|
Kinder- und
Jugendkultur fördern
Kinder- und
Jugendcircus Rambazotti veranstaltet ein internationales
Jugendcircusfestival
„Damit kleine Personen Persönlichkeiten werden“ – so
lautet ein Motto des Kinder- und Jugendcircus Rambazotti, der inzwischen
mit seinem Programm und seinem Circushaus bundesweit und auch
international für Aufsehen sorgt. Rambazotti plant für das Jahr 2010 ein
internationales Jugendcircus-Festival in Kassel, für das die „Mutter“ des
Romanhelden Harry Potter, Joanne K. Rowling, als Schirmherrin gewonnen
werden soll. In Vorbereitung des Festivals wird es zwei
Tagungen zum Thema „Circus ist Jugendkultur“ geben, außerdem plant
Rambazotti im Vorfeld eine Tournee durch Deutschland, durch die Kontakte
zu potenziellen Akteuren des Festivals geknüpft werden.
Internationales Jugendcircusfestival
Zehn ausgewählte Jugendcircusse stellen ihre Programme in einem
zehntägigen Festival auf dem Kasseler Friedrichsplatz vor. Es sollte sich
dabei um Vertreter der verschiedensten Richtungen im Jugendcircus handeln
– von traditionell über modern bis experimentell. Vertreter wären Skylight
Circus Arts/Manchester, Flying Fruit Flies/Melbourne, Kinderzirkus
Robinson/Zürich, Jugendcircus Santelli/Groningen, sowie Circusse aus
osteuropäischen Ländern wie Estland, Rumänien, Polen, Ungarn, zu denen in
den nächsten Monaten Kontakte hergestellt werden können.
Auf dem Programm stehen morgens Vorstellungen für Schulen in Kassel und
der Region. Nachmittags sind öffentliche Vorstellungen geplant. Das Finale
ist eine Produktion unter der Regie eines Regisseurs von „Cirque de Soleil“,
der 1984 in Québec gegründet wurde und sich seitdem zu einem großen
internationalen Circusunternehmen entwickelt hat. Im Circuszelt wird es
außerdem internationale Workshops mit ausgesuchten renommierten Trainern
und öffentliche Trainings geben.
Weitere Programmpunkte während des Festivals:
Eröffnung: gemeinsamer Einzug aller Artisten in die Stadt zu Beginn mit
Jonglage, Einrädern, Stelzen und Musikanten.
Finale: Feuernacht in der Orangerie mit allen Feuergruppen der Circusse
und einem eindrucksvollen Bodenfeuerwerk.
Sponsoring: Schirmherr André Sarrasani würde sich am Festival als Sponsor
mit Zelt und Technik einbringen. Eine andere Variante wäre, den
weltberühmten Cirque de Soleil – der sich stark für Kinder engagiert – als
Sponsor zu gewinnen.
Vorbereitende Tagung „Circus ist Jugendkultur“
Circus als Jugendkultur sollte als vorbereitende Tagung über vier Tage im
Rambazotti-Circushaus stattfinden – jeweils 2007 und 2009. Dort könnten
zusätzlich zur Vorbereitung des Festivals das europäische Netzwerk gewoben
und Perspektiven für die Weiterentwicklung des Jugendcircus entwickelt
werden. Dafür wird es in den Planungsphasen eine Zusammenarbeit mit
Projekten wie Cabuwazi/Berlin, Skylight/Manchester, Circomundo/Amsterdam
und Polaris/Meran geben.
Tagungs-Themen:
• Geschichte des Circus
• Geschichte und Weiterentwicklung der Jugendcircusbewegung
• Entwicklung und Erweiterung der Europäischen Circusunion um die
Osteuropäischen Staaten und Projekte
• Qualifizierende Maßnahmen für Circusmacher bzw. -gründer, Leitung und
Bestandssicherung von Circushäusern und Projekten jenseits der
öffentlichen Förderung
Vorbereitende Tournee durch Europa
Bis 2010 führt jährlich eine Tournee des Kasseler Circus Rambazotti ins
Ausland, um die Partnerprojekte zu besuchen, um Austausch vorzubereiten.
Initiatorin: Iris Riedmüller; Rambazotti-Circusmanagement
Rambazotti
Der internationale Kinder- und Jugendcircus e.V. Rambazotti wurde 1989
gegründet. Gegenwärtig arbeitet er mit 180 Kindern und Jugendlichen. Der
Circus ist ein Freier Jugendhilfe-Träger und gemeinnützig. Er finanziert
sich ohne städtische oder staatliche Förderung. Er arbeitet mit drei
hauptamtlichen und 17 Honorarkräften. Rambazotti betreibt das Circushaus –
einziges selbstständiges Jugendcircushaus in Deutschland. Besonders die
Finanzierung des Circushauses
wird als Vorbild in der Jugendkultur immer bedeutender angesichts leerer
öffentlicher Kassen. Die Show der jungen Artistinnen ist auf hohem Niveau
international anerkannt.
In der Folge könnten Jugendaustauschprogramme starten. Dabei kann für das
Festival ein Buch entstehen, in dem die unterschiedliche Arbeit der
verschiedenen Projekte dargestellt wird. Ein umfassendes internationales
Jugendcircusbuch sollte zum Festival erscheinen und zur internationalen
Kontaktpflege und Weiterentwicklung beitragen.
Ein Plan schafft für
Schulen Orientierung im Kulturdschungel
Damit Kulturangebote stärker als bisher in die
Unterrichtsplanung der Schulen einfließen können, soll ein halbjährliches
Kasseler Programm herausgegeben werden – der „Kulturscout“. Denn bisher
fehlt eine Institution bzw. eine Publikation, die qualifizierte
Informationen über den Kasseler "Kulturdschungel“ bietet. Jede einzelne
Institution wirbt in den Schulen für ihr Programm, aber die Nutzer sind
kaum in der Lage, die Informationen zu sichten und zuzuordnen.
Andererseits klagen
viele Kulturinstitutionen über die Unlust der Schulen, auch an spannenden
und wichtigen kulturellen Ereignissen teilzunehmen. Auswärtige
Besuchergruppen können sich entweder gar nicht orientieren oder werden
erst gar nicht angesprochen.
Der „Kulturscout“ soll Brücken zwischen den Anbietern von Kulturangeboten
und den Adressaten schlagen. Damit können die Schulen langfristige
Entscheidungen darüber treffen, wie sie die Angebote in das
Unterrichtsprogramm einbeziehen. Kurzfristige Entscheidungen sind über
einen Zugriff aufs Internet oder ein Telefongespräch möglich. Bei beiden
Entscheidungen kommt es auf qualitative Beratung an.
Welches Thema ist für welche Altersgruppe geeignet? Wer ist der richtige
Ansprechpartner vor Ort? Gibt es weiterführende Literatur? Gibt es
Verknüpfungen, z.B. Lesungen zum Kino oder Theater zum Museum, einen
Besuch in der Kinderbücherei und anschließend einen Besuch beim
Restaurator alter Bücher? Gibt es Unterrichtsmaterialien zu den Stoffen?
Welche Schulen haben schon ähnliche Programme durchlaufen, und wie kann
man Erfahrungen austauschen? Wie kann man mit einer Klasse einen
Kassel-Tag gestalten – oder sogar eine ganze Kassel-Woche?
Der „Kulturscout“ kann nicht nur solche Fragen beantworten, sondern
Wünsche der Schulen bzw. Gruppen in die Kulturinstitutionen hereintragen.
Bei der Umsetzung des Projekts soll zunächst ein gedruckter Führer
erscheinen, langfristig aber eine Internet-Präsenz aufgebaut werden.
Langfristig soll ein Büro aufgebaut werden, auch um internationale
Anfragen zu beantworten. Kinder könnten dann auch als „Kulturscouts“ für
ihre Einrichtung ausgebildet werden. Das Büro kann im zukünftigen
Kinderkulturzentrum – auch ein Projekt der Kulturhauptstadtbewerbung –
angesiedelt werden.
Initiator: Stefan Becker, Kindertheaterbürooo
In Workshops erobern
die Museumsbesucher von morgen die Ausstellungen für sich
Kassel hat mit einer einzigartigen Sammlung von
Gemälden im Schloss Wilhelmshöhe und Europas einzigem Bergpark Schätze,
die nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder und Jugendliche in
ganz Europa interessant sind. Das Projekt „Ein Museum wird lebendig“ will
mit kindgerechten Angeboten die „Museumsbesucher von morgen“ begeistern.
