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Museale Kunst aktivieren

5.1. "Freiwillige" als Museumsmitarbeiter auf Zeit

Museen in Großbritannien und in den USA zeigen, welche umfangreichen Potenziale in der Arbeit von Freiwilligen für die Museen stecken. Freiwillige können qualifiziert und betreut und in verschiedenen Bereichen der Museumsarbeit eingesetzt werden. Die Kasseler Museen haben deshalb ein gemeinsames Konzept entwickelt, wie in den einzelnen Häusern künftig Freiwillige zur Unterstützung der Museumsmitarbeiter eingesetzt werden können.
Dabei geht es nicht darum, bestehendes Personal zu ersetzen, sondern zusätzlich Aufgaben, die das Stammpersonal nicht leisten kann, zu erfüllen: zum Beispiel im Museumsshop, in der Aufsicht, bei der Katalogisierung, bei der Öffentlichkeitsarbeit, bei der Durchführung von Veranstaltungen der Museen.
Die Qualifizierung der Freiwilligen könnte in Kooperation mit der Volkshochschule oder anderen Erwachsenenbildungseinrichtungen realisiert werden.

Initiatoren: Arbeitsgruppe der Kasseler Museen

 

5.2. Archiv für Klanglandschaften

Neuartiges Museum verknüpft das Lern- mit dem Hörerlebnis

Klanglandschaften – oder „Soundscapes“ – der Vergangenheit und Gegenwart können Besucher in einem neuen Kasseler Museum erleben. Das „Museum der Klänge“ bietet unter anderem ein interaktives Klangarchiv, es führt aber auch die Möglichkeiten des Sounddesigns der Zukunft vor und beherbergt eine Sammlung außergewöhnlicher Musik- und Klanginstrumente, die von den Besuchern ausprobiert werden können. Künstler werden dort ihre Klanginstallationen zu Gehör bringen. Des Weiteren versteht sich das Museum als Forum für Themen wie Klangökologie und Städtebau der Zukunft unter Beachtung akustischer Gesichtspunkte.
Um das Projekt in seinen Grundzügen in der Öffentlichkeit präsentieren zu können, ist für Oktober 2004 das „Temporäre Klangmuseum“ geplant. Darüber hinaus wird es ein Konzertprogramm geben, bei dem internationale Gastmusiker und Ensembles live mit den Möglichkeiten der ausgestellten Installationen und Soundarchive spielen werden.
Das „Temporäre Klangmuseum“ ist ein erster Schritt zu einem dauerhaften „Museum der Klänge“. Einzelne Räume mit Installationen, Versuchsaufbauten, Exponaten und Schrift- oder Infotafeln sollen – als „pars pro toto“ – auf den jeweiligen Teilbereich des geplanten Museumskonzeptes verweisen und ein Bild von den konzeptuellen Möglichkeiten der geplanten ständigen Ausstellung vermitteln.

Initiatoren: Wolfram der Spyra,Thomas Gerwin

 

5.3. Cassalla

Mit einem virtuellen Museum wird ein Ariadnefaden durch die Kasseler Frauengeschichte geknüpft

Das Projekt „Cassalla“ des Kasseler Archivs der deutschen Frauenbewegung soll in der Stadt ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass der Einfluss von Frauen größer war, als es bisher in den Geschichtsbüchern zu lesen ist. Dazu ist es notwendig, nach Spuren zu suchen, die Frauen in Kassel hinterlassen haben. Diese Spuren sollen durch künstlerische Aktionen sichtbar gemacht und zu einem „Ariadnefaden“ verknüpft werden. Darüber hinaus soll ein virtuelles Archiv die Kasseler „Frauengeschichte“ dokumentieren und in den Kontext der allgemeinen Geschichte stellen.

Das virtuelle Archiv „Cassalla“
Im Rahmen dieses Projektes wird ein virtuelles Archiv aufgebaut, in dem Dokumente zur Kasseler Frauengeschichte dokumentarisch aufgearbeitet, gespeichert und online abrufbar werden sollen. Der zeitliche Schwerpunkt liegt auf der Zeit ab dem 19. Jahrhundert; verwiesen wird aber auch auf ausgewählte Personen, Orte und Ereignisse aus früheren Jahrhunderten. Eingebunden werden Originalquellen wie Urkunden, Texte, Bilder, Tondokumente und eventuell auch bewegte Bilder.
Thematisch sollen in das virtuelle Archiv Dokumente eingehen zu einzelnen Persönlichkeiten; zu Vereinen und Organisationen; zu wichtigen Ereignissen; zu wichtigen frauengeschichtlichen Daten; zu Wirkungsstätten und Einrichtungen wie Klöstern, Geburtshäusern u. ä.
Ergänzende Einführungstexte sowie Literaturhinweise sollen helfen, die für Kassel spezifischen Dokumente sozial- und kulturhistorisch zu erläutern. Darüber hinaus soll eine chronologische Übersicht die Entwicklung der verschiedenen Aspekte der Frauengeschichte in Deutschland darstellen, die Einordnung der Kasseler Frauengeschichte erleichtern. So wie Entwicklungen der allgemeinen Frauengeschichte durch ausgewählte Dokumente erklärend mit aufgenommen werden sollen, so werden auch die Entwicklungen der Kasseler Geschichte durch erklärende Dokumente mit eingebettet werden. Wichtige Dokumente der Reichsgeschichte vervollständigen die Dokumentation.
Die einzelnen Rubriken sollen nicht nebeneinander stehen, sondern durch eine gute Verlinkung vernetzt werden; d. h., in den einzelnen Dokumenten werden die jeweils in den Rubriken vorhandenen Personen, Organisationen, Ereignisse, Daten und Einrichtungen als Links eingerichtet, so dass man bei weitergehendem Interesse von einer Biografie auch auf ein mit ihr verbundenes
Ereignis, einen Ort oder ein Datum gelangen kann.
Das virtuelle Archiv „Cassalla“ bietet zum einen Kasseler Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Stadtgeschichte. Zum anderen kann es exemplarisch aufzeigen, wie sich Frauengeschichte in einer Stadt niedergeschlagen hat, wo Parallelitäten, aber auch Unterschiede zu Entwicklungen an anderen Orten liegen.
Seit einiger Zeit entstehen in verschiedenen Orten inner- und außerhalb Deutschlands virtuelle Archive zur Geschichte von Frauen und Frauenbewegung (u. a. Österreich, Norwegen, Dänemark, Italien). Mit dem Projekt „Cassalla“ soll hier ein weiterer Baustein mit dem Ziel geschaffen werden, langfristig die einzelnen Bausteine zu verknüpfen und so ein virtuelles Netz über Deutschland und schließlich über Europa zu spannen.

