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<<Walter Prankl, Essayist,
Herausgeber des Internetjournal www.kultur-punkt.ch: Caspar David Friedrich und die Chinesische
Gegenwartskunst - Mahjong oder
Augenschein als Sein>>
Zu 2 Aktuellen Ausstellungen: info@hamburger-kunsthalle.de; http://www.hamburger-kunsthalle.de
* Caspar David Friedrich – Die Erfindung der Romantik; Hamburger
Kunsthalle 7. Oktober 2006 bis 28. Januar 2007
Katalogbuch
384 Seiten mit 369 Abbildungen.; 23 x 28 cm. Pappband., ISBN: 3-7774-3015-3,
39,90 € [D] | 69,00 SFR [CH]
Hirmer Verlag GmbH, München;
neuburger@hirmerverlag.de;
**Mahjong - Chinesische
Gegenwartskunst aus der Sammlung Sigg; Hamburger Kunsthalle 14.
September 2006 bis 18. Februar 2007
Katalogbuch
Hrsg. Bernhard Fibicher, Matthias Frehner, Text von Ai Weiwei, Estelle
Bories, Feng Boyi, Bernhard Fibicher, Matthias Frehner,
Christoph Heinrich, Hou Hanru, Li Xianting, Pi Li, Uli Sigg u.a.
360 Seiten, 380 farbige Abb., 25,40 x 30,20 cm, gebunden mit Schutzumschlag,
ISBN 3-7757-1612-2, € 49,80, SFR 83,00
Verlag Hatjecantz,
http://www.hatjecantz.de
Aktuelles Motto des Verlages Hatjecantz von Joseph Kosuth nach Robert Musil:
»Kein Ding, kein Ich, keine Form, kein Grundsatz, (sind sicher).« Und
treffendes Leitmotiv zu folgendem Essay:
Augenschein als Sein
0.Unerwartetes ErScheinen
Zwischen AgitProp /
Chinesischem Sozrealismus und sadistisch animierten Folterszenen und
Supermarktexzessen erscheint plötzlich und unerwartet das
Werk von Qiu Shihua:
1. Eindruck
Farbe und Linie deuten sich erst bei genügendem Abstand an (volle Raumbreite
ca 8-12m). Der Kurator Dr. Christoph Heinrich spricht vom Verschwinden.
Shan-Shui : Berg-Wasser, dem Wesen der Chinesischen Landschaftsmalerei seit
Jahrhunderten.
Neu ist bei Shihua: die Nebelschleier lassen nur mehr undefinierbaren
Farbmengen wahrnehmen, erst bei längerer Aufmerksamkeit
werden dies Farbandeutungen zu Wolken, Hügel, Wellen und in ihrer Aussparung
Lichtschein wie er vormals von Munch oder Monet in ex- bis impressiver Weise
kontrapunktisch zu Shihua's Entzug vom Objekthaften
gestaltet wurde...
2. Nachgedanken
..Nebelschwaden, Schemenhaftes, Undefinierbare Ferne, vorerst kein
Anhaltspunkt, Nichts, Leere, Ungesichertes... das
alles
er-fordert höhere und vertiefende Aufmerksamkeit durch Distanz - wie wir es
in der Yoga-Meditation erleben können -...
3. Vergleichendes
..zwischen Friedrich und Shihua, die gleichzeitig in der
Hamburger Kunsthalle zu erleben sind:
Beide malen Landschaften, lassen riesige Flächen dem Luft-, Himmelsraum, der
Leere, dem Fernen, Unerreichbaren... einzig tritt
noch der Mensch (als Hilfs- auch Denkfigur) als minimal-punktueller
Mittelpunkt , jedoch abgewandt ins Leere , meditierend mehr in sich als in
den Fluchtpunkt der Perspektive blickend in Erscheinung, zentral gesetzt bei
Friedrich und abwesend bei Shihua...da die chinesiche Landschaftsmalerei von
Anfang an eine isometrisch-fluchtpunklose Methode verwendet.. wir von der
PlatonAkademie4 / PA4 sprechen hierbei von der geomantischen oder
regionalperspektivischen Sichtweise im Gegensatz zur
europäisch-neuzeitlichen
geometrischen Perspektive...
