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Grimms Botschaften weitererzählen

8.1. "Erlebnismuseum Grimms Welten"

Magnet für Menschen aus allen Ländern der Erde

Sammlung und Herausgabe der Märchen hat die Brüder Grimm weltberühmt gemacht. Die Märchensammlung ist in der Zeit entstanden, in der die Brüder Grimm in Kassel gelebt und gearbeitet haben. Die Märchen sind ihnen von Menschen aus Stadt und Region erzählt worden, viele haben Beziehungen zu Orten in Nordhessen.
Die meisten Menschen, die nach Kassel kommen, kennen nur die Leistung der Brüder Grimm als Märchensammler. Das Wirken der Brüder Grimm ist jedoch wesentlich vielgestaltiger gewesen. Ihre Arbeit am Deutschen Wörterbuch mit großem Verdienst für die deutsche Sprache und Literatur und die politische Tätigkeit Jacob Grimms sind ebenfalls wichtige Facetten ihres Wirkens.
Die Planung, ein „Museum Grimms Welten“ zu bauen, in dessen Mittelpunkt die Grimm’schen Märchen stehen, reagiert auf die bisher nicht ausreichend erfüllte Erwartung vieler Besucherinnen und Besucher aus aller Welt, ein Museum zu besuchen, dessen Thema Grimms Märchen sind. In dem verwunschenen und bisher kaum zugänglichen Weinberg und im Henschel Garten soll ein Konzept verwirklicht werden, das sowohl für Familien mit Kindern wie auch für Besucherinnen und Besucher der documenta ein anspruchsvolles Märchenerlebnis ist.
„Grimms Welten“ sollen entlang der die Stadt prägenden Hangkante sowohl im Außenbereich wie auch in den Höhlen und Gängen des Henschel Gartens und in Gebäuden verwirklicht werden. Entlang der Neuen Galerie soll der Weg über eine Brücke in den Henschel Garten und in den Weinberg führen. Unter dem Henschel Garten befinden sich auf drei Ebenen unterirdisch Bauwerke, die zur Lagerung des im Winter geschnittenen Eises und der Kühlung von Bier dienten. Die erschlossene Ebene hat 2700 qm Fläche. Die Stollen der oberen und unteren Etagen sind teilweise eingestürzt und unbegehbar.
Dieser besondere Ort mit seinen Parkanlagen, seinen unterirdischen Räumen und ergänzenden oberirdische Bauten gibt vielfache fantasie- und kreativitätsanregende Möglichkeiten, den Themenkomplex „Grimms Märchen“ durch Skulpturen, durch Installationen, durch virtuelle Darstellungen und Räume des Hörens zu einem alle Sinne ansprechenden Erlebnis werden zu lassen.
70 Diplomandinnen und Diplomanden des Studienganges Architektur der TU Darmstadt haben das Thema „Grimms Welten“ als Diplomarbeitsthema gewählt. Ausgewählte Arbeiten werden im Mai 2004 in Kassel ausgestellt.

Initiator: Stadt Kassel, Brüder Grimm-Gesellschaft

 

8.2. Brüder Grimm – Märchen für Erwachsene !?

Grimm’sche Märchen sollen im Rahmen einer neuen Veranstaltungsform europaweit präsentiert werden. Bestandteile der Veranstaltung sollen die Ausstellung neuer Märchenillustrationen, Märchenlesungen, multimediale Präsentation neuer Märchenillustrationen während der Lesungen, musikalische Begleitung mit neuen Kompositionen und ein gastronomischer Rahmen mit märchenhaften Speisen unter Verwendung authentischer Zutaten sein.

Initiator: Ulrich Wicke, ARTNORDHESSEN e.V.

 

8.3. Das "Haus der Wörter"

Das "Wörterhaus"

Das „Wörterhaus“ ist in Anlehnung an die Arbeit der Brüder Grimm am Deutschen Wortschatz der Etymologie im wirklich weitesten Sinne gewidmet. Neben der wissenschaftlichen Arbeit steht gleichrangig die künstlerische Auseinandersetzung mit den Wörtern.
Die Fassade des Hauses soll als ein großes Wortdisplay ausgebildet werden, auf dem, die aktuelle Arbeit im Haus reflektierend, Wort-Kompositionen, Wort-Kunstwerke präsentiert werden. In den Ausstellungsräumen des Erdgeschosses werden Arbeiten, die sich mit den Wörtern, den Buchstaben oder dem Geschriebenen auseinandersetzen, ausgestellt.
Etwa japanische Kalligraphie, islamische Wortbilder, moderne Wortgraphik, Jandl/Gomringer und Wort-Kunst, wie: J. Holzer, H. Darboven, R. Pettibon, G. Ligon, F.B. Bouabré, C.W. Evans, D. Small. Im ersten Obergeschoss inszeniert und entwickelt Ecke Bonk seine Grimm-Arbeit. Ein Café könnte hier, wenn es mit Bonks Konzept vereinbar ist, das Verweilen und Studieren erleichtern. In den beiden weiteren Obergeschossen finden wissenschaftliche und künstlerische Auseinandersetzungen mit den Wörtern und der Sprache statt. Und nicht zuletzt könnte an diesem Ort auch das „Kasselänerisch“ gepflegt und bewahrt werden.
Der Standort der ehemaligen „Kriegsschule“ zwischen Fridericianum und Theater wäre ideal für diesen Zweck geeignet. Das Gebäude würde die große Schaufassade des Friedrichsplatzes wieder erstellen; es wird, soweit die moderne Verkehrsabwicklung das zulässt, die Wunde des modernen Verkehrsdurchbruchs heilen.

Initiator: Prof. Klaus Pfromm

 

8.4. Das Märchenkochbuch

Als Hommage an die Brüder Grimm soll ein Märchenkochbuch entstehen, dessen Inhalt die Gerichte der Grimm’schen Märchen sind.
Dieses Märchenkochbuch soll auch in den gastronomischen Betrieben entlang der deutschen Märchenstraße und am Märchenlandweg verkauft und so ein weiterer Beitrag für einen qualifizierten Kulturtourismus werden.

