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Uta Meier-Gräwe: Zwischen Völlerei und Diätwahn -
Über die Essgewohnheiten der Kids
SWR2 AULA
Autorin und Sprecherin: Professor Uta Meier-Gräwe *
Redaktion: Ralf Caspary
Sendung: Sonntag, 6. August 2006, 8.30 Uhr, SWR 2
Bitte beachten Sie: Das Manuskript ist ausschließlich zum persönlichen,
privaten Gebrauch bestimmt.
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Genehmigung des Urhebers bzw. des SWR.
ÜBERBLICK
10 bis 20 Prozent der Schulanfänger sind heute zu dick, darunter befinden
sich wiederum zwischen 4 und 8 Prozent Kinder, die sogar fettsüchtig sind.
Parallel dazu gibt es den anderen Trend: Viele Mädchen eifern bereits im
zarten Alter von 9 Jahren einem Körperideal nach, das eindeutig im
untergewichtigen Bereich liegt.
Sie wollen schön sein, und hervorgerufen wird dieser Normdruck durch
umstrittene TV-Sendungen wie "Germany's next Topmodel" und durch die neuen
Körperideale der Gesellschaft. Uta Meier-Gräwe, Professorin für
Familienwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität in Gießen, beschreibt
Ursachen und Folgen dieser Entwicklung.
INHALT
Ansage:
Heute mit dem Thema: „Zwischen Völlerei und Diätwahn - Über die
Essgewohnheiten der Kids“.
Es gibt zwei Trends, die signalisieren, dass etwas nicht in Ordnung ist: Es
gibt viele Kinder, die einfach zu dick sind, Experten sprechen in Bezug auf
Schulanfänger von 10 bis 20 Prozent, cirka 5 Prozent der Schulanfänger
wiederum sollen fettsüchtig sein. Parallel dazu wird man immer häufiger mit
Magersucht konfrontiert, das betrifft viele Mädchen, die bereits im zarten
Alter von 12 Jahren einem Ideal nacheifern, dass eindeutig im
untergewichtigen Bereich angesiedelt ist.
Wie gesagt: Da ist etwas nicht in Ordnung mit den Essgewohnheiten der
Kinder, mit der Qualität der Nahrung, mit den Körperbildern und
Körperidealen.
Uta Meier-Gräwe ist Professorin für Familienwissenschaft und
Wirtschaftslehre des Privathaushaltes an der Universität Gießen. Sie
beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der veränderten Esskultur und auch mit
der Frage, wie die durch die Medien verbreiteten Schlankheitsideale das
Essverhalten der Kinder beeinflussen. In der SWR2 AULA beschreibt
Meier-Gräwe diesen Zusammenhang und skizziert den geschichtlichen Kontext.
„Drum esse und trinke ein jeglicher so, dass er am Jüngsten Tage seine Völle
zu verantworten wisse.“ (Paracelsus)
Uta Meier-Gräwe:
Die Weltgeschichte der Macht ist ernährungssoziologisch betrachtet eine
Geschichte der Völlerei, eine Story des imposanten Fressens, einer kaum
unterbrochenen Sequenz gewaltiger Mahlzeiten, Trinkgelage, ja Orgien
gewesen. Seit 1209 gehörte selbst in Deutschland, das lange Zeit als
kulinarische Wüste galt, das Amt des Küchenmeisters zu den vier höchsten
Rängen am königlichen Hofe. Bereits im Mai 1059 beklagte eine Lateransynode,
die Ernährungsregeln der Kirche von Aachen würden eher der Gefräßigkeit von
Zyklopen denn christlicher Enthaltsamkeit entsprechen. Zumindest in
reicheren Abteien dürften die täglichen Klosterrationen selten 6.000
Kalorien unterschritten haben (Montanari 1993). Bis ins 18.Jahrhundert
hinein behielt das üppige Gastmahl seine Bedeutung als eine wichtige
Darstellungsform fürstlicher Repräsentation. Opulente Festessen avancierten
an den absolutistischen Höfen zu Staatsakten, an denen nur diejenigen
teilnehmen durften, die in der Gunst des Herrschers standen. Körperfülle war
ein sinnfälliger Ausdruck von hohem gesellschaftlichen Rang, ein
Statussymbol, das von Macht und Prestige zeugte.
Nur an einigen wenigen Festtagen wurde in den vorindustriellen
Mangelgesellschaften der ansonsten unter den armen Schichten der Bevölkerung
bestehende Regelkreis von Hunger und Knappheit durchbrochen. Könige und
Fürsten gaben zu ihrer Selbstinszenierung und Machtdemonstration große
Gelage für die Untertanen, bei denen die sonst so knappen Nahrungsmittel in
Hülle und Fülle vorhanden waren. Ganze Ochsen und Schweine wurden gebraten,
Bier und Wein flossen reichlich, Milch und Honig gab es zur Genüge. Das
gemeine Volk sollte für einige Tage alle Sorgen vergessen und sich den Bauch
voll schlagen. Das ist der Stoff, aus dem gleichzeitig die Vorstellungen vom
Schlaraffenland als dem Paradies entstanden sind.
