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Projekte stetig umsetzen und vernetzen

Der Kontakt zu den Projektinitiatoren kann über das Kulturamt, Telefonnummer 0561/787-4011, hergestellt werden.

13.1. Die kleine Zauberflöte

Das Projekt "Die kleine Zauberflöte" richtet sich besonders an Kinder und Eltern. Es soll diese auf leicht verständliche Weise an das Medium Oper heranführen.

Premiere: 5. Dezember 2004 in der BMW Niederlassung Kassel mit Otto Sander als Erzähler
Musikalische Betreuung: Hans-Dieter Uhlenbruck, Direktor der Musikakademie Kassel

Initiatorin: Heidi de Vries

 

13.2. EUARCA

Ein künstlerisches und kulturelles Partnerschaftsprojekt im Landkreis Kassel.

Schon zweimal fand, jeweils in den Sommermonaten während der documenta-Ausstellungen 2002 und 1997, ein EUARCA –Projekt im Landkreis Kassel statt. Sinn und Zweck des Partnerschaftsprojektes EUARCA ist es, den künstlerischen und kulturellen Austausch zwischen dem Landkreis Kassel und seinen Partnerregionen zu organisieren und in Ausstellungen und Veranstaltungen zu präsentieren. Es treffen bildende Künstler zusammen, die ihre Arbeit zeigen und einladen, bei der Entstehung ihrer Werke dabei zu sein. Damit eröffnen sie für den Besucher einen Weg, ihre Herkunftsregion näher kennen zu lernen und nicht zuletzt Kunst als kreati-ven Prozess direkt zu erleben und nachvollziehen zu können.
Austausch funktioniert nicht in Form einer Einbahnstraße. Deshalb ist EUARCA ein Kulturprojekt, das auf Gegenseitigkeit beruht. Kollegiale Atelierbesuche, der interes-sierte und auch kritische Blick auf die Arbeit der anderen – dieses direkte Zusam-mentreffen von Künstlern mit Kollegen und ihrem Publikum macht das Besondere und das Spannende von EUARCA aus. Entdeckungen lassen sich da für Gastgeber und Teilnehmer machen. Es entstehen neue Blicke auf vermeintlich Altbekanntes, und in bisher fremden Themenbereichen werden naheliegende Bezüge zum eigenen Alltag gefunden.

EUARCA ist dabei nicht nur auf die Zeit des Austausches beschränkt. Durch den ge-genseitigen Austausch kommt es zu neuen Verbindungen. Eine kleines europäisches Netzwerk entsteht, an dessen Knoten neue kreative Projekte geplant und umgesetzt werden.

Initiatorin: Sabine Delage, Landkreis Kassel Kulturförderung

 

13.3. Kasseler Musikgeschichte

Ein Projekt des Wilhelmsgymnasiums Kassel

Die musikgeschichtliche Bedeutung Kassels kann man bereits im Stadtbild sehen: das Spohr-Denkmal, die Gustav-Mahler-Treppe oder die Heinrich-Schütz-Schule. Andererseits gibt es keine kontinuierliche Musikgeschichte, sondern es sind eher Episoden, die die musikgeschichtliche Bedeutung Kassels ausmachen:
Heinrich Schütz wird von Landgraf Moritz dem Gelehrten, der selbst komponiert und Laute spielt, entdeckt und nach Kassel geholt, Johann Sebastian Bach weiht die Orgel der Martinskirche 1732 mit einem Konzert ein, Johann Friedrich Reichardt ist als Musiker unter König Jérôme, dem Bruder Napoleons, tätig, Louis Spohr verbringt über 30 Jahre in Kassel und bestimmt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das kulturelle Leben der Stadt als Komponist, Dirigent, Geiger und Lehrer. Gustav Mahler hingegen hält es nur zwei Jahre als 2. Kapellmeister in Kassel aus und schimpft furchtbar über die Borniertheit der Kasseler. Zur Klage hätte auch die Sängerin Gertrud Elisabeth Mara allen Grund gehabt; während Landgraf Friedrich II. die in Kassel geborene Sängerin als zu deutsch empfindet, macht sie eine europaweite Karriere und ist zeitweise als Primadonna bei Hof in Sanssouci.
Im 20. Jahrhundert sind es Komponistennamen wie Ernst Krenek und Matthias Pintscher, die mit Kassel in enger Verbindung stehen. Aber auch der Bärenreiter Verlag, die Klavierbaufirma Carl Scheel, das Archiv Frau und Musik sowie ein seit über 500 Jahren bestehendes Orchester verleihen der Stadt eine weitreichende musikalische Tradition.
Diese Kasseler Musikgeschichte haben Schülerinnen und Schüler des Kasseler Wilhelmsgymnasiums zusammen mit ihrem Lehrer Dr. Andreas Wicke aufgespürt, recherchiert und dargestellt. Das Ergebnis ist im April 2004 mit Bildmaterial und Klangbeispielen öffentlich präsentiert worden, im Oktober 2004 erscheint der Band "Kasseler Musikgeschichte" im Wartberg Verlag.

