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Michael Bork: Das Feuer brennt ein Leben lang.
11. Heilpraktikerkongress
www.freieheilpraktiker.com. Ein Überblick
Augsburg
- Am Wochenende des 18. und 19. Septembers stand Augsburg ganz im Zeichen
des Erfahrungsaustausches alternativer Medizin, denn im zweijährigen
Rhythmus findet hier in der Kongresshalle der Heilpraktiker Kongress
Süddeutschland statt. Dieses Jahr war es bereits die 11. Veranstaltung.
Organisiert von dem Berufs- und Fachverband „Freie Heilpraktiker e.V.“ (FH),
war der Kongress doch verbandsneutral ausgerichtet. Rund 800
Heilpraktiker/innen, Berufsanwärter/innen sowie Angehörige anderer
medizinischer Berufsgruppen, begaben sich am Sonntag, nach einem
intensiven Wochenende wieder auf den Heimweg. 65 Fachvorträge aus den
unterschiedlichsten Sachgebieten lagen hinter ihnen, und der Besuch der
begleitenden Industrieausstellung brachte zahlreiche neue fachliche
Erkenntnisse. Aber auch inspirierende Kontakte.
So sitzt
eine Kongressteilnehmerin im Intercity zurück auf dem Weg von Augsburg
nach Köln. Sie telefoniert mit ihrer Mutter und erzählt ihr, dass sich zu
Beginn eines Vortrags jemand neben sie setzte. Es war die Schulfreundin,
die sie zuletzt vor mehr als 20 Jahren sah. Beide Freundinnen wählten
unabhängig und unwissend voneinander die Naturheilkunde als ihren
Lebensweg.
Diese
Momentaufnahme aus dem zwischenmenschlichen Kosmos ist kein Zufall. Sie
macht vielmehr deutlich, dass die Begegnung mit der Naturheilkunde eine
Folge der Vermögen ist, mit denen der Mensch geboren wird.
Und wenn
dann, meist durch ein Schlüsselerlebnis ausgelöst, das innere Feuer
angezündet wird, brennt es oft ein Leben lang für die Naturheilkunde.
Dieses September-Wochenende in Augsburg machte aber auch wieder einmal
deutlich, dass es DEN Heilpraktiker nicht gibt. Der Berufsstand der
Heilpraktiker ist einer der letzten wirklich freien Berufe. Aber gerade
die vielfältigen Möglichkeiten von Diagnose und Therapie der
heilpraktischen Kunst scheinen gesellschaftlichen Gruppen immer wieder
Kopfzerbrechen zu bereiten, seit im Jahre 1938 das Heilpraktikergesetz in
Deutschland verabschiedet wurde.
So
planten beispielsweise in den 80er Jahren Politiker gesetzliche
Änderungen, die für den Berufsstand der Heilpraktiker erhebliche
Restriktionen in der freien Entfaltung ihrer vielfältigen diagnostischen
und therapeutischen Ausübung bedeutet hätten. Dies war für Heilpraktiker
Bernd R. Schmidt und weitere seiner Kollegen die Initialzündung, um im
September 1982 den Berufs- und Fachverband „Freie Heilpraktiker e.V.“ ins
Leben zu rufen.
Bereits
zwei Jahre später, im Jahre 1984, wurde der Heilpraktikerkongress
Süddeutschland das erste Mal in Ingolstadt durchgeführt. Nach einigen
Jahren erfolgreichen Kongressgeschehens, war die Verlegung nach Augsburg
aus Platzgründen erforderlich.
Die
Entwicklung der letzten 20 Jahre, die veränderten Ansichten auch anderer
Institutionen und Persönlichkeiten bestätigen die konsequente Einstellung
Schmidts und seiner Verbandskolleginnen und -kollegen, das
Heilpraktiker-Gesetze in seiner jetzigen Form fortzuführen.
Die
Rechtsauffassung des Verbandes wird hierbei durch Urteile des
Bundesverwaltungsgerichtes bezüglich der Überprüfungsmodalitäten
bestätigt.
Heute ist
der FH mit seinen ca. 3.600 Mitgliedern einer der größten in Deutschland
gleichberechtigt wirkenden Berufsverbände der Heilpraktiker, mit eigenen
Schwerpunkten in Medizinal- und Berufspolitik sowie individueller
Mitgliedervertretung.
Für
Schmidt ist der FH eine kollegiale Zweckgemeinschaft und kein
Funktionärsverband. Die Verbandsorganisation ist lediglich Mittel zum
Zweck, um die Aufgaben des Berufsstandes der Heilpraktiker zu
verwirklichen und die Existenz des Einzelnen zu sichern. Es gilt dabei die
Forderung, dass an der ersten Stelle immer die Hilfe für den kranken
Menschen stehen muss.
Die
Verbands-Zielsetzung, den Heilpraktiker-Beruf als freien Berufsstand zu
erhalten, war auch dieses Jahr wieder ein großes Thema des Augsburger
Kongressgeschehens. Dazu Schmidt: „Jede weitere Reglementierung, egal
durch wen und in welcher Form, bedeutet ein Stück Aufgabe dieser Freiheit
zum Nachteil für die praktische Arbeit und Existenzsicherung der
Heilpraktiker.“ Dieser Meinung schlossen sich mittlerweile auch ehemalige
"Kontrahenten" dieser Organisation an.
Schmidt
führte weiter aus: „Die heilpraktische Kunst basiert in vielen Bereichen
auf zum Teil uralten Erfahrungen. Deshalb ist es für den Verband wichtig,
die Berufsausübung des Heilpraktikers in ihrer altbewährten und
überlieferten Form zu erhalten und fortzuführen, gleichzeitig aber dem
Modernen aufgeschlossen gegenüberzustehen“. Eine sinnvolle
Eingliederung müsse immer dann ermöglicht werden, wenn diese dem Wohle des
Patienten dient.
