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W+B Agentur-Presseaussendung August 2004
 << Zeitreise zu 500jähriger handgefertiger Kultur:  Pflanzen- und Heilkunde>>
 
Ereignisbesprechung
 <<Das Kräuterbuch von 1470 der Wasserburgen Anholt und Moyland >>
 Ausstellung: Pflanzenkunde im Mittelalter, 27. 06. 2004 – 01. 11. 2004, Museum Schloss Moyland
Stiftung Museum Schloss Moyland, D-47551 Bedburg-Hau / www.moyland.de
 
Ausstellungskonzeption: Dr. Barbara Strieder, Ausstellungskuratorin, Museum Schloss Moyland, Drs. Ron Manheim Ausstellungskurator, Museum Schloss Moyland;
Leiterin Presse und Öffentlichkeitsarbeit:
 Dr. Elke Jahnke
 Zur Ausstellung liegen drei Publikationen vor:

       eine Faksimile-Ausgabe des Anholter-Moyländer Kräuterbuches mit 172 ganzseitigen farbigen Abbildungen (49 Euro),

       ein wissenschaftlicher Begleitband mit Transkriptionen und Übersetzungen sämtlicher Texte sowie Verzeichnissen von Pflanzennamen, Fachbegriffen und ungebräuchlichen Wörtern (19 Euro, für beide Publikationen zusammen: 65 Euro),

       ein Katalogbuch mit 60 ganzseitigen farbigen Abbildungen sowie Aufsätzen zu den Themen mittelalterliche Kräuterbücher, Krankheiten und Heilmittel (28 Euro, für alle drei Publikationen zusammen: 89 Euro).

Einführungstexte: Dr. Duco van Krugten, Leiter des Museums Wasserburg Anholt: <<Die Fürstlich Salm-Salm’sche Bibliothek zu Anholt und das Anholter-Moyländer Kräuterbuch von 1470>>;
Dr. Michael Hubbert, Technisch-Wissenschaftliche Leitung, Sidroga GmbH, Bad Säckingen: „Die zeitlose Modernität der Heilpflanzentherapie“;
Prof. Dr. Irmgard Müller, Leiterin des Lehrstuhls für Geschichte der Medizin und der Medizinhistorischen Sammlung der Ruhr-Universität Bochum: <<Die Bedeutung des Anholter-Moyländer Kräuterbuches aus Sicht der Forschung>>;
Dr. Ellen v. Itter, AOK Rheinland Stabsstelle Medien; Fax: 0211 8791 11 25; E-Mail: Ellen.vonItter@RLA.AOK.de: <<Aufklärung über alternative Heilmethoden wichtig>>