Im Mittelalter sind es vor allem die aus dem Orient importierten Luxusgüter,
darunter die exotischen Gewürze, die ihren Besitzer als privilegierten
Zeitgenossen auswiesen. Sie zählten damals zu den kostbaren Insignien der
Macht. Pfeffer, Zimt, die Gewürznelke, die Muskatnuss, Ingwer oder Safran
verbindet ihre nichteuropäische Herkunft. Die arabische Kultur zeigte
Wirkung auf das Europa des Mittelalters in Form von Luxusgegenständen: dem
Teppich, dem Baldachin, der Seide, dem Samt, mit denen ein neuer Lebensstil
in der europäischen Oberschicht Einzug hielt, aber eben auch die
„Verkleidung“ der einheimischen Speisen, indem man sie orientalisch (über-)
würzte. Wolfgang Schivelbusch spricht in seinem intelligenten Essay über die
Gewürze oder den Beginn der Neuzeit von einer „entliehenen“ Kultur, weil die
Stoffe dieser Neueinkleidung allesamt importiert wurden, was zu einer
beträchtlichen Abhängigkeit des Abendlandes vom Orient geführt hat. Die
Geschichte hat bewiesen, dass der Hunger nach Gewürzen ähnliche Energien zu
mobilisieren imstande war wie das Bedürfnis nach Energiequellen.“ (Schivelbusch
2005).
Zu Beginn der Neuzeit mehrten sich jene Verordnungen, die dazu dienen
sollten, den Luxuskonsum des sich etablierenden Bürgertums einzudämmen. 1356
wurde von den Stadtvätern von Florenz eine Anordnung erlassen, die
vorschrieb, dass eine Hochzeit nicht mehr als drei Gänge umfassen sollte.
Selbst Ravioli und Makkaroni sollten fortan als ein Gang zählen und ebenso
wurde das Gewicht der Fleischstücke festgelegt. Auch in Österreich wurden im
Verlaufe des 18. Jahrhunderts vielfältige Strategien gegen die unbeherrschte
Völlerei kreiert (Ehalt 1996). Die „Häferlgucker“ waren die Kontrollorgane,
die Kaiser Leopold II. eingesetzt hatte. Sie waren befugt, Hausfrauen und
Köchinnen in die Töpfe und Pfannen zu schauen, um ein Übermaß an
kulinarischen Gerichten zu unterbinden. Aufgabe der Kontrolleure war es
auch, die Anzahl der Gänge festzulegen und die Dauer des Festmahls zu
bestimmen. Dahinter stand ein noch ständisches Zuteilungsmuster von Prestige
und Ehren. Durfte sich der Adel bis zu sechs Stunden den Essgenüssen
hingeben, so sahen die Verordnungen vor, dass die Festtafeln der Bürger nach
drei Stunden aufgehoben wurden – es sei denn, die ungebetenen Gäste konnten
zum Mitfeiern überredet werden.
Die Kulturgeschichte des Essens ist zugleich ein Prozess fortschreitender
Disziplinierung gewesen. In seinem berühmten Essay „Soziologie der Mahlzeit“
argumentiert Georg Simmel, dass in dem Maße, wie man die Mahlzeit als einen
soziologischen Akt im historischen Entwicklungsverlauf betrachtet, selbige
sich stilisierter, ästhetisierender und regulierender gestaltet. Einer
Zeitdisziplinierung in punkto Nahrungssicherung und Essen folgte die
Mengendisziplin, wiederum gefolgt von einem normierenden Regelwerk, das
Auswahl und Qualität der zugänglichen Nahrungsmittel zum Gegenstand hatte.
Nicht zu vergessen schließlich die Verhaltensdisziplinierung.
Die Zeitplanung beim Anlegen von Vorräten war schon in der Jäger- und
Sammlergesellschaft eine wichtige Überlebensstrategie. In der bäuerlichen
Agrargesellschaft wurde eine überlegte kalendarische Zeitplanung dann zu
einem unverzichtbaren Erfolgsfaktor für eine gute Ernte. Mit der Ausbreitung
der kapitalistischen Produktionsweise schließlich war dann eine
unvergleichlich strengere Zeitdisziplin erforderlich, auch was den
Mahlzeitenrhythmus im Alltag anbetraf. Der disziplinierte Umgang mit Zeit
wird im 20. Jahrhundert schließlich zu einer grundlegenden Kulturtechnik,
die bereits in der Herkunftsfamilie eingeübt wird. Ein weiterer, auf das
Essen bezogener Disziplinierungsprozess betrifft die Kontrolle über das
Quantum der zum Verzehr verfügbaren Lebensmittel. Kein geringerer als
Norbert Elias hat in seinem bekannten Werk über den Prozess der Zivilisation
die gesellschaftliche Rahmung und die psychosozialen Wirkungen einer
wachsenden Triebregulation und Affektkontrolle im neuzeitlichen Europa
beschrieben. Mäßigung und Verzicht, das Zurückdrängen der Affekte der Ess-
und Trinklust erlangten im Bürgertum eine besondere Bedeutung. Im 20.
