Ästhetisch erscheinende Zähne sind Türöffner für soziale Kontakte.
Ein Lächeln signalisiert Selbstsicherheit und Wohlbefinden, viele
Menschen verknüpfen damit auch Erwartungen an eine hohe
Lebensqualität. Makellose Zähne und ein gewinnendes Lächeln
symbolisieren deshalb körperliche Gesundheit, soziale Kompetenz
und beruflichen Erfolg – also wichtige Wertmarken der modernen
Gesellschaft. Der Wunsch nach ästhetisch perfekten Zähnen wird
deshalb stetig größer. Zahnarzt und Zahntechniker müssen darauf
reagieren.
Generell werden die beste Ästhetik und Funktion, wie auch die
höchste Langlebigkeit, durch natürliche aussehende Zähne und ein
gesundes Zahnfleisch erzielt. Man spricht in diesem Zusammenhang
auch von roter Ästhetik (Zahnfleisch) und weißer Ästhetik (Zähne).
Es sollte daher das oberste Ziel jeder Zahnarztpraxis sein, beide
Bereiche nicht durch unangemessene kosmetische Maßnahmen zu
schädigen.
Mittlerweile sind in der Zahnheilkunde Werkstoffe und Verfahren
verfügbar, durch die das ästhetisch perfekte Aufhellen und
Verkleiden von Zähnen sowie der nicht erkennbare Ersatz verloren
gegangener Zähne möglich wird. Diese Ziele können im Vergleich zu
früheren Verfahren mit der erheblich geringeren Schädigung
biologischer Strukturen erreicht werden. Zu den modernen
Behandlungsverfahren gehören nicht nur das Bleichen (Aufhellung
verfärbter Zähne) und das Kaschieren von Zähnen mit zahnfarbenen
Kompositen bzw. keramischen Schalen, sondern auch CAD/CAM-gefertigter
Zahnersatz und Implantate. Alle diese Behandlungsverfahren
erhalten oder stellen die weiße Ästhetik wieder her, während
moderne parodontologische Verfahren die rote Ästhetik erhalten
oder wiederherstellen. Wichtig ist, dass diese Maßnahmen
grundsätzlich unter Beachtung funktioneller Aspekte erfolgen.
Bleichen verfärbter Zähne
Das Bleichen verfärbter
Zähne ist eine nahezu nicht-invasive Behandlungsmaßnahme, die bei
verfärbten vitalen Zähnen wie auch Zahnverfärbungen nach
Wurzelkanalbehandlung zumeist erfolgreich eingesetzt werden kann.
Durch den Einsatz des Bleichmittels umgeht man weit aufwendigere
Behandlungsmaßnahmen. Beispielsweise würde die Überkronung von
Zähnen einen hohen Abtrag an Zahnhartsubstanz nach sich ziehen
(Abb. 1a und 1b). Der Einsatz dieser Chemikalien sollte unbedingt
durch die Zahnarztpraxis begleitet werden, da es bei unsachgemäßer
Verwendung zu vermeidbaren Nebenwirkungen kommen kann.
Abb. 1a: Bleichen
von Zähnen
Ausgangssituation einer jungen Patientin mit zwei verfärbten
oberen Frontzähnen. Der mittlere und der seitliche Schneidezahn im
linken Bereich des Oberkiefers mussten nach dem Sturz mit einem
Roller wurzelkanalbehandelt werden und hatten sich dadurch mit der
Zeit verfärbt.
Abb. 1b: Bleichen
von Zähnen
Situation nach einer internen Bleichbehandlung. Dazu wurde ein
kleiner Teil der Wurzelkanalfüllung entfernt und die Zähne von
innen gebleicht. Diese Bleichbehandlung kann nur in der
Zahnarztpraxis durchgeführt werden.