Initiatorin: Maya Deventer

 

8.5. Die Bedeutung der Brüder Grimm

Die Brüder Jacob (Ludwig Carl: *4.1.1785 Hanau – †20.9.1863 Berlin) und Wilhelm (Carl: *24.2.1786 Hanau – †16.12.1859 Berlin) Grimm entstammen einer alteingesessenen hessischen Familie. Ihre Kindheit und frühe Jugend verlebten die Brüder Grimm zusammen mit weiteren vier Geschwistern im Landstädtchen Steinau an der Straße. Nach dem Tod des Vaters (1796) besuchten sie ab 1798 in Kassel das Lyceum Fridericianum, darauf studierten sie die Rechte an der hessischen Landesuniversität zu Marburg (1802/03 – 1805/06).Während der französischen Okkupation war Jacob Privatbibliothekar des Königs Jérôme Bonaparte und Mitglied des französischen Staatsrates in
Kassel. Danach wirkten beide Brüder – Wilhelm seit 1814, Jacob seit 1816 – als Bibliothekare an der Kurfürstlichen Bibliothek zu Kassel. Von 1830 bis 1837 arbeiteten die Brüder Grimm als Bibliothekare und Professoren an der Universität Göttingen, die sie jedoch nach ihrer Teilnahme am Protest der „Göttinger Sieben“ 1837 verlassen mussten. Von 1841 bis zu ihrem Tode wirkten sie als Mitglieder der Kgl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin. 1846 und 1847 waren sie maßgeblich beteiligt (Jacob Grimm hatte den Vorsitz inne) an den Germanistenversammlungen in Frankfurt am Main und in Lübeck; 1848 saß Jacob Grimm in der ersten Deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche.
Die Brüder Grimm gelten als die Begründer der modernen Literarischen Volkskunde sowie der Germanischen Sprach- und Literaturforschungen, sie beeinflussten aber auch die neuere Rechts- und Religionswissenschaft. Mit ihrem Interesse für die literarische und volkstümliche Überlieferung und mit ihrer akribisch vergleichenden, empirischen Arbeitsweise stehen sie am Beginn der historisch-kritischen Philologie des 19. Jahrhunderts und haben über Deutschland hinaus auch der Keltistik, der Romanistik, der Slawistik sowie der Finno-Ugristik wichtige Impulse gegeben.
Im Zentrum Grimm’schen Denkens steht die Vorstellung von der „organischen“ Einheit kulturgeschichtlicher Phänomene. Sowohl in den dichterischen und anderen literarischen Zeugnissen der Vergangenheit als auch in den zum Teil mündlich bis in die Gegenwart tradierten Volksüberlieferungen wird dabei das Fortleben eines „ursprünglichen“ und „wahren“ Mythos gesehen, der nicht nur in der antiken, griechischen und lateinischen Mythologie seine Ausprägung erfuhr, sondern auch in der Dichtung und im Volksglauben der Kelten, Germanen, Slawen und anderer Völker.
Mit ihren 1812 und 1815 zweibändig zu Berlin erstmals erschienenen und inzwischen in über 160 Sprachen und Kulturdialekte aller Erdteile übersetzten „Kinder- und Hausmärchen“ haben Jacob und Wilhelm Grimm Weltruhm erlangt, bis heute der entscheidende Dreh- und Angelpunkt jeder modernen Märchenforschung. Daneben stehen die „Deutschen Sagen“ der Brüder Grimm, die 1816 und 1818 ebenfalls zweibändig zu Berlin erschienen. Zum ersten Mal arbeiten sie systematisch alle ihnen erreichbaren mündlichen und schriftlichen Quellen auf. Unterstützt werden sie von zahlreichen Informanten, die vornehmlich aus Hessen und Westfalen kommen und, wie sie selbst, den gebildeteren Schichten der Gesellschaft entstammen. Allein der „stockhessischen“ Märchenfrau Dorothea Viehmann (1755 – 1815) aus dem nahe Kassel gelegenen Dorf Zwehren haben sie in ihrer Sammlung ein Denkmal gesetzt, da sie ihrem romantisch bestimmten Wunschbild einer "volkstümlichen“ und „ungebildeten“ Erzählerin am meisten nahezukommenschien. Nähere Forschungen zur Überlieferungsproblematik der „Kinder- und Hausmärchen“ haben jedoch eine bisweilen starke Abhängigkeit von der romanischen Märchentradition in Italien und Frankreich gezeigt, was u.a. mit der hugenottischen Abstammung der wichtigsten Kasseler Märchenbeiträger erklärt werden kann.
Die von den Grimms ausgewerteten schriftlichen Quellen ihrer Märchen- und Sagensammlungen reichen von der Antike über die altdeutsche und altnordische Dichtung (Hildebrandlied, Merseburger Zaubersprüche, Muspilli, Edda, u.a.) bis zur europäischen Literatur des christlichen Mittelalters. Dabei werden erstmals systematisch neben den eigentlichen Märchen und Sagenquellen auch alte Volkslieder, Volksbücher, Volksrecht, Brauchtum, Aberglaube sowie sprachhistorische u.ä. Fakten (Orts- und Personennamen, Wochentagsnamen u.a.) ausgewertet.
Die Sprach- und literarhistorischen Forschungen und Sammlungen der Brüder Grimm wurzeln tief in der deutschen Romantik, die man als eine literarische, künstlerische und wissenschaftliche Gegenbewegung zur Französischen Revolution begreifen kann. Die Brüder Grimm förderten mit zahlreichen weiteren Gelehrten, sammelnden Dilettanten und Schriftstellern zahlreiche Quellen und Zeugnisse der „germanischen“ und „altdeutschen“ Literatur erstmals zutage. Die Grimm’sche
Vorgehensweise ist jedoch zutiefst systematisch und historisch und hat dazu geführt, Sprache und Literatur in ihrem Werden und in ihrer Entwicklung zu begreifen, Kultur und Geschichte in ihrer Bedeutung für die Gegenwart neu zu definieren.
Das Ergebnis ist die Begründung einer „vaterländisch“ genannten deutschen Wissenschaft, der „Germanistik“, der die Grimms auch den Namen gaben. Jacob Grimm legte mit seiner mehrere tausend Seiten umfassenden „Deutschen Grammatik“ (zuerst 1819) den Grundstein für die gesamte neuere germanistische Sprachwissenschaft; beide Brüder begründeten mit ihrem „Deutschen Wörterbuch“, das sie vom Buchstaben „A“ bis zum Wort „Frucht“ noch selbst bearbeiteten, die neuere deutsche Lexikographie. Ihre zahlreichen Editionen und Sammlungen zur alt- und mittelhochdeutschen sowie zu weiteren mittelalterlichen Dichtungstraditionen waren Vorbild für die neuere Editionsphilologie.
Obwohl das „Deutsche“ oder „Germanische“ im Zentrum ihres Schaffens stand, haben sich die Brüder Grimm stets mit den wichtigsten Nachbardisziplinen beschäftigt und sich auch mit den Nationalphilologien anderer Länder und Völker auseinandergesetzt. Sowohl in der keltischen und romanischen Welt als auch in den slawischen, baltischen und finnougrischen Ländern werden sie bis heute hoch geachtet. Vor allem die kleineren Völker Europas beziehen sich in ihrer kulturellen
Wiedergeburt und Vielfalt im 19. und 20. Jahrhundert wiederholt auf das historische Konzept eines an Sprache, Dichtung und Geschichte orientierten Selbstverständnisses. Wenn auch der Umfang und die Richtung des Grimm’schen Werkes bisweilen als „romantische“ oder „wilde Philologie“ kritisiert
worden sind, bleibende Bedeutung in Deutschland und Europa gewannen Jacob und Wilhelm Grimm durch die identitätsstiftende Funktion ihres Wirkens. Ihre Werke müssen daher immer eingeordnet werden in den gesellschaftlichen und politischen Kontext der Zeit. Sehr wesentlich beigetragen haben die Brüder Grimm zur Herausbildung eines gesamtdeutschen Bewusstseins und zur Begründung einer nationalen Bewegung in Deutschland. Ihr wissenschaftliches Wirken steht daher immer in einer spezifischen Wechselwirkung zu ihrem politischen Handeln. Dies wird besonders deutlich am Beispiel der Mitwirkung beider Brüder am Protest der „Göttinger Sieben“ gegen den Verfassungsbruch des Hannoverschen Königs 1837, den sie als eine „Protestaktion des Gewissens“ (Dahlmann) verstanden und der sie schlagartig der breiten politischen Öffentlichkeit bekannt werden ließ. Großen persönlichen Anteil nahmen sie schließlich an der ersten Deutschen Nationalversammlung 1848, in der Jacob Grimm als Abgeordneter des rheinpreußischen Wahlkreises Mülheim (Ruhr) eine nicht unbedeutende Rolle spielte. Sein dort gestellter Antrag zu den „Grundrechten des Deutschen Volkes“ kann gerade nach der Wiedervereinigung Deutschlands und der Integration der europäischen Völker wieder aktuell werden. „Das deutsche Volk ist ein Volk von Freien und deutscher Boden duldet keine Knechtschaft. Fremde Unfreie, die auf ihm verweilen, macht er frei.“