Jahrhundert erfuhr die Vorstellung von „angemessenen“ Nahrungsmengen eine
weitere Standardisierung. Es war die Zeit der zielgruppenbezogenen
Kalorientabellen für Schwangere, Kranke und alte Menschen, für körperlich
hart arbeitende Bevölkerungsgruppen oder für die Büroangestellten.
Eine Reglementierung erfuhren seit der Neuzeit aber auch Art und Auswahl,
Qualität und Hygiene und nicht zuletzt die Art der Darbietung der
Nahrungsmittel und Speisen. So wurden die Innereien aus dem Kanon der als
gut und genießbar geltenden Speisen mehr und mehr verdrängt; ebenso vollzog
sich eine Tabuisierung der Geschlechtsorgane der Tiere als Nahrungsmittel,
die lange Zeit als besondere Rarität gegolten hatten. Dieser Vorgang vollzog
sich gleichlaufend mit der Intimisierung und Unterdrückung der menschlichen
Sexualität im 18. und 19. Jahrhundert.
Lange Zeit hatte das Zerlegen von Fleisch unmittelbar zum Leben der
Oberschicht gehört. Später wurde diese Tätigkeit mehr und mehr als peinlich
empfunden; im 20. Jahrhundert schließlich verschwanden das Schlachten der
Tiere und das Zerlegen ihrer Körper „hinter den Kulissen des öffentlichen
Lebens“ (Ehalt 1996). Schließlich war dieser Disziplinierungsprozess durch
eine Ausdifferenzierung der Tischsitten bzw. Essgebärden gekennzeichnet, für
die es einen ganzen Kanon an Verhaltensregeln gab bis hin zu den Themen der
Konversation bei Tisch. Zunächst kam es zu einer Verfeinerung des Werkzeugs
zur Zerkleinerung und Portionierung der Nahrung, dem Messer. Seine Spitze
wurde abgerundet, es war nicht mehr schicklich, sich damit die Zähne zu
reinigen und es verlor seine Bedeutung als Waffe. Im 16. und 17. Jahrhundert
schließlich gesellte sich – in den besseren Kreisen zunächst – die Gabel zum
Messer, so dass die Hände sauber blieben. Es galt fortan auch als
unkultiviert, ja barbarisch, sein Wohlbehagen bei Tisch durch Rülpsen und
Furzen auszudrücken oder den Teller mit der Zunge abzulecken. Der Prozess
der Ausdifferenzierung der Tischsitten hat vielfältige Facetten. Er führte
zu einer immer größer werdenden Distanz zwischen dem Esser und den
verzehrten Produkten. Die einst gegebene Unmittelbarkeit, in der sich
essende Menschen Teile der sie umgebenden Pflanzen- und Tierwelt im
sprichwörtlichen Sinne „einverleibten“, ging mehr und mehr verloren
(Ebenda).
Als Kind haben mich immer wieder zwei Geschichten beeindruckt: Das Märchen
vom süßen Brei und die Erzählungen vom Schlaraffenland. Wie habe ich es der
armen, offensichtlich allein erziehenden Mutter und ihrer Tochter gegönnt,
jederzeit über den süßen Griesbrei zu verfügen und mir den Kopf darüber
zerbrochen, was wohl passiert wäre, wenn auch das kleine Mädchen das
Zauberwort vergessen hätte...
DER SÜSSE BREI
Es war einmal ein armes, frommes Mädchen, das hat mit seiner Mutter allein
gelebt, und sie haben nichts mehr zu essen gehabt. Da ist das Kind in den
Wald hinausgegangen, und dort ist ihm eine alte Frau begegnet. Die hat den
Jammer des Kindes schon gewußt und hat ihm ein Töpferl geschenkt, zu dem
sollt es sagen: "Töpferl, koch!" Dann kocht's guten, süßen Grießkoch, und
wenn es sagt: "Töpfen, steh!", dann hört's wieder auf zu kochen.
Das Mädchen hat den Topf seiner Mutter heimgebracht; jetzt waren sie nicht
mehr arm und haben nimmer Hunger gehabt und süßes Grießkoch gegessen, so oft
sie wollten.
Einmal aber ist das Mädchen fortgegangen, da hat die Mutter gesagt:
"Töpferl, koch!" Da kocht es, und sie ißt sich satt. Nun will sie, daß das
Töpferl wieder aufhören soll, aber sie weiß das Wort nicht. Also kocht es
fort, und das Grießkoch steigt über den Rand hinaus und kocht immerzu, die
Küche voll und das ganze Haus voll und das zweite Haus voll und die ganze
Straße voll, als wollt's die ganze Welt satt machen, und ist die größte Not,
und kein Mensch weiß sich da zu helfen.
