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Projekte stetig
umsetzen und vernetzen
Der Kontakt zu den Projektinitiatoren kann über das Kulturamt,
Telefonnummer 0561/787-4011, hergestellt werden.
Das Projekt "Die kleine Zauberflöte" richtet sich
besonders an Kinder und Eltern. Es soll diese auf leicht verständliche
Weise an das Medium Oper heranführen.
Premiere: 5. Dezember 2004 in der BMW Niederlassung Kassel mit Otto Sander
als Erzähler
Musikalische Betreuung: Hans-Dieter Uhlenbruck, Direktor der Musikakademie
Kassel
Initiatorin: Heidi de Vries
Ein künstlerisches und
kulturelles Partnerschaftsprojekt im Landkreis Kassel.
Schon zweimal fand, jeweils in den Sommermonaten
während der documenta-Ausstellungen 2002 und 1997, ein EUARCA –Projekt im
Landkreis Kassel statt. Sinn und Zweck des Partnerschaftsprojektes EUARCA
ist es, den künstlerischen und kulturellen Austausch zwischen dem
Landkreis Kassel und seinen Partnerregionen zu organisieren und in
Ausstellungen und Veranstaltungen zu präsentieren. Es treffen bildende
Künstler zusammen, die ihre Arbeit zeigen und einladen, bei der Entstehung
ihrer Werke dabei zu sein. Damit eröffnen sie für den Besucher einen Weg,
ihre Herkunftsregion näher kennen zu lernen und nicht zuletzt Kunst als
kreati-ven Prozess direkt zu erleben und nachvollziehen zu können.
Austausch funktioniert nicht in Form einer Einbahnstraße. Deshalb ist
EUARCA ein Kulturprojekt, das auf Gegenseitigkeit beruht. Kollegiale
Atelierbesuche, der interes-sierte und auch kritische Blick auf die Arbeit
der anderen – dieses direkte Zusam-mentreffen von Künstlern mit Kollegen
und ihrem Publikum macht das Besondere und das Spannende von EUARCA aus.
Entdeckungen lassen sich da für Gastgeber und Teilnehmer machen. Es
entstehen neue Blicke auf vermeintlich Altbekanntes, und in bisher fremden
Themenbereichen werden naheliegende Bezüge zum eigenen Alltag gefunden.
EUARCA ist dabei nicht nur auf die Zeit des Austausches beschränkt. Durch
den ge-genseitigen Austausch kommt es zu neuen Verbindungen. Eine kleines
europäisches Netzwerk entsteht, an dessen Knoten neue kreative Projekte
geplant und umgesetzt werden.
Initiatorin: Sabine Delage, Landkreis Kassel Kulturförderung
Ein Projekt des
Wilhelmsgymnasiums Kassel
Die musikgeschichtliche Bedeutung Kassels kann man
bereits im Stadtbild sehen: das Spohr-Denkmal, die Gustav-Mahler-Treppe
oder die Heinrich-Schütz-Schule. Andererseits gibt es keine
kontinuierliche Musikgeschichte, sondern es sind eher Episoden, die die
musikgeschichtliche Bedeutung Kassels ausmachen:
Heinrich Schütz wird von Landgraf Moritz dem Gelehrten, der selbst
komponiert und Laute spielt, entdeckt und nach Kassel geholt, Johann
Sebastian Bach weiht die Orgel der Martinskirche 1732 mit einem Konzert
ein, Johann Friedrich Reichardt ist als Musiker unter König Jérôme, dem
Bruder Napoleons, tätig, Louis Spohr verbringt über 30 Jahre in Kassel und
bestimmt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das kulturelle Leben
der Stadt als Komponist, Dirigent, Geiger und Lehrer. Gustav Mahler
hingegen hält es nur zwei Jahre als 2. Kapellmeister in Kassel aus und
schimpft furchtbar über die Borniertheit der Kasseler. Zur Klage hätte
auch die Sängerin Gertrud Elisabeth Mara allen Grund gehabt; während
Landgraf Friedrich II. die in Kassel geborene Sängerin als zu deutsch
empfindet, macht sie eine europaweite Karriere und ist zeitweise als
Primadonna bei Hof in Sanssouci.
