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Patrick Modiano, Damit Du dich im Viertel nicht verirrst. Roman

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P. Modiano: .. im Viertel ...
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Online-Publikation: Dezember 2014 im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Patrick Modiano, Damit Du dich im Viertel nicht verirrst. Roman
 Aus dem Französischen von Elisabeth Edl>>
dtv 14540 :160 Seiten; ISBN 978-3-423-14540-4;  EUR 9,90 [D] 10,20 [A] sFr 14,90  [CH]
Deutscher Taschenbuch Verlag, München; http://www.dtv.de

Charakteristika
- Nobelpreisträger  für Literatur 2014:

Inhalt
Jean Daragane lebt zurückgezogen in seiner Pariser Wohnung, als ein Fremder ihn wegen seines verlorenen Adressbuchs kontaktiert. Vergessene Namen und lang vergangene Erlebnisse drängen zurück in das Bewusstsein des Schriftstellers. Besonders stark ist die Erinnerung an Annie Astrand. Bei ihr hatte Jean in seiner Kindheit ein Zuhause gefunden, als seine Eltern sich seiner wieder einmal entledigen wollten. Doch dann war Annie mit ihm nach Montmartre gezogen, um eine Flucht nach Italien zu planen, die alles veränderte.

Autor
Patrick Modiano, 1945 geboren, ist einer der bedeutendsten französischen Schriftsteller der Gegenwart. Er erhielt zahlreiche Auszeichungen, darunter den großen Romanpreis der Académie française und den Prix Goncourt. 2012 wurde ihm der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur verliehen und 2014 der Nobelpreis für Literatur. Den deutschsprachigen Lesern wurde Modiano durch die Vermittlung Peter Handkes bekannt, der auch zwei seiner Romane übersetzte. Zuletzt erschien sein Roman "Der Horizont" (2013).
Patrick Modiano ist Träger des Literaturnobelpreises 2014. Mehr erfahren!
 http://de.wikipedia.org/wiki/Patrick_Modiano

Stimmen
»Vielleicht sein persönlichstes Buch.«
Tilman Krause in ›Die Welt‹
»Ein Roman wie ein Tagtraum – und zugleich eine eindrucksvolle Hommage an die Kraft der Wörter und die Macht der Sprache (...). Die Seiten fliegen vorbei wie eine Landschaft am leicht geöffneten Zugfenster.«
Patric Seibel in ›NDR Lesezeit‹

Fazit
Der Roman von Patrick Modiano spricht bereits in seinem Titel zum Lesenden in direkter Weise "Damit Du dich im Viertel nicht verirrst" was er wie I. Bergmann und F. Kafka gleich zu Anfang und dann immer wieder - allerdings auf einfache und geschliffene Sprachweise - ähnlich wie A. Robe-Grillet zykloid (1) vorbringt in einem Erinnerungsraum Stück für Stück eindringt - immer mit einer gewissen Ängstlichkeit verknüpft, und zu Ende führt- zu einer unumkehrbare zunehmende Vereinsamung. Wie es das Altern offensichtlich mit sich bringen kann Hier auf eine fast gemeine, fiese Art . Ein Meisterstück der Introversion (2). m+.p17-1

1) Zykloide, hier im literarischen Gebrauch, sich im sprachlicheh Wiederholen ähnelnd zu doch dem Fliesstext vortreibend...
 (v. lat. cyclus bzw. griechisch κύκλος kýklos = Kreis und ειδής -eidés = ähnlich), auch zyklische Kurve, Rad(lauf)- oder Rollkurve ist die Bahn, die ein Kreispunkt beim Abrollen eines Kreises auf einer Leitkurve, zum Beispiel einer Geraden, beschreibt. Die Verwendung von Zykloiden beim Zeichnen von Ornamenten fand ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Zykloide
2) Introversion
In der Psychologie sind bis heute Begriffe wie Komplex, Archetypus sowie Introversion und Extraversion wichtig, die Jung als erster identifiziert und beschrieben hat.
http://zitatezumnachdenken.com/carl-gustav-jung
Zitat;
Wer zugleich seinen Schatten und sein Licht wahrnimmt, sieht sich von zwei Seiten, und damit kommt er in die Mitte. (dieses Romans.  w.p ) Carl Gustav Jung

