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Zahngesundheit-2008-Speichel
<< Weltzahngesundheitstag - 12. September '08 Berlin
(Weltzahnärzteverband FDI ): "Speichel / Spucke im Blickpunkt von
Wissenschaft und Praxis >>
Aktionskreis Tag der Zahngesundheit 2008:
Birgit Dohlus, Pressestelle;
info@zahndienst.de; www.zahndienst.de;
Dr. Prümel-Philippsen:Moderation der Pressekonferenz
Statements, dem Überblick und Inhalt nachfolgend:
- 1 Dr. Sebastian Ziller, Bundeszahnärztekammer;
s.ziller@bzaek.de;
www.bzaek.de;
- 2 Prof. Dr.Dr.h.c. Georg Meyer, Zentrum für Zahn-, Mund- und
Kieferheilkunde der
Ernst-Moritz-Arndt-Universität
Greifswald;
www.dental.uni-greifswald.de;
- 3 Statement der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der
Krankenkassen
AOK-Bundesverband Bonn,
www.aok-bv.de;
BKK Bundesverband, Essen,
www.bkk.de;
IKK-Bundesverband, Bergisch
Gladbach,
www.ikk.de;
Bundesverband der landwirtschaftlichen
Krankenkassen, Kassel
www.lsv.de/verbaende; Knappschaft,
Bochum,
www.bundesknappschaft.de;
Verband der Angestellten-Krankenkassen e.V.,
Siegburg,
www.vdak.de;
AEV-Arbeiter-Ersatzkassen-Verband e.V., Siegburg,
www.vdak.de;
ÜBERBLICK UND INHALT
Tag der Zahngesundheit 2008:
Speichel/Spucke im Blickpunkt von Wissenschaft und Praxis
Unter dem Motto „Gesund beginnt im Mund – aber bitte mit Spucke!“
stellt der Aktionskreis zum Tag der Zahngesundheit in diesem Jahr
den
Speichel in den Blickpunkt sowohl der Öffentlichkeit als auch der
Zahnärzteschaft: „Spucke wird unterschätzt: Die Flüssigkeit aus der
Mundhöhle verrät bspw. viel darüber, wie es uns geht“, sagte Dr.
Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer bei der
zentralen Pressekonferenz zum Tag der Zahngesundheit 2008 am 12.
September in Berlin: „Spätestens, wenn einem buchstäblich die
‚Spucke
weg bleibt’, denkt man über die Bedeutung des Speichels nach.“ Mit
dem
Thema wolle der Aktionskreis „ein Schlaglicht werfen auf die
wichtigsten Aufgaben, den Nutzen und die Wichtigkeit des Speichels
für
unsere Gesundheit aus zahnmedizinischer und medizinischer Sicht.“
Das
üblicherweise in einer Menge von 1 Liter pro Tag von den
Speicheldrüsen
produzierte Sekret sei immens wichtig für so alltägliche Dinge wie
Sprechen, Schlucken und die Nahrungsaufnahme. Speichel durchfeuchte
sowohl den Mund als auch die Nahrung, wirke als Gleitmittel beim
Schlucken, reinige Mundraum und Zähne, enthalte eine Vielzahl von
Inhaltsstoffen zur Abpufferung von Säuren sowie zur Remineralisation
des Zahnschmelzes und könne zudem Speichel Bakterien, Viren und
Pilze
abwehren. „Der Mund ist für so vieles eine Eintrittspforte in den
menschlichen Körper“, sagte Dr. Oesterreich, „einem wirksamen
Abwehrsystem an dieser Stelle kommt eine bedeutende Wächterfunktion
zu.“
Mundtrockenheit mehr als nur unangenehm
Mundtrockenheit hat belastende Folgen: Das Essen werde zur Qual,
sagte
Dr. Oesterreich, die Lippen klebten aufeinander und könnten
aufreißen,
zudem bereite das Sprechen Schwierigkeiten. Mindestens vier Prozent
der
Bevölkerung litten unter der „Xerostomie“ genannten Mundtrockenheit,
Ursache könne auch die Nebenwirkung eines Medikamentes sein. Auch
bei
Patienten nach Tumorbestrahlung tritt sie häufig auf. Diese
Patienten
sind besonders gefährdet, schnell Karies und andere Erkrankungen der
Mundhöhle zu entwickeln. Die Bedeutung des Speichels in der
Zahnheilkunde und in der Allgemeinmedizin nehme derzeit erheblich
zu,
bereits heute sei Speichel für die Diagnostik allgemeinmedizinischer
Erkrankungen sowie für die Früherkennung eines Karies- oder
Parodontitisrisikos ein wichtiger Indikator. Dr. Oesterreich:
„Wissenschaftler arbeiten derzeit weltweit intensiv an
Möglichkeiten,
chronische oder akute Erkrankungen von Herz, Leber und Niere
frühzeitig
mit Hilfe des Speichels aufzudecken, denn wenn es einem Menschen
nicht
gut geht, verändert sich das typische Eiweißprofil des Speichels.“
Die zwei Seiten des Speichels
Neben den vielen hilfreichen Seiten hat der Speichel auch durchaus
ungünstige, darauf wies Prof. Dr. Dr. h.c. Georg Meyer (Universität
Greifswald) als wissenschaftlicher Experte bei der Pressekonferenz
in
Berlin hin: „Der Speichel ist eine äußerst hilfreiche, interessante,
komplexe und noch lange nicht in allen Konsequenzen erforschte
Körperflüssigkeit, die außerdem viele Schnittstellen zu anderen
medizinischen Disziplinen bietet, wie z. B. Genetik, Immunologie,
Mikrobiologie, Ernährungswissenschaft, Onkologie u. a. – aber er
macht
uns auch Sorgen.“
Speichel als „Transporter-Medium“ bringe beispielsweise pathogene
Keime
auch zu Stellen im Mund mit Verletzungen. Von hier aus gelangten die
Mundbakterien über die Blutbahn in den Organismus. Kardiologen sähen
inzwischen orale Keime als Hauptbeteiligte an der Entwicklung einer
Herzinfektion (Endokarditis). „Das Interessante daran ist die Frage:
Wie kommt es, dass der ‚gute Speichel’, obwohl sich an seiner
Zusammensetzung nichts ändert, einmal positive Wirkungen hat und ein
andermal negative?“ Da Speichel im Mundraum spüle und der Bereich
auch
gut belüftet sei, halte sich die Keimmischung in einem relativen
Gleichgewicht. In einer Zahnfleischtasche aber fielen Spülung und
Belüftung weg – die pathogenen Keime vermehrten sich massiv, es
komme
zu einer Keimverschiebung.