Die Brüder Grimm und Europa
Jacob und Wilhelm Grimm unterhielten fachliche und freundschaftliche Beziehungen zu vielen bedeutenden Gelehrten, Schriftstellern und Künstlern ihrer Zeit und waren Mitglieder zahlreicher in- und ausländischer gelehrter Gesellschaften und Akademien. Gerade weil sie die Geschichte ihres eigenen Volkes in umfassender Weise kannten, war ihr Verhältnis zu anderen Ländern und Kulturen sehr differenziert und aufgeschlossen. Die Titel der Grimm’schen Werke lesen sich denn auch wie eine weit ausgreifende europäische Kulturgeschichte, in der beinahe jedes europäische Volk mit seiner Sprache, seiner Literatur und seiner Geschichte Berücksichtigung gefunden hat. Überdies waren die Sprach- und Literaturforschungen der Brüder Grimm häufig unmittelbares Vorbild für das Entstehen
nationaler Philologien und haben vor allem die Keltistik, die Romanistik, die Slawistik und sogar die Baltistik und Finno-Ugristik deutlich befruchtet.
Die Erforschung der europäischen Tiersage stieß die Brüder Grimm immer wieder auf lateinische und französische Quellen wie den Ysengrimmus des flämischen Dichters Nivardus oder den anonymen altfranzösischen Roman de Renard. Während sich Wilhelm Grimm ausgiebig mit der romanischen Märchentradition sowie auch mit den romanischen Überlieferungen der Heldensage beschäftigte, edierte Jacob Grimm unter dem Titel „Silvia de romances viejos“ eine Sammlung altspanischer Helden und Spielmannsdichtungen und veröffentliche Studien zur vergleichenden romanischen und germanischen Sprachgeschichte.Unter unmittelbarem Rückgriff auf die Grimmsche Sammlung der Deutschen Rechtsaltertümer gab der französische Historiker Jules Michelet 1837 seine „Origines du droit français“ heraus, die ohne die Grimm’sche Vorarbeit nicht denkbar wären. Auch die erste grundlegende historische Grammatik der romanischen Sprachen, die Friedrich Diez 1836 bis 1844 herausgab, entstand unter dem direkten Einfluss des Grimm’schen Vorbildes. Die moderne keltische Philologie verdankt in ihren Anfängen zahlreiche Impulse ebenfalls den Brüdern Grimm. Früh schon
pflegten diese Kontakte nach Schottland (Walter Scott) und Irland (Crafton Croker), später auch in die Bretagne (La Villemarqué). Wilhelm veröffentlichte 1813 „Drei altschottische Lieder“, 1826 erschienen die Irischen Elfenmärchen in der Übersetzung der Brüder Grimm, 1847 Jacobs Abhandlung „Über Marcellus Burdigalensis“, in der er die ältesten damals bekannten keltischen Sprachzeugnisse erstmals erklären konnte. Auch der Verfasser der ersten historischen Grammatik der keltischen
Sprachen, Johann Caspar Zeuß, bezieht sich unmittelbar auf das Grimm’sche Vorbild.
Nicht zuletzt spielte auch die slawische Welt – zunächst über Wien, Prag und Königsberg vermittelt – eine wichtige Rolle im Werk der Brüder Grimm. Früh schon beschäftigten sie sich mit dem sogenannten altrussischen lgorlied, dann mit den serbischen Volksepen, denen sie zu Weltruhm verhalfen. Andere Kontakte führten nach Böhmen, Pole,. schließlich nach Russland, wo die Grimm’schen Arbeiten auf besonders fruchtbaren Boden fielen.
,,Ihre Grammatik wird als Leitfaden bei der Bearbeitung der russischen benutzt; und Ihre deutsche Mythologie und die Rechtsaltertümer dienten mir zur Richtschnur“, schrieb 1845 ein russischer Briefpartner (Ivan Snegirev) an Jacob Grimm. Zahlreiche volkskundliche und sprachwissenschaftliche slawistische Arbeiten – etwa die klassische Sammlung der Russische(n) Volksmärchen von Aleksandr Afanas’ev oder die Serbische Grammatik von Vuk Karadzic – stehen deutlich unter dem Einfluss der Brüder Grimm. Dies betrifft auch die erste bedeutende historische Grammatik der slawischen Sprachen, die der Slowene Miklosich 1852 bis 1874 herausgab.
Weitere Arbeiten der Brüder Grimm widmeten sich schließlich noch Fragen der baltischen Sprachen und Volksdichtungen, dem finnischen Kalevala-Epos, neugriechischen Volksdichtungen und zahlreichen anderen Themen, die die ganze Bandbreite ihrer wirklich europäisch ausgerichteten Philologie belegen.
,,Die wissenschaften erkennen keine grenzen", – schrieb Jacob Grimm 1853, – im gegentheil ihr streben geht dahin, die abgesteckten unterschiede der völker zu überschreiten und das band zu festigen, das in weitem umkreis zwischen allen geschlungen werden sollen …“

Initiator: Dr. Bernhard Lauer, Brüder Grimm-Museum

8.6. Die Grimms und Europa - eine Wanderausstellung

Bis zum Kulturhauptstadtjahr 2010 soll eine Ausstellung durch die Länder Europas wandern, die über das Werk der Brüder Grimm im internationalen Kontext informiert. Begleitend finden internationale Symposien statt, die zeigen, welche Beziehungen das Thema zum jeweiligen Kulturkreis hat. Im Jahr 2010 soll eine große Ausstellung mit dem Titel „Die Brüder Grimm und Europa“ sowie eine begleitende Tagung stattfinden.

