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Marienbad 13. Auf zu den heilenden
Quellen
Auf dem verhältnismässig kleinen Gebiet Westböhmens befinden sich
zahlreiche Mineralquellen von verschiedensten Mineralisierungswerten,
Temperaturen und Gasinhalten.

Auf dem verhältnismäßig kleinen Gebiet Westböhmens befinden sich
zahlreiche Mineralquellen von unterschiedlichen Mineralisierungswerten,
Temperaturen und Gasinhalten. Das Naturschutzgebiet Slavkovsky les /Kaiserwald
nimmt hierbei eine zentrale Lage inmitten weltberühmter Kurorte ein. Es
entspringen hier sowohl Marienbader und Karlsbader Heilquellen, als
auch gashaltige Säuerlinge von unterschiedlicher Zusammensetzung. Solch
eine quantitative Vielfalt ist kaum nur auf unterschiedliche geologische
Bedingungen zurückzuführen.
Die Vermutungen über die Entstehung dieser Quellen haben eine lange
Entwicklung durchgemacht, und bis heute gehen die Hypothesen der Fachleute
auseinander. Auf Grund neuer Erkenntnisse nehmen wir an, daß die Rolle der
Tiefbrüche bisher noch nicht genügend berücksichtigt wurde.
Die Erkenntnisse über die tektonische Einteilung des Böhmischen Massivs,
gewonnen auf Grund gravimetrischer und magnetischer Messungen, ermöglichen
es, den Werdegang der Heilquellen neu zu beurteilen. Die Tiefbrüche
beeinflußten wesentlich die geologische Entwicklung dieses Gebietes, und
zwar in allen geologischen Phasen schon seit Präkambrium.
Diese Diskontinuitäten der Erdkruste, welche bis in die Gesteine
des Erdmantels eingreifen, bilden in günstigen Bedingungen leicht
zugängliche Verbindungen. Hierzu kann die sogenannte ultratektonische
Theorie über die Entstehung endogener Erzlagerstätten erwähnt werden.
Demnach wandern die Erzelemente aus Unterkrusttiefen quer durch die
Erdkruste zuerst entlang der gesamtplanetarischen Tiefbrüche und weiter
entlang bedeutender tektonischer Linien bis in die Zonen mit geringerer
splittriger Tektonik. Für einzelne Tiefbrüche ist immer eine spezifische
Mineralisierung typisch, die von deren Tiefe abhängt. Daraus ist der
Schluß zu ziehen, daß die Prozesse, die laut der genannten Theorie zur
Entstehung von endogenen Erzlagerstätten führten, auch in der Gegenwart
tätig sind.
13.1 Die Entstehung einzelner Typen von Mineralquellen
wird offensichtlich in hohem Maße von dauerhafter Zufuhr endogener
Mineralstoffe beeinflußt. Die Existenz solcher Durchdringungen beweisen
auch breit geöffnete, bei tieferen Bohrungarbeiten in letzter Zeit in der
Gegend von Karlsbad und in Zentrallagen des Sokolov (Falkenauer)-Beckens
festgestellte Risse. Auf dem Gebiet Westböhmens wurden geophysikalisch
Tiefbrüche bewiesen, welche die Krustensegmente (Blöcke, Schollen) mit
unterschiedlicher paleogeologischer Entwicklung voneinander trennen.
Erstens ist es der sog. Leitmeritzer Bruch, der bedeutendste und
geotektonisch am längsten tätige Tiefbruch des Böhmischen Massivs,
orientiert in SW-NO Richtung, in welcher sich im beobachteten Gebiet auch
einige andere Tiefbrüche ziehen. Das anliegende vereinfachte Schema
tektonischer Brüche belegt eine auffällige Übereinstimmung zwischen der
Verbreitung von Mineralquellen und den Tiefbrüchen in Westböhmen.
Besonders wichtig für die Entstehung des ganzen Quellensystems ist die
Zufuhr des postmagmatischen Kohlendioxyds, dessen Austritt ebenfalls mit
der Tektonik zusammenhängt. Eine interessante Erscheinung sind
Kohlendioxyd (C02) Austritte in Form von Mofetten in freatische
Gewässer (Milhostov-Müllestau, Smradoch-Stinker u.a.)