Das Wissen über den Speichel sei um so wichtiger, je mehr man über
die
Folgen eines ‚gekippten biologischen Systems’ wie in einer
Zahnfleischtasche wisse: „Bei voller Bezahnung ergeben 9 mm tiefe
entzündete Zahnfleischtaschen in der Summe eine Fläche von 25 cm²
infiziertes Zahnbettgewebe - eine wirklich beachtliche Größe für
eine
offene Wunde und Eintrittspforte in die Blutbahn.“ Bei Tierversuchen
habe die Injektion oraler Keime in die Blutbahn zu
Gerinnungsstörungen,
Thrombenbildung und Gefäßveränderungen geführt. “Für uns in den
Zahnarztpraxen – und in der Wissenschaft – wird die Aufgabe,
Mundgesundheitsschäden zu vermeiden, dadurch auch zu einer
Präventionsaufgabe von relevanten Risikofaktoren für
allgemeingesundheitliche Erkrankungen“, sagte Professor Meyer.
466 Millionen für die Prophylaxe
Für die Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Krankenkassen
bedankte sich Jürgen Helfenritter (Bundesverband der
landwirtschaftlichen Krankenkassen) im Rahmen der Pressekonferenz in
Berlin „bei allen, die in den letzten Jahren und auch in diesem Jahr
wieder mit viel Arbeit und vielen Ideen zum Erfolg dieses Tages
beitragen.“ Die Zusammenarbeit unterschiedlicher Organisationen
sowohl auf Bundesebene als auch auf regionaler Ebene funktioniere
reibungslos.
Die gesetzlichen Krankenkassen unterstützten den Tag der
Zahngesundheit
auf vielfältige Weise – aber auch die Zahngesundheitsvorsorge
generell:
„Im Jahr 2007 haben die gesetzlichen Krankenkassen insgesamt 466
Mio.
Euro für die zahnmedizinische Individual- und Gruppenprophylaxe
sowie
die zahnärztlichen Kinder-Früherkennungsuntersuchungen
ausgegeben.“
Die Krankenkassen appellierten an die Eltern, den Kindern nicht zur
„Ruhigstellung“ dauerhaft Süßes aus einer Saugerflasche zu geben.
Die
frühzeitige Umstellung auf das Trinken aus einer Tasse diene der
Vermeidung der sog. „Nuckelflaschenkaries“.
In der Zahnarztpraxis könnten sich Versicherte aller Altersklassen
kostenfrei und ohne die Zahlung der Praxisgebühr zahnärztlich
untersuchen und beraten lassen.
Es sei auch den Vorsorgemaßnahmen der gesetzlichen Krankenkassen zu
verdanken, dass sich die Mundgesundheit in Deutschland weiter
verbessert habe, gleichwohl gebe es noch „Handlungsbedarf bei dem
Ausbau der Maßnahmen für Kinder vor dem Kindergartenalter“ sowie
flächendeckend bei der Gruppenprophylaxe und bei der Lösung der
Schieflage in der Kariesverteilung – Studien zufolge seien „Kinder
mit
Migrationshintergrund oder niedrigem Sozialstatus stärker von
gesundheitlichen Risiken betroffen.“ Allerdings, so das Resümee
von
Jürgen Helfenritter, „kann das „Problem der Ungleichheit von
Gesundheitschancen nicht alleine von der GKV gelöst werden - hier
ist
vor allem die Politik gefordert, konsequent in die Bereiche der
Gesundheitserziehung einzugreifen.“
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Anhang:
Ratgeber für Patienten: So halten Sie Ihren Speichel gesund
* Rauchen Sie nicht – das Rauchen macht Speichel zähflüssig und
weniger
aktiv.
* Sorgen Sie durch sorgfältige und regelmäßige Mundhygiene für eine
Reduktion an Keimen im Mund und an besonders gefährdeten Stellen des
Zahnsystems, besonders wenn Sie unter Mundtrockenheit leiden.
* Entfernen Sie Zahnbeläge (Plaque) sorgfältig: Nur wo Speichel auch
den Zahn umfließen kann, kann er seine Remineralisationsaufgabe
ausüben. Dicke Beläge fördern die Kariesentwicklung.
* Nehmen Sie Zahnfleischbluten nicht auf die leichte Schulter: Es
kann
der Anfang einer Zahnbettentzündung (Parodontitis) sein, die Pforten
eröffnet für das Eindringen pathogener Keime in die Blutbahn. Wenn
Zahnfleischbluten längere Zeit bei der Mundhygiene oder sogar beim
Essen auftritt, sollte ein Zahnarzt aufgesucht werden.
* Bei einem trockenen Mund, wie er bei Krankheiten und
Medikamenteneinnahme entstehen kann, sollte durch z.B. Kaugummikauen
die Speichelproduktion angeregt werden. Bei Stress sollte stets
ausreichend getrunken werden. Wasser verdünnt die hilfreichen
Schutzfunktionen des Speichels nicht.
* Gesundheitsschutz bietet nur ein ungestörtes Speichelsystem:
Gestört
wird es durch zucker- oder säurehaltige Getränke bzw. durch zucker-
und
kohlenhydratreiche Ernährung, die ein saures Milieu in der Mundhöhle
schafft und die Vermehrung von Bakterien fördert.
* Trinken Sie ausreichend am Tag – mindestens 1,5 Liter und
möglichst
zucker- und säurefreie Getränke.
***********
STATEMENT 1
Zentrale Auftaktpressekonferenz
12. September 2008 in Berlin
zum
Tag der Zahngesundheit (TdZ)
am 25. September 2008
Motto:
„Gesund beginnt im Mund – aber bitte mit Spucke“
Dr. Dietmar Oesterreich
Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer,
Präsident der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern
Sperrfrist bis 12. September 10:00 Uhr
Es gilt das gesprochene Wort
Sehr geehrte Damen und Herren,
Spucke – igitt – , mögen viel denken. Die erste Assoziation, welche
die meisten Menschen
mit Speichel verbinden, ist ein Ekelgefühl. Wer mag sich schon mit
Speichel
beschäftigen? Zahnärzte durch ihren Beruf notwendigerweise. Aber es
gibt noch eine
ganze Reihe weiterer Spezialisten, die sich mit dem
Speicheldrüsensekret auseinandersetzen.
