Kulturmanagement Network - KM Magazin Nr. 116: Diversity Management

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Kultur-Management - Diversity
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Online-Publikation: November 2016  im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Kulturmanagement Network - KM Magazin Nr. 116: Diversity Management >>
KM Kulturmanagement Network, D-99409 Weimar;  http://www.kulturmanagement.net/

Quintessenz, vorangestellt
Die Thematik und die Frage zu "Diversity* im KM Magazin Nr. 116  in  kulturelle Einrichtungen, 'wie Strukturen aussehen müssen, damit Vielfalt  in der Zusammensetzung von Gremien, von Aufsichtsräten, von Programmverantwortlichen sein sollen,
gibt es von den AutorInnen  ausgiebige Antworten zur Umsetzung - 'auch gegen das Einschlafen'. Und vor allem, wenn es  ums Geld und Ressourcen geht, muss es oberstes Anliegen eines Kulturbetriebes sein,  glaubhaft seine Vielfalt zelebrieren zu können. m+w.p16-11
https://de.wikipedia.org/wiki/Diversity_Management

Überblick
Das Thema Diversity wägt man sich irgendwie in einer defensiven Haltung.
Man will ja unbedingt. Aber man möchte auch niemandem auf die Füße treten.
Das Ergebnis ist meist eine Verstrickung in gender und political correctness
und es bleibt allzu oft bei trendkonformen Lippenbekenntnissen. Manch
eine/r gibt lieber gleich der monokulturellen Einheit den Vorzug. Ist das
Thema so heikel und mit Tabus gespickt? Und warum ist die Auseinandersetzung
damit für jede Organisation doch eine grundlegende?

Diversity ist kein virulentes Thema, nur weil in den vergangenen Jahren mehr
Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind oder weil sich der Kulturbetrieb
neue Zielgruppen erschließen muss oder weil auch ihn der Fachkräftemangel
erreichen wird. Alles gern herangezogene Argumente. Diversity betrifft diese
Aspekte sicher, aber es steckt viel mehr dahinter. Es ist ein Selbstverständnis,
das es Systemen und Organisationen erst ermöglicht, den kulturellen und gesellschaftlichen
Phänomenen wie Vielfalt, Pluralisierung, Internationalisierung
begegnen zu können. Eine Standardantwort zu dem Warum, Wann oder
Wie gibt es nicht. Es ist keine Auseinandersetzung mithilfe diverser vorformulierter
Zieldefinitionen, Checklisten und Anleitungen möglich. Dafür ist Diversity
viel zu komplex und betrifft zu viele Systemebenen.

Dennoch ist es eigentlich erst einmal ganz einfach: Denn am Beginn steht
schlicht die Entscheidung dafür. „Alle Aktivitäten und Ansätze lassen sich
zunächst als Anzeichen für eine interessierte, bemühte und offene Auseinandersetzung
mit Fragen sozialer Un-/Gleichheit und Verschiedenheit verstehen.“
(Verena Bruchhagen in diesem Magazin) Die Gründe dafür können
ebenso unterschiedlich sein, wie die Herangehensweisen. Aber um wirksam
sein zu können, muss es Grundlage des Handelns selbst werden. Eine Diversity
Kultur entsteht dabei nicht von heute auf morgen. Diese Aufgabe kostet
Kommunikationsmühsal und Überzeugungskraft. Und ja, vielleicht tritt
man jemanden auf die Füße. Aber der „Nutzen“ macht es zu einer vielfach –
auch im ökonomischen Sinne – lohnenswerten Aufgabe.

Kunst und Kultur gelten als besonders wichtiges Referenzsystem für Vielfalt
und Verschiedenheit. Der Kunstproduktion auf den Kulturbühnen kann man
an dieser Stelle sicher wenige Versäumnisse unterstellen. Aber gilt das auch
für das Agieren hinter ihren Kulissen? Wie „vielfältig“ arbeitet und denkt
man im Kulturmanagement? Der Blick auf die „Chef“ebene der deutschen
Kultureinrichtungen reicht allerdings schon, um zu zeigen, wie weit der Kulturbetrieb
von tiefgreifenden Auseinandersetzungen damit entfernt ist. Ja,
das Thema ist komplex, es kostet Kraft und Ressourcen. Alles vermeintlich
gute Gründe für einen Kulturbetrieb, für den der von außen bestimmte
Sparmodus schon beinahe als Generalausrede gilt. Aber letztlich wäre es nur
eine weitere wichtige Chance, die verpasst würde.
Ihre Veronika Schuster, Ihr Dirk Schütz

