Grimms
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Magnet für Menschen aus allen Ländern der Erde
Sammlung und Herausgabe der Märchen hat die Brüder
Grimm weltberühmt gemacht. Die Märchensammlung ist in der Zeit entstanden,
in der die Brüder Grimm in Kassel gelebt und gearbeitet haben. Die Märchen
sind ihnen von Menschen aus Stadt und Region erzählt worden, viele haben
Beziehungen zu Orten in Nordhessen.
Die meisten Menschen, die nach Kassel kommen, kennen nur die Leistung der
Brüder Grimm als Märchensammler. Das Wirken der Brüder Grimm ist jedoch
wesentlich vielgestaltiger gewesen. Ihre Arbeit am Deutschen Wörterbuch
mit großem Verdienst für die deutsche Sprache und Literatur und die
politische Tätigkeit Jacob Grimms sind ebenfalls wichtige Facetten ihres
Wirkens.
Die Planung, ein „Museum Grimms Welten“ zu bauen, in dessen Mittelpunkt
die Grimm’schen Märchen stehen, reagiert auf die bisher nicht ausreichend
erfüllte Erwartung vieler Besucherinnen und Besucher aus aller Welt, ein
Museum zu besuchen, dessen Thema Grimms Märchen sind. In dem verwunschenen
und bisher kaum zugänglichen Weinberg und im Henschel Garten soll ein
Konzept verwirklicht werden, das sowohl für Familien mit Kindern wie auch
für Besucherinnen und Besucher der documenta ein anspruchsvolles
Märchenerlebnis ist.
„Grimms Welten“ sollen entlang der die Stadt prägenden Hangkante sowohl im
Außenbereich wie auch in den Höhlen und Gängen des Henschel Gartens und in
Gebäuden verwirklicht werden. Entlang der Neuen Galerie soll der Weg über
eine Brücke in den Henschel Garten und in den Weinberg führen. Unter dem
Henschel Garten befinden sich auf drei Ebenen unterirdisch Bauwerke, die
zur Lagerung des im Winter geschnittenen Eises und der Kühlung von Bier
dienten. Die erschlossene Ebene hat 2700 qm Fläche. Die Stollen der oberen
und unteren Etagen sind teilweise eingestürzt und unbegehbar.
Dieser besondere Ort mit seinen Parkanlagen, seinen unterirdischen Räumen
und ergänzenden oberirdische Bauten gibt vielfache fantasie- und
kreativitätsanregende Möglichkeiten, den Themenkomplex „Grimms Märchen“
durch Skulpturen, durch Installationen, durch virtuelle Darstellungen und
Räume des Hörens zu einem alle Sinne ansprechenden Erlebnis werden zu
lassen.
70 Diplomandinnen und Diplomanden des Studienganges Architektur der TU
Darmstadt haben das Thema „Grimms Welten“ als Diplomarbeitsthema gewählt.
Ausgewählte Arbeiten werden im Mai 2004 in Kassel ausgestellt.
Initiator: Stadt Kassel, Brüder Grimm-Gesellschaft
Grimm’sche Märchen sollen im Rahmen einer neuen
Veranstaltungsform europaweit präsentiert werden. Bestandteile der
Veranstaltung sollen die Ausstellung neuer Märchenillustrationen,
Märchenlesungen, multimediale Präsentation neuer Märchenillustrationen
während der Lesungen, musikalische Begleitung mit neuen Kompositionen und
ein gastronomischer Rahmen mit märchenhaften Speisen unter Verwendung
authentischer Zutaten sein.
Initiator: Ulrich Wicke, ARTNORDHESSEN e.V.
Das "Wörterhaus"
Das „Wörterhaus“ ist in Anlehnung an die Arbeit der
Brüder Grimm am Deutschen Wortschatz der Etymologie im wirklich weitesten
Sinne gewidmet. Neben der wissenschaftlichen Arbeit steht gleichrangig die
künstlerische Auseinandersetzung mit den Wörtern.
Die Fassade des Hauses soll als ein großes Wortdisplay ausgebildet werden,
auf dem, die aktuelle Arbeit im Haus reflektierend, Wort-Kompositionen,
Wort-Kunstwerke präsentiert werden. In den Ausstellungsräumen des
Erdgeschosses werden Arbeiten, die sich mit den Wörtern, den Buchstaben
oder dem Geschriebenen auseinandersetzen, ausgestellt.
Etwa japanische Kalligraphie, islamische Wortbilder, moderne Wortgraphik,
Jandl/Gomringer und Wort-Kunst, wie: J. Holzer, H. Darboven, R. Pettibon,
G. Ligon, F.B. Bouabré, C.W. Evans, D. Small. Im ersten Obergeschoss
inszeniert und entwickelt Ecke Bonk seine Grimm-Arbeit. Ein Café könnte
hier, wenn es mit Bonks Konzept vereinbar ist, das Verweilen und Studieren
erleichtern. In den beiden weiteren Obergeschossen finden
wissenschaftliche und künstlerische Auseinandersetzungen mit den Wörtern
und der Sprache statt. Und nicht zuletzt könnte an diesem Ort auch das „Kasselänerisch“
gepflegt und bewahrt werden.
Der Standort der ehemaligen „Kriegsschule“ zwischen Fridericianum und
Theater wäre ideal für diesen Zweck geeignet. Das Gebäude würde die große
Schaufassade des Friedrichsplatzes wieder erstellen; es wird, soweit die
moderne Verkehrsabwicklung das zulässt, die Wunde des modernen
Verkehrsdurchbruchs heilen.
Initiator: Prof. Klaus Pfromm
Als Hommage an die Brüder Grimm soll ein
Märchenkochbuch entstehen, dessen Inhalt die Gerichte der Grimm’schen
Märchen sind.
Dieses Märchenkochbuch soll auch in den gastronomischen Betrieben entlang
der deutschen Märchenstraße und am Märchenlandweg verkauft und so ein
weiterer Beitrag für einen qualifizierten Kulturtourismus werden.
Initiatorin: Maya Deventer
Die Brüder Jacob (Ludwig Carl: *4.1.1785 Hanau –
†20.9.1863 Berlin) und Wilhelm (Carl: *24.2.1786 Hanau – †16.12.1859
Berlin) Grimm entstammen einer alteingesessenen hessischen Familie. Ihre
Kindheit und frühe Jugend verlebten die Brüder Grimm zusammen mit weiteren
vier Geschwistern im Landstädtchen Steinau an der Straße. Nach dem Tod des
Vaters (1796) besuchten sie ab 1798 in Kassel das Lyceum Fridericianum,
darauf studierten sie die Rechte an der hessischen Landesuniversität zu
Marburg (1802/03 – 1805/06).Während der französischen Okkupation war Jacob
Privatbibliothekar des Königs Jérôme Bonaparte und Mitglied des
französischen Staatsrates in
Kassel. Danach wirkten beide Brüder – Wilhelm seit 1814, Jacob seit 1816 –
als Bibliothekare an der Kurfürstlichen Bibliothek zu Kassel. Von 1830 bis
1837 arbeiteten die Brüder Grimm als Bibliothekare und Professoren an der
Universität Göttingen, die sie jedoch nach ihrer Teilnahme am Protest der
„Göttinger Sieben“ 1837 verlassen mussten. Von 1841 bis zu ihrem Tode
wirkten sie als Mitglieder der Kgl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin.
