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<<Johannes Einwag: Sozial - Psychologische Aspekte in der
Zahnsanierung bei Kindern>>
Karies- und gingivitisfreie bleibende Zähne - Ein realistisches Ziel,
folgert:
Professor Dr. Johannes Einwag ist Direktor des Zahnmedizinischen
Fortbildungszentrums Stuttgart und essentieller Partner im
trans-disziplinären Team zu einer zukunftsweisenden Zahnsanierung ab der
Kindheit.
Bitte beachten Sie: Das
Manuskript ist ausschließlich zum persönlichen, privaten Gebrauch
bestimmt. Jede weitere Vervielfältigung und Verbreitung bedarf der
ausdrücklichen Genehmigung des Urhebers Professor
Dr. Johannes Einwag.
1. Das Problem
Der Besuch beim Arzt /Zahnarzt ist für die meisten
Menschen mit durchaus ambivalenten Gefühlen verbunden : Hoffnung auf
Besserung auf der einen Seite, sowie Angst vor einer schlechten Nachricht
oder auch Schmerzen auf der anderen Seite stehen sich diametral gegenüber.
Dies gilt grundsätzlich unabhängig von Alter,
Geschlecht und Bildungsgrad.
So gesehen ist es überhaupt nicht erstaunlich, daß
auch nach neueren Untersuchungen der Großteil der Patienten den Zahnarzt
nur dann aufsucht, wenn bereits erste Symptome einer Erkrankung (z.B.
Schmerz oder Bluten) aufgetreten sind.
Dies gilt insbesondere auch für Kinder bis ins
Grundschulalter, die ja nicht von sich aus die Initiative zum
Zahnarztbesuch ergreifen. In der Regel erscheinen sie auf Veranlassung/in
Begleitung ihrer Eltern in der Praxis, meist erst dann, wenn die
Lebensqualität der Eltern ( z.B. durch schlaflose Nächte") gestört wird
oder Probleme im sozialen Umfeld auftreten (z.B. mangelnde soziale
Akzeptanz durch "schwarze Zähne" im sichtbaren Bereich bei Kindergarten -
und Schulkindern).
Das Ausmaß des Problems ist bereits im Kleinkindalter
enorm: Nach neueren Untersuchungen leiden etwa 6 % der Kleinkinder an
einer "frühkindlichen Karies" ("ECC"= Early Childhood Caries), meist
verursacht durch nächtliches Dauernuckeln. Das sind in Deutschland ca
50.000 Kinder pro Jahr !
2. Das aktuelle Vorgehe
In Abhängigkeit vom Alter des Kindes, vom Umfang der
notwendigen Behand-lung bzw. dem Grad/der Art der vorhandenen
Zahnarzt-Angst (unspezifisch, spezifisch oder Phobie) ist vielfach nur
eine eingeschränkte (oder gar keine ) Kooperation des Patienten zu
erwarten. Das heißt : Eine "normale" zahnärztliche Behandlung in der
Praxis, ggf. mit einer "Spritze" zur Bekämpfung des Schmerzes, ist nicht
möglich.
Bei einem Teil der Patienten (in der Regel
Kindergarten- und Schulkindern) gelingt es, durch geeignete (mitunter
aufwändige) psychologische Techniken vorhandene Ängste abzubauen. Diese
Ängste entstammen zum einen dem häuslichen Milieu (z.B.
Erziehungsprobleme, Angst-/Schmerzerfahrungen im familiären und
Freundeskreis, eigene frühere Angst-/Schmerzerlebnisse...) oder sind auf
Faktoren im zahnärztlichen Umfeld zurückzuführen ( mangelndes
pädagogisches Geschick des Zahnarztes, keine kindgerechte
Praxisorganisation oder/und -einrichtung ...).
Dennoch: Vielfach sind auch die besten
verhaltensführenden Maßnahmen allein nicht ausreichend. Dies gilt vor
allem bei Kleinkindern mit ausgeprägten Zerstörungen hingegen (immerhin ca
50.000 in Deutschland pro Jahr) Hier muß zusätzlich pharmakologisch
interveniert werden. Gleiches gilt für eine große Anzahl von Patienten,
die aufgrund von Allgemeinerkrankungen und/oder Behinderungen einer
normalen zahnärztlichen Versorgung nicht zugänglich sind.
Die Kooperation zwischen dem Zahnmedizinischen Fortbildungszentrum
Stuttgart und dem Olgahospital Stuttgart konzentriert sich auf die
Betreuung dieser Patienten.
3. Die Vision
Karies, auch die frühkindliche Karies, ist grundsätzlich vermeidbar -
bereits mit den heute zur Verfügung stehenden Methoden ! Diese Tatsache
gilt es zu kommunizieren !
Aufgrund nach wie vor bestehender Wissensdefizite
insbesondere der Eltern und Hebammen, besteht diesbezüglich allerdings
erheblicher Nachholbedarf, insbesondere im Migrantenbereich (
Migrantenkinder stellen zwischenzeitlich einen Großteil unserer Kinder mit
erhöhtem Kariesrisiko !).
Hier sind sowohl Gynäkologen, als auch Pädiater und
Zahnärzte gefordert !
Die Gleichung ist einfach : Keine Karies - Keine
Schmerzen - Keine Angst - Keine aufwändige psychologische Betreuung -
Keine Narkose !
Für die meisten der heute in Deutschland lebenden
Kindern wurde diese Vision bereits Realität. Für diejenigen, bei denen
Karies im Milchgebiß nicht vermieden werden konnte, gilt es dafür zu
sorgen, daß durch geeignete, frühzeitige Therapie die Voraussetzungen für
ein kariesfreies bleibendes Gebiß geschaffen / optimiert
werden.
Der flächendeckende Aufbau von Strukturen analog der
Kooperation ZFZ Stuttgart und Olgahospital Stuttgart wäre eine effiziente
Möglichkeit und ist
angesichts der vorhandenen fachlichen Kapazitäten im Bereich der
Pädiatrie, Anästhesie und Zahnmedizin auch kurzfristig zu realisieren.
Karies- und gingivitisfreie bleibende Zähne - Ein realistisches Ziel ! |