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Friedenspreisträger 2011 Jürgen Grässlin ist : Gegen die Waffenlobby
und Rüstungsindustrie und für ein Verbot von Waffenexporten
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taz - Autor: MARTIN FORBERG
Jürgen Grässlin ist Friedensaktivist aber kein vom Ehrgeiz
getriebener Workaholic.
Nimmermüde - dieses Eigenschaftswort passt zu Jürgen Grässlin. Der
Deutschlehrer aus Freiburg hat offenbar Wichtigeres zu tun als zu
schlafen: "Von einem, der auszog, die Rüstungsindustrie das Fürchten
zu lehren", lautet der Untertitel eines seiner Bücher. Er ist
Gründer, Vorsitzender oder Sprecher von immerhin fünf
Friedensorganisationen.
Momentan schreibt er an einem neuen Buch und hat soeben Strafanzeige
gegen die Firma Heckler & Koch gestellt, da deren Gewehre in Libyen
bei den Gaddafi-Truppen und den Rebellen gleichermaßen aufgetaucht
sein sollen.
Am Donnerstag, dem Antikriegstag, nimmt Grässlin - gemeinsam mit der
Tübinger Informationsstelle Militarisierung - den Aachener
Friedenspreis in Empfang. Ein von Ehrgeiz getriebener Workaholic,
gar mit Managerallüren, ist er nicht geworden. Die Stimme am Telefon
bleibt freundlich, auch wenn sie seufzend über die Belastungen durch
noch mehr neue Aktivitäten berichtet.
Auch das Image, das manche Medien Grässlin verpasst haben ("Allein
gegen die Waffenindustrie"), kann nicht ganz stimmen. Nicht nur,
dass er gemeinsam mit Ehefrau und erwachsenen Kindern
Protestfahrradtouren unternimmt. Der Friedensaktivist und
Mini-Anteilseigner bei Daimler-Benz ist anfangs bei
Aktionärsversammlungen ausgebuht worden - heute erhält er Beifall.
Grässlin hat sich nicht damit begnügt, die Waffenproduzenten vom
Schreibtisch aus anzuklagen, sondern ist auch den Opfern begegnet -
in Somalia beispielsweise oder in den kurdischen Gebieten der
Türkei. In seinem Buch "Versteck Dich, wenn sie schießen" geht es
immer wieder um die von Heckler & Koch produzierten
Schnellfeuergewehre und Maschinenpistolen. Schwer zugesetzt aber hat
ihm ein anderes Traditionsunternehmen - der Daimler-Benz-Konzern.
Mit zwei Prozessen, die er beide gewonnen hat.
Um Rechtsfragen anderer Art kümmert er sich nun als Sprecher der
"Aktion Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel!". Das Grundgesetz soll
um den Satz ergänzt werden: "Der Export von Kriegswaffen und
Rüstungsgütern ist grundsätzlich verboten".
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