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<<Prof. Dr. med. dent. Klaus M.
Lehmann (Marburg): Zahnbehandlung im Ausland >>
Interview mit dem wissenschaftlichen
Leiter des Kuratoriums perfekter Zahnersatz
info@kuratorium-perfekter-zahnersatz.de
Frage: Wie beurteilen Sie den Trend, für Zahnbehandlungen und Zahnersatz
ins Ausland zu gehen?
Prof. Lehmann: Wer während eines Urlaubs
im Ausland starke Zahnschmerzen bekommt, wird sich natürlich behandeln
lassen und wer längere Zeit im Ausland lebt wird sich dort zahnärztlich
versorgen lassen. Auch der Wunsch mancher Bundesbürger das Angenehme, also
einen Urlaub, mit dem Nützlichen oder Notwendigen, also einer
Zahnbehandlung zu verbinden ist verständlich. Das erweiterte Europa und
die gesteigerte Mobilität verlocken dazu. Ganz grundsätzlich möchte ich
jedem, der eine solche Absicht hegt dringend raten, sich vorher bei seiner
Krankenkasse zu erkundigen, ob und in welchem Umfang eine Zahnbehandlung
im Ausland erstattet wird. Es ist auch wichtig zu wissen, wie sich die
Krankenkasse verhält, wenn ein im Ausland eingegliederter Zahnersatz
möglicherweise nach kurzer Zeit neu angefertigt werden muss.
Frage: Werden in Zukunft noch mehr Patienten zur Zahnbehandlung ins
Ausland gehen?
Prof. Lehmann: Eine Zahnbehandlung ist
Vertrauenssache. Es ist nicht jedermanns Sache, sich für eine größere
Behandlung, wie beispielsweise für die Herstellung und Eingliederung von
Zahnersatz einem Zahnarzt oder einer Zahnärztin anzuvertrauen, den oder
die man nicht oder nur flüchtig kennt. Wenn Sie etwa in eine andere Stadt
umgezogen sind, werden Sie sich dort sicherlich zunächst einmal bei den
neuen Nachbarn oder bei den Arbeitskolleginnen und Kollegen über Ärzte
oder Zahnärzte informieren. Bei einem kurzen Auslandsaufenthalt ist das
zwar auch möglich, aber deutlich schwieriger. Was wäre Ihnen denn selbst
angenehmer, ein Zahnarzt, den Sie nicht kennen und noch nie vorher gesehen
haben - und das dürfte in der Regel im Ausland zutreffen - oder der
Zahnarzt, der Sie schon längere Zeit betreut, den Sie kennen, den Sie
einschätzen können und dem Sie daher vertrauen? Letztlich muss das jeder
für sich selbst entscheiden, ich nehme aber aus den angeführten Gründen
nicht an, dass die Tendenz zu Zahnbehandlungen im Ausland stark zunehmen
wird.
Frage: Welchen Einfluss haben die Änderungen, die für Zahnersatz ab 2005
eintreten werden?
Prof. Lehmann: Nach den Informationen
des Bundesgesundheitsministeriums betreffen die Neuregelungen ab 2005 alle
Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen, nicht aber Angehörige der
privaten Krankenkassen. Sie beziehen sich ausschließlich auf die
Versorgung mit Zahnersatz. Sie gelten nicht für Kontrolluntersuchungen,
Füllungen, die Entfernung von Zahnstein, Röntgenleistungen oder
Extraktionen. Auch kieferorthopädische Maßnahmen sind nicht betroffen.
Sicher ist, dass mitversicherte Familienangehörige (etwa Kinder) keinen
Beitrag zahlen, auch die bisherigen Bonusregelungen bleiben erhalten.
Frage: Wie ist die Qualität deutscher Zahnbehandlungen im Vergleich zum
Ausland?
Prof. Lehmann: Aus fachlicher Sicht sehe
ich keinerlei Anlass, für Zahnbehandlungen gezielt ins Ausland zu gehen.
Die deutsche Zahnheilkunde kann dem internationalen Vergleich sehr wohl
standhalten. Die Qualität der zahnärztlichen Ausbildung an den deutschen
Universitäten wird international gut bewertet. Ich kenne keine
zahnärztliche Behandlungsmethode, die nur im Ausland, nicht aber
hierzulande gekonnt praktiziert wird. Deutsche Zahnärzte werden
beispielsweise vom britischen nationalen Gesundheitsdienst gezielt
angeworben und deutsche Referenten sind auf Zahnärztekongressen im Ausland
gefragt. Das Fortbildungsangebot der deutschen Universitätszahnkliniken,
Zahnärztekammern oder von privaten Fortbildungsinstituten für Zahnärzte
ist außerordentlich umfangreich und weit gefächert, es wir auch von den
deutschen Zahnärzten gut angenommen.
Frage: Wieso sollte man seine Zähne in Deutschland behandeln lassen?
Prof. Lehmann: Ich denke, dass ich diese
Frage zum Teil schon beantwortet habe. Speziell bei der Versorgung mit
Zahnersatz kommt hinzu, dass sie sich über Wochen oder gar Monate
erstrecken kann. Vor einer Versorgung mit Zahnersatz ist nämlich in aller
Regel eine gründliche Vorbehandlung des Gebisses notwendig. Nehmen wir nur
die sehr weit verbreiteten Erkrankungen des Zahnbettes und des
Zahnfleisches, die bei vielen Patienten vor einer prothetischen Versorgung
behandelt werden müssen. Gleiches gilt auch für die Sanierung kariöser
Zähne. All dies ist in einem Urlaub kaum zu erledigen, von der
eigentlichen, eventuell sehr langwierigen Versorgung mit Zahnersatz ganz
abgesehen. Was ist, wenn eine Behandlung durch irgendwelche Komplikationen
verzögert wird? Es sollte auch bedacht werden, dass nach der Eingliederung
von Zahnersatz regelmäßige Kontrollen unabdingbar sind. Diese werden am
besten dort vorgenommen, wo auch die Behandlung erfolgt ist.
Zudem ist eine Versorgung mit Zahnersatz
ohne die Mitwirkung des Zahntechnikers, dem die technische Herstellung des
Zahnersatzes obliegt, nicht möglich. Die heute möglichen, ästhetisch sehr
anspruchsvollen Versorgungen sind für mich ohne die direkte Einbeziehung
des Zahntechnikers in das Geschehen nicht denkbar. Das deutsche
Zahntechnikerhandwerk ist international führend. Das zahntechnische
Meisterlabor bürgt für einen hohen Qualitätsstandard. Nicht umsonst wurde
für die Zahntechnik der so genannte Meisterzwang nicht aufgehoben.
Lassen Sie mich zum Abschluss betonen,
dass eine Zahnbehandlung, besonders die Versorgung mit Zahnersatz,
zahlreiche, durch Tage oder Wochen von einander getrennte
Behandlungssitzungen erfordern kann. Es ist sicher sehr lästig, zeit- und
kostenaufwändig, wenn man vielleicht für einzelne, zeitlich länger von
einander getrennte Behandlungen, wegen eventueller Komplikationen, zur
Nachbehandlung oder zu Nachbesserungen, weite Wege auf sich nehmen muss. |