Spucke wird unterschätzt: Die Flüssigkeit aus der Mundhöhle verrät
bspw.
viel darüber, wie es uns geht. Spätestens, wenn einem buchstäblich
die „Spucke weg
bleibt“, denkt man über die Bedeutung des Speichels nach.
Deshalb möchte das diesjährige Motto des Tages der Zahngesundheit
„Gesund beginnt
im Mund – aber bitte mit Spucke“, das gesellschaftliche Tabu,
welches Körpersekreten
allgemein und dem Speichel insbesondere anhaftet, helfen
aufzubrechen.
Wir wollen ein Schlaglicht auf die wichtigsten Aufgaben, den Nutzen
und die
Wichtigkeit des Speichels für unsere Gesundheit aus
zahnmedizinischer und medizinischer
Sicht werfen.
Ein normaler Speichelfluss, ca. einen Liter produzieren unsere
Speicheldrüsen täglich,
ist immens wichtig für solch gewöhnlichen Dinge wie Sprechen,
Schlucken und
die tägliche Nahrungsaufnahme. Durch Gerüche, Geschmacksreize und
Kaubewegungen
über Nervensignale angekurbelt, durchfeuchtet die Spucke die
Nahrung,
wirkt als Gleitmittel beim Schlucken, reinigt den Mundraum und die
Zähne, enthält
eine Vielzahl von Inhaltsstoffen zur Abpufferung von Säuren sowie
zur Reminalisierung
des Zahnschmelzes und kann Bakterien, Viren und Pilze abwehren. Der
Speichel
besteht zu 99 Prozent aus Wasser. Doch richtig interessant sind die
Bestandteile
des einen Prozents: Die wichtige schützende Wirkung des Speichels
auf
Mundhöhle und Zähne, beruht zum einen auf einem dünnen Eiweißfilm,
der sogenannten
Pellikelschicht, der die oralen Hart- und Weichgewebsoberflächen
überzieht.
Dieser schleimige Eiweißfilm (Muzine), der die Gleitwirkung des
Speichels bewirkt,
hält auch die Schleimhäute feucht und schützt sie vor Verletzungen.
Für die Zahnerhaltung
ist aber auf der anderen Seite ebenso wichtig, dass durch den
Speichel ein
hoher Gehalt an Kalzium und Phosphaten zur Verfügung steht, die zur
Remineralisierung
der Oberflächen des Zahnschmelzes von entscheidender Bedeutung ist.
Bekanntermaßen
produzieren Kariesbakterien nach dem Essen zahnschädigende Säuren,
wodurch der pH-Wert in der Mundhöhle sinkt. Diese Säuren entziehen
dem
Zahnschmelz Mineralien. Speichel neutralisiert die Säuren und
ermöglicht somit einen
raschen Wiedereinbau der Mineralstoffe. Gleichzeitig verdünnt
Speichel auch
hohe Zuckerkonzentrationen, die dem Zahnschmelz nach Genuss eines
Schokoriegels
gefährlich werden könnten. Und dass die geballte Säure, die etwa
durch einen
knackigen Apfel in den Mund gerät, keine bleibenden Schäden
hinterlässt, ist Puffersubstanzen
geschuldet, die säurehaltige Lebensmittel neutralisieren. Darüber
hinaus
trägt die Amylase, ein Enzym, das bereits im Mund die Verdauung von
Speisestärke
einleitet, zur Selbstreinigung der Mundhöhle, vor allem der
Zahnzwischenräume,
als eine Art „biologische Zahnbürste“ bei.
3
Der Mund ist für so vieles eine Eintrittspforte in den menschlichen
Körper, dass einem
wirksamen Abwehrsystem an dieser Eintrittsstelle eine bedeutende
Wächterfunktion
zukommt. Krankheitserreger sollen sich nicht ansiedeln, sondern
möglichst
frühzeitig erkannt und ausgeschaltet werden. Deshalb besitzt der
Speichel eine Reihe
unterschiedlicher Abwehrmittel: Antikörper, Eiweißstoffe oder
Lactoferrin. Viele
der Schleimschichtproteine im Mundraum (Muzine), deren Struktur von
Mensch zu
Mensch unterschiedlich ist, dienen der Abwehrfunktion gegen
mikrobielle Noxen oder
sind wichtig für die schnelle Wundheilung in der Mundhöhle. Sie
bieten erwünschten
Bakterien Anheftungsstellen, um sich in der Mundhöhle anzusiedeln.
Anderen Bakterien,
Viren oder Pilzen, die nicht mit den Schleimstoffen reagieren, wird
die Aufnahme
in die „Wohngemeinschaft des Mundes“ verwehrt, sie werden mit dem
Speichel
weggespült. Etwa 500 verschiedene Bakterienarten besiedeln die
Mundhöhle und
verdrängen allein durch ihre Anwesenheit oder Stoffwechselaktivität
unerwünschte
Besucher.
Doch bei einem - erkrankungs- oder medikamentenbedingten -
verminderten Speichelfluss,
bei unzureichender Mundhygiene oder bei einer unausgewogenen
Ernährung
kann das Gleichgewicht des schützenden Mundmilieus langfristig so
gestört
werden, so dass sich Karies- und Parodontitisbakterien oder auch
Hefepilze vermehrt
entwickeln.