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Weitere Stimmen zu Büchern von und zu Modiano
»Ein klassischer Romanstoff, und vermutlich der schönste von allen: die Erinnerung an ein für immer verlorenes (und dabei schon im Moment des Genusses zweifelhaftes) Glück, an Gerüche, Vergnügungen und Orte, die so nie mehr aufzufinden sind, an die vermeintliche Unbeschwertheit einer Jugend, die nur im Rückblick leicht erscheint und in Wahrheit belastet war von Unruhe und einem unbestimmten Leid.«
Wolfgang Höbel in ›Der Spiegel‹, 3. Juli 2000
»Modianos Werk kreist immer wieder um die Themen Erinnerung, Vergessen, Identität und Schuld.Dabei reichen die „Erinnerungen“ Modianos nach David Foenkinos scheinbar bis in die Zeit vor seiner Geburt zurück. So beschreiben zahlreiche Werke des 1945 geborenen Modiano die Erfahrung des Zweiten Weltkriegs. Als einen Schlüssel zu seinem Werk sieht Foenkinos ein Zitat des französischen Dichters René Char, das Modiano seinem autobiografischen Roman Familienstammbuch (frz. Livret de famille) vorangestellt hat: „Leben heißt, beharrlich einer Erinnerung nachzuspüren  („Vivre, c'est s'obstiner à achever un souvenir“).«
http://de.wikipedia.org/wiki/Patrick_Modiano

Weitere Stimmen zum Gesamtwerk

"Ein Schriftsteller, dessen Bücher man lieben kann: Patrick Modiano. Seine Prosa benennt nicht nur einen Schmerz und eine Traurigkeit. Sie ist zugleich der Trost, die Linderung für die Dauer der Lektüre." Claudius Seidl, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12.10.14

"Die Bücher des Literaturnobelpreisträgers Patrick Modiano sind Lichtzeichen längst erloschener Sterne. Geliebt wird Modiano von seinen Lesern auch deswegen, weil er die Geschichte von der großen Verlassenheit der Nachkriegskinder (er ist Jahrgang 1945) inzwischen so oft und jedes Mal noch schöner, noch poetischer und noch trauriger erzählt hat, dass sie inzwischen beinahe so tröstlich geworden ist wie ein Herbstfeuer auf einer abgemähten Nebelweide." Iris Radisch, Die Zeit, 16.10.14

 "Dieser Mann schreibt seine Leser schwindelig. Und das mit voller Absicht. Seine Bücher sind Verwirrspiele im Nebel." Wolfgang Höbel, Der Spiegel, 14.10.14

 "Modiano liest die Spuren menschlicher Existenz aus den unscheinbaren Objekten einer Straßenkreuzung, einer Hinterhoftreppe oder eines Bartresens. Seine Helden sind Abwesende, selbt wenn sie im Roman gerade noch da sind: Abwesende, die in ihren Spuren und flüchtigen Gesten präsenter sind, als in ihrem unmittelbarem Erscheinen." Joseph Hanimann, Süddeutsche Zeitung, 10.10.14

 "Modiano bestrickt durch seine Sprache, je länger man ihn kennt, umso mehr: diese Mischung aus einfacher, gesprochener, tastend erzählender Sprache und einem Rhythmus, einer Satzmelodie, die einen in diese Bücher hineinzieht." Elisabeth Edl, Süddeutsche Zeitung, 10.10.14

 "Patrick Modiano schreibt große Literatur auf kleinem Raum jenseits der Mode des Spektakulären." Hans-Jost Weyandt, die tageszeitung, 10.10.14

 "Modiano ist ein Meister der Erinnerungsliteratur, ein Erinnerungsfetischist. … Die Trauer um die verlorene Zeit, um die Vergangenheit, die nie wieder zurückkehrt, um die Menschen, die man verloren hat, die tot sind - all das macht sein inzwischen rund 30 Titel umfassendes Werk aus. Gleichzeitig versucht jeder von Modianos Romanen aufs Neue, diese Vergangenheit festzuhalten, den Zauber des Verlorenen zu bannen." Gerrit Bartels, Tagesspiegel, 10.10.14

 "Romane zum Süchtigwerden: Die Bücher des Nobelpreisträgers Patrick Modiano entwickeln einen eigenen Sog." Jörg Aufenanger, Frankfurter Rundschau, 10.10.14

 "Patrick Modiano ist der Dichter der verdrängten französischen Vergangenheit. … Er ist der Schutzpatron aller komischen Patrone, der Flaneure, Tagträumer und Alltagsethnographen, die sich aus der Literatur, aber auch aus Film und Fotografie einen Ariadnefaden spinnen, um sich in den Städten unserer Zeit irgendwie zurechtzufinden." Nils Minkmar, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.14