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Museale Kunst aktivieren
Museen in Großbritannien und in den USA zeigen,
welche umfangreichen Potenziale in der Arbeit von Freiwilligen für die
Museen stecken. Freiwillige können qualifiziert und betreut und in
verschiedenen Bereichen der Museumsarbeit eingesetzt werden. Die Kasseler
Museen haben deshalb ein gemeinsames Konzept entwickelt, wie in den
einzelnen Häusern künftig Freiwillige zur Unterstützung der
Museumsmitarbeiter eingesetzt werden können.
Dabei geht es nicht darum, bestehendes Personal zu ersetzen, sondern
zusätzlich Aufgaben, die das Stammpersonal nicht leisten kann, zu
erfüllen: zum Beispiel im Museumsshop, in der Aufsicht, bei der
Katalogisierung, bei der Öffentlichkeitsarbeit, bei der Durchführung von
Veranstaltungen der Museen.
Die Qualifizierung der Freiwilligen könnte in Kooperation mit der
Volkshochschule oder anderen Erwachsenenbildungseinrichtungen realisiert
werden.
Initiatoren: Arbeitsgruppe der Kasseler Museen
Neuartiges Museum
verknüpft das Lern- mit dem Hörerlebnis
Klanglandschaften – oder „Soundscapes“ – der
Vergangenheit und Gegenwart können Besucher in einem neuen Kasseler Museum
erleben. Das „Museum der Klänge“ bietet unter anderem ein interaktives
Klangarchiv, es führt aber auch die Möglichkeiten des Sounddesigns der
Zukunft vor und beherbergt eine Sammlung außergewöhnlicher Musik- und
Klanginstrumente, die von den Besuchern ausprobiert werden können.
Künstler werden dort ihre Klanginstallationen zu Gehör bringen. Des
Weiteren versteht sich das Museum als Forum für Themen wie Klangökologie
und Städtebau der Zukunft unter Beachtung akustischer Gesichtspunkte.
Um das Projekt in seinen Grundzügen in der Öffentlichkeit präsentieren zu
können, ist für Oktober 2004 das „Temporäre Klangmuseum“ geplant. Darüber
hinaus wird es ein Konzertprogramm geben, bei dem internationale
Gastmusiker und Ensembles live mit den Möglichkeiten der ausgestellten
Installationen und Soundarchive spielen werden.
Das „Temporäre Klangmuseum“ ist ein erster Schritt zu einem dauerhaften
„Museum der Klänge“. Einzelne Räume mit Installationen, Versuchsaufbauten,
Exponaten und Schrift- oder Infotafeln sollen – als „pars pro toto“ – auf
den jeweiligen Teilbereich des geplanten Museumskonzeptes verweisen und
ein Bild von den konzeptuellen Möglichkeiten der geplanten ständigen
Ausstellung vermitteln.
Initiatoren: Wolfram der Spyra,Thomas Gerwin
Mit einem virtuellen
Museum wird ein Ariadnefaden durch die Kasseler Frauengeschichte geknüpft
Das Projekt „Cassalla“ des Kasseler Archivs der
deutschen Frauenbewegung soll in der Stadt ein Bewusstsein dafür
entwickeln, dass der Einfluss von Frauen größer war, als es bisher in den
Geschichtsbüchern zu lesen ist. Dazu ist es notwendig, nach Spuren zu
suchen, die Frauen in Kassel hinterlassen haben. Diese Spuren sollen durch
künstlerische Aktionen sichtbar gemacht und zu einem „Ariadnefaden“
verknüpft werden. Darüber hinaus soll ein virtuelles Archiv die Kasseler
„Frauengeschichte“ dokumentieren und in den Kontext der allgemeinen
Geschichte stellen.
Das virtuelle Archiv „Cassalla“
Im Rahmen dieses Projektes wird ein virtuelles Archiv aufgebaut, in dem
Dokumente zur Kasseler Frauengeschichte dokumentarisch aufgearbeitet,
gespeichert und online abrufbar werden sollen. Der zeitliche Schwerpunkt
liegt auf der Zeit ab dem 19. Jahrhundert; verwiesen wird aber auch auf
ausgewählte Personen, Orte und Ereignisse aus früheren Jahrhunderten.
Eingebunden werden Originalquellen wie Urkunden, Texte, Bilder,
Tondokumente und eventuell auch bewegte Bilder.
Thematisch sollen in das virtuelle Archiv Dokumente eingehen zu einzelnen
Persönlichkeiten; zu Vereinen und Organisationen; zu wichtigen
Ereignissen; zu wichtigen frauengeschichtlichen Daten; zu Wirkungsstätten
und Einrichtungen wie Klöstern, Geburtshäusern u. ä.
Ergänzende Einführungstexte sowie Literaturhinweise sollen helfen, die für
Kassel spezifischen Dokumente sozial- und kulturhistorisch zu erläutern.
Darüber hinaus soll eine chronologische Übersicht die Entwicklung der
verschiedenen Aspekte der Frauengeschichte in Deutschland darstellen, die
Einordnung der Kasseler Frauengeschichte erleichtern. So wie Entwicklungen
der allgemeinen Frauengeschichte durch ausgewählte Dokumente erklärend mit
aufgenommen werden sollen, so werden auch die Entwicklungen der Kasseler
Geschichte durch erklärende Dokumente mit eingebettet werden. Wichtige
Dokumente der Reichsgeschichte vervollständigen die Dokumentation.
Die einzelnen Rubriken sollen nicht nebeneinander stehen, sondern durch
eine gute Verlinkung vernetzt werden; d. h., in den einzelnen Dokumenten
werden die jeweils in den Rubriken vorhandenen Personen, Organisationen,
Ereignisse, Daten und Einrichtungen als Links eingerichtet, so dass man
bei weitergehendem Interesse von einer Biografie auch auf ein mit ihr
verbundenes
Ereignis, einen Ort oder ein Datum gelangen kann.
Das virtuelle Archiv „Cassalla“ bietet zum einen Kasseler Bürgerinnen und
Bürgern die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit ihrer eigenen
Stadtgeschichte. Zum anderen kann es exemplarisch aufzeigen, wie sich
Frauengeschichte in einer Stadt niedergeschlagen hat, wo Parallelitäten,
aber auch Unterschiede zu Entwicklungen an anderen Orten liegen.
Seit einiger Zeit entstehen in verschiedenen Orten inner- und außerhalb
Deutschlands virtuelle Archive zur Geschichte von Frauen und
Frauenbewegung (u. a. Österreich, Norwegen, Dänemark, Italien). Mit dem
Projekt „Cassalla“ soll hier ein weiterer Baustein mit dem Ziel geschaffen
werden, langfristig die einzelnen Bausteine zu verknüpfen und so ein
virtuelles Netz über Deutschland und schließlich über Europa zu spannen.
