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Musik fördern

10.1. Alte Musik in einem neuen Licht

In Kassel etabliert sich ein Forum für eine ganz besondere Sparte der Musik

Alte Musik, interpretiert von „historisch informierten“ Musikern, hat sich in den letzten Jahrzehnten neben der klassischen Symphonik und Kammermusik sowie der Neuen Musik einen festen, eigenständigen Platz erobert. Im Zuge der Kulturhauptstadtbewerbung soll in Kassel ein Forum für Alte Musik geschaffen werden – im übertragenen und im Wortsinne.
Denn einerseits wird eine Konzertreihe kreiert, die sich dieser Musik-Sparte widmet, zum andern soll ein institutionalisiertes „Forum“ entstehen, das mit Ausstellungen, Veranstaltungen und Veröffentlichungen die Alte Musik in ein neues Licht stellt. Kassel bietet für ein solches Vorhaben beste Vorausetzungen, da die Stadt seit 50 Jahren das in der Bundesrepublik einzigartige Deutsche Musikgeschichtliche Archiv besitzt.
Eine Konzertreihe für Alte Musik wird von Februar bis November im Jahre 2010 stattfinden. Geplant sind Konzerte, die in der Abfolge einen Gang durch die Musikgeschichte darbieten, beginnend im späten Mittelalter (2. Hälfte des 14. Jh.), endend in der 1. Hälfte des 19. Jh., monatlich um ein halbes Jahrhundert voranschreitend. Eine zweite Reihe deckt denselben Zeitraum ab, beginnt aber um zwei oder drei Jahrhunderte versetzt; so fände in jedem Monat ein Konzert pro Reihe statt, zusammen 20 Konzerte mit verschiedenen Ensembles und Solisten, aber unter einem gemeinsamen Motto.
Vorrangig sollen Kasseler Komponisten einbezogen und in einen Zusammenhang mit der europäischen oder deutschen Musik ihrer Zeit gestellt werden. Neben Vertretern wie Heinrich Schütz gehören auch Valentin Otto, Johannes Heugel oder Landgraf Moritz dazu.
Für die Konzerte sollen in Kassel solche Orte gewählt werden, an denen sich ein historischer Bezug aufzeigen lässt. Konzerträume sind ebenso denkbar wie Industriegebäude oder öffentliche Plätze. Höhepunkt ist ein Open-Air-Konzert im Sommer, das an verschiedenen Orten in Kassel (und anderen europäischen Metropolen, z. B. früheren europäischen Kulturhauptstädten) gleichzeitig stattfindet und alle Möglichkeiten der im Jahre 2010 verfügbaren Übertragungs- und Videotechnik nutzt.
Mit einer Tonträger-Edition werden die Konzerte für die Zukunft konserviert. Spätestens zum 1. Januar 2010 erscheint ein Katalog mit Erläuterungen zu allen Konzerten. Vorab gibt es eine CD mit Klangbeispielen aller eingeladenen Ensembles – die auch in einer geplanten Dauerausstellung eingesetzt werden kann, um Hörbeispiele für die Musikstile der verschiedenen Konzerte zu liefern und so zum Besuch der Konzerte zu animieren.
Initiiert wurde das Projekt vom Deutschen Musikgeschichtlichen Archiv in Kassel, das im Oktober 2004 50 Jahre alt wird. Für das Jubiläumsjahr ist eine Ausstellung zur Geschichte der Musiknotation in der Kasseler Sparkasse mit einem musikalischem Rahmenprogramm geplant. Der Höhepunkt ist ein Konzert des Ensembles „La Stagione“ aus Frankfurt mit instrumental-weltlichem Repertoire des 18. Jahrhunderts sowie ein Konzert mit dem Vokalensemble „Symphonia Sacra“ aus Salzburg, das geistliches Repertoire des 17. Jahrhunderts darbietet.
Das Musikgeschichtliche Archiv plant für das Kulturhauptstadtprojekt eine Begleitausstellung zu einem Schwerpunkt (z. B. Änderungen der Musikpraxis; Notenschrift; Verhältnis Komponist-Musiker-Gesellschaft zwischen 1350 und 1800). Das Archiv hat zudem ein Konzept für ein „Forum Alte Musik“ entwickelt. Dieses Forum bietet:
• eine Dauerausstellung zur deutschen Musikgeschichte und ihren europäischen Aspekten
• Begleitung zu den Konzerten (Informationen, Vorträge)
• Referate, Seminare, Workshops zu den Grundproblemen der Aufführung Alter Musik

Im „Forum“ werden verschiedene Themen multimedial aufbereitet, z. B. „Vom Archiv aufs Notenpult“, „Probenarbeit“, „Historische Klänge“, „Musikproduktion“.

Initiator: Rainer Birkendorf, Deutsches Musikgeschichtliches Archiv

 

10.2. Auf den Spuren europäischer Komponistinnen

Kasseler Konzertreihe "Komponistinnen und ihr Werk" widmet sich osteuropäischer Musik

Wohl in kaum einer anderen Stadt Deutschlands finden Frauen als Schöpferinnen von Kompositionen eine solche Beachtung wie in Kassel. Dafür sorgt seit über einem Jahrzehnt die inzwischen europaweit anerkannte Konzertreihe „Komponistinnen und ihr Werk“. Der Austausch mit Komponistinnen, Musik-Ensembles und Musikinstitutionen anderer Länder gehörte von Anfang an zu den Hauptgedanken der Konzeption. Dieser Austausch – vor allem mit den Ländern Osteuropas – soll
bis 2010 intensiviert werden. Komponistinnen sollen nach Kassel eingeladen werden, um zu komponieren und Ergebnisse ihrer Arbeit zu präsentieren. Daneben sind Konzerte mit diesen Kompositionen in anderen Ländern geplant.
Ab 2004 soll jedes Jahr der Fokus auf jeweils ein europäisches Land gerichtet werden, unter besonderer Berücksichtigung der neuen EU-Länder oder solcher, die es werden wollen. Das Jahr 2010 widmet sich Deutschland. In jedem Jahr findet eine dreitägige Veranstaltung „Komponistinnen und ihr Werk in Europa“ mit drei Konzerten statt – ausgerichtet auf das jeweilige Land. Die Programmpunkte sind ein Porträtkonzert einer herausragenden Komponistin, ein Konzert mit Alter und Neuer Musik sowie ein gemischtes Konzert mit Werken von Komponistinnen aus Deutschland und dem ausgewählten Land. Außer den Konzerten wird in einem Vortrag die Situation der Musik, speziell die von Komponistinnen, des jeweiligen Landes beleuchtet. In einem Roundtable-Gespräch werden Unterschiede und Ähnlichkeiten der Länder im Bereich Musik herausgearbeitet und Wege der weiteren Zusammenarbeit gesucht. Es wird angestrebt, die gesamte Veranstaltung sowohl in Kassel wie auch in dem jeweiligen Land stattfinden zu lassen. Bereits bestehende Verbindungen zu Musikhochschulen, Universitäten, Konzertveranstaltern und Opernhäusern in verschiedenen europäischen Ländern werden hierfür genutzt und ausgebaut.
Für mindestens drei Monate wird eine junge herausragende Komponistin des vorzustellenden Landes nach Kassel eingeladen. Sie erhält die Aufgabe, mindestens ein neues Werk zu komponieren, welches in dem ihr gewidmeten Porträtkonzert aufgeführt wird. Bei diesen Projekten ist eine Zusammenarbeit mit dem Orchester des Staatstheaters Kassel denkbar, um dort eine Oper oder ein Orchesterwerk einer Komponistin aufzuführen – möglichst auch unter dem Dirigat einer Komponistin. Darüber hinaus
wird eine Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk, dem Evangelischen Forum, der Brüder Grimm-Gesellschaft, dem kammermusikverein kassel und der Universität angestrebt.
Das Jahr 2005 stellt Komponistinnen aus Rumänien vor. Angefragt ist die Aufführung von Murnaus Stummfilm „Tabu“ mit der Musik der aus Rumänien stammenden Komponistin Violeta Dinescu – in Zusammenarbeit mit den BALi-Kinos, dem Filmladen Kassel und dem Verein Freunde des Stadtmuseums Kassel e.V. Das gesamte Projekt findet außer in Kassel auch in Bukarest statt – in Zusammenarbeit mit der dortigen Musikhochschule.
Für das Jahr 2010 wird ein europäischer Komponistinnen-Wettbewerb ausgeschrieben. Eine hochrangig besetzte Jury wähltdas Werk aus, welches 2010 in Kassel zur Aufführung kommen soll. Über drei bis vier Tage soll Kassel außerdem der Austragungsort für eine Internationale Komponistinnen-Konferenz sein. Auf dem Programm stehen Konzerte, Workshops, Vorträge sowie Diskussionsrunden. Eingeladen sind Komponistinnen, Musikerinnen der in den Jahren zuvor vorgestellten Länder, daneben international bekannte Musikkritikerinnen und Musikwissenschaftlerinnen.

