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Zur
Wiederkehr der Inhärenz /
dem Inne- und Aussenwohnen zwischen Architektur und den Künsten /
der transdisziplinären Gestaltung
Ein Aufruf, 1998 (Ein Auszug):
"...An dieser Stelle möchte ich Euch liebe Freunde, Feinde, für Eure
erschütterungsarme Gelassenheit danken, die Ihr bisher bereits eingebracht
habt. Los-Lassen-Lernen und –Können sind dabei Kernanliegen.
So nähern wir uns dabei den Haupttugendbegriffen: Weisheit, Gerechtigkeit,
Mässigkeit, Mut..Was Natur, Geist und Kunst hervorzubringen vermag möchte
ich nun vor Augen führen.
Voran sind diejenigen zu nennen, die Arroganz im paranoiden Ausmass in
diesem vergangenen Jahrhundert besessen haben und noch besitzen: Ihr habt
den Schein des Apollinischen, die reine Geometrie, die selbstgefällige,
puritane Geilheit ins Licht der Zeit gestellt, und das Dionysische – die
Malerei und Skulptur insbesondere aus der Aussenhaut der Architektur
ausgegrenzt und den Zuhältern (Galeristen und Kunstmärkten)
ausgeliefert , eine der grössten ästhetischen Verbrechen in der
Architekturgeschichte, gleichzusetzen einem ästhetischem Holocaust gegen
Erkenntnis und gleich einer Gefangennahme wie Isolierhaft (Foucault).
Skulptur und Malerei - fern der Giebelfelder, Fassaden, Tore und Türen,
Fenster und Nischen. Letzte Gegenzeugen: Art Deco. Ihr erinnert Euch
nur allzugern an den Satz von Adolf Loos << Ornament ein Verbrechen>> und
der puritanen Analyse durch das Bauhaus, die den Produktmanagern aller
Couleurs zu Recht in den Kram passte und sie es dank Euch, in den
Wehrbauten und in den anschliessenden Wiederaufbauten, den global-
grillierten Fassaden der Obersten-10-Tausend sowie ihren
menschenverachtenden Massenhaltungen in den Plattenbausiedlungen und ihren
bösartigen Auswirkungen, von Irkutsk bis Brest und von Nord bis Süd,
realisierten.
Aus dieser Unerträglichkeit heraus und der erläuterten Erkenntnis stellen
wir die neuerliche Frage an Euch beide, Freunde wie Feinde, wie wir unsere
inneren Kräfte als Geistig+Seelisch-Verantwortliche die aneinander- und
auseinandergeratenen Künste zu einer neuen Verknüpfung führen: ansonsten
bleibt Architektur, eine Ach- und Krachbude. Nun zur Kernfrage, an der
Schwelle zum dritten Jahrtausend: Welche Rahmenbedingungen setzt die
Architektur des neuen Jahrtausends zur Integration der Künste zum
Zusammenwirken des etablierten
Apollinischen ( puritane Geometrie, Dekor..) mit dem seit den 30-iger
Jahren - zwei Architekturgenerationen - in Isolierhaft befindlichen
Dionysischen ( lokal-globale Geomantie, Kosmologie, Philosophie..)
Erwartet werden Einladungen zu Angeboten zu einem integrierenden
Miteinanderwohnen der Künste, vor Ort- innen wie aussen...
W. Prankl, 1998 |