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Marienbad 11. Die heilende Wirkung einer geschützten  Kulturlandschaft: <<Endlose Gewölbe der Buchenwälder>>

11.1 Die Pflanzendecke
Endlose Gewölbe der Buchenwälder tun sich vor den wankenden Teppichen der Torfmoore auf und unter dem dürren Boden der Serpentinwálder Sie werden durch den Caoon des Flusses Teplá gespalten und dort, wo die Städte Horní Slavkov (Schlaggenwald) und Becov (Petschau) stehen, werden die dunklen Buchenwälder durch die vom Sonnenlicht durchleuchteten Eichenwälder abgelöst. Ein ähnliches Bild hätten wohl die ersten Ansiedler im frühen Mittelalter beim Anblick des heutigen Naturschutzgebietes Kaiserwald aus der Vogelperspektive genießen können.

Den Blick des heutigen Besuchers würde höchstwahrscheinlich der mächtige Waldkomplex rund um den Kladská (Glatzen) - Waldsee und die mosaikartige Landschaft des Tepl-Landes fesseln.
Fangen wir also den Rundflug über dem Naturschutzgebiet Kaiserwald in seinem Herzen, in dem Torfmoor von Kladská (Glatzen) an. Die Hochmoore entstanden in regenreichen Gebirgen nach dem Rückzug des Eisberges vor nicht einmal 10 000 Jahren. Kein Wunder, da die Torfschichten mehrere Meter hoch sind. Das Leben des Torfmoors beginnt und endet mit der Entwicklung der Torfmoose (Sphagnum sp.div.), jener ständig nachwachsenden Moosart: während der obere Teil ständig nachwächst, stirbt der untere allmählich ab. Andere Torfmoose bilden unter der Wasseroberfläche versunkene und in Büschen durchflochtene Pflanzenteile, andere ragen iiber die Wasseroberfläche in Büschen hinaus. Die freie Torfmoorfläche wird allmählich vom Wald überwachsen: zuerst ist es die Hakenkiefer (Pinus uncinnta) und anschließend die Gemeine Fichte (Picea abies).
Die heutigen Kladská (Glatzen) Torfmoore befinden sich gerade in dieser Phase. Nicht viele Pflanzenarten vermochten es, sich dem Leben im Torfmoor anzupassen: der .fleischfressende, rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia), Polei-Gránke, bzw. Rosmarinheide (Andromeda polifolia ), Gemeine Moosbeere (Oxycoccus palustris), Schwarze Krähenbeere (Ernpetrum nigrum), Scheidiges Wollgras (Erioplzorurn vaginntmn).
Nicht nur Torfmoore als Standorte mit spezifischen Bedingungen bilden ein einzigartiges Biotop, sondern auch der Serpentinkamm, der sich nördlich von Marienbad zieht, ist dank den chemophysikalischen Eigenschaften (Magnesiumüberschuß, Kalziummangel) ein unwiederholbares Biotop, das eine eigenartige Pflanzenwelt beherbergt.
Dank dem ausgeprägten Chemismus und inselartigen Vorkommen von Serpentinaufschlüssen sowohl im Regional, als auch Weltma(ästab kam es zur Spezialisierung von einigen Arten ausschliefšlich in Verbindung mit dem Serpentinsubstrat. In den sog. Mnichov (Einsiedler) Serpentinen wachsen die Farne, wie z.B Braugriiner Serpentin-Streifenfarn (Aspleniurn adulternium) und Serpentin-Milzfarn (Aspleniurn curieifolimn), weiter das Endemit (ein Organismus, das nur in isolierten Lokalitäten, z.B.auf Inseln, in unzugänglichen Gebirgen usw. vorkommt) der Mnichover (Einsiedler) Serpentine, Cerastium alsinifoliurn, desen deutsche Bezeichnung weitgehend unbekannt ist, aus der Bärlappfamilie ist es Tannenteufelsklaue, bzw. Tannebärlapp (Husperzia selago), während andere, auch auf anderen Stadorten ganz geläufig wachsende Arten, auf den Serpentinsubstraten nur in Zwergformen (Nanismus) vorkommen, wie z.B. Augentrost (Euphrasia sp.).
Außer der Felsenvegetation kommen auf den Serpentinen Buschgeossenschaften vor: z.B. Schneeheide (Eríca herbacea ), Zwergbuchskreuz-blümchen, bzw. Buchsblättrige Kreuz-blume (Polygaloides camaebuxus), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), MoorHeidelbeere, bzw. Rauschbeere, auch Moosbeere (Vacciniurn uliginosum), Preiselbeere (Rhodococcus vitisidaea) und Heiden-Kiefernwälder mit der Wald-Kiefer Vogtländer Art (Pinus sylvesträis).
Zum Abschluß nennen wir noch ein Paar Arten, um die auf den Serpetinstäcken vorkommende Pflanzenvielfalt zu belegen: Busch-Nelke (Dinnthus seguieri), Gemeines Leimkraut, bzw. Aufgeblasenes Leimkraut (Silene vulgaris), Arnika (Arnica montana), die als Vorbild für das Wahrzeichen vom Naturschutzgebietes Kaiserwald dient, Sudeten-Labkraut (Galium sudeticurn), zwergartiger Farnmond-Rautenfarn, bzw. Mondraute, oder auch Traubenfarn, Mondfieder,jedoch auch Walpurgisnachk (Botrychium Iunaria)