Initiatorin: Christel Nies

Komponistinnen und ihr Werk
Seit 1990 existiert in Kassel die mehrfach ausgezeichnete Konzertreihe „Komponistinnen und ihr Werk“. Bis heute hat es 70 Konzerte mit Werken von Komponistinnen in Kassel und weitere Konzerte in verschiedenen europäischen Ländern gegeben. Die Reihe ist damit in ihrer Konsequenz und mit ihrem Qualitätsanspruch in Europa zu einer einmaligen Institution geworden. Sämtliche Konzerte sind in drei Buchausgaben dokumentiert. Über eine Medienpartnerschaft mit dem Hessischen Rundfunk sind Konzertmitschnitte entstanden.

 

10.3. Bestirnter Himmel

Kassel vergibt einen Kompositionsauftrag für eine Stadtsinfonie an Sofia Gubaidulina

Über einen Kompositionsauftrag mit dem Arbeitsthema „Stadtklänge in Europa“ an die russische Komponistin Sofia Gubaidulina – eine der führenden Vertreterinnen der Neuen Musik – soll eine europäische Sinfonie geschaffen werden, die im Jahr 2010 aufgeführt wird. Die Komponistin wird mit der Arbeit an der Komposition im Jahr 2008 beginnen.
Sofia Gubaidulina beschreibt ihr Kompositionsvorhaben folgendermaßen: „Zwei Dinge erfüllen das Gemüth mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender
sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir.’ Diese Worte Immanuel Kants führt der Astrophysiker Peter Kafka in seinem 1997 erschienen Beitrag zum, Atlas der Sternenbilder’ an. Weiter sagt Peter Kafka:, Selten erwachsen aus philosophischen Erwägungen so einfache geflügelte Worte. Oder ist dieser Satz Immanuel Kants nach 200 Jahren wissenschaftlichen Fortschritts überholt? Was ist uns heute der bestirnte Himmel, der einst die ersten Einblicke ins Wesen von Naturgesetzen lieferte? Das Staunen ist nicht geringer geworden, denn seltsamerweise beschäftigt sich die Erforschung fernster Himmelserscheinungen heute enger als je mit den tiefsten Fragen nach fundamentalen Gesetzen der Natur und der Weltschöpfung.’
Diese Begeisterung über den Sternenhimmel und diese Überlegungen über das Schicksal der Erde angesichts der unendlichen Ausdehnung unseres Weltalls möchte ich gern in meinem musikalischen Werk, das der Europäischen Kulturhauptstadt Kassel 2010 gewidmet sein soll, in geeigneter Weise zum Ausdruck bringen. Denn in diesem Zusammenhang ist für mich der Vorsehungscharakter der europäischen Geschichte offenkundig, angefangen beim antiken Griechenland bis in unsere Tage hinein.
Mir schwebt eine musikalische Form vor, in der von Zeit zu Zeit – gleichsam als Refrain – dieser ,bestirnte Himmel’ im Klang des Orchesters entsteht, das von leuchtenden, farbenprächtigen Lichtstrahlen unterstützt werden soll. (Vielleicht werde ich dazu Akkordklänge benötigen, die aus einer Vielzahl von Naturflageoletts bestehen, was nur mit Computerhilfe möglich wäre.) Parallel zu dieser Klangschicht (in der uns gleichsam der, bestirnte Himmel’ erscheint) durchlaufen wir den dramatischen Weg unserer, irdischen Existenz’, den Weg unserer rein menschlichen Probleme und Peripetien. Hierfür möchte ich Friedrich Hölderlins Gedicht, Die Bücher der Zeiten’ verwenden, das mit seinem sich wiederholenden Refrain (,Da steht geschrieben …’) eine geradezu musikalische Form hat. Ich benötige für mein Werk Chor, Orchester sowie Gesangs- und Instrumentalsolisten.“
Die Europäische Sinfonie wird im Jahr 2010 durch das Sinfonieorchester des Staatstheaters in der Martinskirche aufgeführt werden.

Initiatoren: Staatstheater und Kulturamt der Stadt Kassel

Sofia Gubaidulina – Zur Person
Die 1931 in Tschistopol (Tatarische Republik) geborene und seit 1992 in der Nähe von Hamburg lebende Sofia Gubaidulina gilt heute als eine der bedeutendsten lebenden Komponistinnen. Ihr Œuvre umfasst mit Ausnahme der Oper alle wichtigen musikalischen Gattungen von der Kammermusik bis hin zu großbesetzten Orchesterwerken mit und ohne Chor. Trotz der zum Teil strengen, nach bestimmten Zahlenproportionen ausgerichteten Struktur ihrer Kompositionen sind es vor allem die faszinierend vielfältigen rhythmischen Prozesse, die auch nicht geübte Hörer spontan in den Bann ziehen. Wie bei vielen prominenten Vertretern der zeitgenössischen Musik hegt auch Sofia
Gubaidulina eine ausgeprägte Vorliebe für das Schlaginstrumentarium. Ein weiteres Charakteristikum ihrer Musik ist die Verwendung historischer Materialien, zum Beispiel in Form von Zitaten aus Werken von Bach und Schütz. Als gläubiger Mensch bemüht sich Sofia Gubaidulina immer wieder um das Wiederherstellen einer Einheit, die in dem heute so dominierenden „Stakkato des Lebens“ (Zitat) zu zerbrechen droht. In diesem Sinne ist das Komponieren für sie auch ein religiöser Akt. Seit vielen Jahren besteht eine direkte Verbindung zwischen ihr und der in Kassel angesiedelten Veranstaltungsreihe „Komponistinnen und ihr Werk“.