Der „Ariadnefaden“ – Geschichte von Kasseler Künstlerinnen neu gesehen
Um die Frauengeschichte auch im Stadtbild dauerhaft zu verankern, sollen
über die Internet-Präsentation hinaus an ausgewählten Orten
Erinnerungszeichen gesetzt werden. Für jeden Ort soll eine Künstlerin bzw.
eine Künstlerinnengruppe gewonnen werden, die in Auseinandersetzung mit
dem jeweiligen Ort und seiner Geschichte ein von ihr gewähltes Zeichen
setzt. Hierbei sind vielfältige Präsentationsarten möglich. Denkbar ist
auch, im Sinne von Nachwuchsförderung Studierende der
Kasseler Kunsthochschule in das Vorhaben einzubinden.
Langfristig wird somit ein Netz entstehen, das sich über die ganze Stadt
spannt und unterschiedliche Lebens- und Erfahrungswelten von Frauen
aufzeigt. Um dies Netz deutlich werden zu lassen und die Orte miteinander
in Verbindung zu setzen, soll ein gemeinsames Element entwickelt werden,
das auf die Verbindung der verschiedenen Frauenorte Kassels hinweist.
Sechs Gedächtnisorte sollen im Jahr 2010 jeweils im Rahmen einer
Veranstaltung öffentlich präsentiert werden, wobei die Art der
Präsentation wiederum auf den Ort und das entwickelte künstlerische
Zeichen abgestimmt sein soll. Bereits im Vorjahr sollten zwei Orte
ausgewählt werden, an denen Frauenengagement sichtbar gemacht werden kann,
die aber nicht bzw. nicht mehr im öffentlichen Bewusstsein der Stadt
verankert sind. Hierbei wird es darum gehen, das vorhandene
Erinnerungszeichen (z.B. eine Plakette, ein Grabstein, ein Denkmal) wieder
sichtbar zu machen.
Neben der Fortentwicklung des virtuellen Archivs und der Pflege der
bestehenden Erinnerungsorte sollen jährlich ein bis zwei weitere
Frauenorte mit ihrer Geschichte im Stadtbild sichtbar gemacht und somit
jedes Jahr neue „Ariadnefäden“ geknüpft werden. Durch die jeweilige
Auseinandersetzung der einzelnen Künstlerinnen mit der Historie entsteht
ein lebendiges Stadtprojekt, das sich ständig weiterentwickelt und ganz
unterschiedliche Perspektiven auf die Frauengeschichte der Stadt wirft.
Das im Jahr 2010 gelegte „Erinnerungsnetz“ würde somit, von Jahr zu Jahr
enger geknüpft, nachhaltig im Stadtbild verortet werden.
Initiatorinnen: Dr. Gilla Dölle, Silke Mehrwald, Archiv der deutschen
Frauenbewegung
Der Ausbau des
Stadtmuseums zu einem zentralen Ort der Erinnerung in Kassel
Im Februar 2004 hat das Kasseler Stadtmuseum sein
25-jähriges Gründungsjubiläum gefeiert. Die Dauerausstellung und vor allem
der Fundus (in fünf Depotgebäuden verteilt) versammeln Kunstwerke und
historische Dokumente von erstem Rang, die auch begehrte Leihgaben bei
überregionalen Ausstellungen sind.
Nirgendwo anders lassen sich die Einflüsse Europas auf Kassel und die
Ausstrahlung der Stadt auf Europa so anschaulich erleben wie im
Stadtmuseum mit seinen Schwerpunkten: Kassel war die Stadt der Reformation
durch die Führungsrolle Philipps des Großmütigen für den deutschen
Protestantismus. Kassel wurde von den Hugenotten geprägt und von der
Aufklärung. Kassel war Residenzstadt der Landgrafen von Hessen-Kassel und
Hauptstadt des Königreichs Westphalen, eines
Experimentes von europäischem Rang.
Diese Potenziale des Stadtmuseums sollen künftig durch eine räumliche
Erweiterung besser zur Geltung gebracht werden und mit attraktiven
Angeboten für Fachtagungen, Schulungen und Kindergeburtstage im Museum
kombiniert werden.
Initiator: Stadtmuseum Kassel
In Kassel gibt es im Stadtteil Bettenhausen einen
jüdischen Friedhof, dessen ältestes identifizierbares Grab aus dem Jahr
1648 stammt. Dieser Friedhof ist ein anrührender Ort, aus dem sich viele
Informationen über das Leben und die Geschichte der Juden in Kassel, über
ihre Beerdigungskultur und über den Wandel der Grabkultur erschließen.
Für den historischen Teil des Friedhofs wird ein Wegweiser erarbeitet, der
sowohl informativer Begleiter beim Besuch des jüdischen Friedhofs,
zugleich aber auch Geschichtsbuch über die Geschichte der Juden in Kassel
sein wird. Dieser Wegweiser wird nicht nur als Buch erscheinen, sondern
auch zu einem virtuellen Museum der jüdischen Geschichte in Kassel und der
Region ausgebaut werden können. Damit kann es zu einem Nachfolgeprojekt
der bis 1933 im Landesmuseum
existierenden jüdischen Abteilung werden.
Initiatorin: Esther Haß, Jüdische Gemeinde
Kassel ist nicht nur die ehemalige Residenzstadt, die
Stadt der Brüder Grimm und documenta-Stadt. Kassel ist auch eine
Industriestadt mit einer jahrhundertealten Tradition. Mitte des 19.
Jahrhunderts wurde die erste Dampflokomotive von den damaligen
Henschelwerken produziert, heute baut Thyssen-Krupp in Kassel den
Magnetschwebezug Transrapid. Daneben gab es mit Salzmann und Gottschalk
bedeutsame Textilunternehmen. Kassel war – und ist – aber auch ein
Standort der
Rüstungsindustrie – ein Grund, weshalb die Stadt im II. Weltkrieg von den
Alliierten bei einem Bombenangriff zerstört wurde.
Trotz der Zerstörungen sind zahlreiche Industriebauten im Originalzustand
erhalten geblieben – sie prägen, etwa im Stadtteil Rothenditmold oder in
der Nordstadt, das Stadtbild. Sie sind aber in vielen Fällen
„Problemkinder“ der Stadtentwicklung, weil sie einerseits unter
Denkmalschutz, andererseits leer stehen und es keine Nutzungskonzepte
gibt. Ein besonders wichtiger Ort ist der Messinghof, Geburtsort des
Herkules – eine technische Meisterleistung seiner Zeit und lange als das
achte Weltwunder bezeichnet –, eine wichtige Station der Route der
Industriekultur.
