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<<kuratorium-perfekter-zahnersatz-konferenz '07 -
Prof. Dr. med. dent. Jürgen Setz: Ganz in Weiß? Sinn und Unsinn in
der Zahnästhetik>>
Universitätspoliklinik für Zahnärztliche Prothetik, Halle;
Studiendekan:
juergen.setz@medizin.uni-halle.de
http://www.medizin.uni-halle.de/index.php?id=85&cid=97;
www.kuratorium-perfekter-zahnersatz.de
Die Zahnheilkunde war in den vergangenen 20 Jahren von drei
wesentlichen Entwicklungen gekennzeichnet. Neben der im besten Sinn
dramatischen Verbesserung der Zahngesundheit bei Kindern und
Jugendlichen waren dies der Durchbruch der zahnärztlichen
Implantologie und die zunehmende Bedeutung der so genannten
ästhetischen Zahnmedizin.
Betrachtet man ästhetische Fragen in der Zahnmedizin genauer, lassen
sich Zähne als einer der prä-genden Bestandteile des Gesichts sowie
das Aussehen der Zähne und der Zahnreihe im engeren Sinne von
einander unterscheiden. Zähne beeinflussen die Physiognomie, das
Gesichtsprofil und damit die Mimik. Die Mundregion ist zusammen mit
der Augenregion zugleich an der nonverbalen Kommunikation beteiligt.
Wie entscheidend dieser Einfluss der Zähne ist, wird häufig erst
erkennbar, wenn alle Zähne fehlen. Dann entsteht schon bei
geschlossenem Mund durch die eingefallenen Lippen, die Verkürzung
des Untergesichts und die Prominenz des Kinns das typische
„Greisengesicht“. Dieses war bis vor einigen Jahrzehnten auch in
Deutschland noch verbreitet. Heute ist es wegen der hervorragenden
zahnärztlich-prothetischen Versorgung kaum noch zu sehen, in
Entwicklungsländern jedoch gang und gäbe.
Bei der Zahnästhetik im engeren Sinn wird in den Medien nicht selten
das Bild der geraden und weißen Zähne propagiert und diese Mode
durch Verweis auf Ideale aus Film- und Modeindustrie begründet.
Analysiert man die vermeintlichen Vorbilder näher, muss man jedoch
lange suchen, bis entsprechende Stars oder Sternchen gefunden sind.
Tatsächlich entpuppen sich die Zähne der vermeintlichen Ideale als
keineswegs so weiß und regelmäßig, wie dies dargestellt wird.
Trotzdem hat sich der Wunsch nach geraden und weißen Zähnen („wie
ein frisch geweißter englischer Gartenzaun“) verbreitet. Dies wurde
konsequenterweise so weit geführt, dass wegen der entsprechenden
Patientennachfrage neue, extrem weiße Zahnfarben in Zahntechnik und
Zahnmedizin eingeführt werden mussten, die beim Menschen
natürlicherweise nicht vorkommen und die sich von Sanitärkeramik
kaum noch unterscheiden. Das natürliche Ideal wird somit durch ein
virtuelles Ideal ersetzt.
Die Spitze in diesem Wandel vom gesunden Zahn hin zum Gegenstand
modischer Strömungen sind künstliche und echte Diamanten, die in
Frontzähne eingesetzt werden: Gesunde Zähne werden angebohrt, um
Schmucksteine in ihnen zu befestigen. Die Veränderung des
Erscheinungsbilds der Zähne mutiert vollends zur Kosmetik und
verletzt sogar Grundregeln der Zahngesundheit.
Trotz dieser Auswüchse ist das Streben nach ästhetischen
Restaurationen jedoch selbstverständlich fest in Zahnmedizin und
Zahntechnik verankert. Besteht die medizinische Notwendigkeit,
erkrankte
Zähne zu restaurieren und/oder zu ersetzen, geschieht dies mit dem
Ziel, ein möglichst ansprechendes Äußeres zu erzielen. Hier verfügen
Zahnmedizin und Zahntechnik über mehr als 100 Jahre
Erfahrung.
Aufgrund dieser Erfahrung wurden ästhetische Werkstoffe eingeführt,
die es gestatten, das natürliche Aussehen gesunder Zähne deutlich
besser zu imitieren, als dies noch vor 20 Jahren der Fall war. Die
Bedeutung neuer Materialien und Techniken in Zahnmedizin und
Zahntechnik lässt sich am besten an Extremsituationen darstellen.
Hierzu gehören zum Beispiel Patienten mit genetisch bedingten
Störungen des Gebisssystems, wie z. B. die vielfache Nichtanlage von
Zähnen, angeborene Veränderungen von Zahnhartsubstanzen, angeborene
Verfärbungen von Zähnen und massive, das Gesicht entstellende,
Fehlentwicklungen des Gebisses.
Korrespondenzadresse:
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Universitätspoliklinik für
Zahnärztliche Prothetik
Herrn Prof. Dr. Jürgen Setz
Große Steinstr. 19
06097 Halle/Saale
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