 

10.4. Das Kulturzelt an der Drahtbrücke

Das Sommerfestival „Kulturzelt an der Drahtbrücke“ ist seit vielen Jahren nationales Aushängeschild der Stadt Kassel. Als eines der renommiertesten Musikfestivals Deutschlands gehandelt („documenta der Musikliebhaber“; FR, „Hessisches Montreux“; HR), bildet die Veranstaltungsreihe jeden Sommer sieben Wochen ein Gesamtkunstwerk aus künstlerischer Attraktion und aufgeschlossener Kommunikation.
Die musikalischen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Jazz und Weltmusik, präsentiert werden an rund 70 Konzertabenden zeitgenössische, avantgardistische und international bekannte Künstler. Alles, was Rang und Namen hat in der internationalen Jazzszene des vergangenen Jahrzehntes, ist im Kulturzelt an der Drahtbrücke zu Gehör gekommen. Das Festival findet in einem Circuszelt statt, der umgebende Gastronomiegarten hat sich begleitend zu dem Treffpunkt der Kasseler Bevölkerung etabliert.
Auf dem Weg zur Kulturhauptstadt Europas planen die Veranstalter, herausragenden Künstlern der internationalen Jazz-Szene Kooperationen zu bieten, die Festivals gewöhnlich nicht ermöglichen können. Die Musiker selbst gestalten das Festival, suchen sich musikalische Wunschpartner und präsentieren die Vielschichtigkeit ihres Genres in künstlerisch illustren Synergien. Die daraus entstehenden Formationen treten im Kulturzelt erstmals gemeinsam auf und stellen in Konzerten die
Resultate ihrer Kooperationen vor. Ein Schwerpunkt der musikalischen Reise durch das „neue Europa“ liegt in dem Thema Migration und Emigration der zweiten und dritten Auswanderergenerationen, die die musikalischen Traditionen ihrer Heimat häufig wiederentdecken und weiterentwickeln. Das Augenmerk wird auf die Aspekte der Eigenständigkeit, der Assimilation und der Kolonialisierung der Musik der Volksgruppen gelenkt. Es ist ein Wesenszug der Kunst, Grenzen zu überschreiten und der Erfolg des Festivals beruht auf einer Positionierung zwischen Regionalität und Internationalität.
Zum Jahr der Kulturhauptstadt werden ca. 350 internationale Musiker eingeladen. Das blaue Zelt, das seinen Standort auf der Karlswiese vor der Orangerie oder aber vor dem Schloss Wilhelmshöhe findet, wird Treff- und Kommunikationsort der kunstbegeisterten Welt. An 100 Tagen verlässt diese Kultur die Theater und Konzertsäle, sie findet ihren Spielort in öffentlichen und urbanen Parks. Dieser kulturelle Erlebnisraum ist eine adäquate Form und Chance der Begegnung wie der Kontemplation.

Initiator:
Verein zur Förderung von Kultur- und Kommunikationsprojekten, Angelika Umbach

 

10.5. Der Grundton für die Kasseler Musik

Kasseler Musiktage und Kultursommer Nordhessen

Die Musik spielt eine bedeutende Rolle im Bewerbungsprozess für den Titel „Kulturhauptstadt Europas“. Der Kultursommer Nordhessen mit ca. 70 Veranstaltungen von Juli bis August in der Region Nordhessen sowie die Kasseler Musiktage – eins der ältesten Musikfeste Europas – bieten eine gutes Basis für all diese Projekte.
Beide Festivals und ihre künstlerischen Leiter haben immer wieder Europa in ihren Programmen thematisiert und arbeiten mit Künstlern aus aller Welt zusammen. Sie können die Plattform für die musikalischen Projekt-Ideen der Bewerbung sein. Die dabei zustande kommende Zusammenarbeit soll nachhaltig weiter entwickelt werden und über das Jahr 2010 hinaus Früchte tragen.
Als Finale aller Kulturhauptstadtprojekte von Musik und darstellender Kunst ist ein „Hauptstadt-Sommer “ auf dem Friedrichsplatz denkbar. Mehrere Wochen findet an jedem Abend eine Veranstaltung statt. Inhaltlich wird ein vielfarbiges Spektrum geboten – von Theater über Tanz und Konzerte bis hin zu philosophischen Diskussionen. Veranstalter des „Hauptstadt-Sommers“ sind der „Kultursommer Nordhessen“ und die „Kasseler Musiktage“ in Zusammenarbeit mit anderen Kulturveranstaltern.

Initiatorin: Maren Matthes, Kasseler Musiktage und Kultursommer Nordhessen

 

10.6. Die "Wilhelmshöher Schlosskonzerte" des Hessischen Rundfunks

Der reizvolle Rahmen in der Verbindung von Kunst und Natur ist es, der den Hessischen Rundfunk vor fünf Jahren veranlasste, im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel die „Wilhelmshöher Schlosskonzerte“ ins Leben zu rufen. In den Sommermonaten Juni, Juli und August finden insgesamt sechs Konzerte in jedem Jahr an ausgewählten Plätzen des Schlosskomplexes statt.
Der Thronsaal im Weißensteinflügel, das Ballhaus und der Florasaal sind die Orte, an denen die Besucher die einmalige Atmosphäre der jeweiligen Räumlichkeiten genießen können. Dazu erklingt Kammermusik in meist ausgefallenen Besetzungen, gespielt von Ensembles aus dem In- und Ausland. Bei der Programmauswahl wird Wert auf ein vielseitiges und ansprechendes Angebot gelegt, das Bekanntes mit Ausgefallenem mischt. Nicht zuletzt kommen auch Schätze zu Gehör, die in unmittelbarer Beziehung zu Kassel stehen, z.B. die Lieder von Louis Spohr und seinem Schüler Norbert Burgmüller.
Folgende Planungen für die nächsten Jahre bestehen schon:
2004
• „Musica Latina“, Musik für zwei Gitarren aus Europa und Südamerika
• „Blütenzauber“, Duos und Trios für Flöte, Fagott und Klavier
• „Telemann und Italien“, Virtuose Kammermusik des deutschen und italienischen Barock
2005
• „Das Lautenbuch der Elisabeth von Hessen“, ein Manuskript aus der Landesbibliothek Kassel

Initiatorin: Bettina Schaefer, Hessischer Rundfunk

 

10.7. Europäischer Klangkörper

Kassel lädt Musiker aus ganz Europa zu einem Orchester-Workshop ein

In den Osterferien des Kulturhauptstadtjahres 2010 soll Kassel der Treffpunkt für Orchestermusiker aus ganz Europa werden. Sie sollen in Kassel gemeinsam musizieren, Erfahrungen austauschen, aber auch ein gemeinsames Konzert vorbereiten und aufführen, das sowohl Höhepunkt des Workshops als auch ein Glanzlicht des Kulturhauptstadtprogramms ist. Die Leitung des Workshops obliegt Generalmusikdirektor Adam Fischer (Mannheim) in enger Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Kassel.
Etwa 60 Gastmusiker werden eingeladen – die Kontakte kommen unter anderem durch eine europaweite Ausschreibung zustande. Sie sollten zwischen 20 und 26 Jahre alt sein, denn vor allem junge Musiker sollen eine Chance bekommen, sich bei diesem Workshop weiter zu bilden. Die Auswahl erfolgt auf Grund schriftlicher Bewerbungen, Empfehlungsschreiben und vorgelegten Tonmaterials. 30 Musiker stellt das Orchester des Kasseler Staatstheaters.
Die Werke, an denen die Musiker bei diesem Treffen arbeiten, sollen aus dem Schaffen von Gustav Mahler, Bela Bartók und Zoltán Kodály ausgewählt werden. Der Workshop soll ein Kulturnetz spannen, das Kassel vor allem mit den neuen Beitrittsländern der EU in Osteuropa verknüpft. Das Orchester des Kasseler Staatstheaters mit seiner über 500-jährigen Tradition will mit Klangkörpern in diesen Ländern Partnerschaften aufbauen.