Die Industriekultur wurde bisher kaum als Teil der städtischen und
regionalen Identität begriffen. Deshalb ist sie ein Schwerpunkt im
Bewerbungsprozess für den Titel Kulturhauptstadt Europas 2010. Dabei geht
es nicht nur um den romantisch verklärten Blick zurück, sondern auch
darum, aus der Tradition Neues zu entwickeln – zum Beispiel
Nutzungsmöglichkeiten für die historischen Bauten, um dort auch wieder
Arbeitsplätze zu schaffen.
Ein erster konkreter Schritt war im vergangenen Jahr die Gründung des
Vereins „Henschel-Museum und Sammlung“. Die Henschelwerke mit einst drei
Standorten in Kassel beschäftigten in Spitzenzeiten mehrere tausend
Mitarbeiter. An einem der Standorte wird der Transrapid entwickelt und
gebaut, an einem zweiten Standort siedelte sich die Universität an. Der
dritte ist in die Masterplanung für den Stadtteil Rothenditmold einbezogen
worden. Die weitgehend denkmalgeschützten Industriebauten sollen in ein
Technikmuseum verwandelt werden. Solch ein Museum wäre ein günstiger
Knoten für das
geplante Netzwerk Industriekultur Nordhessen (NINO), wie es vom Kreis
Kassel gemeinsam mit der Universität entwickelt wird. Genauso wie ein
Museum, das die Energiegewinnung aus Sonne, Wind und Wasser – ein Feld,
auf dem die nordhessische Industrie immer stärker wird – dokumentiert.
Dieser Vorschlag stammt aus dem „Kompetenznetzwerk dezentrale
Energieversorgung in Nordhessen“. So werden Brücken geschlagen von den
Anfängen der Industriegeschichte bis zu den
zukunftsträchtigen Technologien, die heute in Kassel entwickelt werden.
Netzwerk Industriekultur Nordhessen (NINO)
Die Stadt Kassel und die umliegende Region bergen ein reiches Erbe der
Industriekultur. An vielen Stellen sind bereits Museen entstanden, in
denen zum Beispiel die Bergbautradition (Borken und Heringen) oder die
Geschichte der Glas- und Tonwarenherstellung (in Großalmerode und
Immenhausen) dokumentiert wird. In Kassel gibt es Überlegungen, die
Geschichte des traditionsreichen Fahrzeugbaus zu dokumentieren. Neben den
Sammlungen existiert ein Bestand an architektonisch interessanten und
teilweise denkmalgeschützten Bauten. Diese Potenziale sollen in
einem „Netzwerk Industriekultur Nordhessen“ – kurz NINO – zusammengefasst
und ausgebaut werden.
NINO soll museale Einrichtungen, erschließbare Industriedenkmale und
weitere markante Standorte der vergangenen und gegenwärtigen Technik- und
Industriekultur im Rahmen eines Gesamtkonzeptes so vereinen, dass sich
Laien und Fachleute zu Entdeckungstouren angeregt und eingeladen fühlen.
Dazu ist ein abgestimmtes Gestaltungskonzept nötig, das jeden einzelnen
Standort als Teil des Netzes erkennen lässt und zugleich zur Besichtigung
weiterer Standorte und
Angebote einlädt. Die Präsentation soll durch ein Printprodukt, eine
Internetpräsentation und durch Informationstafeln an den einzelnen
Standorten erfolgen. Führungsangebote, Pauschalreisen u.ä. sollen
entwickelt werden und insbesondere den Blick dafür öffnen, dass es immer
auch um Regionalkultur in ihren vielfältigen vergangenen und gegenwärtigen
Hammerschmiede
Ausprägungen geht. NINO soll außerdem der heimischen Industrie die
Möglichkeit zur Selbstdarstellung bieten. Dazu wird eine
Machbarkeitsstudie erstellt. Daneben ist eine Einbindung in die
Europäische Route der Industriekultur vorgesehen.
Initiatoren: Landkreis Kassel, Universität Kassel, Prof. Christian
Kopetzki
Erlebnismuseum
Industriekultur
Auf dem 115.000 Quadratmeter großen Thyssen-Areal im
Kasseler Stadtteil Rothenditmold könnte ein „Erlebnismuseum
Industriekultur“ realisiert werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine
Machbarkeitsstudie, die von der Wirtschaftsförderung Region Kassel in
Auftrag gegeben worden war. Danach würde die Konversion des derzeit noch
teilweise genutzten Industriegeländes rund 91 Millionen Euro kosten. Das
„Erlebnismuseum“ soll „Inszenierungen“ zum Thema Verkehr – auf Straße,
Schiene und in der Luft – präsentieren. Dabei sollen Multimediatechnik,
Simulation und Produktpräsentationen miteinander kombiniert werden.
Daneben könnten auf dem Gelände Wohnungen – auch für Studenten und
Senioren – sowie Gewerberäume entstehen. Außerdem sieht das Konzept
„Erlebnisgastronomie“, ein IMAX-Kino und ein „Themenhotel“ vor. Die etwa
zu 90 Prozent denkmalgeschützte Industriearchitektur soll erhalten
bleiben. Sollte das Projekt realisiert werden, soll es Teil der
Europäischen Route der Industriekultur werden.
Initiator: VDI Nordhessen, Wirtschaftsförderungsgesellschaft
Mit der für 2008
geplanten Ausstellung „König Lustik!?“ sollen das Königreich Westphalen
und sein König Jérôme Bonaparte umfänglich erforscht und einem breiten,
überregionalen Publikum vermittelt werden.
Als „König Lustik“ war Jérôme Bonaparte, der zwischen 1807 und 1813 von
Kassel aus den Modellstaat Westphalen regierte, verunglimpft worden. Von
Napoleon – seinem älteren Bruder – eingesetzt, regierte er einen aus
Hessen-Kassel sowie ehemaligen preußischen, hannoverschen und
braunschweigischen Gebieten zusammengefügten Staat. Es war der erste auf
deutschem Boden, der eine moderne Verfassung besaß, doch zugleich war er
von höfischer Pracht geprägt.Das ambivalente
Bild dieser Herrschaft ist durch die Plünderung der Kasseler
Gemäldegalerie für das Musée Napoléon, den heutigen Louvre, ebenso
bestimmt wie durch zahlreiche Enteignungen. Die geplante Ausstellung nimmt
ihren Auftakt mit einer Teilrekonstruktion der historischen Kasseler
Gemäldegalerie. Nach 200 Jahren werden einige der Meisterwerke, darunter
Werke von Lorrain, Rubens und van Dyck, erstmals wieder zusammen gezeigt.
