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Marienbad
6. Das
Lebenselexier: Oberflächenwasser – am Beispiel Kaiserwald, Marienbad

Oberflächenwasser gilt gemeinsam mit Boden und Atmosphäre als eine
der natürlichen Grundbedingungen für jegliches Leben. Außer dieser
Funktion sollte ebenfalls sein Einfluß auf die Landschaft nicht außer Acht
gelassen werden. Ein aufmerksamer Beobachter kann die ruhige,
nachdenkliche Oberfläche der Teiche in der Gegend von Kladska (Glatzen)
bewundern, deren braunrote Färbung auf gestautes Wasser der Hochmoore
zurückzuführen ist, oder die Behaglichkeit der opalisierenden kleinen
Wasserflächen des Tepler Hochlandes, in denen sich die uralte kulturelle
Landschaft und ausgedehnte silberglänzende Wasserbehälter unter dem
Podhorn Berg und am Lomnicky Bach abspiegeln. Dieses beeindruckende
Landschaftserlebnis wird noch durch den Kontrast der rieselnden
Sturzbäche, murmelnden Bäche und Flüßchen gesteigert. Die Flußläufe sind
in ihrer heutigen Gestalt das Ergebnis eines langen historischen
Werdegangs, in dessen Verlauf die Erdoberfläche durch tektonische Prozesse
und Bewegungen der Erdkruste geschaffen und schrittweise durch die erosive
Tätigkeit des Regenwassers oder tauender Eisberge modelliert wurde. Durch
diesen Prozeß wurde das ursprünglich nur zufällig gegliederte
Landschaftsrelief in voneinander getrennte Sammelgebiete, oder
Stromgebiete umgewandelt. Die Niederschläge bringen ständig neues Wasser,
das von den Abhängen des Kaiserwaldes allmählich in ein sog. Flußnetz
höheren Ranges gelangt, also in das Stromgebiet der Ohre (Eger) und der
Berounka (Beraun).

6.1 Hydrologisch gehört der Kaiserwald vorwiegend zum Stromgebiet
der Ohre (Eger), jedoch die Ablaufachse des Naturschutzgebietes und
zugleich symbolischer Wasserlauf ist das Flüßchen Tepla (Tepl).
Es entspringt in ausgedehnten Naßgallen auf dem Hochland nordwestlich von
Marienbad. Etwa nach zehn Kilometern verläßt es das Gebiet, füllt das
Teichsystem am Stift Tepl voll, um wieder zurückzukehren und durch das
relativ flache Tal zum Zusammenfluß mit dem Bach Pramensky (Rodabach)
schlingenartig und ohne Eile zu gelangen. Dabei sammelt es das Wasser aus
den naturwissenschaftlich wertvollsten Gebieten, und schneidet sich in das
wilde Felscaoon des Naturreservats Tepl-Tal ein. Am Zusammenfluß mit dem
Otrocin (Landek) - Bach wird es breiter, fließt unter der Becov (Pelschau)
Burg und von dort bahnt es sich schon den Weg als majestätisches Flüßchen
durch den Brezova (Pirkenhammer)-Stausee Richtung Karlsbad, wo es in die
Ohre (Eger) mündet.
Die Ohre (Eger) berührt das Gebiet bloß durh ein beeindruckendes Tal am
nördlichen Rand zwischen Loket (Elbogen) und Doubi (Aich), wobei sie unter
der Granitorgel der Felsengruppe Svatosské skaly (Hans Heilig Felsen)
strömt.
Aus dem Kaiserwald nimmt die Eger von bedeutenderen Bächen noch Velka a
Mala Libava (Großer und Kleiner Liebaubach) Lobzy-Bach (Lobsbach?) und den
Flößgraben zu.
Von den südöstlichen Hängen des Kaiserwalds von Bad Königswart Richtung
Marienbad, weiter von den Südhängen des Podhorn-Berges fließt das Wasser
weiter ins Tal des Kosi-Bachs (Amselbach) das dem Flußnetz von Berounka
(Beraun) angehört. Der Kosi-Bach (Amselbach) berührt das Naturschutzgebiet
nur am südlichen Rand und hier, unter dem Lasurenberg schneidet er sich
rechtwinklig ins Gelände ein und setzt seinen Lauf in wunderschönen
breiten Tälern Richtung Michalovy Hory (Michelsberg) fort, um den
Kaiserwald wieder zu verlassen.