Initiator: Dr. Andreas Wicke, Wilhelmsgymnasium Kassel

 

13.4. Nachkriegskirchen in Kassel

In Kassel stehen rund 40 evangelische Kirchen. Gut die Hälfte davon wurde in den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entweder wiederauf-gebaut oder neu gebaut.
Fragt man den berühmten „Mann auf der Straße“, welche Kasseler Kirchen ihm spontan einfallen, so werden in der Regel genannt: Martinskirche, Alte Brüderkirche.

Wie kommt es zu diesem Nichtvorhandensein so vieler Kirchenbauten im Bewusst-sein der Kasseler Bevölkerung?
Dieser Frage wollen wir in dem geplanten Projekt „Nachkriegskirchen in Kassel“ nachgehen. Ein zweiter Teil des Projekts wird sich damit beschäftigen, wie die Wert-schätzung dieser Gebäude im Bewusstsein der Kasseler Bevölkerung verankert und gehoben werden kann.

Im Form einer prozessorientierten Vorgehensweise soll dazu zunächst ein Konzept entstehen. Umfassen soll dieses Konzept folgende Bereiche:
Architektur und Architekturgeschichte sowie Stadtentwicklung
Politische und kommunalpolitische Geschichte Kassels in der Nachkriegszeit
Sozialgeschichtliche Entwicklung Kassels in den Stadtteilen, in denen diese Kirchen-gebäude stehen (an ausgewählten Beispielen)
Theologische Aspekte: Welche theologischen Auffassungen und welches Men-schenbild galten in den Zeiten der Erbauung, wie haben sich diese Vorstellungen gewandelt?
Welchen Stellenwert haben diese Gebäude heute für Kulturveranstaltungen? Welche können sie in Zukunft haben (z.B. Angebote im Bereich Musik, bildende Kunst, Kulturangebote für Jugendliche...)

Projektverlauf:
In einer ersten Phase sollen o.g. Fragestellungen recherchiert und Beteiligungsmög-lichkeiten entwickelt werden.
Das Projekt soll in Kooperation mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der verschiedenen Disziplinen, mit Studierenden, mit interessierten Laien vor Ort erar-beitet werden. An eine Kooperation mit dem Kasseler Stadtmuseum ist gedacht.
Zwischenergebnisse dieses Erarbeitungsprozesses sollen im Rahmen des Evangeli-schen Forums der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Im Juli 2005 sollen erste Führungs- und Kulturangebote von am Projekt Beteiligten im Rahmen der „Nacht der Kirchen“ im Kasseler Stadtgebiet präsentiert werden.
(Die Kasseler Nacht der Kirchen wird auf ökumenischer Basis von einer Arbeitsgrup-pe geplant und vorbereitet. In diesem Kontext werden Dialoge zwischen den Religio-nen entwickelt.)

Initiatorinnen:
Pfarrerin Eveline Valtink und Sabine Stange, Evangelisches Forum

 