Auf der anderen Seite stehen die von Jérôme angeregten Neuerungen vor
allem in der Musik und im Theater sowie in der Architektur und im
Kunsthandwerk. So schuf der Hofarchitekt Leo von Klenze das Theater
Napoleonshöhe, das heutige Ballhaus. König Jérôme wollte auch die private
Bautätigkeit zu einer umfassenden architektonischen Aufwertung des
städtischen Raums verpflichten, wie Leo von Klenzes Entwürfe für
Wohnhäuser zeigen, die von großflächigen Palastfassaden beherrscht sind.
Von Kassel aus verbreitete sich die Empire-Kultur in ganz Norddeutschland.
Leihgaben aus Deutschland und aus dem europäischen Ausland ergänzen die
reichen Kasseler Bestände.
Initiator: Staatliche Museen Kassel, Staatliche Schlösser und Gärten.
Die Ordnung der Natur
in Kunstkammer und Garten der frühen Neuzeit (2010)
Die Ausstellung Kunst und Natur wird die große
Ausstellung der Staatlichen Museen im Jahre 2010 sein. Wilhelmshöhe ist
ein exemplarisches Beispiel von europäischem Rang dafür, wie fürstliches
Kunstverständnis, Repräsentation der Macht und europäische Ideen von
Architekten und Künstlern über Jahrhunderte eine „Vermählung des
Kunstschönen mit dem Naturschönen“ verwirklicht haben.
Ausgehend von der historischen Grundlage der Kasseler Sammlungs- und
Gartengeschichte, richtet die Ausstellung ihr Augenmerk auf die Beziehung
zwischen Kunstkammer und Gartenkunst in Renaissance und Barock. Die
Ausstellung rekonstruiert Sammlungszusammenhänge und präsentiert die reich
erhaltenen Objekte der Kasseler Kunstkammer sowie historische Dokumente
zum Naturwissenschaftsbegriff der Frühen Neuzeit.
In der Frühen Neuzeit wurden die Grundlagen für eine systematische
wissenschaftliche Erschließung der „Welt“ gelegt. In der Ausrichtung von
Sammlungen führte das zu einer umfassenden Darstellung allen damaligen
Wissens. Als Verkörperung des Mikrokosmos erfüllte dies die Kunstkammer.
Mineralien, pflanzliche und tierische Materialien wurden in ihrer
Schönheit, Kostbarkeit und Seltenheit ebenso präsentiert wie die
Kunstfertigkeit und die wissenschaftlichen Möglichkeiten, mit denen der
Mensch diese Materialien bearbeiten und erforschen konnte.
Das neue Wissen über die Pflanzenwelt beeinflusste auch die Anlage von
Gärten, in die nun bislang nicht bekannte Pflanzen bzw. neue Züchtungen
Einzug hielten. In seiner regelmäßigen, geometrisch bestimmten und in sich
geschlossenen Gestaltung spiegelte der Garten die Harmonie des
Makrokosmos, die nach der damals gängigen Überzeugung durch die Gesetze
der Geometrie bestimmt war. Zoologische Exemplare, die in Menagerien,
Volieren und Teichen untergebracht waren, ergänzten die in den Beeten
angeordneten botanischen „Sammlungsstücke“.
Mit dem vorwiegend naturwissenschaftlich ausgerichteten Denken der
Aufklärung ging die frühere Einheit der „Kunstkammer“ jedoch verloren. Die
Sammlung wurde in entsprechende Spezialsammlungen aufgeteilt.
Auf der Grundlage des historischen Rückblicks möchte die Ausstellung auch
als Beitrag einer zeitgemäßen, auf die eigene Gegenwart bezogenen
Neubelebung eines in Kassel ehemals zu einzigartiger Blüte gelangten
Zusammenspiels von Kunst und Natur verstanden werden.
Initiator: Staatliche Museen Kassel, Staatliche Schlösser und Gärten
Die Lebenszeit des Landgrafen Moritz von Hessen,
genannt „der Gelehrte“ (1572–1632), war eine Periode, in der Kassel eine
zentrale kulturelle und eine bedeutende politische Rolle gespielt hat. Vor
dem Dreißigjährigen Krieg waren protestantische Fürsten durch gemeinsame
humanistische und fortschrittliche Ideen in einem europäischen Netzwerk
verbunden. Die europäische Idee nahm in dieser historischen Phase Kontur
an – ein Ausstellungsprojekt mit dem Titel „Mauritianum“ soll daran
erinnern und den Geist jener Zeit wiederbeleben als interaktive
audiovisuelle Inszenierung in Form einer alchimistischen Werkstatt.
Die Herrschaftszeit von Landgraf Moritz mit ihrer Aufbruchstimmung sowie
ihren idealistischen und reformerischen Bestrebungen ist es wert, als
bedeutsame kulturelle Phase in Europa neu beachtet zu werden. Hier liegen
Anknüpfungsmöglichkeiten für aktuelle und zukünftige Aussichten einer
ganzheitlichen Kultur. „Mauritianum“ ist ein Symbol für die Kultur Europas
und für die Rückbesinnung auf die europäischen kulturellen Ursprünge.
Deshalb ist „Mauritianum“ als Name für einen Verein gewählt worden, der
sich zur Aufgabe macht, eine Kultur zu fördern, die der Idee der
Ganzheitlichkeit verpflichtet ist. „Ganzheitliche“ oder „integrale Kultur“
ist eine neue Tendenz in den westlichen Gesellschaften. Sie steht für eine
neue Sinnsuche, die über den Materialismus des Konsum- und
Industriezeitalters hinausgehen will.
Der Verein Mauritianum soll eine Plattform bilden, von der aus Projekte
ins Leben gerufen und unterstützt werden, die die Zeit Moritz’ des
Gelehrten und deren wichtige Impulse für Europa in ein aktuelles Licht
stellen. Außerdem veranstaltet und fördert der Verein Kurse für Kunst und
Philosophie, ebenso Konzerte, Vorträge, Podiumsdiskussionen, Symposien,
Ausstellungen und Exkursionen.
Initiatoren: Petr Vrana, Michael Evers
Die Neustrukturierung
der Kasseler Museumslandschaft ist mehr als eine Vision
Als Leuchtturmprojekt hessischer Kulturpolitik hat
der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, im Jahr 2003
ein visionäres Vorhaben formuliert: Alle Häuser der im Landesbesitz
befindlichen Staatlichen Museen in Kassel sollen neu strukturiert werden.
