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 02 Winterreise nach Engen und Venedig: Europäische Augen-Blicke
www.Engen.de
lautet die virtuelle Adresse. Die badische Stadt im Hegau hatte am 31.12.99 9,999 Einwohner, ist mittelständisch geprägt und schuldenfrei. Rund 5 Euro kommen da auf jeden Engener. Das ist doch ein Muster für weiteren kulturellen Mut, gerade jetzt, auch anderswo - oder nicht?

Anreise
Zwischen Schnee-Landschaft und Verkehrs-Signal - Kolorit und Kontur verschweben
Wintereise von Engen nach Venedig - im Innern eines sensibel restaurierten Klosters.
Thema: Ein jahrhundertelang währender künstlerischer Kampf zwischen Linie und Farbe

Bereits die Anreise zwingt zum Thema. Der ständige Schneefall lässt die Grenzlinien auf den Strassen, in der vorbei gleitenden Landschaft verschweben. Die Signalfarben zeigen sich als bunte Tupfen in grosser weisser Fläche.
Plötzlich, wir befinden uns im äussersten Zipfel von Baden, von dem die Nordlichter gerne von der deutschen Toskana zurecht schwärmen, da tauchen in glitzernder weisser Weite mehrere Hügel auf, tatsächlich sind es erloschene Zeugen vulkanischer Aktivität. Dergestalt finden wir auch in der Toskana und insbesondere in Umbrien. Hinzu kommt, fahren wir in die Stadt Engen ein, dass die gleiche urbane Gestaltungsauffassung sichtbar wird, wie wir sie vom  etruskischen Stadtbau kennen: steile enge Strässchen und gewundene Gässchen mit ausgeprägten Details, liebevoll erhalten, trotz der auch hier angebrochenen Insolvenzen von kleinen und mittleren Unternehmen, die sich hier jedoch in einem noch erträglichen Rahmen zu halten scheinen.
Diese historisch bestens erhaltene und sanierte Stadt Engen, dank des umsichtigen Gemeinderates, voran der Bürgermeister, was in der Begegnung mit ihm sofort spürbar wird, ist nur wenige Autominuten vom Bodensee und dem weltbekannten Rheinfall bei Schaffhausen entfernt.
Im Halbstundentakt fährt die Seehas-Bahn von Weinfelden-CH bis Engen in Richtung Konstanz.
Bei Föhn können von der Autobahn-Raststätte <Im Hegau> die Schweizer Alpen bewundert werden.

Zum aktuellen Ereignis:
Unter der Schirmherrschaft seiner Exzellenz des Italienischen Botschaft in Deutschland, Silvio Fagiolo, zeigt das Städtisches Museum + Galerie vom 1. Februar bis 4. Mai 2003 Meisterwerke der venezianischen Malerei aus Renaissance, Barock und Klassizismus von 1540-1800.
Dazu zählen Hauptwerke: Tintoretto, Tiepolo, Bassano, Guardi bis zu Canova. Auch aktuelle Neufunde von diesen bereits genannten Künstler sind dabei und darüber hinaus: Werke von Carriera, Pellegrini, Novelli und Renieri..
Sowohl der engagierte und gestandene Bürgermeister Johannes Moser als auch der kenntnisreiche Museumsleiter Dr. Brunner, beide hoch innovativ, laden die Besucher ein, unter dem Titel <Kontur oder Kolorit? Ein Wettstreit schreibt Geschichte> machen den Stil- und Richtungswandel der Bildenden Kunst Italiens von 300 Jahren sichtbar und überschaubar.
Schönheit, Gleichgewichtigkeit und Lebensfreude kennzeichnen dieses Ereignis.
"Es soll jedem geistigen Arbeiter, sowohl dem Geschäftsmann...(damit auch den in Engen durch die blitzartig eingetretenen Winterereignisse gestrandeten LKW-Fahrern) geistige Beruhigung, eine Erholung von den Mühen des Tages und seiner Arbeit schaffen", schreibt der Maler Matisse (1869-1954).
Alle diese finden ihre Bleibe im Hotel Badischer Hof, bei Familie Zimmermann. 2 km von der Autobahn, 500 m vom Bahnhof. Neben der Unterbringung gibt es abends Badische und Internationale Küche. Wobei die Steaks die Spezialität des Koches U. Zimmermann sind, der in Lörrach, angrenzend an  Basel, seine ersten Meriten erfolgreich erlangt hat. Ein Frühstücks-Tischkultur beonderer Art erwartet den angenehm umsorgten Hausgast. Diese professionelle Kundennähe wird besonders deutlich, wenn der Gast zum Brötchen greift. Es ist bereits der Länge nach eingeschnitten, so dass er  unmittelbar und bröselfrei zum Aufstrich übergehen kann.
Danach finden die Gäste in wenigen Gehminuten aufwärts die liebevoll restaurierte historischen Altstadt, schwenken bei der mittelalterlichen Kirche rechts  in die Sammlungsgasse ein und finden an der Stirnseite bereits die Fahnenstangen, die auf das Ereignis hinweisen.
Dabei zieht der Blick, während des Zugehens zum Museum, rechts die volle Aufmerksamkeit auf sich: Es ist das Schaufenster der Konditorei & Café Huber für Nichtraucher. Der Konditormeister zeigt Frutta di Mare und andere Köstlichkeiten aus köstlicher Schokolade. Frau Huber pflegt mittags ein Tagesmenü für den gesundheitsbewussten und zugleich kulinarisch Interessierten. Eine bemerkenswerte Mittags-Tischkultur, die auch Dr. Brunner und Bänker aus der unmittelbaren Umgebung des öfteren anzieht. Tel: 07733 - 5384
So können auch die Kunstinteressierten nach erschöpfender Betrachtung und Diskussion hier einkehren.