Abb. 1a
Abb. 1b:
Kaschieren von Verfärbungen oder Defekten der Zähne mit
zahnfarbenen Materialien
Die Entwicklung
moderner Klebetechniken (Adhäsivtechnik) und zahnfarbener
Restaurationsmaterialien hat die ästhetische Zahnheilkunde in den
vergangenen Jahren stark beflügelt. Durch eine spezielle
Klebetechnik können zahnfarbene Materialien direkt im Mund des
Patienten zuverlässig und dauerhaft an der Zahnsubstanz befestigt
werden (plastische Kompositmaterialien). Dies gilt auch für die
nach einer Abformung durch den Zahnarzt im zahntechnischen Labor
gefertigten keramischen Schalen.
Durch diese Maßnahmen können Defekte ausgeglichen oder
bleichresistente Verfärbungen abgedeckt werden. Beim Einsatz der
direkt im Mund verarbeiteten Komposite kann der Zahnarzt in vielen
Fällen ohne jedweden Abtrag an Zahnhartsubstanz (Präparation)
auskommen. Es handelt sich somit meistens um ein rein auftragendes
Vorgehen, bei dem abgenutzte oder geschädigte Zähne ästhetisch und
funktionell wieder aufgebaut werden können. Dies verlangt in der
ästhetisch wichtigen Frontzahnregion eine besondere Ausbildung
des Zahnarztes, wenn ein gleichermaßen ästhetisch ansprechendes
Ergebnis erzielt werden soll (Abb. 2a und 2b).
Direkter Aufbau von Frontzähnen im Oberkiefer mit Komposit
:
Abb. 2a:
Ausgangssituation bei einer jungen Patientin mit zwei stark
abgenutzten Frontzähnen im Oberkiefer. Nach kieferorthopädischer
Behandlung konnte die Ursache der Abnutzung, nämlich der starke
Einbiss durch die Unterkieferfrontzähne, beseitigt werden.
Abb. 2b:
Situation nach dem direkten Aufbau der Zähne mit Komposit. Hier
war es zur Rekonstruktion der Zähne nicht erforderlich,
Zahnhartsubstanz abzutragen. Die beiden Zähne wurden lediglich für
kurze Zeit mit Phosphorsäure angeätzt, danach wurde das Komposit
aufgetragen, modelliert und ausgehärtet.

Abb. 2a
Abb. 2b
Übersteigen die Defekte ein gewisses Ausmaß und stehen
umfangreiche Versorgungen im Seitenzahnbereich an, so wird
aufgrund der höheren Festigkeit und Farbstabilität der Einsatz
indirekt gefertigter Restaurationen (z. B. laborgefertigte
vollkeramische Kronen oder Brücken) bevorzugt. Da keramische
Versorgungen eine bestimmte Mindestschichtstärke beanspruchen,
wird in den meisten Fällen ein Abtrag (Präparation) im Bereich der
äußeren Schicht (Zahnschmelz) des betroffenen Zahnes erforderlich.
Auch bestehende Füllungen können entfernt bzw. in die Präparation
einbezogen werden.
Der
Abtrag an Zahnhartsubstanz ist beispielsweise für Keramikschalen
im Frontzahnbereich sehr gering und mit herkömmlichen
Kronenversorgungen nicht vergleichbar: Für die Aufnahme einer
herkömmlichen metallkeramischen Krone müssen etwa 70 Prozent der
Hartsubstanz einer natürlichen Zahnkrone abgetragen werden. Der
Substanzabtrag für eine Keramikschale beträgt dagegen je nach
Präparationsgestaltung lediglich zwischen 7 Prozent und 30 Prozent
(Abb. 3).
Vergleich der Präparationsgestaltung (mittlerer Schneidezahn des
Unterkiefers:
Abb. 3:
Bei der links dargestellten
Präparation für eine keramische Verblendschale (Veneer) werden
etwa 20 Prozent der Hartsubstanz im Bereich der Zahnkrone
abgetragen. Die Präparation für die Aufnahme einer konventionellen
Krone (rechts) würde dagegen einen Substanzabtrag von etwa 70
Prozent der Zahnkrone erfordern.

Abb. 3
Der erheblich
reduzierte Abtrag an Zahnhartsubstanz hat wichtige Vorteile für
Patient und Zahnarzt:
•
Die Behandlung verläuft weniger traumatisch,
•
die Abformung ist einfacher
•
und die Anzahl an Komplikationen ist gering.
Bestimmte Keramiken eignen sich aufgrund ihrer
Materialeigenschaften hervorragend als Ersatz des äußeren Mantels
der Zahnkrone, dem Zahnschmelz. Die Festigkeit der Restauration
wird durch den Klebeverbund mit der Zahnhartsubstanz erreicht. Auf
diese Weise können selbst komplexe Fälle gelöst werden, bei denen
die Bisslage verändert werden muss oder vereinzelt sämtliche Zähne
in die Versorgung einzubeziehen sind (Abb. 4a und 4b). Komplexe
Fälle sind sorgfältig zu planen.
Konstruktion eines
geplanten Zahnersatzes auf dem Modell:
Abb. 4a:
Diese 45-jährige Patientin hat stark abgenutzte Zähne. Dadurch hat
sich die Bisshöhe stark abgesenkt.
Abb. 4b:
Situation nach Versorgung der Patientin mit verklebten,
vollkeramischen Restaurationen. Nach sorgfältiger Planung, in
enger Zusammenarbeit mit dem
Zahntechniker, wurden sämtliche
Zähne metallfrei mit keramischen Schalen und Teilkronen behandelt
und der Biss angehoben. In diesem Fall war nur eine wenig invasive
Präparation der Zähne erforderlich (Zahntechnik: ZT Oliver Brix,
Wiesbaden).