Initiatoren: Brüder Grimm-Museum, Brüder Grimm-Gesellschaft

8.7. Ein starkes Fundament für Kassel als Brüder Grimm-Zentrum

Die Gründung einer Stiftung/Akademie schafft das Fundament

Kassel soll weltweit das Brüder-Grimm-Zentrum werden. Das Wirken der Brüder Grimm für die Entwicklung der deutschen Sprache, für literarische Volkskunde, Märchen und Erzählkultur und für Demokratie ist ein nationales Thema mit Weltbedeutung. Neben Kassel waren viele andere Orte im Lande Hessen wichtige Wegstationen im Leben der Brüder Grimm. Damit die Brüder Grimm-Forschung und die Präsentation des Wirkens der Brüder Grimm in ihrer Bedeutung für Deutschland, für das Land Hessen und für Stadt und Region Kassel entwickelt werden können, soll eine Stiftung oder eine Akademie gegründet werden, an der sich die Bundesrepublik Deutschland, das Land Hessen, die Stadt Kassel, der Landkreis Kassel und verlagsnahe Stiftungen beteiligen sollen. Damit soll eine solide finanzielle Grundlage geschaffen werden, um Forschung und Museumsentwicklung so auszubauen,
dass Kassel zu dem Brüder-Grimm-Zentrum in der Welt und auch Ziel für einen qualitätvollen Kulturtourismus in Stadt und Region wird.

Initiator: Stadt Kassel, Brüder Grimm-Gesellschaft

 

8.8. Europäisches Festival der Gebärden-Poesie

Im Jahr 2010 wird in Kassel das Europäische Festival der Gebärden-Poesie stattfinden. Poesie, Musik und Tanz – begleitet von Gebärden-Gesang – werden sowohl Hörenden wie auch Tauben neue Kunstwelten eröffnen. Als Akteure werden an dem Festival Gehörlose, Schwerhörige, Ertaubte und Gebärdendolmetscher teilnehmen. Kommuniziert wird in der internationalen Gebärdensprache.
Ab 2005 werden in Deutschland und in anderen europäischen Ländern Gebärdenwettbewerbe zur Visualisierung von Poesie, Musik und Tanz durchgeführt. Die Sieger dieser Länderwettbewerbe werden zum europäischen Festival der Gebärden-Poesie nach Kassel eingeladen.
Der Gebärden-Wettbewerb soll in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Gehörlosenbund, dem Deutschen Schwerhörigenbund, der Organisation „Taubenschlag“ sowie mit Landes- und drtsverbänden der Gehörlosen und Schwerhörigen durchgeführt werden.

Initiatoren: Wilfried Wareka, Almut Frühauf

 

8.9. Grimm-Festival

Kassel richtet die größte Märchenveranstaltung Europas aus

Seit langem wird in der Stadt der Wunsch gehegt, ein Festival mit den Märchen der Brüder Grimm in Kassel zu etablieren. Ein erstes Festival soll im Jahre 2004 stattfinden. Bis zum Jahr 2010 soll in Kassel das wichtigste Märchen-Festival Europas installiert werden, das europäische Auseinandersetzungen zum Thema Grimm zeigt, diskutiert und inspiriert. Zugleich soll das Festival eine sinnliche Einladung an die kleinen und großen Bürger der Region und Gäste von außerhalb zur Entdeckung oder Wiederentdeckung der Grimm’schen Märchen sein.
Die Theater des Kindertheaterbürooos setzen sich seit vier Jahren mit den Grimm’schen Märchen auseinander und haben in dieser Zeit einen reichen Fundus an Produktionen erarbeitet, der auch international gezeigt wird – von New York bis nach Sibirien und von Belgien bis in die Schweiz. Das Festival wird im jährlichen Wechsel mit dem folgenden Projekt „Kassel erzählt“ stattfinden. Denkbar ist auch ein dreijähriger Rhythmus, dann mit einem weiteren Festival mit den modernen Nachläufern der Märchen – wie Comic und Fantasy.
Spielort könnte das Umfeld des Brüder Grimm-Museums sein. Dort sind drei Innenspielorte möglich, vor dem Museum wird eine Installation mit kleinen Zelten und einer Open-Air-Bühne die notwendige Aufführungsstruktur bilden. Einzelne Märchenmotive werden als Großobjekte das künstlerische Bild abrunden. Im Garten des Grimm-Museums wird ein Festival-Café eingerichtet.
In der Folge werden für jedes Festival auch Großproduktionen erarbeitet, wie z. B. „Die Viehmännin“ – eine biografische Reise durch das Leben der berühmten „Märchenlieferantin“, oder ein Stück „Brüder Grimm“. Diese Produktionen werden auch im Hessischen Kultursommer gezeigt werden. Eine Verknüpfung mit dem Projekt „Märchentheater am Märchenlandweg“ ist geplant.
Für 2004 sind die ersten zwei Juli-Wochen als Veranstaltungstermine vorgesehen. Der Start ist ein Festival-Wochenende, gefolgt von Angeboten für die Schulen und Kindergärten sowie einem Märchenerzählmarathon (24 Stunden Märchen am Stück), einer Märchennacht mit Übernachtung usw., künstlerischen Aktivitäten mit der Märchenwache und anderen Projekten, ein Tag, der sich der Umsetzung in andere Sprachen widmet (konkret könnte ein türkisches Unternehmen eine türkische Erzählerin finanzieren und bei der türkischen Bevölkerung werben), ein Tag für Prinzen und Prinzessinnen, Kinder spielen für Kinder, Schreibwerkstatt, Märchencafé, Märchenhaftes Kochen, usw.
Im Jahre 2010 werden das GRIMM-FESTIVAL und das Festival KASSEL ERZÄHLT gemeinsam ausgerichtet, so dass Parallelen und Unterschiede der europäischen Erzählkunst sichtbar werden. Bis zum Jahre 2010 werden die Qualität und Quantität der ab 2004 regelmäßig stattfindenden Festivals kontinuierlich gesteigert, so dass am Ende mit einem Zuschauervolumen von ca. 25.000 Besuchern zu rechnen ist.