1846 und 1847 waren sie maßgeblich beteiligt (Jacob Grimm hatte den
Vorsitz inne) an den Germanistenversammlungen in Frankfurt am Main und in
Lübeck; 1848 saß Jacob Grimm in der ersten Deutschen Nationalversammlung
in der Frankfurter Paulskirche.
Die Brüder Grimm gelten als die Begründer der modernen Literarischen
Volkskunde sowie der Germanischen Sprach- und Literaturforschungen, sie
beeinflussten aber auch die neuere Rechts- und Religionswissenschaft. Mit
ihrem Interesse für die literarische und volkstümliche Überlieferung und
mit ihrer akribisch vergleichenden, empirischen Arbeitsweise stehen sie am
Beginn der historisch-kritischen Philologie des 19. Jahrhunderts und haben
über Deutschland hinaus auch der Keltistik, der Romanistik, der Slawistik
sowie der Finno-Ugristik wichtige Impulse gegeben.
Im Zentrum Grimm’schen Denkens steht die Vorstellung von der „organischen“
Einheit kulturgeschichtlicher Phänomene. Sowohl in den dichterischen und
anderen literarischen Zeugnissen der Vergangenheit als auch in den zum
Teil mündlich bis in die Gegenwart tradierten Volksüberlieferungen wird
dabei das Fortleben eines „ursprünglichen“ und „wahren“ Mythos gesehen,
der nicht nur in der antiken, griechischen und lateinischen Mythologie
seine Ausprägung erfuhr, sondern auch in der Dichtung und im Volksglauben
der Kelten, Germanen, Slawen und anderer Völker.
Mit ihren 1812 und 1815 zweibändig zu Berlin erstmals erschienenen und
inzwischen in über 160 Sprachen und Kulturdialekte aller Erdteile
übersetzten „Kinder- und Hausmärchen“ haben Jacob und Wilhelm Grimm
Weltruhm erlangt, bis heute der entscheidende Dreh- und Angelpunkt jeder
modernen Märchenforschung. Daneben stehen die „Deutschen Sagen“ der Brüder
Grimm, die 1816 und 1818 ebenfalls zweibändig zu Berlin erschienen. Zum
ersten Mal arbeiten sie systematisch alle ihnen erreichbaren mündlichen
und schriftlichen Quellen auf. Unterstützt werden sie von zahlreichen
Informanten, die vornehmlich aus Hessen und Westfalen kommen und, wie sie
selbst, den gebildeteren Schichten der Gesellschaft entstammen. Allein der
„stockhessischen“ Märchenfrau Dorothea Viehmann (1755 – 1815) aus dem nahe
Kassel gelegenen Dorf Zwehren haben sie in ihrer Sammlung ein Denkmal
gesetzt, da sie ihrem romantisch bestimmten Wunschbild einer
"volkstümlichen“ und „ungebildeten“ Erzählerin am meisten
nahezukommenschien. Nähere Forschungen zur Überlieferungsproblematik der
„Kinder- und Hausmärchen“ haben jedoch eine bisweilen starke Abhängigkeit
von der romanischen Märchentradition in Italien und Frankreich gezeigt,
was u.a. mit der hugenottischen Abstammung der wichtigsten Kasseler
Märchenbeiträger erklärt werden kann.
Die von den Grimms ausgewerteten schriftlichen Quellen ihrer Märchen- und
Sagensammlungen reichen von der Antike über die altdeutsche und
altnordische Dichtung (Hildebrandlied, Merseburger Zaubersprüche, Muspilli,
Edda, u.a.) bis zur europäischen Literatur des christlichen Mittelalters.
Dabei werden erstmals systematisch neben den eigentlichen Märchen und
Sagenquellen auch alte Volkslieder, Volksbücher, Volksrecht, Brauchtum,
Aberglaube sowie sprachhistorische u.ä. Fakten (Orts- und Personennamen,
Wochentagsnamen u.a.) ausgewertet.
Die Sprach- und literarhistorischen Forschungen und Sammlungen der Brüder
Grimm wurzeln tief in der deutschen Romantik, die man als eine
literarische, künstlerische und wissenschaftliche Gegenbewegung zur
Französischen Revolution begreifen kann. Die Brüder Grimm förderten mit
zahlreichen weiteren Gelehrten, sammelnden Dilettanten und Schriftstellern
zahlreiche Quellen und Zeugnisse der „germanischen“ und „altdeutschen“
Literatur erstmals zutage. Die Grimm’sche
Vorgehensweise ist jedoch zutiefst systematisch und historisch und hat
dazu geführt, Sprache und Literatur in ihrem Werden und in ihrer
Entwicklung zu begreifen, Kultur und Geschichte in ihrer Bedeutung für die
Gegenwart neu zu definieren.
Das Ergebnis ist die Begründung einer „vaterländisch“ genannten deutschen
Wissenschaft, der „Germanistik“, der die Grimms auch den Namen gaben.
Jacob Grimm legte mit seiner mehrere tausend Seiten umfassenden „Deutschen
Grammatik“ (zuerst 1819) den Grundstein für die gesamte neuere
germanistische Sprachwissenschaft; beide Brüder begründeten mit ihrem
„Deutschen Wörterbuch“, das sie vom Buchstaben „A“ bis zum Wort „Frucht“
noch selbst bearbeiteten, die neuere deutsche Lexikographie. Ihre
zahlreichen Editionen und Sammlungen zur alt- und mittelhochdeutschen
sowie zu weiteren mittelalterlichen Dichtungstraditionen waren Vorbild für
die neuere Editionsphilologie.