6.2 Wasser – Konfliktstoff, heilsamer Nutzen und ein Unikum
Seit Menschengedenken hat sich der Mensch die hiesigen Gewässer zunutze
gemacht. An Wasserläufen, auch an den kleineren, finden wir Überreste von
Oberwassergräben ehemaliger Mühlen, Hammerwerke und Sägewerke. Die meisten
dieser Bauwerke haben längst ausgedient und ihre Wiederherstellung ist
unter den heutigen Bedingungen unrealistisch. Der heute fast wie eine
Modewelle verbreitete Aufbau von kleinen Wasserkraftwerken ist für das
Leben von Wasserorganismen nicht immer günstig. Oft werden wir als
“kategorische Widersacher der sauberen hydro-energetischen Quellen”
bezeichnet, diese Bewertung ist jedoch wenig objektiv und unqualifiziert.
Früher wurde die Wasserenergie vorwiegend fakultativ genutzt, d.h. es
handelte sich um keine Dauerabnahme.
Demgegenüber ist der Inhaber des kleinen Wasserkraftwerkes am maximalen
Dauerbetrieb interessiert, um Gewinne zu erzielen. Dieser Gegensatz ist
dann die häufigste Ursache für Konflikte mit der Verwaltung. Wir wollen
die kleinen Wasserkraftwerke aus dem praktischen Leben nicht ausschließen,
suchen jedoch normale Lebensbedingungen für Wasserorganismen. Diese
Bedingung limitiert selbstverständlich den ganzen Betrieb und zum häufigen
Mißbehagen der Besitzer im Endeffekt auch den Gewinn. Dieser kann jedoch
als kein solides Argument gegen das logische Prinzip der Erhaltung des
natürlichen Gleichgewichts sein, das die Wasserqualität direkt beeinflußt.
Die Nutzung der Wasserläufe unseres Gebietes war weiterhin mit dem Bergbau
verbunden. Für seine Ent-wicklung in der Gegend von Horni Slavkov (Schlaggenwald)
mußten genügend Wasservorräte für Aufbereitungs-, und Hüttenarbeiten
vorhanden sein. Da die bisherigen Bäche den Verbrauch nicht decken
konnten, mußte man die Wasserzufuhr auch aus größeren Entfernungen
gewährleisten. So entstanden seit dem Jahrhundert einzigartige Werke von
Menschenhand, der Flößgraben, und Puskarovska (Ebmeth)-Graben. Von dem
Puskarovska (Ebmeth)- Graben, der das Wasser der Komari- Teiche
(Muckenteiche) entlang des Spitzenberges abgeleitet hatte, sind bis heute
nur Fragmente erhalten geblieben, deren erster Teil nach der
Wiederherstellung immer noch funktionsfähig ist.
Ein Unikum von überregionaler Bedeutung ist der Flößgraben, der
seit Jahrhunderten das Wasser von Kladska (Glatzen) nach Krasne
(Schönfeld) leitet. Das erwähnte Wasserwerk ist dank seiner Größe,
technischer Lösung, Erhaltung und der Eingliederung in das Landschaftsbild
ein einzigartiges technisches Baudenkmal und zugleich beweist es die
Beharrlichkeit und meisterhaftes Können unserer Vorfahren.
Die Teiche im Kaiserwald wurden vor allem zwecks Fischzucht
angelegt ,und zwar entweder nur als isolierte Bauwerke, oder als ganze
Teichsysteme. Die Fischzucht war eine wichtige Komponente der feudalen
Wirtschaft, und neben den feudalen Herren hat auch die Kirche (Templer,
Prämonstratenser) Teiche angelegt,um ihre Ländereien möglichst günstig zu
verwerten. Die Teiche wurden vor allem auf Grundstücken angelegt, welche
für die Landwirtschaft ungeeignet waren.
Oft versuchte man, überflüssiges Wasser von umliegenden Ländereien
abzuleiten und zugleich in Behältern als Schutz gegen Überschwemmungen zu
stauen. Die Teichwirtschaft erlebte den größten Aufschwung im 15. - 17.