Endlich, als nur noch ein einziges Haus übrig war, da ist das Kind nach Haus
gekommen und spricht nur: "Töpferl, steh!" Da steht es still und hört auf zu
kochen. Aber wer wieder in die Stadt hat hineinwollen, der hat sich
durchessen müssen.
Vom Schlaraffenland, wo Wein und Honig fließen und einem die gebratenen
Tauben in den Mund fliegen, hat meine Mutter gern erzählt. Die Erfahrungen
von Hunger und Mangel während der letzten Kriegsjahre und in der
unmittelbaren Nachkriegszeit vermögen ihre Faszination für dieses
paradiesische Sehnsuchtsbild zu erklären. Als Älteste von sechs Geschwistern
hat sie ihre Jugend damit zubringen müssen, unter unsäglichen Umständen des
Mangels für ihre jüngeren Schwestern und Brüder etwas „zu beißen“
herbeizuschaffen. Folglich war das Essen in meiner Familie immer ein sehr
zentrales Thema: Die West-Pakete mit Kakao, Kaffee und schwarzer
Herrenschokolade, der übervolle Kühlschrank mit der „guten Butter“ gehören
zu meiner Kindheitserinnerung ebenso wie der Großvater, der sich, in einer
Mittelstadt lebend, bis in die 1960er Jahre hinein auf dem Hof Kaninchen
hielt, um nie mehr abhängig zu sein von öffentlicher Fleischversorgung. Als
ich an einem Sonntagmorgen den heiß geliebten Großvater dabei beobachtete,
wie er den Vierbeinern das Fell über die Ohren zog, war mein Verhältnis zu
Fleisch zum ersten Mal gestört. Was haben sich die Eltern alles ausgedacht,
um mich, für meine Körpergröße viel zu dünn, wie sie meinten, wieder zum
genüsslichen Essen zu bewegen bis hin zur In-Aussicht-Stellung von mehr
Taschengeld für jede aufgegessene Portion.
Meine Familie liebte das Essen; mein Vater kochte mit Begeisterung, mein
Bruder kombinierte sein Abitur mit einem Facharbeiter als Koch und wurde
schließlich Berufsschullehrer in dieser Branche.
Der Gefahr von Übergewicht sind wir seinerzeit als Kinder dennoch nicht
erlegen. Unser Alltag war notwendigerweise mit viel körperlicher Aktivität
verbunden, denn da gab es kein Auto, aber viel Bewegung an frischer Luft und
Sport in der Schule, von dem einen niemand so einfach befreit hat. Die
Schulspeisung war zwar nicht optimal, aber weit davon entfernt, zu fett oder
zu süß zu sein.
Gegenwärtig erregt das Thema Übergewicht und Fettsucht (Adipositas) Land
auf, Land ab die Gemüter. 10 bis 20 Prozent aller Schulanfänger sind zu
dick; darunter befinden sich zwischen 4 und 8 Prozent, die sogar als
fettsüchtig gelten. Die Hälfte dieser Kinder wird auch im Erwachsenenalter
übergewichtig sein mit allen Folgen, die das gesundheitlich nach sich zieht.
Diabetes mellitus 2, die sogenannte Altersdiabetes, wurde inzwischen schon
bei Vorschulkindern diagnostiziert. Es handelt sich um eine chronische
Erkrankung, die man nie wieder loslässt. Renate Künast, Ernährungs- und
Verbraucherministerin a. D., hat angesichts des insgesamt schlechten
Gesundheitszustands der heutigen Kindergeneration vielfältige Initiativen
wie die Plattform „Ernährung und Bewegung“ begründet, um eine öffentliche
Verantwortung für das Aufwachsen von Kindern auch in diesem Bereich zu
signalisieren und wirksame Gegenstrategien in Gang zu setzen.
Von Essstörungen wie Magersucht (Anorexie nervosa) oder Ess-Brech-Sucht (Bulimia
nervosa) blieben meine Freundinnen und ich ebenso verschont: Der
Schlankheitswahn unserer Tage war in der Zeit meiner Pubertät keineswegs
allgegenwärtig. Heute dagegen berichten Studien darüber, dass bereits 80
Prozent aller 9-jährigen Mädchen in San Francisco schon eine Schlankheitskur
hinter sich haben, obwohl sie sehr dünn sind. Und selbst bei kleinen
dreijährigen Mädchen beobachteten Expertinnen wie Susie Orbach,
Psychotherapeutin und Mitbegründerin eines Frauen-Therapiezentrums in
London, dass sie sich stärker mit dem Aussehen ihres Körpers als mit dessen
Potenzial beschäftigen: Sie sind nicht stolz darauf, wie hoch sie klettern
können, sondern darauf, wie gut sie die Kleidung und das „Wackeln“ von
Britney Spears imitieren können. Das eigene Erscheinungsbild und eine
schlanke Figur ist bei einer erschreckend großen Zahl der fünfzehnjährigen
Mädchen inzwischen zur Sorge Nummer eins beim Erwachsenwerden geworden.