4. Das Gemeinsame, Weltsichtige
Die AussenWelt entzieht sich bei ihrer Aufnahme
und entzieht sich der Inbesitznahme oder Heim-Findung... der in AugenSchein
genommene Ort ist weit fort ist im Entzug, ist uns entzogen, das
VerlorenSein macht sich in uns breit.. fordert uns heraus dieses
Sein, unsere Erde, die Welt, die globale Sicht, in uns zu finden....
w.p 10. 2006
Caspar David Friedrich – Die Erfindung der Romantik
Romantik
Die Romantik ist heute wieder in aller Munde, in der Kunst und der Literatur
ebenso wie in der Werbung und der
Unterhaltungsbranche. Dies scheint nur konsequent, geht doch die
fortschreitende Individualisierung ebenso auf die Romantik zurück wie die
umfassende Ästhetisierung unserer Lebenswelt. Umso dringlicher erscheint es
heute, an die Anfänge der Romantik und die ursprünglichen Ideen der
Frühromantiker zu erinnern. In einer entzauberten Wirklichkeit halten sie an
den Fragen nach Einheit, Ganzheit und Sinn des Lebens fest und entwerfen
eine Gegenwelt zur Uniformität und Normalität des heraufziehenden
bürgerlichen Alltags, die bis heute ihre Anziehungskraft nicht verloren hat.
Wiederentdeckung C. D. Friedrichs im 20. Jahrhundert
Noch zu Lebzeiten in Vergessenheit geraten, wurde Caspar David Friedrich zu
Beginn des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt und gilt heute als wichtigster
Maler der deutschen Romantik. Auch im europäischen Ausland, in Russland und
in Amerika fand sein Werk in den letzten Jahrzehnten zunehmende Beachtung.
Friedrich ist nunmehr auch international als einer der zentralen Künstler
des 19. Jahrhunderts anerkannt. Dies zeigen unter anderem die große Caspar
David Friedrich-Ausstellung 1972 in der Tate Gallery in London, die
kleineren 1991 und 2002 im Metropolitan Museum in New York oder die
Ausstellung 1992 im Prado in Madrid. Die Ausstellung Caspar David Friedrich.
Die Erfindung der Romantik, die noch bis zum 3.September 2006 im Museum
Folkwang, in Essen und vom 7. Oktober 2006 bis 28. Januar 2007 in der
Hamburger Kunsthalle zu sehen sein wird, ist die erste große Retrospektive
nach der großen Ausstellung zu Friedrichs 200. Geburtstag 1974 von Werner
Hofmann in Hamburg und Dresden.
Friedrich-Forschung
Spätestens seit diesen beiden Jubiläumsausstellungen hat die
Friedrich-Forschung einen enormen Aufschwung erfahren, wobei es
durchaus zu kontroversen Interpretationen seiner Werke kam. Besonders zwei
Linien haben sich herausgebildet: die religiöse und die politische Deutung
der Friedrichschen Bildmotive. Gegenüber diesen zuweil einseitig
symbolischen Interpretationsansätzen versucht die Ausstellung vor allem die
künstlerische Bedeutung des Werkes hervorzuheben, das heißt die Frage nach
der „Erfindung der Romantik“. Hiermit ist zunächst der Aspekt der
Bilderfindung in Friedrichs künstlerischem Schaffen gemeint – im Sinne der
Fiktivität seiner Naturansichten, die
Detailrealismus und abstrakte Konstruktion in sich vereinen. Darüber hinaus
verweist der Titel auf den epochalen Umbruch, den die Romantik in der Kunst
ebenso wie im Denken und Fühlen des bürgerlichen Zeitalters vollzogen hat.
Entgegen der im 20. Jahrhundert gängigen Assoziation des Romantischen mit
dem Gefühlvollen, Ungenauen will die Ausstellung den Blick für die Präzision
und Konstruktivität in Friedrichs Werken und für die bewusste Kalkulation
ihrer Wirkung schärfen. In diesem Sinne wird eine kleine Gruppe von Arbeiten
zeitgenössischer Künstler Friedrichs Aktualität in einer Art Epilog
beleuchten.
Exponate
Die Ausstellung ist thematisch gegliedert. 7 Kapitel führen das Schaffen
Friedrichs in seiner ganzen Vielfalt vor Augen: die klassischen Bildmotive
der romantischen Malerei finden ebenso Beachtung wie die spezifische
Bildregie des Künstlers zur Erfindung romantischer Stimmungen und
Empfindungen.
Sensationell ist die große Anzahl von Meisterwerken — über 70 Ölgemälde aus
mehr als 50 Museen und Privatsammlungen. Von den insgesamt 250 Aquarellen,
Sepien und Zeichnungen ist jeweils die Hälfte in Essen und in Hamburg zu
sehen. Ein erneuter Besuch der Hamburger Ausstellung lohnt sich deshalb
allemal.
