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Marienbad 4. Von der Erde gestaltete Natur: am Beispiel des heutigen Naturschutzgebietes Kaiserwald

 

Die heutige Gestalt des Naturschutzgebietes "Kaiserwald" ist das Ergebnis einer langen und komplizierten Entwicklung, die in seinen verschiedenen Teilen unter schiedlich verlaufen war. Die Grenzen des Gebietes sind meistens mit Grenzen der geologischen Einheiten nicht identisch.
Der Kaiserwald gehört größtenteils dem erzgebirgischen Teil des Böhmischen Massivs an,
und zwar an dessen südöstlicher Grenze am Kontakt mit dem mittelböhmischen Gebiet (Tepler Krystallinikum). Die eigentliche Grenze verläuft entlang des Leitmeritzer Tiefbruchs, dessen Verlauf auf der Oberfläche einerseits in der Ausdehnung des Amfibolkörpers, anderseits in der Serpentinzone sichtbar ist, die einen Bestandteil dieses Körpers bildet. Die südliche Grenze verläuft ungefähr entlang vom Marienbader Bruch in einer deutlichen morfologischen Senke. Die westliche und nordwestliche Grenze führt entlang des Kaiserwald Massivs entlang der Erzgebirger Bruchzone, stellenweise berührt sie auch den Rand der Beckenfüllung. Am nordwestlichen Rand greift das Gebiet mit einem Zipfel über den Rand des Doupov-Gebirges (Duppauer Gebirges) über. An dem Aufbau des Gebietes sind zwei grundlegende Bruchsysteme beteiligt. Es sind einerseits NO-SW und NW-SO bis NNW- SSO Brüche, die das ganze Gebiet und die breitere Gegend in mehrere Blöcke eingliedern. Diese Blöcke bilden dann einen Horst. Von den wichtigsten NO- SW Brüchen ist wenigstens der Leitmeritzer Tiefbruch der Zeit der Cadomiösen Phase zu nennen, der das Erzgebirger Massiv vom Mittelböhmischen Massiv trennt, und weiter das parallel verlaufende System von untererzgebirgischen Brüchen, deren

4.1 Entstehung dank der tertiären (neoiden)Tektonik
mit dem Leitmeritzer Bruch geographisch verknüpft war.Von den NW-SO Brüchen sind für den Aufbau und Entwicklung des Gebietes der Marienbader Tiefbruch und parallel verlaufende Zone der böhmischen Quarzaufwölbung und Joachimsthaler cadomiöser Tiefbruch im nördlichen Teil des Gebietes von Bedeutung.Parallel zu diesen Brüchen verläuft eine ganze Reihe von geringeren Störungen innerhalb des ganzen Gebietes und in der breiteren Umgebung.
Die wichtigsten Tiefbrüche entstanden schon während der Cadomiösen Phase, und beeinflussten auch die jüngeren Phasen, die:
Herzynische Tektogenese(Intrusion von Plutonen = Herzynische Granitdurchdringungen) und
Saxonische Tektogenese, wo es zur Entstehung von weiteren ungefähr parallelen Brüchen und gleichzeitig zur Entstehung von Horsten gekommen war. Während der
Cadomiösen Phase entstanden nicht nur die wichtigsten Brüche,
sondern es gab auch einen aktiven Vulkanismus.
Während der Herzynischen Phase wurde die mobile Entwicklung des Gebietes beendet, und gleichzeitig entstanden mächtige granitoide Plutone (Karlsbader Pluton). Nach dem Ausklang des Zyklus verlief im Gebiet ebenfalls wie im Böhmischen Massiv, eine Plattformentwicklung. Während der
Alpinischen Phase kam es hier (ebenfalls wie im ganzen Böhmischen Massiv) zum Zerfall der schon konsolidierten Plattform in mehrere Teilblöcke und dadurch zur Entstehung von Horsten
Senkung des Gebiets zwischen dem Kaiserwald und dem Erzgebirge,
Hebung des zentralen Kaiserwaldes…
.
In den so entstandenen Brüchen gab es Schmelzflüsse von Vulkaniten.