Zeitreise zu 500jähriger handgefertiger Kultur:  Pflanzen- und Heilkunde
Lassen Sie uns ein Pfeildreieck vorstellen, an dessen äusserster nordwestlichster Spitze Amsterdam und an dessen beiden Basen-Ecken links unten Düsseldorf/Krefeld und rechts oben Essen/Oberhausen angeordnet sind. Inmitten dieses Dreieckfeldes liegt links vom Rhein das Ziel unserer Zeitreise: Das Museum Schloss Moyland (zwischen Kalkar und Kleve, B57).
Was uns daran fasziniert: ist ein Buch und sein geistiges Umfeld eine Ausstellung dazu.
Das handgefertigte Original stammt vom Münchner Arzt Johannes Hartlieb, um 1450 geschrieben und bemalt. Es handelt sich um ein pflanzenheilkundiges und im Fachjargon seiner Zeit hochrangiges Werk in deutscher Fachsprache verfasst.
In der Ausstellung finden wir drei Abschriften dieses Werkes, Leihgaben aus Wien, Linz und eben das vor Ort gezeigte Anholter-Moyländer Kräuterbuch aus der Fürstlich Salm Salm’schen Bibliothek der Wasserburg Anholt (Kreis Borken).
Das Buch enthält 172 Texte zu Pflanzen, Tieren und Mineralien, denen gegenüber sind Illustrationen zu betrachten, die in naiv-mythisch-magischem Stil vorgetragen. Diese Abbildungen und beschriebenen Textfelder mit ihrer liebenswerten Holprigkeit haben ja höchst anwendungsorientierende Funktion im Rahmen der angestrebten Heilpraxis.
Aus Heidelberg ist auch Hartlieb’s Werk: Buch aller verbotenen Kunst zu bewundern. Es beschreibt zahlreiche magisch-geomantische Praktiken: Dazu zählten u.a. die Handlesekunst, Traumdeutung, Kristallschau, Deutungen von Vogelflug und Orakel. So ist auch diese ausgestellte Arbeit ein wichtiger Hinweis auf den Aberglauben und gilt als eindringliche Warnung vor Hexenkünsten.
Wenden wir uns dem Umfeld der Ausstellung zu, so entdecken wir die anschaulich dargebotene Rahmenthematik Heilmittel 1470 und heute. Sowohl Illustrationen und Texttafeln als auch dreidimensionale Objekte, wie getrocknete Pflanzen, Tierpräparate und Mineralien veranschaulichen die Entwicklung der Pflanzenheilkunde. Wir bemerken auch die mittelalterliche Potenz, die den Klöstern zukam, da sie vor allem das antike wie arabische Wissen der Heilkunde sowohl handschriftlich und  bildlich reproduzierten als auch deren Anwendung praktizierten.
Dabei war neben der genauen Abschrift auch die Kurzfassung / Kompilation (compilare = zusammenraffen) durchaus üblich. Wir sprechen heute auch vom Schnell-Lesen, das eine effiziente Lerntechnik darstellt, was jedoch leicht irre führen kann, da die Absicht geradezu reziprok ist ,dies zu tun.

Wir wollen ja heute der Informationsflut Herr werden, und die Schreibkundigen von vor 500 Jahren wollten sicher, neben dem sparsamen Umgang mit dem kostbaren Material (handgeschöpftes Papier, Tierhaut…Farben), genauso wie wir zwar nicht der Flut aber den vorliegenden Basistext  geistig aufarbeiten und so zusammenfassen um auf das Wesentliche, die Heilpraxis als Ziel, zu kommen.
Wir begegnen im Weitergehen durch die Ausstellung auch dem Inhalt der mittelalterlichen Vorstellung von Gesundheit und Krankheit: Die antike Lehre von vier Körpersäften / Humoralpathologie umfasst das Blut, Phlegma, die schwarze und gelbe Galle. Geraten diese Säfte aus dem Gleichgewicht, erkrankt der Mensch. So sind es die aus vorwiegend pflanzlichen Stoffen gewonnenen Heilmittel zur Gesundung, zum Gleichgewicht beitragen.
Schliesslich entdecken wir spezifischen Arzneiformen der Zeit, z.B. Pflaster, Sirup…und die Verarbeitung der pflanzlichen Stoffe anhand historischer Gerätschaften: Destilliergeräte, Syrupkannen, und Mörser.
Sonderführungen – auch durch den grossen, bestehenden Kräutergarten, geben einen vertiefenden Einblick in Heilpflanzen und Kräuter: lueb@moyland.de
Schliesslich können Bücher und heimische Pflanzen in der Kräuterey für den heimischen Kräutergarten erworben werden.
Bereichert kehren wir zu unser Balkonien und eigenen Garten zurück, neu bestückt mit den erworbenen Pflanzen. Auch der aktuelle Diskurs zwischen der Schulmedizin und der Naturmedizin bewegt nicht nur uns seit längerem schon, sondern sogar einen der Sponsoren insbesondere die AOK. Spät aber doch noch gibt es ein zwar noch zu leise Anerkennung der Naturmedizin.
Wann aber endlich werden auch die Nahrungsergänzungsmittel der Prophylaxe, die pflanzlicher Natur sind, auch von den Kassen getragen? Das bleibt auch hier noch in der ungeklärten Diskursatmosphäre stecken.


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