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<<Walter Prankl 1957-2007
Bio-Grafisches
- Essay zum Thema Littering = Wegwerfen oder Liegenlassen von
Abfällen... im öffentlichen Raum..>>
http://www.bd.bs.ch;
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http://www.galerie-kulturpunkt.de/;
http://www.kultur-punkt.ch/
Zum Werk selbst.
Weshalb, zeichne, male ich mit Tusche, koloriere und erarbeite
Skulpturen bemale sie, mache Videoaufzeichnungen? Nun, für mich ist
das die Möglichkeiten mit mir und der Umwelt, Umfeld/Erde ins reine
zu kommen, dem in der Alltagsroutine innewohnenden Kunstbegriff ein
erstes Mal zu betrachten, was er für einer ist. Es ist der
Versuch, innezuhalten, auch und gerade bei etwas Belanglosem,
Weggeworfenem, ja sogar Zerstörtem, Verunfalltem, sei es
auch nur ein Winzling vielleicht. Das hat aber für mich mit
dem vorerst schleierhaften, nach und nach jedoch,
erweiterungsfähigen und narrativen, ja märchenhaften, volks- und
völkerkundlichen Kunstbegriff zu tun. Möglicherweise aber ist es
auch ein Vorhaben, Vorwand, eine Beziehung anzuknüpfen, ein Mittel,
ja Fetisch, um den Kunstbegriff bei mir aufzubewahren, oder
um ihn zu unterhalten, mit ihm etwas zu unternehmen. Jedenfalls
stelle ich damit keine Theorie auf, finde kein schlüssiges System,
in den verschiedenen Praktiken, die meine Arbeit begleiten. So ist
jedes nach und nach sich abzeichnende Thema anders, jedes hat seinen
eigenen Charakter, seine Eigen-Art mit Dir, dem aufmerksamen
Betrachter, in Beziehung zu treten. Die einen Themen und Figuren
treten zögernd und diskret auf, aber sie sind fähig, Dich auf
heimtückische, albtraumhafte Weise – insbesondere in den
Aufwachmomenten der Frühe des beginnenden Tages in ihre Thematik
hineinzuziehen - ohne dass Du es merkst. Andere überraschen Dich
freundlich und spassig verkleidet, um nicht erkannt zu werden.
Wieder andere sind ausgelassen und heftig. Darüber hinaus gibt es
welche, die Dir mühelos und pflegeleicht begegnen. Das sind
diejenigen, die Dich dann voll in Besitz nehmen, denn die
Verständigung verläuft irgendwo in der Tiefe, unkontrolliert
aber unanfechtbar. Es gibt Themen und Figuren, denen ich in
meiner Kindheit erstmals begegnet bin, die ich mit mir herumtrage
und die immer noch kein Zutrauen zu mir zeigen, ihre Absicht
noch nicht preisgegeben haben. Wenn sie sich entschliessen, mit mir
zusammenzuarbeiten, werden sie es mir mit völlig
überraschenden Zeichen, inmitten der Alltagsroutine, zu
verstehen geben. Manchmal habe ich sogar die Vermutung, dass es
gar nicht um den Kunstbegriff geht, sondern um etwas ganz anderes.
Dann erschrecke ich etwas. Doch zugleich tröstet mich dieses sich in
den Vordergrund drängende Thema, dass es sich dabei um eine
Leitfigur, ein neu-art-iges Paradigma handelt, das die Aufgabe
hat, mir weitere Erzählungen und Figuren zuzuführen. Ich
gebrauche eine elastische Choreografie, eine, die alles bloss
andeutet, andererseits dort sehr präzise ist, wo sich die
Ideen bereits deutlich herausgearbeitet haben. In diesem Stadium
beginne ich das Thema in gewisser Weise an den Haaren
herbeizuziehen, es sträubt sich. Aber es muss mit Zärtlichkeit
gezähmt werden. Manchmal blähe ich den erzählenden Anteil
wider besseren Spürens auf. Andere Male werde ich von Randfiguren
abgelenkt vom Ziel, worauf die kunst-ergreifende, -begriffliche
und -ergriffene Eingebung hinstrebt. So kommt der Moment, wo eine
Choreografie nicht mehr ausreicht auf der narrativen Ebene
weiterzuwollen. Dann richte ich mein Balkon-/Garten-Atelier ein,
lasse die Findlinge eines Fundweg- und Fundzeitraumes an mir
vorbeiziehen und zueinander in Beziehung treten. Das ist ein
beinahe schamanischer Vorgang, um das Vorausahnen zu
begünstigen, ein Environment, Szenenbild, eine Atmosphäre zu
schaffen. Dabei geht es darum, die Gesichte zu sichten und das
Neue, Unbekannte, zu stärken. Ich möchte unzählige -insbesondere
auch erotische - Gesichte sehen, bin nie zufrieden, und wenn
einmal, dann vergleiche ich es mit wieder anderen. Das ist absolut
neurotisch und erotisch zugleich. Auf dieser Suche nach
Gesichten, Model-Prints und tantrischen Gesten unter diesen
Findlingen beginnt das Thema zu leben wie nie zuvor. Es
existiert im Aufblitzen, in Bruchteilen von Zeit, Raumkörpern und
dem Zwischenraum. Und ich fühle dabei den lustvollen Wunsch
mich von diesem Aufblitzen verführen zu lassen. In diesem
Etwas, dieser Atmosphäre, das vorher nebelhaft, und unbestimmbar
war, nimmt das Thema schliesslich Gestalt an. So be-weg-e ich
mich, und bin unter-weg-s, zwischen dem Universellen und dem
Ausgewählten. In Würdigung von Federico Fellini, Walter Prankl,
1957-2007 |