Im Kaiserwald finden wir jedoch nicht nur Serpentin, sondern auch Granit- (z.B. Svatoš / Heilir,g Felsen), -und Amfibolitaufschlüsse. Gerade auf den Amfibolitfelsen im Caoon des Flusses Teplá wächst der seltene rostroter, bzw. brauner Wimperfarn (Voodsia ilvensis).
Es gibt darüber hinaus Überreste von Marbel-Buchenwäldern (z.B. im Natureservat Holina bei Bad Königswart]. wo z.B. Weiße Zahnwurz, bzw. Zwiebel-Zahnwurz (Dentaria enneaphyllos) Quirl-Weißwurz (Polygonatum verticillatum), Echter Waldmeister (GaIium odoratum), Pur pur-Hasenlattich (Prenanthes purpurea), Berg Ehrenpreis (Veronica montana), oder Waldgerste (Hordelymus europaeus) anzutreffen sind, anderseits um nasse Fichtenwälder (z.B. im Nationalen Natursreservat Kladská/ Glatzenorfmoore).

11.2 Die geschützte Landschaft
Die wertvollsten und bedeutendsten Teile der natürlichen Landschaft wurden als ”Geschützte Sondergebiete = ein Unwort” deklariert. Es handelt sich um Landschaftsteile, welche von der menschlichen Tätigkeit zwar betroffen wurden, in denen jedoch die meisten Merkmale einer unberührten Landschaft erhalten blieben. (Wie überall, gibt es auch hier einige Ausnahmen, so z.B. regelmäßig bewirtschaftete Naturelemente, wie z.B. alljährlich gemähte Wiesen). Neben der Notwendigkeit, diese Gebiete für wissenschaftliche Forschung zu erhalten, ist es wichtig, ein möglichst vollständiges System zu schaffen, in dem die natürliche Vielfalt erhalten bleibt, bzw. ein ganzes Netz von geschützten Gebieten, die man als Gene-Fonds zur Wiederherstellung des gestörten ökologischen Gleichgewichts künftig nutzen kann.

11.3 Denkwürdige  Bäume
Ebenfalls einige der biologisch, landschaftlich oder historisch bedeutenden Bäume verdienen unsere
Aufmerksamkeit. Sie stehen unter Sonderschutz und im Naturgelände erkennt man sie nach weißen Schildern mit kleinem Staatswappen der Tschechischen Republik und der Aufschrift:PAMATNY STROM (Denkwürdiger Baum). Zum 30. September 1994 gab es im Naturschutzgebiet Slavkovsky les (Kaiserwald) insgesamt 474 solche Bäume, darunter meistens Eichen. Die Gesamtzahl 397 Eichen verdanken wir der “Alej svobody” (“Freiheitsallee”), welche von 395 Eichen, und weiter 23 Linden umsäumt ist.
Seit 1993 werden Maßnahmen zugunsten dieser alten Zeugen der Vergangenheit ergriffen. Eine Verjüngungskur haben schon u.a. die geschützte Ulme in Vlkovice (Willkowitz ein außerordentliches Exemplar mit Stammumfang von 4,96 m, das bis heute erfolgreich der Graphiose standhält), die Linde in Vyskovice (Wischkowitz Sommmer-Linde mit Stammumfang von 5,46 m die sich an der baufälligen Kapelle einer niedergegangenen Gemeinde befindet), die Linde an der Kirche in Krasna Lipa (Schönlind-Sommerlinde mit Stammumfang von 6 m) oder die Stieleiche mit Stammumfang 4,55 m am ehemaligen Schlößchen Spiegel) erhalten. Für die nächste Zukunft hat man vor, auch Linden in Tabakovy mlyn (Tabakmühle - zwei Sommer-Linden am Lasurenberg mit Stammumfang von 4,54 m und 4,16 m), den Rajov (Royau)- Ahorn (Weißer Ahorn, erwähnt schon in alten Kroniken), und geschützte Bäume in Kostelni Briza (Kirchenbezirk), z.B. Linde “U Vondru”, und Weiß-Ahorne einzubeziehen. Bedeutende Bäume oder Baumalleen bieten sich als interessante Ausflugsziele an. Lazne Kynzvart (Bad Königswart) ist stolz auf die mächtige Linde hinter der Kirche (Stammumfang 7 m), und ein Unikum ist zweifellos der Felsen an der Loket (Elbogen) Brücke, auf dem zwei gemeine Efeue bis fast 12 m empor klettern.
Ende September erstrahlt in unmittelbarer Nähe von Marienbad die Freiheitsallee mit allen Farben (fast 400 Eichen) und der Spaziergang kann am “Fichtenkönig” abgeschlossen werden. Zwischen den Dörfern Vodna (Wasserhäuseln) und Hlinky (Leimgruben) ziehen sich interessante Lindenalleeen in Kreuz- und M- Form. Obwohl alle beide erst am Anfang des 20. Jahrhunderts ausgepflanzt wurden, knüpft sich an sie die Legende über die Prinzessin Maria aus der nahe gelegenen Burg Petschau.
Alte bedeutende Bäume werden auch weiterhin aufgelistet.
In kurzer Zeit werden z.B. die alte Linde im Park des Schlosses Königswart, die Linde in Arnoltov (Arnitzgrün) und die Ulme in Cihelny (Ziegelhütten) unweit von Karlsbad, sowie auch die Buche in Sedlecek (Satteles) als “denkwürdige Bäume” deklariert werden.


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   Stand: FEBRUAR 2012

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