Im 20. Jahrhundert sind es Komponistennamen wie Ernst Krenek und Matthias
Pintscher, die mit Kassel in enger Verbindung stehen. Aber auch der
Bärenreiter Verlag, die Klavierbaufirma Carl Scheel, das Archiv Frau und
Musik sowie ein seit über 500 Jahren bestehendes Orchester verleihen der
Stadt eine weitreichende musikalische Tradition.
Diese Kasseler Musikgeschichte haben Schülerinnen und Schüler des Kasseler
Wilhelmsgymnasiums zusammen mit ihrem Lehrer Dr. Andreas Wicke aufgespürt,
recherchiert und dargestellt. Das Ergebnis ist im April 2004 mit
Bildmaterial und Klangbeispielen öffentlich präsentiert worden, im Oktober
2004 erscheint der Band "Kasseler Musikgeschichte" im Wartberg Verlag.
Initiator: Dr. Andreas Wicke, Wilhelmsgymnasium Kassel
In Kassel stehen rund 40 evangelische Kirchen. Gut
die Hälfte davon wurde in den fünfziger und sechziger Jahren des
vergangenen Jahrhunderts entweder wiederauf-gebaut oder neu gebaut.
Fragt man den berühmten „Mann auf der Straße“, welche Kasseler Kirchen ihm
spontan einfallen, so werden in der Regel genannt: Martinskirche, Alte
Brüderkirche.
Wie kommt es zu diesem Nichtvorhandensein so vieler Kirchenbauten im
Bewusst-sein der Kasseler Bevölkerung?
Dieser Frage wollen wir in dem geplanten Projekt „Nachkriegskirchen in
Kassel“ nachgehen. Ein zweiter Teil des Projekts wird sich damit
beschäftigen, wie die Wert-schätzung dieser Gebäude im Bewusstsein der
Kasseler Bevölkerung verankert und gehoben werden kann.
Im Form einer prozessorientierten Vorgehensweise soll dazu zunächst ein
Konzept entstehen. Umfassen soll dieses Konzept folgende Bereiche:
Architektur und Architekturgeschichte sowie Stadtentwicklung
Politische und kommunalpolitische Geschichte Kassels in der Nachkriegszeit
Sozialgeschichtliche Entwicklung Kassels in den Stadtteilen, in denen
diese Kirchen-gebäude stehen (an ausgewählten Beispielen)
Theologische Aspekte: Welche theologischen Auffassungen und welches
Men-schenbild galten in den Zeiten der Erbauung, wie haben sich diese
Vorstellungen gewandelt?
Welchen Stellenwert haben diese Gebäude heute für Kulturveranstaltungen?
Welche können sie in Zukunft haben (z.B. Angebote im Bereich Musik,
bildende Kunst, Kulturangebote für Jugendliche...)
Projektverlauf:
In einer ersten Phase sollen o.g. Fragestellungen recherchiert und
Beteiligungsmög-lichkeiten entwickelt werden.
Das Projekt soll in Kooperation mit Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern der verschiedenen Disziplinen, mit Studierenden, mit
interessierten Laien vor Ort erar-beitet werden. An eine Kooperation mit
dem Kasseler Stadtmuseum ist gedacht.
Zwischenergebnisse dieses Erarbeitungsprozesses sollen im Rahmen des
Evangeli-schen Forums der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Im Juli 2005 sollen erste Führungs- und Kulturangebote von am Projekt
Beteiligten im Rahmen der „Nacht der Kirchen“ im Kasseler Stadtgebiet
präsentiert werden.
