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Darstellende Kunst
näher bringen
Künstlerstühle gehen
auf Reisen
Durch den Aufbau eines Netzwerkes mit Künstlern in
ganz Europa werden Stühle künstlerisch gestaltet und anschließend in
Kassel zum Platznehmen und Verweilen einladen. Das „Kasseler
Figurentheater“ realisiert dieses Vorhaben in Kooperation mit anderen
Partnern, insbesondere Figurentheatern. Auch Kinder und Jugendliche
könnten Stühle gestalten. Thematische Bezüge zu Märchen und Mythen der
Region könnten hergestellt werden.
Mit den geschaffenen Stühlen kann der Foyerbereich eines neuen
Theaterhauses attraktiv gestaltet werden. Eine Präsentation der
stuhlgestaltenden Theater könnte damit (etwa bei einem internationalen
Festival) einhergehen. Schon im Vorfeld des Kulturhauptstadt-Jahres können
erste Stühle auch im Theaterraum des jetzigen „Kasseler Figurentheaters“
präsentiert werden oder andere bereits vorhandene „Plätze und Räume“
besetzen. Darüber hinaus sind vielfältige Aktionen mit Kasseler Künstlern
denkbar. Zum Abschluss gehen die Stühle wiederum auf Reisen und finden
einen neuen Platz.
Initiator: Jörg Dreismann, Kasseler Figurentheater e. V.
Die Wiederbelebung des traditionsreichen Kasseler
Tanzfestivals Tanz ist eine universelle Sprache und so alt wie das
Verlangen des Menschen, sich mitzuteilen und seine Gefühle zu vermitteln.
Das erste unmittelbare Ausdrucksmittel war der Körper, lange bevor sich
die Sprache entwickelte. Bis zum Jahre 2001 hat es neun Jahre lang in
Kassel ein Internationales Tanzfestival gegeben. Damals aus finanziellen
Gründen eingestellt, soll es nun nicht nur wieder belebt werden, sondern
zugleich eine ganz neue Dimension bekommen: Bis zum Jahre 2010 soll alle
zwei Jahre ein Internationales Tanzfestival stattfinden, das sich vor
allem Osteuropa widmet. Im Kulturhauptstadt-Jahr wird es ein
Cross-over-Festival und einen Choreografen-Wettbewerb geben.
Projekt/Umsetzung
Dynamik und Entwicklung sind in der Sprache des Tanzes selbstverständliche
Vokabeln. Die zukünftige Neuausrichtung des Tanzfestivals wird mit diesen
Kategorien konzeptionell arbeiten und entsprechende Schwerpunkte bilden.
So ist vorgesehen, die im Jahre 2004 neu zur EU beitretenden Länder in
drei Festivals zu „Wort“ kommen zu lassen. Sie repräsentieren das
Zusammenwachsen Europas und die Öffnung des Westens hin zum kulturellen
und wirtschaftlichen Raum des Ostens.
Der Trägerverein des Internationalen Tanzfestivals MOVIMENTO e. V. kann
auf lange bestehende Kontakte zu entsprechenden Einrichtungen
zurückgreifen.
Alle Beitrittsländer sind – mit Ausnahme Zyperns und Maltas – ehemalige
sozialistische Planwirtschaften. Seit Jahren haben diese Länder ein
demokratisches und rechtsstaatliches System aufgebaut und begonnen,
marktwirtschaftliche Strukturen einzuführen. Da mit dem Fallen der
politischen Grenzen ungeahnte neue, offene und flexible Lebensbereiche
erschlossen werden, spielen im Prozess des Zusammenwachsens Europas die
Fragen nach nationaler und persönlicher Identität eine bedeutende Rolle.
Wie reagierte bzw. reagiert die Kunst auf die neuen Freiheiten und
Freizügigkeiten? Wie ist das Spannungsfeld zwischen sozialistisch
geförderter und politisch beeinflusster Kunst und Kunst unter
marktwirtschaftlichen Produktions- und Reproduktionsbedingungen gestaltet?
Welche Spuren haben die Transformationsprozesse zu Demokratie und
Marktwirtschaft hinterlassen? Sind sie sichtbar? Finden die Künste
Antworten auf neue Fragen? Vieles ist noch offen, und die Tanz-Bühne ist
eine gute Möglichkeit zur Annäherung – auch ohne Worte.
Zwar wird sich die künstlerische Ausrichtung der Festivals an den aktuell
inszenierten Produktionen der jeweiligen Choreografen und Tanzkompanien
orientieren, doch ist es auch denkbar, dass aktuelle gesellschaftliche
Themen Eingang finden in die künstlerische Auswahl der Festivalbeiträge,
um so unterschiedliche Sicht- und Darstellungsweisen zu verdeutlichen.
Konzeption/Umsetzung
In zweijährigem Rhythmus sind bis 2010 sind drei Festivals geplant: 2006,
2008 und 2010. Zusätzlich findet zum Abschluss im Herbst 2010 ein
Wettbewerb für junge Choreografen statt. Der Hauptpreis ist ein Angebot
für eine „Work-in-residence“-Produktion im Staatstheater Kassel im darauf
folgenden Jahr.
Die drei Festivals
2006: Tanzstraßen des alten Europas
Dieses Festival wird seinen künstlerischen Schwerpunkt neben deutschen
Beiträgen vor allem auf die Städte und Länder setzen, die bisher
Kulturhauptstädte waren bzw. stellten. Es werden "Tanzstraßen“ begründet,
die Tanzkompanien, Tanzzentren und Organisationen zusammenführen, um deren
aktuelle Produktionen in Kassel zu präsentieren. Alle Produktionen werden
per Video aufgezeichnet, so dass eine Dokumentation entsteht, die die
Flüchtigkeit des Mediums Tanz über die Zeit zu retten versucht.
Workshops und Lectures für tanzinteressierte Bürgerinnen und Bürger als
Ergänzung zu jeweiligen Schwerpunkten werden angeboten. Darüber hinaus ist
vorgesehen, ein Symposium mit dem Titel „Der Tanz der Worte – Die Sprache
des Tanzes“ zum zeitgenössischen Tanz im „alten Europa“ zu organisieren,
das den zeitgenössischen Tanz in seinen spezifischen historischen
Kontexten beleuchtet und Themen aufgreift, die die Tanz-Tendenzen und
Entwicklungen verdeutlichen und den
Dialog der Tanzinteressierten fördern.
2008: Tanzstraßen des neuen Europas
Dieses Festival wird seinen Fokus auf die zehn 2004 neu in die EU
aufgenommenen Länder richten. Tanzkompanien, Tanzzentren und
Organisationen der neuen Beitrittsländer sollen dazu eingeladen werden.
Dazu können bereits bestehende Kontakte genutzt oder auch neue
Verbindungen geknüpft werden, beispielsweise zur Region Wielkopolski
(Partnerschaft mit Hessen), oder auch zu neuen Partnerstädten Kassels.
2010: European Networks – Cross over
Dieses Festival wird ein Netz über ganz Europa spannen. Tanzkompanien,
Tanzzentren und Organisationen werden nach Kassel eingeladen, um ihre
aktuellen Produktionen zu zeigen. Die Vielfalt steht im Vordergrund, das „Cross-over“
der Kulturen ebenso wie die Vielfalt der ästhetischen, künstlerischen
Ausrichtungen und Stile des zeitgenössischen Tanzes in Europa. Ein Fest
der Sinne, das den Tanz in den Vordergrund stellt und ihn aus sich selbst
heraus begründet. Wieder wird es
Videoaufzeichnungen geben, diesmal aber stehen alle Dokumentationen, also
auch die von 2006/2008, dem Publikum zur Verfügung. So wird ein Netz
geknüpft, das den Tanz rückwirkend wieder in Erinnerung ruft und mit den
aktuellen Produktionen verbindet. Zudem ist es Rückblick auf einen Teil
des Weges, den Kassel bis zur Kulturhauptstadt 2010 zurückgelegt hat.
2010 Wettbewerb
Den Abschluss der Sequenzen des zeitgenössischen Tanzes zum Hauptstadtjahr
bildet ein eigenständiger Wettbewerb für junge Choreografen.
Initiatoren: Achim Rache, Manfred Zalfen
Künstler rücken
vergessene Orte ins Blickfeld
Das AktionsTheaterKassel will mit seinem Projekt auf
vergessene Orte und Räume in der Stadt aufmerksam machen, sie durch
künstlerische Intervention wieder ins Blickfeld rücken. Die Konzeption
geht von einer Prozess-Offenheit zu Beginn aus und läuft auf eine
zunehmende Verdichtung in der Schlussphase hinaus. So wird eine
sukzessive, sich jedes Jahr weiter entwickelnde Konzeption Lebendigkeit
ausstrahlen, weil sie Freiraum für neue Einflüsse bietet.