Der „Ariadnefaden“ – Geschichte von Kasseler Künstlerinnen neu gesehen
Um die Frauengeschichte auch im Stadtbild dauerhaft zu verankern, sollen über die Internet-Präsentation hinaus an ausgewählten Orten Erinnerungszeichen gesetzt werden. Für jeden Ort soll eine Künstlerin bzw. eine Künstlerinnengruppe gewonnen werden, die in Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Ort und seiner Geschichte ein von ihr gewähltes Zeichen setzt. Hierbei sind vielfältige Präsentationsarten möglich. Denkbar ist auch, im Sinne von Nachwuchsförderung Studierende der
Kasseler Kunsthochschule in das Vorhaben einzubinden.
Langfristig wird somit ein Netz entstehen, das sich über die ganze Stadt spannt und unterschiedliche Lebens- und Erfahrungswelten von Frauen aufzeigt. Um dies Netz deutlich werden zu lassen und die Orte miteinander in Verbindung zu setzen, soll ein gemeinsames Element entwickelt werden, das auf die Verbindung der verschiedenen Frauenorte Kassels hinweist. Sechs Gedächtnisorte sollen im Jahr 2010 jeweils im Rahmen einer Veranstaltung öffentlich präsentiert werden, wobei die Art der Präsentation wiederum auf den Ort und das entwickelte künstlerische Zeichen abgestimmt sein soll. Bereits im Vorjahr sollten zwei Orte ausgewählt werden, an denen Frauenengagement sichtbar gemacht werden kann, die aber nicht bzw. nicht mehr im öffentlichen Bewusstsein der Stadt verankert sind. Hierbei wird es darum gehen, das vorhandene Erinnerungszeichen (z.B. eine Plakette, ein Grabstein, ein Denkmal) wieder sichtbar zu machen.
Neben der Fortentwicklung des virtuellen Archivs und der Pflege der bestehenden Erinnerungsorte sollen jährlich ein bis zwei weitere Frauenorte mit ihrer Geschichte im Stadtbild sichtbar gemacht und somit jedes Jahr neue „Ariadnefäden“ geknüpft werden. Durch die jeweilige Auseinandersetzung der einzelnen Künstlerinnen mit der Historie entsteht ein lebendiges Stadtprojekt, das sich ständig weiterentwickelt und ganz unterschiedliche Perspektiven auf die Frauengeschichte der Stadt wirft. Das im Jahr 2010 gelegte „Erinnerungsnetz“ würde somit, von Jahr zu Jahr enger geknüpft, nachhaltig im Stadtbild verortet werden.

Initiatorinnen: Dr. Gilla Dölle, Silke Mehrwald, Archiv der deutschen Frauenbewegung

 

5.4. Das Gedächtnis der Stadt

Der Ausbau des Stadtmuseums zu einem zentralen Ort der Erinnerung in Kassel

Im Februar 2004 hat das Kasseler Stadtmuseum sein 25-jähriges Gründungsjubiläum gefeiert. Die Dauerausstellung und vor allem der Fundus (in fünf Depotgebäuden verteilt) versammeln Kunstwerke und historische Dokumente von erstem Rang, die auch begehrte Leihgaben bei überregionalen Ausstellungen sind.
Nirgendwo anders lassen sich die Einflüsse Europas auf Kassel und die Ausstrahlung der Stadt auf Europa so anschaulich erleben wie im Stadtmuseum mit seinen Schwerpunkten: Kassel war die Stadt der Reformation durch die Führungsrolle Philipps des Großmütigen für den deutschen Protestantismus. Kassel wurde von den Hugenotten geprägt und von der Aufklärung. Kassel war Residenzstadt der Landgrafen von Hessen-Kassel und Hauptstadt des Königreichs Westphalen, eines
Experimentes von europäischem Rang.
Diese Potenziale des Stadtmuseums sollen künftig durch eine räumliche Erweiterung besser zur Geltung gebracht werden und mit attraktiven Angeboten für Fachtagungen, Schulungen und Kindergeburtstage im Museum kombiniert werden.

Initiator: Stadtmuseum Kassel

 

5.5. Ein Friedhof als Zugang zur Geschichte der Juden in Kassel

In Kassel gibt es im Stadtteil Bettenhausen einen jüdischen Friedhof, dessen ältestes identifizierbares Grab aus dem Jahr 1648 stammt. Dieser Friedhof ist ein anrührender Ort, aus dem sich viele Informationen über das Leben und die Geschichte der Juden in Kassel, über ihre Beerdigungskultur und über den Wandel der Grabkultur erschließen.
Für den historischen Teil des Friedhofs wird ein Wegweiser erarbeitet, der sowohl informativer Begleiter beim Besuch des jüdischen Friedhofs, zugleich aber auch Geschichtsbuch über die Geschichte der Juden in Kassel sein wird. Dieser Wegweiser wird nicht nur als Buch erscheinen, sondern auch zu einem virtuellen Museum der jüdischen Geschichte in Kassel und der Region ausgebaut werden können. Damit kann es zu einem Nachfolgeprojekt der bis 1933 im Landesmuseum
existierenden jüdischen Abteilung werden.

Initiatorin: Esther Haß, Jüdische Gemeinde

 