Einer aktuellen britischen Studie zufolge sind Mädchen, die mit
Barbie-Puppen spielen, potenzielle Essstör-Kandidatinnen. Die dünne
Spielzeugblondine mit ihrer Wespentaille verbreitet ein Schönheitsideal, dem
schon fünf- bis achtjährige Mädchen nacheifern wollen. Susie Orbach spricht
von einer globalen Epidemie. War Magersucht noch vor einigen Jahren
symptomatisch für junge weiße Frauen aus westlichen Ländern, so greifen
Essstörungen inzwischen immer mehr um sich. Der Terror des schönen,
schlanken Körpers grassiert weltweit. Selbst junge afrikanische Mädchen, die
aus Volkswirtschaften stammen, in denen die Unterernährung eines der
wichtigsten Gesundheitsprobleme ist, werden über Print-Medien und über das
Fernsehen dazu verführt, ihre Körper auf eine Weise zu betrachten, die den
normalsten Appetit schwächt und sie auf eine westliche Art, Frau zu sein,
einschwört. Die Psychotherapeutin Orbach zieht eine drastische Parallele:
„Mädchen und Frauen werden heute durch eine zeitgenössische Version der
eingebundenen und damit verkrüppelten Füße chinesischer Frauen gequält. Doch
die Version, die wir im Westen entwickelt haben, ist vielleicht noch
heimtückischer.“ Während chinesische Mütter ihren Töchtern Schmerzen und
Erniedrigungen bereiteten, indem sie ihnen die Zehen in dem Bewusstsein
brachen, weil das für die Mädchen der einzig mögliche Weg war, in jener
Gesellschaft sozial „aufzusteigen“, werden Mädchen und junge Frauen heute
auf eine sehr subtile, aber beständige Weise mit der Vorstellung
konfrontiert, dass „ihr Körper – die Hülle, in der sie leben - gefährlich
ist.“ Der weibliche Körper wird in unserer Gesellschaft als eine Art
Rohmasse betrachtet, aus der sich mit Selbstdisziplin und einem
entsprechenden Aufwand ein ansehnliches Objekt herstellen lässt. Wem die
Kontrolle der Essensgelüste misslingt, verstellt sich den Weg zu Schönheit
und gesellschaftlicher Anerkennung. Wie sich die Zunahme bestimmter
Nahrungsmittel auf ihre Figur auswirkt, beherrscht heute das Denken vieler
Mädchen und Frauen. Sie erlegen sich in ihrem Alltag gezügelte Esspraktiken
(restrained eating) in Permanenz zu. Das kontrollierte Essverhalten
erfordert eine hohe Motivation und bindet intellektuelles Potential, um die
selbst gesetzten Diätregeln durchzuhalten. Aus dem wiederkehrenden
Zusammenbrechen der kognitiven Kontrolle des Essverhaltens kann sich das
Krankheitsbild der Bulimie, auch Stierhunger genannt, entwickeln: Auf ein
stark reglementierendes Essverhalten folgen Heißhungerattacken, die mit
einem schlechten Gewissen einhergehen und zu selbst herbeigeführtem
Erbrechen oder zur Einnahme von Appetitzüglern bzw. Abführmitteln führen.
Ein Essverhalten, das zwar noch nicht als Essstörung diagnostiziert wird,
aber in der Tendenz in diese Richtung weist, ist weit verbreitet. Der Anteil
der Mädchen, die „bulimische“ Verhaltensweisen zeigen, d. h. besonderen Wert
auf ihre Figur legen, ständig ihren Appetit zügeln und gelegentlich
Heißhungerattacken entwickeln, wird immerhin auf 18 Prozent beziffert
(Striegel-Moor 2001). Wie kommt es zu diesem Essverhalten, gerade bei
Mädchen und jungen Frauen?