Obwohl das „Deutsche“ oder „Germanische“ im Zentrum ihres Schaffens stand,
haben sich die Brüder Grimm stets mit den wichtigsten Nachbardisziplinen
beschäftigt und sich auch mit den Nationalphilologien anderer Länder und
Völker auseinandergesetzt. Sowohl in der keltischen und romanischen Welt
als auch in den slawischen, baltischen und finnougrischen Ländern werden
sie bis heute hoch geachtet. Vor allem die kleineren Völker Europas
beziehen sich in ihrer kulturellen
Wiedergeburt und Vielfalt im 19. und 20. Jahrhundert wiederholt auf das
historische Konzept eines an Sprache, Dichtung und Geschichte orientierten
Selbstverständnisses. Wenn auch der Umfang und die Richtung des
Grimm’schen Werkes bisweilen als „romantische“ oder „wilde Philologie“
kritisiert
worden sind, bleibende Bedeutung in Deutschland und Europa gewannen Jacob
und Wilhelm Grimm durch die identitätsstiftende Funktion ihres Wirkens.
Ihre Werke müssen daher immer eingeordnet werden in den gesellschaftlichen
und politischen Kontext der Zeit. Sehr wesentlich beigetragen haben die
Brüder Grimm zur Herausbildung eines gesamtdeutschen Bewusstseins und zur
Begründung einer nationalen Bewegung in Deutschland. Ihr
wissenschaftliches Wirken steht daher immer in einer spezifischen
Wechselwirkung zu ihrem politischen Handeln. Dies wird besonders deutlich
am Beispiel der Mitwirkung beider Brüder am Protest der „Göttinger Sieben“
gegen den Verfassungsbruch des Hannoverschen Königs 1837, den sie als eine
„Protestaktion des Gewissens“ (Dahlmann) verstanden und der sie
schlagartig der breiten politischen Öffentlichkeit bekannt werden ließ.
Großen persönlichen Anteil nahmen sie schließlich an der ersten Deutschen
Nationalversammlung 1848, in der Jacob Grimm als Abgeordneter des
rheinpreußischen Wahlkreises Mülheim (Ruhr) eine nicht unbedeutende Rolle
spielte. Sein dort gestellter Antrag zu den „Grundrechten des Deutschen
Volkes“ kann gerade nach der Wiedervereinigung Deutschlands und der
Integration der europäischen Völker wieder aktuell werden. „Das deutsche
Volk ist ein Volk von Freien und deutscher Boden duldet keine
Knechtschaft. Fremde Unfreie, die auf ihm verweilen, macht er frei.“
Die Brüder Grimm und Europa
Jacob und Wilhelm Grimm unterhielten fachliche und freundschaftliche
Beziehungen zu vielen bedeutenden Gelehrten, Schriftstellern und Künstlern
ihrer Zeit und waren Mitglieder zahlreicher in- und ausländischer
gelehrter Gesellschaften und Akademien. Gerade weil sie die Geschichte
ihres eigenen Volkes in umfassender Weise kannten, war ihr Verhältnis zu
anderen Ländern und Kulturen sehr differenziert und aufgeschlossen. Die
Titel der Grimm’schen Werke lesen sich denn auch wie eine weit
ausgreifende europäische Kulturgeschichte, in der beinahe jedes
europäische Volk mit seiner Sprache, seiner Literatur und seiner
Geschichte Berücksichtigung gefunden hat. Überdies waren die Sprach- und
Literaturforschungen der Brüder Grimm häufig unmittelbares Vorbild für das
Entstehen
nationaler Philologien und haben vor allem die Keltistik, die Romanistik,
die Slawistik und sogar die Baltistik und Finno-Ugristik deutlich
befruchtet.
Die Erforschung der europäischen Tiersage stieß die Brüder Grimm immer
wieder auf lateinische und französische Quellen wie den Ysengrimmus des
flämischen Dichters Nivardus oder den anonymen altfranzösischen Roman de
Renard. Während sich Wilhelm Grimm ausgiebig mit der romanischen
Märchentradition sowie auch mit den romanischen Überlieferungen der
Heldensage beschäftigte, edierte Jacob Grimm unter dem Titel „Silvia de
romances viejos“ eine Sammlung altspanischer Helden und
Spielmannsdichtungen und veröffentliche Studien zur vergleichenden
romanischen und germanischen Sprachgeschichte.Unter unmittelbarem
Rückgriff auf die Grimmsche Sammlung der Deutschen Rechtsaltertümer gab
der französische Historiker Jules Michelet 1837 seine „Origines du droit
français“ heraus, die ohne die Grimm’sche Vorarbeit nicht denkbar wären.
Auch die erste grundlegende historische Grammatik der romanischen
Sprachen, die Friedrich Diez 1836 bis 1844 herausgab, entstand unter dem
direkten Einfluss des Grimm’schen Vorbildes. Die moderne keltische
Philologie verdankt in ihren Anfängen zahlreiche Impulse ebenfalls den
Brüdern Grimm. Früh schon
pflegten diese Kontakte nach Schottland (Walter Scott) und Irland (Crafton
Croker), später auch in die Bretagne (La Villemarqué). Wilhelm
veröffentlichte 1813 „Drei altschottische Lieder“, 1826 erschienen die
Irischen Elfenmärchen in der Übersetzung der Brüder Grimm, 1847 Jacobs
Abhandlung „Über Marcellus Burdigalensis“, in der er die ältesten damals
bekannten keltischen Sprachzeugnisse erstmals erklären konnte. Auch der
Verfasser der ersten historischen Grammatik der keltischen
Sprachen, Johann Caspar Zeuß, bezieht sich unmittelbar auf das Grimm’sche
Vorbild.
Nicht zuletzt spielte auch die slawische Welt – zunächst über Wien, Prag
und Königsberg vermittelt – eine wichtige Rolle im Werk der Brüder Grimm.
Früh schon beschäftigten sie sich mit dem sogenannten altrussischen
lgorlied, dann mit den serbischen Volksepen, denen sie zu Weltruhm
verhalfen. Andere Kontakte führten nach Böhmen, Pole,. schließlich nach
Russland, wo die Grimm’schen Arbeiten auf besonders fruchtbaren Boden
fielen.
,,Ihre Grammatik wird als Leitfaden bei der Bearbeitung der russischen
benutzt; und Ihre deutsche Mythologie und die Rechtsaltertümer dienten mir
zur Richtschnur“, schrieb 1845 ein russischer Briefpartner (Ivan Snegirev)
an Jacob Grimm. Zahlreiche volkskundliche und sprachwissenschaftliche
slawistische Arbeiten – etwa die klassische Sammlung der Russische(n)
Volksmärchen von Aleksandr Afanas’ev oder die Serbische Grammatik von Vuk
Karadzic – stehen deutlich unter dem Einfluss der Brüder Grimm. Dies
betrifft auch die erste bedeutende historische Grammatik der slawischen
Sprachen, die der Slowene Miklosich 1852 bis 1874 herausgab.
Weitere Arbeiten der Brüder Grimm widmeten sich schließlich noch Fragen
der baltischen Sprachen und Volksdichtungen, dem finnischen Kalevala-Epos,
neugriechischen Volksdichtungen und zahlreichen anderen Themen, die die
ganze Bandbreite ihrer wirklich europäisch ausgerichteten Philologie
belegen.
