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Online-Publikation: November 2009 im Internet-Journal <<kultur-punkt.ch>>
Ereignis-, Ausstellungs-, AV- und Buchbesprechung
<< Maria Sibylla Merian, Insects of Surinam . Merians auserlesene
Forschungsobjekte . Herausgegeben und bearbeitet von Dr. Katharina
Schmidt-Loske, Universitätsbibliothek Basel. In Deutsch, Englisch
und Französisch >>
Hardcover, 25.1 x 34.2 cm, 192 Seiten; ISBN: 978-3-8228-5278-1; €
29.99
Taschen Verlag, Köln, 2009;
www.taschen.com
;
www.ub.unibas.ch;
Inhalt
Merians auserlesene Forschungsobjekte . Das Meisterwerk einer
Pionierin der Entomologie
Zu einer Zeit, in der Frauen nur selten belesen, geschweige denn
weit gereist waren, schrieb die in Deutschland geborene
Naturforscherin und Künstlerin Maria Sibylla Merian (1647–1717) mit
ihren Studien über Insekten in Surinam Geschichte. Die ausgebildete
Kupferstecherin und Aquarellmalerin dokumentierte vornehmlich die
Metamorphose der Schmetterlinge und legte somit den Grundstein für
die moderne Entomologie. Was Merian beim Züchten einheimischer Arten
beobachtete, weckte ihre Neugierde und trieb sie zu weiteren
Nachforschungen an. Die Schmetterlingsmetamorphose vom Ei über die
Larve zur Puppe und dann zum ausgewachsenen Schmetterling war im 17.
Jahrhundert noch keineswegs allgemein bekannt. Und warum sich nicht
jede Puppe in einen Schmetterling verwandelte, blieb auch für Merian
zunächst ein Rätsel.
Eine Sammlung von Schmetterlingen aus Surinam weckte ihr Interesse
für die tropische Flora und Fauna. Sie wollte herausfinden, ob die
tropischen Schmetterlinge denselben Lebenszyklus durchliefen wie die
von ihr gezüchteten heimischen Insekten. Im Jahr 1699 trat sie mit
ihrer jüngsten Tochter Dorothea die Seereise nach Südamerika an. Es
war das erste Mal, dass eine Frau sich auf eine Entdeckungsreise von
solchem Ausmaß begab. Zurück in Europa wertete sie ihre Dokumente
aus und veröffentlichte im Jahr 1705 die bedeutende Publikation
Metamorphosis Insectorum Surinamensium auf Niederländisch und
Lateinisch. 60 Kupferstiche zeigen die Insekten inmitten der
Pflanzen, die sie in Surinam vorgefunden hatte. Mit ihrem
detaillierten Text und den dekorativen Tafeln ist die Metamorphosis
das erste Werk zur Naturgeschichte Surinams. Den Europäern des 17.
Jahrhunderts gewährte sie Einblick in eine bis dato unbekannte Welt.
TASCHENs Nachdruck einer von Hand kolorierten Erstausgabe aus dem
Besitz der Universitätsbibliothek Basel umfasst die gesamten Tafeln
mit ausführlichen Kommentaren der Biologin Katharina Schmidt-Loske.
Was Merian zu ihren Lebzeiten vollbracht hat, ist zu einer
wegweisenden Errungenschaft des modernen Zeitalters geworden. Diese
neue Publikation zollt ihrer bedeutenden Arbeit Tribut und bietet
den Lesern die Möglichkeit, ihren detailreichen Kupferstiche zu
bewundern.
Über die Autorin
Katharina Schmidt-Loske studierte Biologie in Münster, Bonn und
Frankfurt am Main mit besonderem Fokus auf Insekten und Reptilien
und hat außerdem als Buchillustratorin gearbeitet. Sie promovierte
an der Universität Bonn mit einer Dissertation über Die Tierwelt der
Maria Sibylla Merian, die 2007 publiziert wurde. Seit 2008 leitet
sie das Biohistoricum im Museum Koenig in Bonn.
Fazit
Vor 300 Jahren hat Maria Sibylla Merian (1647–1717) als erste Frau
eine See- und Forschungsreise unternommen,
um eine vergleichende Naturgeschichte zu Schmetterlingen erstellen,
Entstanden sind 60 Kupferstiche in einem
von Taschen hervorragend publizierten und präsentablen Geschenk-Buch
"Insects of Surinam". Herausgegeben und professionell
bearbeitet von Dr. Katharina Schmidt-Loske. Die
transdisziplinäre Blickweise zwischen Kunstfertigkeit,
unverwechselbare Ästhetik und naturwissendem Blick, der parallel und
integrativ Pflanze und Tier (Schmetterling, Raupe, Insekt, Schlange
...) ineinander verknüpft. Dieser naturbeobachtend-liebende und
zugleich kunstfertige Frauenblick verknüpft sich über Jahrhunderte
hinweg zugleich mit dem aktuellen naturbehütenden
Cassandra-Blick von Cornelia Hesse* und weist auf die gross/artig/e
Tradition hin - diese stille, zugleich vertiefte Hinwendekraft zur
Welt der Lebewesen, die mehr Frauen eigen ist - bis heute. w.p.
09-12
*)
http://www.kultur-punkt.ch/ereignisse/beobachter09-10hesse-insekten.htm
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