Ihre Sozialisation ist von Anfang an immer auch eine
Geschlechtersozialisation. Insbesondere im Zeitraum von der Pubertät bis zum
Erreichen des Erwachsenenstatus müssen sie nun aber mit den offensichtlichen
Veränderung ihres Körpers zurecht kommen, mit der Ablösung vom Elternhaus,
der Ausbildung einer Ich-Identität und ihrer Berufs- und Lebensplanung. Sie
werden in dieser Zeit massiv mit Weiblichkeitskonstruktionen konfrontiert,
in denen Frau-Sein mit Schönsein, mit Schlanksein gleichgesetzt, oft darauf
reduziert wird. Der Einfluss der Medien ist in diesem Zusammenhang fatal;
die dort erzeugten und vermittelten Bilder von Weiblichkeit bleiben nicht
ohne Wirkung; daran gibt es auch unter Experten keinen Zweifel mehr. So
nimmt die messbare Selbstachtung von gut aussehenden Mädchen im
Teenager-Alter nach dem einstündigen Lesen eines der Hochglanz-Modemagazine
dramatisch ab. Das gängige weibliche Schönheitsideal des straffen, extrem
schlanken Körpers kontrastiert in der Pubertät mit ihrer faktischen
Körperentwicklung: In dieser Lebensphase steigt der Anteil des
Körperfettgewebes der Mädchen an, die Körperform wird rundlicher und
weicher. Kindheitsforscherinnen betonen, dass Mädchen im allgemeinen so
sozialisiert werden, dass sie ihren Körper nicht akzeptieren können. Sie
zeigen ein hohes Maß an Unzufriedenheit mit ihrem Äußeren; insbesondere
Busen, Beine, Bauch oder Po erscheinen ihnen als nicht richtig
proportioniert. Um dieses Thema kreisen ihre Gedanken vor allem auch deshalb
so zentral, weil sie von ihrer Umwelt in der Pubertät vorrangig nach ihrem
Äußeren beurteilt werden, wohingegen Jungen auch auf anderem Wege, z. B.
durch gute schulische oder sportliche Leistungen zu Anerkennung gelangen.
Über die in den Medien dargestellten Körperformen werden immer auch
bestimmte Vorstellungen transportiert; etwa, dass ein extrem schlanker
Körper nicht nur mit Schönheit, sondern auch mit anderen positiven
Eigenschaften verbunden wird: mit Erfolg, Kompetenz, Selbstdisziplin und
sexueller Ausstrahlung. Demgegenüber wird Dicksein als selbstverschuldetes
Leiden angesehen. Eine füllige Person, die zudem noch mit ihrem Aussehen
zufrieden ist, erscheint heute kaum vorstellbar. Der dicke Körper gilt –
anders als in vorindustriellen Zeitepochen - als ein aus der Kontrolle
geratener Körper. Er steht für Faulheit, Trägheit und Willensschwäche.
Die Bewertung eines Menschen aufgrund seiner Körperform, aber auch die
Verschränkung von Schlankheit und Schönheit setzt bereits im Kindesalter
ein. In einer Befragung von Fünf- bis Achtklässlerinnen über ihre
Einstellungen zu übergewichtigen Menschen empfanden es etwa ein Drittel der
Schülerinnen als schlimm, wenn ein Junge dick ist, aber etwa 40 Prozent der
befragten Mädchen und mehr als die Hälfte der befragten Jungen stimmten der
Aussage zu, dass es schlimm sei, wenn ein Mädchen dick ist. Ca. ein Drittel
der Kinder stimmte auch der Aussage zu, dass dicke Kinder und Erwachsene
hässlich seien. 70 Prozent der Jungen und 64 Prozent der Mädchen waren
außerdem der Auffassung, dass eine Frau nur gut aussieht, wenn sie schlank
ist. Folglich haben bereits Kinder den gesellschaftlichen Symbolgehalt der
Körperformen nachweislich verinnerlicht, wobei insbesondere die Verbindung
von Schlank-Sein und Schönheit weiblich konnotiert wird.
Hervorgerufen durch diesen hohen Normdruck kommt es zu einer weit
verbreiteten Anwendung unterschiedlicher Methoden zur Gewichtskontrolle bei
Mädchen und Frauen. Sie reichen vom täglichen Wiegen, Diät halten und einer
oft extremen sportlichen Betätigung über die Einnahme von Medikamenten bis
hin zu entsprechenden chirurgischen Eingriffen, darunter die
Magenklammerung. Ein weiteres, durchaus verbreitetes Mittel zur Kontrolle
des Körpergewichts bei Mädchen und jungen Frauen ist das Rauchen von
Zigaretten.
Die sicherste Einstiegsdroge in eine Ess-Störung ist das Kalorienzählen mit
dem Ziel, willkürliche Gewichtsgrenzen einzuhalten oder zu erreichen. Einer
Umfrage zufolge quält sich in England bereits jede zehnte Sechsjährige mit
Kalorientabellen herum. Auch in Deutschland eifern bereits Mädchen im Alter
zwischen 7 bis 11 Jahren einem Körperideal nach, das im untergewichtigen
Bereich angesiedelt ist. Einer Studie der Deutschen Gesellschaft für
Ernährung zufolge stellen sich 27 Prozent der befragten Frauen täglich auf
die Waage, 16 Prozent verwenden Entwässerungstabletten; fast 10 Prozent
greifen sogar täglich oder wöchentlich zu Abführmitteln. Appetitzügler
konsumieren 18 Prozent; 8 Prozent nehmen sie täglich oder wöchentlich ein.
Immerhin gaben 6 Prozent der Befragten auch an, gelegentlich das bewusste
Erbrechen zur Kontrolle des Körpergewichts anzuwenden.