Kassel gehört zu den bedeutendsten Museumsstandorten in Deutschland. Über
Jahrhunderte hinweg wurde eine unvergleichliche Kulturlandschaft
geschaffen. Die ehemals fürstlichen Kunstschätze sowie die Park- und
Schlossanlagen stehen heute unter der Obhut des Landes Hessen und der
Stadt Kassel. Was die Geschlossenheit und Reichhaltigkeit der fürstlichen
Sammlungen angeht, sind in Deutschland nur Dresden oder München
vergleichbar. Neben den Staatlichen Museen gibt es weitere wichtige Museen
in städtischer und privater Trägerschaft. Neue Museumsprojekte befinden
sich in der Planung. Die ursprüngliche Idee, bei der Neustrukturierung
lediglich die Staatlichen Museen und ihre Sammlungen in den Fokus zu
nehmen, wurde zu Gunsten einer Neuordnung der gesamten Museumslandschaft
in Kassel erweitert. Dieser Plan ist für Deutschland und Europa ein
einzigartiges kulturpolitisches Vorhaben. Nirgends in Europa wird so
grundsätzlich und umfassend gedacht und geplant, wie dies in Kassel
geschehen wird. Ein auf Museumsplanungen spezialisiertes Büro überprüft
die Konzeptideen und entwickelt mit allen Museumsträgern und ihren Museen
den Vorschlag für die neue Struktur der Museumslandschaft in Kassel.
Kernidee ist das Projekt „Museumspark Wilhelmshöhe“. In authentischer
Umgebung – dem Bergpark Wilhelmshöhe mit seinen Denkmälern und
Wasserspielen – sollen im Schloss Wilhelmshöhe und in den geplanten
Erweiterungsbauten die originalen Exponate gezeigt werden und damit ein
Anziehungspunkt besonderer Qualität entstehen. Der Landschaftsgarten mit
dem Herkules, den Wasserspielen, der Löwenburg und dem Schloss mit seinen
Dauer- und Sonderausstellungen soll zu einem Ort vielfältiger
Erlebensmöglichkeiten zusammenwachsen. Die historisch gewachsene
Parklandschaft und die Sammlungen der Grafen und Fürsten ermöglichen einen
Überblick über einen – von unterschiedlichsten Ideen und Weltsichten
geprägten – Zeitraum von rund 600 Jahren. Die für die Zukunft vorgesehenen
Angebote des Museumsparks Wilhelmshöhe sollen im Zuge der
Neustrukturierung durch breit gefächerte Serviceleistungen und
Ausstellungsaktivitäten ergänzt werden. Die vom Land Hessen geplante
Zusammenführung der fürstlichen Kunstsammlungen und der wissenschaftlichen
Sammlungen im Museumspark Wilhelmshöhe hat Veränderungen in der
innerstädtischen Museumslandschaft zur Folge. Dort sollen zwei weitere
herausragende Museen entstehen.
In einem Brückenschlag zur documenta soll für die moderne Kunst eine
erweiterte Plattform geschaffen werden, um zeitgenössische Kunst auch
zwischen den documenta-Ausstellungen zu zeigen und so ein deutliches
Zeichen für die enge Verbundenheit der Kulturstadt Kassel mit der Moderne
zu setzen. Auch im Hessischen Landesmuseum, das sich ebenfalls in der
Innenstadt befindet, ist eine neue Präsentation der dort – bisher aus
Platzmangel zum Teil in den Depots – verwahrten Schätze geplant. Dabei
wird großer Wert auf eine räumliche Nähe zum Stadtmuseum Kassel gelegt, um
die Beziehungen zwischen den Sammlungsschwerpunkten im Bereich Volkskunde
und Stadtgeschichte zu verdeutlichen.
Das Konzept des Landesmuseums soll dem bürgerschaftlichen Engagement für
die Museen in Kassel seit dem 19. Jahrhundert Rechnung tragen. Die
Sammlungen zur Vor- und Frühgeschichte und die seit 50 Jahren nicht mehr
zugängliche, doch sehr bedeutende volkskundliche Sammlung könnten als
wesentliche Ecksteine für die Landesgeschichte Nordhessens künftig dort
gezeigt werden.
Die Potenziale für die Neustrukturierung der Museumslandschaft
Park Wilhelmshöhe
Der Park Wilhelmshöhe ist heute der größte Bergpark Europas. Er wurde von
dem Architekten Francesco Guerniero ab 1700 an den Hängen des
Habichtswaldes oberhalb der Stadt Kassel angelegt. Von der barocken Anlage
nach dem Vorbild italienischer Parks blieben das Herkules-Bauwerk mit den
Wasserkaskaden und die bis in die Stadt hineinreichende fünf Kilometer
lange Achse der Wilhelmshöher Allee erhalten.
Im Zuge der landschaftlichen Weiterentwicklung des Parks wurde Ende des
18. und im 19. Jahrhundert der 240 Hektar große Landschaftspark im
englischen Stil geschaffen. Der Park stellt heute ein Ensemble dar, in dem
sich die verschiedenen Stilrichtungen harmonisch miteinander verbinden,
Natur und Parkarchitektur eine Einheit bilden. Die gärtnerische Pflege
richtet
sich nach den Kriterien des Denkmalschutzes.
Die Bauwerke
Die wichtigsten architektonischen Elemente des Bergparks sind das Schloss
mit Ballhaus und Kavalierhaus. Verantwortlich für die einzelnen Bauphasen
von Schloss Wilhelmshöhe waren die jeweiligen Hofbaumeister der
Landgrafen. Der heutige Weißensteinflügel ersetzt einen Schlossbau des 16.
Jahrhunderts und wurde ab 1786 von Simon Louis du Ry (1726–1799) im
klassizistischen Stil errichtet. Für den zentralen Mitteltrakt zeichnet
Heinrich Christoph Jussow (1754–1825) verantwortlich. Die verbindenden
Galerien zwischen dem Mitteltrakt und den Seitenflügeln wurden später von
Johann Conrad Bromeis (1788–1855) aufgestockt. Das Ballhaus wurde von Leo
von Klenze (1784–1864) als Theater für Jérôme König von Westphalen
entworfen und später vom zurückgekehrten Landgrafen und dessen Architekten
Bromeis in einen Ballsaal umgebaut. In Form einer pseudomittelalterlichen
Burgruine errichtet, beherbergte die Löwenburg die kanonischen Raumfolgen
barocker Appartements, aber auch die Grablege ihres Erbauers Wilhelm IX.
Die Löwenburg wurde im II. Weltkrieg schwer beschädigt und damit zur
echten Ruine. In den erhaltenen Räumlichkeiten wird zurzeit ein Teil der
historischen Ausstattung präsentiert. Mit dem Wiederaufbau und der
Wiedereinrichtung mit ihrer historischen Innenausstattung, die derzeit
magaziniert ist, könnte die Löwenburg zu einem der frühesten
historistischen Denkmale in Deutschland werden.