Einführung
Kultur ist ein Ort für gelebte Vielfalt und Toleranz über ethnische und nationale Grenzen hinweg. So sieht sich der Kulturbetrieb gerne, Programme, die auf Interkulturalität oder die Einbindung von Flüchtlingen zu tun haben, haben Konjunktur. Unter dem Schlagwort »Diversity« hört und liest man viel über all dies. Im neuen KM Magazin haben wir uns angeschaut, wie divers das Kulturmanagement wirklich ist.
Dass man sich des englischen Begriffs für Vielfalt bedient, liegt nicht einfach daran, dass es schicker klingt. Der englischsprachige Raum hat sich einfach viel früher als multikulturelle Einwanderungsgesellschaft/en verstanden, der die Vielfalt von den Rändern in die Mitte holen muss, wenn ein funktionierendes und gerechtes gesellschaftliches Miteinander möglich werden soll.
 Die Diskussion um Diversity ist also nicht neu. Doch gerade der Kulturbetrieb, der doch ein Ort der Vielfalt sein möchte, tut sich damit besonders in organisatorischer und personeller Form schwer. Wo man hinschaut – der Überbau des Kulturbetriebs rekrutiert sich doch in der Regel aus einer privilegierten, weißen, Ober- oder oberen Mittelschicht, meistens sind es Männer. Die Jobs im mittleren und unteren Segment des Kulturmanagements, was Bezahlung und Führungsmöglichkeiten angeht, werden mehr von Frauen besetzt. Das ist allerdings nicht das, was Diversity oder Diversity Management ausmacht.
 Jede kulturelle Einrichtung als auch die Kulturpolitik muss sich die Frage stellen, wie Strukturen aussehen müssen, damit Vielfalt nicht nur in Form des Spielplans auf die Bühne tritt, sondern auch in der Zusammensetzung von Gremien, von Aufsichtsräten, von Programmverantwortlichen usw. Auf diese Frage ernsthafte Antworten zu formulieren und sie umzusetzen, koste es auch Geld und Ressourcen, muss oberstes Anliegen eines Kulturbetriebs sein, der glaubwürdig seine Vielfalt zelebrieren möchte. Wir hoffen, dass Sie in der aktuellen Ausgabe des KM Magazin Anregungen zu dieser Frage finden.

Inhaltsfolge

Editorial
Nr. 116 · November 2016 3

SCHWERPUNKT - Diversity Management

THEMEN & HINTERGRÜNDE

Kulturvermittler: weiblich, deutsch, gebildet…
Diversity im Kulturmanagement
Ein Beitrag von Verena Bruchhagen
. . . . . . Seite 4
Ein anderer Zugang
Brauchen Kulturbetriebe Diversity Management?
Ein Beitrag von Gernot Wolfram
. . . . . . Seite 10
Die inklusive Organisation
Diversity Management: Chancengleichheit als Wettbewerbsvorteil
Ein Beitrag von Barbara Sieben
. . . . . . Seite 15
Harmonie und Vielfalt
Diversity und Management im Orchesterbetrieb
Ein Beitrag von Michael Stille, Intendant der Stuttgarter Philharmoniker
. . . . . . Seite 18
Diversity by Design
Verhaltensökonomische Interventionen gegen kognitive Verzerrungen und für
mehr Vielfalt im Betrieb
Ein Beitrag von Manfred Wondrak
. . . . . . Seite 22
Zwischen ambitioniertem Wunschdenken und ernüchternder Praxis
Diversity bei Stellenbesetzungsprozessen in Kulturorganisationen
Ein Beitrag von Marie Meininger
. . . . . . Seite 26

KM - DER MONAT
Ehre und Verpflichtung zugleich
Unsere 3 Fragen an Adolphe Binder ab März 2017 Intendantin des Tanztheaters
Wuppertal Pina Bausch
. . . . . . Seite 31
Einer unter vielen
Über Lobbyarbeit für den Kulturbetrieb
Ein Beitrag von Thomas von Winter
. . . . . . Seite 32
Ein gemeinsamer Prozess
Strukturentwicklung am Beispiel der Hempelschen Fabrik in Plauen
Ein Interview mit Levente Sárközy
. . . . . . Seite 35
IMPRESSUM . . . . . . Seite 49

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