In der Bundesrepublik Deutschland leiden derzeit schätzungsweise bis zu drei
Prozent aller Frauen unter Bulimie. Heißhungerattacken, allerdings ohne
spätere „Gegenmaßnahmen“ wie Abführmittel oder Erbrechen, kommen bei
weiteren fünf Prozent vor. Wie viele Magersüchtige es gibt, ist nur schwer
zu schätzen. Das ist sicher auch auf den Umstand zurückzuführen, dass die
Betroffenen versuchen, ihr extremes Essverhalten unter allen Umständen zu
kaschieren. Das Thema Essen ist für sie persönlich mit peniblem Zählen,
Wiegen und Planen verbunden. Zugleich neigen viele von ihnen dazu, für
andere zu kochen und mit anderen ausgiebig über dieses Thema Essen zu reden.
Beunruhigen muss, dass diese Form der Selbstaggression und der permanenten
Selbstkontrolle offenbar nur die berühmte „Spitze des Eisberges“ ist, also
keineswegs nur bei manifesten Essstörungen auftritt, sondern den Essalltag
vieler Mädchen und junger Frauen prägt.
Anfällig für Essstörungen sind insbesondere Mädchen und junge Frauen, die
dem widersprüchlichen Anforderungsprofil der heutigen modernen Frau
nachzukommen versuchen; die also sowohl gefühlsbetont und fürsorglich
anderen gegenüber als auch erfolgreich und unabhängig sein wollen.
Eigenschaften, die in einer Studie von den befragten Mädchen mit dem Ideal
der „Superfrau“ verbunden wurden, waren eine weitgehende Unabhängigkeit von
anderen und die Fähigkeit, ihren Körper dem geltenden Schönheitsideal
anzupassen. Auffällig war schließlich, dass es den Mädchen, die diesem Ideal
der „Superfrau“ nacheiferten, nicht oder kaum gelang, eine kritische Distanz
gegenüber den geltenden Geschlechterrollennormen zu entwickeln, und dass sie
in ihrem Selbstwertgefühl stark von ihrem Äußeren abhängig waren (Steiner-Adair
1992). Diese Gruppe von ca. 40 Prozent der Befragten tendierte eher zu
Essstörungen als die Vergleichsgruppe der „klugen Frau“, der es gelang, die
Gefahr einer (Über-)Identifikation mit dem heutigen Frauenbild wahrzunehmen
und ein eigenes Weiblichkeitsbild auszubilden.
Die reflektierte Auseinandersetzung mit den gängigen
Geschlechterrollenstereotypen unter Einschluss der widersprüchlichen
Anforderungsprofile der Frauenrolle und den medialen Schönheitsidealen
erweist sich demnach als eine erfolgversprechende präventive Strategie gegen
Essstörungen. Schulen und Ausbildungsstätten sind hier ebenso gefordert wie
bei der Prävention von Übergewicht. Während aber Fettsucht, Übergewicht und
Bewegungsmangel in ihrer gesundheitspolitischen Dimension inzwischen erkannt
worden sind, steht eine gleichrangige Auseinandersetzung mit den politischen
und sozialen Ursachen von Magersucht und Bulimie noch aus.
Folglich gilt es, Kindergärten und Schulen als sozialräumliche
Gelegenheitsstrukturen, als Lern- und Lebensorte auszugestalten, an denen
eine gesunde Kost von hoher Qualität angeboten wird, in denen Jungen und
Mädchen essen lernen, wo sie aber auch in den Prozess der
Mahlzeitenvorbereitung und –zubereitung einbezogen werden und wo sie lernen,
sich mit tradierten Geschlechterrollen und tradierten Körperbildern und
Schönheitsidealen auseinander zu setzen. Es handelt sich dabei keineswegs um
eine triviale Angelegenheit, sondern um die Sicherstellung einer guten
Grundversorgung für Kinder, die ihre Lern- und Leistungsfähigkeit steigert,
aber auch um den Erwerb entsprechender Alltagskompetenzen und
Kulturtechniken.
Solche Handlungsstrategien sind auch deshalb vonnöten, weil nirgendwo sonst
in Europa die Anzahl von übergewichtigen und adipösen Kindern so stark
zunimmt wie in Deutschland. Zur Realisierung dieser Zielstellung bedarf es
intelligenter, präventiver Bündnisse zwischen Schule, Elternhaus,
Gesundheitsamt, Kommune, Wirtschaft und Politik.
