|
W+B
Agentur-Presseaussendung Mai 2004
<<Inhärenz der Künste –
Wiederkehr einer heute vernichteten Gestaltungs-Art>>
Ereignisbesprechung
<<Das Glück Württembergs:
Zeichnungen und Druckgrafik europäischer Künstler des 18. Jahrhunderts>>
15. Mai. – 26. September 2004
Ausstellung: Staatsgalerie Stuttgart / Grafische Sammlung
www.staatsgalerie.de
Konzeption und Katalog-Autoren: Kuratorin Dr. Corinna Höper;
Assistenz Dr. Andreas Henning
Presse und Öffentlichkeitsarbeit: Dr. Beate Wolf
Sponsoren: S.K.H. Carl Herzog von Württemberg, Adolf Würth GmbH &
Co.KG
200 S.; 100 s/w-Abbildungen; Paperback; Verlag Hatje Cantz,
Ostfildern-Ruit, 2004, EUR 29,80
www.hatjecantz.de
Das Glück
Württembergs – Heute: ist es,
dass es den kompetenten Kräften und dank Sponsoren gelungen ist, die seit
300 Jahre bestehende Tradition der seither im Schloss Ludwigsburg, der
Residenz im 18. Jahrhundert zu feiern und uns so die schöpferischen
Kräfte der bildenden Künste (Kunst, Wissenschaft und Technik damals noch
inhärent verknüpft – zugleich beispielhaft für eine sich andeutende
Inhärenz dieser drei Disziplinen) zur Reflexion vorzuführen.
Zur Inhärenz transdisziplinärer Ideenskizzen
Wenden wir uns nun dieser Huldigung, (wie es in der Einführung
treffend heisst) der Ideenskizze zu.
Heute sprechen wir vom Entwurfsprozess – übrigens zeitgleich mit der
Ausstellung eines Architekturbüros von Herzog&DeMeuron im Schaulager,
Basel
www.schaulager.org. Da bahnt sich eine symbiotische, zwar noch
zaghafte angedeutete Inhärenz in der Gestaltung an. Trotz des
gesellschaftsbedingten Zeitgeist bedingten erfolgsversprechenden
Narzissmus kommt es zu einer transdisziplinären Gestaltungslehre, die
einen direkten Vergleich in der Zusammenarbeit gestaltender Kräfte aus
eben diesen Disziplinen wie Kunst, Technik, Wissenschaft mit Forschung und
Entwicklung / F+E sichtbar werden lässt: Und das nach 100 Jahren
Tötungsansage und schliesslich radikalem Tod des Ornaments und der
Inhärenz der Gestaltung in diesem zweifach schreckenserregenden
vergangenen Jahrhundert.
Die transdisziplinären Gestalter
Donato Giuseppe Frisoni (1681-1735) ist Baumeister des Ludwigsburger
Schlosses. Sein Neffe Leopold Retti (1704-1751, entwirft die Pläne für das
Schloss, neben beiden malt Carlo Innocenco Carlone (1686-1775) die
Deckenfresken. Hinzu kommt der Bildhauer Domencio Ferretti (1702-1774),
der sich vor allem durch eine Figuren-Ballustrade auszeichnet. Nach
Rettis Tod folgte Philippe de la Guepiere als Baumeister von Schloss
Solitude und des Stuttgarter Schlosses. Innengestaltung, Wandansichten,
-gestaltung und Stuckornamente vom Schloss Solitude werden von Guepiere,
zusammen mit den Farbwünschen des Herzog Carl Eugen um 1767 realisiert.
Es entstehen so hervorragende und einfühlbare Linien und Formen, die mit
der kaligraphischen Begabung des Herzogs, bei seinen Farbanmerkungen, eine
zeit-zoom-artigen Detaileinblick in die Gestaltungserziehung des 18.
Jahrhunderts vermitteln
Matthäus Günther (1705-1788) zeichnet die Vorentwürfe für das Neue Schloss
Stuttgart, das im Bombenhagel von 1944 zerstört wird.
Schliesslich erlangen wir einen Einblick in das so genannte
Müller-Kabinett. Es handelt sich dabei um die bedeutende
Kupferstechschule dieser Zeit, die der Gestalter Johann Gotthard Müller
(1747-1830) begründet hat.
Insgesamt sehen wir uns 200 Werken, 70 Gestaltern und noch mehr
Berufs-Nennungen gegenüber: 7 Architekten, 14 Baumeister, 21 Bildhauer, 24
Kupferstecher, 38 Maler, 8 Marmorsteinmetze, 25 Stukkateure, 10
Teppichwirker…
Selten gewordene bis heute verloren gegangene Qualifikationen seien noch
hinzugefügt: Elfenbeinschnitzer, Goldsticker, Grottier (
Grottengestalter), Münzstempelschneider, Porzellanentwerfer und -maler,
Quadraturmaler ( dabei wird von Hand karierten, quadratischen Netzen auf
Zeichnungen ausgegangen, die danach gedruckt oder vergrössert übertragen,
gemalt werden), Seidensticker, Theatralmaler, Wachsbossierer und
Zinngiesser.
Alle diese Qualifikationen haben so zu einer innigen Verknüpfung,
sozusagen einem Innewohnen, der Inhärenz geführt um ein Bauwerk aussen wie
innen – bis zur Tischkultur - zu gestalten.
Eben da wird uns der Verlust dieser Innigkeit der Gestaltung – heute –
deutlich und hier kongenial klar gemacht: dank dieser bemerkenswerten
Vorführung eines verloren gegangenen Musterbeispiels von inhärenter
Gestaltung und Förderung durch kompetente Sponsoren –damals wie heute – in
dieser Ausstellung Das Glück Württembergs.
Vorträge dazu ermöglichen eine tiefer führende Betrachtungsweise:Gernot
Närger: Schloss Ludwigsburg in den Stichen von Nette und Frisoni
Dr. Corinna Höper: Eine grosse Familie. Die italienischen Künstler am
württembergischen Hof ..;
Dr. Christian Rümelin, Ashmoealan Museum Oxford: Bilder für Europa –
Die Kupferstecherklasse der Hohen Carlschule und ihr internationales
Netzwerk. Näheres dazu:
info@staatsgalerie.de
|