Initiator: Stefan Becker, Kindertheaterbüro

 

8.10. Kassel erzählt

Märchen als Kommunikationsmittel der Kulturen

Die Grimm’schen Märchen haben nicht nur europäische Bezüge, sie sind weltweit das nach der Bibel meistgelesene Buch. Das Projekt „Kassel erzählt“ will die Tradition des Erzählens und Sammelns von Geschichten und Märchen in Kassel weiterführen.
Im Wechsel sollen neue Bearbeitungen und traditionelle Erzählformen der Grimm’schen Märchen und Geschichten aus Kulturen, die in Kassel beheimatet sind (Migrationskulturen), in der ganzen Stadt gezeigt werden. Schließlich haben die Brüder Grimm nicht nur von den Märchen profitiert, die in der Region tradiert waren. Ein wesentlicher Teil der Märchen ist über die Hugenotten aus dem französischen Sprachraum nach Kassel geraten.
Auch heute gibt es Menschen in Kassel und der Region, die aus ihrer Heimat vertrieben worden sind und hier eine neue Heimat gefunden haben oder noch suchen. Manche sind auch zum Studium oder aus beruflichen Gründen in die Stadt Kassel gezogen. Viele von ihnen kennen Geschichten, die in ihren Kulturen verankert sind. Und viele Kulturen, die mittlerweile in Kassel ansässig sind, bergen Geschichten und Sagen, die es buchstäblich weiter zu erzählen gilt.
Das Festival soll sieben Tage dauern. Die Aufführungsorte können von Theatern über Imbissbuden, Ateliers, Schuldachstühle, Wohnungen, Museen, Kirchen, Friedhöfe, stillgelegte Fabrikhallen bis hin zu Restaurants und Geschäften reichen. Präsentiert werden die Märchen und Geschichten von professionellen und ausgesuchten ErzählerInnen und Theatern aus Deutschland und Europa sowie von Erzählern verschiedener Kulturen. In Deutsch ebenso wie in anderen Sprachen. Hierbei kann auch die gleiche Geschichte in verschiedener Erzählform und Sprache nebeneinander stehen. Das Festival ist eine Begegnung der Besucher mit den Märchen und Geschichten, aber auch ein europäisches Austauschforum der Künstler. Im Sinne der künstlerischen Weiterentwicklung arbeiten z.B. Kasseler Theaterschaffende mit europäischen Regisseuren im Vorfeld an europäischen Geschichten. Das Projekt ABENTEUER EINES REISENDEN des Spielraum-Theaters ist schon auf dem Weg und bearbeitete im Jahr 2003 Geschichten aus dem italienischen Raum – die Kultur der ersten „Gastarbeiter“.
Das Projekt KASSEL ERZÄHLT soll 2005 starten und bis zum Jahre 2010 jährlich ein oder mehrere Märchen und Geschichten anderer Kulturen sammeln, die dann 2010 in einem Buch DER NEUE GRIMM erscheinen sollen. Das Projekt soll ein generationsübergreifendes Publikum ansprechen. Geplant sind deshalb Veranstaltungen für z. B. Kindergärten und Bewohner eines Altenstifts. Erste Versuche laufen bereits. Die Kinder sollen in Schreibwerkstätten das Gesehene und Gehörte verarbeiten und eigene Geschichten entwickeln. Diese werden 2010 in einem Sonderband veröffentlicht.
In der Stadt werden an verschiedenen Orten Schriftbilder mit Zitaten aus Grimm’schen und anderen Märchen angebracht, die zum Lesen und zur Auseinandersetzung mit den Inhalten führen sollen.

Initiator: Stefan Becker, Kindertheaterbürooo

 

8.11. Kasseler Sommerakademie

Für Märchen-erzählen-lernen - für Märchen-spielen-lernen - für Märchen-schreiben-lernen

In der Akademie für Märchen – Erzählen – Spielen – Schreiben sollen Menschen aus Kassel und der Region und auch Touristen angeregt werden, sich mit Märchen spielerisch, lernend, schreibend zu beschäftigen und auf diese Weise die Tradition der Dorothea Viehmann und der Brüder Grimm mit ihren persönlichen Märchen fortsetzen.

Initiator: Lothar Behrendt

 

8.12. Märchen spinnen - Lebensfäden

Generations-Stadtteil-Kultur-übergreifendes Märchen-Projekt

Märchen sollen „übersetzt“ werden in Theaterspiel und Theaterstücke, Märchen-Metaphern werden übersetzt in lebendige Bilder, Märchenfiguren der Vergangenheit in aktuelle Figuren. Je nach Alter der mit Märchen beschäftigten Personen enthalten die Metaphern und Symbole verschiedenen Bedeutungen, Tiefe und Gehalt. In diesem Projekt soll die Reichhaltigkeit, Vielfältigkeit und Aktualität von Märchen für Menschen verschiedenen Alters, verschiedener Kulturen und Schichten erfahrbar
und verbindend erlebbar werden.

1. Schritt
• Märchen-Theaterspiele für Kinder
• Generationsübergreifendes Mit-Mach-Theater für Familien bzw. für Kinder und Erwachsene (insbesondere auch für Senioren) zum Thema „Märchen spinnen“

2. Schritt
• Sammlung von alten Märchen, die Kinder ausländischer Herkunft von ihren Eltern/Großeltern kennen
• theatrale Umsetzung dieser Märchen – theatrale Erzählformen, Präsentation in Stadtteilen und der Innenstadt
• „Märchenfestival“ mit deutschen und den gesammelten ausländischen Märchen – Märchen-Erzähler/innen, Märchen-Theater, Mit-Mach-Theater, getanzte Märchen, Märchenfilme, Schreibwerkstätten, Vorträge, z.B. zur therapeutischen Kraft der Märchen

3. Schritt
• Schreiben und Spielen neuer Märchen, die die Lebenssituationen der Kinder/der Familien deutscher und ausländischer Herkunft beinhalten
• Generationsübergreifendes Mit-Mach-Theater zu „neuen Märchen“
• theatrale Umsetzung dieser Märchen und Präsentation in Stadtteilen und der Innenstadt

Im Jahre 2010 soll ein internationales Kinder- und Jugendtheaterfestival zum Thema „Märchen spinnen – Lebensfäden“ veranstaltet werden. Kinder- und Jugendtheatergruppen aus verschiedenen Ländern Europas spielen Märchen. Begleitende Symposien zur Bedeutung von Märchen in Pädagogik und Therapie und Workshops mit Theaterpädagogen aller Länder vertiefen die Themen.

