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Professor Tim Lüth, BMBF-Forschungspreisträger Medizintechnik 2004 -
Knochentransplantation
tim.lueth@ipk.fraunhofer.de /
www.ipk.fraunhofer.de
Damit Knochentransplantate in Zukunft besser passen, entwickelt Prof. Dr.
Tim Lüth gemeinsam mit seiner Arbeitsgruppe vom Berliner Zentrum für
Mechatronische Medizintechnik ein neuartiges Navigationssystem. Es erfasst
zunächst die Geometrie des Knochendefekts, errechnet dann ein optimales
Passstück und unterstützt später den Chirurgen beim Herausfräsen des
Ersatzknochens. Das Projekt wird in den kommenden eineinhalb Jahren vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 200 000 Euro
gefördert.
Das hohe
handwerkliche Geschick und Augenmaß des Chirurgen werden durch das
geplante Navigationssystem nicht ersetzt, sondern intelligent unterstützt.
Bei Knochenverletzungen, beispielsweise im Unterkiefer, wird heute während
der Operation zuerst per Hand eine grobe Schablone des Defekts
angefertigt. Diese dient am Beckenkamm des Patienten als Vorlage, um ein
Ersatzknochenstück zu entnehmen. Das Ersatzstück bekommt danach in der
Hand des Chirurgen durch Fräsen und Sägen seine endgültige Form.
Anschließend wird das Knochenstück mit Plattensystemen an der Fehlstelle
befestigt.
»All das geschieht während der Operation und kostet enorm viel Zeit«,
kritisiert Prof. Tim Lüth. »Der Patient muss hierbei einerseits relativ
lange in Narkose gehalten werden und andererseits ist die Passgenauigkeit
bei diesem Vorgehen nicht besonders gut. So verlängert sich später die
Einheilzeit des Knochenstücks und seine mechanische Stabilität könnte
ebenfalls besser sein.« Deshalb schlagen die Berliner Wissenschaftler ein
dreistufiges Navigationssystem vor.
Erstens wird mit Hilfe eines optisch-mechanischen Systems – bestehend aus
einem Taster und einer Stereo-Kamera – der Knochendefekt exakt vermessen
und per Computergrafik dargestellt. Der zweite Schritt in der Operation
ist, das Ersatzknochenstück z. B. aus dem Beckenkamm zu entnehmen. Dabei
soll so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich Knochengewebe abgetrennt
werden. Um dieses Ziel zu erreichen, zeigt das Navigationsgerät am
Bildschirm die Konturenpunkte mit dem größten Abstand zueinander an. Der
Chirurg berührt am Spenderknochen mit einem vom System unterstützten
sterilen Instrument die Knochenoberfläche und legt so die günstigste Lage
der Kontur fest. Im letzten Schritt setzt der Chirurg die elektrisch
getriebene Fräse oder Säge an. Er führt das Instrument weiterhin manuell –
aber wenn er die vorher festgelegte Kontur über- oder unterschreitet,
schaltet das Fräsinstrument ab.
Die
Forscher nennen dieses Verfahren »leistungsgesteuerte Positionsregelung«.
Chirurgen mit entsprechendem Training haben so die Möglichkeit das
gewünschte Knochenstück passgenau auszufräsen. Für den Patienten entsteht
ein schnell einheilendes und belastbares Knochenimplantat. Besonders in
der Gesichts- und Kieferchirurgie können mit Hilfe des Navigationssystems
auch ästhetisch anspruchsvollere Ergebnisse erzielt werden als dies mit
bisherigen Methoden möglich ist.
Seit dem Jahr 2000 arbeiten im Berliner Zentrum für Mechatronische
Medizintechnik unter der Leitung von Prof. Tim Lüth Wissenschaftler des
Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK)
und der Charité Berlin zusammen an der Entwicklung navigations- und
robotergestützter Assistenzsysteme für die Chirurgie. Für den weltweit
ersten Roboter für die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie hatte Lüth
1999 bereits den mit einer Million Mark dotierten Alfred Krupp-Förderpreis
erhalten. »Wir sind immer auf der Suche nach intelligenten
Assistenzsystemen, die medizinisches Personal unterstützen, nicht
ersetzen«, so Lüth. »Der BMBF-Forschungspreis ist für uns eine weitere
Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind.«
Das
BMBF unterstützt seit fünf Jahren mit dem »Innovationswettbewerb zur
Förderung der Medizintechnik« die Entwicklung neuer Technologien in der
Medizin. Dadurch sollen technische und wirtschaftliche
Innovationsbarrieren überwunden werden. Wichtige Forschungsergebnisse
können somit schneller in die medizinische Praxis und zu den Patienten
gelangen. Mit dem diesjährigen Innovationswettbewerb zur Förderung der
Medizintechnik zeichnete das BMBF am Donnerstag elf zukunftsweisende
Forschungsprojekte aus. Das Preisgeld von insgesamt 2,2 Millionen Euro
unterstützt die Teams bei der Umsetzung ihrer Forschungsidee in ein
Produkt. Weitere Informationen finden Sie im Ihr Ansprechpartner für
weitere Informationen:
Prof.
Dr. Tim Lüth, Tel.: +49 (0) 30 / 3 90 06-2 06 Fax: +49 (0) 30 / 3
90 06-3 36 |