(Die Kasseler Nacht der Kirchen wird auf ökumenischer Basis von einer
Arbeitsgrup-pe geplant und vorbereitet. In diesem Kontext werden Dialoge
zwischen den Religio-nen entwickelt.)
Initiatorinnen:
Pfarrerin Eveline Valtink und Sabine Stange, Evangelisches Forum
Dass sich der irische Autor und spätere
Literaturnobelpreisträger Samuel Beckett in einer frühen aber
entscheidenden Phase seines Lebens oft in Kassel aufhielt, wusste bis vor
wenigen Jahren kaum jemand in Kassel, mit Ausnahme derer, die Beckett noch
persönlich kannten, einiger Autoren und Literaturkenner, Historiker und
Journalisten. Auch in den Beckett-Biographien war das Thema "Beckett in
Kassel" bis 1993 weitgehend unerschlossen, bis zur Herausgabe seines
Romans "Dream of Fair to Middling Women" ("Traum von mehr bis minder
schönen Frauen"), den Beckett bereits 1932 verfasst hatte, der aber erst
nach seinem Tod in 1989 veröffentlicht wurde. Dieser Roman beschreibt in
nahezu autobiographischer Form seine erste große Liebe, die ihn mit dieser
Stadt verband, weitere ihm hier nahestehende Personen und etliche
Erlebnisse im Kassel der endzwanziger Jahre.
Zwischen 1928 und 1932 hat sich Beckett mindestens acht Mal in Kassel
aufgehalten, zum Teil über mehrere Wochen, bei der Familie Sinclair, in
der Landgrafenstraße 5, der heutigen Bodelschwinghstraße. Mit Cissie
Sinclair (seiner Tante väterlicherseits) und ihrem Mann William verbanden
ihn vielfältige künstlerische Interessen, Malerei, Literatur und Musik.
Mit Peggy Sinclair, einer Cousine, verband ihn sein erstes intensives
Liebesverhältnis, in den Jahren 1928 bis 1930. Mit den Besuchen Kassels
erschloss sich ihm das Interesse an der deutschen Sprache, an deutscher
Kunst und Kultur. In Kassel hielt er sich im Vorderen Westen auf, aber
auch etliche Kneipen, Bars und Restaurants der Alt- und Oberneustadt waren
ihm vertraut. Er besuchte den Wochenmarkt auf dem Königsplatz, fuhr Boot
auf der Fulda und liebte die Karlsaue, sowie Europas größten Bergpark,
Wilhelmshöhe. Am Ufer der Fulda in Spiekershausen verbrachte er mit den
Sinclairs 1929 einen Sommerurlaub. Sicher kannte er auch die Kasseler
Museen, Kunstausstellungen und Galerien. Kassel bedeutete für ihn auch
eine Art Refugium - die Erholung von Widrigkeiten und Problemen in seinem
noch jungen Leben zwischen Dublin und Paris. Von hier verschickte er das
Telegramm zur Kündigung seiner Universitätskarriere zugunsten einer damals
noch ungewissen schriftstellerischen Zukunft.
Die Sinclairs waren 1922 mit fünf Kindern nach Kassel gekommen und
verließen die Stadt 1933 nach elf Jahren Aufenthalt wieder, um nach Dublin
zurückzukehren. Der stärker werdende Antisemitismus begann für sie eine
Bedrohung zu werden. Zuvor war Peggy an Lungentuberkulose gestorben - für
Beckett war dies Anlass, nie mehr nach Kassel, an den Ort seiner ersten
großen Liebe, zurückzukehren. Eine zweite Beziehung zu Kassel ergab sich
aber aus der Freundschaft mit Dr. Gottfried Büttner, viele Jahre später,
zwischen den 60er Jahren und Becketts Tod.