Abb. 4a
Abb. 4b
Ein
zufrieden stellendes Ergebnis kann nur durch intensive
Zusammenarbeit von Zahntechniker, Zahnarzt und Patient erreicht
werden. So ist es möglich, die Versorgung durch den Zahntechniker
beispielsweise auf einem Wachsmodell zu konstruieren (Wax-up) und
mit Hilfe von Folien in den Mund des Patienten zu übertragen (Abb.
5a und 5b). Auf diese Weise kann der Patient bereits vor dem
Behandlungsbeginn einen Eindruck von dem Behandlungsziel gewinnen,
ohne dass bis zu diesem Zeitpunkt ein Zahn abgeschliffen wurde.
Die nach dem Wax-up erstellte Folie dient dem Zahnarzt als
wichtige Leitlinie für die spätere Behandlung.
Konstruktion eines geplanten Zahnersatzes auf dem Modell:
Abb. 5a:
35-jähriger Patient mit teilweise ästhetisch nicht sehr
ansprechenden, überkronten und natürlichen Zähnen.
Abb. 5b:
Mit der Wachsmodellation der geplanten Versorgung aus dem
Dentallabor kann sich der Patient bereits vor Behandlungsbeginn
ein Bild von der endgültigen Versorgung machen. Die
Wachsmodellation der neuen Versorgung kann mit Hilfe einer Folie
im Mund einprobiert werden. Bis zu diesem Zeitpunkt hat keine
Präparation der Zähne stattgefunden. Die Behandlung ist also bis
dahin „reversibel“ (Zahntechnik: ZT Oliver Brix, Wiesbaden).

Abb. 5a
Abb. 5b
Gestaltung der ersetzten Zähne (Zwischenglieder) bei Brücken
Mit den wichtigen
Errungenschaften in der weißen Ästhetik haben sich auch die
Anforderungen an die „rote Ästhetik“ des direkt angrenzenden
Weichgewebes verändert. Dies betrifft vor allem den
Frontzahnbereich des Oberkiefers. So wird die Gestaltung eines
Brückenzwischengliedes in dieser Region in erster Linie von
ästhetischen Gesichtspunkten beeinflusst. Die nach einem
Zahnverlust auftretenden lokalen Alveolarkammdefekte erschweren
häufig die Realisierung einer ästhetisch perfekten Rekonstruktion
(Alveolarkamm = der nach einer Zahnextraktion verbleibende
zahnlose Kieferkamm). In den vergangenen Jahren sind zahlreiche
Behandlungstechniken beschrieben worden, die dieses Problem durch
eine ovale Ausformung der Basis des Brückenzwischengliedes (Ovate
pontic) zum Teil in Kombination mit einer chirurgischen
Vorbehandlung lösen. Dies schließt eine umfassende
Vorbehandlungsphase unter Einsatz eines Langzeitprovisoriums zur
Konditionierung des Weichgewebes ein. Die Ausformung des
Weichgewebes in Verbindung mit einem Ovate pontic vermittelt den
Eindruck, das der ersetzte Zahn direkt aus dem zahnlosen
Kieferabschnitt heraustritt – so wie ein natürlicher Zahn (Abb. 6a
und 6b)
Ovale (eiförmige) Basis von Brückenzwischengliedern:
Abb. 6a:
Einprobe einer vollkeramischen Frontzahnbrücke im Oberkiefer mit
einem Gerüst aus Zirkonoxidkeramik (die Brücke ist noch nicht in
ihrer Endpassung). Das Weichgewebe des zahnlosen Kieferkammes im
Bereich der verloren gegangenen Zähne wurde durch den Zahnarzt
vorbehandelt, um ästhetisch gestaltete Brückenzwischenglieder
einsetzen zu können.
Abb. 6b:
Diese Gestaltung der Brückenzwischenglieder erweckt den Eindruck,
als wüchsen die ersetzten Zähne direkt aus dem Zahnfleisch heraus
(Zahntechnik: ZTM Peter Biekert, Stuttgart).

Abb. 6a
Abb. 6b
Korrespondenzadresse:
Prof. Dr. med. dent. Daniel Edelhoff
Leitender Oberarzt
Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik
Ludwig-Maximilians-Universität
Goethestraße 70
D-80336 München