5.6. Industriekultur ist Teil der Kasseler Identität

Kassel ist nicht nur die ehemalige Residenzstadt, die Stadt der Brüder Grimm und documenta-Stadt. Kassel ist auch eine Industriestadt mit einer jahrhundertealten Tradition. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die erste Dampflokomotive von den damaligen Henschelwerken produziert, heute baut Thyssen-Krupp in Kassel den Magnetschwebezug Transrapid. Daneben gab es mit Salzmann und Gottschalk bedeutsame Textilunternehmen. Kassel war – und ist – aber auch ein Standort der
Rüstungsindustrie – ein Grund, weshalb die Stadt im II. Weltkrieg von den Alliierten bei einem Bombenangriff zerstört wurde.
Trotz der Zerstörungen sind zahlreiche Industriebauten im Originalzustand erhalten geblieben – sie prägen, etwa im Stadtteil Rothenditmold oder in der Nordstadt, das Stadtbild. Sie sind aber in vielen Fällen „Problemkinder“ der Stadtentwicklung, weil sie einerseits unter Denkmalschutz, andererseits leer stehen und es keine Nutzungskonzepte gibt. Ein besonders wichtiger Ort ist der Messinghof, Geburtsort des Herkules – eine technische Meisterleistung seiner Zeit und lange als das achte Weltwunder bezeichnet –, eine wichtige Station der Route der Industriekultur.
Die Industriekultur wurde bisher kaum als Teil der städtischen und regionalen Identität begriffen. Deshalb ist sie ein Schwerpunkt im Bewerbungsprozess für den Titel Kulturhauptstadt Europas 2010. Dabei geht es nicht nur um den romantisch verklärten Blick zurück, sondern auch darum, aus der Tradition Neues zu entwickeln – zum Beispiel Nutzungsmöglichkeiten für die historischen Bauten, um dort auch wieder Arbeitsplätze zu schaffen.
Ein erster konkreter Schritt war im vergangenen Jahr die Gründung des Vereins „Henschel-Museum und Sammlung“. Die Henschelwerke mit einst drei Standorten in Kassel beschäftigten in Spitzenzeiten mehrere tausend Mitarbeiter. An einem der Standorte wird der Transrapid entwickelt und gebaut, an einem zweiten Standort siedelte sich die Universität an. Der dritte ist in die Masterplanung für den Stadtteil Rothenditmold einbezogen worden. Die weitgehend denkmalgeschützten Industriebauten sollen in ein Technikmuseum verwandelt werden. Solch ein Museum wäre ein günstiger Knoten für das
geplante Netzwerk Industriekultur Nordhessen (NINO), wie es vom Kreis Kassel gemeinsam mit der Universität entwickelt wird. Genauso wie ein Museum, das die Energiegewinnung aus Sonne, Wind und Wasser – ein Feld, auf dem die nordhessische Industrie immer stärker wird – dokumentiert. Dieser Vorschlag stammt aus dem „Kompetenznetzwerk dezentrale Energieversorgung in Nordhessen“. So werden Brücken geschlagen von den Anfängen der Industriegeschichte bis zu den
zukunftsträchtigen Technologien, die heute in Kassel entwickelt werden.

Netzwerk Industriekultur Nordhessen (NINO)
Die Stadt Kassel und die umliegende Region bergen ein reiches Erbe der Industriekultur. An vielen Stellen sind bereits Museen entstanden, in denen zum Beispiel die Bergbautradition (Borken und Heringen) oder die Geschichte der Glas- und Tonwarenherstellung (in Großalmerode und
Immenhausen) dokumentiert wird. In Kassel gibt es Überlegungen, die Geschichte des traditionsreichen Fahrzeugbaus zu dokumentieren. Neben den Sammlungen existiert ein Bestand an architektonisch interessanten und teilweise denkmalgeschützten Bauten. Diese Potenziale sollen in
einem „Netzwerk Industriekultur Nordhessen“ – kurz NINO – zusammengefasst und ausgebaut werden.
NINO soll museale Einrichtungen, erschließbare Industriedenkmale und weitere markante Standorte der vergangenen und gegenwärtigen Technik- und Industriekultur im Rahmen eines Gesamtkonzeptes so vereinen, dass sich Laien und Fachleute zu Entdeckungstouren angeregt und eingeladen fühlen. Dazu ist ein abgestimmtes Gestaltungskonzept nötig, das jeden einzelnen Standort als Teil des Netzes erkennen lässt und zugleich zur Besichtigung weiterer Standorte und
Angebote einlädt. Die Präsentation soll durch ein Printprodukt, eine Internetpräsentation und durch Informationstafeln an den einzelnen Standorten erfolgen. Führungsangebote, Pauschalreisen u.ä. sollen entwickelt werden und insbesondere den Blick dafür öffnen, dass es immer auch um Regionalkultur in ihren vielfältigen vergangenen und gegenwärtigen Hammerschmiede
Ausprägungen geht. NINO soll außerdem der heimischen Industrie die Möglichkeit zur Selbstdarstellung bieten. Dazu wird eine Machbarkeitsstudie erstellt. Daneben ist eine Einbindung in die Europäische Route der Industriekultur vorgesehen.

Initiatoren: Landkreis Kassel, Universität Kassel, Prof. Christian Kopetzki

 

5.7. Kassel in Motion

Erlebnismuseum Industriekultur

Auf dem 115.000 Quadratmeter großen Thyssen-Areal im Kasseler Stadtteil Rothenditmold könnte ein „Erlebnismuseum Industriekultur“ realisiert werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Machbarkeitsstudie, die von der Wirtschaftsförderung Region Kassel in Auftrag gegeben worden war. Danach würde die Konversion des derzeit noch teilweise genutzten Industriegeländes rund 91 Millionen Euro kosten. Das „Erlebnismuseum“ soll „Inszenierungen“ zum Thema Verkehr – auf Straße,
Schiene und in der Luft – präsentieren. Dabei sollen Multimediatechnik, Simulation und Produktpräsentationen miteinander kombiniert werden. Daneben könnten auf dem Gelände Wohnungen – auch für Studenten und Senioren – sowie Gewerberäume entstehen. Außerdem sieht das Konzept „Erlebnisgastronomie“, ein IMAX-Kino und ein „Themenhotel“ vor. Die etwa zu 90 Prozent denkmalgeschützte Industriearchitektur soll erhalten bleiben. Sollte das Projekt realisiert werden, soll es Teil der Europäischen Route der Industriekultur werden.

Initiator: VDI Nordhessen, Wirtschaftsförderungsgesellschaft

 

5.8. König Lustik!?

Mit der für 2008 geplanten Ausstellung „König Lustik!?“ sollen das Königreich Westphalen und sein König Jérôme Bonaparte umfänglich erforscht und einem breiten, überregionalen Publikum vermittelt werden.
Als „König Lustik“ war Jérôme Bonaparte, der zwischen 1807 und 1813 von Kassel aus den Modellstaat Westphalen regierte, verunglimpft worden. Von Napoleon – seinem älteren Bruder – eingesetzt, regierte er einen aus Hessen-Kassel sowie ehemaligen preußischen, hannoverschen und braunschweigischen Gebieten zusammengefügten Staat. Es war der erste auf deutschem Boden, der eine moderne Verfassung besaß, doch zugleich war er von höfischer Pracht geprägt.Das ambivalente
Bild dieser Herrschaft ist durch die Plünderung der Kasseler Gemäldegalerie für das Musée Napoléon, den heutigen Louvre, ebenso bestimmt wie durch zahlreiche Enteignungen. Die geplante Ausstellung nimmt ihren Auftakt mit einer Teilrekonstruktion der historischen Kasseler Gemäldegalerie. Nach 200 Jahren werden einige der Meisterwerke, darunter Werke von Lorrain, Rubens und van Dyck, erstmals wieder zusammen gezeigt.
Auf der anderen Seite stehen die von Jérôme angeregten Neuerungen vor allem in der Musik und im Theater sowie in der Architektur und im Kunsthandwerk. So schuf der Hofarchitekt Leo von Klenze das Theater Napoleonshöhe, das heutige Ballhaus. König Jérôme wollte auch die private Bautätigkeit zu einer umfassenden architektonischen Aufwertung des städtischen Raums verpflichten, wie Leo von Klenzes Entwürfe für Wohnhäuser zeigen, die von großflächigen Palastfassaden beherrscht sind. Von Kassel aus verbreitete sich die Empire-Kultur in ganz Norddeutschland. Leihgaben aus Deutschland und aus dem europäischen Ausland ergänzen die reichen Kasseler Bestände.