Seit 2003 wird begonnen, die Kasseler Zeit Samuel Becketts systematisch
aufzuarbeiten. Eine erste Dokumentation wurde erstellt, Stadtspaziergänge
"auf Becketts Spuren in Kassel" werden angeboten. In neuen Kasseler
Stadtplänen erscheint bereits die "Samuel Beckett Anlage" als zukünftiges
Straßennetz im Inneren des Geländes der ehemaligen
Bereitschaftspolizei-Kaserne an der Friedrich-Ebert-Straße. Hier entstehen
neue Wohnungen, Büro-Arbeitsplätze und ein kleiner Stadtteilpark - in
unmittelbarer Nähe der Bodelschwinghstraße, wo Beckett einst wohnte.
Seit 2004 besitzen diese Aktivitäten Projektcharakter. Ein Arbeitskreis
"Beckett in Kassel" hat sich gegründet. Er koordiniert die weitere
Vorgehensweise, setzt sich Ziele und formuliert Arbeitsaufgaben in
mehreren Tätigkeitsfeldern:
_Literaturwissenschaftliche, kunsthistorische und biographische Forschung,
_das Thema Beckett in der lokalgeschichtlichen Aufarbeitung,
_ die Initiierung von Veranstaltungen und Aufführungen zum Gedenken an
Beckett,
_die Vernetzung dieser örtlichen Strukturen mit der Beckett-Gemeinde auf
nationaler und internationaler Ebene,
_Öffentlichkeitsarbeit und die Erstellung von Publikationen,
_die Organisation der Teilnahme Kassels am weltweit geplanten Beckett-Jahr
2006, zum 100. Geburtstag Becketts sowie
_ die Umsetzung des Themas im Bereich Stadtmarketing / Tourismus.
Der Arbeitskreis "Beckett in Kassel" begreift sich als Bestandteil der im
Rahmen einer breiten Bürgerbewegung entstandenen Projekte zur Bewerbung
Kassels als Europäische Kulturhauptstadt 2010. Das liegt schon deshalb
nahe, weil das Thema selbst ein internationales ist: U. a. markieren
europäische Städte wie Dublin, Paris, London, Hamburg und Berlin die
Aufenthalts- oder Wirkungsorte von Samuel Beckett. Der Arbeitskreis
"Beckett in Kassel" setzt sich zum Ziel, Kassel in den Kreis der
europäischen Städte zu integrieren, in denen Becketts Werk besondere
Beachtung findet. Der Arbeitskreis ist bereit, auch überörtliche
Vernetzungsfunktionen zu übernehmen und ggf. die Gründung einer Deutschen
Beckett-Gesellschaft vorzunehmen.
Die inhaltliche Tätigkeit ist auf Dauer angelegt und weist weit über 2010
hinaus. Unabhängig vom Erfolg der Kulturhauptstadtbewerbung wird mit dem
Jahr 2010 ein Kulminationspunkt der Arbeit angestrebt, in dem einige der
oben aufgeführten Tätigkeitsfelder zum Abschluss kommen und präsentiert
werden können. Entsprechende Veranstaltungen, Ausstellungen und
Publikationen werden dann zur Umsetzung gelangen, ein breit gefächertes
Aufführungsprogramm geplant. Das Beckett-Jahr 2006 wird dazu gleichsam als
Zwischenbilanz und "Generalprobe" dienen. Für beide Jahre wird Kassel ein
Gastgeber für die internationale Beckett-Gemeinde sein.
Eine zweite Vernetzungsebene bezieht sich auf andere Projekte im Rahmen
der Kulturhauptstadtbewerbung. Hier gibt es interessante Anknüpfungspunkte
zur Kooperation, die ausgelotet und zukünftig entwickelt werden können.
Insbesondere zu Projekten, die sich mit Literatur, Theater, Museen,
bekannten Persönlichkeiten in der Kasseler Geschichte und - wegen der
Geschichte der Familie Sinclair - mit dem Thema Emigration befassen.
Initiator: Wolfgang Rudolph, Arbeitskreis "Beckett in Kassel" |