,,Die wissenschaften erkennen keine grenzen", – schrieb Jacob Grimm 1853,
– im gegentheil ihr streben geht dahin, die abgesteckten unterschiede der
völker zu überschreiten und das band zu festigen, das in weitem umkreis
zwischen allen geschlungen werden sollen …“
Initiator: Dr. Bernhard Lauer, Brüder Grimm-Museum
Bis zum Kulturhauptstadtjahr 2010 soll eine
Ausstellung durch die Länder Europas wandern, die über das Werk der Brüder
Grimm im internationalen Kontext informiert. Begleitend finden
internationale Symposien statt, die zeigen, welche Beziehungen das Thema
zum jeweiligen Kulturkreis hat. Im Jahr 2010 soll eine große Ausstellung
mit dem Titel „Die Brüder Grimm und Europa“ sowie eine begleitende Tagung
stattfinden.
Initiatoren: Brüder Grimm-Museum, Brüder Grimm-Gesellschaft
Die Gründung einer
Stiftung/Akademie schafft das Fundament
Kassel soll weltweit das Brüder-Grimm-Zentrum werden.
Das Wirken der Brüder Grimm für die Entwicklung der deutschen Sprache, für
literarische Volkskunde, Märchen und Erzählkultur und für Demokratie ist
ein nationales Thema mit Weltbedeutung. Neben Kassel waren viele andere
Orte im Lande Hessen wichtige Wegstationen im Leben der Brüder Grimm.
Damit die Brüder Grimm-Forschung und die Präsentation des Wirkens der
Brüder Grimm in ihrer Bedeutung für Deutschland, für das Land Hessen und
für Stadt und Region Kassel entwickelt werden können, soll eine Stiftung
oder eine Akademie gegründet werden, an der sich die Bundesrepublik
Deutschland, das Land Hessen, die Stadt Kassel, der Landkreis Kassel und
verlagsnahe Stiftungen beteiligen sollen. Damit soll eine solide
finanzielle Grundlage geschaffen werden, um Forschung und
Museumsentwicklung so auszubauen,
dass Kassel zu dem Brüder-Grimm-Zentrum in der Welt und auch Ziel für
einen qualitätvollen Kulturtourismus in Stadt und Region wird.
Initiator: Stadt Kassel, Brüder Grimm-Gesellschaft
Im Jahr 2010 wird in Kassel das Europäische Festival
der Gebärden-Poesie stattfinden. Poesie, Musik und Tanz – begleitet von
Gebärden-Gesang – werden sowohl Hörenden wie auch Tauben neue Kunstwelten
eröffnen. Als Akteure werden an dem Festival Gehörlose, Schwerhörige,
Ertaubte und Gebärdendolmetscher teilnehmen. Kommuniziert wird in der
internationalen Gebärdensprache.
Ab 2005 werden in Deutschland und in anderen europäischen Ländern
Gebärdenwettbewerbe zur Visualisierung von Poesie, Musik und Tanz
durchgeführt. Die Sieger dieser Länderwettbewerbe werden zum europäischen
Festival der Gebärden-Poesie nach Kassel eingeladen.
Der Gebärden-Wettbewerb soll in Zusammenarbeit mit dem Deutschen
Gehörlosenbund, dem Deutschen Schwerhörigenbund, der Organisation
„Taubenschlag“ sowie mit Landes- und drtsverbänden der Gehörlosen und
Schwerhörigen durchgeführt werden.
Initiatoren: Wilfried Wareka, Almut Frühauf
Kassel richtet die
größte Märchenveranstaltung Europas aus
Seit langem wird in der Stadt der Wunsch gehegt, ein
Festival mit den Märchen der Brüder Grimm in Kassel zu etablieren. Ein
erstes Festival soll im Jahre 2004 stattfinden. Bis zum Jahr 2010 soll in
Kassel das wichtigste Märchen-Festival Europas installiert werden, das
europäische Auseinandersetzungen zum Thema Grimm zeigt, diskutiert und
inspiriert. Zugleich soll das Festival eine sinnliche Einladung an die
kleinen und großen Bürger der Region und Gäste von außerhalb zur
Entdeckung oder Wiederentdeckung der Grimm’schen Märchen sein.
Die Theater des Kindertheaterbürooos setzen sich seit vier Jahren mit den
Grimm’schen Märchen auseinander und haben in dieser Zeit einen reichen
Fundus an Produktionen erarbeitet, der auch international gezeigt wird –
von New York bis nach Sibirien und von Belgien bis in die Schweiz. Das
Festival wird im jährlichen Wechsel mit dem folgenden Projekt „Kassel
erzählt“ stattfinden. Denkbar ist auch ein dreijähriger Rhythmus, dann mit
einem weiteren Festival mit den modernen Nachläufern der Märchen – wie
Comic und Fantasy.
Spielort könnte das Umfeld des Brüder Grimm-Museums sein. Dort sind drei
Innenspielorte möglich, vor dem Museum wird eine Installation mit kleinen
Zelten und einer Open-Air-Bühne die notwendige Aufführungsstruktur bilden.
Einzelne Märchenmotive werden als Großobjekte das künstlerische Bild
abrunden. Im Garten des Grimm-Museums wird ein Festival-Café eingerichtet.
In der Folge werden für jedes Festival auch Großproduktionen erarbeitet,
wie z. B. „Die Viehmännin“ – eine biografische Reise durch das Leben der
berühmten „Märchenlieferantin“, oder ein Stück „Brüder Grimm“. Diese
Produktionen werden auch im Hessischen Kultursommer gezeigt werden. Eine
Verknüpfung mit dem Projekt „Märchentheater am Märchenlandweg“ ist
geplant.
Für 2004 sind die ersten zwei Juli-Wochen als Veranstaltungstermine
vorgesehen. Der Start ist ein Festival-Wochenende, gefolgt von Angeboten
für die Schulen und Kindergärten sowie einem Märchenerzählmarathon (24
Stunden Märchen am Stück), einer Märchennacht mit Übernachtung usw.,
künstlerischen Aktivitäten mit der Märchenwache und anderen Projekten, ein
Tag, der sich der Umsetzung in andere Sprachen widmet (konkret könnte ein
türkisches Unternehmen eine türkische Erzählerin finanzieren und bei der
türkischen Bevölkerung werben), ein Tag für Prinzen und Prinzessinnen,
Kinder spielen für Kinder, Schreibwerkstatt, Märchencafé, Märchenhaftes
Kochen, usw.