Idee/Umsetzung
Grundlage der Konzeption ist das künstlerische Herangehen an vergessene
Räume in der (Innen-)Stadt. Leer stehende Läden, Unterführungen, Innen-
und Hinterhöfe, Parkdecks und ähnliche Orte erfahren Umnutzungen. Zur
Annäherung werden ganz unterschiedliche Mittel gewählt: Theater, Aktionen,
Performances, Musik, Projektionen, Installationen. Dieses Projekt
entwickelt sich im Kontext der schon bestehenden europäischen Kontakte und
Kooperationen des AktionsTheaterKassel zu ähnlichen Aktionen wie etwa in
Athen, Griechenland und Cardiff, Wales.
Nach der Recherche und Konzeptionsentwicklung im Jahre 2003 ist geplant,
über den Zeitraum von 2004 bis 2010 ein bis drei Projekte jährlich zu
realisieren.
Initiator: Helga und Werner Zülch, AktionsTheaterKassel
AktionsTheaterKassel
Das Theater, das inzwischen an zahlreichen nationalen und internationalen
Festivals teilgenommen hat, wurde 1982 gegründet. Seit 1983 wird es von
Helga Zülch geleitet. Es entwickelt anspruchsvolle Produktionen im Bereich
zwischen Theater und bildender Kunst. Ohne einen festen Spielort greift es
auf Räume in der Stadt zurück, die den Stückkonzeptionen entsprechen: leer
stehende Läden, alte Säle, Ausstellungsräume. 1991 hat das Theater, das
mit der Kunsthochschule zusammenarbeitet, den Kulturförderpreis der Stadt
Kassel erhalten.
Paraden, Shows und
Workshops im Jahr 2010
Einmal im Jahr findet das Europäische Jongliertreffen
in einer europäischen Stadt statt. Das Treffen wird von einer Gruppe von
Jongleuren aus der ausrichtenden Stadt organisiert, die eng mit der
„European Juggling Association“ (EJA) zusammenarbeiten.
Auf solchen Festivals bieten 2500 bis 3000 Jongleure und Gaukler aus ganz
Europa und der Welt eine Woche lang ein farbenprächtiges Bild. Auf dem
Programm stehen Workshops, Paraden durch die Stadt, Jonglierspiele und
Shows. Kassel soll 2010 Ausrichterstadt des Europäischen Jongliertreffens
werden. Das Kasseler Kleinkunsttheater ergreift in Kooperation mit den
„Kleinkünstlern Unterschiedlicher Größe e. V.“ und weiteren Jongleuren der
Stadt die Initiative hierfür.
Initiator: Georg Morgenthal, Kleinkunsttheater Hironimus
Kleinkunsttheater Hironimus
Der in Kassel lebende Artist Georg Morgenthal (Jahrgang 1967) spielt die
Figur „Hironimus“ seit 1988. Rund 1500 Soloauftritte in den Bereichen
Comedy, Jonglage und Zauberei im In- und Ausland zählen zu seinen
Referenzen. Bei unzähligen internationalen Jongliertreffen bildet er sich
weiter.
Ein-Mensch-Theater für
Ein-Mensch-Publikum
Theatermacher, Performer, bildende Künstler und
Musiker aus verschiedenen europäischen Ländern werden nach Kassel
eingeladen, um ein „Europäisches Meniscus-Ensemble“ zu gründen. Dieses
temporäre Ensemble wird nach den Prinzipien des Kasseler „Knietheaters“
Szenen entwickeln und gemeinsam aufführen.
Beim „Knietheater“ sitzen sich Spieler und Zuschauer gegenüber. Auf ihren
Knien ruht ein Bühnenbildkasten, in dem sich Figuren, Objekte und Fotos zu
einem Text oder Musik bewegen. Gespielt wird eine zwei- bis dreiminütige
Szene – jeweils für einen Zuschauer, aber so oft hintereinander, wie es
Zuschauer gibt – mitunter also stundenlang. Zuschauer und Spieler können
den Text über Kopfhörer verfolgen. Das Ganze wird so zu einem skurrilen,
exklusiven und sehr persönlichen Theatererlebnis.
Günter Staniewski vom Theater LAKU PAKA entwickelte diese bisher einmalige
Theaterform. In den letzten Jahren sind mehrere Mini-Dramen entstanden,
z.B.: „Filet ohne Knochen“, „Heiss & Innich“, „Was Sie schon immer über
Holland wissen wollten, aber bisher nie zu fragen wagten“, „Duett im
Bett“. Die Anregung kam durch Karl Valentin. Der forderte in seinem
Monolog „Zwangsvorstellung“: „Volle Theater – wenn’s sein muss, zwei
Millionen Theater mit je einem Zuschauerplatz.“
Das Kasseler Knietheater kann immer eine hundertprozentige Platzausnutzung
vorweisen.
Initiator: Günter Staniewski, Theater Laku Paka
Theater LAKU PAKA
Das Theater LAKU PAKA hat sich seit 1983 auf das Spiel mit Figuren
spezialisiert. Jedes Jahr steht ein neues Thema oder eine neue Figurenart
im Mittelpunkt der Inszenierungen. Immer wird auch
spartenübergreifend gearbeitet. So werden die Projekte oft in
Zusammenarbeit mit anderen Künstlern realisiert.
Günter Staniewski bekam den 1. Preis als „Bester Puppenspieler“ beim
Internationalen Festival „One-Man-Show“ in Chisinau Moldawien. Das Theater
LAKU PAKA spielte schon auf vielen internationalen Theaterfestivals.
Grenzüberschreitendes
Casting-Netzwerk der visuellen Bühnenkunst
Visuelle Bühnenkunst ist Kommunikation ohne Worte.
Wie bildende Künstler oder Musiker, so genießen auch Körperkünstler –
Artisten, Tänzer, Komiker und Mimen – das Privileg, ein internationales
Publikum jenseits der Grenzen erreichen zu können. Sie tun dieses bereits
mit ambitionierten und gleichzeitig populären Programmen im Zirkus, auf
der Straße oder im Varieté. Aber sie tun es immer noch vor allem im
eigenen Land.
„EuroVisuel 2010“ ist ein grenzüberschreitendes Projekt und wird in den
kommenden Jahren kontinuierlich versuchen, ein Casting-Netzwerk
aufzubauen, das Auftrittsmöglichkeiten für junge Künstler der visuellen
darstellenden Künste schafft. Viel stärker als bisher soll es den
Künstlern ermöglicht werden, im Zirkus, auf der Straße oder im Varieté
europaweit zu agieren. Körperkünstler des französischen „Cirque Nouvelle“
begegnen so italienischen Comedy-Musikern, belgischen Mimen,
spanischen Clowns.
Die Brücke zwischen Ost und West
Im Bereich des Varietés und des Zirkus haben Künstler aus Osteuropa
bereits heute eine herausragende Bedeutung. Artisten aus traditionellen
westeuropäischen Zirkusfamilien bekommen auf diese Weise die Chance, sich
mit jungen Körperkünstlern auszutauschen, die ihr Handwerk in den
renommierten Zirkusschulen von Moskau oder Kiew perfektioniert haben. „EuroVisuel“
nutzt dabei Strukturen und Erfahrungen vorhandener Projekte in den
mitwirkenden Ländern.
Zirkusfestivals, Artistenschulen, überregionale Kulturbörsen und
internationale TV-Produktionen sind Foren, in denen Austausch bereits
heute stattfindet. Hier liegen die Ansatzpunkte für eine verstärkte und
verbindliche Zusammenarbeit visueller Bühnenkünstler. Ein Interesse an
einer solchen Initiative von Seiten der Artisten wie von Seiten der
Veranstalter ist massiv vorhanden.
Das Casting-Netzwerk
Die Erfahrungen mit den Präsentationsformen visueller Bühnenkünste sind in
den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich: Während es in Deutschland
eine einzigartige Renaissance des Varietés gibt, verfügt Frankreich über
eine viel stärkere Tradition der Artistenausbildung. In England spielen
Straßenfestivals für visuelle Künstler eine deutlich größere Rolle als in
anderen europäischen Ländern. Die Öffnung der Grenzen zum Osten schafft
für Künstler und Veranstalter ungeahnte
Chancen, aber auch bisher nicht gekannte Probleme. Ein in die Zukunft
gerichteter Austausch erweitert die Möglichkeiten aller Beteiligten
(Künstler, Veranstalter, Medien), sich einem breiteren Publikum zu
präsentieren. In einem zusammenwachsenden Europa geschieht dieses in einem
Bereich, der dazu prädestiniert ist, Sprachbarrieren in den Hintergrund
treten zu lassen. Bühnenkunst ist Kommunikation. Das Netzwerk „EuroVisuel
2010“ sorgt für mehr Kommunikation in einem zusammenwachsenden Europa.