13.5. Samuel Beckett in Kassel

Dass sich der irische Autor und spätere Literaturnobelpreisträger Samuel Beckett in einer frühen aber entscheidenden Phase seines Lebens oft in Kassel aufhielt, wusste bis vor wenigen Jahren kaum jemand in Kassel, mit Ausnahme derer, die Beckett noch persönlich kannten, einiger Autoren und Literaturkenner, Historiker und Journalisten. Auch in den Beckett-Biographien war das Thema "Beckett in Kassel" bis 1993 weitgehend unerschlossen, bis zur Herausgabe seines Romans "Dream of Fair to Middling Women" ("Traum von mehr bis minder schönen Frauen"), den Beckett bereits 1932 verfasst hatte, der aber erst nach seinem Tod in 1989 veröffentlicht wurde. Dieser Roman beschreibt in nahezu autobiographischer Form seine erste große Liebe, die ihn mit dieser Stadt verband, weitere ihm hier nahestehende Personen und etliche Erlebnisse im Kassel der endzwanziger Jahre.
Zwischen 1928 und 1932 hat sich Beckett mindestens acht Mal in Kassel aufgehalten, zum Teil über mehrere Wochen, bei der Familie Sinclair, in der Landgrafenstraße 5, der heutigen Bodelschwinghstraße. Mit Cissie Sinclair (seiner Tante väterlicherseits) und ihrem Mann William verbanden ihn vielfältige künstlerische Interessen, Malerei, Literatur und Musik. Mit Peggy Sinclair, einer Cousine, verband ihn sein erstes intensives Liebesverhältnis, in den Jahren 1928 bis 1930. Mit den Besuchen Kassels erschloss sich ihm das Interesse an der deutschen Sprache, an deutscher Kunst und Kultur. In Kassel hielt er sich im Vorderen Westen auf, aber auch etliche Kneipen, Bars und Restaurants der Alt- und Oberneustadt waren ihm vertraut. Er besuchte den Wochenmarkt auf dem Königsplatz, fuhr Boot auf der Fulda und liebte die Karlsaue, sowie Europas größten Bergpark, Wilhelmshöhe. Am Ufer der Fulda in Spiekershausen verbrachte er mit den Sinclairs 1929 einen Sommerurlaub. Sicher kannte er auch die Kasseler Museen, Kunstausstellungen und Galerien. Kassel bedeutete für ihn auch eine Art Refugium - die Erholung von Widrigkeiten und Problemen in seinem noch jungen Leben zwischen Dublin und Paris. Von hier verschickte er das Telegramm zur Kündigung seiner Universitätskarriere zugunsten einer damals noch ungewissen schriftstellerischen Zukunft.
Die Sinclairs waren 1922 mit fünf Kindern nach Kassel gekommen und verließen die Stadt 1933 nach elf Jahren Aufenthalt wieder, um nach Dublin zurückzukehren. Der stärker werdende Antisemitismus begann für sie eine Bedrohung zu werden. Zuvor war Peggy an Lungentuberkulose gestorben - für Beckett war dies Anlass, nie mehr nach Kassel, an den Ort seiner ersten großen Liebe, zurückzukehren. Eine zweite Beziehung zu Kassel ergab sich aber aus der Freundschaft mit Dr. Gottfried Büttner, viele Jahre später, zwischen den 60er Jahren und Becketts Tod.
Seit 2003 wird begonnen, die Kasseler Zeit Samuel Becketts systematisch aufzuarbeiten. Eine erste Dokumentation wurde erstellt, Stadtspaziergänge "auf Becketts Spuren in Kassel" werden angeboten. In neuen Kasseler Stadtplänen erscheint bereits die "Samuel Beckett Anlage" als zukünftiges Straßennetz im Inneren des Geländes der ehemaligen Bereitschaftspolizei-Kaserne an der Friedrich-Ebert-Straße. Hier entstehen neue Wohnungen, Büro-Arbeitsplätze und ein kleiner Stadtteilpark - in unmittelbarer Nähe der Bodelschwinghstraße, wo Beckett einst wohnte.
Seit 2004 besitzen diese Aktivitäten Projektcharakter. Ein Arbeitskreis "Beckett in Kassel" hat sich gegründet. Er koordiniert die weitere Vorgehensweise, setzt sich Ziele und formuliert Arbeitsaufgaben in mehreren Tätigkeitsfeldern:

_Literaturwissenschaftliche, kunsthistorische und biographische Forschung,
_das Thema Beckett in der lokalgeschichtlichen Aufarbeitung,
_ die Initiierung von Veranstaltungen und Aufführungen zum Gedenken an Beckett,
_die Vernetzung dieser örtlichen Strukturen mit der Beckett-Gemeinde auf nationaler und internationaler Ebene,
_Öffentlichkeitsarbeit und die Erstellung von Publikationen,
_die Organisation der Teilnahme Kassels am weltweit geplanten Beckett-Jahr 2006, zum 100. Geburtstag Becketts sowie
_ die Umsetzung des Themas im Bereich Stadtmarketing / Tourismus.

Der Arbeitskreis "Beckett in Kassel" begreift sich als Bestandteil der im Rahmen einer breiten Bürgerbewegung entstandenen Projekte zur Bewerbung Kassels als Europäische Kulturhauptstadt 2010. Das liegt schon deshalb nahe, weil das Thema selbst ein internationales ist: U. a. markieren europäische Städte wie Dublin, Paris, London, Hamburg und Berlin die Aufenthalts- oder Wirkungsorte von Samuel Beckett. Der Arbeitskreis "Beckett in Kassel" setzt sich zum Ziel, Kassel in den Kreis der europäischen Städte zu integrieren, in denen Becketts Werk besondere Beachtung findet. Der Arbeitskreis ist bereit, auch überörtliche Vernetzungsfunktionen zu übernehmen und ggf. die Gründung einer Deutschen Beckett-Gesellschaft vorzunehmen.
Die inhaltliche Tätigkeit ist auf Dauer angelegt und weist weit über 2010 hinaus. Unabhängig vom Erfolg der Kulturhauptstadtbewerbung wird mit dem Jahr 2010 ein Kulminationspunkt der Arbeit angestrebt, in dem einige der oben aufgeführten Tätigkeitsfelder zum Abschluss kommen und präsentiert werden können. Entsprechende Veranstaltungen, Ausstellungen und Publikationen werden dann zur Umsetzung gelangen, ein breit gefächertes Aufführungsprogramm geplant. Das Beckett-Jahr 2006 wird dazu gleichsam als Zwischenbilanz und "Generalprobe" dienen. Für beide Jahre wird Kassel ein Gastgeber für die internationale Beckett-Gemeinde sein.
Eine zweite Vernetzungsebene bezieht sich auf andere Projekte im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung. Hier gibt es interessante Anknüpfungspunkte zur Kooperation, die ausgelotet und zukünftig entwickelt werden können. Insbesondere zu Projekten, die sich mit Literatur, Theater, Museen, bekannten Persönlichkeiten in der Kasseler Geschichte und - wegen der Geschichte der Familie Sinclair - mit dem Thema Emigration befassen.

Initiator: Wolfgang Rudolph, Arbeitskreis "Beckett in Kassel"


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