.Cartoonmuseum:
Cartoon & Karikatur: Sondermann alias Bernd Pfarr
St. Alban-Vorstadt 28, CH-4052 Basel
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Ausstellung bis 12.3.2006; CH-4052 Basel; St. Alban-Vorstadt 28;
Zum Andenken an den im Sommer 2004 verstorbenen, kongenialen Cartoonisten
Bernd Pfarr werden über 100 Originalarbeiten aus dem SONDERMANN-Zyklus
ausgestellt.
Zuneig(n)ung und Klärung
Cartoons erzählen Geschichten in einem Bild oder in einer Sequenz von
wenigen Bildern, oft ohne Text. Cartoons sieht man sich an:
Entwurfszeichnungen für Tapisserien und Frescos; satirische Zeichnung;
gezeichneter Humor Gag, kurze Bildgeschichten, keine Trickfilmvorlagen =
Animated Cartoons...
Karikaturen sind humoristischer Darstellungen, Stilmittel der Verzerrung und
Übertreibung, auch "Gegenkunst" ; Sujets: Helden in Politik, Gesellschaft
und Wissenschaft...
Bernd Pfarr, 1958-2004, zu früh verstorben, hat uns - bleibend -einen
geistigen Sohn hinterlassen:
Nachspüren: Sondermann alias Pfarr
Sondermann, dieser ist 17 Jahren alt geworden, sein geistiger Vater 48. So
bleibt der beSonder(e)mann Fragment und Requiem eines
autobiografisch-geprägten Flaneurs und genialen demokratischen Dilettanten
im Humboldt’schen Geist und im Daumier’schen Genrekanon mit den
charakteristischen Stilmerkmalen der Schweizer Bauhaus Tradition im
Konstruktiven, Analytischen und Geometrischen, jedoch mit figurativer
Bodennähe: Kühl, sparsam und mit überlegener Klarheit und Prägnanz, kein
Strich und keine Farbmenge umsonst – letzere erinnert an Paul
Lhose und hintergründig parodisch an das schweizerische Alltagsdesign
dieser Kunstströmung, Das gleiche gilt für die überaus knapp gehaltenen
Bildlegenden mit ihrem parodisch-buchhalterischen Aufleuchten mitten im
Sal(t)zgebilde. Nicht nur Salz streut er da hinein auch eine starke Prise
Pfeffer wohnt dem Seismografischen von Pfarr inne:
Zwei Textbeispiele:
1
«Seitdem der Chef die Gebrüder Strittmatter beauftragt hatte, kam Sondermann
endlich jeden Morgen pünktlich zur Arbeit.» Sondermann arbeitet (1993)

2
Sondermann war auf dem Weg zu einer "Mühlstein-Party". Da er sich in der
Hausnummer irrte, geriet er auf eine "Autoreifen-Party" und war dort
natürlich sofort Hahn im Korb.» Sondermann feiert (1994)

Zur Figuration:
Herr Sondermann, 1987-2004, Lebenskünstler mit korrektem Anzug und Hut, ist
Buchhalter mit sonderlichem Flair für absurde Alltagssituationen. Neben
Querelen mit seinem Chef und Erledigung des Büroalltags beschäftigen
Sondermann wichtige Themen wie Essen, Glück, Fotographie und Reisen.
Sondermann lernt, dichtet, beschwert sich, feiert, ist traurig, geht baden,
erhält Post und hat Feierabend.
Seltsame Wesen bevölkern auf den farbig gefassten Aquarellen Sondermanns
Welt, in der sich auch die Tische biegen und der Raum sich krümmt. Da rückt
der spreng-freudige Nachbar Schulze mit TNT an und Sondermanns Mutter, mit
einer Vorliebe für Bären, macht Sondermann das Leben schwer. Pinguine,
Krokodile, Ameisenbären und Hunde handeln und sprechen und sind mal
Nachbarn, mal Arbeitskollegen...
Pfarr zu Sondermann:
«Er ist in Anführungsstrichen normal, wie es nur normal sein kann. Er
arbeitet als kleiner Angestellter in einer Firma, wo man nicht genau weiss,
was passiert. Dort verrichtet er Büroarbeit in klassischer Form, die er
manchmal befriedigend, manchmal weniger befriedigend meistert.»
«Die Figur ist ein Zufallsprodukt aus den frühen Tagen von Pardon und
Titanic und von begnadeter Schlichtheit. Ich kann sie mit allen möglichen
absurden Situationen konfrontieren und sie reagiert so darauf, dass es noch
glaubwürdig erscheint.
Durch seine reduzierte Realitätswahrnehmung ist Sondermann in der Lage,
Situationen zu meistern, die mit normaler Wirklichkeit nicht mehr viel zu
tun haben.»
«Realität ist für mich immer nur das, was jeder als Realität empfindet. Wir
leben alle in verschiedenen Welten. Wir haben zwar eine Schnittmenge, wo wir
uns verständigen können, doch das emotionale Empfinden ist sehr subjektiv.
Ich würde gerne allen Leuten austreiben, dass sie glauben, dass ihre
Realität "die Realität" ist und nicht nur eine bizarre Sicht der Dinge.»
Zitate: Bernd Pfarr in einem Interview im Subway Magazin. April 2004. Ein
Gespräch von Christian Göttner mit Bernd Pfarr.
Fazit: Im offenen Gespräch mit den MitarbeiterInnen, voran Frau Astrid
Rocabado, Administration, erhalten Interessierte professionell-sachliche
Antworten auf aktuelle Hintergrundfragen. Jeder Besuch lohnt: Mi-Sa 14-17
Uhr und So 10-17 Uhr. |
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