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PD Dr. Dr. Ralf Schön, Dr. Silke Becker:
Präventive Aspekte der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
silke.becker@uniklinik-freiburg.de
Korrespondenzadresse:
rainer.schmelzeisen@uniklinik-freiburg.de
Noch nie haben Menschen so recht die Tatsache akzeptiert, dass sie sich nur
eine begrenzte Zeit auf diesem Planeten aufhalten und dass sie
Alterungsprozessen unterworfen sind. Augenscheinlich wird diese Alterung
natürlich auch im Gesicht.
In der Zahnmedizin erhielt die ästhetisch ausgerichtete Sichtweise einen
besonderen Schub durch die Entwicklung der Implantologie. Nachdem
materialkundliche Aspekte, Grundlagen der Einheilung und
statisch-prothetische Gesichtspunkte als weitgehend geklärt gelten, wurde
ästhetischen Aspekten Implantat getragener Versorgungen vermehrt
Aufmerksamkeit geschenkt. Durch die Wahl der Implantatpositionen oder auch
durch Knochenaugmentate kann das Lippenvolumen über die Möglichkeiten der
konventionellen Prothetik hinaus verändert werden. Dabei kann zum Beispiel
eine zurückliegende eingefallen wirkende Oberlippe, die dem Patienten ein
älteres Aussehen gibt, kompensiert oder die sagittale Position der Lippen
durch Knochentransplantate und geeignete Implantatposition verändert werden.
Bei einer zunehmend ganzheitlicheren ästhetischen Betrachtungsweise von
Mundhöhle, Mund und Gesicht wünschen viele Patienten im Rahmen
implantologischer oder augmentativer Eingriffe auch eine Korrektur der
Mundumgebung, die heute mit relativ umschriebenen Mitteln, wie zum Beispiel
durch periorale Faltenunterspritzungen oder Laseranwendungen ermöglicht
werden kann [Trelles et al., 2005; Dijkema und van der Lei, 2005]. Neben den
additiven Maßnahmen wie Kollagen-, Hyaluronsäure oder
Poly-L-Laktidunterspritzungen zum Ausgleich von Höhenunterschieden kann
Botulinumtoxin Typ A insbesondere die tiefen dynamischen Gesichtsfalten der
oberen Gesichtshälfte wie Stirnfalten, Glabellarfalten, Querfalten im
Bereich der Nasenwurzel und radiäre Falten im lateralen Lidwinkel
korrigieren [Carruthers A, Carruthers J, 1998].
Dysgnathieoperationen werden heute nicht selten mit anderen ästhetischen
Korrektureingriffen wie Kinnplastiken, Fettabsaugungen, Nasenplastiken oder
einem Facelift kombiniert. Eine Kinnplastik kann zum Zeitpunkt der
kieferorthopädischen Umstellungsosteotomien erfolgen. Sie kann unterstützend
bei der Gesichtshautstraffung oder anderen Weichgewebekorrekturen indiziert
sein.
Liegt eine Erschlaffung der submentalen Region beziehungsweise der Halshaut
vor, kann zusätzlich zur Kinnplastik oder auch als alleinige Maßnahme ein
Halshautlifting erforderlich werden oder eine Liposuktion durchgeführt
werden [Morrison et al., 2001].
Die Gesichtshautstraffung (Facelift) wird von einem Schnitt in der behaarten
temporalen Kopfhaut eine präaurikuläre Inzision in den retroaurikulären
Bereich geführt, um möglichst unsichtbare Narben zu erhalten. In vielen
Bereichen können über kleine Hautinzisionen endoskopgestützte Verfahren
eingesetzt werden.
Die altersbedingte Erschlaffung des Oberlides verleiht dem Gesicht einen
müden nahezu traurigen Ausdruck. Der Weichgewebeüberschuss betrifft Haut,
Muskel und/oder Fett mit Ptosis der Lider. Viele Patienten entscheiden sich
im Rahmen von implantologischen oder augmentativen Maßnahmen zur
Lidstraffung, da diese bei geringem chirurgischem Aufwand einen deutlichen
Verjüngungseffekt hat.
Die beschriebenen ästhetisch-chirurgischen Grundtechniken sind
standardisiert und weisen beim Geübten einen hohen Grad an Vorhersagbarkeit
und Sicherheit auf. Über die Jahrzehnte geblieben sind die Befürchtungen des
Patienten, dass er sich zu einer „Schönheitsoperation“ bekennen muss. Diese
Befürchtungen können sich durch die Kombination von implantologisch/augmentativer
Maßnahmen mit ästhetisch-chirurgischen Eingriffen mildern.
Becker S, Liebehenschel N, Schwarz U, Schmelzeisen R
Korrespondenzadresse:
Prof. Dr. Dr. Rainer Schmelzeisen
Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und Plastische Operationen
Hugstetter Straße 55
79106 Freiburg
Tel. 0761 / 270-4940
Fax 0761 / 270-4800
e-mail: rainer.schmelzeisen@uniklinik-freiburg.de
Literatur:
Bull HG: Ästhetische Gesichtschirurgie. Springer, Mund Kiefer GesichtsChir
4: 343-351, 2000
Carruthers A, Carruthers J: History of the cosmetic use of botulinum A
exotoxin. Dermatol Surg 24: 1168-1170, 1998
Dijkema SJ, van der Lei B: Long-term results of upper lips treated for
rhytides with carbon dioxide laser. Plast Reconstr Surg 115: 1731-1735, 2005
Morrison W, Salisbury M, Beckham P, Schaeferle M, Mladick R, Ersek RA: The
minimal facelift: Liposuction of the neck and jowls. Aesth Plast Surg 25:
94-99, 2001
Trelles MA, Alvarez X, Martin-Vazquez MK, Trelles O, Velez M, Levy JL,
Allones I:
Assesment of the efficacy of nonablative long-pulsed 1064-nm ND: YAG laser
treatment of wrinkels compared at 2, 4, and 6 months. Facial Plast Surg 21:
145-153, 2005
12. IZZ-presseforum, 21. Juli 2006, Freiburg
Zahnmedizin in Theorie und Praxis
Universitätsklinik für Zahn-, Mund und Kieferheilkunde Freiburg
2. Neubeschreibung einer präventionsorientierten modernen Zahnheilkunde |