Die Initiative
Die Initiative für „EuroVisuel 2010“ geht vom „Festival Mondial du Cirque
de Demain“ in Paris und von den Traumtänzer-Produktionen des Hessischen
Rundfunks in Kassel aus. Das Festival „Zirkus von Morgen“ ist seit mehr
als 25 Jahren das weltweit bedeutendste Festival junger Artisten. Der
Hessische Rundfunk produziert seit zwölf Jahren die Sendereihe „Best of
Varieté“ und hat seit 1992 mehr als 400 Künstler aus 33 Ländern auf die
Bühne gebracht. Der hr ist Produzent der TVReihe,
gleichzeitig aber auch Veranstalter der Castings des Festivals. Der Sender
vergibt 2005 zum 4. Mal den „Internationalen Varietépreis“. In
Zusammenarbeit mit dem deutsch-französischen Kulturkanal ARTE wird die
zweisprachige Gala „Grand Cabaret“ produziert. Diese bilaterale
Zusammenarbeit gilt es zu erweitern: Kontakte mit Veranstaltern in anderen
EU-Ländern, in zukünftigen Beitrittsländern und in assoziierten Ländern
der EU sind vorhanden: „Jamais Vu Festival“ (Belgien),
Artisten-Produktionen „Finzioni“ und „Contemporary Circus Arts“ (Italien),
„Festival der Träume“ (Österreich),
„Clownsfestival“ (Spanien), „Ocelot“-Produktionen (Polen), „Golden Albena,
Black-Sea-Festival“ (Bulgarien), „Zirkus- und Artistenschule Kiew“
(Ukraine).
Die Präsentationen
Bereits 2005 könnten die Varieté-Produktionen in Kassel um das erste
Casting-Festival der visuellen Bühnenkunst „Euro Visuel“ erweitert werden.
Ab 2006 folgen Präsentationen der gemeinsamen Castings in weiteren
Ländern. Vorauswahl-Veranstaltungen in beteiligten Ländern sind möglich.
Langfristiges Ziel der mehrjährigen Zusammenarbeit von „Euro Visuel“ ist
es, ein verbindliches Casting-Netzwerk zu etablieren und die Suche nach
neuen Talenten in eine große Präsentation der visuellen Bühnenkünste im
Jahr der Kulturhauptstadt 2010 in Kassel münden zu lassen.
Eurovisuel 2010 wird:
• innovative Nummern der visuellen Bühnenkunst präsentieren
• den artistischen Nachwuchs fördern
• die internationale Zusammenarbeit der beteiligten Festivals verbessern
• Forum sein für international hochklassige Artisten, Agenturen,
Veranstalter und Medien
• die visuellen Bühnenkünste einem breiteren Publikum in den Ländern der
mitorganisierenden Festivals nahe bringen
• die unterschiedlichen Genres visueller Bühnenkünste darstellen: Comedy,
Artistik, Musik, Luftakrobatik, Tanz
• neue Top-Acts ambitionierter, unterhaltender Bühnenkunst entdecken,
präsentieren und einem breiten Publikum zugänglich machen
Initiator: Bernd Meyerholz, Hessischer Rundfunk, Studio Kassel
Das Forum thearte ist eine Reihe mit zehn
Veranstaltungen zu acht Schwerpunkten. Gäste aus Kunst und Wissenschaft
diskutieren über verschiedenste Themen. Diskussionen und Vorträge werden
durch Ausschnitte aus Produktionen von Theatergruppen oder Schauspielern
bereichert und veranschaulicht. Es gibt viele Möglichkeiten zum
Mitspielen.
Die Schwerpunkte
1. Offene Bühne (Soziodrama, Playbacktheater, Forum- und Improtheater)
In Zusammenarbeit mit Schülern, Studenten der Universität Kassel,
Schauspielern und Theaterpädagogen wird jeweils eine der Theaterformen
vorgestellt. Das Besondere aller vier Formen ist, dass das Publikum
mitspielt und eingreift.
2. Theater, Themen, Temperamente – Theaterkultur im 20./21. Jahrhundert
Hier geht es zu wie im Theaterbasar: Schauspielerinnen oder Autorinnen
lesen aus neuen Stücken oder anderen Theatertexten. Zusätzlich laden
Büchertische zum Kauf, aber vor allem zum Tauschen ein, an Café-Tischen
treffen sich Spielleiter und andere Theaterinteressierte zum Austauschen
von neuen Ideen, Übungen oder zu Kritikrunden.
3. Stadtteilkultur
Künstler aus dem Stadtteil stellen ihre Arbeit vor. Die Darbietungsformen
werden den Künstlern überlassen, so dass von Ausstellungen über Lesungen
bis zu Gesangsdarbietungen ein breites kulturelles Spektrum entsteht.
Kooperationspartner ist der Arbeitskreis Kunst & Kultur im Vorderen
Westen.
4. Literatouren
Dies ist der Versuch, den Blick über den Tellerrand zu wagen, denn Theater
braucht neue Texte und zeitgenössische Poesie. Deshalb sind Lesungen in
Zusammenarbeit mit der Stiftung Brückner-Kühner geplant. Die Bühne wird
freigegeben für die Kunst des Komischen und die internationale Neue
Poesie.
5. Theater im Gespräch
Zur Theater-Talk-Show mit kultur- und bildungspolitisch aktuellen Themen
werden Gesprächspartner aus dem Kasseler Staatstheater, der freien
Theaterszene, dem Schultheater, der Theaterpädagogenszene und der
hessischen Kulturpolitik eingeladen.
6. Monologe – Dialoge
Theaterstückchen werden in Villa-Westside-Atmosphäre dargeboten,
Schauspieler aus der semi- und professionellen Theaterszene haben die
Möglichkeit, eigene kleine Arbeiten vorzustellen und zu diskutieren.
7. Theaterwerkstatt
Szenisches aus dem Produktionsprozess – in Zusammenarbeit mit
Theatergruppen der freien Szene des Schultheaters und dem Staatstheater
bieten wir eine Plattform für das Vorstellen, den Austausch und die
Diskussion neuer Stücke in ihrer Entstehung.
8. thearte trifft Kinder- und Jugendtheater
Theaterpädagogik von verschiedenen Seiten: öffentlicher Gedankenaustausch
zum Stellenwert der Theaterpädagogik in unserer Kultur. Spitzenvertreter
der Verbände im Gespräch.
Initiatoren: Brigitte Sturm-Schott, thearte e. V.
Kasseler
Figurentheater laden Gäste aus dem Ausland ein
Eine Gruppe Kasseler Figurentheater will in einer
Kooperation Märchen und Sagen aus aller Welt zu einem Kommunikationsmittel
entwickeln. Mehrsprachige Eigenproduktionen, gemeinsame Inszenierungen mit
internationalen Gästen, Sonderprojekte und – ab 2010 – alle fünf Jahre ein
Figurentheater-Festival sind vorgesehen.
Überlieferte Geschichten, Fabeln, Sagen und Märchen prägen die kulturelle
Identität eines Volkes und jedes Einzelnen. Sie geben bildreiche Antworten
auf existenzielle Lebensfragen und beeinflussen das Denken und Fühlen, das
Zusammenleben der Menschen und ihre Sicht auf die Welt. Durch die
Geschichten anderer Völker können wir mehr erfahren über die wesentlichen
Merkmale ihrer Kultur. Unterschiede und Gemeinsamkeiten werden deutlicher,
und das Verständnis füreinander kann wachsen.
In Kassel gab und gibt es immer wieder Wellen der Migration. Immer wieder
kamen Menschen, die Märchen und Geschichten aus ihrer Heimat mitbrachten:
aus Frankreich die Hugenotten, aus Italien und der Türkei Gastarbeiter,
aus Afrika und Asien Bürgerkriegsflüchtlinge und Asylsuchende, aus
Russland die Aussiedler. So kann gerade von dieser Stadt ein Impuls dafür
ausgehen, durch das Erleben von Geschichten mehr übereinander zu erfahren
und daran zu wachsen.
Kassel ist zugleich ein Zentrum des Puppen- und Figurentheaters. Das erste
europäische Puppentheater-Festival nach dem Zweiten Weltkrieg fand in
Kassel statt. Das Medium Figurentheater wurde von wichtigen
Persönlichkeiten der bildenden Kunst aufgegriffen und zu internationalem
Ruhm gebracht, z.B. von Harro Siegel, Harry Kramer und Ernst Röttger. Der
momentan älteste Puppenspieler Europas, der 93-jährige Fritz Leese, lebt
ganz in der Nähe. In seinem langen aktiven Künstlerleben hat er einen
wichtigen Beitrag zum Zusammenführen von Puppenspielern der ganzen Welt
geleistet.
Seit fast 20 Jahren sind die Figurentheater-Gruppen in Kassel ständig
präsent und haben kontinuierlich zusammengearbeitet. Sie organisierten
Puppenspielwochen, Ausstellungen, Seminare und das internationale
Figurentheaterfestival „Das Atmen der Dinge“ während der documenta X, sie
entwickelten Gemeinschaftsinszenierungen und etablierten 1991 einen
gemeinsamen Spielort mit Gastspielbetrieb: das „Kasseler Figurentheater“.
Die Figurentheater-Spieler sind aber nicht nur in Kassel aktiv, sondern
reisen mit ihren mobilen Bühnen zu Engagements in ganz Deutschland und im
benachbarten Europa. Begegnungen mit Menschen aus unterschiedlichen
Kulturkreisen gehören zum Alltag. Dadurch sind sie besonders
prädestiniert, die Rolle europäischer Botschafter zu übernehmen und
Menschen durch das Spielen ihrer Geschichten zusammenzuführen.