Wenn es gelingt, bereits bei Kindern im Kindergarten und Schule Lust auf
gesundes Essen und Leben zu wecken und ein reflektiertes Verhältnis zum
eigenen Körper zu entwickeln, so dürfte das zugleich auch positiv auf die
Ernährungspraktiken in den Herkunftsfamilien zurückwirken. Kinder werden
heute demokratischer an Kaufentscheidungen beteiligt als in früherer Zeit,
und ihre Bedürfnisse und Wünsche finden mehr Beachtung. Gleichwohl bleibt es
ebenso wichtig, differenzierte gesundheitsförderliche und alltagstaugliche
Angebote direkt an die Elternhäuser zu adressieren. Denn was nützt es, an
öffentlichen Lernorten von Kindern einen gesunden Mittagstisch einzuführen,
wenn im Elternhaus alles beim Alten bleibt? Ernährungspolitisch bedeutet
das, auch für Mütter und Väter vielfältige Bildungsangebot rund um das Thema
Essen und Leben anzubieten und dabei nicht defizitär zu argumentieren,
sondern positive Konsequenzen für das persönliche Wohlergehen unmittelbar
erlebbar zu machen.
Kuß-Kuß
Dieses freundliche Essen unserer arabischen Schwestern macht sich im
Handumdrehen.
a) Kichererbsen, Backpflaumen, Rosinen einweichen
b) Kuß-Kußkörner im Dampfbad mit etwas Butter garen
c) in einem Topf mit Öl folgendes versammeln und anbraten:
Zwiebeln, Knoblauch, Sellerie, Peperoni, Möhren, Erbsen und Bohnen, Tomaten,
Tomatenmark, scharfen Pimento, Kümmel, Ras-el-Hanut (Gewürz) mit Wasser
bedecken. Bachpflaumen, Kichererbsen und Rosinen hinzufügen. Leise eine
Stunde kochen. Wer mag, reicht Perlhuhn, Pute oder Ente dazu.
Die Kusskusskörner mit Rosinen auf einen geben, die Soße drumherum – und
sonst gar nichts!
SommerKuß-Kuß
Die gleiche Präparation (ohne Huhn, Pute oder Ente) wird auf dem Teller
serviert, zusammen mit frischem Schafs- oder Ziegenquark und einer Scheibe
Wassermelone. Dazu feingehackte Pfefferminzblätter.
(Aus: Vandrey, L.(1998): Kochkunst für weibliche Lebenskunst, Rüsselsheim,
S. 50/1))
Verwendete Literatur:
- Ehalt, H. C. (1996): Essen und Moral. In: MAK. Österreichisches Museum für
angewandte Kunst. mäßig und gefräßig. Ausstellungskatalog, Wien, S. 150 -
159.
- Montanari, M. (1993): Der Hunger und der Überfluß. Kulturgeschichte der
Ernährung, München.
- Orbach, S. (2002): Schlankheitswahn – die globale Epidemie. In: pro
familia magazin. 30. Jg. 01/2002, S. 9 - 11.
- Schivelbusch, W. (2005): Die Gewürze oder der Beginn der Neuzeit. In:
Schivelbusch, W.: Das Paradies der Geschmack und die Vernunft. Eine
Geschichte der Genussmittel. 6. Aufl., Frankfurt, S. 13 – 24.
- Steiner-Adair, C. (1992): Körperstrategien. Weibliche Adoleszenz und die
Entwicklung von Essstörungen. In: Flaake, K./King, V. (Hrsg.) (1992):
Weibliche Adoleszenz. Zur Sozialisation junger Frauen . Frankfurt/Main/New
York.
- Striegel-Mohr (2001): Zur Verbreitung von Essstörungen. In:
Schön-Klinik-Forum, 1/2001, S. 9.
- Striegel-Mohr (2001): Zur Verbreitung von Essstörungen. In:
Schön-Klinik-Forum, 1/2001, S. 9.
- Vandrey, L.(1998): Kochkunst für weibliche Lebenskunst, Rüsselsheim.
*****
* Zur Autorin:
Prof. Uta Meier-Gräwe, geb. 1952, studierte Ökonomie und Soziologie in
Ostberlin, 1978 Promotion zu einem industriesoziologischen Thema; 1986
Dissertation B (vergleichbar der Habilitation nach Einigungsvertrag) als
Familiensoziologin an der Humboldt-Universität zu Berlin; wissenschaftliche
Tätigkeit am Institut für Soziologie und Sozialpolitik der Akademie der
Wissenschaften der ehemaligen DDR; 1990 - 94 wissenschaftliche Referentin am
Deutschen Jugendinstitut in München; 1993 - 98 Bundesvorsitzende von Pro
Familia; 1994 Berufung auf den Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des
Privathaushalts und Familienwissenschaft der Justus-Liebig-Universität
Giessen; seit 2002 Mitglied der Enquete-Kommission "Bildung und Erziehung"
des Thüringer Landtags. Seit 2003 Vorstandsmitglied der Deutschen Liga für
das Kind in Familie und Gesellschaft.
Arbeitsgebiete: Frauenforschung, Familiensoziologie,
Haushaltswissenschaften, nachhaltiges Haushalten.
Bücher:
- Steckbriefe von Armut. Haushalte in prekären Lebenslagen (zus. mit
anderen). Wiesbaden.
- Vom Oikos zum modernen Dienstleistungshaushalt (Hrsg.). Frankfurt am Main. |