Vincenzo Paglia: Bruder Tod - In Würde leben und in Würde sterben . Mit einer Einleitung von Manfred Lütz

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In Würde leben und sterben
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Online-Publikation: September 2017 im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
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Bn:: P378448 • 304 Seiten • Gebunden mit Schutzumschlag • ISBN: 978-3-451-37844-7; 25,00 €
Verlag Herder- Kreuz, D-79104 Freiburg; http://www.herder.de

Charakteristika
• Autor mit Erfahrung in der Begleitung von Sterbenden
• Mit einer Einführung von Manfred Lütz
• Eine klare Stellungnahme zur Sterbehilfedebatte

Inhalt
Sterbende werden im Stich gelassen und der Tod bagatellisiert oder skandalisiert: Mit klaren Worten widmet sich Vincenzo Paglia einem der wichtigsten Themen überhaupt, der Frage nach dem Sterben und unserem Umgang damit. Treffend in der Analyse, aber zugleich emotional und mitreißend, streitet Paglia dafür, Leben und Sterben im Zusammenhang zu sehen und die Würde des Menschen zu schützen. Sein Buch ist ein klares Statement in der Sterbehilfedebatte, das sich einerseits aus einem fundierten Wissen um medizinische und ethische Grundlagen und andererseits aus persönlichen Erfahrungen und Begegnungen speist. Paglia weist zudem konkrete Wege auf, wie wir uns und andere vorbereiten und begleiten können in diesen existenziellen Situationen. »Der Mensch wird alleine gelassen, gerade dann, wenn er Hilfe braucht, im Moment des Sterbens – und auch nach dem Tod.« (Vincenzo Paglia)
Im seinem ausführlichen Vorwort schreibt Manfred Lütz:
„Er [Paglio] weicht den Debatten nicht aus, legt aber den Schwerpunkt eindeutig auf die Wirklichkeit der sterbenden Menschen. Und diese Wirklichkeit ist nicht einfach schwarz oder weiß und sie ist vor allem weit weniger einheitlich, als die öffentlichen Debatten mitunter glauben machen wollen. Vincenzo Paglia ist Seelsorger und so erzählt er von berührenden Geschichten, die er mit berührenden Menschen erlebt hat. Es sind die wirklich sterbenden Menschen, die ihn bewegen.“
Dennoch ist es Paglios Anliegen, ideologische Scheuklappen abzulegen. Das wird ohne aufmerksame und mutige Überlegungen nicht funktionieren. Und ohne die Einbeziehung einer humanistischen und weisen Sicht der menschlichen Existenz und somit auch ihrer letzten Phase, sieht er die Gefahr, dass die Diskussion ins Oberflächliche abdriftet.
In der Beantwortung der großen Fragen nach den letzten Dingen, sieht Paglia alle Christen in der Verantwortung. Gemeinsam möchte er sich auf die Suche begeben nach einer neuen verheißungsvollen Antwort. Es besteht der dringende Bedarf, neue Worte und passendere Perspektiven zur Verkündung zu finden, denn in einer Welt ohne Visionen fällt es schwer, der heutigen Gesellschaft die Prophezeiung des Evangeliums zu vermitteln. Der Dialog zwischen den verschiedenen christlichen Traditionen hinsichtlich dieser Themen kann zu neuen theologischen und pastoralen Gedanken führen, die die Menschen heute erreichen können. Und nicht zuletzt sollten die Möglichkeiten des Dialogs mit den großen Weltreligionen ausgeschöpft werden, um deren Wissen in die Beantwortung der Fragen nach den letzten Dingen einzubringen und fruchtbar für alle zu machen.

Autor
Vincenzo Paglia, geboren 1945, wurde 1970 zum Priester und 2000 zum Bischof geweiht. Er war lange Präsident der italienischen Bischöflichen Kommission für Ökumene und interkonfessionellen Dialog sowie Präsident der Katholischen Bibelföderation. Von 2016 an leitete er bis zu deren Auflösung leitete die Päpstliche Akademie für das Leben. Für seinen Einsatz für Frieden und die Würde des menschlichen Lebens erhielt Paglia verschiedene Auszeichnungen.

Einleitung
Manfred Lütz (* 18. März 1954 in Bonn) ist ein deutscher Arzt, römisch-katholischer Theologe, Schriftsteller und Kabarettist. Er leitet seit 1997 das Alexianer-Krankenhaus in Köln.
https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_L%C3%BCtz

Stimmen
> Michael Zeller verzichtet in "Bruder Tod. Ein Kinderleben" weitgehend auf szenische Darstellungen. Statt­dessen lässt er uns an seiner ruhigen Selbstbefragung teilhaben. Das Buch zeichnet sich nicht zuletzt durch genaue Beobachtung und sprachlichen Schliff aus.
http://www.dieterwunderlich.de/Zeller-bruder-tod.htm
> So schreibt Franz von Assisi in seinem berühmten Sonnengesang
' Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod:
  Ihm kann kein Mensch lebend entrinnen'...
Dem Tod, der unser letzter neuer Bekannter sein wird, der, den wir als Bruder annehmen können
So schreibt Franz von Assisi in seinem berühmten Sonnengesang (hier ist der Tod weiblich wegen des italienischen Originals). Der Tod als Grund für Lobgesang!
http://paxetbonum.de
> Gerade der hl. Franziskus ist bezüglich Suizid der richtige Ansprechpartner. Auf La Verna hatte er ziemlich zu kämpfen. P. Johannes Schneider OFM hat die Fioretti übersetzt und er meint, dass im Kapitel “Der Teufel will Franziskus den Felsen hinunterstürzen” (Seite 157) nichts anderes beschrieben wird, als der depressive lebensmüde Franziskus. Der hl. Franziskus neigte selbst zum Suizid. Und das sind die Gedanken eines frommen, hoch intellektuellen Tiroler Franziskaners! Wenn man diese Versuchung und diese scheinbare Ausweglosigkeit des hl. Franziskus sieht und dann schaut, wie er den Felsen (Christus) umarmt, wie geradezu zärtlich er den Tod im Sonnengesang begrüßt. Das ist für mich die franziskanische Therapie.
 LG Pace e Bene Dein Bruder Ulrich http://paxetbonum.de

Fazit
Von Scheuklappen kann keine Rede sein - so Manfred Lütz , in seiner Einleitung - zum Diskursbuch Vincenzo Paglia: *Bruder Tod* - weitab von Ideologien, in etwa auch religiöser.
So gelingt es dem Autor 'Unbestimmtheiten und Mehrdeutigkeiten' zu den Topoi  Euthanasie, Mysterium (verborgener, unsichtbarer... Tod > unum = indicibile *), Gebrechlichkeit, Angst und Einsamkeit zu deuten.
Dagegen erhellt Lütz die Frage der Selbstbestimmung (über den Paternalismus des Arztes und  den therapeutischen Übereifer hinaus), sowohl die Palliativmedizin als auch die Schmerztherapie, sowie die letzten Dinge: 'Begleitet sterben, sich an der Hand halten...' ist sein Kredo. Dem ist auch von weniger bis nicht Gläubigen voll zuzustimmen: 'In Würde leben und in Würde sterben' das Ziel. m+w.p17-9

*) http://www.kultur-punkt.ch/diskurs-platon-akademie-4-pa4.html

Weiterer Hinweis:

http://www.kultur-punkt.ch/lebenswelt/lebenswelt-nach-topoi-a_z/leben-wie/selbstbestimmt-leben-sterben/mit-sterbebegleitung/gutes-leben-mit-sterbebegleitun.html
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