Initiator: Staatliche Museen Kassel, Staatliche Schlösser und Gärten.

5.9. Kunst und Natur

Die Ordnung der Natur in Kunstkammer und Garten der frühen Neuzeit (2010)

Die Ausstellung Kunst und Natur wird die große Ausstellung der Staatlichen Museen im Jahre 2010 sein. Wilhelmshöhe ist ein exemplarisches Beispiel von europäischem Rang dafür, wie fürstliches Kunstverständnis, Repräsentation der Macht und europäische Ideen von Architekten und Künstlern über Jahrhunderte eine „Vermählung des Kunstschönen mit dem Naturschönen“ verwirklicht haben.
Ausgehend von der historischen Grundlage der Kasseler Sammlungs- und Gartengeschichte, richtet die Ausstellung ihr Augenmerk auf die Beziehung zwischen Kunstkammer und Gartenkunst in Renaissance und Barock. Die Ausstellung rekonstruiert Sammlungszusammenhänge und präsentiert die reich erhaltenen Objekte der Kasseler Kunstkammer sowie historische Dokumente zum Naturwissenschaftsbegriff der Frühen Neuzeit.
In der Frühen Neuzeit wurden die Grundlagen für eine systematische wissenschaftliche Erschließung der „Welt“ gelegt. In der Ausrichtung von Sammlungen führte das zu einer umfassenden Darstellung allen damaligen Wissens. Als Verkörperung des Mikrokosmos erfüllte dies die Kunstkammer. Mineralien, pflanzliche und tierische Materialien wurden in ihrer Schönheit, Kostbarkeit und Seltenheit ebenso präsentiert wie die Kunstfertigkeit und die wissenschaftlichen Möglichkeiten, mit denen der Mensch diese Materialien bearbeiten und erforschen konnte.
Das neue Wissen über die Pflanzenwelt beeinflusste auch die Anlage von Gärten, in die nun bislang nicht bekannte Pflanzen bzw. neue Züchtungen Einzug hielten. In seiner regelmäßigen, geometrisch bestimmten und in sich geschlossenen Gestaltung spiegelte der Garten die Harmonie des Makrokosmos, die nach der damals gängigen Überzeugung durch die Gesetze der Geometrie bestimmt war. Zoologische Exemplare, die in Menagerien, Volieren und Teichen untergebracht waren, ergänzten die in den Beeten angeordneten botanischen „Sammlungsstücke“.
Mit dem vorwiegend naturwissenschaftlich ausgerichteten Denken der Aufklärung ging die frühere Einheit der „Kunstkammer“ jedoch verloren. Die Sammlung wurde in entsprechende Spezialsammlungen aufgeteilt.
Auf der Grundlage des historischen Rückblicks möchte die Ausstellung auch als Beitrag einer zeitgemäßen, auf die eigene Gegenwart bezogenen Neubelebung eines in Kassel ehemals zu einzigartiger Blüte gelangten Zusammenspiels von Kunst und Natur verstanden werden.

Initiator: Staatliche Museen Kassel, Staatliche Schlösser und Gärten

 

5.10. Mauritianum – Das Moritzprojekt

Die Lebenszeit des Landgrafen Moritz von Hessen, genannt „der Gelehrte“ (1572–1632), war eine Periode, in der Kassel eine zentrale kulturelle und eine bedeutende politische Rolle gespielt hat. Vor dem Dreißigjährigen Krieg waren protestantische Fürsten durch gemeinsame humanistische und fortschrittliche Ideen in einem europäischen Netzwerk verbunden. Die europäische Idee nahm in dieser historischen Phase Kontur an – ein Ausstellungsprojekt mit dem Titel „Mauritianum“ soll daran erinnern und den Geist jener Zeit wiederbeleben als interaktive audiovisuelle Inszenierung in Form einer alchimistischen Werkstatt.
Die Herrschaftszeit von Landgraf Moritz mit ihrer Aufbruchstimmung sowie ihren idealistischen und reformerischen Bestrebungen ist es wert, als bedeutsame kulturelle Phase in Europa neu beachtet zu werden. Hier liegen Anknüpfungsmöglichkeiten für aktuelle und zukünftige Aussichten einer ganzheitlichen Kultur. „Mauritianum“ ist ein Symbol für die Kultur Europas und für die Rückbesinnung auf die europäischen kulturellen Ursprünge. Deshalb ist „Mauritianum“ als Name für einen Verein gewählt worden, der sich zur Aufgabe macht, eine Kultur zu fördern, die der Idee der Ganzheitlichkeit verpflichtet ist. „Ganzheitliche“ oder „integrale Kultur“ ist eine neue Tendenz in den westlichen Gesellschaften. Sie steht für eine neue Sinnsuche, die über den Materialismus des Konsum- und Industriezeitalters hinausgehen will.
Der Verein Mauritianum soll eine Plattform bilden, von der aus Projekte ins Leben gerufen und unterstützt werden, die die Zeit Moritz’ des Gelehrten und deren wichtige Impulse für Europa in ein aktuelles Licht stellen. Außerdem veranstaltet und fördert der Verein Kurse für Kunst und Philosophie, ebenso Konzerte, Vorträge, Podiumsdiskussionen, Symposien, Ausstellungen und Exkursionen.