Wenn die Spucke uns auf Dauer wegbleibt, fällt erst auf, wie wichtig
sie ist. Ein trockener
Mund, den viele sonst nur von Stresssituationen her kennen, wird
dann zur
Belastung. Das Essen wird zur Qual, die Lippen kleben aufeinander,
reißen auf und
das Sprechen bereitet Schwierigkeiten. Mindestens vier Prozent der
Bevölkerung
leiden unter Mundtrockenheit (Xerostomie).Als Ursachen für
Mundtrockenheit
kommen z. B. Rauchen und Stress aber auch Nebenwirkungen von
Medikamenten,
nach Bestrahlung bei einer Tumorerkrankung im Kopf-Halsbereich oder
als Begleiterscheinung
von Krankheiten wie Diabetes mellitus, multipler Sklerose oder
rheumatischen
Erkrankungen in Frage. Betroffen sind auch Menschen, die am
sogenannten
Sjögren-Syndrom, einer Autoimmunerkrankung, leiden, weil ihr
körpereigenes Abwehrsystem
die Zellen der Speicheldrüsen zerstört. Bei Nebenwirkungen von
Medikamenten
sind insbesondere solche gegen Bluthochdruck sowie Schmerzmittel,
Antibiotika
oder Psychopharmaka zu nennen. Bei etwa 30% der über 65-jährigen
liegt
eine dauerhafte Verminderung des Speichelflusses vor.
Risse in Lippen sowie Mundschleimhaut und ein trockner Mund stellen
eine große
Herausforderung für die Zahnmedizin dar. Betroffene müssen
beispielsweise ihr Essverhalten
ändern: Nahrungsmittel, etwa bestimmte Früchte, dürfen nicht
gegessen
werden, weil die Säure zu sehr an der wunden Schleimhaut im Mund
brennt. Die
Mundschleimhaut muss regelmäßig künstlich befeuchtet werden. Am
schlimmsten
betroffen sind die Menschen, deren Speicheldrüsen geschädigt wurden,
weil sie wegen
eines Tumors im Kopf- oder Halsbereich bestrahlt werden mussten. Sie
sind zu
ganz intensiver Mundhygiene angehalten, damit es nicht zur
sogenannten "Strahlenkaries"
kommt, einer raschen Zerstörung der Zahnsubstanz. Diese Patienten
müssen
wir trotz ihrer schwerwiegenden Erkrankung dazu motivieren, die
Zähne regelmäßig
sehr gut zu putzen und zusätzlich ein Fluoridgel sowie ein
Speichelersatzmittel zu
verwenden. Diese Flüssigkeit kann mehrmals am Tag in den Mund
gesprüht oder als
Gel ähnlich einer Feuchtigkeitscreme auf die trockene
Mundschleimhaut aufgetragen
werden. Produkte dieser Art gibt es seit 35 Jahren, aber auch heute
noch sind sie
nur Hilfsstoffe und kein Ersatz für echte Spucke.
Bei älteren Patienten ist eine regelmäßige und ausreichende
Flüssigkeitszufuhr von
hoher Bedeutung.
4
Die Zukunft liegt für Zahnärzte und Ärzte vor allem in der Nutzung
des Speichels für
die Diagnostik allgemeinmedizinischer Erkrankungen aber natürlich
auch in der
für den Zahnarzt so wichtigen Früherkennung eines Karies- oder
Parodontitisrisikos.
Die Spucke hat einen ganz entscheidenden Vorteil – sie kann im
Gegensatz
zu Blut sehr einfach und vor allem nicht-invasiv gewonnen werden.
Zwar steht diese
Art von Speicheldiagnostik noch am Anfang und in der Zahnmedizin ist
es bislang
noch nicht gelungen, den häufig postulierten Zusammenhang zwischen
der Speichelzusammensetzung
eines Menschen und seiner Karies- oder Parodontitisanfälligkeit
nachzuweisen.
Derzeit wird in der Allgemeinmedizin Speichel bereits zur Diagnostik
von Stoffwechselerkrankungen
oder zur Messung von Hormon und Medikamentenspiegeln genutzt.
Aber bei der Verbrecherjagd mittels Speichelprobe und Genanalyse ist
man schon
viel weiter. Denn in der Kriminalistik wird der Speichel bei der
Spurensuche und der
Identifizierung von Tätern seit Jahren erfolgreich eingesetzt. Auch
in der Sportmedizin
hat die Speichelanalyse einen festen Platz und führt für Sportfans
zu teilweise
ernüchternden Resultaten. Besonders spannend wird es beim Einsatz
von Speichelanalytik
in der Anthropologie, wo es darum geht, unsere
Verwandtschaftsbeziehungen
zu unseren Vorfahren zu erforschen.
Wissenschaftler arbeiten derzeit weltweit intensiv daran, dass es
zukünftig möglich
sein könnte, chronische oder akute Erkrankungen von Herz, Leber und
Niere frühzeitig
mit Hilfe des Speichels aufzudecken, denn wenn es einem Menschen
nicht gut
geht, verändert sich dementsprechend das typische Eiweißprofil des
Speichels. Auch
konnten Forscher bereits beim frühzeitigen Aufspüren von
Krebserkrankungen erste
interessante Fortschritte erreichen, so z. B. bei der Früherkennung
von Brustkrebs
mit Hilfe des Speichels. Besonders für die Zahnmedizin von Bedeutung
ist, dass sich
in der Speichelflüssigkeit bei Mundhöhlenkrebspatienten drei
verschiedene Tumorantigene
nachweisen ließen, außerdem waren die Mengen einiger Proteine und
Mineralstoffe
deutlich verändert im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen. Es
könnte
sein, dass die Krebsdiagnostik beim Zahnarztbesuch zukünftig Alltag
werden und der
Patient zur Vorsorge eine Speichelprobe abgeben könnte.
Wir sehen also, dass ein ausreichender Speichelfluss von großer
Bedeutung für die
Mund und Allgemeingesundheit ist. Präventiv darf man feststellen,
dass es wichtig ist
genügend Flüssigkeit dem Körper zu zuführen. Kräftiges Kauen und
damit kauaktive
Nahrung fördert den Speichelfluss. Eine gute Versorgung mit
Zahnersatz ist somit
ebenso eine wichtige Voraussetzung für die notwendige
Speichelstimulation bei der
Nahrungsaufnahme. Darüber hinaus ist der Einsatz von zuckerfreien
Kaugummis
sinnvoll und insbesondere nach der Nahrungsaufnahme zu empfehlen.