Das von 1700 bis 1716 oberhalb der Kaskaden errichtete Herkulesbauwerk mit
der Pyramide und der Herkulesfigur sollte ein weithin sichtbares Zeichen
der Macht des Landgrafen Karl setzen. Noch heute ist es das Wahrzeichen
Kassels und zusammen mit den historischen Wasserspielen eines der
beliebtesten Ausflugsziele der Gegend. Hier kann heutigen Besuchern in
vielfältiger Weise Anspruch und Wirkung absolutistischer Macht vor Augen
geführt werden.
Daneben existieren im Bergpark weitere architektonische
Gestaltungselemente wie die Wirtschaftsgebäude mit Marstall, Reithalle,
Remise und Ökonomiegebäude, das Große Pflanzenhaus als frühe
Eisen-Glas-Konstruktion, die einst als „chinesisches Dorf“ geplante Anlage
„Mulang“ mit 14 Einzelbauwerken und die romantischen Wasseranlagen.
Die Kunstschätze des Schlosses
Die Antikensammlung bewahrt Zeugnisse der Kulturen des Mittelmeerraumes
vom Neolithikum bis zur Spätantike. Hierzu gehören archäologische Objekte
aus Ägypten, den bronzezeitlichen Kulturen des östlichen Mittelmeerraums,
dem klassischen Griechenland sowie aus der etruskischen und der römischen
Kultur. Eines ihrer herausragenden Exponate ist der „Kasseler Apoll“.
Die Gemäldegalerie Alte Meister besteht aus der im 18. Jahrhundert
angelegten Gemäldesammlung der Landgrafen von Hessen-Kassel und späteren
Erwerbungen. Neben einer repräsentativen Auswahl an altdeutschen Gemälden
liegt der Schwerpunkt auf Werken des flämischen und niederländischen
Barocks. Ergänzt wird die Sammlung durch Arbeiten italienischer,
französischer und spanischer Meister. Ihre Bestände – insbesondere die
Werke von Rembrandt, Hals, Rubens,
Jordaens, Cranach, Dürer und Altdorfer – machen sie zu einer der
bedeutenden europäischen Galerien.
Die Graphische Sammlung entstand mit der Gemäldegalerie und beherbergt
Reproduktionsgrafiken und Architekturzeichnungen. Seit den sechziger
Jahren wird gezielt im Bereich der Moderne gesammelt.
Die Sammlungen in der Innenstadt
Die Sammlungen des Schlosses sollen im Zuge der Neustrukturierung mit
Beständen des Hessischen Landesmuseums zusammengeführt werden, die im
Moment in Gebäudekomplexen der Innenstadt ihren Platz haben. Die Sammlung
Kunsthandwerk und Plastik umfasst Bestände vom frühen Mittelalter bis zur
Gegenwart. Neben Objekten fürstlicher Repräsentation finden sich hier auch
Kunstwerke aus dem kirchlichen Raum oder bürgerliche Kunst bis hin zu
modernem Design. Die Bandbreite der Sammlung reicht von Silbergefäßen,
Arbeiten aus Elfenbein, Bernstein oder Bergkristall, Fayencen
verschiedener Manufakturen, Gläsern, Plastiken, Altären und Möbeln bis zu
Ausstattungs- und Gebrauchsgegenständen. An die Sammlung angeschlossen ist
ein umfangreiches Münzarchiv.
Das 1923 gegründete Deutsche Tapetenmuseum wurde 1992 vom Land Hessen
übernommen und in die Staatlichen Museen Kassel integriert. Seine Sammlung
dokumentiert die Geschichte der Wandbekleidung von der Renaissance bis in
die Gegenwart. Es ist das einzige in Deutschland und – neben einem Haus in
Frankreich – auch weltweit einzigartig. Die Sammlung des Museums für
Astronomie und Technikgeschichte in der Orangerie geht zurück auf die
erste fest eingerichtete
Sternwarte Europas der Neuzeit, die 1560 in Kassel gegründet wurde. Hier
werden die Zeugnisse der instrumentellen Wissenschaftsgeschichte und das
Astronomisch-Physikalische Kabinett der Landgrafen von Hessen-Kassel aus
der Mitte des 16. Jahrhunderts präsentiert.
Museen in städtischer Trägerschaft
Das seit 1979 bestehende Stadtmuseum dokumentiert die Geschichte Kassels
seit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 913. Der Schwerpunkt liegt
auf der Entwicklung der Stadt vom 18. bis zum 20. Jahrhundert, wobei eine
eigene Abteilung den Wandel der Residenzstadt zu einem industriellen
Zentrum dokumentiert und mit audiovisuellen Medien präsentiert.
Die Sammlungen des 1959 gegründeten Brüder Grimm-Museums umfassen
Dokumente zu Leben und Werk, zu wissenschaftlichem und politischem Wirken
der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Außerdem wird das Werk des
Malerbruders Ludwig Emil Grimm gezeigt. Das Museum befindet sich im Palais
Bellevue, das 1714 von Paul du Ry als Sternwarte für Landgraf Karl erbaut
wurde.
Die Sammlung des Naturkundemuseums im Ottoneum geht auf das landgräfliche
Raritätenkabinett zurück. Sie ist eine der ältesten Europas und enthält
kulturhistorisch bemerkenswerte Kostbarkeiten, wie die älteste
systematische Pflanzensammlung Europas, das 400 Jahre alte „Herbarium
Ratzenberger“ und den so genannten „Goethe-Elefanten“, eines der ersten
präparierten Großsäugerskelette überhaupt. Heute präsentiert sich das
Naturkundemuseum mit einem zeitgemäßen Ausstellungskonzept, das die
Exponate in den Mittelpunkt wissenschaftlicher, politischer, pädagogischer
und auch spielerischer Auseinandersetzung mit Themen der regionalen Natur
und Umwelt stellt.
Museen in anderen Trägerschaften
Tod und Sterben, Trauer und Gedenken, das sind die Themen, mit denen sich
die Sepulkralkultur beschäftigt. Einzigartig in Deutschland, zeigt das
1992 eröffnete Museum für Sepulkralkultur ein breites Spektrum an
sepulkralen Objekten: Totenhemden, Särge, Kutschen und Trauertrachten
sowie zahlreiche bildliche Darstellungen. Wechselnde Sonderausstellungen
ergänzen die Dauerausstellung.
Die Kunsthalle Fridericianum wird unter Aufgabe 4 beschrieben.