Initiatoren: Petr Vrana, Michael Evers

 

 

5.11. Museumspark Wihelmshöhe – ein Projekt mit europäischen Dimensionen

Die Neustrukturierung der Kasseler Museumslandschaft ist mehr als eine Vision

Als Leuchtturmprojekt hessischer Kulturpolitik hat der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, im Jahr 2003 ein visionäres Vorhaben formuliert: Alle Häuser der im Landesbesitz befindlichen Staatlichen Museen in Kassel sollen neu strukturiert werden.
Kassel gehört zu den bedeutendsten Museumsstandorten in Deutschland. Über Jahrhunderte hinweg wurde eine unvergleichliche Kulturlandschaft geschaffen. Die ehemals fürstlichen Kunstschätze sowie die Park- und Schlossanlagen stehen heute unter der Obhut des Landes Hessen und der Stadt Kassel. Was die Geschlossenheit und Reichhaltigkeit der fürstlichen Sammlungen angeht, sind in Deutschland nur Dresden oder München vergleichbar. Neben den Staatlichen Museen gibt es weitere wichtige Museen in städtischer und privater Trägerschaft. Neue Museumsprojekte befinden sich in der Planung. Die ursprüngliche Idee, bei der Neustrukturierung lediglich die Staatlichen Museen und ihre Sammlungen in den Fokus zu nehmen, wurde zu Gunsten einer Neuordnung der gesamten Museumslandschaft in Kassel erweitert. Dieser Plan ist für Deutschland und Europa ein einzigartiges kulturpolitisches Vorhaben. Nirgends in Europa wird so grundsätzlich und umfassend gedacht und geplant, wie dies in Kassel geschehen wird. Ein auf Museumsplanungen spezialisiertes Büro überprüft die Konzeptideen und entwickelt mit allen Museumsträgern und ihren Museen den Vorschlag für die neue Struktur der Museumslandschaft in Kassel.
Kernidee ist das Projekt „Museumspark Wilhelmshöhe“. In authentischer Umgebung – dem Bergpark Wilhelmshöhe mit seinen Denkmälern und Wasserspielen – sollen im Schloss Wilhelmshöhe und in den geplanten Erweiterungsbauten die originalen Exponate gezeigt werden und damit ein Anziehungspunkt besonderer Qualität entstehen. Der Landschaftsgarten mit dem Herkules, den Wasserspielen, der Löwenburg und dem Schloss mit seinen Dauer- und Sonderausstellungen soll zu einem Ort vielfältiger Erlebensmöglichkeiten zusammenwachsen. Die historisch gewachsene Parklandschaft und die Sammlungen der Grafen und Fürsten ermöglichen einen Überblick über einen – von unterschiedlichsten Ideen und Weltsichten geprägten – Zeitraum von rund 600 Jahren. Die für die Zukunft vorgesehenen Angebote des Museumsparks Wilhelmshöhe sollen im Zuge der Neustrukturierung durch breit gefächerte Serviceleistungen und Ausstellungsaktivitäten ergänzt werden. Die vom Land Hessen geplante Zusammenführung der fürstlichen Kunstsammlungen und der wissenschaftlichen Sammlungen im Museumspark Wilhelmshöhe hat Veränderungen in der innerstädtischen Museumslandschaft zur Folge. Dort sollen zwei weitere herausragende Museen entstehen.
In einem Brückenschlag zur documenta soll für die moderne Kunst eine erweiterte Plattform geschaffen werden, um zeitgenössische Kunst auch zwischen den documenta-Ausstellungen zu zeigen und so ein deutliches Zeichen für die enge Verbundenheit der Kulturstadt Kassel mit der Moderne zu setzen. Auch im Hessischen Landesmuseum, das sich ebenfalls in der Innenstadt befindet, ist eine neue Präsentation der dort – bisher aus Platzmangel zum Teil in den Depots – verwahrten Schätze geplant. Dabei wird großer Wert auf eine räumliche Nähe zum Stadtmuseum Kassel gelegt, um die Beziehungen zwischen den Sammlungsschwerpunkten im Bereich Volkskunde
und Stadtgeschichte zu verdeutlichen.
Das Konzept des Landesmuseums soll dem bürgerschaftlichen Engagement für die Museen in Kassel seit dem 19. Jahrhundert Rechnung tragen. Die Sammlungen zur Vor- und Frühgeschichte und die seit 50 Jahren nicht mehr zugängliche, doch sehr bedeutende volkskundliche Sammlung könnten als wesentliche Ecksteine für die Landesgeschichte Nordhessens künftig dort gezeigt werden.

Die Potenziale für die Neustrukturierung der Museumslandschaft

Park Wilhelmshöhe
Der Park Wilhelmshöhe ist heute der größte Bergpark Europas. Er wurde von dem Architekten Francesco Guerniero ab 1700 an den Hängen des Habichtswaldes oberhalb der Stadt Kassel angelegt. Von der barocken Anlage nach dem Vorbild italienischer Parks blieben das Herkules-Bauwerk mit den Wasserkaskaden und die bis in die Stadt hineinreichende fünf Kilometer
lange Achse der Wilhelmshöher Allee erhalten.
Im Zuge der landschaftlichen Weiterentwicklung des Parks wurde Ende des 18. und im 19. Jahrhundert der 240 Hektar große Landschaftspark im englischen Stil geschaffen. Der Park stellt heute ein Ensemble dar, in dem sich die verschiedenen Stilrichtungen harmonisch miteinander verbinden, Natur und Parkarchitektur eine Einheit bilden. Die gärtnerische Pflege richtet
sich nach den Kriterien des Denkmalschutzes.

Die Bauwerke
Die wichtigsten architektonischen Elemente des Bergparks sind das Schloss mit Ballhaus und Kavalierhaus. Verantwortlich für die einzelnen Bauphasen von Schloss Wilhelmshöhe waren die jeweiligen Hofbaumeister der Landgrafen. Der heutige Weißensteinflügel ersetzt einen Schlossbau des 16. Jahrhunderts und wurde ab 1786 von Simon Louis du Ry (1726–1799) im klassizistischen Stil errichtet. Für den zentralen Mitteltrakt zeichnet Heinrich Christoph Jussow (1754–1825) verantwortlich. Die verbindenden Galerien zwischen dem Mitteltrakt und den Seitenflügeln wurden später von Johann Conrad Bromeis (1788–1855) aufgestockt. Das Ballhaus wurde von Leo von Klenze (1784–1864) als Theater für Jérôme König von Westphalen entworfen und später vom zurückgekehrten Landgrafen und dessen Architekten Bromeis in einen Ballsaal umgebaut. In Form einer pseudomittelalterlichen Burgruine errichtet, beherbergte die Löwenburg die kanonischen Raumfolgen barocker Appartements, aber auch die Grablege ihres Erbauers Wilhelm IX. Die Löwenburg wurde im II. Weltkrieg schwer beschädigt und damit zur echten Ruine. In den erhaltenen Räumlichkeiten wird zurzeit ein Teil der historischen Ausstattung präsentiert. Mit dem Wiederaufbau und der Wiedereinrichtung mit ihrer historischen Innenausstattung, die derzeit magaziniert ist, könnte die Löwenburg zu einem der frühesten historistischen Denkmale in Deutschland werden.
Das von 1700 bis 1716 oberhalb der Kaskaden errichtete Herkulesbauwerk mit der Pyramide und der Herkulesfigur sollte ein weithin sichtbares Zeichen der Macht des Landgrafen Karl setzen. Noch heute ist es das Wahrzeichen Kassels und zusammen mit den historischen Wasserspielen eines der beliebtesten Ausflugsziele der Gegend. Hier kann heutigen Besuchern in vielfältiger Weise Anspruch und Wirkung absolutistischer Macht vor Augen geführt werden.
Daneben existieren im Bergpark weitere architektonische Gestaltungselemente wie die Wirtschaftsgebäude mit Marstall, Reithalle, Remise und Ökonomiegebäude, das Große Pflanzenhaus als frühe Eisen-Glas-Konstruktion, die einst als „chinesisches Dorf“ geplante Anlage „Mulang“ mit 14 Einzelbauwerken und die romantischen Wasseranlagen.