Kinder sollen in Workshops, an ihre Erfahrungswelt anknüpfend, selbst
aktiv werden. Daneben sollen museumspädagogische Veranstaltungen für
Lehrer angeboten werden. Weitere Kasseler Museen und Kultureinrichtungen
sollen für einen engen Austausch und Zusammenarbeit gewonnen werden,
woraus z.B. ein Forum der Museumspädagogik im Internet entsteht. Darüber
hinaus werden Unterrichtsmaterialien für den Kunstunterricht entwickelt.
Idee/Umsetzung
Das Projekt soll den Dialog zwischen den Kulturen ermöglichen, die
Kreativität und Experimentierfreudigkeit von Kindern und Jugendlichen –
nicht nur in Kassel, sondern aus Europa und anderen Teilen der Welt –
anregen. Bereits jetzt werden die Staatlichen Museen in Kassel von einem
internationalen Publikum besucht.
Durch die kreative Auseinandersetzung mit kulturellen Objekten wird eine
Brücke zwischen den Museumsobjekten und der Lebenswelt der Kinder gebaut.
Sie lernen aus der Begegnung mit einer vergangenen Kultur und entwickeln
daraus eine kreative Eigentätigkeit. Mit lebendigen Vermittlungsformen und
kindgerechter pädagogischer Arbeit soll das Interesse der später einmal
selbstständigen Museumsbesucher geweckt und gefördert werden. Kinder sind
für die Museen auch
„Multiplikatoren“: Über sie erfahren auch Eltern, Geschwister, Freunde,
Verwandte, Nachbarn, Lehrer etwas über die Kasseler Ausstellungen. „Ein
Museum wird lebendig" will auch einen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung
der Kinder und Jugendlichen leisten.
Für die Umsetzung des Konzepts werden Ausstellungsflächen für die Kunst
der Kinder, Seminar- und Werkstatträume, Räume und Ausstattung für ein
Kunst-Internet-Café sowie Künstler und Mitarbeiter für die Projekte
benötigt.
Das Projekt gliedert sich in drei Workshops, dazu werden Präsentationen
auf CD-ROM entwickelt, die umfangreiche Hintergrundinformationen liefern.
Herkules schlägt Brücken zu anderen europäischen Städten
Durch das Zusammenwachsen der europäischen Völker begegnen sich kulturelle
Erscheinungsformen, die sich zunächst fremd sind. Von vielen Städten in
Europa sind bestenfalls deren Wahrzeichen bekannt – Bauwerke wie der
Eiffelturm in Paris, das Kolosseum in Rom oder Sinnbilder wie die Gondeln
in Venedig und eine rote Telefonzelle in London.
Wie wird ein Gegenstand oder Ritual überhaupt zum Wahrzeichen? Was drückt
dieses Wahrzeichen über eine kulturelle Gemeinschaft aus?
In diesem Workshop erstellen Kinder eine multimediale Präsentation, in der
die Gestalt des Herkules – eines der Kasseler Wahrzeichen – mit anderen
Wahrzeichen aus europäischen Städten verglichen wird. Die informative
Darstellung wird durch fantasievolle Geschichten ergänzt – schließlich
lieben Kinder den Herkules wegen seiner vielen Taten. In Trickfilmen, in
Kooperation mit Studenten der Kunsthochschule, tritt die antike
Sagengestalt in Kontakt mit der Meerjungfrau in Kopenhagen oder lernt
einen Volkstanz in Dubrovnik. Begegnungsprogramme – Kinder aus Kassel
laden z.B. dänische
Kinder ein – fördern ergänzend den Austausch: neue gemeinsame
Kulturproduktionen entstehen.
Landscape/Gesichts-Landschaft-Gesichter der Welt in Kassel
Jemanden zu porträtieren heißt, ein Gesicht, ein Gegenüber in seinem
jeweiligen Ausdruck und seinen Besonderheiten erfassen, jemanden kennen
lernen. So fallen Barrieren. In Workshops soll durch das Skizzieren, Malen
oder Modellieren ein Bild vom jeweils anderen entstehen. Künstler
beteiligen sich an den Workshops. Durch Kunstgespräche vor Originalen der
Kasseler Museen soll ein kultureller und kreativer Austausch über Grenzen
hinweg versucht werden.
Mythische Geschichten im Bergpark
Mythische Geschichten verweisen auf die Wurzeln von Kunst und Kultur in
anderen europäischen Ländern und beinhalten zeitlose Themen des
menschlichen Lebens. Ausgewählte Mythen sollen in den Sommermonaten
jährlich bis 2010 im Bergpark inszeniert werden, gipfelnd in einem
„Bergpark-Festival“ im Jahr 2010. Methoden sind Installationen, szenische
Spiele bis hin zur Entwicklung von Theaterstücken mit Spielorten im Park,
Video-Dokumentationen und -Installationen.
Zielgruppen: generationenübergreifend; Kooperation von Künstlern,
semi-professionellen Künstlern und Besuchern des Schlosses und Bergparks;
angesprochen werden hier Kinder, Familien, Erwachsene, gemischte Gruppen
mit Kindern und Erwachsenen.
Initiatorinnen:
Christa Gutsche, Sabine Buchholz, Staatliche Museen Kassel
Dörte Jahn-Schiller, Theaterkunst und Kommuniktion, thearte
Kassel auf dem Weg zur
kinder- und jugendfreundlichen Stadt
In Kassel soll ein europäisches Kinderkulturzentrum
entstehen, das Räume und Infrastruktur für die Kinderkulturarbeit hat,
über die Angebote anderer Kultureinrichtungen informiert, eigene
Veranstaltungen anbietet und seine Angebote mit denen anderer
Institutionen verknüpft. Vereine, Initiativen, Träger, Organisationen und
Institutionen, die sich mit Kindern und Jugendlichen
beschäftigen, wollen zunächst beim Aufbau und später auch beim Betrieb
dieses Kinderkulturzentrums zusammenarbeiten.
Die Kinder sollen inmitten der Stadt einen Ort finden, den sie jederzeit
aufsuchen können. Ausgehend von diesem Ort, können Erkundungen in die
Stadt, nach Europa und in die Welt unternommen werden. Kinder europäischer
Länder werden eingeladen, um ihre künstlerischen Projekte vorzustellen.
Das europäische Kinderkulturzentrum soll in einem Netz aus bereits
bestehenden Kasseler Kulturangeboten für Kinder stehen. In dem Zentrum
sollten alle Fäden des Netzes zusammenlaufen.
Angebote anderer Kulturinstitutionen sollen in das Zentrum führen,
Angebote des Zentrums sollen den Weg zu anderen Kulturinstitutionen
weisen. Themenausstellungen können Angebote in den Museen aufgreifen.
Theaterstücke können Inhalte anderer Kulturorte aufarbeiten.
Schreibwerkstätten vertiefen die Eindrücke aus einer Ausstellung. Bei der
Planung sollen die Kinder – als Experten in eigener Sache – frühzeitig
einbezogen werden. Neben den Angeboten zum Sehen, Schauen, Hören ist ein
wesentlicher Schwerpunkt die Bereitstellung von Möglichkeiten zu
Eigenaktivitäten der Kinder. Ausgehend vom europäischen
Kinderkulturzentrum, sollen auch die anderen Kinderkulturangebote in der
Stadt weiter entwickelt und verbessert werden.
Ein möglicher Ort für das europäische Kinderkulturzentrum könnte das
Kulturhaus „Dock 4“ sein. Sollte die Entscheidung für dieses Gebäude
getroffen werden, müsste die Neugestaltung in die städtebauliche
Entwicklung des Quartiers einbezogen werden. Wichtig sind eine Öffnung hin
zum Museum Fridericianum, die Gestaltung des Hofes als variable
Spielfläche in der Innenstadt, die Qualifizierung des vorgelagerten
Skaterplatzes als Jugendtreffpunkt. Eine Alternative zum Dock 4 ist
der Kulturbahnhof. Es gibt auch Überlegungen für ein Mischkonzept aus
kulturellen und ausgewählten kommerziellen Angeboten. Der Ort muss gut mit
öffentlichen Verkehrsmitteln in der Stadtmitte erreichbar sein.
