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Online-Publikation: Januar 2012 im
Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Klaus Bittermann: Möbel zu Hause, aber kein Geld für Alkohol .
Kreuzberger Szenen . Critica Diabolis 190 >>
192 Seiten, Klappenbroschur, ISBN: 978-3-89320-159-4 ; 14.- Euro
Edition Tiamat / Verlag Klaus Bittermann, Berlin;
www.edition-tiamat.de;
Inhalt
Schon seit langem beobachtet der Autor das Leben im »Gräfekiez« in
Berlin Kreuzberg, in dem er seit 30 Jahren wohnt. Jugendliche
Hosteltouristen stapeln sich und verstopfen die Wege, Mütter bahnen
sich eine Schneise mit extrabreiten Kinderwägen, die Admiralbrücke
wurde zum Treffpunkt, um sich auf das Pflaster zu legen, Bier zu
trinken und Pizza zu essen, während 60-jährige Omas die Flaschen
wegräumen. Klaus Bittermann guckt und hört sich das alles an und
schreibt kleine Alltagsminiaturen über die Menschen und die
Gentrifizierung, die gerade stattfindet, aber nicht so recht
gelingen will, denn die Sonderlinge, die Penner, die Alkoholiker,
die Renitenten, die Griesgrämigen halten sich hartnäckig.
Und auch die rumänischen Straßenmusiker, die ihre Instrumente und
anderer Leute Ohren quälen, lassen sich nicht verjagen, nicht die
blonde Powerfrau, die ins Handy brüllend allen Leuten mitteilt: »Menne,
ick bin hier beim Thai, wa!«, nicht der Obdachlose, der Mercedes
Benz für eine Baumpatenschaft gewinnen will, nicht der Mann mit dem
manischen Blick, der jeden einen »verfickten Arsch« nennt, nicht der
mit Testosteron angereicherte türkische Jugendliche, der seine
Freundin verpulvert, nicht der Mürrische, der mit Stecken,
Plastiktüte und Mundschutz am Straßenrand entlang läuft, und auch
nicht der Dichter mit dem knallroten Jackett, der für 50 Cent
Gedichte verkauft, die sich nicht reimen.
Pressestimmen:
•»Klaus Bittermann, der Doyen der Kreuzberger Literatur, bewahrt
sich einen stoischen Tonfall in der niederen Frequenz des
Hard-boiled-Romans von Raymond Chandler. Schön zu lesen ist das und
gar nicht unkomisch, vor allem wenn Bittermann seinen Kiez verlässt
und durch eine Unibesetzung spaziert, weil da Toni Negri auftreten
soll: Urgestein trifft Occupy.« (Gustav Seibt, Süddeutsche Zeitung)
•»Geniale Schnipsel: Klaus Bittermann ist auf der Höhe seiner
Schaffenskraft. Sonst hätte er nicht dieses wunderbare Buch
verfasst. Kurze Prosatexte über dies und das: die türkischen
Nachbarn, die Gentrifizierung, den Nieselregen, den Bücherstand vor
der Humboldt-Uni, die Halbstarken im Spreewaldbad. Was die Gedanken
und Blicke im Lebensumfeld eben so erwischen. Geschrieben mit der
phänomenologischen Beiläufigkeit und dem trockenen Humor, die der
deutschen Literatur so oft fehlen. Dem Mann geht‘s richtig prächtig.
In seinen besten Momenten schreibt er wie Franz Hessel.« (Ursula
März, Die ZEIT)
•»Bittermann setzt der Welt, wie sie ist, eine Haltung des
unbeugsamen Eigensinns entgegen. Dabei zeigt sich, dass Eigen-Sinn
und übergroßes Eigen-Interesse einander ausschließen. Der Philosoph
Hans Blumenberg hat einmal Arten des Schauens verdeutlicht und sie
in drei verschiedene Weisen auseinander gefaltet: in die des
Weltbetrachters von unbekannter Einstellung, der eine Gesamtansicht
zu erwerben suche; in die des Weltanschauers, der diese Gesamtsicht
immer schon habe; und in die des Weltzuschauers, dem sich alles
zeige, weshalb er ein fixes Weltbild nicht brauche. Bittermann, der
ewig junge, rebellische Weltzuschauer, schweift umher und beweist im
absichtslosen Nebenbei, wofür das Leben wirklich lohnt.« (Brigitta
Lindemann, WDR-Resonanzen)
•»Man muss nicht in Kreuzberg leben, es reicht, das Buch gelesen zu
haben.« (Henryk M. Broder, Die Welt)
•»Es sind beschwingte Kiezführungen durch den ganz alltäglichen
Wahnsinn. Kuriose Szenen aus den Abgründen übriggebliebener
Spelunken. Es sind lustige Fünf-Minuten-Geschichten, lakonisch,
verwundert und stets spöttisch. Ein sarkastisches Büchlein, mit dem
man diese Stadt und ihre Randfiguren lieb gewinnen kann.« (Stefan
Berkholz, Tagesspiegel)
•»Das Buch macht Freude.« (Edo Reents, Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung)
•»Mit zartfühlendem Sarkasmus, lakonisch, doch scharfen Blickes
seziert Klaus Bittermann das einstige Randfiguren-Idyll des
Graefekiez.« (Choices)
•»Klaus Bittermann hat das Beamen neu erfunden: nach einem halben