Dieser kurze Ausflug in die facettenreiche Bedeutung des Speichels
möchte ich mit
einem Zitat eines Wissenschaftlers Professor Stefan Ruhl von der
Universität Regensburg
abschließen, der vor zwei Jahren zutreffend bemerkte: „An Prophylaxe
interessierte
Zahnärzte sollten Speichel als eine zu ihrem Fachgebiet gehörende
Flüssigkeit
adoptieren. Speichel ist vermutlich der wichtigste Zahnerhalter!“
Der heutige Tag ist auch eine willkommene Gelegenheit im Namen der
Bundeszahnärztekammer
dem engagierten Praxispersonal, den niedergelassenen Zahnärzten,
den Landes- und regionalen Arbeitsgemeinschaften für
Jugendzahnpflege, den
5
Krankenkassen, den Zahnärzten des Öffentlichen Gesundheitsdienstes,
den Lehrern
und Erziehern sowie allen weiteren Partnern, die seit Jahren "vor
Ort" an der Umsetzung
einer präventionsorientierten Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
arbeiten, ein
herzliches Dankeschön für die geleistete Arbeit zu sagen. Ohne die
großartige Unterstützung
dieser vielen Partner im Bereich Mundgesundheit wären die bisher
erreichten
Erfolge insbesondere in der Kariesprävention nicht möglich!
******
STATEMENT 2
Zentrale Auftaktpressekonferenz am 12. September 2008 in Berlin
zum Tag der Zahngesundheit am 25. September 2008
Motto: „Gesund beginnt im Mund - aber bitte mit Spucke“
Prof. Dr. Dr. h. c. Georg Meyer, Zentrum für Zahn-, Mund- und
Kieferheilkunde der
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Der Speichel, volkstümlich die Spucke, ist ein eher negativ belegtes
Medium, denn man
denkt spontan daran, wie unhygienisch und unästhetisch es ist, etwas
auszuspucken oder
gar jemanden anzuspucken: letzteres gibt garantiert die rote Karte
oder mehr …
Aus Sicht der Zahnmedizin ist der Speichel aber eine äußerst
hilfreiche, interessante,
komplexe und noch lange nicht in allen Konsequenzen erforschte
Körperflüssigkeit, die
außerdem viele Schnittstellen zu anderen medizinischen Disziplinen
bietet, wie z. B. Genetik,
Immunologie, Mikrobiologie, Ernährungswissenschaft, Onkologie u. a.
.
„An Prophylaxe interessierte Zahnärzte sollten Speichel als eine zu
ihrem Fachgebiet
gehörende Flüssigkeit adoptieren. Speichel ist vermutlich der
wichtigste Zahnerhalter.“
Dieses Zitat meines früheren Studenten und inzwischen renommierten
Professors im Gebiet
der Speichelforschung, Dr. Stefan Ruhl, der – das am Rande -
Deutschland kürzlich wegen
schlechter Forschungsbedingungen verlassen hat und nun erfolgreich
in den USA arbeitet,
- 2 –
charakterisiert sehr deutlich den für Laien unvermutet hohen
Stellenwert des Speichels bei
der Prävention von Karies und Parodontalerkrankungen.
Wie bereits von Herrn Dr. Oesterreich – übrigens zur vollen
Zufriedenheit der Wissenschaft –
dargelegt, haben sowohl Vorhandensein als auch Zusammensetzung, aber
auch das Fehlen
des Speichels eine von der Bevölkerung weit unterschätzte Bedeutung.
Da waren die
Menschen früher allerdings schon erheblich weiter: Vor rund 23.000
Jahren, war kürzlich bei
einem Anthropologen-Kongress zu hören, haben die Menschen sogar
spezielle
Speichelsteinchen gelutscht, um die Speichelproduktion zu erhöhen.
Ob sie schon dasselbe
Wissen hatten wie wir – dass ausreichend Speichel erste
Zahnschmelz-Auswaschungen,
also Vorstufen von Karies remineralisiert, also repariert - wissen
wir derzeit noch nicht, aber
sie taten gut daran, den Speichel wert zu schätzen. Heute nutzt man
– am besten
zahnschonendes – Kaugummi, ein wichtiger Tipp auch für all
diejenigen Menschen, denen
es beispielsweise aufgrund von Krankheiten oder Medikamenten an
ausreichend Speichel
mangelt. Xerostomie, wie Mundtrockenheit in der Fachsprache heißt,
kann temporär
auftreten oder auch lang andauernd sein.
Temporär ist Xerostomie ein häufiger Begleiter bei Stress:
Prüfungskandidaten leiden oft
unter trockenem Mund, und auch Redner haben keineswegs nur aufgrund
des langen
Redens das Bedürfnis, etwas trinken zu wollen, auch hier ist der
Stress ein wesentlicher
Faktor für Mundtrockenheit. Reichlich Wasser trinken ist in solchen
Fällen das beste Mittel
gegen das trockene Mundgefühl.
Lang andauernd ist Xerostomie beispielsweise bei Patienten, die aus
medizinischen
Gründen bestrahlt werden oder die eine Speicheldrüsen-Operation
hinter sich haben. Solche
Patienten erhalten künstlichen Speichel. Für uns Zahnärzte ist
wichtig, dass wir schon im
Vorfeld die Zähne der Patienten durch Fluoridierung gegen die zu
erwartenden
Schmelzschäden schützen: Wo der Speichel fehlt, fehlt es auch an der
Reparaturfähigkeit
erster Schmelzschäden, und da brauchen die Zähne unsere besondere
Unterstützung.
- 3 -
Übriges sollte man auch bei lang anhaltendem Stress, wenn er zu
Mundtrockenheit führt,
besonders auf die Mundgesundheit achten, denn ob der Speichel
aufgrund von Krankheit
oder lediglich temporärer Überlastung fehlt, ist für das Ökosystem
Mund nicht relevant.
Das Spannende am Speichel aus Sicht der Zahnmedizin: Er hat zwei
Seiten. Eine gute –
und eine weniger gute. Warum es auch die „weniger gute“ gibt,
erkläre ich gleich.
Die guten Seite kennen wir in der Regel bereits und haben das heute
auch schon gehört:
Speichel remineralisiert die Zähne und ist ein wichtiger Teil des
Immunsystems.
Fast wöchentlich erfahren wir aktuelle neue Zusammenhänge, die
zeigen, wie massiv
unterschätzt die Rolle der Mundflüssigkeit bisher war – und lernen
dabei auch immer mehr,
wo er seine weniger guten Seiten zeigt.