Geplante Projekte
Festival
Im Abstand von fünf Jahren soll ein europäisches Figurentheater-Festival
für Kinder und Erwachsene organisiert werden, erstmalig 2010, begleitet
von einem Symposium in Zusammenarbeit mit dem VDP (Verband Deutsche
Puppentheater) und der UNIMA (union international de la marionette).
Sonderprojekte
• Ausstellung mit Gastspielreihe „Kasper trifft Petruschka – die lustige
Figur im Spiegel der Kulturen“ (der Kasper in Deutschland als
Jahrmarktsfigur, aber auch als subversiver Charakter, Hans Wurst aus
Österreich, Pulcinella aus dem Italien derCommedia dell’Arte, Punch, der
Haudegen aus England, Karagöz, der gewitzte Held aus der Türkei,
Karagiosis, die griechische Figur, abgekupfert aus dem Nachbar- und
Besatzungsland, Petruschka aus Russland)
• Ausstellung Figurentheater und bildende Kunst, verschiedene bildnerische
Ausdrucksweisen und Spielarten unterschiedlicher Kulturen am Beispiel von
Figuren und szenischen Skizzen
• Austausch mit Puppenspielern aus Osteuropa, insbesondere aus Kassels
Partnerstadt Jaroslawl, Einrichtung eines einjährigen Stipendiums
Einzelinszenierungen – in zwei Sprachen
Kasseler Figurentheater inszenieren Märchen und Sagen aus aller Welt für
Kinder und Erwachsene. Dabei sind Inszenierungen in zwei Sprachen geplant
– etwa deutsch-türkisch, deutsch-russisch, deutsch-englisch. Geschichten –
z.B. über europäische Künstlerbiografien bzw. Helden – sollen mit den
Mitteln des Figurentheaters visualisiert werden und zu einem Abendprogramm
wachsen.
Gemeinschaftsinszenierungen – international
International besetzte Inszenierungsteams im Bereich Regie, Figuren- und
Bühnenbau, Musik bereichern ebenso die Kasseler Szene wie Gastspielreihen.
So spielen z.B. (ost-)europäische Gruppen typische Geschichten aus ihren
Ländern. Oder Grimms Märchen werden vor dem Hintergrund anderer Kulturen
gezeigt. Auch überlieferte Abenteuergeschichten und Reisegeschichten aus
aller Welt könnten zum Spielplan gehören.
Die räumlichen Potenziale und ihre Verbesserung
Eine Erweiterung und Konsolidierung der kooperativen Aktivitäten der
Kasseler Figurenspieler geht Hand in Hand mit einer Professionalisierung
der räumlichen und finanziellen Situation. Das Projekt setzt einen
jährlichen Etat und Mittel für das im fünfjährigen Rhythmus stattfindende
internationale Festival voraus. Benötigt wird auch ein fester Theaterraum,
der für alle Zielgruppen geeignet ist. Für größere Inszenierungen und zur
Durchführung des internationalen Festivals wird ein weiterer nahe
gelegener Theaterraum mit 120 bis 300 Plätzen benötigt, der täglich
bespielbar ist.
Für das Projekt kooperieren folgende Figurentheater-Bühnen:
• „Figurentheater Kleine Welten“ mit Anette Hänning
• „Puppentheater Knorzkopp“ mit Marianne Schoppan und Anne Weindorf
• „Figuren- und Schattentheater Albert Völkl“ mit Albert Völkl
• „theater en miniature“ mit Ellen Heese und Andrej N. Joukov
• „Tictactheater“ mit Jörg Dreismann
Initiatorinnen:
Kasseler Figurentheater e. V., Ellen Heese – theater en miniature,
Marianne Schoppan – Puppentheater Knorzkopp
Der Prozess der
europäischen Einigung - im Video-Musiktheater nachgezeichnet
Das Video-Musiktheater-Projekt „Grenzen“, das im
Jahre 2003 uraufgeführt wurde, wird für die Kulturhauptstadtbewerbung
weiterentwickelt um den europäischen Aspekt der Neuordnung bzw.
Relativierung der Binnengrenzen. Dabei wird der europäische Prozess, der
sich in den Jahren bis 2010 entfaltet, nachgezeichnet und in das
Musiktheater-Projekt eingearbeitet.
Das Thema „Grenzen“ wird in dem Projekt auf mehreren Ebenen behandelt. Die
Musik entwickelt sich aus einem Grenz- bzw. Grundton. Die
sprachlich-inhaltliche Ebene entsteht aus Original-Zitaten von Politikern
(Kennedy, Ulbricht, de Gaulle, Churchill u. a.), Lyrikern (Horvath,
Plivier, Heym u. a.) und Philosophen (Rousseau, Kant, Wittgenstein, Zenon,
Descartes, Euklid u. a.). Daneben werden auch zentrale Begriffe aus dem
Problemkreis „Grenze“ verarbeitet. Das geschieht sowohl in allgemeiner
Weise – Grenze als Abgrenzung im Sinne des Eigentums, Exil, Kunst etc. –
wie auch mit konkreten politisch-historischen Bezügen wie etwa
„deutsch-deutsche Grenze“, „französisch-deutsche Grenze“, „Eiserner
Vorhang“, „Europa“.
Neben dem Projekt „Grenzen“ veranstaltet der Kasseler Fördervereins
Minimal Music im Jahre 2005 und 2007 das Minimal Music Festival. Das
regulär im Jahre 2009 anstehende Festival wird auf 2010 verschoben und mit
weltbekannten Künstlern bestückt.
Wunsch ist ein Sonderkonzert mit einem weltbekannten Ensemble: etwa dem
Steve-Reich-Ensemble, den Philip-Glass-Ensemble, dem Ensemble Modern oder
dem Chronos Quartet.
Initiator: Dr. Ulli Götte, Förderverein Minimal Music e. V. // in process
Kasseler Staatstheater
spinnt europäische Theaternetze
Das Staatstheater Kassel sieht sich als Ort der
Begegnung und als Initiator für neue Partnerschaften, es wird künftig
verstärkt Kulturnetze in Europa knüpfen und stellt deshalb ab der
Spielzeit 2004 jedes Jahr ein Werk einer zeitgenössischen Autorin bzw.
eines Autors der EU-Beitrittsländer vor. Kassel soll der Ort für
deutschsprachige Aufführungen selten gespielter oder unbekannter Stücke
dieser Nationen werden. Daneben werden die kommenden Spielzeiten unter ein
Thema gestellt, das einen konkreten Bezug zur Kulturhauptstadtbewerbung
hat. Gemeinsam mit anderen Kasseler Theatern wird
das Staatstheater im Jahre 2005 das europäische Festival „Über alle Berge“
in Kassel ausrichten. Im Jahre 2010 werden sich alle Sparten einer
Befragung zum antiken Sagenhelden Herkules stellen.
Spielzeit 2004/2005
Europas Grenzen – Für alle reicht es nicht
Das Staatstheater Kassel präsentiert unter dem Motto „Europas Grenzen –
Für alle reicht es nicht“ einen Spielplan zum Thema „Arm und Reich“. Wo
verlaufen die sozialen Grenzen innerhalb unserer Gesellschaft? Werden wir
ein armes oder reiches Europa sein? Was ist Armut? Wann sprechen wir von
relativer Armut? Wer ist wirklich reich? Wird Reichtum nur an materiellen
Dingen festgemacht oder ist Reichtum auch ein immaterieller Wert? Was ist
neben dem ökonomischen unser kulturelles und soziales Kapital? Nicht nur
in den Inszenierungen dieser Spielzeit, sondern auch in zahlreichen
Sonderveranstaltungen – Vorträgen, Diskussionen oder Lesungen – wird sich
das Theater diesen Fragen stellen. Kooperationen mit den Museen in Kassel,
kirchlichen Einrichtungen sowie mit wissenschaftlichen Instituten sind
dazu geplant.
Spielzeit 2005/2006
Im September 2005 findet zum ersten Mal das europäische Theaterfestival
„Über alle Berge“ als gemeinsames Projekt mit der renommierten freien
Theaterszene in Kassel statt.
In dieser Saison erinnert das Staatstheater Kassel an die besondere
Theatertradition in Europa
Zum einen wird mit einem „Antigone“-Projekt an das kulturelle Leben und
Schaffen im ältesten feststehenden Theatergebäude auf dem europäischen
Kontinent, dem Kasseler Ottoneum, erinnert. Vor 400 Jahren spielten
Schüler dort „Antigone“ von Sophokles. Die Frage nach dem Umgang mit dem
Tod („So Schlimmes leid ich nie, dass ich nicht gut zu sterben wüsst.“
Antigone, Prolog) soll mit diesem Projekt besonders jungen Menschen nahe
gebracht werden. Eine Zusammenarbeit mit dem einzigartigen Museum für
Sepulkralkultur in Kassel ist geplant.