Die Kunstschätze des Schlosses
Die Antikensammlung bewahrt Zeugnisse der Kulturen des Mittelmeerraumes vom Neolithikum bis zur Spätantike. Hierzu gehören archäologische Objekte aus Ägypten, den bronzezeitlichen Kulturen des östlichen Mittelmeerraums, dem klassischen Griechenland sowie aus der etruskischen und der römischen Kultur. Eines ihrer herausragenden Exponate ist der „Kasseler Apoll“.
Die Gemäldegalerie Alte Meister besteht aus der im 18. Jahrhundert angelegten Gemäldesammlung der Landgrafen von Hessen-Kassel und späteren Erwerbungen. Neben einer repräsentativen Auswahl an altdeutschen Gemälden liegt der Schwerpunkt auf Werken des flämischen und niederländischen Barocks. Ergänzt wird die Sammlung durch Arbeiten italienischer, französischer und spanischer Meister. Ihre Bestände – insbesondere die Werke von Rembrandt, Hals, Rubens,
Jordaens, Cranach, Dürer und Altdorfer – machen sie zu einer der bedeutenden europäischen Galerien.
Die Graphische Sammlung entstand mit der Gemäldegalerie und beherbergt Reproduktionsgrafiken und Architekturzeichnungen. Seit den sechziger Jahren wird gezielt im Bereich der Moderne gesammelt.

Die Sammlungen in der Innenstadt
Die Sammlungen des Schlosses sollen im Zuge der Neustrukturierung mit Beständen des Hessischen Landesmuseums zusammengeführt werden, die im Moment in Gebäudekomplexen der Innenstadt ihren Platz haben. Die Sammlung Kunsthandwerk und Plastik umfasst Bestände vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart. Neben Objekten fürstlicher Repräsentation finden sich hier auch Kunstwerke aus dem kirchlichen Raum oder bürgerliche Kunst bis hin zu modernem Design. Die Bandbreite der Sammlung reicht von Silbergefäßen, Arbeiten aus Elfenbein, Bernstein oder Bergkristall, Fayencen verschiedener Manufakturen, Gläsern, Plastiken, Altären und Möbeln bis zu Ausstattungs- und Gebrauchsgegenständen. An die Sammlung angeschlossen ist ein umfangreiches Münzarchiv.
Das 1923 gegründete Deutsche Tapetenmuseum wurde 1992 vom Land Hessen übernommen und in die Staatlichen Museen Kassel integriert. Seine Sammlung dokumentiert die Geschichte der Wandbekleidung von der Renaissance bis in die Gegenwart. Es ist das einzige in Deutschland und – neben einem Haus in Frankreich – auch weltweit einzigartig. Die Sammlung des Museums für Astronomie und Technikgeschichte in der Orangerie geht zurück auf die erste fest eingerichtete
Sternwarte Europas der Neuzeit, die 1560 in Kassel gegründet wurde. Hier werden die Zeugnisse der instrumentellen Wissenschaftsgeschichte und das Astronomisch-Physikalische Kabinett der Landgrafen von Hessen-Kassel aus der Mitte des 16. Jahrhunderts präsentiert.

Museen in städtischer Trägerschaft
Das seit 1979 bestehende Stadtmuseum dokumentiert die Geschichte Kassels seit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 913. Der Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung der Stadt vom 18. bis zum 20. Jahrhundert, wobei eine eigene Abteilung den Wandel der Residenzstadt zu einem industriellen Zentrum dokumentiert und mit audiovisuellen Medien präsentiert.
Die Sammlungen des 1959 gegründeten Brüder Grimm-Museums umfassen Dokumente zu Leben und Werk, zu wissenschaftlichem und politischem Wirken der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Außerdem wird das Werk des Malerbruders Ludwig Emil Grimm gezeigt. Das Museum befindet sich im Palais Bellevue, das 1714 von Paul du Ry als Sternwarte für Landgraf Karl erbaut wurde.
Die Sammlung des Naturkundemuseums im Ottoneum geht auf das landgräfliche Raritätenkabinett zurück. Sie ist eine der ältesten Europas und enthält kulturhistorisch bemerkenswerte Kostbarkeiten, wie die älteste systematische Pflanzensammlung Europas, das 400 Jahre alte „Herbarium Ratzenberger“ und den so genannten „Goethe-Elefanten“, eines der ersten präparierten Großsäugerskelette überhaupt. Heute präsentiert sich das Naturkundemuseum mit einem zeitgemäßen Ausstellungskonzept, das die Exponate in den Mittelpunkt wissenschaftlicher, politischer, pädagogischer und auch spielerischer Auseinandersetzung mit Themen der regionalen Natur und Umwelt stellt.

Museen in anderen Trägerschaften
Tod und Sterben, Trauer und Gedenken, das sind die Themen, mit denen sich die Sepulkralkultur beschäftigt. Einzigartig in Deutschland, zeigt das 1992 eröffnete Museum für Sepulkralkultur ein breites Spektrum an sepulkralen Objekten: Totenhemden, Särge, Kutschen und Trauertrachten sowie zahlreiche bildliche Darstellungen. Wechselnde Sonderausstellungen ergänzen die Dauerausstellung.

Die Kunsthalle Fridericianum wird unter Aufgabe 4 beschrieben.
Die Galerie für komische Kunst „Caricatura“ ist im Projekt KulturBahnhof unter Aufgabe 1 dargestellt.