Speichel als „Transporter-Medium“ bringt beispielsweise – und das
ist eine der weniger
guten Seiten - pathogene Keime, die Krankheitsrisiken bergen, auch
zu Stellen im Mund mit
Verletzungen. Durch diese Stellen gelangen die Mundbakterien in den
Organismus – mit
erheblichen Folgen, deren Ursache oder Trigger-(Verstärker-)Funktion
man nicht im Mund
erwartet hätte, Dr. Oesterreich hat bereits einiges angedeutet. Zu
den noch sehr frischen
Forschungsergebnissen, hier aus Japan, gehört, dass - anders als wir
bisher dachten -
keineswegs nur typische Parodontitis-Keime in das Geschehen bei
Herzinfektionen
(Endokarditis) involviert sind: Auch einer der Leitkeime der Karies,
Streptococcus mutans,
geht offensichtlich einher mit kardiovasculären Erkrankungen. M.
Streptococcen-DNA wurde
bei Endokarditis sogar häufiger gefunden, als die von den Leitkeimen
parodontaler
Entzündungen.
Das Spannende und für uns in der wissenschaftlichen Forschung
Interessante daran ist die
Frage des WARUM: Wie kommt es, dass der „gute Speichel“, obwohl sich
an seiner
Zusammensetzung und auch den mitschwimmenden Keimen nichts ändert,
auf der einen
Seite positive Wirkungen hat und auf der anderen negative? Die
Antwort ist nur auf den
- 4 –
ersten Blick überraschend: Weil Speichel im Mundraum spült und der
Bereich auch gut
belüftet ist, hält sich die Keimmischung in einem relativen
Gleichgewicht. In einer
Zahnfleischtasche aber fallen Spülung und Belüftung weg – die
pathogenen Keime
vermehren sich massiv, es kommt zu einer Keimverschiebung, das
biologische System kippt
in die ungünstige Richtung. Ähnliches findet übrigens bei
Zahnfüllungen statt: Wir haben
getestet, was passiert, wenn eine schadhafte Stelle präpariert, also
„saubergebohrt“ wird,
aber nicht gleich gefüllt. Es hat sich hier auch nach längeren
Wochen keinerlei Karies
gezeigt. Der Grund: Speichelfluss und Belüftung haben für ein
ausgeglichenes biologisches
System gesorgt. Unter einer Füllung, die einen kleinen Spalt hatte,
durch den Keime
eindringen konnten, entwickelte sich dagegen nach kurzer Zeit Karies
– weil dieser Bereich
wie eine abgeschlossene Höhle wirkte.
An sich ist das nichts anderes als das, was wir auch von der Haut
kennen: Obwohl die Haut
von Millionen von Keimen besiedelt ist, ist sie – wenn belüftet und
gelegentlich gespült –
selten entzündet.
Das Wissen auch um die negativen Seiten des Speichels ist um so
wichtiger, je mehr wir
lernen, welche Folgen ein „gekipptes biologisches System“ wie in
einer Zahnfleischtasche
haben kann. Ein verletzungsfreier Mund bekommt daher - über die
Mundgesundheit hinaus -
eine große Bedeutung. Am Beispiel Endokarditis (Herzinnenhautentzündung)
lässt sich das
gut nachvollziehen, und hier sind auch die Kardiologen den
Mundbakterien auf der Spur:
Diese oralen Keime werden inzwischen als wichtigste begünstigende
Voraussetzung für die
Entstehung einer Endokarditis erachtet.
Dem Zusammenhang kam man auf die Spur, als man feststellte, dass in
der Mehrheit aller
untersuchten Fälle die entzündlichen Herzerkrankungen nicht, wie
gedacht, durch invasive
chirurgische Eingriffe verursacht werden, die Keime also erst im
Rahmen der Operation
eindringen. Die Keimverschleppung musste also auf anderen Wegen
erfolgen, und hier
sprach vieles für die Mundbakterien. Wir von der zahnärztlichen
Seite können diese
- 5 –
Vermutung durchaus bestätigen: Wenn man bedenkt, dass 9 mm tiefe
entzündete
Zahnfleischtaschen bei voller Bezahnung in der Summe einer Fläche
von 25 cm² infiziertes
Zahnbettgewebe entsprechen, ist das doch eine wirklich beachtliche
Größe für eine offene
Wunde - und damit auch ein idealer Zugang für entzündliche
Risikokeime der Mundhöhle in
die Blutbahn. Was dann passieren könnte, haben Versuche am Tier
ergeben: Hier führten
die Leitkeime oraler Entzündungen nach Injektion in die Blutbahn zu
Gerinnungsstörungen,
Thrombenbildung und Gefäßveränderungen. Das könnte die
wissenschaftlich belegten
Zusammenhänge zwischen Parodontalerkrankungen und Herz-
Kreislauferkrankungen bis
hin zum Herzinfarkt sowie Schlaganfällen erklären. Der Speichel, der
je nach bakteriellem
Ungleichgewicht zu einer „infektiösen Lösung“ werden kann,
transportiert die pathogenen
Keime überall hin, auch dahin, wo sie weiter in die Blutbahn
gelangen.
Einige andere Studien zeigten zudem, dass eine profunde Parodontitis
das Risiko für
Frühgeburten und auch niedriges Geburtsgewicht erhöht – Grund ist
vermutlich, dass eine
chronische systemische Entzündung wie die Parodontitis die
individuelle Anzahl an
Leukozyten verändert und damit die Widerstandskräfte, das
Immunsystem des Körpers.
Je mehr wir über die Zusammenhänge von Mund, Keimen, Speichel und
nicht allein lokale
Munderkrankungen, sondern auch allgemeinmedizinische
Infektionserkrankungen bzw.
immunsystemrelevanten Folgen wissen, umso wichtiger wird es, dass
wir dem Speichel
mehr Beachtung schenken. Das ungestörte – und hier liegt der
entscheidende Punkt –
Speichelsystem hat offenbar eine enorme Schutzfunktion. Speichel
kann „harte Werkstoffe“
wie den Zahnschmelz kitten, wo Säureauslösungen zu einer Karies
führen könnten. Und er
hat letztlich in Zusammenarbeit mit einem Millionenheer an im
Gleichgewicht lebenden
Keimen eine bemerkenswert wichtige Schutzfunktion vor Infektionen.