Initiator: Hansgeorg Kling

 

10.8. Europa-Simultan-Konzert

Satellitenübertragung und Internet ermöglichen ein neuartiges Klangerlebnis

Das „Europa-Simultan-Konzert“ soll verschiedene Orte in Europa live miteinander vernetzen, das musikalische Ereignis wird an diesen Orten gleichzeitig stattfinden. Jeder Aufführungsort präsentiert dabei eine bestimmte Facette, einen gewissen Ausschnitt des Ganzen, stellt aber selbst auch ein vollkommenes Konzertereignis dar. Das Gesamtkunstwerk existiert im Internet und in der Fantasie des Publikums.
An mindestens drei Orten in Europa soll im Jahre 2010 zur selben Zeit ein Konzert stattfinden, an dem die jeweils beiden anderen Orte direkt beteiligt sind. Die Musiker an jedem Ort sehen und hören – per Bildschirm – die Musiker an den beiden anderen Orten.
Grundlage der von Thomas Gerwin geschaffenen Komposition ist eine grafische Partitur, die die Stimmen aller beteiligten Musiker verzeichnet. Auf diese Weise ist jeder Mitwirkende jederzeit im Bilde über den Stand und den Fortgang des Stückes. Die Koordination aller Stimmen erfolgt anhand exakter Zeitmessung über Funkuhr. In jedem Konzert stehen drei Musiker auf der Bühne, zwei Instrumentalisten mit für den Ort oder die Region typischen Instrumenten sowie ein „Soundscape-Musiker“. Dieser hat zuvor – nach bestimmten Vorgaben – Töne und Geräusche vor Ort aufgenommen und sie bearbeitet. Im Konzert spielt er sie der Partitur folgend ein. Auf diese Weise ist der jeweilige Ort im Sinne einer „Musique concrète“ im Konzert präsent.
Insgesamt entsteht dann ein Konzert mit verschiedenen Instrumenten, die teils live auf der jeweiligen Bühne, teils durch Lautsprecher-Ensemble gespielt werden und am Konzert-Ort elektronisch bearbeitet werden. Die Aufführungen an den jeweils anderen Orten werden immer per Direktübertragung über Satellit bzw. Internet zum Live-Konzert hinzugespielt.
Die mit dem Event verbundenen Vorbereitungen wie die Vor-Ort-Aufnahmen, die Proben und die Aufführungen selbst bergen ein großes PR-Potenzial, welches nicht nur auf die Veranstaltung selbst aufmerksam macht, sondern ebenfalls für eine enge und kreative Zusammenarbeit in Europa wirbt.

Initiator: Thomas Gerwin

 

10.9. Gustav-Mahler-Festtage 2005

Mahler und seine Zeit

Mahler und Kassel – eine Beziehung mit Tradition. Schon einmal hat das Kasseler Staatstheater seinem ehemaligen „Musik- und Chordirektor“ ein Festival gewidmet, im Jahr 1989. In der kommenden Spielzeit, zwischen dem 29. Mai und 4. Juni 2005, wird das Staatstheater unter Generalmusikdirektor Roberto Paternostro erneut eine Festspielreihe unter das Motto „Gustav Mahler“ stellen. Es erfüllt damit die Vision, das vielfältige und faszinierende Werk Mahlers in einem wiederkehrenden Fest an einem Ort und in größeren thematischen Zusammenhängen zu würdigen.
Stand 1989 das Schaffen Mahlers in Kassel im Mittelpunkt des Interesses, so lautet 2005 die Frage: Welchen Einfluss hatte der Komponist auf seine Zeit und ihre Musik? Was ist uns geblieben von diesem Komponisten, der wie kaum ein anderer die Brüche seiner Epoche greifbar macht? Was ist heute noch in der europäischen Kulturtradition zu finden oder spürbar?
Damit spannt das Staatstheater zugleich den Bogen zur Bewerbung Kassels als Kulturhauptstadt Europas. Der Blick ist dabei nicht nur auf eine Reflexion des Vergangenen gerichtet. Die begleitende Diskussionsveranstaltung stellt die Konzerte in den Kontext der Frage nach der Zukunft des
Klassikbetriebes überhaupt. Steckt die Klassik in der Krise? Welche Rolle und Funktion fällt der Kunst in der Gesellschaft in Zukunft zu? Der breiteren Fragestellung der Mahler-Festtage 2005 folgt die breitere Anlage: Mit Max Reger und Anton Webern stehen zwei Komponisten auf dem Festspielprogramm, in deren Schaffen sich die Einflüsse Mahlers vielfach brechen. Als Spielstätten treten die documenta- wie auch die Stadthalle neben das Opernzelt auf dem Friedrichsplatz – das
während der Schließzeit die Kasseler Oper für zwei Spielzeiten beherbergen wird.
Im Eröffnungskonzert wird Peter Ruzicka, Intendant der Salzburger Festspiele, Mahlers 9. Sinfonie sowie eines seiner eigenen Werke dirigieren, Generalmusikdirektor Roberto Paternostro die 10. Sinfonie sowie das Klavierkonzert op. 114 von Max Reger und Anton Weberns Passacaglia für Orchester op. 1. Das Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt (RSO) unter Jukka Pekka Saraste wird mit Mahlers Sinfonie Nr. 5 vertreten sein. Der Hessische Rundfunk wird sämtliche Konzerte sowie die Diskussionsveranstaltung in seinem Klassikprogramm hr2 übertragen. Kammermusikalische Darbietungen wie auch Vorträge runden das Programm ab. In Zukunft soll die Festspielreihe im regelmäßigen Turnus wiederholt werden.

Initiator: GMD Roberto Paternostro, Staatstheater

Gustav Mahler (1860 – 1911)
Mit dem 1. Oktober 1883 verpflichtete sich Mahler für drei Jahre als Zweiter Kapellmeister an das Hoftheater in Kassel. Seine Stellung war von Anfang an unbefriedigend, da er als „zweiter Mann“ nicht mit den „klassischen“ Werken betraut wurde, sondern vor allem Opern von Lortzing, Weber, Donizetti, Meyerbeer und Marschner zu betreuen hatte. Als Theaterkomponist schuf er in Kassel die Musik zu einer Darstellung von Scheffels „Trompeter von Säckingen“ in sieben lebenden Bildern. Die Partitur, die bald darauf auch von anderen deutschen Bühnen mit Erfolg verwendet wurde, ist nicht erhalten.
In der Kasseler Zeit entstanden der Zyklus „Lieder eines fahrenden Gesellen“ und die Anfänge seiner Ersten Sinfonie; zwischen beiden Werken besteht sinngemäß wie thematisch ein enger Zusammenhang.

 