 

5.12. Museumspromenade

Tausend Meter schöne Aussicht auf Kultur und Natur

Die Museumspromenade wird die Vielfalt und Dichte der Kasseler Museumslandschaft jedem Besucher erfahrbar machen. Dabei steht die Museumspromenade für sich und ist nicht nur die Verbindung zwischen den Museen. Die Museumspromenade soll zu einem eigenständigen Begriff werden, eine neue Kasseler Sehenswürdigkeit.
Sie wird außerdem für die Bürger, die in den Stadtwohnungen leben, oder für die Beschäftigten von Betrieben und Behörden – etwa in den Mittagspausen – einen Anreiz zum Verweilen in unmittelbarer Stadtnähe bieten. Städtebaulich kann sie als ein Bindeglied die Beziehung von Innenstadt und Karlsaue wiederherstellen und sichtbar machen. Ganz nebenbei vermittelt sie ein Stück südländisches Flair. Einheitliche, anspruchsvolle Präsentationen in allen Werbemedien machen die Museumspromenade zu einem Markenzeichen Kassels. Sie ist unauffällig, aber einprägsam und vor allem durchgehend gekennzeichnet.

Initiator: Thomas Herr

 

5.13. Rembrandt und die Landschaft im 17. Jahrhundert

Die für 2006 geplante Ausstellung befasst sich mit den Wechselwirkungen zwischen naturalistischer und idealistischer Landschaftsmalerei im 17. Jahrhundert. Ausgehend von den Landschaftsbildern Rembrandts, soll im Vergleich mit Werken von Poussin, Lorrain, Gaspard Dughet, Jacob Isaacksz van Ruisdael, Adrian van de Velde u. a. die Beziehung zwischen der naturwissenschaftlichen,
geografischen und historischen Betrachtung der Landschaft und der Landschaftsmalerei des 17.
Jahrhunderts untersucht werden.
Die holländische Landschaftsmalerei etabliert sich im 17. Jahrhundert als eigenständige Gattung. Die Aufwertung der niederländischen Küsten-, Wald-, Dorf- und Weidelandschaft zum selbstständigen Sujet der Malerei gilt als eine der innovativen Leistungen der holländischen Maler dieser Zeit. Fast alle Landschaften und Seestücke sind mit Figuren bevölkert. Ihre Motive sind charakteristische Betätigungen von Bauern und Landleuten, Reisende, Jäger, Künstler beim Naturstudium, aber auch literarische Figuren und bukolische Liebespaare. Der Reichtum des Landes wird durch weidendes Vieh versinnbildlicht, das Landleben durch die Hirtenidylle. Zeitgleich mit der Entwicklung der naturalistischen holländischen Landschaft bildet sich im internationalen Kunstzentrum Rom die idealistische Landschaftsdarstellung durch die Franzosen Nicolas Poussin und Claude Lorrain aus. Heroen des klassischen Altertums und Gestalten der Bibel bevölkern ideal komponierte Landschaften. Das Landschaftsbild wird hier als Historienbild verstanden. Die Entwicklung in Rom blieb nicht ohne
Folgen für die holländische Malerei. Auch die Maler der einheimischen Landschaft wandten sich der heroischen Landschaftsinszenierung zu oder ließen wenigstens eine südliche Sonne über heimischen Dünen und Weiden leuchten. Innerhalb dieser Gattung nehmen die Landschaften Rembrandts eine Sonderstellung ein. Die Gemäldegalerie Alte Meister der Staatlichen Museen Kassel besitzt allein zwei der wenigen Bilder, die der Künstler dem Thema widmete. Rembrandt, der in den dreißiger Jahren einer heroischen Inszenierung von Landschaft keineswegs abgeneigt war, schuf 1646 eine unpathetische, mit sparsamen Mitteln entworfene Winterlandschaft.

Initiator: Staatliche Museen Kassel – Galerie Alte Meister

 

5.14. Symposium 1848

Europäische Demokratiebewegung und ihre Reflexe in Kassel

In Kassel und im gesamten damaligen Kurhessen herrschte von März 1848 bis Dezember 1850 fast drei Jahre lang eine Demokratie. In keinen anderen Land in Deutschland konnte sich damals so lange eine freiheitliche Bewegung behaupten, eine heute im Bewusstsein der Bürger Kassels verloren gegangene Zeit und auch von der historischen Forschung vernachlässigte Tatsache. Eine umfassende wissenschaftliche Diskussion soll mit einem Symposium im Jahre 2010 nachgeholt werden.
Dabei soll deutlich werden, wie sich verschiedene kulturelle Aktivitäten und Strömungen an einem Ort bündeln und europaweit verknüpfen können.
Kassel war seit 1277 Residenz der Landgrafen bzw. seit 1803 bis 1866 Hauptstadt des Kurfürstentums Hessen. Damit war die Stadt über 600 Jahre Regierungssitz, Garnisonsstadt, höchster Gerichtsort und als größte, bevölkerungsreichste Stadt des Landes auch kultureller Mittelpunkt. Im Vormärz erhielt das Kurfürstentum am 5. Januar 1831 eine liberale Verfassung,
die eine landständische Mitwirkung an der Regierung vorsah. Im Jahre 1866 wurde dieser Staat durch das preußische Militär besetzt und in das Königreich Preußen integriert. Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 marschierten die Kurhessen als Preußen nach Paris und kamen als Deutsche wieder nach Kassel zurück. Die deutsche Einheitsbewegung hatte sich in einem gemeinsamen Krieg durchgesetzt, dagegen blieben die Forderungen von 1848 nach Freiheit und
Demokratie unvollendet, an deren programmatischem Beginn in der Revolution von 1848 die Kasseler tatkräftig mitwirkten und – bisher übersehen – fast drei Jahre lang eine landständische Regierung verteidigten, bis durch auswärtiges Militär das monarchische Prinzip wieder durchgesetzt wurde.
Aber auch an der endgültigen Einführung der Demokratie in Deutschland durch die Weimarer Verfassung war eine Person wesentlich beteiligt: Philipp Scheidemann (1865–1939), erster Ministerpräsident der Weimarer Republik. Mit Roland Freisler (1893–1945) – dem nationalsozialistischen Juristen – kam aus Kassel einer der Zerstörer dieses demokratischen
Zwischenspiels.
Nach dem II. Weltkrieg lag Kassel am östlichen Rand des westlichen deutschen Teilstaates. In Kassel endeten alle Wege nach dem Osten, nur auf der Nord-Süd-Achse und nach Westen war Bewegung möglich. Nach der Wiedervereinigung befand sich Kassel wieder in der Mitte, nun aber auch in der Mitte eines europäischen Staatenbundes. Der Weg in ein Europa der Regionen lässt sich an dem Beispiel Hessen-Kassel bzw. dem Kurfürstentum Hessen und seiner Haupt- und Residenzstadt Kassel exemplarisch nachzeichnen.
In den letzten 200 Jahren mussten die Menschen in Kassel erhebliche Integrationsleistungen vollbringen. Ändern sich die politischen Rahmenbedingungen, hat dies auch Auswirkungen auf die Identität der betroffenen Bevölkerung. Das Symposium will dieses Geflecht von außen und innen, von Zentrum und Peripherie, verdeutlichen. Nicht vergessen sollte man, dass Kassel zweimal als politisches Zentrum vorgeschlagen worden war: 1848 als Hauptstadt des Deutschen Reiches
und 100 Jahre später bei Gründung der BRD.
Parallel zur politischen Geschichte verläuft der Strang der Kulturgeschichte Kassels. Ohne auf die Vorläufer im 18. Jahrhundert einzugehen, sei verwiesen auf die Gründung von bürgerlichen Kunst- und Musikvereinen in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts. Vorhanden waren bereits eine Kunstakademie und ein Theater sowie einige Museen und Bibliotheken. Mit der Statusveränderung von 1866 – aus der Residenz wurde eine preußische Provinzstadt – verlor Kassel zentrale politische
Institutionen, aber die kulturellen Einrichtungen blieben erhalten. Nicht nur um diese Einrichtungen bildeten sich nun von Bürgern getragene Vereine und Gesellschaften für Geschichte und Literatur, für Armen- und Altenpflege, für Berufsverbände usw. Die Industrialisierung ließ auch in Kassel eine Arbeiterkultur entstehen, die sich aber wiederum an den bürgerlichen Einrichtungen orientierte, als Beispiel seien die vielen Musik- und Gesangsvereine der Betriebe genannt. Nach schwersten ökonomischen und politischen Veränderungen blieben dem Kasseler Bürger allein seine kulturellen Orientierungsstätten erhalten, sie waren über Jahrhunderte hinweg seine Identifikationsmöglichkeiten.