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Für uns in den Zahnarztpraxen – und in der Wissenschaft – wird die
Aufgabe,
Mundgesundheitsschäden zu vermeiden, dadurch auch zu einer
Präventionsaufgabe von
relevanten Risikofaktoren für allgemeingesundheitliche Erkrankungen.
Für die Patienten
bedeutet das, das sie leider nicht nachlassen dürfen bei der
Mundhygiene, sondern jetzt
noch mehr gute Gründe haben, mit dieser vergleichsweise leichten Art
des
Gesundheitsschutzes auch über en Mund hinausgehende Erkrankungen zu
vermeiden. Der
Mund, das wird bei diesem Thema zum Tag der Zahngesundheit 2008
deutlich wie selten, ist
kein „Einzelteil“ des Körpers, sondern Teil eines gesamten Systems.
Wird seine Pflege
vernachlässigt, kann das im schlimmsten Fall zu bedrohlichen Folgen
für die
Gesamtgesundheit führen.
Ratgeber für Patienten: So halten Sie Ihren Speichel gesund
* Rauchen Sie nicht – das macht ihn zähflüssig und weniger aktiv
* Sorgen Sie durch sorgfältige und regelmäßige Mundhygiene für ein
ausgewogenes
Gleichgewicht an Keimen im Mund, besonders wenn Sie unter
Mundtrockenheit leiden
* Entfernen Sie Zahnbeläge (Plaque) sorgfältig: Nur wo Speichel auch
den Zahn umfließen
kann, kann er seine Remineralisationsaufgabe ausüben. Dicke Beläge
fördern die
Kariesentwicklung.
* Nehmen Sie Zahnfleischbluten nicht auf die leichte Schulter: Es
kann der Anfang einer
Zahnbettentzündung (Parodontitis) sein, die Pforten eröffnet für das
Eindringen pathogener
Keime in die Blutbahn. Wenn Zahnfleischbluten nach zwei Tagen
sorgfältigen Putzens nicht
gestillt ist, sollte sicherheitshalber ein Zahnarzt befragt werden.
* Bei einem trockenen Mund, wie er bei Krankheiten und
Medikamenteneinnahme entstehen
kann, sollte durch Kaugummikauen die vermehrte Speichelproduktion
angeregt werden. Bei
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Stress tut ausreichend Wasser gut. Wasser verdünnt die hilfreichen
Schutzfunktionen des
Speichels nicht.
* Gesundheitsschutz bietet nur ein ungestörtes Speichelsystem:
Gestört wird es durch
zucker- oder säurehaltigen Getränken bzw. durch zucker- und
kohlenhydratreiche
Ernährung, die ihn versäuern, und vor allem durch ein
Ungleichgewicht an Keimen, das
durch zuviel Zahn-Belag entsteht. Zahnbelag ist nichts anderes als
eine Melange aus
Keimen der verschiedensten Art und „Klebstoffen“ aus Zellresten und
„Spucke“.
Gesund beginnt im Mund – der traditionelle Slogan zum Tag der
Zahngesundheit seit 1991
hat damals noch gar nicht geahnt, wie recht er hat.
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STATEMENT 3
Pressekonferenz zum „Tag der Zahngesundheit“
am 12.09.2008 in Berlin
Statement der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der
Krankenkassen
AOK-Bundesverband, Bonn
BKK Bundesverband, Essen
IKK-Bundesverband, Bergisch Gladbach
Bundesverband der landwirtschaftlichen Krankenkassen, Kassel
Knappschaft, Bochum
Verband der Angestellten-Krankenkassen e.V., Siegburg
AEV-Arbeiter-Ersatzkassen-Verband e.V., Siegburg
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ES GILT DAS GESPROCHENE WORT
(Anrede)
In diesem Jahr findet nun bereits zum 18. Mal der „Tag der
Zahngesundheit“ statt.
Das bedeutet, dass in diesen Tagen bundesweit Aktionen durchgeführt
werden, die
die Bevölkerung auf die Bedeutung der Zahngesundheit hinweisen.
Die Spitzenverbände der Krankenkassen bedanken sich bei allen, die
in den letzten
Jahren und auch in diesem Jahr wiederum mit viel Mühe und Arbeit zum
Erfolg dieses
Tages beitragen. Hervorzuheben ist, mit welchen ideenreichen
Aktionen und
Kampagnen insbesondere in Kindergärten und Schulen, in den
Zahnarztpraxen sowie
in den Kinder- und Jugendarztpraxen und von den
Arbeitsgemeinschaften für
Jugendzahnpflege für die Zahngesundheit geworben wird. Diese
gemeinsame Gestaltung
des „Tages der Zahngesundheit“ zielt darauf ab, die Mundgesundheit
weiter
zu verbessern und zeigt vor allem, dass die Zusammenarbeit
unterschiedlicher Organisationen
sowohl auf Bundesebene als auch auf regionaler Ebene reibungslos
funktioniert. Die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich jedes
Jahr an den Aktionen
zum „Tag der Zahngesundheit“ und unterstützen Aktivitäten zur
Verbesserung
der Zahngesundheit.
Hierbei ist auch das finanzielle Engagement der gesetzlichen
Krankenkassen beachtlich.
So haben diese im Jahr 2007 insgesamt 466 Mio. Euro für die
zahnmedizinische
Individual- und Gruppenprophylaxe sowie die zahnärztlichen Kinder-
Früherkennungsuntersuchungen ausgegeben. Dabei entfielen auf
Maßnahmen der
Gruppenprophylaxe 40 Mio. Euro, beispielsweise für die Versiegelung
der Fissuren
der bleibenden Backenzähne wurden 60 Mio. Euro ausgegeben. Daneben
hat die
gesetzliche Krankenversicherung (GKV) erhebliche finanzielle Mittel
für zahnerhaltende
Maßnahmen aufgewandt.
Kommen wir jetzt zu dem eigentlichen Thema des heutigen Tages. Mit
dem diesjährigen
Motto des Tages der Zahngesundheit „Gesund beginnt im Mund – aber
bitte
mit Spucke!“ soll deutlich gemacht werden, dass der Speichel
wichtige Aufgaben für
die Erhaltung der Mundgesundheit übernimmt. Der Speichel ist für
jeden Menschen
notwendig, ob jung oder alt. Er hält z. B. den Mundraum feucht und
hilft dabei, dass
sich Krankheitserreger nicht so leicht ansiedeln können. Auch werden
Säureangriffe
durch aggressive Nahrungsbestandteile vom Speichel weitgehend
neutralisiert und
somit die Zähne geschützt. Er versorgt die Zähne mit Mineralstoffen
und schützt
durch seine regelmäßige Befeuchtung sogar vor Verletzungen der
Mundschleimhaut.