Zum anderen plant das Staatstheater Kassel eine Inszenierung des wohl
bedeutendsten Musiktheaterwerkes des 20. Jahrhunderts: „Die Soldaten“ des
Komponisten Bernd Alois Zimmermann nach dem gleichnamigen Schauspiel von
J.M.R. Lenz. Mit 16 Gesangs- und zehn Sprechrollen, einem
100-Mann-Orchester mit Schlagzeug, Röhrenglocken, Marimbafon, Vibrafon,
Klavier, Cembalo, Celesta und Orgel stellen „Die Soldaten“ höchste
Ansprüche an den Opernbetrieb eines Staatstheaters. Der besondere Reiz in
der szenischen Realisation liegt nicht nur in der offenen Dramaturgie mit
den teilweise simultanen Szenen, dem Einsatz von Medien, wie
Filmprojektoren, Tonbändern oder Lautsprechern, sondern sicherlich auch an
einem besonderen Spielort in Kassel, für den das Projekt konzipiert wird.
Projekt für das documenta-Jahr 2007
Anlässlich der documenta 12 entwerfen renommierte Künstler (in Absprache
mit der künstlerischen Leitung der documenta) Bühnenräume für das
Staatstheater Kassel. Ein internationales Symposium für Studenten zum
Thema „Kunst – Raum – Bühne“ soll während der documenta 12 stattfinden.
Im Mittelpunkt der Befragung steht der von bildenden Künstlern gestaltete
Bühnenraum. Welche neuen Bildsprachen wurden in den letzten Jahren auf dem
Theater entwickelt? Welche Tendenzen kann man in der modernen Szenografie
feststellen? Ein Nachwuchswettbewerb soll ins Leben gerufen und der beste
Nachwuchskünstler im Bereich Bühne oder Kostüm
ausgezeichnet werden.
2010 – das kulturhauptstadt-jahr 2010
Das Theater beschäftigt sich in den Sparten Musiktheater, Tanztheater und
Schauspiel einschließlich des Kinder- und
Jugendtheaters mit dem Sujet „Herkules – Ein Held der europäischen
Theatergeschichte“. Mit Blick auf das Wahrzeichen
der Stadt Kassel und den Unterstützer der Kulturhauptstadtbewerbung plant
das Staatstheater Kassel unterschiedlicheAuseinandersetzungen mit dem
Herkules-Stoff. Seit der griechischen Antike haben Künstler aller
Gattungen und aller
Zeiten das Herkules-Motiv immer wieder neu befragt und gestaltet. Lang ist
die Liste der Namen der Dramatiker, die sich
mit dem Stoff auseinander gesetzt haben. Sie reicht von Aischylos „Der
entfesselte Prometheus“, Euripides „Alkestis“, Seneca
„Hercules furens“, Calderon „Fieras afemina amor“, Heinrich von Kleist „Amphitryon“
bis hin zu Heiner Müller „Herakles 5“
oder Karst Woudstra „Der Tod des Herakles“. Aber auch zahlreiche Opern und
musikalische Werke sind zu diesem Stoff entstanden
(Porpora, Gluck, Telemann, Kobelius, Händel, de Falla etc.).
Konkrete Fragen werden zum Beispiel lauten: Welchen Stellenwert nimmt das
Herkules-Motiv in der europäischen Kulturund
Theatergeschichte ein? Welche Dramen und Opern haben es verdient, wieder
entdeckt zu werden? Welche zeitgenössischen
Autoren beschäftigen sich gerade mit dem Stoff?
Die Auftragskomposition der in Deutschland lebenden russischen Komponistin
Sofia Asgatowna Gubaidulina „Der bestirnte
Himmel“ wird vom Orchester des Staatstheaters in der Martinskirche
uraufgeführt.
joseph beuys: ein musiktheaterwerk zu seinem künstlerischen
und politischen schaffen
Die Uraufführung eines Musiktheaterwerkes beschäftigt sich mit dem
künstlerischen und politischen Schaffen Joseph
Beuys’, der in Kassel wie kein anderer das Bild der documenta geprägt hat:
Zeichnungen und Plastiken (documenta 3), „Beuys-
Blocks“ (documenta 4), das Büro der „Organisation für direkte Demokratie
durch Volksabstimmung“ (documenta 5), „Honigpumpe
am Arbeitsplatz“ (documenta 6), „7000 Eichen“ (documenta 7 bis 8) und
„Blitzschlag mit Lichtschein auf Hirsch“
(documenta 8).
Für diesen Kompositionsauftrag wurde Heiner Goebbels angefragt. Der 1952
geborene Komponist und Regisseur zählt
heute zu den wichtigsten Vertretern der internationalen Musik- und
Theaterszene. Seit 1999 ist Goebbels Professor an der
Justus-Liebig-Universität in Gießen als Direktor des „Instituts für
Angewandte Theaterwissenschaft“. 1997 nahm er an der
documenta X teil mit seiner musikalischen Theaterskizze „Landscape with
man being killed by a snake“.
Initiator:
Staatstheater Kassel
Ein europäisches
Theaterfestival
Kassels Theatermacher starten ab 2005 ein
Europäisches Theaterfestival, das beispielhafte Kasseler Inszenierungen
mit europäischen Projekten vereint. Ein Ziel ist es, Grenzen aufzuheben
und dadurch neue, intensive Netze zwischen Theaterleuten in Europa zu
knüpfen. In Kassel soll so eine europäisch beeinflusste Theaterkultur
entstehen. Weitere Festivals sind für 2007 und 2010 geplant.
Idee/Umsetzung
Neben den bereits bestehenden europäischen Theaterfestivals, die zumeist
die aktuellen internationalen Produktionen zeigen, bekommt das Kasseler
Theaterfestival ein eigenes Gesicht. Es wird jeweils im September
stattfinden und damit die jährliche Indoor-Theater-Saison einläuten.
Unter wechselnden künstlerischen oder inhaltlichen Schwerpunktsetzungen
stellt jedes Kasseler Theater jeweils ein oder mehrere europäische Theater
in Kassel vor, die in Zusammenhang mit seiner Arbeit stehen. Seien es
künstlerische oder inhaltliche Inspirationen; Gegenüberstellungen von
anderen Erzählarten, bzw. eigenen kulturellen Identitäten oder der Wunsch
zur Zusammenarbeit.
So werden auch die unterschiedlichen Formen sichtbar, mit denen sich die
Kasseler Theater beschäftigen: Schauspiel, Tanz, Performance,
Musiktheater, Figurentheater für Kinder und Erwachsene, Objekttheater,
Schattentheater, theaterpädagogische Projekte, Kindertheater.
Neben den europäischen Empfehlungen werden auch herausragende Kasseler
Inszenierungen stehen. Langfristig sollen dadurch neue künstlerische
Arbeitsbeziehungen entstehen. Denn aktuelle europäische Theaterströmungen
unterschiedlichster Gattungen werden sich in Kassel begegnen und
gegenseitig inspirieren.
Im Zentrum des Festivals werden die Spielorte der beteiligten Theater
stehen, darüber hinaus gilt es, neue interessante Spielorte zu entdecken.
Die Stück-Auswahl beruht nicht auf dem Geschmack eines einzelnen
Festivalintendanten, sondern orientiert sich an den künstlerischen
Empfehlungen der einzelnen Theater. Die neue Kooperation der Kasseler
Theater geht so einen Weg des Vertrauens und bevorzugt flache Hierarchien.
So wird auch die intensive Betreuung des europäischen Partners durch das
jeweilige Kasseler Theater die Qualität des Festivals entscheidend
beeinflussen. Erst durch die Kooperation der Theater wird das Festival
realisierbar. Denn so muss kein zusätzlicher Organisationsapparat
entstehen.
Initiatoren: Staatstheater Kassel, AktionsTheaterKassel, thearte, Studio
Freiraum, Labor Ost,
Kasseler Figurentheater, Theater en Miniature, Spielraum-Theater, Theater
Laku Paka, Kindertheaterbürooo, Dock 4, Internationales Tanzfestival
Kassel
Theaterpädagogik macht
Kunstproduktion transparent
Das Projekt „Übersetzen – Von Kassel nach …“ des
Vereins „thearte – Theaterkunst und Kommunikation e.V.“ soll
Theaterpädagogik zu einem wesentlichen Bestandteil in der Kulturlandschaft
Kassels werden lassen. Theaterpädagogik soll Kommunikation erleichtern und
überall dort einen Platz erhalten, wo es um die aktive Beteiligung von
Menschen aller Altersgruppen und Nationalitäten an kreativ-ästhetischen
Produktionsprozessen geht.
Idee/Umsetzung
Menschen, die selbst Theater spielen und am Entstehungsprozess eines
Theaterstücks beteiligt sind, werden vom Konsumenten zum Teilhabenden. Das
Theaterspiel vermittelt, den Raum zwischen den Zeilen, den Sätzen und
Wörtern für Einfälle, Gefühle und Bewegungen zu nutzen. Die Eindrücke aus
dem täglichen Leben werden übersetzt, es wird der Gang von anderen
Menschen genau so imitiert wie die Gesichter oder die Arten, miteinander
zu sprechen. Politische Nachrichten werden in Spott, in Kritik und „in
eine Sprache für die Stummen“ übersetzt.