Das Zentrum sollte folgenden Zwecken dienen:
• Theater, Zirkus, Musik, Tanz von und für Kinder
• Ausstellungen von und für Kinder (z.B. Hands-on-Museum, Übernahme von
Ausstellungen, Kinder-documenta)
• Ausstellungen und Dokumentationen interessanter Projekte im schulischen
und im Kindergartenbereich, ein Informationspool für Lehrer und Erzieher
in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Landesinstitut für Lehrerfortbildung
und der Universität; so könnte hier die schon erfolgreiche Idee der
Kinder-Universität Platz finden
• ein Spielzeug-Museum, in dem auch gespielt werden darf. Hier können auch
Spiele anderer europäischer Kulturen ausprobiert und so Einblicke in
andere Lebensbedingungen gewonnen werden
• politische Kinder- und Jugendkultur
• Kinder und neue Medien
• Lesen, Leseförderung: Hier werden auch Bücher in anderen Sprachen
angeboten, möglich wäre die Integration der Kinder- und Jugendbücherei
oder eines Buchladens
• Netze zwischen Kasseler Kinderkulturinitiativen und europäischen
beispielhaften Initiativen
• Unterstützung von Projekten in den Stadtteilen
• Förderung des Dialogs der Generationen
• Heimat für alle Kulturen
Die kleinen und großen Besucher sollten neben den gewohnten kulturellen
Nutzungen auch neue Entdeckungen machen können und die Beziehungen
unterschiedlichster kultureller Ausdrucksformen zueinander erkennen.
Ebenso wichtig sind die Vermittlung und die Erkenntnis über die Genesis
von Geschichten und kulturellen Ausdrucksformen in der europäischen
Geschichte.
Projektbeispiel:
„Die Odyssee“ – eine Theateraufführung mit Erkundungen zum Mittelmeerraum,
dessen Sprachen, Kulturen und Geschichte. Welche Geschichten, Comics etc.
beziehen sich auf die Odyssee? Welche Kinder aus dem Mittelmeerraum wohnen
in Kassel? Welche Bücher, Geschichten bzw. Filme stehen zum Thema
griffbereit? Kinder philosophieren zur Antike und stellen ihre
künstlerischen Ergebnisse aus. Bilder und Skulpturen der Antike in den
Staatlichen Kunstsammlungen liefern Anregungen.
Vorbildliche Projekte aus anderen europäischen Staaten können als
Ideengeber helfen – zum Beispiel Schweden, Finnland, Dänemark, die
Niederlande, also Länder, die in der PISA-Studie ganz vorne zu finden
sind.
Ein nicht unwesentlicher Anstoß kommt aus den neuen EU-Ländern bzw. den
angrenzenden Staaten. Hier ist eine jahrzehntelange Tradition der
Kinderkulturhäuser gewinnbringend gewachsen.
Der Weg zur Realisierung
Zuerst folgt nach Absprache mit anderen Projekten und der zuständigen
Politik die Festlegung des Ortes. Danach wird unter Einbeziehung der
künstlerischen Initiativen, einer qualitativen Beratung durch Kinder,
Architekten und unter Diskussion ähnlicher europäischer Projekte ein
erster Entwurf des Zentrums vorgelegt. Hierzu dienen aufeinander
aufbauende Workshops und bereits vorliegende Konzepte. In Schulen und
Kindergärten können Patenschaften aufgebaut werden, die in
Zukunftswerkstätten Ideen zum Kinderkulturhaus entwickeln.
Notwendige Um- bzw. Anbauten werden auf ihre Finanzierbarkeit unter
Hilfestellung des Städtischen Bauamtes geprüft und festgestellt. Das
Konzept wird in Bausteinen bis zum Jahre 2010 umgesetzt und flexibel den
jeweils neuen Anforderungen angepasst. Zur Unterstützung werden frühzeitig
Partner und Paten aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens eingebunden.
Das Potenzial
Ausgehend von der jetzigen Bedarfsstruktur, kann man in der Anfangsphase
von einem Zuspruch von über 100.000 Besuchern im Jahr ausgehen, der danach
kontinuierlich gesteigert werden kann. Zum Vergleich: Die Kinder- und
Jugendakademie in Fulda hat derzeit ca. 90.000 Besucher.
Träger
Zum Anschub des Projektes wird ein Verein gegründet. Zur Übernahme der
Trägerschaft werden verschiedene Modelle mithilfe einer Kulturberatung
geprüft. Der Träger stellt die Räume und das Personal für die
Basisstruktur. Geplant ist eine Zusammenarbeit mit dem „European Network
of Art Organisations for Children and Young People“ (EUnetART), das 1991
in Bologna als kulturelles Netzwerk unterschiedlichster Disziplinen
gegründet wurde. Dort sind heute 100 Organisationen aus
28 Ländern vertreten. Hauptsitz ist Amsterdam.
Kooperationspartner
Institutionen und Akteure der Kultur und der Kinder- und Jugendarbeit
Initiatoren:
Bettina Malorny, Kinderbeauftragte der Stadt Kassel
Stefan Becker, Kindertheaterbürooo
Die europäische
Hip-Hop-Szene kommt 2010 nach Kassel
Rap ist Spoken Word Poetry – der Sprechgesang der
Hip-Hop-Kultur. Hip-Hop ist für die Jugendlichen ein Mittel, sich selbst
zu inszenieren, sich zu präsentieren, sich mitzuteilen – und damit mit der
Umwelt zu kommunizieren. Im Jahre 2010 wird Kassel zu einem Europäischen
Rap-Festival einladen. Es gibt in der Stadt eine bunte Rapper-Szene, die
zwar weitgehend im Untergrund arbeitet, aber vielfältige Kontakte ins
europäische Ausland pflegt. Die Stadt hat bereits einige Rap-Projekte
unterstützt und wird auch das geplante Festival mittragen.
In kaum einer anderen Stadt Deutschlands gibt es so viele junge,
aufstrebende Rap-Gruppen wie in Kassel. Hinzu kommen Produzententeams,
Labels und Studios, die auch genreübergreifend aktiv sind. In Kassel
ansässige Booking- und Konzertveranstalter holen regelmäßig internationale
Künstler in die Stadt, in der auch deutschlandweit bekannte DJs zu Hause
sind.
Das Besondere der Szene in Kassel: Rap, Breakdance oder Graffiti werden
von der Szene nicht isoliert betrachtet, sondern als zusammenhängende
Kultur angesehen. Wie aus Sprache, Poesie, Tanz, Rhythmen und Bildern
interessante Formen der Jugendkultur entstehen, hat sich bereits bei
einigen Aktionen gezeigt: Seit 1998 findet in Kassel der „Mai Jam“ statt,
organisiert von jungen Erwachsenen und Jugendlichen Hip-Hopern. Im Jahr
2000 waren dazu über 3000 Jugendliche aus dem gesamten Bundesgebiet
angereist. Während der Documenta11 im Jahre 2001 organisierten
Graffiti-Künstler, Rapper, Breakdancer und DJs eine internationale
Graffiti-Ausstellung mit dem Titel
„Canwars“. Die Ausstellung stellte einen zentralen Anziehungspunkt für das
junge Publikum der documenta dar. Über 2000 Besucher erlebten neben der
Ausstellung ein Rahmenprogramm mit Tanzperformances, Vorträgen und
Workshops.
Im November 2003 gab es den „HerQles-Rap“. Organisiert von Jugendlichen
aus der „Writers Corner“, dem Graffiti-Projekt der Stadt und unterstützt
von der Künstlerin Heidi Rühlmann sowie dem „Internationalen Bund“,
beschäftigten sich Jugendliche bei diesem Wettbewerb in eigens dafür
entstandenen Texten mit der Sagengestalt des Herkules. Jugendliche aus 14
Nationen waren bei dem Wettbewerb vertreten.
Ein Europäisches Rap-Festival in Kassel im Jahre 2010 soll Jugendlichen
die Möglichkeit bieten, in allen Sprachen der Europäischen Union Texte auf
die Bühne zu bringen. Schon jetzt gibt es durch Jugendbegegnungen (z.B.
mit Polen) Kontakte zu Rappern und Graffiti-Malern, zu DJs und Breakern in
anderen europäischen Ländern. Sie sollen ausgebaut werden, damit im Jahre
2010 möglichst alle Länder der EU in Kassel vertreten sind.
Initiatoren:
Gisela Best, Jugendamt Stadt Kasssel
André Peschke (RaportaZ).