Initiatorin: Dörte Jahn-Schiller, thearte-Kassel

 

8.13. Märchen-Erzählkünstlerinnen

Märchen-Erzählkünstlerinnen werden im Jahr 2010 die Erwartungen und Wünsche vieler Menschen, vertraute Grimm’sche Märchen zu hören, erfüllen. Sie beherrschen die alte Kunst des Märchenerzählens und greifen damit das Erbe der Dorothea Viehmann auf. Sie erzählen wortgetreu und auswendig. Märchen anderer Kulturen können sowohl in deutsch als auch in ihren Ursprungssprachen (englisch, französisch, holländisch, griechisch) erzählt werden. Auch zweisprachige Programme werden angeboten. Die in den Märchen vorhandenen, weltweiten Urbilder wirken völkerverbindend, ein wichtiger Aspekt für eine Kulturhauptstadt Europas.
Das Märchenerzählen und -hören bedarf der Geborgenheit an Orten. Besondere Orte in Kassel, wie Bergpark mit Schloß und Herkules, Karlsaue, Künstlernekropole, Heckentheater und Museen werden als Erzählorte ausgewählt. Auch tote oder unheimliche Orte in der Stadt sollen durch Märchenerzählen wieder belebt werden.
Märchen-Erzählkünstlerinnen: Gudrun Ebel, Liselotte Plotzki, Gabriela Schweigler, Daphne Solbès-Marjes, Margarita Dettbarn

Initiatorin: Angela Landgrebe

 

8.14. MärchenWarten

Treffpunkte und Veranstaltungsorte am Märchenlandweg

Die Deutsche Märchenstrasse und der regionale Märchenlandweg sind die Routen, auf denen Orte und Landschaften, in denen die Märchen beheimatet sind, erlebt werden können. An einem der Punkte des Märchenlandweges, in Schauenburg-Breitenbach, ist seit 1997 die Märchenwache eingerichtet – zu Ehren der beiden heimischen „Märchenbeiträger“, der jungen Marie von Hassenpflug und des alten Wachtmeisters Johann Friedrich Krause. In der Märchenwache werden historische und aktuelle Aspekte in verschiedenen künstlerischen Bereichen aufgegriffen und mit entsprechenden Veranstaltungen sowohl das örtliche als auch das regionale und überregionale
Publikum angesprochen. Das Veranstaltungsprogramm der Märchenwarte enthält Lesungen, Konzerte, Laterna Magica-Aufführungen oder spezielle Veranstaltungen für Kinder zu den Schwerpunktthemen Märchen, Hessische Landesgeschichte und Märchenillustrationen.
An markanten Punkten des Weges sollen Warten errichtet werden, die einerseits Verbindungen herstellen, andererseits aber auch die jeweiligen Besonderheiten hervorheben. Diese „MärchenWarten“ erinnern in ihrer Grundform an Jägerhochstände und sollten aus Holz- und Stahlelementen zunächst einheitlich erstellt und dann von Standort zu Standort künstlerisch
frei gestaltet werden – um im Idealfall so etwas wie eine begehbare Plastik zu schaffen. Die „MärchenWarten“ könnten als Rast- und Aussichtsplatz, Wetterschutz, Versammlungs- und Spielstätte, als Treffpunkt und hauptsächlich natürlich als Informationsstand über die Brüder Grimm und ihre Märchen dienen.
Mit diesem Projekt sollen weitere Gemeinden angeregt werden, sich der Märchen, ihrer Sammler und „Beiträger“ anzuneh-men und ihre Aktivitäten miteinander zu verbinden. Die Spuren der Grimms, ihrer Märchen, Sagen und Lieder sollen in der Region tiefergehend erforscht und noch deutlicher sichtbar gemacht werden, um zum einen die Identifikation der hier lebenden Menschen mit ihrem kulturellen Erbe zu stärken, zum anderen natürlich auch, um dieses Erbe nach außen hin gebührend darzustellen. Hierbei ergeben sich naturgemäß Bezüge über die Region hinaus bis hinein in europaweite Zusammenhänge, die es aufzuzeigen, aber auch weiterzuentwickeln oder neu herzustellen gilt.

Deutsche Märchenstrasse
Die Deutsche Märchenstrasse wurde 1975 im historischen Rathaussaal der Brüder Grimm-Stadt Steinau an der Straße gegründet, seither hat sie sich zu einer der beliebtesten Ferienrouten Deutschlands entwickelt. Die Arbeitsgemeinschaft vereint derzeit mehr als 70 Städte, Gemeinden und Landkreise. Über 600 km von Hanau bis nach Bremen reiht die Deutsche Märchenstraße die Lebensstationen der Brüder Grimm und die Orte und Landschaften, in denen ihre Märchen beheimatet sind, zu einem fabelhaften Reiseweg aneinander.

Märchenlandweg
Der sagenhafte Wanderweg durch das Märchenland der Brüder Grimm führt durch dichte Wälder, über sanfte Hügel, entlang an Flüssen und Bächen zu den sagen- und märchenhaften Orten im Landkreis Kassel und der Städte Kassel und Hann. Münden.

Gestaltungsvorschlag für eine „Märchenwarte“:
Der untere überdachte Raum wird eingefasst von beschnitzten und bemalten Ständern und Holzwänden. Dort kann der Besucher ritzen und schnitzen – im Sinne von „Ich-war-hier“-Markierungen. Davon lassen sich immer wieder aktualisierte Drucke per Handabrieb herstellen. Durch ein Guckloch in einer Doppelwand erhält man einen Blick in die Vergangenheit mittels einer Bild- und Textrolle, die per Handkurbel abgerollt wird. Es gibt Projektionsflächen für Bilder und Texte, die zu
bestimmten Anlässen am Abend in die Landschaft leuchten, große Wandbilder mit Märchenmotiven, von Künstlern oder Kindern gestaltet, sowie einen Vorhang, der eine Guckkastenbühne für Freilichtaufführungen freigibt, ein „Sammelsurium“ für Fundstücke aus der Umgebung (Steinchen, Blätter und Blüten, Gräser, Federn, Früchte), typografische Inszenierungen von Märchentexten und ein „Hüttenbuch“ für Eintragungen aller Art.
Auf der Plattform im oberen Teil der Warte, die durch eine „Himmelsleiter“ zu erreichen ist, befinden sich Windmühlen und andere Windobjekte wie figurative Wetterfahnen und Märchenflaggen, Klanginstallationen, Lichtobjekte, Girlandenschmuck aus Blüten und Blättern der Umgebung, scherenschnitthafte Silhouetten von Vögeln und Märchenfiguren, Schrifttafeln, die das Landschaftspanorama erklären mit Verweisen auf bestimmte heimische Märchen und kulturhistorische
Besonderheiten in den verschiedenen Blickrichtungen. Die Plattform dient darüber hinaus als „Kanzel“ für Lesungen, Vorträge, Aufführungen.
Ein Prototyp der „MärchenWarte“, die eine quadratische Grundfläche mit einer Seitenlänge von etwa 2,50 Metern haben sollte, wird vorläufig an der Märchenwache in Schauenburg-Breitenbach aufgestellt und dort vom Künstler Albert Schindehütte gestaltet werden. Wie in vielen seiner Projekte für die Märchenwache werden auch hier die Schulkinder des Ortes mit einbezogen.
Auch für die Gestaltung der anderen „MärchenWarten“ sollten Künstler aus der Region, aber auch aus anderen Regionen Europas beteiligt werden, um die Vielfalt der Bezüge und Wirkungen der Märchen deutlich werden zu lassen. Wichtig ist, dass in den jeweiligen Orten interessierte Bürger als Sponsoren, Mitarbeiter und Paten gewonnen und aktiv beteiligt werden.

