas
1.6 Trevrizent
1.7 Orgeluse
1.8 Gahmuret
1.9 Belacane
1.10 Herzeloyde
1.11 Feirefiz
1.12 Condwiramurs
1.13 Keie
1.14 Cunneware
1.15 Ginover
1.16 Titurel und Frimutel
1.17 Loherangrin
2 Inhalt 2.1 Prolog (I, 1,1 - 4,26)
http://mediaewiki.de/wiki/Inhaltsangabe_%22Parzival%22_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)
2.2 Die Vorgeschichte: Gahmurets Ritterfahrten (I+II)
2.3 Parzival I - Jugend, Erziehung, erste Gralsbegegnung und Aufnahme in die Artusrunde (III-VI)
2.4 Gawan I - Bearosche und Schanpfanzun (VII-VIII)
2.5 Parzival II - Parzival bei Trevrizent (IX)
2.6 Gawan II - Gawan und Orgeluse (X-XIV)
2.7 Parzival III - Gralskönigtum (XV-XVI)
2.8 Epilog (XVI, 827, 1-30)
3 Anmerkungen
4 Literatur 4.1 Primärtext
4.2 Sekundärliteratur

Zeitnahe Basis für ein Gesamtkunstwerk:
♫ Inhalt / Handlung: Parsifal – Oper von Richard Wagner
 29. Juli 2012 | Von Dorle Knapp-Klatsch | Kategorie: Bayreuth, Festspiele, Inhalt, Musik & Theater, Oper, Opernführer, Parsifal 

http://www.8ung.info/3978/parsifal-wagner-oper-1-inhalt-handlung

Für das Verständnis dieser Opernhandlung ist die Vorgeschichte um den späteren Ritter Parsifal wichtig. Sie ist fast so lang wie die Oper und beginnt mit der Gründung des Ordens.
Engel übergaben den beiden Rittern Titurel und Gurnemanz den Kelch mit dem Blut Christi – den heiligen Gral – und den Speer, mit dem Christus die Wunde geschlagen wurde. Beide gründeten mit diesen Reliquien einen neuen Ritterorden, in dem Titurel als König inthronisiert wurde. Der heilige Gral gibt denen Kraft, die ihn während der Zeremonie anschauen. Der Speer macht sie unbesiegbar. Ihre Aufgabe bestand – neben der Sicherung der Reliquien – darin, das Unrecht in der Welt zu bekämpfen. Das ging ja noch. Schwieriger war in der Praxis das damit verbundene Keuschheitsgelübde. Obwohl die Hürde sehr hoch war, traten in diesen Orden bald viele Ritter ein.
Auch Klingsor bewarb sich bei den prestigeträchtigen Gralsrittern, wurde aber wegen seines Lotterlebens abgewiesen. Der Wunsch nach der Zugehörigkeit war größer als seine Natur – kurzerhand entmannte er sich. So jemanden (mit ohne!) wollte Titurel erst recht nicht in seinem Orden haben.
 Für diese doppelte Schmach rächte Klingsor sich nachhaltig. Er schuf sich eine Burg mit verführerischen Mädchen, deren einzige Aufgabe es war, vorbeikommende Ritter ihr Keuschheitsgebot vergessen zu lassen. Nach kurzer Zeit war der Gralsritterorden ausgedünnt. Inzwischen hatte Amfortas die Gralskrone von seinem greisen Vater übernommen. Für den Fortbestand des Ordens zog er mit der Wunderwaffe – dem unbesiegbaren Speer – los, um Klingsor zu besiegen. Daraufhin setzte Klingsor seine Gegenwunderwaffe ein: Kundry. Sie hat einst Jesus am Kreuz verlacht und muss dafür ewig büßen. Sobald Klingsor sie weckt, hat sie wieder einen Ritter zu verführen. Somit verlor Amfortas seine Keuschheit und seine unbesiegbare heilige Waffe, bekam dafür von Klingsor mit dem Speer eine unheilbare Wunde verpasst.
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