Kasseler Jugendring
will die Aktivitäten zur Begegnung mit anderen Nationen bündeln und
verstärken
Der Kasseler Jugendring mit seinen Mitgliedsverbänden
will künftig die bislang schon regen Begegnungen mit den Partnerstädten
Kassels auch auf andere Städte ausweiten und dabei mit anderen Trägern der
Kinder- und Jugendarbeit in der Stadt zusammenarbeiten. So soll ein
„Internationales Kinder- und Jugendbegegnungsnetzwerk“ entstehen, das sich
speziell dem
europäischen Austausch widmet.
„Internationale Jugendbegegnungen“ im Sinne der Völkerverständigung sind
eine der wichtigsten Aufgaben des 1946 gegründeten Kasseler Jugendrings
(KJR) e.V. und seiner 18 Mitgliedsverbände. Bei der Vorbereitung und
Durchführung von Begegnungsfahrten – u.a. in die Partnerstädte Kassels –
leistet der KJR den Jugendverbänden Unterstützung bzw. tritt selbst als
Veranstalter auf. Internationale Begegnungen mit Gruppen aus Izmit und
Izmir (Türkei), Rovaniemi (Finnland), Västeras
(Schweden) und in Wielpolska (der polnischen Partnerregion des Landes
Hessens) hat es bereits gegeben.
Der Kasseler Jugendring könnte ein Treffen zur Vernetzung der
internationalen Jugendbegegnung initiieren: die Gründung eines
internationalen Kinder- und Jugendbegegnungsnetzwerkes.
Die Kooperation mit dem Jugendbildungswerk, Schulen und anderen freien
Trägern der Jugendhilfe (z.B. Kulturfabrik Salzmann e.V., Internationaler
Bund, Kulturverein Schlachthof e.V.) hat sich im Bereich „Internationale
Begegnungen“ bis-lang gut bewährt und soll bei der geplanten
Zusammenarbeit im Internationalen Kinder- und Jugendbegegnungsnetzwerk
noch intensiviert werden. Die bisherige Vernetzung von
Kultureinrichtungen, Jugendvereinen und -verbänden, Schulen und
Jugendkulturinitiativen (z.B. „documenta hier mit uns“, eine Veranstaltung
des Kinderjugendnetzwerkes, bei der u.a. die internationale
Graffiti-Ausstellung“ und ein internationales Café mit Beiprogramm
stattfanden) hat bereits zahlreiche Synergieeffekte ergeben.
Das Kinder- und Jugendnetzwerk veröffentlicht jetzt schon internationale
Jugendbegegnungen auf der Seite unter der Rubrik „Internationale
Begegnungen“. Jugendliche erhalten alle Informationen über internationale
Begegnungsmöglich keiten, die regelmäßig von allen Kooperationspartnern
des Netzwerkes eingespeist werden.
Initiatoren:
Karl-Heinz Stark, Netzwerk Internationale Jugendarbeit
Karina Schauberick, Stadtjugendring
Junge Zuhörer erleben
Musik spielerisch
Matinée-Konzert am 7. November 2004, 11 Uhr in den
Räumen des Kasseler Kunstvereins im Fridericianum. Uraufführung des vom
Kasseler Komponisten Jean Severiens vertonten Märchens "Der goldene Vogel"
der Brüder Grimm. Mit dem Ensemble trioMOTION sowie fünf weiteren Musikern
und Stefan Becker als Sprecher.
Kasseler Komponisten wollen eine einmalige Sammlung von Werken schaffen,
die Kinder und Jugendliche für Musik begeistert. Auf neue Art und Weise
lernen und erleben sie Musik, die für sie und mit ihnen entstanden ist.
Musikensembles und Musikschulgruppen studieren diese Stücke ein und
stellen sie in Konzerten vor. Kassel soll auf diese Weise ein Zentrum für
Kinder- und Jugend-Musik werden.
Die Idee
Kasseler Komponisten erhalten die Aufgabe, Werke zu komponieren, durch die
Kinder und Jugendliche Ballett, Oper, Musical, Kammermusik, Symphonie etc.
neu erleben und selbst gestalten können. Das spielerische Lernen nimmt
dabei einen großen Stellenwert ein, so soll ein Konzept zur Vermittlung
der Werke mitgeliefert werden. Dies kann z.B. in Form von Workshops,
Werkstattkonzerten oder in moderierten Konzerten geschehen.
Musikschulen und Musikgruppen aus dem Raum Kassel erhalten die Aufgabe,
die für sie komponierten Stücke einzustudieren und im Rahmen eines
Konzertes zu präsentieren. Dabei wird auch hier großer Wert auf die
Vermittlung des musikalischen Wissens an Kinder und Jugendliche gelegt.
Vorbereitend auf das Jahr 2010, werden ab 2004 erste Veranstaltungen
stattfinden. Im Jahr 2010 wird es monatlich Events mit Kindern und
Jugendlichen an kulturell besonders bedeutenden Standorten in und um
Kassel geben, zum Beispiel: historische Industrie-Gebäude, Löwenburg,
Martinskirche oder Schloss Wilhelmsthal. Der Höhepunkt findet im Juli im
Bergpark Wilhelmshöhe statt. Komponisten, Musikschulen und Musikgruppen
aus Kassel und Umgebung laden ein zum großen „Open-Air-Musikfestival“ und
schaffen im Bergpark ein einmaliges Musikerlebnis für Kids & Co.
Programm für das Eröffnungskonzert zum Projekt „komposition 2010“
Diego Jascalevich, (Charango/Gesang) stellt mit seinem Ensemble und einem
Filmbeitrag sein seltenes Zupfinstrument aus Argentinien vor. Das Ensemble
trioMOTION führt ein eigens für diese Veranstaltung komponiertes Werk des
Kasseler Komponisten Jean Sevriens auf. In Zusammenarbeit
mit einer Sängerin und einem Sprecher wird ein vertontes Märchen der
Brüder Grimm vorgetragen. Ulli Götte, Kasseler Komponist, Ensembleleiter
und Musikpädagoge mit Schwerpunkt minimal-music, musiziert spielerisch mit
den Kleinen und Großen, indem er Aspekte der minimal-music anhand seiner
Kompositionen näher bringt. Da es sich um eine Veranstaltung von und für
Kasseler handelt, wäre der
Bürgersaal des Rathauses ein besonders geeigneter Veranstaltungsort.
Durch den Verzicht auf Eintrittspreise soll die rege Teilnahme gerade von
Familien gefördert werden.
Begleitend zur Konzertreihe gibt es weitere Projekte:
Der größte Treffpunkt für Kinder und Jugendliche ist das Internet. Eine
eigene Homepage präsentiert die Idee, die Komponisten, die Musiker und die
Musikschulen. Mit der Internettechnik des Jahres 2010 werden Live-Konzerte
online erlebbar sein. Das musikalische Wissen wird über das Datennetz auf
leichte und spielerische Art und Weise vermittelbar. Zu den Konzerten
erscheinen in einer Serie Musik-CDs und DVDs. Ein Katalog präsentiert eine
Gesamtübersicht aller Komponisten und ihrer Werke. Die Einbindung von
Funk- und Fernsehen ist vorgesehen, als Medienpartner kommt der Hessische
Rundfunk in Frage, der in Kassel ein Studio betreibt.
Idee und musikalische Leitung
Constanze Betzl: Freie Musikerin, trioMOTION, Minimal Ensemble „in process“
Bernhard Betzl: Solopauker Kasseler Staatstheater, trioMOTION
Rüdiger Pawassar: Erster Schlagzeuger Kasseler Staatstheater, trioMOTION,
Komponist und Arrangeur
Peter Ernst: Freier Musiker, freier Mitarbeiter Musikredaktion HR,
Künstlerischer Leiter Warburger Meisterkonzerte
Konzeption: Matthias Schürholz, Kommunikationsmanager bei der B. Braun
Melsungen AG
Initiatoren:
Constanze und Bernhard Betzl
Spielraumtheater Kassel
Kassel schlägt die
Verabschiedung einer europäischen Kinderkulturcharta vor
Eine in Kassel entwickelte Europäische
Kinderkulturcharta wird verdeutlichen, welch hohen Stellenwert eine
interdisziplinäre und früh einsetzende kulturelle Bildung mit guten
Zugangs- und Mitgestaltungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen für
eine nachhaltige Kulturentwicklung in Europa hat. Die Charta soll darüber
hinaus Wege aufzeigen, wie sich Kultureinrichtungen Kindern und
Jugendlichen – den künftigen Besuchern und Akteuren des Kulturlebens der
Zukunft – öffnen.