Initiator: Christian Abendroth, Märchenwache Schauenburg

 

8.15. Die Vielfalt poetischer Erscheinungen

Internationales Sprachkunstfestival in Kassel

Im Jahre 2010 liegt der Beginn der europäischen Literaturavantgarden ziemlich genau 100 Jahre zurück – nimmt man die Formation des russischen und italienischen Futurismus und des Dadaismus als Startpunkt. Das ist Anlass, ein Festival zu veranstalten, das die Gegenwart der Poesie in Europa präsentiert und nach ihrer Zukunft vor dem Hintergrund der Tradition fragt. Kassel als Stadt der modernen Kunst ist genau der Ort, an dem diese Literaturtradition eine Heimstatt erhalten sollte.
Poesie heute entwickelt sich nicht mehr im Sinne avantgardistischen Fortschrittdenkens. Das ‚Neue’ der Poesie ist vielmehr abhängig von Tradition, schon allein weil es eine Tradition des ‚Neuen’ gibt. Wo Poesie sich als Sprachkunst oder eben auch als eine ‚neue Poesie’ verstanden hat, die die „weißen Flecken auf der Landkarte der Poesie“ (Ernst Jandl) erkundet, hat sie sich im vergangenen Jahrhundert immer wieder andere, unerwartete Wege gebahnt. Nach dem Dadaismus wären als
Stationen unter anderem zu nennen: Expressionismus, Surrealismus, Lettrismus, Konkrete Poesie, Oulipo. Es haben sich neue poetische Genres gebildet, die bis in die unmittelbare Gegenwart lebendig geblieben sind wie z.B. visuelle Poesie, Lautpoesie, Neues Hörspiel, Radiopoesie oder die Poesie der Contrainte. Diese Dynamik ist auch heute ungebrochen: im gedruckten Gedicht und daneben mit jüngeren Entwicklungen wie Videodichtung, Spoken Word, Slampoetry oder digitale Poesie. Über die Nationalsprachen hinweg ist diese Entwicklung in europäischen bzw. internationalen Netzwerken erfolgt, unter anderem auch mit Kooperativen, Gruppenbildungen und kollektiven Präsentationen.
Dieses vielseitige Geflecht (diesen ‚Text’) poetischer Erscheinungen will das Festival in einem aktuellen Querschnitt – zum Zeitpunkt 2010 – und in einem historischen Längsschnitt lebendig präsentieren. Das Festival lädt etwa 40 Dichter aus verschiedenen europäischen Ländern nach Kassel ein, um sich und ihre aktuelle Sprachkunst zu präsentieren und sich untereinander und mit Vertretern des Literaturbetriebs und der Literaturwissenschaft auszutauschen.
Das Programm soll als eine Kooperative verschiedener bestehender Poesiefestivals Europas (gegenwärtig z.B. Rotterdam, Barcelona, Berlin) entwickelt werden. Es gliedert sich in
• Ausstellung
• Lange Nacht der Poesie
• Colloquium
• Einzelveranstaltungen

Die Ausstellung zeigt – vor allem visuelle – Sprachkunst in zwei Teilen:
1. historische Exponate, die die Entwicklung seit den Avantgarden dokumentieren: von Mallarmés „Un Coup de Des“ bis zu den verschiedenen Ansätzen der Medienpoesie (Textfilme, Videopoesie, Holopoetry, digitale Poesie) bis zur letzten Jahrhundertwende.
2. einen aktuellen Querschnitt mit interessanten Arbeiten, die die historisch entwickelten Verfahren aufgreifen, weiterentwickeln, erweitern. Während der Ausstellungsdauer findet ein Beiprogramm aus Vorträgen statt. Die lange Nacht der Poesie bringt in Kurzauftritten mit einer Auswahl von Highlights aus allen Bereichen des Festivals noch einmal einen kompakten Überblick mit deutlichem Event-Charakter.

Das Colloquium hat ebenfalls zwei Teile: einen öffentlichen, in dem ausgewählte Dichter, Wissenschaftler, Verleger und Literaturkritiker sich über die Dynamik von Tradition und Innovation und Gegenwart und Zukunft der Dichtkunst austauschen werden. Der zweite Teil ist nicht öffentlich und schließt an die Erfahrungen des historischen Bielefelder Colloquiums Neue Poesie an: Hier treffen sich die anwesenden Dichter, um sich gegenseitig ihre Produktion vorzustellen und sie gemeinsam (kritisch) zu diskutieren.
Die Einzelveranstaltungen konzentrieren sich in Blöcken auf bestimmte performative Genres:
• klassische Buch-Lesung
• Lautpoesie und stimmbasierte Performance
• Poesie in konzeptueller Verbindung mit Tanz und/oder Musik
• Video- und Filmpoesie

Zeitlich soll zunächst die Ausstellung eröffnet werden. Das Sprachkunstfestival selbst ereignet sich an fünf Tagen am Schluss der Ausstellung. Die Veranstaltungen sollen an mehren Orten in Kassel stattfinden. Veranstalter ist die Stiftung Brückner-Kühner. Kooperationen mit den Trägern verschiedener europäischer Poesiefestivals sowie europäischen Institutionen, die einen Schwerpunkt auf Dichtkunst haben sowie Kooperationen mit der Universität Kassel, den europäischen
Kulturinstituten und dem Goetheinstitut sind geplant.