Im Jahre 2010 werden das GRIMM-FESTIVAL und das Festival KASSEL ERZÄHLT
gemeinsam ausgerichtet, so dass Parallelen und Unterschiede der
europäischen Erzählkunst sichtbar werden. Bis zum Jahre 2010 werden die
Qualität und Quantität der ab 2004 regelmäßig stattfindenden Festivals
kontinuierlich gesteigert, so dass am Ende mit einem Zuschauervolumen von
ca. 25.000 Besuchern zu rechnen ist.
Initiator: Stefan Becker, Kindertheaterbüro
Märchen als
Kommunikationsmittel der Kulturen
Die Grimm’schen Märchen haben nicht nur europäische
Bezüge, sie sind weltweit das nach der Bibel meistgelesene Buch. Das
Projekt „Kassel erzählt“ will die Tradition des Erzählens und Sammelns von
Geschichten und Märchen in Kassel weiterführen.
Im Wechsel sollen neue Bearbeitungen und traditionelle Erzählformen der
Grimm’schen Märchen und Geschichten aus Kulturen, die in Kassel beheimatet
sind (Migrationskulturen), in der ganzen Stadt gezeigt werden. Schließlich
haben die Brüder Grimm nicht nur von den Märchen profitiert, die in der
Region tradiert waren. Ein wesentlicher Teil der Märchen ist über die
Hugenotten aus dem französischen Sprachraum nach Kassel geraten.
Auch heute gibt es Menschen in Kassel und der Region, die aus ihrer Heimat
vertrieben worden sind und hier eine neue Heimat gefunden haben oder noch
suchen. Manche sind auch zum Studium oder aus beruflichen Gründen in die
Stadt Kassel gezogen. Viele von ihnen kennen Geschichten, die in ihren
Kulturen verankert sind. Und viele Kulturen, die mittlerweile in Kassel
ansässig sind, bergen Geschichten und Sagen, die es buchstäblich weiter zu
erzählen gilt.
Das Festival soll sieben Tage dauern. Die Aufführungsorte können von
Theatern über Imbissbuden, Ateliers, Schuldachstühle, Wohnungen, Museen,
Kirchen, Friedhöfe, stillgelegte Fabrikhallen bis hin zu Restaurants und
Geschäften reichen. Präsentiert werden die Märchen und Geschichten von
professionellen und ausgesuchten ErzählerInnen und Theatern aus
Deutschland und Europa sowie von Erzählern verschiedener Kulturen. In
Deutsch ebenso wie in anderen Sprachen. Hierbei kann auch die gleiche
Geschichte in verschiedener Erzählform und Sprache nebeneinander stehen.
Das Festival ist eine Begegnung der Besucher mit den Märchen und
Geschichten, aber auch ein europäisches Austauschforum der Künstler. Im
Sinne der künstlerischen Weiterentwicklung arbeiten z.B. Kasseler
Theaterschaffende mit europäischen Regisseuren im Vorfeld an europäischen
Geschichten. Das Projekt ABENTEUER EINES REISENDEN des Spielraum-Theaters
ist schon auf dem Weg und bearbeitete im Jahr 2003 Geschichten aus dem
italienischen Raum – die Kultur der ersten „Gastarbeiter“.
Das Projekt KASSEL ERZÄHLT soll 2005 starten und bis zum Jahre 2010
jährlich ein oder mehrere Märchen und Geschichten anderer Kulturen
sammeln, die dann 2010 in einem Buch DER NEUE GRIMM erscheinen sollen. Das
Projekt soll ein generationsübergreifendes Publikum ansprechen. Geplant
sind deshalb Veranstaltungen für z. B. Kindergärten und Bewohner eines
Altenstifts. Erste Versuche laufen bereits. Die Kinder sollen in
Schreibwerkstätten das Gesehene und Gehörte verarbeiten und eigene
Geschichten entwickeln. Diese werden 2010 in einem Sonderband
veröffentlicht.
In der Stadt werden an verschiedenen Orten Schriftbilder mit Zitaten aus
Grimm’schen und anderen Märchen angebracht, die zum Lesen und zur
Auseinandersetzung mit den Inhalten führen sollen.
Initiator: Stefan Becker, Kindertheaterbürooo
Für
Märchen-erzählen-lernen - für Märchen-spielen-lernen - für
Märchen-schreiben-lernen
In der Akademie für Märchen – Erzählen – Spielen –
Schreiben sollen Menschen aus Kassel und der Region und auch Touristen
angeregt werden, sich mit Märchen spielerisch, lernend, schreibend zu
beschäftigen und auf diese Weise die Tradition der Dorothea Viehmann und
der Brüder Grimm mit ihren persönlichen Märchen fortsetzen.
Initiator: Lothar Behrendt
Generations-Stadtteil-Kultur-übergreifendes Märchen-Projekt
Märchen sollen „übersetzt“ werden in Theaterspiel und
Theaterstücke, Märchen-Metaphern werden übersetzt in lebendige Bilder,
Märchenfiguren der Vergangenheit in aktuelle Figuren. Je nach Alter der
mit Märchen beschäftigten Personen enthalten die Metaphern und Symbole
verschiedenen Bedeutungen, Tiefe und Gehalt. In diesem Projekt soll die
Reichhaltigkeit, Vielfältigkeit und Aktualität von Märchen für Menschen
verschiedenen Alters, verschiedener Kulturen und Schichten erfahrbar
und verbindend erlebbar werden.
1. Schritt
• Märchen-Theaterspiele für Kinder
• Generationsübergreifendes Mit-Mach-Theater für Familien bzw. für Kinder
und Erwachsene (insbesondere auch für Senioren) zum Thema „Märchen
spinnen“
2. Schritt
• Sammlung von alten Märchen, die Kinder ausländischer Herkunft von ihren
Eltern/Großeltern kennen
• theatrale Umsetzung dieser Märchen – theatrale Erzählformen,
Präsentation in Stadtteilen und der Innenstadt
• „Märchenfestival“ mit deutschen und den gesammelten ausländischen
Märchen – Märchen-Erzähler/innen, Märchen-Theater, Mit-Mach-Theater,
getanzte Märchen, Märchenfilme, Schreibwerkstätten, Vorträge, z.B. zur
therapeutischen Kraft der Märchen
3. Schritt
• Schreiben und Spielen neuer Märchen, die die Lebenssituationen der
Kinder/der Familien deutscher und ausländischer Herkunft beinhalten
• Generationsübergreifendes Mit-Mach-Theater zu „neuen Märchen“
• theatrale Umsetzung dieser Märchen und Präsentation in Stadtteilen und
der Innenstadt
Im Jahre 2010 soll ein internationales Kinder- und Jugendtheaterfestival
zum Thema „Märchen spinnen – Lebensfäden“ veranstaltet werden. Kinder- und
Jugendtheatergruppen aus verschiedenen Ländern Europas spielen Märchen.