Die Charta soll Rahmenbedingungen und Standards für den Zugang von Kindern
und Jugendlichen zur musischen, ästhetischen und kulturellen Bildung
enthalten – wie zum Beispiel in Kassel durch das Kinder- und
Jugendnetzwerk. Tomi Ungerer, Kinderbotschafter des Europarates, soll für
die Mitarbeit gewonnen werden. Im Jahre 2010 wird sein Werk in einer
großen Ausstellung in der Caricatura zu sehen sein.
Das Jugendamt und alle in der Kinder- und Jugendarbeit tätigen
Organisationen und Kulturgruppen werden ihre vielfältigen europäischen
Kontakte nutzen, um Menschen und Institutionen aus ganz Europa für die
Mitarbeit am Vorschlag für eine europäische Kinderkulturcharta zu
gewinnen. Europäische Städte sollen sich durch Beschlüsse bereit erklären,
die Inhalte und Ziele der von Kassel initiierten „Kinderkulturcharta“ zu
übernehmen. Gleichzeitig soll die „Europäische Kinderkulturcharta“
der EU und der UNESCO als Deklaration zur Beschlussfassung vorgelegt
werden.
Mit der Initiative zur Entwicklung einer europäischen Kinderkulturcharta
entspricht die Stadt Kassel dem Beschluss der UN-Vollversammlung vom 20.
Dezember 2002, für die Jahre 2005 bis 2014 die Weltdekade „Bildung für
nachhaltige Entwicklung“ (Education for sustainable development)
auszurufen. Mit der operativen Umsetzung wurde die UNESCO beauftragt.
Die Deutsche UNESCO-Kommission hat im Jahre 2003 während ihrer 63.
Hauptversammlung folgende Erklärung verabschiedet:
„Die Orientierung der Kultur- und Bildungsinstitutionen und der
Bildungsinhalte auf das Leitbild nachhaltiger Entwicklung ist eine
grenzüberschreitende, weltweite Gemeinschaftsaufgabe, für die Erfahrungen
und Ideen aus allen Ländern zusammengetragen werden müssen. Dabei geht es
nicht nur um Schulen, Hochschulen, Weiterbildungseinrichtungen oder
Forschungsinstitute: Lernorte sind auch Kindergärten, Vereine, Betriebe,
Familien. Es bedarf der Veränderung von Einstellungen, Denkstilen und
Verhaltensweisen der gesamten Bevölkerung.“
In einem von der UNESCO-Kommission empfohlenen Aktionsplan zur „Allianz
Nachhaltigkeit lernen“ heißt es: „Lehrbücher, Curricula und
Prüfungskriterien müssen im Licht der Agenda-21-Ziele überarbeitet werden.
Naturwissenschaftliche Kenntnisse, interkulturelle Kompetenz und die
Entwicklung umfassender Gestaltungsfähigkeiten sind dabei ebenso wichtig
wie die Vermittlung nachhaltiger Konsumgewohnheiten. Bildung für
nachhaltige Entwicklung erfordert einen interdisziplinären,
handlungsorientierten Unterricht, innovative Konzepte und
fächerintegrierende Unterrichtsmaterialien (z.B. Agenda-21-Boxen).
Insbesondere Kindergärten und Grundschulen benötigen fachkundige
Begleitung und geeignete Materialien.“
Das Kasseler Kinder- und Jugendnetzwerk ist bereits eine gute Grundlage
für die Entwicklung einer Europäischen Kinderkulturcharta.In Kassel werden
diese Ziele vom Kinder- und Jugendnetzwerk umgesetzt. Es gibt Kindern und
Jugendlichen die Möglichkeit, durch lokale Vernetzung ihre Projekte selbst
umzusetzen. Es macht soziale und kulturelle Infrastrukturen sichtbar,
gemeinsam nutzbar und bietet eine Plattform und einen Infopool für
Anbieter der Kinder- und Jugendarbeit, für Kunst, Kultur, Sport und
Berufsfindung (www.kinderjugendkassel.de). Es nutzt das Internet als
Instrument der Vernetzung, vermittelt Medienkompetenz und lokales
Know-how, hilft die besten Partner zu finden und führt mit
Kooperationspartnern modellhafte Projekte durch. Es knüpft europäische
Kontakte (z.B. internationale Jugendbegegnungen). Dabei stehen die
gemeinsamen Inhalte im Vordergrund und nicht die Träger (Kooperation statt
Konkurrenz). So erhalten Kinder und Jugendliche – wie z.B. bei den
vielfältigen Aktivitäten zur Documenta11 erfolgreich erlebbar – in ihrem
Engagement
Unterstützung, Kinderkunst und Jugendkultur werden akzeptiert und erfahren
Wertschätzung.
Kinder und Jugendliche werden in ihrem Engagement bestätigt und anerkannt
und finden Kooperationspartner und/oder finanzielle Unterstützung. Die
lokale Selbstorganisation von Jugendlichen in Projekten bekommt ihren
Platz.
Dafür erhielt das Kasseler Kinder- und Jugendnetzwerk im September 2002
mit dem Bundesjugendförderpreis Pro Futura „Der Jugend eine Zukunft e.V.“.
eine Auszeichnung. Das Kinder- und Jugendnetzwerk für Kassel hat sich zum
Ziel gesetzt, Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, die für
sie wichtigen Inhalte gleichberechtigt mit zu entwickeln. Kinder und
Jugendliche sind die Spezialisten ihrer eigenen Belange. Dies betrifft die
gesamte Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen.
Das Kinder- und Jugendnetzwerk hat eine Struktur entwickelt, die es
Kindern und Jugendlichen ermöglicht, aktiv zu werden,
anstatt von Angeboten abhängig zu sein. Es schafft Transparenz von
sozialen und kulturellen Entscheidungsstrukturen. Einige Ergebnisse der
Kooperationskultur im Kinder- und Jugendnetzwerk in Kassel sind:
• Offene Kunstwerkstatt von Jugendlichen zur künstlerischen
Auseinandersetzung mit der Documenta11
• Die Unterstützung eines internationalen Jugendcafés durch Jugendliche
• Stadtweite Vernetzungsspiele für Kinder (Puzzle Ahoi, Tiere in der
Stadt)
• Internationale Graffiti-Ausstellung, durchgeführt von Jugendlichen und
jungen Erwachsenen
• Mitgestaltung der Website www.kinderjugendkassel.de (Rubriken: Comic,
Stadteilrundgänge, Skaten, Mädchen, Graffiti …)
Kultur soll nicht nur vermittelt, sondern im Dialog mit Kindern und
Jugendlichen erarbeitet werden. Das Kinder- und Jugendnetzwerk arbeitet
bereichs- und trägerübergreifend, um flexibel und schnell auf die
Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen zu reagieren.
Initiatoren:
Bettina Malorny, Kinder- und Jugendbeauftragte der Stadt Kassel, Kinder-
und Jugendbüro,
Kommunales Jugendbildungswerk, Kinder- und Jugendnetzwerk
Kinder- und
Jugendfreundlichkeitsprüfung von Kasseler Kulturinstitutionen
Wenn kulturelle Angebote zu wenig Zulauf von Kindern
und Jugendlichen bekommen, liegt das oft weniger an den „Kunden“ als
vielmehr am „Produkt“. Deshalb sollen bei dem Projekt „Lisa statt Pisa“
Kinder und Jugendliche Kulturangebote gezielt überprüfen und dann
Vorschläge dazu machen, was sich nach ihrer Meinung ändern muss. Gemeinsam
mit den Erwachsenen entwickeln sie dann Konzepte, damit Angebote „kinder-
und jugendfreundlich“ werden können.
Idee/Umsetzung
„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“, sagt der Volksmund, und
das gilt auch für die Nutzung und Wertschätzung kultureller Angebote.
Zahlreiche Museen müssen sich heute mit Besucherrückgängen
auseinandersetzen, auch andere Kultureinrichtungen müssen erleben, dass
sie junge Zielgruppen zunehmend weniger erreichen.
Auf der anderen Seite ist für einen Großteil der Kinder und Jugendlichen
der regelmäßige Museums- oder Theaterbesuch nicht selbstverständlich,
häufig genug ist das dort Erlebte für die Kinder dann auch kaum Ansporn
und Motivation für „Wiederholungstaten“.