Die Galerie für komische Kunst „Caricatura“ ist im Projekt KulturBahnhof
unter Aufgabe 1 dargestellt.
Tausend Meter schöne
Aussicht auf Kultur und Natur
Die Museumspromenade wird die Vielfalt und Dichte der
Kasseler Museumslandschaft jedem Besucher erfahrbar machen. Dabei steht
die Museumspromenade für sich und ist nicht nur die Verbindung zwischen
den Museen. Die Museumspromenade soll zu einem eigenständigen Begriff
werden, eine neue Kasseler Sehenswürdigkeit.
Sie wird außerdem für die Bürger, die in den Stadtwohnungen leben, oder
für die Beschäftigten von Betrieben und Behörden – etwa in den
Mittagspausen – einen Anreiz zum Verweilen in unmittelbarer Stadtnähe
bieten. Städtebaulich kann sie als ein Bindeglied die Beziehung von
Innenstadt und Karlsaue wiederherstellen und sichtbar machen. Ganz
nebenbei vermittelt sie ein Stück südländisches Flair. Einheitliche,
anspruchsvolle Präsentationen in allen Werbemedien machen die
Museumspromenade zu einem Markenzeichen Kassels. Sie ist unauffällig, aber
einprägsam und vor allem durchgehend gekennzeichnet.
Initiator: Thomas Herr
Die für 2006 geplante Ausstellung befasst sich mit
den Wechselwirkungen zwischen naturalistischer und idealistischer
Landschaftsmalerei im 17. Jahrhundert. Ausgehend von den
Landschaftsbildern Rembrandts, soll im Vergleich mit Werken von Poussin,
Lorrain, Gaspard Dughet, Jacob Isaacksz van Ruisdael, Adrian van de Velde
u. a. die Beziehung zwischen der naturwissenschaftlichen,
geografischen und historischen Betrachtung der Landschaft und der
Landschaftsmalerei des 17.
Jahrhunderts untersucht werden.
Die holländische Landschaftsmalerei etabliert sich im 17. Jahrhundert als
eigenständige Gattung. Die Aufwertung der niederländischen Küsten-, Wald-,
Dorf- und Weidelandschaft zum selbstständigen Sujet der Malerei gilt als
eine der innovativen Leistungen der holländischen Maler dieser Zeit. Fast
alle Landschaften und Seestücke sind mit Figuren bevölkert. Ihre Motive
sind charakteristische Betätigungen von Bauern und Landleuten, Reisende,
Jäger, Künstler beim Naturstudium, aber auch literarische Figuren und
bukolische Liebespaare. Der Reichtum des Landes wird durch weidendes Vieh
versinnbildlicht, das Landleben durch die Hirtenidylle. Zeitgleich mit der
Entwicklung der naturalistischen holländischen Landschaft bildet sich im
internationalen Kunstzentrum Rom die idealistische Landschaftsdarstellung
durch die Franzosen Nicolas Poussin und Claude Lorrain aus. Heroen des
klassischen Altertums und Gestalten der Bibel bevölkern ideal komponierte
Landschaften. Das Landschaftsbild wird hier als Historienbild verstanden.
Die Entwicklung in Rom blieb nicht ohne
Folgen für die holländische Malerei. Auch die Maler der einheimischen
Landschaft wandten sich der heroischen Landschaftsinszenierung zu oder
ließen wenigstens eine südliche Sonne über heimischen Dünen und Weiden
leuchten. Innerhalb dieser Gattung nehmen die Landschaften Rembrandts eine
Sonderstellung ein. Die Gemäldegalerie Alte Meister der Staatlichen Museen
Kassel besitzt allein zwei der wenigen Bilder, die der Künstler dem Thema
widmete. Rembrandt, der in den dreißiger Jahren einer heroischen
Inszenierung von Landschaft keineswegs abgeneigt war, schuf 1646 eine
unpathetische, mit sparsamen Mitteln entworfene Winterlandschaft.
Initiator: Staatliche Museen Kassel – Galerie Alte Meister
Europäische
Demokratiebewegung und ihre Reflexe in Kassel
In Kassel und im gesamten damaligen Kurhessen
herrschte von März 1848 bis Dezember 1850 fast drei Jahre lang eine
Demokratie. In keinen anderen Land in Deutschland konnte sich damals so
lange eine freiheitliche Bewegung behaupten, eine heute im Bewusstsein der
Bürger Kassels verloren gegangene Zeit und auch von der historischen
Forschung vernachlässigte Tatsache. Eine umfassende wissenschaftliche
Diskussion soll mit einem Symposium im Jahre 2010 nachgeholt werden.
Dabei soll deutlich werden, wie sich verschiedene kulturelle Aktivitäten
und Strömungen an einem Ort bündeln und europaweit verknüpfen können.
Kassel war seit 1277 Residenz der Landgrafen bzw. seit 1803 bis 1866
Hauptstadt des Kurfürstentums Hessen. Damit war die Stadt über 600 Jahre
Regierungssitz, Garnisonsstadt, höchster Gerichtsort und als größte,
bevölkerungsreichste Stadt des Landes auch kultureller Mittelpunkt. Im
Vormärz erhielt das Kurfürstentum am 5. Januar 1831 eine liberale
Verfassung,
die eine landständische Mitwirkung an der Regierung vorsah. Im Jahre 1866
wurde dieser Staat durch das preußische Militär besetzt und in das
Königreich Preußen integriert. Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71
marschierten die Kurhessen als Preußen nach Paris und kamen als Deutsche
wieder nach Kassel zurück. Die deutsche Einheitsbewegung hatte sich in
einem gemeinsamen Krieg durchgesetzt, dagegen blieben die Forderungen von
1848 nach Freiheit und
Demokratie unvollendet, an deren programmatischem Beginn in der Revolution
von 1848 die Kasseler tatkräftig mitwirkten und – bisher übersehen – fast
drei Jahre lang eine landständische Regierung verteidigten, bis durch
auswärtiges Militär das monarchische Prinzip wieder durchgesetzt wurde.
Aber auch an der endgültigen Einführung der Demokratie in Deutschland
durch die Weimarer Verfassung war eine Person wesentlich beteiligt:
Philipp Scheidemann (1865–1939), erster Ministerpräsident der Weimarer
Republik. Mit Roland Freisler (1893–1945) – dem nationalsozialistischen
Juristen – kam aus Kassel einer der Zerstörer dieses demokratischen
Zwischenspiels.