Durch die Erfahrung des Handelns erleben sich Kinder wie Erwachsene als
Subjekt von Kunst und Kultur. Wahrnehmungs-, Aufnahme- und Kritikfähigkeit
werden geschärft und das Interesse am Besuch professioneller Theater
geweckt. Von dieser Entwicklung profitieren die etablierten Theater:
Verbindungen entstehen – es wird „übergesetzt“ vom Zuschauer zum
Laienschauspieler und dann zum professionellen Theater.
Produktionsprozesse von Kunst werden durch Handeln verständlich
und transparent.
Projekte
1. Märchen spinnen – Lebensfäden
In diesem Projekt sollen die Reichhaltigkeit, die Vielfalt, die Aktualität
und das Verbindende von Märchen für Menschen verschiedenen Alters,
verschiedener Kulturen und Schichten erfahrbar werden. Im Zuge des
„Übersetzens“ werden Märchen übertragen in Theaterspiele und
Theaterstücke. Märchen-Metaphern werden übersetzt in lebende Bilder.
Märchenfiguren werden zu aktuellen Figuren. Je nach Alter der Mitwirkenden
bekommen die Metaphern und Symbole verschiedene Bedeutungen, Tiefe und
Gehalt.
Es sollen auch neue Märchen geschrieben und gespielt werden, in denen die
Lebenssituationen der Familien deutscher und ausländischer Herkunft
beschrieben werden. Ein generationenübergreifendes Mit-Mach-Theater zu
„neuen Märchen“ wird entstehen, die Stücke werden sowohl in den
Stadtteilen als auch im Zentrum gezeigt.
2. Stühle verrücken
Generationen- und kulturübergreifendes Projekt zum Thema „Arbeit und
Wirtschaft“
Theater wird zum Medium für politische Meinungsäußerung und zur Gestaltung
unseres gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. Theater wird als
Möglichkeit für die Persönlichkeitsentwicklung genutzt, als Sprachrohr,
als Möglichkeit, neue Rollen zu entwickeln und sich darin auszuprobieren
und eventuell zu verändern. Leben und Arbeiten als Ausländer in
Deutschland oder als Deutscher im Ausland, aber auch die Arbeitslosigkeit
sollen thematisiert werden. Daneben wird es um die Rolle von Berufs- und
Lebensplanung oder der Bildung gehen. Einzelne Aufführungen münden in ein
Finale auf dem Königsplatz. Es wird ein Symposium mit Beiträgen der
Kooperationspartner – unter anderem Industrie- und Handelskammer sowie
Unternehmen – geben.
3. Bahnhof – ein kulturübergreifendes Projekt zum Thema Sprache
Der Bahnhof als Durchgangsstation auf der Reise von einer Stadt in die
nächste und von einem Land in ein anderes dient hier als Metapher für das
Leben. Menschen kommen an und reisen ab, sie sitzen im Bummelzug oder im
Sprinter. Oft sprechen sie nicht dieselbe Sprache. Situationen wie
Ankommen, Wartesaal, Umsteigen, Verspätung oder Auskunft werden
theatralisch gestaltet. Die theatrale Bearbeitung von
Kommunikationssituationen im Prozess des Lernens einer neuen Sprache, von
Alltags- und Ohnmachtserfahrungen führen zu einem reflektierten
kulturellen Verständnis des jeweils Anderen.
Das Projekt macht Sprache als Mittel zur Kommunikation, als Kulturträger
und Mittler von Kultur erlebbar. Durch die Öffnung des kognitiven
Sprachlernprozesses zu einem ganzheitlichen Ansatz wird ein emanzipierter
Umgang mit dem Thema Fremdsein erreicht.
Initiatorinnen: Dörte Jahn-Schiller, Christina Coers-Dittmar, Monika
Heyder, Brigitte Sturm-Schott
Beginn einer neuen
Festival-Tradition
Ein deutsch-türkisches Filmfestival soll in Kassel
Tradition werden. Dabei werden aktuelle Produktionen aus der Türkei und
aus Deutschland präsentiert, um den Austausch zwischen beiden Kulturen zu
fördern. Neben Film werden auch Musik und bildende Kunst einbezogen. Über
das Fernsehprogramm des Offenen Kanals oder die Hörfunksendungen des
Freien Radios Kassel kommt eine breite Diskussion in Kassel zu Stande. In
Nordhessen mit seinen rund 30.000 türkischstämmigen
Einwohnern werden türkische Filme auf eine starke Resonanz stoßen.
Umsetzung
Ein erstes Festival im Herbst 2004 bietet im Programmbereich
„Filmlandschaften“ eine Auswahl von aktuellen Filmen aus Deutschland und
der Türkei. Im Schwerpunkt „Interkulturalität im Kino“ sollen Spiel- und
Dokumentarfilme gezeigt werden, die die multikulturelle Gesellschaft des
jeweiligen Landes diskutieren. Daneben wird es einen Dokumentar- und
Kurzfilmwettbewerb „Homo migrans“ geben.
Das Rahmenprogramm bietet Filmgespräche mit prominenten Filmemachern und
Schauspielern, Ausstellungen mit Werken türkischstämmiger Maler in Europa,
Konzerte und filmmusikbezogene Veranstaltungen, einen Workshop über die
Kommunikationsform Film und eine Podiumsdiskussion zu Fragen der
Interkulturalität und Integration mit Kulturschaffenden.
Initiator: Murat Cakir, Zentrum für integratives Handeln und Weiterbildung
e. V.
Zentrum für integratives Handeln und Weiterbildung e.V.
Der Verein „Europa Dialog – Zentrum für integratives Handeln und
Weiterbildung e. V.“ wurde im September 2002 gegründet. Er will das
friedliche Zusammenleben von Migranten und Deutschen fördern und widmet
sich besonders intensiv der Kinder- und Jugendarbeit. So wird jungen
Migranten in dem Projekt „Neue Inländer – Neue Europäer“ ein kritischer
Blick auf fundamentalistische Propaganda und Gewaltverherrlichung
vermittelt und demokratische Verhaltensweisen gefördert.
Nutzung des
Filmladen-Archivs für Studium und Lehre
Innerhalb der Lehre im Fachgebiet Bildende
Kunst/Virtuelle Realitäten der Kasseler Kunsthochschule sollen künftig die
historischen und zeitgenössischen Positionen der Videokunst einbezogen
werden. Gegenwärtig lässt sich das dafür notwendige Material jedoch nicht
beschaffen. Der Zugang beschränkt sich auf einige Arbeiten aus einem
privaten Archiv oder jene, die es in die internationale Verleihe geschafft
haben. In den vergangenen Jahren wurde im Rahmen der Videosektion des
Kasseler Dokumentarfilm- und Videofestes des Filmladens Kassel eine
einzigartige Sammlung zeitgenössischer Videokunst aufgebaut, die
mittlerweile rund 2000 Arbeiten umfasst.
Bislang war es dem Filmladen jedoch nicht möglich, eine Archivierung bzw.
Katalogisierung der Arbeiten vorzunehmen. Einige der Arbeiten sind bereits
in einem Alter, das eine Umkopierung auf einen neuen Träger dringend
notwendig macht. Dieses Archiv soll gerettet und für die Studenten der
Kunsthochschule zugänglich werden. Die Videobänder sollen in geeignete
Räumlichkeiten umgelagert, schrittweise gesichtet und archiviert bzw.
gesichert werden. Die inhaltliche Aufarbeitung und Betreuung des Archivs
erfolgt dann durch eine zu schaffende kunst- bzw. filmwissenschaftliche
Stelle.
Initiator: Prof. Bjørn Melhus, Bildende Kunst/Virtuelle Realitäten,
Kunsthochschule Kassel
Auf Busfahrten durch
Europa Geschichten sammeln
Das Projekt „Europa verbinden“ will mit den Mitteln
des Dokumentarfilms auf Busfahrten von Kassel zu einer Vielzahl
europäischer Destinationen die Sichtweisen der Passagiere sammeln. So
zeigen Fahrten nach Riga, Ljubljana oder Budapest die Menschen, die dem
EU-Beitritt in Lettland, Slowenien oder Ungarn zugestimmt haben. Die
Bus-Strecken führen ebenso zu Staaten, die derzeit Beitrittsverhandlungen
führen – wie z. B. Kroatien, das auch ein beliebtes Ziel für busreisende
Touristen ist. Unter den Passagieren wird sich auch die Generation von
Migranten finden, die in der Anwerberphase der sechziger und siebziger
Jahre aus Südeuropa in die Anwerberstaaten kam, und von ihren Hoffnungen
und Erwartungen berichten.
Umsetzung
In Zusammenarbeit der Deutschen Touring mit der in Kassel lebenden
polnischen Kunstwissenschaftlerin und Filmemacherin Katharina Krzywon
sollen auf jeder Route Kurzgeschichten entstehen, die wie Skizzen
Einzelschicksale zeichnen und ernsthaft, kritisch, heiter oder skurril
sein können.
