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Dr. Anne Cathrin Quaas:
Präventive Aspekte der Prothetik
Zahnärztliche Prothetik
acquaas@gmx.de
Ziel:
• Struktur- und Funktionserhalt der einzelnen Anteile des
kraniomandibulären Systems (über eine rein primär-prophylaktische Karies und
Parodontitisprophylaxe hinaus)
• frühzeitiges Erkennen oraler Erkrankungen
• Vermeidung weiterer Schäden
Zahnverlust: Folgeschäden erkennen und vermeiden
• Therapie
• Abwartendes Vorgehen ohne therapeutische Intervention, Verzicht auf
Therapiemittel, regelmäßiger Recall
Situation- und altersgerechte Prävention, d.h. Behandlungsplanung erfolgt:
• nach Abklärung der Risiken wie Grunderkrankungen und allgemeine
Mundgesundheit
• nach individuellen patientenorientierten Therapiekonzepten
Erhalt und Wiederherstellung der oralen Gesundheit bedeutet für Patienten
Lebensqualität (LQ).
LQ sollte durch oralen Gesundheitsgewinn mittels präventiver und kurativer
Maßnahmen über das gesamte Leben erhalten werden:
- regelmäßige Nachsorge
- regelmäßige Zahnreinigung
Vollbezahnter Patient
Prophylaxe für wurzelkanalbehandelte und stark zerstörte Zähne (meist hat
Pulpenkavum eine verkleinerte Ausdehnung)
Moderne Adhäsivtechniken ermöglichen eine optimale Ästhetik bei
minimalinvasivem Vorgehen.
Ursachen für fehlende Zähne:
– Nichtanlage
– Trauma
– Karies
– Paraodontopathien
Zahnverlust und seine Auswirkungen auf das kraniomandibuläre
System:
Teilbezahnter Patient
Versorgungsmöglichkeiten:
festsitzend
– konventionelle Brücke
– Adhäsivbrücke
– Implantatversorgung
herausnehmbar
– Teilprothese
Entscheidung prothetische Therapie ja / nein?
• Einzelfall
• Anamnese
• Subjektive Empfindungen d. Patienten
• Mundhygiene
• Kariesfreiheit der Restzähne
• Liegt eine kraniomandibuläre Dysfunktion vor?
Verzicht auf Therapiemittel:
Nutzen-Risiko-Analyse soll bewerten, ob ein prothetisches Therapiemittel im
Einzelfall wirklich präventiv wirkt, oder ob der Verzicht auf ein
Therapiemittel die bessere Prävention vor Folgeschäden ist.
• z.B. stabile, abgestützte Zahnlücke
• Freiendsituation mit antagonistischer Bezahnung (Gefahr von Elongationen,
die zu Malokklusion und einer massiven Destruktion des kraniomand. Systems
führen können)
Verzicht auf Therapiemittel:
Sehr umstritten ist die Versorgung einer verkürzten Zahnreihe mit
herausnehmbarem Zahnersatz (ZE).
De Sae Frias, Toothaker, Wright: Shortened dental arch: a review of current
treatment concepts. J Prosthodont 13, 104 (2004)
Witter, van Elteren, Kayser, van Rossum: Oral comfort in shortened dental
arches. J Oral Rehabil 17, 137 (1990).
Sarita et al. (2003)
Untersuchung mit 725 Patienten bis einschließlich erster Molar:
• Keine Verschlechterung des Kaukomforts
• Keine Instabilität der Okklusion
• Keine Zunahme an Schmerzen oder andere Symptome an
Kiefergelenk / Kaumuskulatur
Einsatz von Therapiemitteln:
• Wiederherstellung der Kau - und Sprechfunktion
• Ästhetik
• Schaden - Nutzenanalyse
• Finanzielle Aspekte
• Hygienefähigkeit
Alle Formen des festsitzenden ZE sind herausnehmbarem ZE von der
funktionellen Wertigkeit her überlegen.
- Metaanalysen Creugers et al. (1994), Scurria et al. (1998)
- Verlustquote von festsitzendem ZE:
- nach 5 Jahren: 5%
- nach 10 Jahren: 10-15%
allerdings bei Kronen und Brücken meist hoher Zahnhartsubstanzabtrag!
Adhäsivbrücke / Implantate:
Prävention für lückenbegrenzende Zähne
Teilprothesen
• Art der Pfeilerverankerung spielt eine entscheidende Rolle für die Höhe
des präventiven Potenzials.
• Konstruktionselemente und Prothesendesign müssen hinsichtlich
parodontalhygienischer
kariesprophylaktischer
ästhetischer Anforderungen ausgewählt werden.
Teilprothesen
- Langzeitdaten von partiellen Prothesen:
- nach 10 Jahren ca. 40-50% nicht mehr funktionsfähig
- Kerschbaum 1987, Wagner 2000
• doppelkronenverankerte Teilprothese höhere ÜR als gussklammerverankerte
Teilprothese
Eisenburger 1998, Igarashi 1997, Wenz 2001
• Folgekosten durch Versagen der Prothese oder Verlust von orofazialen
Strukturen müssen berücksichtigt werden.
Pfeilerzahnvermehrung mittels Implantaten - Fallbeispiel
Zahnloser Patient
Eine prothetische Rehabilitation wirkt vor allem bei zahnlosen oder gering
bezahnten Patienten protektiv gegenüber einer Unter- und / oder
Fehlernährung.
Die LQ kann durch Insertion von 2 Implantaten signifikant verbessert werden.
Heydecke, Thomason, Lund, Feine: The impact of conventional and implant
supported prostheses on social and sexual activities in edentulous adults.
Results from a randomized trial 2 months after treatment. J Dent
33(8):649-57 (2005).
Patienten geben weniger Lockerung beim Essen, Sprechen und Küssen an.
12. IZZ-presseforum, 21. Juli 2006, Freiburg
Zahnmedizin in Theorie und Praxis
Universitätsklinik für Zahn-, Mund und Kieferheilkunde Freiburg
2. Neubeschreibung einer präventionsorientierten modernen Zahnheilkunde |