Viele Angebote sind weder „kindergerecht“, noch haben sie diesen Anspruch
für sich überhaupt systematisch formuliert. Viele positive Beispiele in
anderen (europäischen) Ländern – unter anderem in Skandinavien – belegen,
dass die Akzeptanz z. B. von Museumseinrichtungen signifikant gesteigert
werden kann, wenn es gelingt, „kinder- und familienrelevante
Erfolgsfaktoren“ bei Konzeption, Umsetzung und Betrieb gezielt zu
berücksichtigen.
Das Projekt „Lisa statt Pisa“ wird der Frage nachgehen, wie vorhandene
Angebote geändert, ergänzt und verbessert werden können, um sie
insbesondere auch für Kinder, Jugendliche und Familien interessanter und
besser verfügbar zu machen. Bei der „Kindertauglichkeitsprüfung Kasseler
Kultureinrichtungen“ sollen ganz konkret jene Faktoren, Aspekte und
Bedingungen benannt werden, die für die Akzeptanz der jungen Zielgruppen
maßgeblich sind, um damit den vorhandenen
Kultureinrichtungen und -institutionen Hinweise für die Optimierung an die
Hand zu geben.
Umsetzung
Eine Gruppe von Mitarbeitern, die bereits an Beteiligungsprojekten mit
Kindern arbeiten, knüpft Kontakte, um weitere Akteure zur Teilnahme an der
Kinderfreundlichkeitsprüfung zu gewinnen: Kunststudenten der Uni Kassel,
Mitarbeiter von Angeboten für behinderte Kinder, Schulen,
Kindertagesstätten, Jugendhäuser. Bestehende Modellprojekte (Kindermuseen
u.ä.) werden besucht, eingeladen (z.B. das „Museum im Koffer“ aus Nürnberg
) und analysiert. Erfolgskriterien werden zusammen mit Fachleuten (z.B.
Museums- und Theaterpädagogen, Medienwissenschaftler
u.a.) entwickelt. Parallel werden von Anfang an gemeinsam mit den Kindern
Prüfkriterien erarbeitet und Kulturangebote geprüft.
Öffentlichkeitswirksame Aktionen – z.B. verteilen Kinder als
„Museumsdetektive“ Noten für kindgerechte Angebote – verdeutlichen
Anliegen und praktisches Vorgehen. Der Prozess wird in Bild und Film
dokumentiert.
Ein Logo „Kinderfreundliche Kultur“ wird entwickelt. Immer mehr Kasseler
Einrichtungen werden überprüft, erhalten Hinweise für Verbesserungen und –
bei erfolgreichem Bestehen – das Logo. Aus den Erfahrungen wird ein
Prototyp „Kinderfreundliches Kulturangebot“ entwickelt. Im Jahr der
Kulturhauptstadt wird das Prüfverfahren wiederholt und mit den Ergebnissen
von 2005 verglichen.
Initiatorinnen:
Petra Meyer, Städtische Jugendförderung
Astrid Flebbe, Zirkus Buntmaus
Bettina Malorny, Städtische Kinder- und Jugendbeauftragte
Jutta Arbter, Stadtmarketing
Haupt- und Realschüler
erleben Kunst hautnah und gestalten ihre Schule selbst
Unter Haupt- und Realschülern ist der Anteil derer,
die kaum oder nie ein Museum besuchen, oft sehr hoch. Mit diesem Projekt
sollen solche Schüler auf ganz praktische Art und Weise an das kulturelle
Erbe herangeführt werden. Sie besuchen nicht nur eine Ausstellung, sie
beschäftigen sich auch selbst mit dem Handwerk, mit dem zum Beispiel die
Alten Meister berühmt wurden. Bisher zeigt das Feedback von 14 Gruppen,
dass die Jugendlichen überrascht sind, wie interessant ein Museum ist. Die
meisten waren das erste Mal dort. Die Erfahrungen mit einer Schule sollen
auf weitere Schulen in Kassel übertragen werden. Angesichts des Zustandes
vieler Schulgebäude können Schüler die erworbenen Techniken anschließend
unter Anleitung einsetzen, um ihre Schule kreativ zu gestalten.
Idee/Umsetzung
Seit anderthalb Jahren arbeitet die KunstWerkstatt Kassel mit der
Carl-Schomburg-Schule an einem künstlerischen Projekt mit Haupt- und
Realschülern. In einem entsprechenden Vertrag ist auch die Finanzierung
geregelt. Einmal wöchentlich kommt eine Klasse (etwa 22 bis 26 Schüler) in
das Atelier der KunstWerkstatt. Dort wird die Klasse in zwei Gruppen
geteilt, eine Gruppe arbeitet im Malatelier, die andere im plastischen
Bereich. Das Atelier mit der Schmiede, der Töpferei, der Holzwerkstatt,
dem Metallbereich sowie der Mal- und Zeichenabteilung bietet ein breites
Spektrum künstlerischer Mittel.
Seit Februar 2003 erproben die KunstWerkstatt und die Museumspädagogik der
Staatlichen Museen Kassel neue Kooperationsformen. In der Werkstatt wird
die Klasse wieder in zwei Gruppen geteilt: Eine Gruppe arbeitet praktisch
am Ort, die andere begibt sich zu Fuß – durch den Wilhelmshöher Bergpark –
zum Schloss. In der folgenden Woche wechseln die Gruppen, so dass jeder
einmal im Museum und einmal im Atelier war. Sowohl für die künstlerische
als auch für die museumspädagogische Arbeit haben sich Gruppen von etwa
zehn Schülern bewährt: Die Schüler arbeiten wesentlich konzentrierter und
können intensiver individuell betreut werden.
In der Werkstatt arbeiten die Schüler an Staffeleien auf grundierten
Malgründen. Gemalt wird ein vom Dozenten aufgebautes Stilleben in
Acryltechnik. Im Museum wird die Verbindung zur praktischen Arbeit in der
KunstWerkstatt hergestellt: Eine Auswahl von niederländischen Stillleben
aus dem 16. und 17. Jahrhundert wird gemeinsam betrachtet und besprochen.
Um eine ganzheitliche Beschäftigung mit dem Thema Stillleben zu erreichen,
wird im Anschluss an das Museumsgespräch der
Gruppe eine kreative Aufgabe gestellt. Die Museumspädagoginnen bauen dafür
zum Beispiel ein modernes und ein historisches Stillleben auf, das von den
Schülern verändert werden kann. Gemeinsam wird dann beraten, welche
„Lösungen“ bevorzugt werden.
In vielen Schulen wird deutlich, dass die Atmosphäre nicht gerade
förderlich für das Lernen ist: lange graue und oft schmutzige Flure ohne
jegliche Gestaltung. Nur ab und zu ein Fußabdruck oder etwas
Hingeschmiertes ist an den Wänden zu erkennen. Künftig sollen Schulgebäude
z.B. durch Wandmalerein, Skulpturen, Hinterglasmalerei, Sinnesparcours und
Gärten verschönert werden. Wenn die Schüler diese Aufgabe selbst
übernehmen, bekommen sie durch die eigene künstlerische
Arbeit eine Beziehung zu den Maßnahmen – zudem wird so mutwilliger
Zerstörung vorgebeugt.
Initiatorin: Gudrun Hofrichter, KunstWerkstatt Kassel e.V.
Aktionen an
ungewöhnlichen Orten halten die Tradition des Erzählens in der Region am
Leben
Das Märchentheater am Märchenlandweg hält die
weltbekannte Tradition der Grimmschen Märchen in der Region lebendig –
sowohl für seine Bewohner als auch für die Besucher. Märchen-Theaterstücke
werden dabei bereits seit dem Jahre 2000 erfolgreich an ungewöhnlichen
Orten aufgeführt: in Mühlen, Regionalmuseen, Scheunen, Burgen und
Schlössern, aber auch an Orten im Wald, die erst nach zwei Stunden
Wanderung zu erreichen sind. Dabei ist ganz nebenbei noch deutlich
geworden,
dass Kinderkultur eine Art „Wirtschaftsförderung“ ist, weil dadurch
Arbeitsplätze entstehen. Die moderne Form des Märchenerzählens soll
künftig in ganz Europa verbreitet werden, indem Kontakt zu Künstlern,
Kindern und Initiativen in anderen Regionen aufgenommen wird. Viele
sinnliche Erfahrungen, vom Schauen, Hören, Schmecken, Riechen, Wandern bis
hin zum Selbermachen.
