<<Andreas Henke: Gesundheitliche Versorgung älterer Menschen
langfristig bedroht >>
Expertenkommission der Bertelsmann Stiftung fordert Stärkung der
Prävention
Rückfragen an: Telefon: 0 52 41 / 81-81 129 Empfehlungen der
Expertenkommission und weitere Hintergrundinformationen unter:
http://www.bertelsmann-stiftung.de/de/16412_22424.jsp
E-Mail: ute.friedrich@bertelsmann.deBerlin/Gütersloh, 3. März 2005. Ohne eine grundlegende Reform
der Sozialversicherung mit einer Stärkung des Präventionsgedankens bedroht
der demographische Wandel massiv die gesundheitliche Versorgung älterer
Menschen. Zu diesem Besorgnis erregenden Befund kommt die von der
Bertelsmann Stiftung eingesetzte Expertenkommission „Ziele in der
Altenpolitik“ unter dem Vorsitz der ehemaligen Bundestagspräsidentin
Professor Rita Süssmuth.
„Bereits heute entfallen 43 Prozent der Gesamtausgaben der Gesetzlichen
Krankenversicherung auf die älteren Menschen ab 65 Jahren“, sagte der
wissenschaftliche Leiter der Kommission, Professor Andreas Kruse von der
Universität Heidelberg. Während die durchschnittlichen medizinischen
Gesundheitsausgaben pro Jahr in der Gruppe der 40-Jährigen derzeit noch
bei 2.200 Euro lägen, stiegen sie bei den 60-Jährigen auf 3.850 Euro und
in der Gruppe der 80-Jährigen sogar auf 6.800 Euro an. Heute seien
lediglich 4 Prozent der Bevölkerung über 80 Jahre. Im Jahr 2050 würden mit
knapp acht Millionen Bundesbürgern bereits 11 Prozent zu den Hochbetagten
gehören. „Diese Zahlen zeigen den dringenden Handlungsbedarf der Politik“,
sagte Kruse.
Nach Auffassung der Kommission müssten die Anstrengungen in der
Gesundheitsförderung und Prävention erheblich verstärkt werden. Damit
könnten viele Erkrankungen im hohen Lebensalter vermieden oder in ihrem
Verlauf positiv beeinflusst werden. Der mit sieben Prozent geringe Anteil
für Prävention an den Gesamtausgaben für die Gesundheit müsse dringend
erhöht werden. Ohne mittel- und langfristig wirksame Maßnahmen der
Prävention würden gerade die ausgabenintensiven Erkrankungen erheblich
zunehmen. Der Versorgungsbedarf ohne Prävention steige bis 2020 bei
Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 44 Prozent, bei gefäßbedingter Demenz um 74
Prozent und beim Oberschenkelhalsbruch um 63 Prozent.
Durch bessere Prävention könnten jährlich Milliardensummen eingespart
werden, so Kruse. Zu den wirksamen Maßnahmen gehörten vor allem Kraft-,
Ausdauer- und Bewegungstraining bei älteren Menschen sowie eine
ausgewogene Ernährung. Zahlreiche Studien zeigten, dass sich die
körperliche „Flexibilität“ auch im Alter noch um etwa 60 Prozent steigern
lasse. Auch die Pflegeleistungen, die sich heute oft auf die so genannte
Grundpflege beschränke, müssten nach Einschätzung der Expertenkommission
erheblich verbessert werden. Der präventive Aspekt der Pflege, die so
genannte Gesundheitspflege, komme viel zu kurz. Insgesamt gäbe es
gravierende Schnittstellenprobleme zwischen der Kranken- und der
Pflegeversicherung, sagte Kruse.
Eine von der Gesundheitspolitik besonders benachteiligte
Bevölkerungsgruppe sind nach Auffassung der Kommission vor allem hoch
betagte Frauen, die im Alter eine deutlich schlechtere körperliche und
psychische Gesundheit aufwiesen. Auch für Menschen aus unteren sozialen
Schichten und für Migranten müssten die Angebote zur Gesundheitsförderung
und Prävention deutlich ausgebaut werden. |