Ohne Speichel bleibt der Mund trocken und das Schlucken, das
Sprechen und die
tägliche Nahrungsaufnahme würden zum Problem. Fazit: „Ohne Spucke
läuft also
nichts“.
Damit der Mund und die Zähne gesund bleiben, sind eine regelmäßige
Pflege, Vorsorge
und Kontrolle unerlässlich. Es ist wichtig, dass von „Kindesbeinen“
an und
durch alle Altersstufen hindurch, eine richtige Pflege erfolgt.
Insbesondere an die Eltern
von Kleinkindern appellieren die Spitzenverbände der Krankenkassen,
darauf zu
achten, den Kindern nicht zur „Ruhigstellung“ dauerhaft Süßes aus
einer Saugerflasche
zu geben. Vielmehr sollte frühzeitig das Trinken aus einer Tasse
gelehrt werden.
Dies dient der Vermeidung der sog. „Nuckelflaschenkaries“ bei den
Kleinsten.
Für die Erhaltung der Mund- und Zahngesundheit werden ab dem
Kleinkindalter verschiedene
Maßnahmen durchgeführt, die dafür sorgen, dass im fortgeschrittenen
Lebensalter weniger Beschwerden an den Zähnen auftreten und dadurch
die Lebensqualität
verbessert wird. Hierzu werden Informationen zur zahnschonenden
Ernährung
und zur Zahnpflege von vielen Mitarbeitern im Gesundheitswesen -
neben
Zahnärzten in der Praxis und dem Öffentlichen Gesundheitsdienst auch
von Zahnarzthelferinnen,
Hebammen, Gynäkologen, Kinder- und Jugendärzten und anderen -
vermittelt. Zusätzlich zur Munduntersuchung und
Mundgesundheitserziehung wird im
Rahmen der Gruppenprophylaxe an vielen Orten auch eine
Zahnschmelzhärtung mit
Fluorid durchgeführt. In Schulen und Behinderteneinrichtungen, in
denen das Kariesrisiko
besonders hoch ist, werden spezielle Programme organisiert.
In der Zahnarztpraxis können sich Versicherte aller Altersklassen
kostenfrei und ohne
Praxisgebühr zahlen zu müssen zahnärztlich untersuchen lassen. Bei
Kindern
und Jugendlichen umfasst dieses Angebot auch Aufklärungen zur
Prophylaxe und
das Anfärben von Zahnplaque. Daneben sind auch die
Vorsorgeuntersuchungen (UUntersuchungen)
beim Kinderarzt ein unerlässlicher Vorsorgebaustein. Auf eine
interdisziplinäre
Zusammenarbeit zwischen Kinderärzten und Zahnärzten ist im Rahmen
dieser U-Untersuchungen besonders hinzuwirken. Die gesetzlichen
Krankenkassen
informieren über die Vorsorgemaßnahmen auch im Internet.
Nicht zuletzt ist es diesen Vorsorgemaßnahmen (der gesetzlichen
Krankenkassen)
zu verdanken, dass sich die Mundgesundheit in Deutschland weiter
verbessert hat.
Dies wurde auch durch die Epidemiologischen Begleituntersuchungen
zur Gruppenprophylaxe
der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (Pieper/DAJ
2005) aus dem Jahr 2005 oder der Vierten Deutschen
Mundgesundheitsstudie (IDZ,
2006, DMS IV) aus dem Jahr 2006 belegt. Auch die Zahlen der
aktuellen Dokumentation
der Maßnahmen der Gruppenprophylaxe (Jahresauswertung des
Schuljahres
2006/2007 der DAJ) zeigen einen positiven Trend der
Prophylaxeimpulse bei Kindern
und Jugendlichen in den Einrichtungen. Während bei der
Jahresauswertung
des Schuljahres 2004/2005 die Summe der Prophylaxeimpulse noch bei
6,8 Millionen
lag, konnten diese Impulse im Schuljahr 2006/2007 auf 7,8 Millionen
erhöht werden.
Auch die Zahl der erreichten Kinder in den Kindergärten und
Grundschulen
konnte entsprechend gesteigert werden. Gleichwohl sehen die
Spitzenverbände der
Krankenkassen noch Handlungsbedarf bei dem Ausbau der Maßnahmen für
Kinder
vor dem Kindergartenalter sowie insgesamt Potential bei der weiteren
flächendeckenden
Umsetzung der gruppenprophylaktischen Maßnahmen.
Ein weiteres Problem ist die Schieflage in der Kariesverteilung.
Diese zeigt sich darin,
dass sich - trotz Rückgang der Karies in vielen Altersgruppen - die
verbleibende
Karies auf wenige Gruppierungen konzentriert. An folgendem Beispiel
wird diese
Schieflage besonders deutlich: Etwa 27% der 15-Jährigen vereinen ca.
80% aller
geschädigten Zähne ihrer Altersgruppe auf sich (DMS IV). In diesem
Zusammenhang
sind Erkenntnisse des Robert-Koch-Instituts zur Gesundheit von
Kindern
und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS-Studie) anzuführen. Diese
Studie hat festgestellt,
dass Kinder mit Migrationshintergrund oder niedrigem Sozialstatus
stärker
von gesundheitlichen Risiken betroffen sind. Es muss deshalb weiter
daran gearbeitet
werden, diese Ungleichheit von Gesundheitschancen abzubauen. Diese
Aufgabe
kann allerdings nicht alleine von der GKV gelöst werden. Sondern
hier ist vor allem
die Politik gefordert, konsequent in die Bereiche der
Gesundheitserziehung einzugreifen.
Hierzu gehört aber auch, dass ausreichend steuerfinanzierte Mittel
hierfür
zur Verfügung gestellt werden.
Abschließend möchten wir an alle Beteiligten appellieren – und dies
nicht nur am
„Tag der Zahngesundheit“ – alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um die
Zahngesundheit
weiter zu fördern.
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