Begleitende Symposien zur Bedeutung von Märchen in Pädagogik und Therapie
und Workshops mit Theaterpädagogen aller Länder vertiefen die Themen.
Initiatorin: Dörte Jahn-Schiller, thearte-Kassel
Märchen-Erzählkünstlerinnen werden im Jahr 2010 die
Erwartungen und Wünsche vieler Menschen, vertraute Grimm’sche Märchen zu
hören, erfüllen. Sie beherrschen die alte Kunst des Märchenerzählens und
greifen damit das Erbe der Dorothea Viehmann auf. Sie erzählen wortgetreu
und auswendig. Märchen anderer Kulturen können sowohl in deutsch als auch
in ihren Ursprungssprachen (englisch, französisch, holländisch,
griechisch) erzählt werden. Auch zweisprachige Programme werden angeboten.
Die in den Märchen vorhandenen, weltweiten Urbilder wirken
völkerverbindend, ein wichtiger Aspekt für eine Kulturhauptstadt Europas.
Das Märchenerzählen und -hören bedarf der Geborgenheit an Orten. Besondere
Orte in Kassel, wie Bergpark mit Schloß und Herkules, Karlsaue,
Künstlernekropole, Heckentheater und Museen werden als Erzählorte
ausgewählt. Auch tote oder unheimliche Orte in der Stadt sollen durch
Märchenerzählen wieder belebt werden.
Märchen-Erzählkünstlerinnen: Gudrun Ebel, Liselotte Plotzki, Gabriela
Schweigler, Daphne Solbès-Marjes, Margarita Dettbarn
Initiatorin: Angela Landgrebe
Treffpunkte und
Veranstaltungsorte am Märchenlandweg
Die Deutsche Märchenstrasse und der regionale
Märchenlandweg sind die Routen, auf denen Orte und Landschaften, in denen
die Märchen beheimatet sind, erlebt werden können. An einem der Punkte des
Märchenlandweges, in Schauenburg-Breitenbach, ist seit 1997 die
Märchenwache eingerichtet – zu Ehren der beiden heimischen „Märchenbeiträger“,
der jungen Marie von Hassenpflug und des alten Wachtmeisters Johann
Friedrich Krause. In der Märchenwache werden historische und aktuelle
Aspekte in verschiedenen künstlerischen Bereichen aufgegriffen und mit
entsprechenden Veranstaltungen sowohl das örtliche als auch das regionale
und überregionale
Publikum angesprochen. Das Veranstaltungsprogramm der Märchenwarte enthält
Lesungen, Konzerte, Laterna Magica-Aufführungen oder spezielle
Veranstaltungen für Kinder zu den Schwerpunktthemen Märchen, Hessische
Landesgeschichte und Märchenillustrationen.
An markanten Punkten des Weges sollen Warten errichtet werden, die
einerseits Verbindungen herstellen, andererseits aber auch die jeweiligen
Besonderheiten hervorheben. Diese „MärchenWarten“ erinnern in ihrer
Grundform an Jägerhochstände und sollten aus Holz- und Stahlelementen
zunächst einheitlich erstellt und dann von Standort zu Standort
künstlerisch
frei gestaltet werden – um im Idealfall so etwas wie eine begehbare
Plastik zu schaffen. Die „MärchenWarten“ könnten als Rast- und
Aussichtsplatz, Wetterschutz, Versammlungs- und Spielstätte, als
Treffpunkt und hauptsächlich natürlich als Informationsstand über die
Brüder Grimm und ihre Märchen dienen.
Mit diesem Projekt sollen weitere Gemeinden angeregt werden, sich der
Märchen, ihrer Sammler und „Beiträger“ anzuneh-men und ihre Aktivitäten
miteinander zu verbinden. Die Spuren der Grimms, ihrer Märchen, Sagen und
Lieder sollen in der Region tiefergehend erforscht und noch deutlicher
sichtbar gemacht werden, um zum einen die Identifikation der hier lebenden
Menschen mit ihrem kulturellen Erbe zu stärken, zum anderen natürlich
auch, um dieses Erbe nach außen hin gebührend darzustellen. Hierbei
ergeben sich naturgemäß Bezüge über die Region hinaus bis hinein in
europaweite Zusammenhänge, die es aufzuzeigen, aber auch
weiterzuentwickeln oder neu herzustellen gilt.
Deutsche Märchenstrasse
Die Deutsche Märchenstrasse wurde 1975 im historischen Rathaussaal der
Brüder Grimm-Stadt Steinau an der Straße gegründet, seither hat sie sich
zu einer der beliebtesten Ferienrouten Deutschlands entwickelt. Die
Arbeitsgemeinschaft vereint derzeit mehr als 70 Städte, Gemeinden und
Landkreise. Über 600 km von Hanau bis nach Bremen reiht die Deutsche
Märchenstraße die Lebensstationen der Brüder Grimm und die Orte und
Landschaften, in denen ihre Märchen beheimatet sind, zu einem fabelhaften
Reiseweg aneinander.
Märchenlandweg
Der sagenhafte Wanderweg durch das Märchenland der Brüder Grimm führt
durch dichte Wälder, über sanfte Hügel, entlang an Flüssen und Bächen zu
den sagen- und märchenhaften Orten im Landkreis Kassel und der Städte
Kassel und Hann. Münden.
Gestaltungsvorschlag für eine „Märchenwarte“:
Der untere überdachte Raum wird eingefasst von beschnitzten und bemalten
Ständern und Holzwänden. Dort kann der Besucher ritzen und schnitzen – im
Sinne von „Ich-war-hier“-Markierungen. Davon lassen sich immer wieder
aktualisierte Drucke per Handabrieb herstellen. Durch ein Guckloch in
einer Doppelwand erhält man einen Blick in die Vergangenheit mittels einer
Bild- und Textrolle, die per Handkurbel abgerollt wird. Es gibt
Projektionsflächen für Bilder und Texte, die zu
bestimmten Anlässen am Abend in die Landschaft leuchten, große Wandbilder
mit Märchenmotiven, von Künstlern oder Kindern gestaltet, sowie einen
Vorhang, der eine Guckkastenbühne für Freilichtaufführungen freigibt, ein
„Sammelsurium“ für Fundstücke aus der Umgebung (Steinchen, Blätter und
Blüten, Gräser, Federn, Früchte), typografische Inszenierungen von
Märchentexten und ein „Hüttenbuch“ für Eintragungen aller Art.
