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Schlaf, Traum und Deutung
W+B Agentur-Presseaussendung vom Dezember 1999 - Januar 2000
<<Wolfgang Mertens: Traum und Traumdeutung>>
Reihe C. H. BECK - WISSEN; Verlag C. H. Beck; München; 143 S.; 1999; DEM 14.90 /CHF 14.- / ATS 108.-

Leichtgewichtig zwar, aber mit beachtlichem geistigen Gepäck kommt sie daher, die Reihe Wissen von Beck, wie diese aufschlussreiche Recherche zur Traum-wissenschaft dieses Jahrhunderts. Der Autor selbst ist Professor für Klinische Psychologie und -analyse an der Uni - München. Der Leser spürt unmittelbar, wie er aus seinem Alltag auspackt, ohne die Integrität der zwischendurch anschaulich geschilderten Patienten anzutasten.
In sechs Kapiteln, begonnen, mit Freuds Traum-psychologie und -deutung, werden im zweiten Kapitel seine Zeitgefährten wie Maeder, Adler, Jung, Lowy, ja sogar der im dritten Reich anerkannte Schultz - Henckes und ihre Beiträge, Methoden und Ansichten zur psychoanalytischen Traumforschung der ersten Hälfte des Jahrhunderts deutlich gemacht.
Das dritte Kapitel beschreibt die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts. Dabei werden Thomas French, Erika Fromm (weder Erich Fromm noch Viktor Frankel oder Navratil werden dabei erwähnt), angeführt, die sich mit Fokalkonflikten und deren Konsolidierung beschäf-tigen. Hinzu kommt das Traummodell von Ulrich Moser und Ilka von Zeppelin.
Anschliessend wendet sich der Autor den Befunden und Hypothesen der Neurophysiologie und -biologie, insbesondere dem (rapid eye movements) REM-Schlaf zu. Dessen Entdeckung gelang im Jahr 1953 an der Uni-Chicago.
Dabei erlebt der Schlafende eine verstärkte Emotionalität und Bizarrheit, dennoch gibt es auch eine sekundäre, geistige Aktivität, ausserhalb dieser Schlafphase ( Foulkes, 1962). Es werden auch empirische Arbeiten zum Traum angeführt und Konflikthemen im Traum und Wachzustand behandelt.
Abschliessend wird festgestellt, dass die Traum-erinnerung als Voraussetzung für die Deutung eine kommunikative Funktion hat und die Traumdeutung vier Ebenen aufweist (Kemper, 1955). 1. Objektstufendeutung: dabei werden die im Traum erscheinenden Bezugpersonen als verdichtete Eigenschaften gedeutet; 2. Subjektstufen-deutung: die im Traum auftretenden Personen verkörpern Aspekte des eigenen Selbst; 3. Die Über-tragungsebene thematisiert die Anspielungen des Träumers auf die Person des Analytikers; in der 4. Ebene, der dynamischen Deutung, erfolgt eine Einordnung der klassischen Triebtheorie in unterschiedlich erotischen Triebinhalten: oral, anal und genital.
Wolfgang Mertens ist es gelungen, in übersichtlicher Form und einer lesernahen Sprache, die tiefe Bedeutung des Traums für die Gesundheiterhaltung und Genesung des Menschen klarzustellen. Weit ab von der Medienschelte, die sich die Psychoanalyse in diesem Jahrhundert des öftern eingeheimst hat. Alle Achtung!

 


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