Im Zentrum des Gebietes erhebt sich als älteste Einheit das obere
Proterozoische Kaiserwalder Kristallinikum: heutzutage ist es besonders als Reliktmantel des herzynischen Karlsbader Plutons sichtbar.
Die Einheit kann man in den älteren, tief metamorphierten Kern, bestehend aus Granitgneisen bis Migmaten ( ältere Bezeichnung: "Kaiserwalder Eruptivgneis"), und die jüngere, weniger metamorphierte Mantelserie von Sedimentgneisen eingliedern…
Den Aufbau des Gebietes beeinflussen deutlich auch die Granitoide des Karlsbader Plutons (oder genauer gesagt des Karlsbader- Neudeker Eibenstocker Plutons…
Dank der Tektonik wurden die alten Brüche lebendig und es entstanden viele Neue. Es entstand der Horst mit der Aufhebung des Kaiserwaldes und des Erzgebirges, und der Senke des dazwischen liegenden Gebietes, wobei die Untererzgebirgischen Becken entstanden.  Davon greifen auf das Naturschutzgebiet der südöstliche Zipfel des Egerer Beckens und teilweise der südöstliche Rand des Sokolov (Falkenau ) Beckens über. Zugleich war es zum intensiven Magnetismus gekommen (Duppauer-Gebicge und mehrere isollierte Basaltkörper ). Die Sedimentation setzte in beiden Becken in der unteren oligozänen basalen Schichtengruppe von Staré Sedlo (Altsatten ) ein, die durch Quarzsandsteine bis Konglomerate mit deutlicher zyklischer Sedimentation gebildet ist. In dem Naturschutzgebiet kommen diese Gesteine südwestlich von Karslbad in der Gegend von Vulkaniten und an dem südwestlichen Rand im Tale des Flusses Ohre (Eger) vor.
Gleichzeitig mit dem tertiären Stratovulkan des Duppauer-Gebirges waren zahlreiche selbständige Vulkanite entstanden, die sich im Gebiet als morphologisch auffallende Gipfel erheben z. B. Podhorn Berg bei Marienbad, Uhelný vrch-( Kohlenberg ), Kupa bei Becov (Petschau), Chloumec - Hügel bei Ceský Chloumek ( Böhmisch Kilmes) u.v.a.
Die vulkanische Tätigkeit klang erst im Quartär aus, aus welchem die letztenVulkanite stammen: nämlich der Kammer-und Eisenhügel bei Cheb (Eger).
Überreste dieser vulkanischen Tätigkeit sind zahlreiche Gasergüsse ( Kohlendioxyd CO2 oder Gemische aus s Kohlendioxyd und Schwefelwasserstoff (CO2+ H2S), die in tektonischen Linien auftreten, weiter Karlsbader Heilquellen und in der basalen Schichtenfolge von Staré Sedlo (Altsattel ) im Sokolov (Falkenauer)-Becken,sowie auch groe Mengen Kohlendioxyd , enthalten in den meisten Säuerlingen und Heilquellen.
Der Quartär ist im Naturschutzgebeit vorwiegend durch Abhangablagerurgen und Alluvien der Flüsse vertreten. Sehr häufig kommen auch Hochmoore vor. Die Alluvien sind meistens im Tal des Flusses Ohre (Eger) entwickelt, der in Karlsbad 4 Terassen bildet. Im Ergußgebiet der Karlsbader Thermalquellen lagert Aragonit ab (die sog. Sprudelplatte), vorwiegend als gelagerter "Sprudelstein", früher auch als seltener "Erbsenstein" mit oolitischem Bau (frei vorkommmende, im Aragonit umhüllte und verkittete Sandkörner ). Dank der neuen Tiefquellenfassung kommt ihre Bildung heutzutage eigentlich nicht mehr vor.

4.2 Die Morphologie des Geländes ist das Ergebnis der geologischen Entwicklung des gesamten Gebietes. Den zentralen Teil des Gebietes bilden Relikte des ursprünglichen Penepläns…
Der höchste Teil des Gebietes ist der Lesný (Judenhau)-Massiv am SW Rand (Gipfel Lysina/Glatze 982 m, und Lesný/Judenhau 983 m), nordöstlich sinkt es Richtung Horní Slavkov (Schlaggenwald) und südöstlich Richtung Marienbad.
Östlich vom Kaiserwald erstreckt sich das niedrigere Tepler Hochland (höchster Gipfel Podhorn Berg 847 m, durchschnittlich über 700 m), das Richtung O bis SO weiter sinkt. Nordöstlich vom Kaiserwald erstreckt sich niedrigeres Karlsbader Hochland, morphologisch durch deutliche Täler zergliedert, dem sich im NO das Duppauer-Gebirge anschliesst (hier gibt es 2 mächtige,herausragende Härtlinge: Felsenmassive Andilská hora (Engelberg) und Berg Šemnice (Schömitzer Berg).
Südwestlich vom Lesný (Judenhau) Massiv bildet das Gebiet eine gewaltige tektonische Senke, die den Kaiserwald vom Dylen (Tilllensberg)- Massiv trennt.
Am westlichen bis nordwestlichen Rand ist der Horstaufbau durch stufenweise Senkungen Richtung Becken gut zu erkennen. Aus der gewellten Oberfläche ragen abgerundete Granithügel hervor.
Auf einigen befinden sich in der Gipfelpartie Felsausstreichungen mit erkennbarer quaderförmiger Granitabsonderung und sehr gut entwickelten Pseudokratzern, bis 80 cm tief, mehrere Meter lang, z.B. auf dem Berg Javooík im Lesný (Judenhau)-Massiv).
Die Basalterruptivgesteine ragen entweder als Härtlinge, oder als abgerundete Kegel hervor. In der Gegend von Prameny (Sangerberg) ragen als geringfügige Härtlinge.  Ausstreichungen von Serpentinen hervor. Im Tal der Teplá (Tepl) befinden sich stellenweise steile Felswände, und im Ohre (Eger)-Tal zwischen Loket (Elbogen) und Karlsbad wieder isolierte Felsen, Felstürme und Felswände. In der Umgebung von Staré Sedlo (Altsattel), wo der Fluß die dortigen Sandsteine bis zur Basis durchschneidet, befinden sich in verschiedenen Höhen kleine Erosionshöhlen.
Im Rahmen dieser Übersicht sind nur die wichtigsten  geologischen und morphologischen Erscheinungen des Kaiserwaldes beschrieben.


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   Stand: FEBRUAR 2012

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