Venezianische Malerei von 1500 –1800
Kontur oder Kolorit
Bürgermeister Johannes Moser, dazu: "Es geht um ehrgeiziges Projekt – In Berührung mit Kunst zu kommen".
Es
verhalfen 16 Sponsoren zum Zustandekommen in Zusammenarbeit mit Scarpa Art Company, Venedig.
Dabei hatten neben den Leihgebern, die Stadt Venedig, der Staat, die ansässige Kirche als auch das Päpstliche Amt zu entscheiden, ob die anvisierten Werke nach Engen überhaupt ausreisen durften.
Erschwerend sind auch die lichttechnischen Auflagen: Maximal 230 Lux für die Gemälde und 50 Lux für Grafik erlaubten die Leihgeber. Es wurde bravourös gemeistert, so Dr. Brunner, der Hauptinitiator.
Hinzu kommt noch der zu berücksichtigende hohe Versicherungsstandard und die Differenzen zwischen dem deutschen und italienischen Versicherungsrecht. Nach allen diesen Barrieren zeugt das Siegel
von der offizielle Berechtigung durch die Schirmherrschaft S.E. des italienischen Botschafters in Deutschland, auf der ersten Seite des überaus gelungenen, bibliophilen Kataloges der Ausstellung.
Unverkennbar ist dabei die einfühlsame Typografie und das rokoko-nahe Layout zu nennen, das dem Betrachter und Leser Raum und Zeit lässt für eigene Überlegungen und notwendige Pausen (Die Nähe zu Canovas Gestaltung ist unverkennbar und trägt so zur Identifikation und zum Corporate Image bei). Alle Inhalts- und Quellenangaben sind in einem unaufdringlichen zarten Grau gehalten. Auch der Katalog wurde sowohl von Dr. Brunner, Kunstkurator, Engen und Andrea C. Thiele, München, vorbildlich gestaltet, diese hat am Zustandekommen gleichfalls kompetent mitgewirkt. Beide haben im Vorfeld zu dieser Ausstellung bereits in Italien Kunstmanagement-Erfahrung wie Studienabschlüsse, als auch thematische und persönliche Kontakte geknüpft, die zur Realisierung dieses aussergewöhnlichen Themenschwerpunktes geführt haben. Gerade in einermgeradezu verstörenden und  gestörten aktuellen Zeitumfeld stellen sie folgende, langzeitlich angesetzte Frage:
 
Was erhitzt die Gemüter der Kunstschaffenden seit 1540?
Gezeichnete Malerei oder malerische Zeichnung, insbesondere in Venedig.
Einerseits geht es um eine
Lineare Sichtweise
, die eine Kopfmalerei hervorbringt, in Rom, Florenz – Michelangelo (zu Vasari 1568, über Tizian: schade.. nicht gut .. zeichnen..gelernt) und Paris – Ingres, Delacrois ( Zeichnung in 10-15 Tagen, Ridolfi 1648)
Andererseits geht es um eine
Malerische Sichtweise, die eine Sinnliche Malerei (a la prima) zeitigt, in Venedig. Flair, Gefühl für die Oberfläche / Stofflichkeit, auch etwas missverständlich und von Michelangelo und Umfeld Schnelle Malerei genannt: Tizian, Tintoretti ( Zeichnung in wenigen Minuten, Ridolfi 1648). Tiepolo, der pastos arbeitet (fumato) , mit freiem Pinselauftrag, Tonalität vermittelt und ein Lichtspiel an der Oberfläche entfacht. Guardi, mit seinem kühnen und lockeren, atmosphärischen Pinselauftrag.
Wohl zeigt sich im Venezianischen Stil diese malerische Komponente vorrangig, jedoch orientieren sich Künstler wie Canova auch an Rom, insbesondere sichtbar an den Temperabildern auf Papier der Schau.(siehe Titelbild).
 

Tintoretto: Porträt + Seeschlacht

um 1600
Die Seeschlacht zeigt bereits den
impressiv-abstrakten Stil vorweg
von Turner- Monet nach 1850!
Tiepolo: Akt

um 1724
Rosalba Carriera porträtiert Tiepolo
um 1726


Das Anliegen, insbesondere der beiden Verantwortlichen ist, zusammengefasst formuliert:
"Erleben und Vermitteln " dieser trans-disziplinären Gestaltung um dadurch das europäische Wesen her-auszustellen.
 

 

 

 


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   Stand: FEBRUAR 2012

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