Initiatoren: Hansgeorg Kling, Karl-Heinz Nickel

5.15. Technikmuseum erneuerbare Energien

Weder in Deutschland noch im benachbarten Ausland gibt es bisher eine umfassende und repräsentative, große Ausstellung zum Thema „Energiegewinnung aus Sonne, Wind und Wasser“. Die Entwicklung auf allen Feldern der regenerativen Energienutzung hat in den letzten 30 Jahren Riesenfortschritte gemacht. Auch in den vergangenen Jahrhunderten haben sich Forscher und Erfinder mit den faszinierenden Möglichkeiten, wie sich Sonnenenergie, Wasser- und Windkraft
nutzen lassen, beschäftigt. Es wäre nicht nur für Kassel, sondern für die Öffentlichkeit insgesamt ein großer Gewinn, eine Ausstellung in diesem Sinne zu erarbeiten und in der hiesigen Museumslandschaft zu verankern. In Kassel gibt es beste Voraussetzungen zur Realisierung.
Im Museum für Astronomie und Technikgeschichte befinden sich bereits verschiedene Exponate zu diesem Thema. Das Museum „Neue Mühle“ ist ein hervorragendes Beispiel für einen Teilaspekt (Wasserkraft). Vom Institut für Solare Energieversorgungstechnik (ISET) werden im Design-Zentrum Modulare Energieversorgungstechnik heute bereits aktuelle Forschungsergebnisse ausgestellt. Dieses Institut, 1988 gegründet, nimmt im Rahmen der europäischen Forschungsinstitute für Zukunftsenergien einen bedeutenden Rang ein. Schon in den siebziger Jahren wurde an der Kasseler Hochschule mit ersten Forschungen zur Sonnenenergienutzung begonnen. Aus der Hochschule heraus haben sich diverse Unternehmen, Ingenieurbüros, Verbände und andere Einrichtungen gegründet, die in der Region ein großes Kompetenzpotenzial darstellen. Anfang des Jahres 2003 wurde daraus das „Kompetenznetzwerk dezentrale Energietechniken in Nordhessen“ gegründet. Die Teilnehmer wollen ein innovatives regionales Milieu fördern und Kontakte zu anderen europäischen
Initiativen pflegen, sie wollen gemeinsam Know-how aufbauen und neue Aktivitäten entwickeln.
Die Kasseler Universität ist Vorreiter für die Entwicklung von Lösungen für die Nutzung erneuerbarer Energien. Ein darauf spezialisiertes Museum, das aber auch Teil eines industriegeschichtlichen Museums sein kann, ist geplant. Diese Grundlagen sollen genutzt werden, um ein auf die Nutzung erneuerbarer Energien spezialisiertes Museum aufzubauen.

Initiatorin: Helga Fischlein

 

5.16. Wo die Puppen nicht nur tanzen

Neues Puppentheater-Museum bietet neben Ausstellungen auch eine Bühne

Ein Puppentheater-Museum wird in Kassel das Puppen- und Figurentheater auf zeitgenössische Art präsentieren. Es wird eine Sammlung von Theaterpuppen aus aller Welt beherbergen, die einen Einblick in die Geschichte, in die verschiedenen Spielformen und -orte ermöglicht. Dabei spielt nicht das Belehren, sondern das Erleben die entscheidende Rolle, weil die Besucher die Möglichkeit haben, die verschiedenen Figurentechniken und ihre Wirkung selbst zu erproben.
Wie in anderen Museen auch sind feste und wechselnde Ausstellungen geplant. Forschung und Dokumentation – in Zusammenarbeit mit anderen Museen – gehören ebenso zu den Aufgaben. Die Präsentation der Ausstellungsstücke und Forschungsergebnisse wird mit modernen technischen Mitteln erfolgen. Eine virtuelle Galerie mit Foto-, Video- und Interviewmaterial wird aufgebaut werden und auch im Internet zugänglich sein.
Das neue Museum wird den zahlreichen Kasseler Figurentheatergruppen als Auftrittsort zur Verfügung stehen, denn das Museum hat auch einen professionell ausgestatteten Theaterraum zu bieten. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Vorstellungen, die einen Bezug zum Thema der Ausstellungen haben. Mittel- und langfristig sind Kooperationen mit Kasseler Institutionen vor allem im pädagogischen Bereich geplant.

Initiatoren: Ellen Heese, Andrej N. Joukov, theater en miniature


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