Idee/Umsetzung
Einer der wesentlichen Schätze Kassels und der Region sind die
Märchensammlungen der Brüder Grimm. Die Gemeinden im Landkreis Kassel
haben in Zusammenarbeit mit dem Verein „Region Kassel-Land“ e.V. den
„Märchenlandweg“ entwickelt. Das ist ein Wanderweg mit einer Gesamtlänge
von rund 350 Kilometern, der zu den 30 sagen- und märchenhaften Orten in
und um Kassel führt. Der Hessisch-Waldeckische Gebirgsverein organisiert
geführte Wanderungen, außerdem gibt es ein vielfältiges kulturelles
Programm zum Thema Märchen mit Theater, Erzählungen, Ausstellungen und
Musik. Das Kasseler Kindertheaterbürooo bietet seit 2000 – jeweils im Mai
und Juni jedes Jahres – Aufführungen entlang dieses Weges an. Im Jahre
2003 haben sich 25 Gemeinden an dem Projekt „Märchentheater am
Märchenlandweg“ beteiligt. Inzwischen haben 3.000 Besucher 40 Aufführungen
gesehen. Alle Generationen nehmen das Angebot wahr, inzwischen kommen auch
Besucher aus Nachbarbundesländern.
Ungewöhnliche Orte entlang des Märchenlandwegs bieten den
geschichtsträchtigen Hintergrund für die ungewöhnlichen
Theateraufführungen. So werden mehrere Fliegen mit einer Klappe
geschlagen. Die Theater gehen aufs Land, die Zuschauer reisen von einem
Ort zum anderen und lernen so die Region und ihre Vorzüge kennen.
Verschiedene kulturelle Initiativen und Institutionen werden miteinander
verknüpft. Nach dem Besuch der Theateraufführung ist der Besuch eines
Museums
oder einer Ausstellung möglich. Daneben wird gemeinsam gekocht und
gegessen. Menschen unterschiedlichen Alters kommen so zusammen. So
profitiert der Tagestourismus und mittlerweile auch der
Wochenendtourismus.
Die Vernetzung der Orte untereinander ist bereits vorbildlich, auch die
Einbindung unterschiedlicher Initiativen und Institutionen vor Ort, bis
hin zum historischen Dampfzug „Hessencourrier“, der einige
Veranstaltungsorte anfährt. Ein Versuchsprojekt Schreibwerkstatt –
gemeinsam mit der AWO-Stiftung – hat im Jahre 2003 gezeigt, dass es gute
Kooperationsmöglichkeiten mit Schulen und Horten geben kann: Kinder
schreiben Märchen aus den unterschiedlichen Sichtweisen der handelnden
Figuren. Die Kinder tauchen so tiefer in die Struktur und das Wesen der
Märchen ein, bekommen zusätzliche Spiel- und Schreibimpulse und arbeiten
an einer gemeinsamen kulturellen Basis der Region. Bis zum Jahre 2010 soll
das Projekt um einige Bausteine erweitert werden.
Auf europäischer Ebene soll es zu Arbeitskontakten mit der Emilia Romagna
in Italien und dem Waldviertel in Österreich kommen, beides
Partnerregionen des Landkreises Kassel, die vorbildliche europäische
Kindertheaterprojekte realisieren: „La Baracca“ ist ein europäisches
Zentrum des Theaters und der Kunst für Kinder und Jugendliche in Bologna
und „szene bunte wähne“ in Wien das größte europäische
Kindertheaterfestival. Hinzu soll sich eine Initiative aus den neuen
EU-Ländern
gesellen. Auch die beiden Kasseler Theater Laku Paka und das
Spielraum-Theater gelten in Europa als künstlerisch vorbildlich.
In der Region werden an verschiedenen Orten Schriftbilder mit Zitaten aus
Grimm’schen Märchen angebracht, die zum Lesen und zur Auseinandersetzung
mit den Inhalten führen sollen. Möglich sind auch größer angelegte
Theaterproduktionen wie z.B. „Die Viehmännin“ (eine Geschichte über
Dorothea Viehmann, die den Grimms eine Vielzahl der Märchenstoffe
lieferte), dabei ist auch eine bildnerisch-künstlerische
Auseinandersetzung als weitere Entwicklungsstufe des Projekts möglich.
Erzählwerkstätten auf europäischer Ebene, auf denen sich ausgezeichnete
europäische Theater treffen, runden das Programm ab. Eine Anbindung an das
für die Kulturhauptstadtbewerbung geplante Grimm-Festival in Kassel ist
beabsichtigt. Außerdem ist eine Zusammenarbeit mit dem Fernsehsender arte
angestrebt.
Initiator: Stefan Becker, Kindertheaterbürooo
Zur Mitgestaltung am
kulturellen Leben
Lebensqualität für Kinder und Jugendliche bedeutet,
Erfahrungen machen lassen, Lebensstile entwickeln, ungewöhnliche Lösungen
erproben, bedeutet, eigene generative Themen formulieren, bedeutet, sich
abgrenzen und neue Wege gehen, bedeutet Offenheit und Toleranz gegenüber
anderen Kulturen, bedeutet qualitative interkulturelle Begegnung und den
Austausch sinnstiftender Fragen und Antworten,bedeutet, sich Raum nehmen
zum kulturellen und sozialen Mitgestalten,
bedeutet Bildung und Kultur, bedeutet berufliche Ausbildung, bedeutet
Zukunft.
Bedingungen
Die Anforderung für Kinder und Jugendliche, „das kulturelle Leben und die
Stadtentwicklung mitzugestalten“, bedeutet, dass sie ihre Sicht und
Einstellung von Lebensqualität erkennen und beschreiben lernen. Eine große
Chance zur Partizipation am kulturellen Leben.
Sie bietet sich dort, wo sie der Politik, den Kulturplanern und Machern
einen Spiegel ihrer Erfahrungen, Bedürfnisse und generativen Themen
vorhalten können, der neues Licht aus einer anderen Perspektive in die
Kulturdiskussion bringt und zum Umdenken anregt. Die originäre Aufgabe von
Kindern und Jugendlichen wäre in diesem Kontext die eines
„Kinderkulturberaters“ in eigener Sache.
Gerontologische Perspektive
Im Kontext einer gerontologischen Perspektive sind die Anforderungen und
Bedingungen für die sogenannten „Alten“ in unserer Gesellschaft mit der
Prämisse „Mehr Raum geben im kulturellen Wandel und Leben“ ähnlich
gewichtet, sofern es sich um Lebensqualität, Partizipation und
Zukunftsfragen handelt. Beide Altersgruppen befinden sich im Umbruch, auf
dem Weg in eine neue Lebensphase, in der sie sich neu orientieren und
finden müssen. Es ist wichtig und erkenntnisfördernd, die Erfahrungen,
Vorstellungen und Bedürfnisse dieser Altersgruppe in kulturelle und urbane
Planungsprozesse mit einzubeziehen. Interkulturelle Spielfilmprojekte mit
dieser Altersgruppe würden eine vollkommen neue Qualität des methodischen
Ansatzes und der inhaltlichen Bearbeitung dieses Themenbereichs
darstellen. Das fordert besondere pädagogische Angebote, die zu einem
veränderten Handeln und Umdenken motivieren und gleichzeitig Außenwirkung
in den Stadtteil haben.
Prozessorientierte Spielfilmarbeit orientiert sich ausschließlich an den
eigenen generativen Alltagserfahrungen der Teilnehmer, an den selbst
erlebten biografischen Geschichten. Mit dieser Methode treten die
Teilnehmer als Erzähler und Schauspieler in ihr eigenes Leben zurück. Sie
spiegeln und reflektieren Vergangenes und Gegenwärtiges. Sie beschreiben
sich selbst und die Erfahrungen, Einstellungen und Geschichten der anderen
aus einer neuen Perspektive und stellen sie dar. Diese Methode bietet sich
in besonderem Maße für die thematische Auseinandersetzung mit kulturellen,
sozialpolitischen und ökologischen Fragestellungen im Kontext der eigenen
Betroffenheit an.