Satz beginnt man zu flirren und nach zweimal umblättern klappt man
das Büchlein zu und schielt übern Kottbusser Damm. Ist das nicht
Bittermann davorn? Und warum hat er so einen unpassenden
Künstlernamen?« (Friedrich Küppersbusch)
•»Klaus Bittermann ist ein Walter Benjamin‘scher Flaneur. Bloß viel
lustiger.« (Rudolf Görtler, Fränkischer Tag)
•»Was vor lauter Szeneschnöseligkeit verloren zu gehen droht, hält
Klaus Bittermann fest. ... Der Band hat einen ganz eigenen, ebenso
unterhaltsamen wie nützlichen Hintergrund.« (Christoph Wenzel, Welt
kompakt)
•»Wohl niemand ist mehr befugt ein Buch über Kreuzberg zu schreiben
als Klaus Bittermann. Es ist lobenswert, dass er nun endlich mal
eins fertiggemacht hat. Sehr schönes Buch, nix zu meckern, sondern
im Gegenteil, richtig gut.« (Horst Evers)
•»Astrein.« (Frank Goosen)
•»Sehr amüsant.« (Matthias Matussek)
•»Brutal gut. Auf nach Kreuzberg.« (Carl Weissner)
•»Mal allgemein verständlich salopp, mal sprachlich geschliffen, und
immer wieder tiefstes "Balliner"-Sprech als Dialoge und Zitate
einpflegend, mäandert der Autor durch seinen Kiez, wobei er uns auf
191 Seiten in eine Welt mitnimmt, die schon auf Grund ihrer
sozio-demographischen und städtebaulichen Mischung komplett unter
Arten- und Denkmalschutz gestellt gehört. [...] Bittermann lässt uns
teilhaben am Schein und Sein zwischen Admiralbrücke,
Dieffenbachstraße und Maybachufer, und zeichet das, was in der
Sozialwissenschaft Milieustudie genannt wird. Touristen aus aller
Herren Länder werden genauso gewürdigt wie die Loser unser
Gesellschaft, Altrevoluzzer, Nachbarn und das Gastronomiegewerbe.
Trotz mitunter deutlich kritischen Tönen ist des Autors
Liebeserklärung an den Kiez unüberhörbar.« (Uwe Goerlitz,
GeoWis-Online Magazin )
•»Klaus Bittermanns neues Büchlein ist nicht mehr und nicht weniger
als ein Ereignis! Feine, wahrhaftige, lakonische und sensationell
beobachtete Szenen und Miniaturen hat er zusammengetragen über den
Graefe-Kiez, über Berlin, über die Welt. Das Abseits ist es, das ihn
interessiert, nicht die glänzenden Fassaden, die Hinterhöfe, der
Rand, die skurrilen Typen, die Trinker, die von der Modernisierung
Abgehängten... Ihnen gehört sein Herz, seine Wut spart er sich für
jene dummdeutsche Borniertheit auf, die es nicht besser verdient und
die er abwatscht, dass es eine Art hat. Aber nie verliert er ein
Wort zuviel. Wie genau das ist, wie schön, wie komisch, wie
wunderbar - die kleine Form als ganz große Literatur. Dabei macht
Bittermann nur den berühmten Schritt zur Seite, guckt hin, hört zu,
fotografiert, notiert und erzählt dann leicht und liebevoll exakt
die Geschichten, die es wert sind erzählt zu werden. Was ein Ding!
Da muss erst dieser verrückte Verleger und grandios uneitle Flaneuer
kommen, um allen zu zeigen, wie es geht. Keine Ahnung, auf wieviel
Schwarten der letzten Jahre "endlich kommt der lang ersehnte
Hauptstadt-Roman" draufstand oder "das Beste Berlin-Buch überhaupt"
oder ähnlicher Tand - bei "Möbel zu Hause, aber kein Geld für
Alkohol" würde es endlich mal stimmen!« (Jess Jochimsen)
Autor
Klaus Bittermann, 1952 geboren, wuchs in der fränkischen Kleinod-
und Bratwurstmetropole Kulmbach auf, wurde der Schule verwiesen,
wollte aber sowieso weg, wanderte nach Nürnberg aus und kam vom
Regen in die Traufe. Abgebrochenes Philosophie-, Soziologie und
Politologie-Studium in Erlangen. Seit 1981 in Berlin, trieb sich
zunächst in der Hausbesetzerbewegung herum, verlegte sich später auf
den Verlag und aufs Schreiben. Betrieb den »Club der letzten
Gerechten«, in den er in möglichst unregelmäßigen Abständen Autoren
und Freunde zum Vortrag bat. Herausgeber von inzwischen über 30
Anthologien und Beiträger für selbige und schreibt jede Woche »Die
Blutgrätsche«.
Blog:
www.bittermann.edition-tiamat.de.
Fazit
Verleger und Autor Klaus Bittermann
spricht in seinen Kreuzberger Szenen
mit dem Titel "Möbel zu Hause, aber kein Geld für Alkohol
"in der Ichform einer präzisen klare Sprache,
erzählt im O-Ton vom Kiez mit hinterhöfischem Kenner-Blick, durchaus
berührend und griffsicher in der Charakterisierung des Genres /
ukio-e (leicht karikativ statt karitativ doch mit Herz auf dem
linken Fleck) bei seinen auftretenden und gleich wieder
verschwindenden Figuren. Eine Berliner Genre-Doku der Premium
Klasse. m+w.p12-1
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