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"Jeder Mensch hat das gleiche
Recht auf seine ökologische Fuss-Spur" Bildteil: Walter Prankl
SWR2 Wissen Aula 07-9 - Vittorio Hösle im Diskurs mit Ralf
Caspary: Gegen Beliebigkeit und Werterelativismus - Die Rolle der
Vernunft in der Gesellschaft
WalterPrankl
<http://www.galerie-kulturpunkt.de/projekte.asp?kat=14>
Rubrik > Prankl: Diskurse
Zum Werk
Prankl arbeitet mit Fundsachen.
Er findet sie auf Spaziergängen, aber auch im Gerümpel oder
auf verlassenen Baustellen,
was ihn für einige Zeitgenossen verdächtig macht.
Wie kann man denn in diesem Zeug suchen. Er muss da bestimmt auf
etwas aus sein. Ist er auch. In der Tat. Zuerst einmal zum Finden.
Wie im wirklichen Leben findet man ja nur das, was man sucht. Und
das auch nicht immer. Bei Walter Prankl geschieht das Finden
intuitiv. In seiner Vorstellung ist der Gegenstand, auf den die
Aufmerksamkeit gerichtet ist, schon ein anderer geworden,
hat in der Idee schon Metamorphose
durchgemacht, in der er sich uns dann hier präsentiert. Was nicht
heißt, Walter Prankl sei ein konzeptueller Künstler, die Wandlung
vom Gefundenen zur Skulptur dauert manchmal lang, erfolgt manchmal
spontan; immer ist der Augenschein wichtig. Trotzdem spielt in
seinen Skulpturen das ursprüngliche Material noch eine bedeutende
Rolle. Im Gegensatz zu herkömmlichen künstlerischen Materialien,
deren Eigenbedeutung im fertigen Werk ausgelöscht wird. Auch das
scheint sich übrigens in neuesten Interpretationen zu ändern, in
denen die moderne Kunst als Weg hin zum Immateriellen gesehen wird.
Diese Auffassung beruht natürlich auf der Struktur der
elektronischen Medien, auf dem virtuellen Bild also. Als gelernter
Architekt kennt Walter Prankl sich auch mit Baustellen aus.
Kennt er sich auch mit Götterdämmerungen aus.
Ich sagte vorhin, seine Fundsachen spielen
auch nach ihrer künstlerischen Bearbeitung eine Rolle.
Im Lichte der Ideen des Künstlers werden
sie zu geheimnisvollen Trägern magischer Bedeutung, darin Fetischen
gleich. Diese waren in den sogenannten primitiven Gesellschaften im
Gegensatz zu Kunstwerken selbst mit Kraft, mit mana aufgeladen.
Im Bildzauber der Devotionalien,
wie man sie an jedem Wallfahrtsort findet,
steckt noch ein Rest jener Fetischgläubigkeit.
Nimmt also Walter Prankl mit seinen Skulpturen das Ende der Welt
vorweg und gestattet uns einen nicht gerade pessimistischen
Rückblick darauf - Ich kann Sie beruhigen, Walter Prankl ist alles
andere als wahnhaft in sich selbst verstrickt, er kann zwischen Sein
und Schein unterscheiden. In seinen Skulpturen spielt Walter Prankl
mit den Bedeutungen, auch mit den wahnhaften. Er füllt das
Bedeutungslose, selbst das Nicht-mehr-nützliche, wieder mit
Bedeutung. Er will den Himmel auf die Erde holen und nicht
umgekehrt. Aber auch Stationen seiner Biographie, seines
Arbeitslebens hat Walter Prankl in seine Skulpturen hineingewoben.
Die Textur seiner Arbeiten spiegelt Leben wieder.
Im Gegensatz zu einer Ästhetik des Verschwindens
sagt Prankl: Unsere Zeit, die uns noch bleibt,
loslassen lernen und in Häppchen genießen.
Was ich Ihnen hiermit empfehle,
mit seinen Skulpturen zu tun.
Heribert Heere, München-Zürich-Müllheim(Baden-D),
zu Walter Prankls Skulpturen, 1991-2007. |