Nach dem II. Weltkrieg lag Kassel am östlichen Rand des westlichen
deutschen Teilstaates. In Kassel endeten alle Wege nach dem Osten, nur auf
der Nord-Süd-Achse und nach Westen war Bewegung möglich. Nach der
Wiedervereinigung befand sich Kassel wieder in der Mitte, nun aber auch in
der Mitte eines europäischen Staatenbundes. Der Weg in ein Europa der
Regionen lässt sich an dem Beispiel Hessen-Kassel bzw. dem Kurfürstentum
Hessen und seiner Haupt- und Residenzstadt Kassel exemplarisch
nachzeichnen.
In den letzten 200 Jahren mussten die Menschen in Kassel erhebliche
Integrationsleistungen vollbringen. Ändern sich die politischen
Rahmenbedingungen, hat dies auch Auswirkungen auf die Identität der
betroffenen Bevölkerung. Das Symposium will dieses Geflecht von außen und
innen, von Zentrum und Peripherie, verdeutlichen. Nicht vergessen sollte
man, dass Kassel zweimal als politisches Zentrum vorgeschlagen worden war:
1848 als Hauptstadt des Deutschen Reiches
und 100 Jahre später bei Gründung der BRD.
Parallel zur politischen Geschichte verläuft der Strang der
Kulturgeschichte Kassels. Ohne auf die Vorläufer im 18. Jahrhundert
einzugehen, sei verwiesen auf die Gründung von bürgerlichen Kunst- und
Musikvereinen in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts. Vorhanden
waren bereits eine Kunstakademie und ein Theater sowie einige Museen und
Bibliotheken. Mit der Statusveränderung von 1866 – aus der Residenz wurde
eine preußische Provinzstadt – verlor Kassel zentrale politische
Institutionen, aber die kulturellen Einrichtungen blieben erhalten. Nicht
nur um diese Einrichtungen bildeten sich nun von Bürgern getragene Vereine
und Gesellschaften für Geschichte und Literatur, für Armen- und
Altenpflege, für Berufsverbände usw. Die Industrialisierung ließ auch in
Kassel eine Arbeiterkultur entstehen, die sich aber wiederum an den
bürgerlichen Einrichtungen orientierte, als Beispiel seien die vielen
Musik- und Gesangsvereine der Betriebe genannt. Nach schwersten
ökonomischen und politischen Veränderungen blieben dem Kasseler Bürger
allein seine kulturellen Orientierungsstätten erhalten, sie waren über
Jahrhunderte hinweg seine Identifikationsmöglichkeiten.
Initiatoren: Hansgeorg Kling, Karl-Heinz Nickel
Weder in Deutschland noch im benachbarten Ausland
gibt es bisher eine umfassende und repräsentative, große Ausstellung zum
Thema „Energiegewinnung aus Sonne, Wind und Wasser“. Die Entwicklung auf
allen Feldern der regenerativen Energienutzung hat in den letzten 30
Jahren Riesenfortschritte gemacht. Auch in den vergangenen Jahrhunderten
haben sich Forscher und Erfinder mit den faszinierenden Möglichkeiten, wie
sich Sonnenenergie, Wasser- und Windkraft
nutzen lassen, beschäftigt. Es wäre nicht nur für Kassel, sondern für die
Öffentlichkeit insgesamt ein großer Gewinn, eine Ausstellung in diesem
Sinne zu erarbeiten und in der hiesigen Museumslandschaft zu verankern. In
Kassel gibt es beste Voraussetzungen zur Realisierung.
Im Museum für Astronomie und Technikgeschichte befinden sich bereits
verschiedene Exponate zu diesem Thema. Das Museum „Neue Mühle“ ist ein
hervorragendes Beispiel für einen Teilaspekt (Wasserkraft). Vom Institut
für Solare Energieversorgungstechnik (ISET) werden im Design-Zentrum
Modulare Energieversorgungstechnik heute bereits aktuelle
Forschungsergebnisse ausgestellt. Dieses Institut, 1988 gegründet, nimmt
im Rahmen der europäischen Forschungsinstitute für Zukunftsenergien einen
bedeutenden Rang ein. Schon in den siebziger Jahren wurde an der Kasseler
Hochschule mit ersten Forschungen zur Sonnenenergienutzung begonnen. Aus
der Hochschule heraus haben sich diverse Unternehmen, Ingenieurbüros,
Verbände und andere Einrichtungen gegründet, die in der Region ein großes
Kompetenzpotenzial darstellen. Anfang des Jahres 2003 wurde daraus das
„Kompetenznetzwerk dezentrale Energietechniken in Nordhessen“ gegründet.
Die Teilnehmer wollen ein innovatives regionales Milieu fördern und
Kontakte zu anderen europäischen
Initiativen pflegen, sie wollen gemeinsam Know-how aufbauen und neue
Aktivitäten entwickeln.
Die Kasseler Universität ist Vorreiter für die Entwicklung von Lösungen
für die Nutzung erneuerbarer Energien. Ein darauf spezialisiertes Museum,
das aber auch Teil eines industriegeschichtlichen Museums sein kann, ist
geplant. Diese Grundlagen sollen genutzt werden, um ein auf die Nutzung
erneuerbarer Energien spezialisiertes Museum aufzubauen.
Initiatorin: Helga Fischlein
Neues Puppentheater-Museum bietet neben
Ausstellungen auch eine Bühne
Ein Puppentheater-Museum wird in Kassel das Puppen-
und Figurentheater auf zeitgenössische Art präsentieren. Es wird eine
Sammlung von Theaterpuppen aus aller Welt beherbergen, die einen Einblick
in die Geschichte, in die verschiedenen Spielformen und -orte ermöglicht.
Dabei spielt nicht das Belehren, sondern das Erleben die entscheidende
Rolle, weil die Besucher die Möglichkeit haben, die verschiedenen
Figurentechniken und ihre Wirkung selbst zu erproben.
Wie in anderen Museen auch sind feste und wechselnde Ausstellungen
geplant. Forschung und Dokumentation – in Zusammenarbeit mit anderen
Museen – gehören ebenso zu den Aufgaben. Die Präsentation der
Ausstellungsstücke und Forschungsergebnisse wird mit modernen technischen
Mitteln erfolgen. Eine virtuelle Galerie mit Foto-, Video- und
Interviewmaterial wird aufgebaut werden und auch im Internet zugänglich
sein.
Das neue Museum wird den zahlreichen Kasseler Figurentheatergruppen als
Auftrittsort zur Verfügung stehen, denn das Museum hat auch einen
professionell ausgestatteten Theaterraum zu bieten. Ein Schwerpunkt liegt
dabei auf Vorstellungen, die einen Bezug zum Thema der Ausstellungen
haben. Mittel- und langfristig sind Kooperationen mit Kasseler
Institutionen vor allem im pädagogischen Bereich geplant.
Initiatoren: Ellen Heese, Andrej N. Joukov, theater en miniature |