10.10. Internationales Heinrich-Schütz-Fest

Ein Internationales Heinrich-Schütz-Fest im Jahr 2010 soll die europäischen und internationalen Aspekte der Musik von Heinrich Schütz beleuchten. Im Kulturhauptstadtjahr feiert die in Kassel ansässige Internationale Heinrich-Schütz-Gesellschaft ihr 80-jähriges Bestehen. Das ist ein weiterer Anlass für Konzerte, ein Symposium, eine Ausstellung und andere Veranstaltungen zum Schaffen des Komponisten.
Die Konzerte sollen Musik von Heinrich Schütz in den Kontext seiner komponierenden europäischen Zeitgenossen, Vorgänger und Nachfolger stellen. Dazu sollen Ensembles für Alte Musik mit internationalem Niveau gewonnen werden. Ein Symposion mit dem Motto „Heinrich Schütz – ein europäischer Musiker“ bietet öffentliche Vorträge, Seminare und Diskussionsrunden mit international anerkannten Wissenschaftlern.Bei einem Workshop soll die Aufführungspraxis der europäischen Musik aus der Zeit von Heinrich Schütz (spätes 16. und 17. Jahrhundert) durch beispielhafte Arbeit an ausgewählten Kompositionen demonstriert werden. Ein geschulter Chor aus in Kassel ansässigen Sängern, verstärkt durch Teilnehmer des Schütz-Festes, soll die Entstehung einer musikalischen
Interpretation in ihren einzelnen Entwicklungsstufen zeigen. Am Ende werden die Werke in gemischt vokaler und instrumentaler Besetzung aufgeführt. Als Leiter des Workshops und Dirigent konnte der Leiter der Meißner Kantorei und Rektor der Hochschule für Kirchenmusik Dresden, Kirchenmusikdirektor Prof. Dr. Christfried Brödel gewonnen werden. Die musikalische Arbeit wird wissenschaftlich begleitet von Vorträgen und Gesprächsrunden zu aufführungspraktischen Fragen der
Musik des 17. Jahrhunderts unter dem Aspekt der neuesten wissenschaftlichen Kenntnisse und der heutigen Situation.
Schütz war der erste deutsche Komponist, der – angeregt durch die Entwicklung in Italien – musikalische Bühnenwerke komponiert hat, deren Musik allerdings verloren ist. Wollte man Musik von Heinrich Schütz bühnenmäßig aufführen, so müsste ein dramatisches Szenario entwickelt und mit Werken von Schütz ausgestattet werden. Denkbar wäre ein biblisches Szenario mit Ereignissen oder Themen aus dem Alten Testament, verbunden mit Werken aus den „Psalmen Davids“ (1619). Sinnvoll wäre eine Gegenüberstellung eines solchen Szenarios mit einer „echten“ Oper der Zeit, z. B. eines Werkes von Claudio Monteverdi. Bei der Realisierung dieses Projekts wird eine Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Kassel angestrebt.In einer Kooperation der Kasseler Universitäts-Bibliothek und der Museen der Stadt entsteht eine nordhessische Landesausstellung, in der die Themen „Heinrich Schütz“ und „Kasseler Hofkapelle“ eingebettet sind. In solch einer Ausstellung würde das Werk von Schütz sowie die Geschichte des heutigen Staatstheater-Orchesters im historischen Kontext verständlich. Ein geeigneter Ort dafür wäre die documenta-Halle. Die Internationale Heinrich-Schütz-Gesellschaft könnte Hilfestellungen bei der Lösung musikalischer Sachfragen bieten.
Die Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel – verfügt in ihren musikalischen Beständen aus der Kasseler Hofkapelle über eine beachtliche Sammlung von Quellen zum Werk von Heinrich Schütz. Dies betrifft nicht nur einen größeren Teil der gedruckten Überlieferung dieses Œuvres, sondern vor allem die handschriftlich überlieferten Frühfassungen bedeutender Werke, die Schütz ganz offensichtlich in
Anhänglichkeit an den Kasseler Hof (auch über Abdankung und Tod seines Mäzens Landgraf Moritz von Hessen hinaus) geschickt hat.
Teile dieses reichhaltigen Materials, waren zusammen mit weiteren Gegenständen und Kunstwerken des 17. Jahrhunderts aus Kasseler Museen bereits zweimal Gegenstand von Ausstellungen im Rahmen internationaler Musikfeste (Internationales Heinrich-Schütz-Fest 1972 in Kassel und Marburg, Europäisches Jahr der Musik 1985).
Um Schütz als europäischem Musiker gerecht zu werden, müssten auch Werke von Zeitgenossen hinzugezogen werden, was durch Leihgaben aus anderen Bibliotheken möglich wird. Denkbar wäre eine enge Kooperation mit der Sächsischen Landesbibliothek Dresden.

Initiatoren: Sieglinde Fröhlich, Dietrich Berke, Internationale Heinrich-Schütz-Gesellschaft e.V.

Heinrich Schütz und die internationale Heinrich-Schütz-Gesellschaft
Heinrich Schütz (1585-1672) galt bereits zu seinen Lebzeiten als bedeutendster deutscher Musiker seiner Zeit, als Vater der neueren deutschen Musik. Sein Œuvre besteht zum größten Teil aus geistlichen Werken; die Musik zu drei Bühnenwerken, einer Oper und zwei Ballettopern, ist nicht erhalten. Schütz gilt als der Komponist, der die deutsche Sprache, genauer: die Prosa der deutschen Luther-Bibel für die Komposition gleichsam entdeckt, das Deutsche also als Musiksprache „hoffähig“ gemacht hat. Seine überragende Stellung als deutscher und in Deutschland wirkender Komponist verdankt sich paradoxerweise aber gerade einem hohen Grad an Internationalität, die sein musikalisches Schaffen auszeichnet. Die Grundlage hierfür wurde dadurch gelegt, dass Landgraf Moritz von Hessen-Kassel, der Schütz ab 1599 an der von ihm gegründeten Fürstenschule „Mauritianum“ hatte ausbilden lassen, den musikbegabten jungen Schütz 1609-1613 bei dem damals berühmtesten italienischen Komponisten Giovanni Gabrieli in Venedig zum Komponisten ausbilden ließ. Und italienische Musik galt im 17. Jahrhundert als universale Musik von europäischem Rang. Insofern spielt Kassel nicht nur für die Allgemeinbildung von Schütz, sondern auch für seine Ausbildung zum
Musiker von internationalem Niveau eine erhebliche Rolle. Später, 1628, als er längst Hofkapellmeister in Dresden war, hat Schütz bei einem zweiten Italienaufenthalt seinen musikalischen Horizont nochmals erweitert, und in den dreißiger Jahren reiste er mehrmals an den dänischen Hof in Kopenhagen. Diese „Internationalität“ hat in Schütz’ Werk deutlichen Niederschlag gefunden: Sein „Opus 1“ ist eine Sammlung von Madrigalen mit italienischen Texten, und die „Cantiones Sacrae“ (1625) und „Symphoniae Sacrae II“ (1629) sind geistliche Werke mit lateinischen Texten, damals noch überkonfessionelle Universalsprache in Europa. Die internationale Wirkung von Schütz’ Musik ist vor
allem an der Rezeption ablesbar, die sein Werk im 20. Jahrhundert erfahren hat. Nicht zuletzt hat die in Kassel ansässige Internationale Heinrich-Schütz-Gesellschaft mit ihren Sektionen in vielen Ländern der Welt zur Verbreitung des Schützschen Œuvres beigetragen.

 

10.11. Kassel initiiert einen internationalen Sängerwettstreit

Ein europäischer Chorwettbewerb und ein "Kasseler Volksliederbuch"

Kassel lädt 2010 zum Wettbewerb zwischen zehn europäischen Chören ein. International existiert bisher kein Wettbewerb, der Neue Chormusik zum Schwerpunkt hat. Auf dem Programm stehen jeweils 15 Minuten zeitgenössische Chormusik aus der Zeit ab 1980 sowie zehn Minuten Volkslieder aus dem Herkunftsland. Unter diesen Liedern muss ein neues, noch nicht aufgeführtes Arrangement sein. Während ihres vier- bis fünftägigen Aufenthalts geben die Chöre in Kassel Open-Air-Konzerte auf Plätzen oder treten in Kirchen auf. Kleinere Ensembles bieten A-cappella-Straßenmusik.
Im Vorfeld des Wettbewerbs wird vom Bärenreiter Verlag Kassel in Zusammenarbeit mit dem deutschen Musikrat ein Kompositions- bzw. Arrangement-Wettbewerb für ein deutschsprachiges Lied für gemischten Chor ausgeschrieben. Eine Auswahl der Einsendungen wird in einem Konzert präsentiert und in einem Sammelband herausgegeben. Ein weiterer Sammelband präsentiert die neuen Lieder der nicht-deutschen Chöre. Ein auf diese Weise entstehendes „Kasseler Liederbuch“
wird so einen europäischen Dialog befördern.
In der deutschen Volkslied-Chorliteratur finden sich hauptsächlich getragene, schlichte Liedsätze. Deutsche Chöre, die auf Auslandsreisen oder bei internationalen Wettbewerben „deutsches Liedgut“ präsentieren sollen, sind immer auf der Suche nach rhythmischen, temperamentvollen Sätzen, wie sie osteuropäische oder skandinavische Ensembles im Repertoire haben. Deshalb wird dieses Projekt eine enorme Bereicherung der Chor-Literatur sein.