Mit spannend gemachten realistischen Kurz-Spielfilmen kann sich Schule und
Jugendzentrum in der Jugendszene, in stadtteilbezogene Jugendmilieus, in
Jugendzentren und im eigenen schulischen Kontext in die Diskussion über
Alltagserfahrungen, Kultur und Lebensqualität einmischen. Bei der
filmischen Umsetzung der Geschichten in einen professionellen Spielfilm
werden die Teilnehmer von ausgebildeten Medienteamern betreut, die für die
technisch-dramaturgische Gestaltung der Filme verantwortlich sind.
Ziele und Schwerpunkte
Das übergeordnete Ziel der Spielfilmprojekte ist es, positive
Veränderungen der Reflexionsfähigkeit und des Sozialverhaltens bei den
Teilnehmern im Prozess der Zusammenarbeit zu bewirken. Es soll die
Erkenntnis vermittelt werden, dass das kulturelle Leben in einer Stadt
sich für einen selbst erst dann öffnet, wenn man seine Bedürfnisse
erkennt, sie artikuliert, einfordert und aktiv mitgestaltet. Es sollen
Erfahrungen zum Erkennen von Gemeinsamkeiten gemacht werden, um das
„Fremde“ als „anders“ zu begreifen, nicht aber als ethnisch oder kulturell
schlechter oder besser.
Schlüsselqualifikationen
Medienarbeit und explizit Spielfilmarbeit gelingt nur als perfektionierte
Teamarbeit, oder das Projektziel, ein gut gemachter Spielfilm, wird nicht
erreicht. Teamarbeit vermittelt das Gefühl für Fairness, Disziplin,
Grenzen, Regeln und Verbindlichkeiten. Teamarbeit vermittelt die Begegnung
mit andersartigem Denken und Handeln im Team, mit dem man sich aktiv in
metatheoretischen Reflexionsprozessen auseinandersetzen muss. Teamarbeit
vermittelt, das „Andersartige“, das „Fremde“ zu tolerieren, es als
„anders“ zu begreifen, nicht um es zu lieben, sondern um es gelten zu
lassen, ohne Wertung von „besser“ oder „schlechter“.
Aktivitäten zum Oberthema Lebensqualität
Mit Schülern, Jugendgruppen, Erwachsenen ab 15 Jahren, ca. 8 bis 12
Teilnehmer pro Gruppe, sollen Spielfilmworkshops durchgeführt werden,
deren zeitlicher Umfang in Zeitblöcken ca. 15 bis 20 Tage pro Film
beträgt. Oberthema: Lebensqualität. Unterthemen könnten sein: Familie,
Schule, Ausbildung, Beruf, Fernsehen, Computer, Gewalt, Rassismus,
Sexismus, Eitelkeit, Alkohol, Drogen etc. Die Filme werden jeweils am Ende
des Projektes in Abendveranstaltungen öffentlich vorgeführt und mit den
Zuschauern diskutiert. Die Filme sollen in weiteren Veranstaltungen in
anderen Schulen und Jugendzentren von den Schülern vorgeführt und
diskutiert werden.
Austauschkonzepte
Die Ausweitung des Kasseler Medien- und Kulturprojektes auf (Kassels)
europäische Partnerstädte hat gemeinsame aktive Spielfilmprojekte zum
Ziel. Die gestalterische Arbeit in gemeinsamen künstlerisch-kulturellen
Projekten fördert in einer qualitativen interkulturellen Begegnung die
Auseinandersetzung mit sinnstiftenden Fragen der eigenen und fremden
Alltagsrealität, die Relevanz kulturellen Lebens und individueller
Lebensqualität. Die persönlichen und gemeinsamen Erfahrungen von Kultur-
und Lebensqualität und Visionen urbaner Zukunftsgestaltung können in
Medienproduktionen sichtbar gemacht werden. Sie können dazu beitragen, in
aktiven kulturell-künstlerischen Kooperationsprojekten die europäischen
Partnerschaften weiterzuentwickeln, die in ein aktives Projekt Kulturnetz
europäischer Partnerstädte münden könnten.
Initiator: Dr. Reinhard Nolle, Universität Kassel
In Workshops und Tagungen für junge Migranten sollen
Themen wie „Europäische Grundwerte“ oder „Religionen und Gewalt“ behandelt
werden, um den Gefahren des Fundamentalismus und der Gewaltverherrlichung
präventiv zu begegnen.
Initiator: Murat Cakir, Europa Dialog – Zentrum für integratives Handeln
und Weiterbildung e.V.
Kinder- und
Jugendbibliothek erweitert ihren Bestand um Medien in der Muttersprache
von Migranten
Die Kinder- und Jugendabteilung der Kasseler
Stadtbibliothek will künftig auch viele Medien in den Muttersprachen der
Zuwanderer und auch Lesungen, Puppentheateraufführungen und mehrsprachige
Vorleseaktionen anbieten. Mehr als 13 Prozent der Bürger in Kassel stammen
aus anderen Kulturkreisen. Die Kinder dieser Familien benötigen für ihre
Sprachentwicklung Medien in der jeweiligen Muttersprache. Denn Integration
bedeutet nicht nur, das Erlernen der deutschen Sprache zu fördern. Die
Akzeptanz der Muttersprache ist besonders für die emotionale Identität der
Kinder von großer Bedeutung.
Für Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, gibt es in Kassel
bisher kaum Möglichkeiten, Medien (Bücher, Zeitschriften, Kassetten,
CD-ROMs, CDs, DVDs u.ä.) in ihrer eigenen Sprache zu bekommen. Die
Stadtbibliothek Kassel mit ihrer Kinder- und Jugendbücherei und ihren
Schul- und Stadtteilbibliotheken besitzt solches Material nur in geringem
Umfang.In den Einrichtungen der Stadtbibliothek sind Kinder und
Jugendliche vieler Nationen vertreten. Als Aufenthaltsort mit einem hohen
Freizeitwert ist die Bibliothek bei ausländischen Kindern und Jugendlichen
sehr beliebt. Durch ein Angebot von Literatur in den Muttersprachen
unterstützt die Bibliothek die Wahrung der kulturellen Identität und hilft
gleichzeitig bei der Integration in den deutschen Kulturkreis.
Mehrsprachige Medien helfen Kindern beim Sprachenlernen und vermitteln
Informationen über die Lebenssituation von Kindern und deren Kulturen in
der ganzen Welt. Deshalb ist auch für deutschsprachige Kinder ein solches
Medienangebot sehr wichtig. Die Fähigkeit, eine oder mehrere Fremdsprachen
zu erlernen, ist darüber hinaus eine wichtige Grundlage für die berufliche
Zukunft.
Multikulturalität baut auf der Gleichwertigkeit der verschiedenen Kulturen
auf. Bibliotheken können diese Gleichwertigkeit zum Ausdruck bringen,
indem sie viele Kulturen durch ihre Medien zu Wort kommen lassen. Durch
freien Zugang zu mehrsprachigen Medien wird die Chancengleichheit
verstärkt. Das Verständnis für andere Kulturen wird gefördert, indem Raum
für Austausch und interkulturelle Begegnungen geschaffen wird. Die
Schwerpunkte beim Bestandsaufbau sollen sich zunächst an den europäischen
Sprachen und in Kassel häufig gesprochenen Sprachen, wie z.B. Englisch,
Französisch, Italienisch, Spanisch, Türkisch, Serbokroatisch, Russisch,
Polnisch, orientieren. Bei Bedarf kann die Bibliothek auf Nachfragen
reagieren und andere Sprachbereiche ergänzen, wie z.B. Arabisch, Farsi,
Chinesisch, Japanisch. Das Medienangebot wird sich am Toleranzprinzip
orientieren. Dazu bedarf es beim Bestandsaufbau der Kooperation mit dem
Ausländerbeirat der Stadt Kassel, internationalen Vereinen und Verbänden,
der Volkshochschule, Institutionen und Bibliotheken anderer Länder. Bei
der Vermittlung und interkulturellen Erziehung arbeitet die Bibliothek eng
mit Kindertagesstätten und Schulen zusammen. Neben dem Medienangebot will
die Bibliothek ihr Anliegen durch Veranstaltungen vermitteln.
Gedacht ist an Lesungen mit Autoren und Übersetzern sowie mehrsprachige
Vorleseaktionen oder mehrsprachige Kinder- und Puppentheateraufführungen.
Initiatorinnen:
Andrea Hilgenberg, Martina Krippner, Stadtbibliothek – Kinder- und
Jugendbücherei |