Auf der Plattform im oberen Teil der Warte, die durch eine „Himmelsleiter“
zu erreichen ist, befinden sich Windmühlen und andere Windobjekte wie
figurative Wetterfahnen und Märchenflaggen, Klanginstallationen,
Lichtobjekte, Girlandenschmuck aus Blüten und Blättern der Umgebung,
scherenschnitthafte Silhouetten von Vögeln und Märchenfiguren,
Schrifttafeln, die das Landschaftspanorama erklären mit Verweisen auf
bestimmte heimische Märchen und kulturhistorische
Besonderheiten in den verschiedenen Blickrichtungen. Die Plattform dient
darüber hinaus als „Kanzel“ für Lesungen, Vorträge, Aufführungen.
Ein Prototyp der „MärchenWarte“, die eine quadratische Grundfläche mit
einer Seitenlänge von etwa 2,50 Metern haben sollte, wird vorläufig an der
Märchenwache in Schauenburg-Breitenbach aufgestellt und dort vom Künstler
Albert Schindehütte gestaltet werden. Wie in vielen seiner Projekte für
die Märchenwache werden auch hier die Schulkinder des Ortes mit
einbezogen.
Auch für die Gestaltung der anderen „MärchenWarten“ sollten Künstler aus
der Region, aber auch aus anderen Regionen Europas beteiligt werden, um
die Vielfalt der Bezüge und Wirkungen der Märchen deutlich werden zu
lassen. Wichtig ist, dass in den jeweiligen Orten interessierte Bürger als
Sponsoren, Mitarbeiter und Paten gewonnen und aktiv beteiligt werden.
Initiator: Christian Abendroth, Märchenwache Schauenburg
Internationales
Sprachkunstfestival in Kassel
Im Jahre 2010 liegt der Beginn der europäischen
Literaturavantgarden ziemlich genau 100 Jahre zurück – nimmt man die
Formation des russischen und italienischen Futurismus und des Dadaismus
als Startpunkt. Das ist Anlass, ein Festival zu veranstalten, das die
Gegenwart der Poesie in Europa präsentiert und nach ihrer Zukunft vor dem
Hintergrund der Tradition fragt. Kassel als Stadt der modernen Kunst ist
genau der Ort, an dem diese Literaturtradition eine Heimstatt erhalten
sollte.
Poesie heute entwickelt sich nicht mehr im Sinne avantgardistischen
Fortschrittdenkens. Das ‚Neue’ der Poesie ist vielmehr abhängig von
Tradition, schon allein weil es eine Tradition des ‚Neuen’ gibt. Wo Poesie
sich als Sprachkunst oder eben auch als eine ‚neue Poesie’ verstanden hat,
die die „weißen Flecken auf der Landkarte der Poesie“ (Ernst Jandl)
erkundet, hat sie sich im vergangenen Jahrhundert immer wieder andere,
unerwartete Wege gebahnt. Nach dem Dadaismus wären als
Stationen unter anderem zu nennen: Expressionismus, Surrealismus,
Lettrismus, Konkrete Poesie, Oulipo. Es haben sich neue poetische Genres
gebildet, die bis in die unmittelbare Gegenwart lebendig geblieben sind
wie z.B. visuelle Poesie, Lautpoesie, Neues Hörspiel, Radiopoesie oder die
Poesie der Contrainte. Diese Dynamik ist auch heute ungebrochen: im
gedruckten Gedicht und daneben mit jüngeren Entwicklungen wie
Videodichtung, Spoken Word, Slampoetry oder digitale Poesie. Über die
Nationalsprachen hinweg ist diese Entwicklung in europäischen bzw.
internationalen Netzwerken erfolgt, unter anderem auch mit Kooperativen,
Gruppenbildungen und kollektiven Präsentationen.
Dieses vielseitige Geflecht (diesen ‚Text’) poetischer Erscheinungen will
das Festival in einem aktuellen Querschnitt – zum Zeitpunkt 2010 – und in
einem historischen Längsschnitt lebendig präsentieren. Das Festival lädt
etwa 40 Dichter aus verschiedenen europäischen Ländern nach Kassel ein, um
sich und ihre aktuelle Sprachkunst zu präsentieren und sich untereinander
und mit Vertretern des Literaturbetriebs und der Literaturwissenschaft
auszutauschen.
Das Programm soll als eine Kooperative verschiedener bestehender
Poesiefestivals Europas (gegenwärtig z.B. Rotterdam, Barcelona, Berlin)
entwickelt werden. Es gliedert sich in
• Ausstellung
• Lange Nacht der Poesie
• Colloquium
• Einzelveranstaltungen
Die Ausstellung zeigt – vor allem visuelle – Sprachkunst in zwei Teilen:
1. historische Exponate, die die Entwicklung seit den Avantgarden
dokumentieren: von Mallarmés „Un Coup de Des“ bis zu den verschiedenen
Ansätzen der Medienpoesie (Textfilme, Videopoesie, Holopoetry, digitale
Poesie) bis zur letzten Jahrhundertwende.
2. einen aktuellen Querschnitt mit interessanten Arbeiten, die die
historisch entwickelten Verfahren aufgreifen, weiterentwickeln, erweitern.
Während der Ausstellungsdauer findet ein Beiprogramm aus Vorträgen statt.
Die lange Nacht der Poesie bringt in Kurzauftritten mit einer Auswahl von
Highlights aus allen Bereichen des Festivals noch einmal einen kompakten
Überblick mit deutlichem Event-Charakter.
Das Colloquium hat ebenfalls zwei Teile: einen öffentlichen, in dem
ausgewählte Dichter, Wissenschaftler, Verleger und Literaturkritiker sich
über die Dynamik von Tradition und Innovation und Gegenwart und Zukunft
der Dichtkunst austauschen werden. Der zweite Teil ist nicht öffentlich
und schließt an die Erfahrungen des historischen Bielefelder Colloquiums
Neue Poesie an: Hier treffen sich die anwesenden Dichter, um sich
gegenseitig ihre Produktion vorzustellen und sie gemeinsam (kritisch) zu
diskutieren.
Die Einzelveranstaltungen konzentrieren sich in Blöcken auf bestimmte
performative Genres:
• klassische Buch-Lesung
• Lautpoesie und stimmbasierte Performance
• Poesie in konzeptueller Verbindung mit Tanz und/oder Musik
• Video- und Filmpoesie
Zeitlich soll zunächst die Ausstellung eröffnet werden. Das
Sprachkunstfestival selbst ereignet sich an fünf Tagen am Schluss der
Ausstellung. Die Veranstaltungen sollen an mehren Orten in Kassel
stattfinden. Veranstalter ist die Stiftung Brückner-Kühner. Kooperationen
mit den Trägern verschiedener europäischer Poesiefestivals sowie
europäischen Institutionen, die einen Schwerpunkt auf Dichtkunst haben
sowie Kooperationen mit der Universität Kassel, den europäischen
Kulturinstituten und dem Goetheinstitut sind geplant.