Initiatoren:
Maren Matthes, Kasseler Musiktage und Kultursommer Nordhessen
in Zusammenarbeit mit dem Bärenreiter Verlag Kassel

 

10.12. Kasseler Musiktage werden interdisziplinär

Traditionsreiche Reihe tritt in Dialog mit den anderen Künsten

Die Kasseler Musiktage, die seit 1933 ein fester kultureller Bestandteil der Stadt sind, sollen auf das Jahr 2010 hin ausgerichtet werden, in dem Kassel Kulturhauptstadt Europas sein wird. In zunächst drei Schritten (2004, 2005, 2006), die mit den drei musikalischen Grundelementen Rhythmus, Klang und Melodie korrespondieren, bringen die KMT zu Gehör, wie die Musik die anderen Kunstformen beeinflusst und von diesen beeinflusst wird. Kann Musik in allen künstlerischen Äußerungen wahrgenommen und so mit allen Sinnen erfahren werden? – Diese und andere Fragen versuchen die Musiktage zu beantworten – mit Musik und anderen Mitteln.
Musik und Tanz: Unter diesem Motto steht der erste Schritt 2004. „Tanz-Musik“ in ihren verschiedensten Facetten, Unterhaltungsmusik, Symphonische Tänze, Jazz, Ballett, Musikkabarett
etc. Am Anfang steht der Tanz – und damit die Musik. Am Ende auch? – „Bei Musik und Tanz/Da wedelt der Teufel vergnüglich mit dem Schwanz“ (Wilhelm Busch).
Musik und Malerei: Den Wechselwirkungen dieses Dialogs spüren die KMT 2005 nach. Klangfarben – Farbklänge: Musik malt mit Klängen, Klänge zeichnen Bilder nach. Wie klingt die Farbe rot, welche Farbe hat ein C-Dur-Dreiklang? Wie malt man eine Symphonie, wie Polyphonie, was ist und wie klingt
eine Zwitschermaschine? – „Die Musik ist wie die Malerei“ (Picabia).
Musik und Wort: Dem heiß umstrittenen Verhältnis zwischen diesen beiden stellen sich die KMT 2006. „Prima la musica? Prima le parole?“ Die Frage ist so alt wie die Musik. Hat jede Musik ein (in Worte zu fassendes) Programm oder ist sie nur „tönend bewegte Form”? Klingt das eine anders als das andere? Instrumentalmusik als „Klang-Rede oder Ton-Sprache“ (Mattheson).
Musik ist das Einigende: Nachdem dieser Dialog in den folgenen drei Jahren (2007/8/9) fortgesetzt worden ist, fassen die KMT 2010 unter dem Motto „Musik ist das Einigende“ (Strawinsky) alle Aspekte der vorangegangenen Musiktage zusammen. Die Musik selbst als „Gesamtkunstwerk“, als Krönung aller Künste? Der Dialog erweitert sich zum Ensemble aller gegen alle.

Initiator: Freimut Richter-Hansen, Künstlerischer Leiter der Kasseler Musiktage

 

10.13. Kasseler Weltmusik

Musik als Abbild der Probleme von Globalisierung und Migration

Das Weltmusikfestival ist seit sieben Jahren Ausdruck der Weltoffenheit und Internationalität Kassels, es ist ein wichtiger Baustein zur Völkerverständigung. Zu den Grundsätzen dieser Begegnungen von Musikern mit ihren unterschiedlichen ethnischen Wurzeln zählen die künstlerische Autonomie und der Respekt vor fremden Kulturen. Das Spektrum des Festivals reicht vom türkischen Pop über osteuropäische Hochzeitsmusik bis hin zu afrikanischen Rhythmen. Es soll die lebendige
Auseinandersetzung und das Miteinander von Kulturen widerspiegeln – dabei auch das dynamische Spannungsfeld von Vergangenheit und Gegenwart sowie von Tradition und Moderne. Im Bewerbungsprozess zur Kulturhauptstadt soll die Präsentation der kulturellen Vielfalt weiterentwickelt und für die Kasseler Bevölkerung und deren Gäste stärker als bisher erlebbar werden.
Durch ein Jahresprogramm, das von verschiedenen Einrichtungen in der Kasseler Kulturlandschaft getragen wird – etwa auch das Sommerfestival des Kulturzelts in der Kasseler Aue – soll kontinuierlich das Verständnis und das Miteinander verschiedener Kulturen gefördert werden. Ein wichtiger Aspekt dabei sind Live-Übertragungen und regelmäßige Mitschnitte durch den Hessischen Rundfunk sowie Sendezeiten in den regionalen Hörfunk- und Fernsehsendern, um die Musik auch über die Stadtgrenzen hinauszutragen.
Das mehrtägige Weltmusikfestival, das in einer Kooperation von Kulturzentrum Schlachthof, Kasseler Sparkasse, Stadt Kassel und Hessischem Rundfunk veranstaltet wird, soll in den nächsten Jahren durch besondere Schwerpunkte an Profil gewinnen. Neben dem Festival bietet das Kulturzentrum Schlachthof das ganze Jahr über ein kontinuierliches Programm mit Weltmusik. Das Prinzip des Weltmusikfestivals, Solisten und Gruppen alljährlich unter wechselndem Fokus zu präsentieren,
macht es möglich, Verbindungslinien, wechselseitigen Einflüssen oder gesellschaftlichen Impulsen auf die Entwicklung von Musik nachzuspüren.

Beispiele für Schwerpunkte:
2004
Unter dem Motto „Neue Nachbarn“ wird osteuropäische Musik aus Ländern der bevorstehenden EU-Erweiterung vorgestellt
2005
Ein Einblick in die Musiktraditionen der Ostseeanrainerstaaten Polen, Litauen, Lettland, Estland, Finnland, Schweden und Dänemark
2006
Bei der Auswahl von Ensembles wird der künstlerische Dialog zwischen Ost und West in den Mittelpunkt gestellt
2010
Höhepunkt des Projektes mit renommierten Ensembles der Weltmusik im Rahmen eines zeitlich erweiterten Festivals. Als wichtige Ergänzung und Besonderheit werden Musik- und Klangwerkstätten mit Musikern aus aller Welt organisiert, um den Ursprüngen von Musik nachzuspüren – aber auch, um Musik als Abbild von Globalisierungs- und Migrationsprozessen zu deuten.

Initiator: Kulturzentrum Schlachthof

 

10.14. Konzertmuschel bietet besonderes Hörerlebnis

Traditionsreicher Konzertort im Bergpark soll ausgebaut werden

Die Bergparkkonzerte in der „Konzertmuschel“ – eine Reihe mit Jazz, Weltmusik, Blues und Rock – sollen durch bauliche Maßnahmen und eine Erweiterung des Konzertangebotes aufgewertet werden, durch bauliche Verbesserung der Zuschauerplätze, flexible Teilüberdachung als Schutz vor Sonne und Regen und eine Aufwertung der „Muschel“ selbst durch Renovierung des Kellers sowie besseres Bühnenlicht.
Die „Konzertmuschel“ liegt in unmittelbarer Nähe zum zentralen Fontänenteich des Bergparks. Im Stil der fünfziger Jahre erbaut, trägt sie den Klang der dort Auftretenden zu mehreren Reihen wetterfester Metallstühle. Umrahmt wird die natürliche Senke des Parks von einem prächtigen Strauch- und Baumbestand. Wo an mehreren Nachmittagen Salonmusik zu hören ist, locken am Sonntagmittag modernere Klänge. Seit etwa 20 Jahren finden in dieser attraktiven Umgebung die Bergpark-Konzerte statt. Diese gut besuchte Reihe versteht sich als Podium für etablierte Bands der Kasseler Musikszene. Die Konzertreihe soll von zehn Konzerten auf ein durchgängiges Programm von Pfingsten bis Herbstanfang ausgeweitet werden. Neue Angebote wie „Swing am Nachmittag“ oder Motto-Konzerte wie „In achtzig Minuten um die Welt“ sind geplant.

