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Kinderhospiz Balthasar : "Wir können dem Leben nicht mehr Tage geben, aber den Tagen mehr Leben."
mailto:alschner@kokos.ag
Erstes Deutsches Kinderhospiz "Balthasar" zum bundesweiten "Tag der Kinderhospizarbeit" am 10. Februar 2006

Olpe (ots) - Es ist eine traurige Zahl: Über 500 Kinder in
Deutschland erkranken pro Jahr unheilbar. Der Weg von der Diagnose
bis zum Tod eines Kindes verläuft oft über Monate oder Jahre und
verlangt ihnen, ihren Eltern, Geschwistern und Angehörigen enorm viel
ab. Zahlreiche Menschen engagieren sich in Deutschland hauptberuflich
wie ehrenamtlich für diese Kinder und deren Familien. Mit dem ersten
"Tag der Kinderhospizarbeit" am 10. Februar wird bundesweit auf die
Situation der Betroffenen aufmerksam gemacht.

"Kinder sterben anders", erläutert Rüdiger Barth vom Kinderhospiz
Balthasar in Olpe. Der Leiter des ersten deutschen Kinderhospizes ist
fest davon überzeugt, dass eine differenzierte Begleitung sterbender
Kinder und derer Familien notwendig ist: "Schon allein der
Krankheitsverlauf ist bei jungen Menschen anders als bei
Erwachsenen." Zudem, so Barth, stehe bei der Hospizarbeit nicht nur
das sterbende Kind im Mittelpunkt. "Wir wollen und müssen in unsere
Arbeit auch die Eltern und Geschwister einbeziehen. Für uns sind sie
bereits mit der furchtbaren Diagnose Abschied nehmende und trauernde
Menschen." Mit jeder Fähigkeit, die ein Kind mit fortschreitendem
Krankheitsverlauf verliere, müsse auch die Trauerarbeit intensiviert
werden, erläutert der Fachmann.

"Gegenüber einem Erwachsenenhospiz hat unsere Einrichtung einige
Besonderheiten, mit denen wir uns auf die Bedürfnisse der kleinen
Gäste einstellen", erklärt Barth. "Weil Kinder mit unheilbaren
Stoffwechsel- oder Muskelerkrankungen oft mehrere Jahre an ihrer
unheilbaren Krankheit leiden, kommen sie und ihre Familien mehrmals
für einige Tage oder Wochen zu uns, um "aufzutanken" und gestärkt
wieder nach Hause zu fahren." Das unterscheide diese Kinder von
erwachsenen Menschen, die in der Regel nur in der allerletzten Phase
ihres Lebens in ein Hospiz gehen, um dort zu versterben.

Rund um die Uhr werden die jungen Patienten nicht nur von
erfahrenem Pflegepersonal wie beispielsweise Kinderkrankenschwestern
betreut. Sowohl ihnen als auch den Angehörigen stehen zudem
ausgebildete Fachkräfte für Gespräche während und zwischen den
Aufenthalten - also oftmals über Jahre - zur Verfügung. Besonders
ausgebildete Mitarbeiter im Kinderhospiz Balthasar kümmern sich
speziell um die Geschwister, die ansonsten im familiären Alltag sehr
viel Rücksicht nehmen und mit Einschränkungen leben müssen und die
schon außergewöhnlich früh mit dem Tod konfrontiert werden.

Mit Kinderzimmern, einer kindgerechten Einrichtung des Hauses bis
hin zu "Wunschessen" der Kinder will das Team des "Balthasar" den
kleinen Patienten einen erfüllten Alltag gestalten: "Wir können dem
Leben nicht mehr Tage geben, aber den Tagen mehr Leben," lautet das
Credo von Rüdiger Barth und seinem Team. So können die kranken Kinder
nach Lust und Laune mit anderen Kindern und Geschwistern im
Spielzimmer oder im Garten spielen oder im Snoezelen-Raum entspannen.
Klinikclowns besuchen regelmäßig die kleinen Gäste. "Bei uns im
Kinderhospiz gehören Leben und Lachen ganz natürlich ebenso so dazu
wie Sterben und Trauern", resümiert Barth.

"Selbstverständlich kommen zu uns wie in einem Erwachsenenhospiz
auch Kinder in ihrer unmittelbar letzten Lebensphase, die dann hier
versterben", so Barth. Nach dem Tod des Kindes besteht für die
Familien die Möglichkeit, in Ruhe Abschied zu nehmen. Dafür gibt es
einen Abschiedsbereich, der sehr persönlich gestaltet werden kann.

Das 1998 in Trägerschaft der gemeinnützigen Gesellschaft der
Franziskanerinnen zu Olpe als erstes deutsches Kinderhospiz überhaupt
gegründete Haus verfügt über intensivste Erfahrungen hierzulande und
stand Pate bei der Gründung von mehreren gleichartigen Einrichtungen
im Bundesgebiet. Weil das geltende Sozialgesetzbuch als Grundlage der
Kostenerstattungen durch Sozialversicherungsträger nicht zwischen
Erwachsenen- und Kinderhospizen unterscheidet, werden die ungleich
aufwendigeren Kinderhospize in der Regel allerdings nur als
Kurzzeitpflegeeinrichtungen mit zu geringen Kostenübernahmen
anerkannt. Nicht zuletzt aus diesem Grund sind Einrichtungen wie
"Balthasar" in hohem Maße auf Spenden angewiesen.

Mit einer Informationsveranstaltung über die Geschichte und
Entstehung des Kinderhospiz Balthasar wollen die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter den diesjährig erstmals veranstalteten bundesweiten "Tag
der Kinderhospizarbeit" am 10. Februar im Kinderhospiz gestalten.
Hospizleiter Barth: "Wir möchten so auf die Familien im Haus und auch
die Mitarbeiter über die Entstehung des ersten deutschen
Kinderhospizes informieren und auf die zahlreichen Facetten und
Besonderheiten unserer Arbeit aufmerksam machen."

Für Rückfragen der Redaktion:
Uwe Alschner
Telefon: 0163-8822150


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