Initiator: Dr. Friedrich W. Block, Stiftung Brückner-Kühner
Stadtbibliothek und
mehr
Ein großer Wunsch aller Leserinnen und Leser, die die
Angebote der Stadtbibliothek nutzen, und der Kulturpolitik ist es, eine
neue großzügige und attraktive Unterbringung der Hauptstelle der
Stadtbibliothek zu erreichen. Die Stadtbibliothek ist zurzeit im Gebäude
des Rathauses auf einer Fläche von 800 qm angesiedelt. Die Räume sind als
Verwaltungsräume gebaut. Die Fläche ist für die Anforderungen einer
Zentralbibliothek einer Großstadt viel zu klein.
Stadtbibliothek und mehr heißt
• Ein einladendes Gebäude, an dem jeder (keiner) vorbeikommt!
• Bildung und Informationen zum Greifen nah
• Bücher, Zeitschriften, CDs, Hörbücher, Filme, elektronische Medien
• Lesen und lernen, informieren und studieren, diskutieren, zuhören,
schmökern und schmunzeln
• Literaturcafé – Literatursalon
• Literarische Veranstaltungen „Kassel schreibt – Kassel liest“ und
„Kassel denkt – Kassel dichtet“, Autoren zu Gast
• Auslobung eines „Kulturstadtschreibers“ im Jahr 2010
• Anregung literarischer Produktionen und Projekte in Kassel
• Ein Forum für alle mit eigenen Veranstaltungen und Veranstaltungen
anderer
Wünschenswert ist die Einbeziehung des Projektes „Literaturhaus für
Kassel“ in das Haus der Medien, um die Schnittstellen zwischen beiden
Arbeitsfeldern produktiv und kreativ nutzen zu können. Eine Realisierung
des Hauses der Medien gemeinsam mit den Volkshochschulen von Stadt und
Landkreis am Kulturbahnhof würde große Synergien entstehen lassen und für
Stadt und Region eine besondere kulturelle Attraktion herstellen.
Initiatorin: Gertrud Hermann, Stadtbibliothek
Das Kasseler Literaturhaus versteht sich als ein
intellektuelles Forum. Die Atmosphäre ist weltoffen, kritisch und
tolerant. Hier können Ideen und Gedankenmodelle entworfen und präsentiert
werden.
Im Literaturhaus begegnen sich Literaten, Künstler, Musiker, Filmemacher,
Regisseure. Darüber hinaus kommen verschiedene gesellschaftliche Gruppen
mit Kulturschaffenden im Dialog zusammen. Die Begegnung der
unterschiedlichen Denk und Arbeitsweisen ist für alle eine Erweiterung und
Bereicherung.
Das Literaturhaus ist eine offene Einrichtung, die Mitglieder und Besucher
ermutigt, ihre Anregungen und Wünsche einzubringen. Und doch gibt es ein
Grundgerüst zur Orientierung:
Im Literaturhaus finden Vortragsreihen und Kontroversen zu aktuellen
intellektuellen Ereignissen statt. Dichterinnen und Dichter lesen aus
ihren Werken und diskutieren auch mit ihren Gästen. Filmabende und
Ausstellungen zu zeitgenössischen Themen runden die Angebotspalette ab.
Das Literaturhaus will ein lebendiges und markantes Programmprofil
gewinnen. Unveröffentlichtes, gerade Erschienenes, neu Übersetztes,
Wiederentdecktes wird gelesen und diskutiert werden. Flankiert durch
Debatten und Vorträge präsentiert sich Literatur mitten in den großen
Themen der Zeit, wenn möglich auch unter Beteiligung von Rundfunk oder
Fernsehen. Im Literaturhaus kommen vielfältige Gesellschafts- und
Berufsgruppen ins Gespräch. Sie alle sollen offene Türen finden und offene
Ohren für Anregungen und Meinungen:Zwischen Werkstatt und Weltliteratur –
vielstimmige und innovative Möglichkeiten ergeben sich daraus
• Junge Literatur
• Stipendien und Wettbewerbe
• Kreation und Kooperation; Autorinnen und Autoren treffen mit
Filmemachern, bildenden Künstlern, Philosophen, mit
Architekten und Stadtplanern zusammen, um gemeinsam in neue Richtungen
voranzugehen
• Neue Medien: Die rasanten Entwicklungen auf den Gebieten Information und
Kommunikation werden durch Vorträge und Gesprächsrunden transparent
gemacht
• Literatur und Wissenschaft – Poetische Durchdringung statt willkürlicher
Trennung
• Fenster zur Welt will das Literaturhaus sein und wird sich folglich sehr
um internationale Gäste bemühen, um an aktuelle Debatten in anderen
Ländern anzuknüpfen
• Viele Literaturhäuser machen eine Literaturstadt – Europäische
Literaturhäuser präsentieren sich in Kassel mit ihren Highlights
• Deutschschreibende Autorinnen und Autoren ausländischer Herkunft in
Kassel stellen sich vor
• Kinder im Literaturhaus – für die Besucher von Morgen gibt es Theater,
Text, Klang und Bild
• Mitgestalter und Gäste – das Literaturhaus kooperiert mit
Literaturvereinen, Literaturinitiativen, Bibliotheken und kulturellen
Institutionen
Eigene Räumlichkeiten und eine lebendige Umgebung sind Voraussetzung für
ein funktionierendes Literaturhaus: Veranstaltungs-Saal ab 100 Personen,
Räume für Kurse, Seminare, Lesungen. Restaurant- und Cafébetrieb. Eine
Buchhandlung. Die Räumlichkeiten können für externe Veranstaltungen
angemietet werden. Eine professionelle Beleuchtungs- und
Übertragungstechnik
ermöglicht Radio- und Fernsehsendungen aus dem Literaturhaus. Büroräume
und sanitäre Einrichtungen.
Initiator: Peer Schröder, Kasseler Literaturkreis
Aktive Literatur für
Stadt und Region
Die „Werkstatt Kassel“, die ein umfangreiches Angebot
an sozialen und kulturellen Projekten unter einem Dach vereint, will eine
aktive, literarische Identität in der Stadt und der Region entwickeln.
Regionale Autoren, auch unbekannte, sollen zu Lesungen eingeladen werden,
Schreibwerkstätten und Diskussionen regen das regionale literarische
Schaffen an. Das neue Literaturangebot der „Werkstatt“ soll in städtische
Netzwerke und in die europäische Kooperation der Literatur-Cafés
eingebunden werden. Mit dem Literaturnetzwerk „Le Réseau des Café-Lecture“,
einem europaweiten und auch in Nordafrika tätigen Literaturnetzwerk, ist
eine Kooperation vereinbart.
Initiatorin: Carmen Weidemann, Werkstatt Kassel e.V |