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Meina Schellander:
Visionäre Skulpturszenen
“Alles was mir in den Weg kommt, wird in mir zum Bild dessen, worüber ich
noch denke“.
Begegnung im Atelier.
Wiesengasse, unweit der Schubertkirche im Lichtenthal, Wien.
Ein in die Bauflucht hineinragendes altes zweigeschossiges Haus macht sich
deutlich bemerkbar.
Im zurückliegenden Hofeingang steht ein grosses Blechtor halb offen. Beim
Eintritt bemerken wir, dass vom Boden bis zur Decke sich die Projektteile
stapeln und kaum einen Schritt in gerader Richtung möglich machen. Diese
Dichte strahlt auch aus den Oberflächen der Materialien und aus dem uns
begrüssenden Gesicht Meinas. So begegneten wir uns nach vielen Jahren
wieder.
Bewegtheit.
Es war sofort eine geradezu leidenschaftlich-bewegte Präsenz da, als sei
die Begegnung gestern gewesen. Du hast gerade gesagt, dass Du die Dienerin
Deiner Projekte bist, denn das Projekt leitet Dich. Dabei bist Du das
Mädchen für alles. Meina lacht bestätigend: ich bin die Untergeordnete.
Mamchmal glaube ich: Jetzt komm ich in eine andere Kategorie, sehe etwas,
nähere mich - und wieder nichts.
Existenz. Ausstellen ist nicht lohnend. Es kommen ein paar Leute, das ist
erst einmal erfreulich, stellen sich dann mit dem Glas Wein in der Hand
und dem Rücken zur Schauwand, Meina lacht dabei, sagt: das ist eh die
einzige Möglichkeit.. denn mitnehmen können sie diese Objekt ja nicht. Das
Ganze ist entweder zu teuer oder unverständlich. Marga: Es gibt gleich uns
aber viele, die sich das nicht leisten können, obwohl sie Deine Arbeit
hochschätzen. Dann gibt es noch die Börsianer, die eine Möglichkeit sehen
auf lange Sicht Vermögen anzulegen. Es gibt gottseidank noch welche, die
das wagen. Ich lebe vom Interesse und der Anerkennung durch Kauf aus dem
Bereich Öffentliche Hand. Das ist allerdings ein bescheidener Erfolg.
Allerdings dreissig Jahre schon.
Realisierung.
Ich finanziere mein aktuelles Projekt jeweils aus dem Ergebnis des
vorigen. Aber das heisst nicht, dass ich mir dabei etwas für mich selbst
zurücklegen könnte oder meine übrigen Objekte und Arbeiten irgendwo
ordentlich lagern könnte. Das alles habe ich nicht. Es kommt vielleicht
noch. Weiss mans…. Es gibt ja einen Hoffnungsrest. Erneuertes zustimmendes
Lachen.
Vision. Meine grösste Sorge: ich befürchte, dass wir uns dem Totalitären
im nächste Jahrtausend - Jahrhundert wieder nähern - eine Wende also zum
Abstieg des Demokratischen - in ein Grauen, eher zu Düsterem. Es heisst
zwar, es wird alles besser. Ich glaub das nicht. Es wird wohl eine
Zeitlang so weiter gehen, es wird weiter gekuscht, angepasst, arrangiert,
statt deutlich zu machen und offensiv ästhetisch aufzutreten.
Auftrag.
Ich habe gerade zu diesem aktuellen Projekt eine Diskussion in Planung, in
der aus verschiedenen Bereichen Leute Stellung beziehen sollen. Auch da
muss ich danach trachten, dass die Kosten von öffentlicher Stelle oder
Sponsoren getragen werden.
Die sogenannten Roten und Schwarzen müssten das eigentlich wollen, eine
gewisse Zustandsklarheit zu erlangen. So kann ich auch aus der Isolation
und Introversion, die mit der künstlerischen Innovation einhergeht, besser
ausbrechen und auf eine grössere Plattform, zur Öffentlichkeit, gelangen.
Fazit.
Der künstlerische Mensch Meina Schellander wirkt als essentielle, tragende
Gestalt am Bau unserer pluralen, demokratischen Gemeinschaft, regional wie
global.
Im antiken Parthenon, inmitten der demokratischen Gebäude erhebt sich das
Erechtheion, mit seinen vier Karyatiden, Schutzstätte der Göttin Athene,
die für Krieg und Frieden, Weisheit, Kunst und Technik einsteht.
M+W Prankl 7-04 |