Bei einer Touring-Busfahrt nach Bosnien, Kroatien und Serbien/Montenegro
wird der Reisende feststellen, dass die Impressionen durchaus einem
Emir-Kusturica-Film entsprechen könnten: Mit Glück verstaut man seinen
Koffer neben Kühlschränken, Fahrrädern und Küchenmaschinen oder auf dem
Rückweg neben Säcken mit Paprikaschoten und Teppichen im Gepäckraum und
gewöhnt sich während der Fahrt an die neuesten südosteuropäischen
Volksmusikinterpreten. Elemente wie die Ernennung jedes Zielortes zu einer
kleinen Kulturhauptstadt, die Präsentation der Filme in den Kasseler
Hauseingängen von Migranten aus den jeweiligen Zielorten oder Webcams im
öffentlichen Raum Kassels, sind denkbar. Das Projekt kann in einem
Zeitraum von zwei bis drei Jahren realisiert werden.
Initiatorinnen: Natalija Martinovic, Katharina Krzywon
Deutsche Touring
Die 1948 in Frankfurt/Main gegründete Deutsche Touring GmbH ist heute eine
der bedeutendsten Busgesellschaften Europas. Seither befördert sie
Passagiere auf den internationalen Linien nach Basel, Salzburg und Wien.
Die Entwicklung der Touring spiegelt das Zusammenwachsen Europas. Heute
transportiert sie Passagiere aller Alters- und Berufsgruppen,
Nationalitäten und Ethnien quer durch Europa. Im Jahr 2002 haben mehr als
2,4 Mio. Fahrgäste unterschiedlichster Nationalitäten die
Linienverbindungen der Deutschen Touring genutzt. Von Norwegen bis
Griechenland, von Portugal bis nach Russland -– die Streckenkarte weist
mit 190 Haltestellen in 35 europäischen Ländern kaum noch „weiße Flecken“
auf.
Netzwerkarbeit des
Kasseler Dokumentarfilm- und Videofestes
Seit 20 Jahren gibt es das viel beachtete Kasseler
Dokumentarfilm- und Videofest. Neben aktuellen Filmproduktionen aus dem
In- und Ausland bietet es eine wissenschaftliche Tagung, Workshops und
Seminare sowie eine Ausstellung mit Videoinstallationen. Die bisherige
Einbindung des Kasseler Dokumentarfilm- und Videofestes in verschiedene
Europäische Netzwerke soll bis 2010 durch eine Vielzahl von
Veranstaltungen verstärkt werden. Geplant sind unter anderem jährlich
wechselnde
Länderprogramme aus und über die neuen Mitgliedsländer der EU in
Kooperation mit anderen Europäischen Festivals.
Im Jahre 2006 soll Kassel Gastgeber für das Arbeitstreffen der Deutschen
Mitglieder der European Coordination of Filmfestivals werden. Im Jahre
2010 sollen die Vertreter aller Europäischen Mitglieder eingeladen werden.
Seit 2001 werden auf dem Festival Preise verliehen, die sich an den
filmischen wie künstlerischen Nachwuchs richten. Mittlerweile werden drei
mit jeweils 2500 Euro dotierte Preise ausgeschrieben. Weitere Preisgelder
für die Förderung des Europäischen Nachwuchses sollen eingeworben werden,
um zum Beispiel Austauschprogramme von Medienkünstlern nach Kassel zu
ermöglichen.
Die seit 1995 jährlich stattfindende Fachtagung „interfiction“ bietet
Vorträge, Präsentationen und ein Workshop-Seminar zu einem jährlich
wechselnden Thema, das medienpolitische, gesellschaftliche und
künstlerische Aspekte des Mediums Internet beleuchtet. In den kommenden
Jahren soll die Struktur der Fachtagung erhalten bleiben, aber in den
Vordergrund der Themen soll die Frage nach den Perspektiven und
Auswirkungen der Digitalisierung des Kinos und der Vertriebswege von
AV-Produkten rücken. Geplant ist für 2008 eine umfassende Konferenz zu
dieser Fragestellung. In Zusammenarbeit mit dem documenta Archiv und der
Kunsthochschule Kassel soll ein Medienarchiv aufgebaut werden, das die
beim Festival gezeigten Arbeiten, aber auch die Einreichungen verfügbar
macht. In einer zweiten Ausbaustufe sollen die Arbeiten digitalisiert und
online einsehbar werden. Basis des Vorhabens sind die Sammlungen des
documenta Archivs sowie des Kasseler Dokumentarfilm- und Videofestes, die
zusammen einen umfassenden Einblick in das zeitgenössische
Arbeiten mit den neuen Medien geben können. Fernziel ist die Einrichtung
eines eigenständigen Medienzentrums im Kulturbahnhof Kassel. In
Zusammenarbeit mit der Kunsthochschule Kassel ist zur documenta 12 eine
internationale Fachtagung zum Thema „Copyright und Besitz von digitaler
Medienkunst“ geplant.
In den letzten Jahren hat sich die Ausstellung MONITORING zu einem
überregional anerkannten Forum für raumbezogene künstlerische
Medienarbeiten entwickelt. Der internationale Austausch zwischen
Künstlerinnen und Künstlern, der hier stattfindet, soll weiter entwickelt
und ausgebaut werden. Als Nachwuchsforum für Medieninstallationen soll
MONITORING auch außerhalb der Festivalzeiten internationale künstlerische
Arbeiten in Kassel präsentieren, die auf neueste Medien aufbauen. In
ausstellungsbegleitenden Diskussionen sollen die Möglichkeiten und Chancen
der Technik für die Vermittlung konkreter Inhalte kritisch reflektiert
werden. Zu diesem Zweck bietet sich der Ausbau der Ausstellungshalle
Südflügel des Kulturbahnhofs an. Bis zum Jahr 2010 soll sich die
Infrastruktur dieses Gebäudes entscheidend verbessern, um es
kontinuierlich nutzen zu können und damit die Kunst- und
Ausstellungslandschaft in Kassel auch im Hinblick auf internationale
Beziehungen dauerhaft sinnvoll zu ergänzen.
Initiatoren: Wieland Hoehne, Gerhard Wissner, Filmladen Kassel e. V.
Dr. Holger Birkholz
Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest
Das Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest findet seit 1983 jährlich an
sechs Tagen im November statt und ist mit seiner internationalen
Ausrichtung und einem starken Fokus auf die neuen Medien einzigartig in
Hessen. Das Festival präsentiert alljährlich ca. 240 internationale
Dokumentarfilme und Videos, die von über 6000 Gästen und Fachleuten
besucht werden. Es versteht sich als Kommunikationsplattform mit dem Ziel,
die Vernetzung von Filmemachern und Medienkünstlern mit Produzenten,
Wirtschaftsvertretern, Förderinstitutionen, Vertretern der Politik und der
Presse sowie einem interessierten Publikum zu ermöglichen. Die Einbindung
in europäische Netzwerke und die Förderung durch das MEDIA-Programm
unterstreichen die europäische Dimension der Veranstaltung.
Veranstalter ist der Filmladen Kassel e.V., der für seine engagierte
Kinoarbeit alljährlich auf Bundes- wie auf Landesebene ausgezeichnet wird.
Ideenpool für den Weg
zur Kulturhauptstadt 2010
Initiiert durch den Filmladen Kassel e.V. und die
Kasseler BALi-Kinos steht für Kassels Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2010
ein Pool von Projekten und Ideen zur Verfügung, der für die ganze
Bandbreite der modernen Filmszene ungewöhnliche und innovationsfördernde
Angebote macht.
Die projektierten kulturellen Ereignisse greifen zurück in die frühe
Geschichte der Filmkunst – am Beispiel des in Kassel aufgewachsenen
Regisseurs Wilhelm Murnau. Auch Kassel als Drehort der fünfziger Jahre
wird gezeigt. Sie fördern die Film-Bildung in Schulen. Sie geben dem Film-
und Mediennachwuchs Raum. Das digitale Kino kommt nach Kassel. Ost- und
westeuropäische
Dokumentarkunst kommen zusammen. Kassel bietet Foren für die europäischen
Film- und Mediennetzwerke.
Kulturelle Standortpotenziale wie die Kunsthochschule, der
Bärenreiter-Verlag und das Museum für Sepulkralkultur werden für ganz
besondere Kooperationen genutzt. Nicht zuletzt können sich die Kasselaner
und alle Besucher auf spektakuläre multimedial-sinnliche Film-, Klang- und
Lichterlebnisse freuen.
Das Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest, einzigartig und international
beachtet, und der Plan, gemeinsam mit dem documenta Archiv ein zentrales
Kunst- und Medienarchiv zu schaffen, sind wichtige Garanten für innovative
Zukunftsentwicklungen.