Jahrhundert, als Fisch sehr häufig auf den Tisch kam. Danach wurden
die Wasserflächen wieder allmählich verringert, besonders nach dem 2.
Weltkrieg.
Der Wiederaufbau der untergegangenen Teiche wird mit Nachdruck
unterstützt, denn sowohl hydrologische (Wasserstauung), als auch
biologische Aspekte (geeignete Biotope für Wasserorganismen und Pflanzen)
dieser Tätigkeit sind eindeutig positiv.
Ein eigenes Kapitel ist dann der Aufbau von Talsperren, eine Erscheinung,
die das Landschaftsbild erst seit dem letzten Jahrhundert geprägt hat.
Am oberen Lauf der Tepla (Tepl) wurde anstelle der alten Stiftsteiche
der Stausee Podhora erbaut, der die Wasserversorgung Marienbads
bis heute sichert.
Über Brezova (Pirkenhammer) wird das Wasser der Tepl wieder mittels einer
Talsperre gestaut und dadurch wird zugleich Karslbad vor Überschwemmungen
geschützt, welche die Stadt in der Vergangenheit mehrmals verwüstet haben.
Die romantischen Felstäler der Lomnicky (Lamnitz) und Drazovsky (Trossau)
Bäche wurden dank der Stanovice (Donawitz) - Talsperre unter Wasser
gesetzt.
Das untergegangene Dorf Krasna Lipa (Schönlind) wurde der Talsperre Velka
Libava (Gr. Liebenbach) geopfert, von der das abschreckende Monument
des sozialistischen Aufbaus, die Gemeinde Rovna (Ebmeth) mit Wasser
versorgt wird.
Über Marienbad, am Bach Kamenn (Steinbach) steht der erste aufgeschüttete
Damm im damaligen Österreich-Ungarn, der als weiteres Wasserreservat für
Marienbad diente. Alle diese Talsperren, die riesige Wassermengen stauen,
sind im Laufe der Jahrzehnte in die Landschaft hineingewachsen und sind
für die heutige Besiedlung des Kaiserwaldes lebenswichtig. Das Vorhaben,
eine Talsperre am Bach Pramensk (Rodabach) bei Mnichov (Einsiedl) zu
erbauen, lehnen wir jedoch mit Nachdruck ab, denn es könnte für natürliche
Bedingungen in wertvollsten Partien des Kaiserwaldes, besonders für das
Nationale Natur-reservat Pluhuv bor (Pflugheide) negative Auswirkungen
haben.
In der Natur gibt es praktisch kein absolut sauberes Trinkwasser.
Deshalb kann als ideales, natürliches Wasser ein im Grunde genommen
verunreinigtes, entsprechend mineralisiertes Wasser bezeichnet werden.
Diese Verunreinigung darf jedoch eine gewisse Konzentration nicht
überschreiten, damit das Wasser den einschlägigen biologischen Normen
gerecht wird.
Die Hauptaufgabe besteht darin, mit allen erreichbaren legislativen und
technischen Mitteln genug Wasser in entsprechender Qualität zu sichern.
Fazit, wie am Beispiel Marienbad ersichtlich gilt dies auch für
andere Regionen unserer Erde:
Einerseits haben wir uns mit direkter, also lokaler Umweltverschmutzung,
weiter mit dem Wegtragen der Erdschicht aus intensiv bewirtschafteten
landwirtschaftlichen Flächen und nicht zuletzt mit Folgen der
atmosphärischen Verschmutzung aus anthropogenen Quellen
auseinanderzusetzen, welche die Qualität der Niederschläge negativ
beeinflussen und zugleich die Oberflächenwasserqualität ernsthaft
gefährden könnten.
“Es gibt kein Leben ohne Wasser” – soll daher das Motto unserer
aufrichtigen Bemühungen sein, um den Schutz von Bächen, Flüssen und
Wasserbehältern – wie es hier am Muster Kaiserwald - Marienbad
vorausgedacht wird - zu gewährleisten. Denn gesundes und heilendes
Wasser ist die Grundbedingung für eine zukunftsichernde menschliche
Existenz. |