13.2 Das eigentliche Naturschutzgebiet Kaiserwald
ist von anderen Teilen im NW durch die nördliche Linie des
Leitmeritzer Bruchs (Fortsetzung des Strezov / Strössau-Bruchs) getrennt.
Die südliche Linie zieht sich etwa zwischen dem Südhang des Duppauer
Gebirges und Marienbad und bildet die südöstliche Grenze des genannten
Gebietes. Im SW ist der Kaiserwald vom Marienbader Tiefbruch und dem
parallel verlaufenden Planer Bruch abgegrenzt. In diesem tektonisch
abgegrenzten Gebiet entspringen gashaltige Mineralquellen von
unterschiedlicher Zusammensetzung.
13.3 Das Wichtigste die Mineralquellen und über Säuerlinge in der
Region
Einfache kalte Säuerlinge (Konzentration vom frei löslichen
C02 über 1,0 g/1, Mineralisierung unter 1,0 g/1 ). Dieser Typ
von Mineralquellen ist praktisch im ganzen Gebiet häufig verbreitet.
Meistens handelt es sich um kleine, wenig ergiebige Quellen mit erhöhtem
Anteil von Fe2+ Ionen. Hierzu gehören auch einige Marienbader
Quellen, Richardsquelle in Bad Kynzvart (Königswart) und unzählige kleine
Quellen im ganzen Kaiserwald (z.B. der Säuerling in Podlesi/Markusgrün -
sog. Radiumquelle.)
Kohlensäurehaltige Mineralquellen
(Gesamtmineralisierung und C02 Inhalt über lg/1 ).
Petrographischer Charakter der geologischen Umgebung, von welcher der
Kreislauf dieser Säuerlinge abhängt, determiniert u.a. auch ihre chemische
Zusammensetzung. In ultrabasischen Gesteinen (Serpentinkörper in der
Gegend von Prameny/ Sangerberg) entstehen Magnesiumhaltige Säuerlinge mit
überwiegendem Anteil von Mg2+ Kationen. Zu dieser Gruppe
gehören z.B. die Quellengruppe von Nova Ves - Louka (Neudorf - Grün), die
heutzutage wieder vom Unternehmen “Magnesia” in Flaschen abgefüllt werden.
Eine andere Gruppe bilden Säuerlinge mit höherem Anteil von Ca2+
als Mg2+ und mit niedrigem Alkalianteil (Kynzvart/Königswart,
Kramolin/ Gramlig, Prameny/Sangerberg, Cihana/ Kschiha, Hostec / Hurschk
u.v.a.). An sauerhaltige Gesteine koppeln sich Säuerlinge von alkalischer
Fazies, die jedoch niedrige Mineralisierung aufweisen.
Mineralquellen vom Karlsbader Typ im Naturschutzgebiet Slavkovskles
(Kaiserwald) befinden sich zwei weltbekannte Kurorte: Karlovy Vary
(Karlsbad) und Marianske Lazne (Marienbad), weiter Lazne
Kynzvart (Bad Königswart) und in nächster Zukunft wird es
hoffentlich auch der altneue Kurort Prameny (Sangerberg) sein.
Karlsbader kohlensäurehaltige Thermen und einige Marienbader
Quellen (z.B. der Kreuzbrunnen, Ferdinandsquellen u.a.) koppeln
sich eindeutig an Zufuhr von S042+ und Cl´ Ionen
in tiefen tektonischen Strukturen. Aus dieser Sicht ist die Quellenfassung
der stark mineralisierten Therme am Quellenbruch im südlichen Teil der
Karlsbader Struktur interessant (Stephanienquelle mit bis 6,8 g/1
Gesamtinhalt von aufgelösten Mineralstoffen ), wo u. a. eindeutig die
schrittweise Abkühlung der Thermen beim Aufstieg zur Oberfläche durch eine
weniger durchlässige Umgebung nachgewiesen wurde. Außerdem befinden sich
im Kaiserwald mehrere kleinere Quellensysteme, deren künftige Nutzung
jedoch wenig wahrscheinlich ist. © GTP,s.r.o. 1999 |