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<< Kunstmuseum Winterthur: Die ersten Jahre Kunst der Nachkriegszeit 21.8.-20.11.11 >>
www.kmw.ch  

Alberto Giacometti, La main, 1947


Inhalt
Der Zweite Weltkrieg war für Europa nicht nur eine menschliche und
soziale Katastrophe, er griff auch tief in das künstlerische Geschehen
ein. So fand der Aufbruch der Moderne damit ein vorläufiges Ende.
Bedeutende Künstler waren nach Übersee emigriert, die deutschen Museen
hatten unter dem Verdikt «Entartete Kunst» ihre neuen Sammlungsbestände
eingebüsst, und private Kunstsammlungen waren in
zahlreichen Ländern durch Raub und Zwangsverkäufe zerstört worden.
Europa hatte einen unermesslichen kulturellen Verlust erlitten, und die
Kunst war nach 1945 gezwungen, sich neu zu orientieren.
Umso mehr erstaunt, dass sich in den ersten Jahren nach Kriegsende
ein äusserst vielfältiges Bild darbot. Dieses war zunächst geprägt von
den noch lebenden Meistern der Moderne, von denen einige mit ihrem
Spätwerk neue Massstäbe setzten, etwa Arp, Bonnard, Matisse, Miró
und Picasso. Ihnen gegenüber behauptete sich Alberto Giacometti
mit seinem Werk, das sich inzwischen weit vom Surrealismus entfernt
hatte. Diesen Vorbildern nahe betrachtete sich die Ecole de Paris, mit
Bazaine, de Staël und Poliakoff. Gegen ihre Formkunst meldeten jedoch
bald neue Künstler ihre Ansprüche an – Appel, Chaissac, Dubuffet,
Jorn, Kemeny mit ihrer neoprimitivistischen Figuration oder Einzelgänger
wie Michaux, die sich ausserhalb der Konventionen positionierten.
Auf die reine Malerei antworteten die lyrischen Materialbilder von
Tàpies. Mit den Décollagen von Hains und Villeglé kündigte sich bereits
der Nouveau Réalisme an. In London griff Richard Hamilton auf die
Bildwelt der Pop-Kultur zurück. Als eigentliche Nachfolger der abstrakten
Moderne sahen sich die Zürcher Konkreten – Bill, Graeser, Lohse
und Verena Loewensberg –, die über die Schweiz hinaus grosse Wirkung
entfalteten. In der Schweiz fanden sich aber auch eigenständige
Vertreter anderer Richtungen, Spätsurrealisten wie von Moos
und Tschumi, auf die Thomkins folgte, informelle Maler wie Iseli und
Spescha oder der Bildhauer Robert Müller. Gegensätzliche Positionen
wurden ebenfalls in Italien sichtbar, wo Morandi jahrzehntelang im
Vordergrund stand, während mit Fontana, dann Castellani und Manzoni,
eine Generation auftrat, die sich radikal von der malerischen Tradition
abwandte. Die Aufzählung ist keineswegs vollständig, sie deutet nur
an, welches weite Spektrum sich nach 1945 für die Kunst eröffnete.
Die Arbeit am Sammlungskatalog des Kunstmuseums Winterthur
nähert sich inzwischen der Kunst der vierziger und fünfziger Jahre, und
dies ist ein Anlass, den Blick auf diese Periode zu richten. In der
Ausstellung werden die umfangreichen Bestände der Museumssammlung
aus dieser Zeit gezeigt – Gemälde, Skulpturen, aber auch zahlreiche
Arbeiten auf Papier –, bereichert durch Leihgaben, um die Jahre
des Wiederaufbaus zu veranschaulichen.


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