Das Zustandekommen der Ausstellung und die außerordentliche Qualität ihrer
Exponate verdanken sich glücklichen Umständen, die die vier bedeutendsten
Friedrich-Sammlungen, nämlich in Berlin, Dresden, St. Petersburg und
Hamburg, als zweite Ausstellungsstation, bewogen haben, ihre Hauptwerke der
Ausstellung zur Verfügung zu stellen. Zum ersten Mal verlässt das wohl
bekannteste Friedrich Gemälde „Kreidefelsen auf Rügen“ das Museum Oskar
Reinhart am Stadtgarten, Winterthur. Die Möglichkeit, es außerhalb von
Winterthur zu sehen, wird es in absehbarer Zeit kein zweites Mal geben. Dank
der Großzügigkeit der fünf Häuser hat die Schau die Chance, zu einer der
bedeutendsten zu werden, die dem Künstler je gewidmet wurde.
Chinesische Gegenwartskunst aus der Sammlung Sigg
14. September 2006 bis 18. Februar 2007
Seit dem Beginn der Reformpolitik der Ära nach Mao 1979 hat sich in China
innerhalb kurzer Zeit trotz der weiterhin schwierigen
Bedingungen für die unabhängige Kunstproduktion eine äusserst vielfältige
und dynamische Szene entwickelt, die in den letzten
Jahren auch im Westen große Aufmerksamkeit gefunden hat.
Die chinesischen Künstlerinnen und Künstler haben dabei rasch Anschluss an
die internationale Kunstszene gefunden und bedienen sich in virtuoser Weise
der im Westen entwickelten Medien, Techniken und Ausdrucksmittel. Die
spezifisch chinesischen Wurzeln – die vormoderne Tradition einerseits und
der bis in die späten siebziger Jahre von der KP vorgeschriebene
sozialistische Realismus andererseits – sind jedoch in vielen Arbeiten
spürbar; so ist im Vergleich zur Westkunst etwa der hohe Stellenwert der
figurativen Malerei charakteristisch.
Manche Künstler setzen sich bewusst mit ihrer nationalen Identität
auseinander, indem sie Techniken und Formensprache der
traditionellen chinesischen Kunst aufgreifen und in einen neuen Kontext
stellen. Ein anderes wichtiges Thema ist die parodierende
oder reflektierende Verarbeitung der westlichen Kunst und Kunstgeschichte
aus chinesischer Perspektive. Vor allem aber ist die
chinesische Avantgardekunst vor dem Hintergrund der enormen sozialen und
ökonomischen Umwälzungen zu sehen, die das Land in den vergangenen
Jahrzehnten durchgemacht hat; zahlreiche Werke reflektieren insbesondere die
Spannung zwischen den offiziell
nach wie vor gültigen sozialistischen Idealen und dem durch die
kapitalistischen Reformen freigesetzten Konsumismus.
Der Schweizer Uli Sigg, Vizepräsident des Verwaltungsrates der
Ringier-Gruppe, ist seit den späten siebziger Jahren mit China und seiner
Kultur vertraut. Seit Mitte der neunziger Jahre sammelt er zusammen mit
seiner Frau Rita ausschliesslich chinesische Kunst und ist damit einer der
Pioniere auf diesem Gebiet. Nachdem er zunächst nur aktuelle Arbeiten
erworben hatte, begann er seine Sammlertätigkeit bald auf die „historischen“
Werke der Avantgarde aus den achtziger und frühen neunziger Jahren
auszudehnen.
Entstanden ist so eine Sammlung chinesischer Gegenwartskunst, die an Umfang
und Niveau weltweit ihresgleichen sucht. Alle
wichtigen Positionen sind mit zentralen Arbeiten dokumentiert; darunter
befinden sich viele Werke, die in der chinesischen Kunstszene mittlerweile
den Status von Ikonen besitzen.
Mit der Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle wird die Sammlung Sigg in
einem repräsentativen Querschnitt der Öffentlichkeit in Deutschland
zugänglich gemacht. Das Publikum erhält damit einen Überblick über ein
Vierteljahrhundert chinesischer Avantgarde (1979 bis 2005), der in dieser
Dichte und Qualität alles bisher Gesehene übertrifft.
Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog, der neben einem
Interview mit dem Sammler, Essays der Kuratoren, Erklärungen und
Einzelanalysen der Werke auch allgemeine Einführungen in die soziopolitische
sowie die künstlerische Entwicklung Chinas in den letzten drei Jahrzehnten
enthält.
Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Bern, wo sie
von Bernhard Fibicher und Ai Weiei kuratiert wurde;Kurator der Ausstellung
in Hamburg: Dr. Christoph Heinrich. |