Initiator: Dr. Friedrich W. Block, Stiftung Brückner-Kühner

 

8.16. Haus der Medien

Stadtbibliothek und mehr

Ein großer Wunsch aller Leserinnen und Leser, die die Angebote der Stadtbibliothek nutzen, und der Kulturpolitik ist es, eine neue großzügige und attraktive Unterbringung der Hauptstelle der Stadtbibliothek zu erreichen. Die Stadtbibliothek ist zurzeit im Gebäude des Rathauses auf einer Fläche von 800 qm angesiedelt. Die Räume sind als Verwaltungsräume gebaut. Die Fläche ist für die Anforderungen einer Zentralbibliothek einer Großstadt viel zu klein.
Stadtbibliothek und mehr heißt
• Ein einladendes Gebäude, an dem jeder (keiner) vorbeikommt!
• Bildung und Informationen zum Greifen nah
• Bücher, Zeitschriften, CDs, Hörbücher, Filme, elektronische Medien
• Lesen und lernen, informieren und studieren, diskutieren, zuhören, schmökern und schmunzeln
• Literaturcafé – Literatursalon
• Literarische Veranstaltungen „Kassel schreibt – Kassel liest“ und „Kassel denkt – Kassel dichtet“, Autoren zu Gast
• Auslobung eines „Kulturstadtschreibers“ im Jahr 2010
• Anregung literarischer Produktionen und Projekte in Kassel
• Ein Forum für alle mit eigenen Veranstaltungen und Veranstaltungen anderer

Wünschenswert ist die Einbeziehung des Projektes „Literaturhaus für Kassel“ in das Haus der Medien, um die Schnittstellen zwischen beiden Arbeitsfeldern produktiv und kreativ nutzen zu können. Eine Realisierung des Hauses der Medien gemeinsam mit den Volkshochschulen von Stadt und Landkreis am Kulturbahnhof würde große Synergien entstehen lassen und für Stadt und Region eine besondere kulturelle Attraktion herstellen.

Initiatorin: Gertrud Hermann, Stadtbibliothek

 

8.17. Initiative für ein Kasseler Literaturhaus

Das Kasseler Literaturhaus versteht sich als ein intellektuelles Forum. Die Atmosphäre ist weltoffen, kritisch und tolerant. Hier können Ideen und Gedankenmodelle entworfen und präsentiert werden.
Im Literaturhaus begegnen sich Literaten, Künstler, Musiker, Filmemacher, Regisseure. Darüber hinaus kommen verschiedene gesellschaftliche Gruppen mit Kulturschaffenden im Dialog zusammen. Die Begegnung der unterschiedlichen Denk und Arbeitsweisen ist für alle eine Erweiterung und Bereicherung.
Das Literaturhaus ist eine offene Einrichtung, die Mitglieder und Besucher ermutigt, ihre Anregungen und Wünsche einzubringen. Und doch gibt es ein Grundgerüst zur Orientierung:
Im Literaturhaus finden Vortragsreihen und Kontroversen zu aktuellen intellektuellen Ereignissen statt. Dichterinnen und Dichter lesen aus ihren Werken und diskutieren auch mit ihren Gästen. Filmabende und Ausstellungen zu zeitgenössischen Themen runden die Angebotspalette ab. Das Literaturhaus will ein lebendiges und markantes Programmprofil gewinnen. Unveröffentlichtes, gerade Erschienenes, neu Übersetztes, Wiederentdecktes wird gelesen und diskutiert werden. Flankiert durch Debatten und Vorträge präsentiert sich Literatur mitten in den großen Themen der Zeit, wenn möglich auch unter Beteiligung von Rundfunk oder Fernsehen. Im Literaturhaus kommen vielfältige Gesellschafts- und Berufsgruppen ins Gespräch. Sie alle sollen offene Türen finden und offene Ohren für Anregungen und Meinungen:Zwischen Werkstatt und Weltliteratur – vielstimmige und innovative Möglichkeiten ergeben sich daraus
• Junge Literatur
• Stipendien und Wettbewerbe
• Kreation und Kooperation; Autorinnen und Autoren treffen mit Filmemachern, bildenden Künstlern, Philosophen, mit
Architekten und Stadtplanern zusammen, um gemeinsam in neue Richtungen voranzugehen
• Neue Medien: Die rasanten Entwicklungen auf den Gebieten Information und Kommunikation werden durch Vorträge und Gesprächsrunden transparent gemacht
• Literatur und Wissenschaft – Poetische Durchdringung statt willkürlicher Trennung
• Fenster zur Welt will das Literaturhaus sein und wird sich folglich sehr um internationale Gäste bemühen, um an aktuelle Debatten in anderen Ländern anzuknüpfen
• Viele Literaturhäuser machen eine Literaturstadt – Europäische Literaturhäuser präsentieren sich in Kassel mit ihren Highlights
• Deutschschreibende Autorinnen und Autoren ausländischer Herkunft in Kassel stellen sich vor
• Kinder im Literaturhaus – für die Besucher von Morgen gibt es Theater, Text, Klang und Bild
• Mitgestalter und Gäste – das Literaturhaus kooperiert mit Literaturvereinen, Literaturinitiativen, Bibliotheken und kulturellen Institutionen

Eigene Räumlichkeiten und eine lebendige Umgebung sind Voraussetzung für ein funktionierendes Literaturhaus: Veranstaltungs-Saal ab 100 Personen, Räume für Kurse, Seminare, Lesungen. Restaurant- und Cafébetrieb. Eine Buchhandlung. Die Räumlichkeiten können für externe Veranstaltungen angemietet werden. Eine professionelle Beleuchtungs- und Übertragungstechnik
ermöglicht Radio- und Fernsehsendungen aus dem Literaturhaus. Büroräume und sanitäre Einrichtungen.

Initiator: Peer Schröder, Kasseler Literaturkreis

 

8.18. Literatur in Kassel

Aktive Literatur für Stadt und Region

Die „Werkstatt Kassel“, die ein umfangreiches Angebot an sozialen und kulturellen Projekten unter einem Dach vereint, will eine aktive, literarische Identität in der Stadt und der Region entwickeln. Regionale Autoren, auch unbekannte, sollen zu Lesungen eingeladen werden, Schreibwerkstätten und Diskussionen regen das regionale literarische Schaffen an. Das neue Literaturangebot der „Werkstatt“ soll in städtische Netzwerke und in die europäische Kooperation der Literatur-Cafés
eingebunden werden. Mit dem Literaturnetzwerk „Le Réseau des Café-Lecture“, einem europaweiten und auch in Nordafrika tätigen Literaturnetzwerk, ist eine Kooperation vereinbart.

Initiatorin: Carmen Weidemann, Werkstatt Kassel e.V


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