Eine
weitere Entwicklung, die der Verband von Anfang an kritisch begleitete,
ist der immer wiederkehrende Ruf nach Vergleichbarkeit mit dem Stand der
klassischen Schulmedizin.
Schmidt
sagte dazu in seiner Eröffnungsrede anlässlich des 11.
Heilpraktikerkongresses, dass diese Forderung seiner Auffassung nach
bereits in ihren Grundsätzen falsch sei, da der Patient beim Heilpraktiker
keinen üblichen Mediziner, keine schulmedizinischen oder
wissenschaftlichen Untersuchungen und Behandlungen sucht.
„Der
Heilpraktiker richtet seine Patientenbehandlung und -betreuung nicht an
Wissenschaftlichkeitsklauseln, an Forderungen von Ärzten oder sonstigen
Institutionen aus“, so Schmidt. Deshalb macht es laut Aussagen des
Verbandes auch keinen Sinn, heilpraktische Methoden nach definierten
Kriterien beweisen zu müssen, um Anerkennung bei den verschiedenen
Gruppierungen zu finden. Die Anerkennung des Heilpraktikers ist der Erfolg
am und die Bestätigung durch seine Patienten. Einzig und allein
ausschlaggebend sind somit heilpraktische Kriterien.
Weiter
sprach Schmidt das Thema „Qualitätssicherung“ an und stellte Systeme in
Frage, die beispielsweise auf der Vergabe von Punkten für besuchte
Veranstaltungen basieren. Schmidt: „Angehörige freier Berufe erbringen auf
Grund besonderer beruflicher Qualifikationen persönlich
eigenverantwortlich und fachlich unabhängig geistig-ideelle Leistungen im
Interesse ihrer Auftraggeber, also ihrer Patienten und der Allgemeinheit.
Daraus ergeben sich alle beruflichen Vorbereitungen und Weiterbildungen
in Verbindung mit den gesetzlichen Grundlagen, die ja bereits bestehen.“
Ein weiterer Schwerpunkt der
Eröffnungsrede von Schmidt betraf den so genannten „grauen Markt“. Wenn
Fußpfleger oder Kosmetikstudios Fußzonenreflexmassage oder Akupunktur in
ihrem Leistungskatalog aufnehmen, dann ist das ein ganz klarer Verstoß
gegen das Heilpraktikergesetz, unabhängig von der Qualität dieser
Angebote
„Wer
Heilpraktikerleistungen anbieten möchte, der sei natürlich herzlich
willkommen, vorausgesetzt er wird Heilpraktiker und praktiziert nach den
Vorgaben, die der Gesetzgeber für diesen Berufsstand definierte“, forderte
Schmidt.
Schmidt
führte weiter aus: „Wir leben in Zeiten einer zunehmend intensiven
Diskussion um die Gesundheitsvorsorge und die Versorgung mit
medizinischen Leistungen.
Daher
steht natürlich auch die Arbeit des Berufsstandes der Heilpraktiker im
Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Umso wichtiger ist es daher,
der Öffentlichkeit zu verdeutlichen, was sie von den Leistungen eines
zugelassenen Heilpraktikers, einer Heilpraktikerin erwarten darf.“
Deshalb
möchte der Berufs- und Fachverband „Freie Heilpraktiker e.V.“ nicht nur
seinen Mitgliedern, sondern künftig auch Patienten als Ansprechpartner für
alle Fragen und Themen dieses verantwortungsvollen Berufes zur Verfügung
stehen.
Welches
Resultat aber zogen die Teilnehmer aus diesem Kongress? In Gesprächen
berichteten diese durchweg von einem harmonischen Kongressgeschehen, so
wie sie es auch schon in den vergangenen Jahren immer wieder erlebten.
Hervorragende Vorträge und Seminare sowie ein breit gefächertes Angebot
der beratenden Industrie waren Eckpfeiler der allgemeinen Zufriedenheit.
Rund 120 Firmen der biologisch-pharmazeutischen wie auch der
biologischen gerätetechnischen Industrie waren vertreten, um ihre
Produkte anzubieten und fachliche Beratung zu leisten. Die gute und
informative Atmosphäre und die kompetenten Inhalte der Vorträge trugen
auch dieses Jahr wieder mit dazu bei, dass dieser Kongress zu einem
Stammtreffpunkt der alternativen Medizin für Heilpraktiker/inner aus dem
gesamten Bundesgebiet und auch aus dem benachbarten Ausland wurde.
Oder um
es mit den Worten von Karl May zu sagen, die Schmidt zum Abschluss seines
Eröffnungsvortrags aus dessen Reiseerzählung „Et in terra pax“ zitierte:
„Die
Natur spricht nicht in artikulierten Worten zu uns, weil ihre Sprache
nicht für das Ohr, sondern für das Herz berechnet ist. Ihre Laute sollen
in die Tiefe dringen, weil sie aus der Höhe kommen. Wer ihnen aber die
Tiefen seines Inneren verschließt, für den werden jene Höhen, aus denen
sie erschallen, nicht vorhanden sein!“.
Wer sich für die Arbeit des Verbandes interessiert, kann sich an den
folgenden Kontakt wenden: Berufs- und Fachverband „Freie Heilpraktiker
e.V.“, Sternwartstraße 42, 40223 Düsseldorf, Telefon (0211) 9017290, Fax
(0211) 3982710. E-Mail:
BRSFH@t-online.de |