Die Umsetzung
• 2003 Der Film „Der letzte Mann“ (1924) mit einer Livemusikbegleitung des
Kasseler Komponisten Hartmut Schmidt eröffnet die Vorstellung von Murnaus
Werk. Gemeinsam mit dem Stadtmuseum werden der Filmladen und die
BALi-Kinos das Werk Murnaus in den kommenden Jahren in einer Filmreihe
zeigen
• 2004 Im Januar wird eine Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus Murnaus
angebracht
Die Murnau-Reihe wird im Herbst 2004 mit der Aufführung von Murnaus
letztem Film „Tabu“ mit Livemusikbegleitung durch die rumänische
Komponistin Violetta Dinescu fortgesetzt
• Der Trailer-Wettbewerb des Filmladens für Studierende der Universität
Kassel wird mit der Auswahl des Gewinners im Januar abgeschlossen. Der
ausgewählte Trailer soll ab Februar 2004 in hessischen Kinos für Kassel
als Kulturhauptstadt werben
• Im Rahmen der Innenstadtinitiative „Ab in die Mitte“ sind im September
die 50er Jahre Thema des Open-Air-Kino-Sonderprogramms „Filmstadt Kassel“.
An Originaldrehplätzen werden Filme gezeigt („Kassel als Kulisse“),
großformatige handgemalte Original-Filmtransparente sind in den
anliegenden Läden und Kaufhäusern ausgestellt
• „Das Gebirgskriegsprojekt“ des Komponisten George Lopez: „Die Aktion auf
der Leinwand treibt manchmal den Klang davon, manchmal saugt sie ihn ein,
manchmal wirbelt sie den Klang herum. Und das Publikum befindet sich immer
im Zentrum dieser Kräfte …“
• Wenn alles gelingt, wird sich im Herbst/Winter 2004 ein
Raumklangerlebnis aus acht Lautsprechergruppen rund um das Publikum hören
lassen. Jedes einzelne Instrument eines Orchesters erklingt, dabei werden
die Klänge ständig bewegt, manchmal sanft, manchmal brutal. Das geschieht
immer mit Bezug auf die auf der Leinwand gezeigten Bilder aus historischem
Filmmaterial aus dem Ersten Weltkrieg, Landschaftsbilder aus den Dolomiten
in verschiedenen Verfremdungen
und Überlagerungen
In Kooperation mit dem Bärenreiter-Verlag, Dr. Ulrich Etscheit.
• „15 x 15 + 10 Dokumentarfilme“. Im Laufe des Jahres (oder 2005) wird als
Sonderprojekt des Kasseler Dokumentarfilmund Videofestes die von den
europäischen Festivals initiierte Reihe mit ausgewählten Dokumentarfilmen
aus 15 westeuropäischen Ländern gezeigt. Der Filmladen erweitert diese
westlich orientierte Auswahl um 10 beispielhafte Dokumentarfilme aus 10
osteuropäischen Ländern
• 2005(–2010) 10 Jahre BALi-Kinos im Kulturbahnhof. In 2005 wird mit einem
Filmkunstfest, Sonderprogrammen, Überraschungen und mit zahlreichen Gästen
gefeiert
• Osteuropa zu Gast. Ebenfalls 2005 lädt das Kasseler Dokumentarfilm- und
Videofest Vertreter osteuropäischer Festivals zu einem Workshop während
des Festivals nach Kassel ein. Themen sind z. B. europäische
Förderprogramme für den Osten, die digitale Zukunft des dokumentarischen
Arbeitens
• „Leben und Werk Friedrich Wilhelm Murnaus“. In Kooperation mit dem
Stadtmuseum, den Staatlichen Museen, dem Filmmuseum Frankfurt/M. und der
Friedrich Wilhelm Murnau-Stiftung ist für die Jahre 2005/2006 die
Erarbeitung einer Ausstellung geplant„Der Film-Kanon macht Schule“. Der
Filmkanon beinhaltet 35 repräsentative Filme vom Stummfilmklassiker bis zu
aktuellen Produktionen und wurde 2003 von Experten für die
Auseinandersetzung mit dem Medium Film in Schulen zusammengestellt
• Der gesamte Kanon soll im Zeitraum 2005–2010 in einem gemeinsamen
Konzept mit den Kasseler Schulen aufgeführt und die Aufführungen für die
Schüler zu einem spannenden Erlebnis werden: Stummfilme mit Livemusik,
deutsche Regisseure und Schauspieler vor Ort, Feedback-Aktionen mit
kleinen Wettbewerben usw.
• 2006 Promi-Paten aus Film und Fernsehen werden für die Kulturhauptstadt
gewonnen und erhalten im Kino eine kleine Werkschau. Höhepunkt ist der
Lieblingsfilm des Paten – von ihm persönlich vorgestellt
• Zum Jahrestreffen der deutschen Mitgliedsfestivals der European
Coordination of Film Festivals soll diesmal nach Kassel eingeladen werden
– im Rahmen des Dokumentarfilm-und Videofestes
• „Digitales Kino“. Ein Kongress für Kinos und die Filmindustrie zum Thema
Digitales Kino bietet neben Vorträgen und Seminaren das Liveerlebnis
echter digitaler Projektion. Die BALi-Kinos bereiten sich schon im
Bewerbungsjahr 2003 in einem Modellprojekt auf die Umrüstung mit digitaler
Projektionstechnik vor
• 2007 Open-Air-Kino mit documenta-Bezug. Ende Juni bis Ende August 2007
veranstaltet der Filmladen Kassel e. V. wieder ein Open-Air-Filmkunstfest
zur documenta. Das Programm bietet herausragenden, künstlerisch wertvollen
Filmen ein Forum und stellt gleichzeitig einen Bezug zur documenta 12 her.
Der medientheoretische (Kunst-)Diskurs von Roger M. Buergel und seinem
Kurator/innen-Team und deren Auswahl (an Kunstwerken und Künstle-r/innen)
soll mit Filmen ergänzt
und kontrastiert werden, um andere Sicht- und Sehweisen hinzuzufügen
• „Videokunst: Distribution, Limitierung, Copyright“. Die Tagung soll
während des documenta-Zeitraums führende internationale
Videoinstitutionen, Kuratoren, Sammler und Künstler zu einer Debatte nach
Kassel einladen und ggf. Lösungsstrategien und Konzepte für eine bessere
Breitenwirkung der Videokunst entwickeln. Eine Kooperation mit der
Kunsthochschule und dem documenta Archiv ist vorgesehen
• 2008 Studenten produzieren Filme in Kassels Partnerstädten.
Interessierte Studierende erhalten einen Etat und werden in kleinen
Projektteams in die Partnerstädte Kassels geschickt, um dort einen Film
über ihre Eindrücke oder die Außensicht auf Kassel zu produzieren. Die
Filme werden anschließend ausgewertet und als DVD-Produktion oder
Kurzfilme im Vorfilmprogramm eingesetzt. In Kooperation mit der Kasseler
Kunsthochschule
• Die Vergabe des Hessischen Filmpreises, die derzeit während der
Buchmesse stattfindet, soll für 2008 oder 2010 nach Kassel geholt werden
• 2009 Internationaler Kurzfilmwettbewerb. 2009 wird ein internationaler
und hoch dotierter Kurzfilmwettbewerb ausgeschrieben, dessen Preisträger
2010 vorgestellt werden. Das Thema wird sich am Leitgedanken der
Kulturhauptstadt orientieren.
Die Präsentation der Preisträger findet während des Open-Air-Kinos oder
des Kasseler Dokumentarfilm- und Videofestes 2010 statt
• 2010 Das Open-Air-Kino als zentraler Ort für den filmischen
Kulturhauptstadt-Sommer
Im Kulturhauptstadtjahr soll das Open-Air-Kino ein attraktiver,
wetterunabhängiger Veranstaltungsort werden, der vielfältig nutzbar ist.
Dafür soll ein temporärer Ort mit hohem Erlebnischarakter geschaffen
werden, wie etwa eine schwimmende Insel mit beweglicher Überdachung und
Lichtarchitektur auf dem Bugasee
• Neben einem filmkünstlerisch ebenso anspruchsvollen wie attraktiven
Filmprogramm können auf der schwimmenden Insel auch aufwendige
Produktionen realisiert werden. Auftragskompositionen sind hier ebenso
denkbar wie theatralische Inszenierungen oder Soundexperimente. Eine
spannende Idee sind Kompositionsaufträge für ein und denselben Film an
Künstler der unterschiedlichen Musikgenres – von moderner E-Musik bis Pop,
von den Berliner Sinfonikern bis zu Kraftwerk oder dem Cinematic Orchestra
• Film- und Mediennetzwerke treffen sich in Kassel. Europäische Netzwerke
aus dem Film- und Medienbereich wie das Europa Cinemas Network und die
European Coordination of Filmfestivals werden eingeladen, ihre
Jahrestreffen in Kassel zu veranstalten
• „Der Tod im Film“. Gemeinsam mit dem Museum für Sepulkralkultur wird die
Darstellung des Todes im Film aufgearbeitet und thematisiert – mit einer
Ausstellung, einer Filmreihe und auf einem Symposium
Initiatoren: Frank Thöner, Gerhard Wissner, Wieland Höhne Filmladen Kassel
e. V./BALi-Kinos |