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Privatdozent Dr. Michael Stelzel: Krankes Zahnfleisch – kranker Körper?
Abteilung Parodontologie, Medizinisches Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Philipps-Universität Marburg; mailto:dr-stelzel@web.de

Die Parodontitis zählt zu den häufigsten Erkrankungen weltweit. Sie ist gekennzeichnet durch eine lokalisiert oder generalisiert auftretende Entzündung des Zahnfleisches, das heißt der Gingiva und des Zahnhalteapparates, auch Parodont genannt. Klinisch findet sich eine gerötete Gingiva, die zum Beispiel beim Zähneputzen oder bei der Sondierung der Zahnfleischtaschen durch den Zahnarzt blutet.
Durch den Verlust des Zahnhalteapparates sind Zahnfleischtaschen entstanden. Ein Fortschreiten der Erkrankung führt zunächst zu einer Lockerung der betroffenen Zähne, später zu Zahnverlust. In der überwiegenden Zahl der Fälle zeigt sich ein langwieriger chronischer Verlauf, der in der Regel ab dem 35. Lebensjahr klinisch auffällig wird. Bei der aggressiven Form der Parodontitis finden sich erste Zahnverluste bereits im jungen Erwachsenenalter.
Verursacher sind spezifische Mikroorganismen, die entweder direkt oder indirekt über das Immunsystem das parodontale Gewebe schädigen. Durch das entzündungsbedingt aufgelockerte Gewebe können intakte Bakterienzellen sowie deren zum Teil toxische Bestandteile in den Blutkreislauf gelangen und im Organismus verteilt werden. Mittlerweile deuten viele Studien darauf hin, dass die Parodontitis keine auf die Mundhöhle beschränkte Erkrankung darstellt, sondern auch in anderen Bereichen des Körpers direkt oder indirekt zu krankhaften Veränderungen führen kann. In diesem Zusammenhang wurde der Begriff "Periodontal medicine" eingeführt: Er beschreibt den Bereich der Parodontologie, der sich mit dem Einfluss der Parodontitis auf die systemische Gesundheit befasst.
Sowohl Diabetes als auch Frühgeburten sind wahrscheinlich mit der Parodontitis assoziiert. Einige klinische Studien konnten auch einen Zusammenhang zwischen der koronaren Herzerkrankung und der Parodontitis aufzeigen. Inwiefern dies auch für andere Erkrankungen zutrifft, bedarf weiterer Untersuchungen. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen muss die Rolle der Parodontologie hinsichtlich ihrer Stellung innerhalb der Medizin neu bewertet werden.

Privatdozent Dr. Michael Stelzel
Abteilung Parodontologie, Medizinisches Zentrum für ZMK der Philipps-Universität Marburg
Georg-Voigt-Str. 3, 35033 Marburg


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