Initiator: Hartmut Schmidt, Initiative Bergpark-Konzerte

 

10.15. Konzertreihe für alte Musik an historischen Orten

Eine Konzertreihe für alte Musik in Kooperation mit einer Veranstaltungsreihe des Hessischen Rundfunks

Eine neue Kasseler Konzertreihe für Alte Musik soll künftig Besucher in das Schloss Wilhelmshöhe und das Schloss Wilhelmsthal locken. Die Konzerte setzen vor allem auf junge Künstler und Ensembles aus ganz Europa.
Bis in die siebziger Jahre war Kassel mit den „Kasseler Musiktagen“ unter Führung des Bärenreiter Verlages ein Zentrum für die Pflege Alter Musik in Deutschland. Inzwischen sind die „Kasseler Musiktage“ ein erfolgreiches Event mit anderem Profil geworden. Ambitionierte Aufführungen von „vorklassischer“ Musik sind in der Region selten.
Seit fünf Jahren veranstaltet der Hessische Rundfunk die „Wilhelmshöher Schlosskonzerte“ in Schloss Wilhelmshöhe. Dieser Neuanfang soll für die Alte Musik genutzt werden, um eine ergänzende ständige Konzertreihe – sowohl in Wilhelmshöhe, als auch im nahe gelegenen Schloss Wilhelmstal – zu etablieren.

Initiatoren:
Jürgen Ammer
Bettina Schaefer, Hessischer Rundfunk

 

10.16. Konzertsaal Kassel

Ein architektonisch-akustisches Projekt

Die Vision ist der Bau oder Umbau eines Saals zum akustischen Idealraum für Kammermusik, Jazz und Lesungen für 250 bis 300 Zuschauer. Kassels vorhandene Veranstaltungssäle haben Kapazitäten bis 100 und ab 600 Plätze, die Größe „dazwischen“ gibt es im Stadtgebiet nicht, wird aber von allen Kulturveranstaltern immer wieder nachgefragt. Der neue Saal – sein Standort ist ein auch am Abend belebter Stadtteil mit guter Anbindung an den Nahverkehr (z.B. Kulturbahnhof) – zeichnet sich durch seine außergewöhnlich gute Akustik und seine gelungene Architektur aus. Als erster Musiksaal dieser Größe in Kassel hat er einen großzügigen Backstage-Bereich mit Künstlergarderobe und Haustechnik, professionelle Licht- und Tontechnik und einen Steinway-Konzertflügel. Ein Foyer-Café mit Ticketverkauf lädt vor und nach den Veranstaltungen zum Verweilen. Regelmäßige hochkarätige originelle Konzerte, Revuen und Sessions garantieren die Qualität der Stätte.
Potenzielle Nutzer sind: Kasseler Musiktage, Kultursommer Nordhessen, kammermusikverein kassel, kasseler jazzverein, Kammermusikensembles des Staatstheaters, Theaterstübchen am Nil, freie Gruppen mit Produktionen im Bereich Jazz, Kleinkunst und Revue, Kindertheatergruppen, Schlachthof u.v m. Betreiber ist ein oder sind mehrere schon bestehende Kasseler Kulturvereine (Kultursommer Nordhessen, Kasseler Musiktage, kammermusikverein, Filmladen o.ä.), die den Saal vermieten und selbst Programmreihen gestalten. Durch die Vermietung werden die laufenden Kosten gedeckt. Bau oder Umbau und Inneneinrichtung werden aus öffentlichen Mitteln und Sponsorengeldern finanziert.

Initiatoren:
Maren Matthes, Kasseler Musiktage und Kultursommer Nordhessen
Frank Thöner, Kulturbahnhof
Dr. Ulrich Etscheit, kammermusikverein kassel

 

10.17. Louis Spohr - Geiger und Musik-Pädagoge mit europäischer Ausstrahlung

Symposien, Meisterkurse und Ausstellungen beschäftigen sich mit der bedeutenden Kasseler Persönlichkeit

Louis Spohr war ein bedeutender Musiker, Lehrer und Komponist, er galt als eine der großen Persönlichkeiten des Musiklebens Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts. Die in Kassel ansässige Internationale Louis Spohr Gesellschaft mit ihren weltweiten Beziehungen bewahrt das Erbe und sorgt dafür, dass es lebendig bleibt. Für das Jahr 2010 hat die Spohr Gesellschaft ein umfangreiches Programm entwickelt, das Spohrs Werk einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen soll.
Eine Louis-Spohr-Akademie wird von Generalmusikdirektor Christian Fröhlich (Berlin/Würzburg) und Prof. Heinz Schunk (Berlin) geleitet. Sie bietet Meisterkurse für Violine, für Violoncello und Kammermusik sowie für Interpretationsspezifika bei Spohr und anderen Komponisten der frühen Romantik. Das Deutsch-Polnische Jugendorchester (Sitz Frankfurt/Oder) unter derLeitung seines Chefdirigenten Martin Müllbauer erarbeitet für eine Europa-Tournee Werke von Spohr, eine Symphonie von W.A. Mozart und ein modernes Werk eines zeitgenössischen europäischen Komponisten, das über einen Wettbewerb gefunden wird.
Ein Symposium zu Musik und Politik beschäftigt sich mit Spohr als Beobachter und Kritiker der politischen und sozialen Verhältnisse seiner Zeit, mit seinen Ansichten zur Toleranz der Religionen sowie mit den gegen ihn gerichteten Anfeindungen (Zitate: „Jessonda verherrlicht die Rassenvermischung“, „Der Alchymist untragbar wegen der positiven Darstellung helfender Zigeuner“). Während des Symposiums soll in Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Kassel die Oper „Der Alchymist“ aufgeführt werden.
Ein zweites Symposium beschäftigt sich mit dem weltweiten Einfluss der Kasseler Schule und der Bedeutung Spohrs als Pädagoge. Unter der Leitung von Dr. Ronald Dürre (Magdeburg) sollen das Wirken Spohrs und dessen musikpädagogische Prinzipien – der Philanthropinismus – sowie die Breitenwirkung und deren Einfluss bis heute diskutiert werden. Über die neuen Erkenntnisse für den Bau von Streichinstrumenten wird ein Symposium informieren, das in Verbindung mit dem Verband Deutscher Geigenbauer und Bogenmacher e. V. organisiert wird. Die Leitung übernimmt der Verbands-
Präsident und Geigenbaumeister Dr. Klaus Osse Uena. Nationale und internationale Geigenbauer werden sich in Gesprächskreisen der Diskussion stellen.

Initiator: Karl-Heinz Nickel

Louis Spohr
Louis Spohr, am 5. April 1784 in Braunschweig geboren, wirkte – nach zahlreichen Konzertreisen durch ganz Europa – ab 1822 als Hofkapellmeister in Kassel und starb in der Stadt am 22. Oktober 1859. Er genoss Weltgeltung als Komponist, Violinvirtuose, Dirigent und Pädagoge, galt in der frühen Romantik über Europa hinaus als eine der bedeutendsten Musikerpersönlichkeiten. Den Geiger Spohr rühmten viele Zeitgenossen als Widerpart Paganinis, den Dirigenten Spohr bewunderten viele, weil er als einer der ersten den Taktstock benutzte. Den Lehrer Spohr suchten Studierende aus allen Weltteilen auf, weil er die pädagogischen Prinzipien der Philanthropinisten weiterentwickelte. Als Komponist hinterließ er Opern, Oratorien, Kantaten, eine A-cappella-Messe, Symphonien, Violin- und
Klarinettenkonzerte, über 100 Lieder und Kammermusik für nahezu alle Instrumente. Er gilt als „der bedeutendste niederdeutsche Melodiker“ zwischen Fürst Wizlav von Rügen und Johannes Brahms. Seine kühne, weit in die Zukunft weisende Harmonik erweist ihn als einen der wichtigsten Initiatoren romantischer Musikentwicklung. Weber, Meyerbeer, Marschner, Lortzing, Mendelssohn, Loewe, Schumann, Berlioz, Wagner, Brahms und andere profitierten vielfach von seinen Stilmitteln. Aber die Neuerungen der „Hochromantiker“ verdrängten von etwa 1860 an Spohrs als „rückwärts gewandt“ empfundene Werke von der Opernbühne und aus dem Konzertsaal. Erst nach über 100 Jahren wurde sein Schaffen allmählich wiederentdeckt.
Dieser Aufgabe widmet sich die Internationale Louis Spohr Gesellschaft e. V. in Kassel, Träger der Louis Spohr-Gedenk- und Forschungsstätte mit rund 20.000 Sammlungseinheiten. Ihre Mitglieder sind Musiker, Musikforscher und Freunde der Musik. Sie wurde 1908 gegründet und richtete ein Museum ein; 1933 erfolgte jedoch das Verbot der Arbeit. Den bis dahin gesammelten Bestand an Autographen, Notenerstdrucken, Bildnissen, Musikinstrumenten und Möbeln konfiszierte die Stadt Kassel, deren Oberbürgermeister gab im Jahre 1934 Weisung, den größeren Teil zu vernichten. Die Arbeit der Gesellschaft konnte erst im Jahre 1954 wiederbelebt werden. Aufgrund der Bedeutung
Spohrs als Gründer der letzten großen deutschen Geigerschule – in der Musikforschung „Kasseler Schule“ genannt – sammelt, dokumentiert und erforscht die Louis Spohr Gesellschaft seitdem auch umfassend das Wirken aller Geigerkomponisten, Geiger und Geigenbauer. Sie sorgt für Veröffentlichungen von Kompositionen und ermöglicht Aufnahmen auf Tonträgern. Ferner fördert sie begabte Geiger durch Stipendien.

 

10.18. Neue Musik als Brücke

Ein Podium schafft Begegnungen zwischen Ost und West

Erstes Konzert der Reihe Internationales Ost-West-Podium:

TRIO DOUNIA am 10. Dezember 2004, 20.00 Uhr
Lutherkirche·Kassel

Babette Andruk, Violine
Christiane Lüder, Akkordeon,
Barbara Brauckmann, Violoncello

KAMMERMUSIK AUS BRATISLAVA UND KASSEL
MIT EINEM SCHWENK NACH ARGENTINIEN
Peter Zagar - Two Pieces for Accordion
Ivana Loudova - Canto amoroso für Violoncello
Viera Janárceková - Trio, N.N. (Auftragswerk) Uraufführung für Violine,Akkordeon und Violoncello
Roman Berger - Convergentions I für Violine
Astor Piazzolla - Cuatro estaciones porteñas für Akkordeon, Violine und Violoncello

Das Ost-West-Podium soll den künstlerischen Austausch zwischen in Kassel lebenden Komponisten und Musikern mit Kollegen in anderen europäischen Städten befördern. Besonders intensiv sollte der Austausch mit den hierzulande fast unbekannten Künstlern aus den ehemaligen Ostblockländern werden. Das internationale Podium soll das zeitgenössische Geschehen dokumentieren, dem Publikum Einblicke in die jeweils eigenen Wege der aus verschiedenen Ländern stammenden Künstler vermitteln. Kasseler Komponisten übernehmen sowohl die Kontaktaufnahme zu den Künstlern als auch die Dramaturgie und die künstlerische Betreuung der Reihe.
Konzerte, Seminare und Performances des Internationalen Ost-West-Podiums beginnen schon in der Saison 2003/2004. Jährlich sind etwa zwei bis drei Veranstaltungen geplant. Die Zahl der Veranstaltungen steigert sich jährlich bis zum Jahr 2010.
Zunächst wird sich das Podium auf den Austausch mit einem der EU-Anwärter-Länder konzentrieren. Das wird einen tieferen Blick und Verständnis für die jeweiligen speziellen Entwicklungen und historischen Zusammenhänge erlauben. Begonnen wird mit der Slowakei. Die Initiatorinnen des Projekt pflegen gute Beziehungen zum "HIS" (Slowakisches Musik-Informationszentrum)
und dessen Direktorin Olga Smetanova. Nach der „Initialzündung“ in der Slowakei soll die Vernetzung mit anderen Ländern erfolgen, etwa mit Rumänien, später mit Ländern in Westeuropa. Geplant ist eine Ausschreibung in Osteuropa, an der sich Komponisten sowie die Interpreten mit ihren Programm-Vorschlägen um die Mitwirkung an dem Projekt bewerben. Jedes Konzert des Ost-West-Podiums soll mindestens eine Uraufführung präsentieren. Die Kompositionen könnten Auftragswerke sein. Kontrapunkt zu den aktuellen Kompositionen wären Aufführungen von historisch bedeutsamen
Werken. Junges Publikum soll besonders angesprochen werden. Die besondere Spannung zwischen den unterschiedlichen Kulturen in der Vergangenheit, historisch-politisch bedingt, und die Tendenzen zur Annäherung im vereinten Europa, mit dem Bewahren der individuellen Eigentümlichkeiten, wird in einem Symposium z.B. „Musik in der Freiheit und die Freiheit in der Musik“ thematisiert werden.

Initiatorinnen: Viera Janárceková, Barbara Brauckmann

 

10.19. Neue Musik in der Kirche

Veranstaltungsreihe fördert den Dialog zwischen Theologie, Kunst und Geisteswissenschaften

Neue Musik in der Kirche ist eine für Deutschland und Europa einmalige interdisziplinäre Veranstaltung für Neue Musik und Theologie. Sie bietet im Zwei-Jahres-Rhythmus in der Kasseler Martinskirche Konzerte, Seminare und Gottesdienste. Impulse gehen von ihr durch Kompositionsaufträge und Uraufführungen aus. Daneben ermöglicht sie den interdisziplinären Dialog zwischen Theologie, Kunst und den Geisteswissenschaften. 1965 war die Reihe durch Klaus Martin Ziegler gegründet worden, im Jahre 1998 gab es einen Neubeginn mit Hans Darmstadt, der auf eine stärkere theologische Profilierung hinarbeitete.
Auf dem Weg zur Kulturhauptstadt 2010 bekommt die Reihe neue Akzente:

2004
• Neue Musik in der Kirche vom 17. bis 20. Juni 2004 mit neun Uraufführungen, davon sechs
Auftragskompositionen; Solisten, Ensembles, Referenten aus ganz Europa sind geladen
2005
• Drei Konzertwochenenden mit Neuer Musik in St. Martin Kassel
• Uraufführung der „Missa hebraica“ von Prof. Hans Darmstadt, komponiert 1994-2004
2007
• Konzertreihe „Neue Musik in der Kirche“ zur documenta 12 (anknüpfend an die Reihe zur Documenta11 im Jahre 2002, für die es den Kulturförderpreis der Stadt Kassel gab)
2008/09
• Konzertwoche Neue Musik in der Kirche, unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklungen in Europa
2010
• Neue Musik in der Kirche 2010
• Internationale Orgelakademie in der Martinskirche

Bis 2010 soll ein Orgelkonzept in St. Martin vollendet sein, das einerseits auf der Grundlage des traditionellen europäischen Orgelbaus beruht, auf der anderen Seite neueste technische Möglichkeiten integriert, die so bisher noch an keiner anderen Stelle verwirklicht worden sind. Von diesem Zeitpunkt an wird St. Martin auch auf dem Gebiet neuer Orgelmusik der zentrale Ort in Deutschland und Europa sein.

Initiator: Hans Darmstadt


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